Anna Sewell (1820-1878) – Eine Kinderbuchautorin, die das berühmte „Black Beauty“ schrieb und einige Stationen aus ihrem Leben

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Anna Sewell sollte nie selbst erleben, dass ihr Buch „Black Beauty“ (dt. „Black Beauty: Die Lebensgeschichte eines Pferdes von sich selbst erzählt“), das 1877 erschien, zu einem Weltbestseller wurde, denn sie starb im Jahr 1878. £20 zahlte ihr damals der Verleger Jarrolds in Norwich (Norfolk), bis heute sind über 50 Millionen Exemplare verkauft worden. Sewell setzte sich in ihrem Buch für den Tierschutz ein, denn zu ihrer Zeit wurden Pferde häufig grausam behandelt. Black Beauty erfährt diese Behandlung am eigenen Leib, doch die Geschichte hat ein Happy End: Kurz bevor es mit dem Tier zu Ende geht, gerät es in die Hände seines ehemaligen Stallburschen, der es aus dem bisherigen Elend erlöst und es bei sich aufnimmt.

Hier sind einige Stationen aus ihrem Leben:
Anna Sewell wurde am 30. März 1820 in dem Seebad Great Yarmouth (Norfolk) geboren und zwar in einem alten Fachwerkhaus ganz in der Nähe der St Nicholas Church, in der Straße Church Plain. Dieses schmale Häuschen gibt es noch heute, darin befand sich eine Zeit lang ein Tea Room, heute hat sich dort die Redwings Horse Sanctuary einquartiert, die größte Tierschutzorganisation für Pferde in Großbritannien, die sich um gerettete Pferde, Ponys, Esel und Maultiere an verschiedenen Standorten in England und Schottland kümmert.

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Photo © Colin Smith (cc-by-sa/2.0)

In einem Haus in der Spixworth Road Nummer 125 in Old Catton schrieb Anna Sewell ihren Roman „Black Beauty“. Der Ort liegt am nördlichen Rand der Stadt Norwich.

Copyright: Literary Norfolk.
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Annas Bruder Philip besaß ein Pferd namens Black Bess, das sie zu ihrem Roman angeregt haben soll. Die Scheune in der Black Bess untergebracht war, beherbergt heute das Sewell Barn Theatre am Constitution Hill in Norwich.

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Photo © Mark Boyer (cc-by-sa/2.0)

Anna Sewell starb am 25. April 1878 und wurde in Lamas, 12 Kilometer nordöstlich von Norwich, auf dem Gelände der Old Quaker Chapel beigesetzt. Das Haus ist heute in Privatbesitz; die Eigentümer haben Anna Sewells Grabstein in die Außenmauer, die das Haus umgibt, integriert, so dass Black Beauty-Fans auch heute noch der Autorin huldigen können.

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Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Die Geschichte des schwarzen Hengstes wurde mehrfach verfilmt, unter anderem 1994 mit Jim Carter („Downton Abbey“), Sean Bean und Andrew Knott („The Secret Garden“). Hier ist der Trailer.

Das Buch zum Artikel:
Susan Chitty: Anna Sewell – The Woman Who Wrote Black Beauty. The History Press 2007. 288 Seiten. ISBN  978-0752442822.

Published in: on 26. März 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Captain’s Club Hotel & Spa in Christchurch in Dorset

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Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Bei einem Spaziergang entlang des Town Quays am River Stour in Christchurch (Dorset), über den ich in meinem Blog berichtete, kam ich an einem schneeweißen Hotel mit großen Glasflächen vorbei, das durch seine sehr schöne Lage an dem Fluss auffällt: The Captain’s Club & Spa. Ich habe dort leider (noch) nicht gewohnt, da ich eigentlich historische Hotels für meine Übernachtungen in England vorziehe, doch dieses Haus sprach mich sofort an. Es erinnert ein wenig an ein Kreuzfahrtschiff, und im Inneren herrscht ein gewisses maritimes Flair.

Dort, wo das Captain’s Club Hotel steht, war früher einmal ein Pontin’s Holiday Park (siehe dazu meinen Blogeintrag), der aber abgerissen worden ist. Im Jahr 2005 begannen die beiden Gastronomen Tim Lloyd und Robert Wilson, die in Christchurch Restaurants betrieben hatten, mit dem Bau des £7.5 Millionen teuren 4*-Hotels, das im November 2006 eröffnet wurde. Es bietet 29 Zimmer und Suiten, einen Spa, den CC Spa, und ein Restaurant, das mit zwei AA Rosetten ausgezeichnet worden ist. Stammgäste erfreuen sich der Mitgliedschaft im Club 20, durch die sie einen 20%-Rabatt auf Mittag- und Abendessen, auf Übernachtungen und auf Spa-Anwendungen erhalten. Die Mitgliedschaft ist begrenzt, und zur Zeit werden keine neuen Mitglieder aufgenommen.

Neben dem Hotel legt die Wick Ferry an, die Fußgänger über den River Stour zum gegenüber liegenden Ufer transportiert. Die Fähre soll schon mehrere hundert Jahre in Betrieb sein und verkehrt in der Zeit von Ostern bis Ende Oktober täglich von 10 Uhr bis 17.30 Uhr, in der restlichen Zeit sind die Betriebszeiten eingeschränkt.

Dieser Film zeigt einen Besuch im The Captain’s Hotel & Spa.

The Captain’s Hotel & Spa
Wick Ferry
Christchurch, Dorset, BH23 1HU

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Photo © Jonathan Hutchins (cc-by-sa/2.0)

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Der ehemalige Pontin’s Holiday Park.
Photo © Ronald Searle (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. März 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Withyham in East Sussex, Vita Sackville-West und The Dorset Arms

St Michael and All Angels in Withyham. Eigenes Foto.
St Michael and All Angels in Withyham.
Eigenes Foto.

Als ich einmal an einem Sonntag von meinem Hotel, dem Ashdown Park Hotel im Ashdown Forest auf der B2110 nach Tunbridge Wells fuhr, kam ich ein paar Kilometer hinter Hartfield durch das winzige Dorf Withyham in East Sussex. Hier gibt es nur die Kirche St Michael and All Angels (hier sind ihre Glocken zu hören), den Dorfgasthof The Dorset Arms und einige wenige Wohnhäuser. Im nahegelegenen Buckhurst Park lebt seit vielen Jahrhunderten die Familie Sackville, deren Stammhalter zurzeit William Herbrand Sackville, der 11. Earl De La Warr ist. Auch Vita Sackville-West gehörte dieser Familie an; sie wurde vor allem dadurch bekannt, dass sie, gemeinsam mit ihrem Ehemann Harold Nicolson, Sissinghurst Castle und die dazugehörenden Gärten so kunstvoll gestaltete, dass ein Besuch dort für die meisten Südenglandbesucher ein absolutes Muss darstellt. Die Gartenliebhaberin und Schriftstellerin starb am 2. Juni 1962 auf ihrem geliebten Landsitz und ihre Asche wurde hier in Withyham in St Michael and All Angels in der Familiengruft der Sackvilles in einem Tintenfass beigesetzt. Dort finden wir auf  einer Plakette die Inschrift:

In memory of V. Sackville-West C.H., poet, whose ashes lie below this chapel. Only child of Lionel, third Baron Sackville & Lady Sackville. Born at Knole 9 March 1892 died at Sissinghurst 2 June 1962

Einer von Vitas Vorfahren, Reginald Sackville-West, war von 1841 bis 1865 Pfarrer an der Kirche. Von ihm ist noch ein Wandgemälde vom Jüngsten Gericht erhalten geblieben. Im Dezember 2012 wurden im Londoner Auktionshaus Sotheby’s vier italienische Bilder aus dem 14. Jahrhundert, die St Michael and All Angels gehörten, für £950,000 versteigert; das Geld benötigte man dringend für Reparaturarbeiten.

Der neben der Kirche gelegene Gasthof The Dorset Arms war an diesem Sonntagmittag sehr gut besucht, der Parkplatz war komplett belegt (obwohl man auf der Homepage von „One of Sussex’s best kept secrets“ spricht!). Auch hier besteht wieder ein Zusammenhang mit der Sackville-Familie, denn 1604 wurde Thomas Sackville zum Earl of Dorset ernannt. Die Nähe zum Buckhurst Estate der Sackvilles ist auch auf der Speisekarte des Pubs zu spüren, denn da gibt es bei meinem Besuch zum Beispiel Buckhurst Steak, Buckhurst Venison und Buckhurst Sausages.
The Dorset Arms ist ein Free House und im Besitz des Earls de la Warr.

The Dorset Arms
Buckhurst Park
Withyham
Hartfield TN7 4BD

Das Sackville Monument. Eigenes Foto.
Das Sackville Monument.
Eigenes Foto.
Die Vita Sackville-West Plakette an der Kirchenwand. Eigenes Foto.
Die Vita Sackville-West Plakette an der Kirchenwand.
Eigenes Foto.
The Dorset Arms, wo wir ein Prawn Sandwich und ein Pint zu uns nahmen. Eigenes Foto.
The Dorset Arms, wo wir ein Prawn Sandwich und ein Pint zu uns nahmen.
Eigenes Foto.

Die berühmten Töchter und Söhne von Ashington in Northumberland, dem einst größten Bergbaudorf der Welt

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Die Station Road in Ashington.
Photo: Mfbuckland.
Creative Commons 4.0

Als in Ashington, nördlich von Newcastle upon Tyne in Northumberland gelegen, noch Kohle abgebaut wurde, ging es hier sehr lebhaft zu, und der Ort galt als das größte Bergbaudorf der Welt, wobei man den Begriff „Dorf“ sehr großzügig auslegte, denn noch heute hat Ashington rund 27 000 Bewohner. Als nach und nach die Kohleminen schlossen, zog, wie auch in so vielen anderen Dörfern und Städten des Nordens, die vom Bergbau abhängig waren, die Tristesse hier ein. Man stemmte sich aber gegen den Niedergang von Ashington und erschuf zum Beispiel den Wansbeck Riverside Country Park, den Queen Elizabeth II Country Park und das Woodhorn Colliery Museum, um den Tourismus anzukurbeln.

Ashington ist auch der Geburtsort von einer ganzen Reihe von bekannten Sportler und Musikern, die ich hier kurz erwähnen vorstellen möchte:

Jackie Milburn war der erste Profifußballer aus Ashington, der national Karriere machte. Von 1943 bis 1957 spielte er für den Club Newcastle United und war später als Trainer tätig, zuletzt bei Ipswich Town. Als er 1988 im Alter von 64 Jahren in seiner Heimatstadt starb, wohnten dem Begräbnis 30 000 Menschen bei. Man errichtete Jackie Milburn im Jahr 1995 ein Denkmal in der Station Road. Milburn hatte zwei Neffen, die im englischen Fußball wesentlich berühmter wurden als ihr Onkel: Bobby und Jack Charlton.

Sir Bobby Charlton (1937-2023) war eine Fußballikone in England, in etwa vergleichbar mit Uwe Seeler in Deutschland. Er spielte von 1954 bis 1973 für Manchester United und ließ dann seine Karriere bei den kleinen Vereinen von Preston und Waterford ausklingen. In der Nationalmannschaft trat Bobby Charlton 106mal an. In Ashington hat man ihm (noch) keine Statue errichtet, aber in Manchester kann man ihn vor dem Old Trafford Stadion, zusammen mit George Best und Denis Law, bewundern, die zusammen 665 Tore für ManU erzielten. Hier ist Sir Bobby im Film zu sehen. Er ist nicht in Ashington, sondern in Manchester beigesetzt worden.

– Bobbys älterer Bruder Jack Charlton (1935-2020) war seinem Club ebenso treu; er spielte auschließlich für Leeds United, und das von 1952 bis 1973, heute im Profifußball kaum noch denkbar. Seine Karriere beendete Jack als Trainer für die irische Nationalmannschaft. Hier ist ein kleines Porträt von ihm im Film zu sehen. Jack starb auch in seinem Geburtsort; seine Asche wurde an der Küste von Northumberland verstreut. Eine Bronzestatue von ihm wurde am 29. Oktober 2022 im Hirst Park von Ashington enthüllt-

– Und noch ein Profifußballer wurde (1979) in Ashington geboren: Martin Taylor, der unter anderem bei den Blackburn Rovers, bei Birmingham City und Sheffield Wednesday spielte.

Doch Ashington hat nicht nur Fußballspieler hervorgebracht, sondern auch zwei Opernsängerinnen.

– Die Sopranistin Sheila Armstrong wurde 1942 in dem Kohlerevier geboren, ging nach Newcastle und London, um dort Gesang zu studieren und baute sich erst national eine Karriere auf, zum Beispiel im Royal Opera House Covent Garden, trat dann aber auch international in Erscheinung wie in Italien, in den USA und auch in Deutschland. Hier ist Sheila Armstrong mit Schubert-Liedern zu hören.

– Auch die 1954 in Ashington geborene Janice Cairns ist Sopranistin und trat unter anderem in der Opera North in Leeds und in der Scottish Opera in Glasgow auf. Hier ist Janice Cairns in der Oper „Simon Boccanegra“ von Giuseppe Verdi zu hören.

– Zum Abschluss noch ein weiterer Sänger aus Ashington, der allerdings nie etwas mit Opern zu tun hatte, sondern mit der sehr leichten Muse, dem Schlager. Es ist Billy Sanders, den es auch eine Zeit lang nach Deutschland verschlagen hatte und der hier vor allem mit einem Schlager bekannt wurde, dem Gartenzwerg-Marsch („Adelheid, Adelheid, schenk‘ mir einen Gartenzwerg!“). Sanders starb 2001 in dem südlich von Ashington gelegenen Ort Blyth. Hier ist Billy Sanders noch einmal mit seinem Erfolgshit aus dem Jahr 1962 zu hören.

Dieser Film zeigt einige nostalgische Aufnahmen aus Ashington.

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Die Jackie Milburn-Statue in der Station Road in Ashington.
Photo © MSX (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 23. März 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Abinger Hammer an der A25 in Surrey und sein Wahrzeichen, die Abinger Hammer Clock

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Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

An der A25, die parallel zur Autobahn M25 verläuft, finden sich zahlreiche hübsche Orte. Ich denke da nur an Westerham, Oxted oder Godstone, aber auch an das weiter westlich, zwischen Dorking und Guildford gelegene Abinger Hammer. Immer wenn ich durch das Dorf fahre, sage ich mir, dieses Mal hältst du aber an und siehst dir das Wahrzeichen des Ortes einmal genauer an, aber wieder ist an der schmalen Ortsdurchfahrt kein Parkplatz zu finden und wieder kann ich nur einen kurzen Blick auf die Abinger Hammer Clock werfen.

Die Uhr ragt ziemlich weit in die Straße hinein und auch das Warnschild mit der Aufschrift „Building Overhang“ konnte nicht verhindern, dass immer mal wieder Lastwagen mit hohen Aufbauten daran entlanggeschrammt ist und sie beschädigt hat.
Jack the Blacksmith hat die gefährliche Aufgabe, stündlich die Glocke der Uhr zu schlagen, die hier seit 1909 den Dorfbewohnern und den durchfahrenden Reisenden die Zeit anzeigt. Der Schmied ist circa 1,20 Meter groß und wiegt einen Zentner; seine Figur soll an die Zeit erinnern, als hier in Abinger Hammer das Schmiedehandwerk eine bedeutende Rolle spielte. Die Uhr wurde seinerzeit zu Ehren von Lord Farrer von Abinger Hall aufgestellt, der sich um das Dorf verdient gemacht hat.

Wenn mal wieder ein Lastwagen das Wahrzeichen von Abinger Hammer beschädigt hat, wird die Glocke von der Firma Smith of Derby („Bespoke clock makers for over 150 years“) repariert; das kostet dann immer mehrere tausend Pfund, die durch Spenden aufgebracht werden, zum Beispiel vom Surrey County Council und von Surrey Historic Buildings. Es wäre auch jammerschade, wenn Jack the Blacksmith eines Tages nicht mehr dort oben über der A25 stehen und seine Glocke schlagen würde.

In Abinger Hammer lebte zwanzig Jahre lang ein bedeutender englischer Schriftsteller, nämlich Edward Morgan Forster, der durch seine Romane „Howards End“ (dt. „Wiedersehen in Howards End“) und „Room With a View“ (dt. „Zimmer mit Aussicht“), auch in Deutschland, bekannt geworden ist. Forster lebte von 1925 bis 1945 in der Hackhurst Lane, einer Straße, die von der Dorking Road (das ist die A25) nach Norden abzweigt.

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Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

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Das Ortsschild von Abinger Hammer.
Photo: sarflondondunc.
Creative Commons NC-ND 2.0

Published in: on 22. März 2026 at 02:00  Comments (1)  

The Showmen’s Guild Memorial im National Memorial Arboretum bei Alrewas in Staffordshire

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Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

Vor mehr als zehn Jahren stellte ich in meinem Blog schon einmal das National Memorial Arboretum bei Alrewas in der Grafschaft Staffordshire vor, in dem mehr als 200 Gedenkstätten versammelt sind, mit denen Menschen geehrt werden, die im Dienste ihres Landes gestorben sind. Besonders eindrucksvoll finde ich das Shot at Dawn Memorial, errichtet für 306 britische Soldaten, die im Ersten Weltkrieg wegen „Feigheit vor dem Feind“ im Morgengrauen erschossen worden sind.

Heute möchte ich an dieser Stelle das Showmen’s Guild Memorial vorstellen, das am 18. August 2008 hier im Arboretum eigeweiht worden ist, in Anwesenheit von Jimmy Williams, dem damaligen Präsidenten der Gilde (hier ist ein Film darüber zu sehen). Die Granitsäule erinnert an die Männer der Schaustellergilde, die in den beiden Weltkriegen gefallen sind und führt ihre Namen und ihre Regimenter auf; es waren 73 im Ersten und 44 im Zweiten Weltkrieg. Weiterhin findet man auf dem Areal des Showmen’s Guild Memorial ein buntes Karusselpferd mit einer Stange auf einem Steinsockel und eine Sitzbank.

Die Gilde ist der 1889 gegründete Berufsverband, in dem sich Menschen zusammengeschlossen haben, die ihren Lebensunterhalt auf Jahrmärkten, Zirkussen und Volksfesten verdienen. Die Showmen’s Guild vertritt die Interessen des Schaustellergewerbes gegenüber den Behörden und organisiert landesweit Veranstaltungen, zu denen beispielweise die Goose Fair in Nottingham und das Winter Wonderland im Londoner Hyde Park gehören. Die Zentrale der Gilde ist in der Clarence Street Nummer 41 in Staines-upon-Thames in der Grafschaft Surrey zu finden. Der gegenwärtige Präsident ist seit dem letzten Jahr Keith Carroll.

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Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. März 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

„Knees up Mother Brown“ – Ein Londoner Pubsong, der im Fußballstadion von West Ham United gesungen wird…und von Fozzie Bear aus der Muppetshow

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Das London Stadium des West Ham United Football Clubs.
Photo © Chris Heaton (cc-by-sa/2.0)

Während die Webseiten der Londoner Fußballvereine wie Arsenal, Chelsea und Fulham ihren Namen in der URL tragen, ist es bei West Ham United anders, dessen URL lautet www.kumb.com. Was bedeutet das? KUMB ist die Abkürzung für Knees Up Mother Brown, und das ist wiederum der Name eines Lieds, das seit den 1950er Jahren von den Fans der Hammers, wie die Spieler genannt werden, gesungen wird (hier ist eine Kostprobe).

Knees up“ ist ein Begriff, der in der Cockney-Umgangssprache der britischen Hauptstadt soviel wie „noisy party, usually with dancing“ bedeutet und immer gern in Pubs gesungen worden ist, dabei warf man beim Tanzen zu dem Lied „Knees up Mother Brown“ gern die Beine hoch. Bei den Feierlichkeiten zum Ende des Ersten Weltkriegs am 11. November 1918 sang man „Knees up Mother Brown“ auf den Straßen Londons, und während des Zweiten Weltkriegs sangen es die beiden Komikerinnen Elsie und Doris Waters, hier zu hören.
Immer wieder trifft man auf den Song in der britischen Unterhaltungsbranche, so sang ihn Fozzie Bear in der Muppetshow, Petula Clark zusammen mit Noel Harrison, und hier ist die Karaokeversion.
In dem berühmten Disneyfilm „Mary Poppins“ aus dem Jahr 1964 gibt es eine Tanzszene über den Dächern von London, in dem „Step in Time“ gesungen wird, ein Song, der auf „Knees up Mother Brown“ basiert.

Published in: on 20. März 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Moorland Hotel im Dartmoor und ein berühmter Gast im Jahr 1916

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Photo © Roger Cornfoot (cc-by-sa/2.0)

Ziemlich einsam an der B3387 im Dartmoor in der Grafschaft Devon liegt das Moorland Hotel, das zu der Coaching Inn Hotelgruppe gehört. In Sichtweite liegt die berühmte Haytor-Felsformation, ein Wahrzeichen des Dartmoor-Nationalparks (siehe dazu auch meinen Blogeintrag über den Haytor Hoppa).

Das 1887 eröffnete Countryhotel verfügt über 36 Zimmer, ein Restaurant, das von Küchenchef Damian Rybski geleitet wird, und auch Hunde sind durchaus willkommen. Ausflügler erwartet am Sonntag ein typischer Sunday Roast, Afternoon Tea ist erhältlich; man bekommt also alles, was man so von einem englischen Landhaushotel erwartet.

Im Sommer des Jahres 1916 quartierte sich eine junge Schriftstellerin für zwei Wochen im Moorland Hotel ein, um einen angefangenen Roman zu Ende zu schreiben. Es sollte ihr Erstlingswerk werden, doch plötzlich setzte bei ihr eine Schreibblockade ein, und auf Empfehlung ihrer Mutter zog sie in das Hotel im Dartmoor. Die Rede ist von Agatha Christie (1890-1976), und der Roman heißt „The Mysterious Affair at Styles„, der unter dem Titel „Das geheimnisvolle Verbrechen in Styles“ 1929 in deutscher Übersetzung erschien, später „Das fehlende Glied in der Kette“. Das Original erschien 1921 in Großbritannien.

Agatha Christie fand das Hotel damals wohl nicht so berauschend, denn in ihrer Autobiografie spricht sie von einem „large, dreary hotel“, in dem nicht viele andere Gäste anwesend waren. Sie unternahm lange Spaziergänge im Dartmoor, stattete dem nahegelegenen Haytorfelsen aber keinen Besuch ab. Ihr Aufenthalt im Moorland Hotel führte glücklicherweise dazu, wie Agathas Mutter ihr prophezeit hatte, dass sie ihre Schreibblockade überwinden konnte.

In „The Mysterious Affair at Styles“ erblickte übrigens der Detektiv Hercule Poirot das Licht der Welt, der darin seinen ersten Fall lösen konnte; 1975 löste er sein letzten Fall in dem Roman „Curtain: Poirot’s Last Case“ (dt. „Vorhang: Hercule Poirots letzter Fall“).

In diesem Film wird das Moorland Hotel vorgestellt, und hier ist die Verfilmung von Agatha Christies Roman mit David Suchet als Hercule Poirot zu sehen.

The Moorland Hotel
Haytor
Newton Abbot
TQ13 9XT

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Die Haytor-Felsenformation.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

The Zig Zag Path – Ein wunderschöner Panoramaweg an der Küste von Folkestone in Kent

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Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Kommt man über den Eurotunnel in Folkestone in der Grafschaft Kent an, dann fahren die meisten gleich weiter zu ihren verschiedenen Destinationen, ohne sich weiter in der Stadt am Ärmelkanal aufzuhalten, dabei gibt es hier auch so einiges zu sehen…zum Beispiel einen wunderschön angelegten Spazierweg, der die Promenade von The Leas mit dem Lower Leas Coastal Park verbindet. An dem Zig Zag Path genannten Weg, der sich, wie der Name schon sagt, die Klippen hinunterschlängelt, findet man Höhlen und Grotten, die aus Pulhamit gestaltet sind, das ist ein Materialmix aus Sand, Zement und Geröll, der genutzt wurde, um natürliche Gesteinsformationen nachzubilden. Das Material war von James Pulham (1820–1898) erfunden und patentiert worden, der ein Unternehmen gegründet hatte, das sich auf den Bau von Steingärten, Follies und Grotten spezialisierte und das in Broxbourne in Hertfordshire ansässig war.

Entlang des Zig Zag Paths finden die Spaziergänger Sitzbänke, Treppen, Pflanzbeete, Tunnel und Aussichtspunkte auf das Meer. Der Panoramaweg beginnt oben in der Nähe der Leas Cliff Hall am Musikpavillon und endet unten am Strand.
Gebaut wurde der Zig Zag Path in den Jahren 1921 und 1922, als Großbritannien von einer schweren Wirtschaftskrise getroffen war und Arbeitslosigkeit herrschte. Um den Veteranen des Ersten Weltkriegs zu helfen, wurden von der Regierung Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen getroffen, zu denen eben auch die Anlage dieses Weges an der Küste von Folkestone gehörte.

In diesem Film kann man den Zig Zag Path entlang wandern…ohne dabei aus der Puste zu geraten,

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Photo © Helmut Zozmann (cc-by-sa/2.0)


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Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

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Der Musikpavillon..
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

The Guinea Pig Club – Der Club der lebenden Versuchskaninchen, der in East Grinstead in West Sussex gegründet wurde

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Das Bronzemonument für Sir Archibald McIndoe in East Grinstead.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

An der Ausfallstraße nach Royal Tunbridge Wells, der A264, liegt das Queen Victoria Hospital (QVH) in der Stadt East Grinstead in West Sussex. Ich bin in dem Ort einmal spazierengegangen, habe aber keinen bleibenden Erinnerungen zurückbehalten. Das Krankenhaus ist „a leading specialist centre for reconstructive surgery and rehabilitation, helping people who have been damaged or disfigured through accidents or disease.“ QVH ist schon seit über 60 Jahren auf plastische Chirurgie spezialisiert und machte sich im und nach dem 2. Weltkrieg einen Namen, als man dort Piloten mit schwersten Brandverletzungen behandelte. Flugzeugbesatzungen, die im Battle of Britain abgeschossen oder zu Bruchlandungen gezwungen worden waren, erlitten oft durch die in Flammen aufgegangenen Maschinen gravierende Gesichtsverletzungen und über 600 von ihnen brachte man ins QVH nach East Grinstead, wo es einen Spezialisten gab, der die noch in den Kinderschuhen steckende plastische Chirurgie weiterentwickelt hatte.

Sir Archibald McIndoe (1900-1960) hieß dieser in Neuseeland geborene Arzt, dem viele Briten, Australier und Kanadier außerordentlich viel zu verdanken haben. Seine Methoden, zum Beispiel der Hautverpflanzung, waren neu, und so dienten ihm die Männer sozusagen als Versuchskaninchen, als guinea pigs. McIndoe und sein Team leisteten Erstaunliches, und so konnten viele Männer nach ihrer Entlassung wieder in ein (halbwegs) normales Leben zurückkehren, obwohl sie natürlich, trotz der Künste Dr. McIndoes, für immer gezeichnet waren.

Die menschlichen Versuchskaninchen schlossen sich im Guinea Pig Club zusammen, dessen erster Präsident Sir Archibald McIndoe selbst war. Der erste Schriftführer war jemand, dessen Hände durch Verbrennungen schwer in Mitleidenschaft gezogen waren, das heißt, die Protokolle der Clubsitzungen waren erzwungermaßen kurz. Als Schatzmeister wählte man einen ehemaligen Piloten, der schwere Verletzungen an den Beinen erlitten hatte…so konnte er mit der Kasse nicht durchbrennen. Der Humor hatte die Männer trotz ihrer Kriegserlebnisse also nicht verlassen.
Zu Ehren von Sir Archibald McIndoe ist im Jahr 2014 ein Bronzemonument in der High Street von East Grinstead aufgestellt worden, gestaltet von dem Bildhauer Martin Jennings, dessen Vater auch ein Guinea Pig war.

Exakt 649 Guinea Pigs gab es am Ende des Krieges, und man ging eigentlich davon aus, dass der Club in den Jahren darauf bald aufgegeben werden würde, aber nichtsdergleichen, es gibt ihn auch heute noch, wenngleich die Mitgliederzahl natürlich drastisch gesunken ist. Jedes Jahr treffen sich die verbliebenen Clubmitglieder in East Grinstead zu ihrem Annual General Meeting.

Hier ist eine filmische Dokumentation über die menschlichen Versuchskaninchen.

Das Buch zum Artikel:
E.R. Mayhew: The Reconstruction of Warriors – Archibald McIndoe, the Royal Air Force and the Guinea Pig Club. Frontline Books 2010. 256 Seiten. ISBN 978-1848325845.

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Inschrift an dem Bronzemonument.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

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The Queen Victoria Hospital.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. März 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Peter Blecha: Taboo Tunes – A History of Banned Bands & Censored Songs

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Foto meines Exemplares.

Peter Blecha ist ein US-amerikanischer Musikhistoriker und Journalist aus dem Bundesstaat Washington, der für viele Zeitungen und Zeitschriften aus dem Raum Seattle tätig war. In seinem bereits 2004 erschienen Buch „Taboo Tunes – A History of Banned Bands & Censored Songs“ beschäftigt er sich mit der Geschichte zensierter Musikstücke in den USA, aber auch in Großbritannien. Es ist schon erstaunlich wie die Politik in den Vereinigten Staaten mit Werken der Popmusik im Laufe der Jahrhunderte umgegangen ist; da genügten manchmal schon wenige Wörter, die nicht genehm waren, und schon traf der Song den Bannstrahl, so dass die Radiostationen ihn aus ihrem Programm strichen beziehungsweise die Plattenläden ihn nicht mehr verkauften. Das galt vor allem für die Themenbereiche Sex, Drogen, Gewalt und „Hölle und Teufel“. Zu letzterem: Da musste zum Beispiel aus Jimmy Deans Hit aus dem Jahr 1961 „Big Bad John“ die Zeile „He was one hell of a man“ durch „He was a big big man“ ersetzt werden. Es war schon manchmal bizarr, was sich da in den USA abgespielt hat.

In Großbritannien war es nicht ganz so schlimm, doch im Laufe der Jahrzehnte gab es auch immer wieder Songs, die „Auntie Beeb„, wie die alte Tante BBC manchmal genannt wurde, nicht spielen wollte und dies ihren DJs untersagte. Die Gründe waren vielfältig: Auch hier gehörten Titel mit erotischem Inhalt dazu, Songs mit vulgärer Sprache oder in denen Anspielungen auf Drogen gemacht wurden, Texte mit kontroversem politischen oder religiösen Inhalt.
So war es auch in jüngster Zeit, als Margaret Thatcher gestorben war und der Song „Ding Dong the Witch Is Dead“ in die Charts einstieg. Man tat sich schwer damit bei der BBC und spielte in den wöchentlichen Chartshows den Titel nur kurz an.

Hier ist eine kleine Auswahl an Musikstücken, die die BBC mit einem Bann belegte:

Don Cornell: Hold My Hand (1954). Der Amerikaner sang darin, dass die Beziehung zu einem Mädchen vergleichbar mit dem „Kingdom of Heaven“ wäre, was man wohl bei der BBC als Gotteslästerung auffasste. Der Song wurde nicht gespielt, kam aber trotzdem in die Charts. Cornell schickte eine Schallplatte an den Erzbischof von Canterbury, um seine Meinung einzuholen, der aber meinte, er hätte keine Zeit, um sich populäre Musik anzuhören.

Jane Birkin and Serge Gainsbourg: Je T’Aime… Moi Non Plus (1969). Damit hatten die Verantwortlichen der BBC ganz große Probleme. Der Erotik- und Orgasmussong des Franzosen und der Engländerin ging richtig zur Sache. In den Chartshows damals wurde er nicht gespielt, nur Titel und Interpreten genannt.

Mark Dinning: Teen Angel (1959). Eine US-Produktion, in der es um einen tödlichen Autounfall geht, den die BBC ihren Hörern wohl nicht zumuten wollte.

Frankie Goes to Hollywood: Relax (1983). Auf Grund seiner (homo)sexuellen Anspielungen wurden sowohl der Song von der BBC nicht gespielt, als auch das Musikvideo nicht gezeigt.

The Beatles: I Am the Walrus (1967). Ja, sogar die Beatles erwischte es mehrfach. In diesem Lied gefiel der BBC die Textzeile “ Boy you’ve been a naughty girl and let your knickers down“ nicht.

Paul McCartney: Give Ireland Back to the Irish (1972). Die BBC mochte den Kommentar des Ex-Beatles zum Irlandkonflikt nicht.

George Michael: I Want Your Sex (1987). Hier ging man nach dem Motto vor: „No sex, please, we’re British“.

The Kinks: Lola (1970). Im Text des Songs kam das Wort Coca Cola vor, was die BBC nicht akzeptierte. Kein Problem, meinte Kinks-Chef Ray Davies, und nahm den Titel neu auf; darin ersetzte er Coca Cola durch Cherry Cola. Resultat: Der Bann wurde aufgehoben.

Diese Liste könnte noch lange fortgesetzt werden, sie wäre aber bei weitem nicht so lang wie in den USA.

Peter Blecha: Taboo Tunes – A History of Banned Bands & Censored Songs. Backbeat Books 2004. 214 Seiten. ISBN 978-0-87930-792-9.

The Cock Inn in Broome (Bedfordshire) – Ein Pub, in dem es keine Bar gibt

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Photo © Philip Jeffrey (cc-by-sa/2.0)

Zur Orientierung: Broome ist ein kleines Dorf etwa 15 Kilometer südöstlich von Bedford, der Grafschaftshauptstadt von Bedfordshire. Dort gibt es in der High Street Nummer 23 einen Pub, The Cock Inn, der sehr ungewöhnlich für England ist, denn in ihm gibt es keine Bar, hat es auch noch nie gegeben, seitdem er 1836 seine Ausschanklizenz erhalten hat. Aber: Keine Angst, Bier wird hier trotzdem ausgeschenkt, nur eben nicht am Bartresen, sondern es wird im Keller abgezapft. Von diesen „barlosen“ Pubs gibt es nicht viele in England, mir fallen da spontan The King’s Head in Laxfield in Suffolk und The Millbank Arms in Barningham (County Durham) ein.

Der denkmalgeschützte Cock Inn, ein Free House, wurde im vorigen Jahr zum besten Pub in Bedfordshire gekürt, und er steht im National Inventory of Historic Pub Interiors der CAMRA (siehe dazu meinen Blogeintrag). Da können die Besitzer wirklich stolz sein. Im The Cock kann man nicht nur trinken, der Gasthof verfügt auch über ein Restaurant und vermietet einige Zimmer…und er hat noch eine weitere Besonderheit, die man kaum noch in englischen Pubs findet: Er bietet seinen Gästen ein Northamptonshire Skittles Spiel an, das ist ein platzsparendes Pub Game, bei dem neun hölzerne Kegel mit drei flachen Wurfscheiben, Cheeses genannt, abgeräumt werden müssen. Das Spiel wird hier im Pub auf einem speziellen, lederbezogenen Stuhl/Tisch ausgetragen, hinter dem ein Netz aufgespannt ist, damit nichts zu Bruch geht. Dieser Film zeigt wie es geht.

Broom mit seinem The Cock Inn liegt dicht an der großen Nord-Süd-Trasse A1 und bietet sich vielleicht Reisenden für ein Mittagessen an. Der Parkplatz ist auf der Rückseite des Pubs zu finden.

The Cock
23 High Street
Broom, Bedfordshire SG18 9NA

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Northamptonshire Skittles.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. März 2026 at 02:00  Comments (2)  

Das Spade House in Sandgate (Kent), in dem der „Vater der Science Fiction“ wohnte

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Photo: barry.marsh1944.
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Man mag sich darüber streiten, wer denn nun wirklich der Vater der Science Fiction-Literatur ist. Mehrere Namen werden da genannt, und neben dem Franzosen Jules Verne ist es da vor allem Herbert George Wells (1866-1946), dem ich in meinem Blog schon einmal einen Artikel in Zusammenhang mit der Stadt Woking widmete.

Eine andere Stadt im Süden Englands ist eng mit dem Schaffen des Schriftstellers verbunden, und das ist Sandgate an der Südküste von Kent, direkt neben Folkestone gelegen. Hier ließ er sich im Jahr 1900 von dem renommierten Architekten Charles Voysey (1857-1941) ein Haus im Radnor Cliff Crescent bauen, das er Spade House nannte, und das heute als Wells House Nursing Home fungiert. Wells lebte in dem Haus, zusammen mit seiner Frau Catherine, die ebenfalls Schriftstellerin war, von 1901 bis 1909, eine blaue Plakette der Sandgate Society weist darauf hin, und hier entstanden einige seiner Romane wie „Tono-Bungay“, „Kipps“ und „Ann Veronica“.

Spade House entwickelte sich zu einem Treffpunkt berühmter Autoren seiner Zeit zu denen George Bernard Shaw, Henry James, Arnold Bennett, Ford Madox Ford und Joseph Conrad gehörten; auch Winston Churchill war einer seiner Freunde, der ihn in Spade House besuchte.

Charles Voysey „signierte“ seine von ihm entworfenen Häuser immer gern mit einem Herzen. Wells mochte das nicht haben und entschied sich lieber für das Pik-Zeichen, das umgedrehte Herz, aus den Kartenspielen, was auf Englisch „spade“ heißt, daher der Name des Hauses.

Herbert George Wells ist viermal für den Literaturnobelpreis nominiert worden, hat ihn aber nie erhalten. Sein vielleicht berühmtester Roman „The War of the Worlds“ ist seit seinem Erscheinen im Jahr 1898 nie vergriffen und bis heute immer lieferbar gewesen.

Herbert George Wells und seine Familie verließen das Spade House in Sandgate im Jahr 1909, da sein Ruf durch seine außerehelichen Affären stark ramponiert worden war, und er in dem kleinen Küstenort gemieden wurde. So zog er wieder nach London zurück.

Sandgates Partnerstadt liegt übrigens nur etwas mehr als 30 Kilometer entfernt auf der anderen Seite des Ärmelkanals; es ist das ähnlich klingende Sangatte im Département Pas-de-Calais.

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Wells House Nursing Home.
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Alma Cogan (1932-1966) – Eine in Vergessenheit geratene englische Sängerin?

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Photo: Bradford Timeline.
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Ist sie eigentlich schon ganz in Vergessenheit geraten, die schon mit 34 Jahren viel zu früh verstorbene Sängerin Alma Cogan (1932-1966) aus London, die auch in Deutschland eine Handvoll Hits hatte?

Ihre erste Single wurde 1952 veröffentlicht auf denen die beiden Songs „To Be Worthy Of You“ und „Would You“ zu hören waren. Von 1954 bis 1960 gelang es ihr achtzehn Mal, in die britischen Charts zu kommen, wodurch sie in diesem Jahrzehnt zu den beliebtesten und erfolgreichsten Sängerinnen auf der Insel zählte. „Dreamboat“, „Never Do the Tango With an Eskimo“, „I Can’t Tell a Waltz from a Tango“ und „Sugartime“ waren nur einige ihrer Chartserfolge.

Alma Cogan, „The Girl with the Giggle in Her Voice“, wohnte in London an der Kensington High Street. 44 Stafford Court lautete die exakte Adresse, wo sie mit Mutter und Schwester ein Apartment besaß. Hier fanden die berühmten „All-Night Parties“ statt, die von den Größen des Unterhaltungsgeschäfts besucht wurden: Roger Moore, Cary Grant, Audrey Hepburn, Sammy Davis jr  um nur einige zu nennen. Auch die Beatles waren häufig in Cogans Apartment in Kensington zu Gast, und es war hier, dass Paul McCartney erstmals die Melodie zu seinem berühmten „Yesterday“ spielte.

Mitte der 1960er Jahre erkrankte Alma Cogan an Krebs. Auf einer Tournee durch Schweden ging es dann nicht mehr weiter. Die Sängerin brach zusammen und wurde ins Londoner Middlesex Krankenhaus gebracht, wo sie schließlich am 26. Oktober 1966 starb. Ihr Grab findet sich auf dem Jüdischen Friedhof von Bushey in der Grafschaft Hertfordshire.

Hier sind zur Erinnerung:
– das wohl bekannteste Lied von Alma Cogan in deutscher Sprache: „So fängt es immer an
– „Hello Young Lovers
– „Start of the Blues

Das Buch zum Artikel:
Sandra Caron: Alma Cogan – A Memoir. Bloomsbury Publishing 1991. 192 Seiten. ISBN 978-0747509844. (Sandra Caron ist Almas jüngere Schwester)

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Plakette an ihrem Londoner Haus.
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The King’s Arms in Oxford – Der Pub mit der höchsten IQ-Dichte der Welt

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An der Ecke Holywell Street und Parks Road, gegenüber der Bodleian Library, befindet sich der vielleicht legendärste Pub der Universitätsstadt Oxford: The King’s Arms, erstmals als Gasthaus am 18. September 1607 eröffnet, somit der wohl älteste Pub der Stadt. Er gehört seit 1991 der Young’s Brewery, das Gebäude allerdings ist Eigentum des Wadham Colleges, und so gibt es hier auch einen Wadham Room, der für Veranstaltungen oder Gesellschaften gebucht werden kann.

The King’s Arms ist ein an Atmosphäre reicher, holzgetäfelter Pub (hier ist ein Film) mit vielen verwinkelten Räumen und Gängen, in dem sich Touristen, vor allem aber Studenten und Professoren einfinden, um das eine oder andere Pint zu trinken. So steht auf den Webseiten des Gasthofs zu lesen: „We’re rumoured to be the brainiest pub in the city too (they once said we had the highest IQ per square foot in the world)“. Wenn das nicht eine Ansage ist, zum Beispiel an The Eagle in der Universitäts-Konkurrenzstadt Cambridge, wo einst Watson und Crick ihre Entdeckung der DNA verkündeten, und wo auch Studenten und Professoren ein und ausgehen. Ich weiß ja nicht wie man das mit dem Intelligenzquotienten pro Quadratfuß gemessen haben will, aber ich gehe davon aus, dass das nur symbolisch gemeint ist.

The King’s Arms beschert seinen Besuchern eine Auswahl an Speisen, wobei das typische Pubfood im Mittelpunkt steht (Fish and Chips, Burger aller Art, Gressingham Duck, Cumberland Sausage), sonntags wird auch der in England so beliebte Sunday Roast serviert.
Da Studenten nicht unbedingt zu den leisesten Zeitgenossen gehören, ist der Lärmpegel ziemlich hoch. Wer das nicht so mag, sollte lieber einen der ruhigeren Pubs der Stadt aufsuchen.

The King’s Arms
40 Holywell Street
Oxford OX1 3SP

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Published in: on 12. März 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Haunted Magazine – Eine Zeitschrift für alle, die am Paranormalen interessiert sind

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Ein Spukhaus?
Photo: country_boy_shane.
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Am 3. März erschien bereits die 49. Ausgabe der Zeitschrift Haunted Magazine, die es sowohl online als auch als Druckausgabe gibt. Sie erscheint seit dem Jahr 2011 viermal jährlich, immer im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Die Zielgruppe des Magazins sind alle, die sich für den Themenbereich Paranormales interessieren, und das sind in Großbritannien nicht wenige. In keinem anderen Land habe ich das Interesse an „ghosts“ so sehr gespürt wie im Vereinigten Königreich. Kaum eine alte Burg, ein altes Schloss oder ein altes Gebäude, das nicht „haunted“ sein soll. Ich habe in England mit mehreren Leuten gesprochen, die felsenfest davon überzeugt waren, schon einmal mit geisterhaften Erscheinungen konfrontiert worden zu sein oder unerklärliche mysteriöse Erfahrungen gemacht haben.

Das Haunted Magazin beinhaltet Artikel über Spukorte, stellt persönliche Erfahrungen von den Lesern der Zeitschrift vor und enthält Rezensionen von neuen Büchern und Filmen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Die Ausgabe 48 stand unter dem Motto „Season of Shadows“, die aktuelle Frühjahrsausgabe ist unter das Thema „Myths &Manifestations“ gestellt („the uneasy territory where folklore leaves fingerprints and the unexplained makes itself known. Ancient legends. Modern encounters. Moments that resist easy explanation“).
In Ausgabe 49 finden wir beispielsweise Artikel über den „Green Man„, über Ouija Boards und über Robert the Doll, eine Puppe, um die sich unheimliche Geschichten ranken und die im Fort East Martello Museum in Key West in Florida ausgestellt ist.

Das Abonnement des Haunted Magazines kostet in Deutschland €99.95 für vier Ausgaben bei englischezeitschriften.de. In Großbritannien zahlt man dafür £35 inklusive Versand.

The Hoad oder The Sir John Barrow Monument in Ulverston in der Grafschaft Cumbria

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Photo: Joe Edwards.
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Wer war wohl weltweit bekannter:Sir John Barrow (1764-1848) oder Stan Laurel (1890-1965)? Beide wurden in der Kleinstadt Ulverston in der Grafschaft Cumbria geboren, allerdings in einem zeitlichen Abstand von 126 Jahren, und beide wurden hier auf unterschiedliche Weise geehrt. Stan Laurel bekam, gemeinsam mit seinem Partner Oliver Hardy, in Deutschland als Dick und Doof bekannt, eine Statue, während Sir John Barrow einen Turm außerhalb der Stadt erhielt, das Sir John Barrow Monument oder kürzer auch The Hoad genannt.

Barrow hatte sich einen Namen gemacht als Initiator zahlreicher Entdeckungsreisen, hauptsächlich in den hohen Norden Europas, in die Arktis. Er war als zweiter Sekretär der britischen Admiralität jahrzehntelang für die Organisation der Royal Navy verantwortlich, war Mitbegründer der Royal Geographic Society, schrieb Biografien und ein Buch über die Meuterei auf der Bounty. Sir John Barrow war also ein sehr vielseitiger Mann, dem man schließlich zwei Jahre nach seinem Tod ein Denkmal in Form eines Leuchtturms in Ulverston setzte (beerdigt wurde er nicht in seinem Geburtsort, sondern in London, wo er gestorben war). Vorbild für den 30 Meter hohen Turm war das Eddystone Lighthouse vor der Küste von Devon, das 1759 von John Smeaton errichtet worden war. Da das Monument auf dem Hoad Hill oberhalb von Ulverston steht, nannte man es kurz auch The Hoad. Der Grundstein wurde am 15. Mai 1850 von Barrows beiden Söhnen gelegt, fertiggestellt wurde er am 9. Januar 1851. Der Eröffnungszeremonie wohnten 8000 Bürger der Stadt Ulverston bei.

„The Lighthouse without a light“, das inzwischen baufällig geworden war, wurde von 2003 bis 2010 mit sehr viel Geld komplett restauriert und sieht wieder wie neu aus.

Wer mag, kann über eine steile Wendeltreppe die 112 Sufen bis zur Spitze des Turms hinauf klettern, denn The Hoad ist in der Regel von Ostern bis Ende Oktober sonntags und an Feiertagen von 13 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Der Zugang ist kostenlos.

Dieser Film zeigt The Hoad von einer Drohne aus gesehen.

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Published in: on 10. März 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Izaak Walton’s Cottage in Shallowford in Staffordshire

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Photo © Mick Malpass (cc-by-sa/2.0)

Hätte man damals Izaak Walton (1593-1683) gesagt, dass sein Buch „The Compleat Angler“ (dt. „Der vollkommene Angler oder eines nachdenklichen Mannes Erholung,“), das 1653 erschienen ist, auch nach 373 Jahren noch immer im englischen Buchhandel erhältlich sein sollte, dann hätte er das mit Sicherheit nicht ernst genommen. Auch die deutsche Übersetzung ist heute noch lieferbar.

„The Compleat Angler“ ist so etwas wie die Bibel für Menschen, die das Angeln als Freizeitbeschäftigung auserwählt haben. Wenn man es einem passionierten Angler schenken will, besteht die Gefahr, dass er es bereits besitzt. Angler gelten als ausgeglichene, ruhige Menschen, die manchmal stundenlang an einem Fluss- oder Seenufer sitzen und denen es nicht unbedingt darum geht, möglichst viele Fische zu fangen, sondern mindestens genauso wichtig für sie ist der Einklang mit der Natur, und darum geht es Izaak Walton in seinem berühmten Buch auch.

Walton war Schriftsteller, ist in Stafford geboren worden und lebte einen großen Teil seines Lebens in Staffordshire, zuletzt in dem Ort Shallowford, in einem strohgedeckten Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert, das heute Izaak Walton’s Cottage heißt. Als er 1683 starb, vermachte er das hübsche Haus der Stadt Stafford, die es für wohltätige Zwecke nutzen sollte. Nachdem es fast abbruchreif geworden war, erwarben es Geschäftsleute aus Stafford, die den The Izaak Walton Cottage Trust ins Leben riefen, ließen das Cottage restaurieren, und am 30. April 1924 öffnete es seine Türen als Museum, das dem vielleicht berühmtesten Angler aller Zeiten gewidmet war und noch heute ist. Der Trust existiert nicht mehr, das Museum befindet sich in den Händen des Stafford Borough Councils. Das Cottage steht heute auch für Hochzeitsfeiern zur Verfügung, ideal für Paare, die dem Angelsport frönen. Hier ist ein Film über das Cottage.


In Marlow in Buckinghamshire steht direkt an der Themse das The Compleat Angler Hotel, in dem ich einmal übernachtete und in dem die Zimmer nach Begriffen aus der Fliegenfischerei benannt worden sind; siehe dazu meinen Blogeintrag. In Norwich in Norfolk gibt es einen Pub namens The Compleat Angler und einige Pubs im Land sind nach Izaak Walton benannt worden wie zum Beispiel der in East Meon in Hampshire (der zur Zeit, hoffentlich nur vorübergehend, geschlossen ist) und der in Cresswell in Staffordshire.
In Kalifornien ist ihm sogar ein Berg gewidmet worden, der 3 681 Meter hohe Mount Izaak Walton Mountain in der Sierra Nevada Gebirgskette, und in Essex im US-Bundesstaat Montana gibt es einen Izaak Walton Inn (der in diesen Tagen leider geschlossen werden soll).

Das Buch zum Artikel:
P.G. Stanwood: Izaak Walton. Twayne Publishers 1998. 141 Seiten. ISBN ‎ 978-0805770520.

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Photo: quimby.
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Photo: quimby.
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Pubschild in Norwich in Norfolk.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)


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Der Izaak Walton Mountain in Kalifornien.
Photo: Eggbones.
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Published in: on 9. März 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Lower Slaughter in Gloucestershire, ein Vogel namens Brachpieper und ein Spielfilm aus dem Jahr 1944

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The Old Mill.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Lower Slaughter in der Grafschaft Gloucestershire ist eines jener zahlreichen hübschen Dörfer inmitten der Cotswolds, die gern von Touristen aufgesucht werden; Upper Slaughter ist nur einen kleinen Fußmarsch entfernt. Wer komfortabel hier wohnen möchte dem sei das The Slaughters Manor House aus dem 17. Jahrhundert empfohlen. Das Dorf zählt zu den schönsten Großbritanniens, und die Copse Hill Road ist einmal zur romantischsten Straße Großbritanniens gekürt worden (siehe dazu meinen Blogeintrag).

Hierher zog es im Jahr 1944 eine Filmcrew aus London, die einen Film drehte, der den Titel „Tawny Pipit“ trug, unter der Regie von Bernard Miles (1907-1991), der auch mitspielt und die Rolle des Dorfbewohners und pensionierten Oberst Barton-Barrington verkörpert. Im Mittelpunkt des Films steht ein Paar sehr seltener Vögel, die in Deutschland Brachpieper heißen, in England werden sie „tawny pippit“ genannt. Vogelfreunde aus dem ganzen Land reisen in die Cotswolds, um diese raren gefiederten Gäste zu sehen, und die Dorfbewohner tun ihr Bestes, um den Nistplatz der Vögel zu beschützen, was nicht ganz so leicht ist, denn das Feld, in dem sie sich zum Brüten niedergelassen haben, soll gepflügt werden.
Nach einigen Turbulenzen schlüpfen dann die kleinen Brachpieper, alle sind es zufrieden und es gibt ein Happy End.

„Tawny Pippit“ zählt in Großbritannien zu einem der ersten Spielfilme, die ein Naturschutzthema als Inhalt haben, und die Kulisse des Dorfes Lower Slaughter mit dem Flüsschen Eye, der Kirche St Mary und der Wassermühle The Old Mill tut ein übriges, um dem Film ein entsprechendes Flair zu verleihen.

Die Filmmusik hat der Konzertpianist Noel Mewton-Wood (1922-1953) geschrieben, gespielt vom London Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Muir Mathieson (1911-1975); hier ist die Titelmusik zu hören und hier der gesamte Film zu sehen.

Wie es heute in Lower Slaughter aussieht, zeigt dieser Film.

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Der kleine River Eye.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

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Die St Mary’s Church.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)


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Das The Slaughters Manor House Hotel.
Photo © Andrew Abbott (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. März 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

„The Worst Jobs in History“ – Eine TV-Serie des Senders Channel 4 mit Tony Robinson

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Ein Dorado für Hundekotsammler.
Photo: ell brown.
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Dem Schauspieler Tony Robinson begegnete ich erstmals im Fernsehen in der Serie „Blackadder“, in der er an der Seite von Rowan Atkinson die Figur des Baldrick verkörperte. In meinem Blog stellte ich ihn schon einmal als Moderator des „Time Teams“ vor, das war eine TV-Sendung, in dem das Thema Archäologie im Mittelpunkt stand. Heute möchte ich seine Dokumentarserie „The Worst Jobs in History“ vorstellen, die vom Sender Channel 4 in den Jahren 2004 und 2006 gezeigt worden ist. Im Jahr dazwischen konnten sich die Fernsehzuschauer an dem Spcial „The Worst Christmas Jobs in History“ erfreuen.

Im Mittelpunkt der TV-Serie stehen die schrecklichsten, gefährlichsten und ekligsten Berufe in der britischen Geschichte, denen Tony Robinson in seiner Dokumentation nachgeht und diese auch oft selbst auszuüben versucht.

Hier sind einige Beispiele:
Da gab es den Job des Blutegelsammlers, bei dem Männer und Frauen durch Sümpfe wateten bis sich genügend Blutegel an ihren Beinen festgesetzt hatten und die dann für medizinische Zwecke verkauft wurden.

Nicht viel angehmer war die Arbeit der Hundekotsammler, die auf den Straßen die Hinterlassenschaften der Vierbeiner aufhoben und sie an Gerbereien verkauften, die damit Leder weicher machten.

Um Salpeter für die Herstellung von Schießpulver zu erzeugen, verwendete man eine Zeit lang menschlichen Urin, und um diesen zu sammeln, benötigte man die „salpetre men„.

Die Aufgabe der sogenannten „Fuller“ war es, stundenlang in mit Urin gefüllten Bottichen auf Stoffen herumzustampfen, damit auf diese Weise das Fett herausgelöst wird.

Resurrection Men wurden die Leichenräuber genannt, die, oft im Auftrag von medizinischen Fakultäten, heimlich gerade erst beerdigte Leichen ausbuddelten und sie verkauften. Die Absatzmärkte dafür waren offensichtlich da.

Den Job des Groom of the Stools stellte ich in meinem Blog schon einmal näher vor. Aufgabe dieses Mannes war, sich um die Toilettengänge des Herrschers und allem, was damit zusammenhängt, zu kümmern.

Alles das und noch sehr viel mehr ist in den zwölf Folgen der TV-Serie „The Worst Jobs in History“ zu sehen. Wer möchte, kann hier Tony Robinson bei der Arbeit begleiten.

Published in: on 7. März 2026 at 02:00  Comments (1)  

Die St Leonard’s Church in Hythe (Kent) – „The Church with the Bones“

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Photo © Phil Brandon Hunter (cc-by-sa/2.0)

Nach dem gestrigen Besuch in Dymchurch bleibe ich heute ganz in der Nähe, in der Kleinstadt Hythe in Kent. Die Parish Church von Hythe, die aus dem 11. Jahrhundert stammende St Leonard’s Church, verfügt über eine Besonderheit, die viele Besucher anzieht: Das Beinhaus. Ich habe so etwas schon einmal in Hallstatt in Oberösterreich gesehen; in dem kleinen Ort am Hallstätter See befindet sich die größte Schädelsammlung Europas.

Unter dem Altarraum in St Leonard’s sind fein säuberlich 2000 Schädel aufgereiht, zusammen mit 8000 Oberschenkelknochen. Diese Überreste früherer Bürger der Stadt Hythe kann man gegen eine kleine Gebühr besichtigen und sie bringen dadurch der Kirche etwas Geld ein: „Our bonehouse has been a nice little earner for the church since medieval times„.

Die Schädel und die Knochen sind Schätzungen zufolge sehr alt. Im Zuge von Erweiterungsbaumaßnahmen im 13. Jahrhundert wurden sie aus alten Gräbern geborgen und schließlich alle in der Krypta zusammengetragen.
Die Universität von Bournemouth hat an diesen menschlichen Überresten schon wissenschaftliche Untersuchungen vorgenommen, zum Beispiel an den Schädeln, die im Bereich der Augenhöhlen Anzeichen einer ganz bestimmten Krankheit zeigen.

Außer St Leonard’s gibt es nur noch eine zweite Kirche mit einem Beinhaus in England, das ist die Holy Trinity Church in Rothwell (Northamptonshire), die in ihrer Krypta die Überreste von circa 1500 Menschen beherbergt. „Have fun browsing around – but be careful you don’t fall into our famous Bone Crypt…“ hieß es da einmal auf der Webseite der Kirche, denn da ist tatsächlich schon jemand hineingefallen, der daraufhin den Verstand verloren haben soll.

Hier ist eine Führung durch das Beinhaus von St. Leonard’s zu sehen.

St Leonard’s Church
Oak Walk
Hythe, Kent CT21 5DN

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 Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

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Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. März 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Dymchurch Heritage Trail an der Südküste der Grafschaft Kent

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Die High Street, die A259.
Photo © Helmut Zozmann (cc-by-sa/2.0)

Wenn ich nach der Durchquerung des Eurotunnels in England angekommen bin, zieht es mich meist automatisch in die westliche Richtung nach Hythe in Kent, wo ich dann nach Süden abbiege und Dymchurch und Dungeness einen Besuch abstatte. Über die Romney Marsh habe ich in meinem Blog schon verschiedentlich geschrieben, eine zwar öde aber trotzdem fasziniernde Landschaft, die in der Hauptsaison überlaufen, in der übrigen Zeit deutlich ruhiger ist.

Dymchurch ist ein Ort mit circa 3700 Einwohnern, umgeben von riesigen Wohnwagenkolonien, die, leerstehend, einen etwas deprimierenden Eindruck erwecken. Doch Dymchurch hat einiges mehr zu bieten, und dafür eignet sich vor allem der Heritage Trail, der mit seinen 35 Stationen an allem vorbeiführt, was es hier zu sehen gibt. Informationstafeln und blaue Plaketten erläutern dem Rundwegwanderer die Sehenswürdigkeiten, von denen ich einige vorstellen möchte.

In der High Street 19 bis 27 finden wir die Dormer Cottages, in denen einige prominente Pesönlichkeiten gewohnt haben, die mit einer blauen Plakette an der Hauswand verewigt worden sind. Da ist einmal die Kinderbuchautorin Edith Nesbit (1858-1924) , die mit dem Roman „The Railway Children“ (dt. „Die Eisenbahnkinder“) und dessen Verfilmungen weltberühmt geworden ist. Ihr Grab befindet sich ganz in der Nähe, in St Mary in the Marsh (siehe dazu meinen Blogeintrag). Dann wohnte der Schriftsteller, Dramatiker und Schauspieler Noël Coward (1899-1973) in den Dormer Cottages und der Maler Paul Nash (1889-1946), der in den beiden Weltkriegen als offizieller Kriegsmaler diente.

In Dymchurch gibt es drei Martello Towers, die Nummern 23, 24 und 25, von denen die Nummer 24 als Museum ausgebaut ist (leider war es immer geschlossen, wenn ich dort vorbeigekommen bin).
Einer der touristischen Anziehungspunkte ist die Romney, Hythe & Dymchurch Railway, eine historische Liliputbahn, die quer durch die Romney Marsh führt.

The Ship Inn ist ein Gasthaus aus dem 16. Jahrhundert, das früher von Schmugglern frequentiert wurde und in dem der Schriftsteller Russell Thorndyke (1885-1972) seine „Dr Syn“-Romane schrieb. In Dymchurch feiert man schon seit Jahrzehnten jährlich den Day of Syn (in diesem Jahr vom 28.-31. August).

Der Heritage Trail führt am War Memorial vorbei zur St. Peter & St. Paul Church, die Mitte des 12. Jahrhunderts erbaut worden ist. Von hier geht es weiter zur New Hall, einem ehemaligen Gerichtsgebäude mit angeschlossenem Gefängnis, und zu sehenswerten Cottages an der High Street.

Das war nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Dymchurch Heritage Trail, auf dem man mehrere Stunden verbringen kann. Alle Stationen sind auf dieser Webseite zu sehen.

Dieser Film zeigt einige Impressionen von Dymchurch.

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Photo: Spudgun67.
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Martello Tower Nummer 24.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

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The Ship Inn.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

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St Peter and St Paul.
Photo © Julian P Guffogg (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. März 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Kilburn White Horse – Ein weißes Pferd am Hang der Sutton Bank in North Yorkshire

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Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

So viel ich weiß gibt es im Norden Englands nur ein Weißes Pferd, und zwar das Kilburn White Horse in North Yorkshire, das auf dem südlichen Steilhang der Sutton Bank zu finden ist. Der Ursprung des 97m langen und 67m hohen Tieres geht nicht wie bei einigen seiner südlichen Brüdern oder Schwestern bis in die weite Vergangenheit zurück, nein, es erblickte erst 1857 das Licht der Welt, und zwar auf Initiative von Thomas Taylor aus dem benachbarten Ort Kilburn. Der hatte die Weißen Pferde in Südengland gesehen und dachte sich, das können wir hier oben im Norden auch, und zusammen mit 33 Männern ritzte er das Pferd in den Berghang ein.

Später kümmerte sich niemand mehr so richtig um das arme Tier, und 1925 waren die Umrisse so von der Vegetation überwuchert, dass es kaum noch zu erkennen war. Da kam die Yorkshire Evening Post zu Hilfe und begann eine Kampagne zur Wiederherstellung des Kilburn White Horse. Seitdem geht es dem weißen Pferd der Sutton Bank besser. Eine extra gegründete Kilburn White Horse Association, die überwiegend von Spenden lebt, bemühte sich darum, dass ihr Pferd immer schön in Form gehalten wird, was bei dem steilen Berghang gar nicht so leicht zu bewerkstelligen ist. Seit 2018 hat Forestry England diese Aufgabe übernommen.
Hier ist das Tier von einer Drohne aus zu sehen.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das White Horse abgedeckt, weil die Umrisse der weithin sichtbaren Gestalt deutschen Bomberpiloten leicht als Orientierungshilfe hätten dienen können.

Unterhalb des Weißen Pferdes ist ein Parkplatz, und man kann auf einem Fußweg zu ihm hinaufsteigen und ihm einen Besuch abstatten.

Über den Ort Kilburn schrieb ich in meinem Blogeintrag in Zusammenhang mit dem „Mouseman“ Robert Thompson.

In diesem Film lesen einige Poeten zu Füßen des Weißen Pferdes ihre Gedichte über das Tier.

Das Buch zum Artikel:
John Thorpe: Kilburn and its Horse. Kilburn White Horse Association 1995. 48 Seiten. ISBN 978-0952559504.

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Das Auge des Pferdes, ganz aus der Nähe gesehen.
Photo © Gordon Hatton (cc-by-sa/2.0)

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Photo: Terry Madeley.
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Published in: on 4. März 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das Eastnor Castle bei Ledbury in Herefordshire – Eine märchenhafte Burg, die nicht so alt ist wie sie aussieht

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Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Burgen und Schlösser heutzutage zu unterhalten, ist eine sehr kostspielige Angelegenheit. Viele sind für Besucher geöffnet, aber auch das oft nur vom Frühjahr bis zum Herbst, und das auf diese Weise eingenommene Eintrittsgeld reicht auch nicht aus. Da haben sich viele Burg- und Schlosseigentümer so einiges einfallen lassen, womit sie zusätzlich noch Geld erwirtschaften können.

Am Beispiel des in Herefordshire gelegen Eastnor Castles, 3 km von Ledbury entfernt, möchte ich das einmal zeigen. Die Burg wurde zwischen 1812 bis 1820 für John Cocks, den ersten Earl Somers erbaut, dessen Nachfahren noch heute die Eigentümer sind.

In England feiert man gern seine Hochzeit in einem Hotel, einer Burg oder in einem Schloss. Das Eastnor Castle bietet da den kompletten Service. Man besitzt die „Lizenz zum Trauen“; von der Trauzeremonie über das Catering bis hin zur Übernachtung in stilvollen Zimmern kann alles gebucht werden (wenn das nötige Geld dafür vorhanden ist). Es muss schon ein Erlebnis der besonderen Art sein, sich in dem von Augustus Pugin gestalteten Drawing Room das Ja-Wort zu geben.

Wenn große Firmen ihre Mitarbeiter oder Kunden zu Präsentationen oder Meetings laden, wählt man gern einen entsprechenden Rahmen. Das Eastnor Castle stellt alles zur Verfügung, was man dafür benötigt; auch, wenn gewünscht, Mahlzeiten und Übernachtungsmöglichkeiten.

Wer nicht auf der Burg übernachten kann, dem stehen auf dem großen Gelände ein Campingplatz und Feriencottages zur Verfügung.

Seit den 1960er Jahren werden auf dem Gelände des Eastnor-Castles die neuen Modelle der Land Rover und Range Rover getestet. Hier gibt es enge schlammige Waldwege und starke Steigungen, ideal für den Test von Offroadern.

Häufig klopfen Filmproduktionsfirmen an die Tür des Castles, mit der Bitte um Drehgenehmigung, der man gern nachkommt. Die Burg mit ihren schönen Räumlichkeiten bietet sich für historische Filme geradezu an.
Schon 1969 waren hier Sammy Davis jr. und Peter Lawford am Set des Films „One More Time“ (dt. „Die Pechvögel“). Die BBC drehte hier zahlreiche Dokumentationen und Fernsehserien wie die „Antiques Road Show„, „Blue Peter„, „Saving Britain’s Past“ oder „Stately Suppers„. In der vierteiligen TV-Serie „The Canterville Ghost“ der BBC aus dem Jahr 2021 ist die Burg zu sehen wie auch in der HBO-Serie „Succession“ aus dem Jahr 2018.
Die britische Rockgruppe Slade nahm 1983 vor dem Castle ihr Musikvideo „Run Runaway“ auf.

Am 3. und 4. Mai findet wieder das alljährliche ChilliFest statt, bei dem sich alles um die scharfe Pflanze dreht.

Es ist also ständig etwas los im Eastnor Castle, und der Hausherr, James Hervey-Bathurst, hat zusammen mit seiner Familie eine ganze Reihe von Einnahmequellen erschlossen, und die Burg ist im ganzen Land bekannt geworden. Dieser Film zeigt die Schönheiten des Eastnor Castles.

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Photo © Jonathan Billinger (cc-by-sa/2.0)

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The Great Hall.
Photo: ell brown.
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Die Bibliothek.
Photo: ell brown.
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Das alljährliche ChilliFest.
Photo © Pebble (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. März 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Londoner Abbey Road Studios, in denen Musikgeschichte geschrieben wurde

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Photo: Leo Reynolds.
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Abbey Road Studios, 3 Abbey Road, St John’s Wood, London NW8 9AY, so lautet die Adresse jener berühmten Aufnahmestudios, die nicht zuletzt durch die LP der Beatles, die den Namen der Straße trägt, an der die Studios liegen, weltbekannt wurden.
1929 kaufte die Firma EMI das Haus an der Abbey Road und baute es zu einem Studiokomplex um, der am 12. November 1931 mit einer Aufführung des London Symphony Orchestra unter der Leitung von Sir Edward Elgar mit seinem „Land of Hope and Glory“ (hier eine historische Filmaufnahme) eröffnet wurde. Zuerst wurden unzählige Klassikschallplatten an der Abbey Road produziert, bis dann später nach und nach auch Jazz- und Popmusik hier aufgenommen wurde.
Die Sängerin Eve Boswell war 1955 mit ihrem „Pickin‘ a chicken“ eine der ersten, der mit einem in den Studios produzierten Song der Einstieg in die britischen Popcharts gelang.

George Martin
war damals der wichtigste Mann der Firma EMI, und er soll insgesamt 4836 Titel produziert haben. So richtig berühmt wurde Martin dann zu Beginn der 1960er Jahre als Produzent der Beatles und anderer britischer Popbands wie Gerry and the Pacemakers und Billy J. Kramer and the Dakotas.
Die Beatles nahmen in den Abbey Road Studios die meisten ihrer Hitsingles auf, beginnend am 6. Juni 1962 mit „Love me do“ und „Besame Mucho„.

Aber nicht nur George Martin war hier tätig, auch andere erfolgreiche Produzenten waren mit ihren Schützlingen in den Studios am Werk. Cliff Richard, Alma Cogan, Shirley Bassey und viele andere gingen in den Abbey Road Studios aus und ein.

Vor den Studios findet sich der berühmteste Fußgängerüberweg der Welt, den man von dem Cover des Albums „Abbey Road“ der Beatles kennt. Auf der Plattenhülle sind die Vier zu sehen wie sie den Zebrastreifen überschreiten, der übrigens unter Denkmalschutz steht. Unter Denkmalschutz wurden mittlerweile auch die Abbey Road Studios gestellt, die seit 1931 britische Musikgeschichte geschrieben haben.
Hier ist eine Dokumentation über die Studios.

Das Buch zum Artikel:
Brian Southall: Abbey Road -The Story of the World’s Most Famous Recording Studios. Omnibus Press 2002. 228 Seiten. ISBN 978-071199111

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Photo: Walakazoo.
Creative Commons NC-ND 2.0

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Der weltberühmte Fußgängerüberweg vor den Studios.
Photo © Eirian Evans (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. März 2026 at 02:00  Comments (2)  

The Keep Military Museum in Dorchester (Dorset) und ein Schreibtisch, der einmal Adolf Hitler gehörte

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Photo © Iain Lees (cc-by-sa/2.0)

The Keep ist ein Gebäude an der Barrack Road in Dorchester in der Grafschaft Dorset, das wie eine mittelalterliche Burg aussieht, mit zwei Türmen und schießschartenartigen Fenstern. Es gehört dem britischen Verteidigungsministerium und beinhaltet das Military Museum, das auf mehreren Stockwerken die Militärgeschichte der Regimenter von Devon und Dorset abbildet. Es war einmal das Torhaus der Kasernen der Dorset-Regimenter. In diesem Jahr wird The Keep wohl nicht zugänglich sein, da umfangreiche Bauarbeiten an diesem Gebäude aus der viktorianischen Zeit vorgenommen werden.

Eine Besonderheit finden wir in diesem Militärmuseum, den Schreibtisch Adolf Hitlers, der früher in seinen Privaträumen in der Berliner Reichskanzlei gestanden hat. Der schwere Holztisch wurde nach dem Fall des Dritten Reichs aus den Ruinen der Kanzlei von einem russischen Offizier geborgen, der ihn wiederum dem britischen Generalmajor William Henry Alexander „Alec“ Bishop (1897-1984) übergab. Bishop ließ den Tisch nach England befördern, wo er ihn 1950 dem The Keep Military Museum zur Verfügung stellte. An diesem Tisch sind unheilvolle Befehle verfasst worden, die das Leben von Millionen Menschen gekostet haben. In den Schubladen hat man persönliche Gegenstände Adolf Hitlers gefunden, darunter Schreibpapier und eine Weihnachtskarte aus dem Jahr 1943.

Dieser Film zeichnet die Geschichte des Schreibtischs nach.

The Keep Military Museum
Barrack Road
Dorchester DT1 1RN

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Photo: Gary Denness.
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Published in: on 1. März 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

John Peel (1939-2004) – Einer der berühmtesten DJs aller Zeiten und Great Finborough in der Grafschaft Suffolk

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Photo: Paulmatthewkelly.
This work is in the public domain.

John Peel (1939 – 2004) war weltweit einer der einflussreichsten Radiomoderatoren und Disc Jockeys und ein einzigartiger Spezialist für Popmusik. Seine Sendungen auf BBC Radio One sind legendär; aber Peel produzierte auch für andere Rundfunkstationen wie für den britischen Militärsender BFBS und für die Bremer Sender Hansawelle, Radio Bremen 2 und Radio Bremen 4. Auch die BBC-Fernsehmusic-Show Top of the Pops moderierte er wie seine DJ-Kollegen Tony Blackburn, Jimmy Savile oder David Jacobs.

Anfang der 1970er Jahre siedelte sich John Peel, der mit richtigem Namen John Robert Parker Ravenscroft hieß, in dem kleinen Dorf Great Finborough in der Nähe von Stowmarket in Suffolk an. Er kaufte sich ein reetgedecktes Haus, dem er den Namen Peel Acres gab, und das bis zu seinem Tod im Jahr 2004 seine Heimstatt blieb.

Damit er nicht ständig in London anwesend sein musste, ließ er sich ein Aufnahmestudio in Peel Acres einbauen, wodurch er in der Lage war, seine Sendungen zuhause zu produzieren beziehungsweise später sogar live zu senden. Zahlreiche Popmusiker kamen nach Great Finborough und spielten hier in dem Aufnahmestudio. Zu Gast waren unter anderem Blur (sie waren 1997 die ersten), Loudon Wainwright III, Supergrass, Calexico, White Stripes und PJ Harvey.

John Peel erlag im Alter von 65 Jahren bei einem Urlaub in Peru einem Herzinfarkt. Er hinterließ seiner Frau Sheila nicht nur Peel Acres, sondern auch eine riesige Sammlung von Schallplatten, die aus 25 000 LPs und Tausenden von CDs bestanden haben soll. In seinem Testament legte er fest, dass er in Great Finborough begraben werden wollte, was dann auch geschah. Sein Grab findet man auf dem St Andrew’s Churchyard des Dorfes in Suffolk, in diesem Film zu sehen.

Dieser Film über John Peel zeigt auch einige Aufnahmen von Peel Acres.

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Photo © Geographer (cc-by-sa/2.0)

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Photo © Peter Tarleton (cc-by-sa/2.0)

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St Andrew’s in Great Finborough (Suffolk).
Photo © Chris Holifield (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. Februar 2026 at 02:00  Comments (2)  

The Agatha Christie Potent Plants Garden in den Gärten der Torre Abbey in Torquay (Devon)

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Photo: Kmtextor.
Creative Commons 4.0

„These Plants Can Kill“ steht es am Eingang des Poison Gardens in Alnwick in Northumberland zu lesen, den man nur mit einer geführten Gruppe betreten darf; siehe dazu meinen Blogeintrag. Auch innerhalb der Gartenanlagen der Torre Abbey in Torquay in Devon gibt es einen Giftgarten, der allerdings nicht so abgeschottet worden ist wie der in Northumberland.
Agatha Christie Potent Plant Garden nennt er sich und ist eine Hommage an die Kriminalromanautorin, die am 15. September 1890 in Torquay an der Englischen Riviera das Licht der Welt erblickte. Die Stadt ist stolz auf Agatha Christie, und so trifft der A.C-Fan hier auf allerlei Interessantes, das mit ihr zusammenhängt. Ich denke da vor allem an die Agatha Christie Mile, einen 5,6 Kilometer langen Spazierweg, der zu den wesentlichen Stätten aus dem Leben der Autorin in Torquay führt, so auch zur Torre Abbey und dem Giftgarten.

Ein großer Teil der Mordopfer in Agatha Christies Romanen starb durch Gifte mit denen sie sich gut aus kannte, denn im Ersten Weltkrieg hatte sie sich durch ihre Arbeit als Krankenhausapothekerin und Krankenschwester im Torquay Town Hall Hospital einen reichen Erfahrungsschatz an pharmazeutischen Produkten, darunter auch Giften, zugelegt. Gleich in ihrem ersten Roman „The Mysterious Affair at Styles“ (dt. „Das fehlende Glied in der Kette“) verwendet der Mörder Strychnin, ein Alkaloid aus der Brechnuss, später folgten Gifte wie die vom Gelben Jasmin, dem Fingerhut, dem Blauen Eisenhut und der Tollkirsche, um nur einige wenige zu nennen.

Aly Marshall, die für die Gärten der Torre Abbey verantwortlich ist, kam auf die Idee, in Christies Geburtort einen speziellen Garten anzulegen, in dem viele der in den Romanen vorkommenden Giftpflanzen, respektive deren Gifte, wachsen sollten. Sie bietet auch Führungen durch den Garten und Vorträge zu speziellen Themen an. Die Eröffnung des Agatha Christie Potent Plants Garden im Jahr 2011 wurde übrigens von David Suchet vorgenommen, der, meiner Meinung nach, von allen bisherigen Hercule Poirot-Darstellern der überzeugendste ist. Beim alljährlichen International Agatha Christie Festival in Torquay wird in der Torre Abbey immer eine Gartenparty durchgeführt mit dem einladenden Namen „The Garden Party To Die For“ („join us for afternoon tea – if you dare“).

Dieser Film zeigt die Torre Abbey Gardens und auch den Potent Plant Garden.

Torre Abbey
The King’s Drive
Torquay, Devon, TQ2 5JE

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Photo © Len Williams (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. Februar 2026 at 02:00  Kommentar verfassen  

Stogursey Castle in den Quantock Hills in Somerset – Ein weiteres Urlaubsdomizil des Landmark Trusts

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Photo © Nick Chipchase (cc-by-sa/2.0)

Stogursey ist ein kleines abgelegenes Dorf in den Quantock Hills von Somerset. Der nächst größere Ort ist Nether Stowey, ein paar Kilometer südlich (in dem der Dichter Samuel Taylor Coleridge einmal gewohnt hat). Aber Stogursey verfügt über eine Burg; na ja, sagen wir über die Ruinen einer Burg, das Stogursey Castle. Aus irgendeinem Grund hat es den damaligen König John (1166-1216), auch König Ohneland genannt, hierher verschlagen, der im Jahr 1210 in der Burg gastierte, ein üppiges Abendessen zu sich nahm und beim anschließenden Glücksspiel zwanzig Schilling verlor.Während der Rosenkriege Mitte des 15 Jahrhunderts brannten die Yorkisten die Burg nieder, und das war es dann mit dem Stogursey Castle.

Heute finden wir auf dem Burggelände, das von einem mit Wasser gefüllten Graben umgeben ist, ein sehr hübsches, gelb gestrichenes Torhaus, das ebenfalls verfallen war, aber 1981 vom Landmark Trust wieder restauriert und als Wohnhaus hergerichtet worden ist, und das man als Urlaubsdomizil mieten kann. Das Gatehouse hat auf zwei Ebenen Platz für vier Personen, und auch Hunde sind gern gesehene Gäste. Viele wird es wohl stören, dass kein WLAN verfügbar ist…, dafür haben die Gäste das komplette Burggelände für sich allein, das nur über eine Brücke zugänglich ist. Dieser Film zeigt das Torhaus von innen und von außen, und wie das Stogursey Castle von oben aussieht, ist in diesem Film zu sehen.

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Photo: formalfallacy@dublin (Victor).
Creative Commons NC-SA 2.0

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Photo © Andrew Riley (cc-by-sa/2.0)

Das Animals in War Memorial am Londoner Hyde Park

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Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Am Rand des Londoner Hyde Parks, an der Park Lane, steht ein Denkmal, das an die vielen Tiere erinnert, die in den beiden Weltkriegen ums Leben gekommen sind: Das Animals in War Memorial. Im Jahr 2004 wurde diese Gedenkstätte, die von dem Bildhauer David Backhouse geschaffen wurde, von  Prinzessin Anne eröffnet,

Angeregt wurde die Errichtung des Denkmals durch das Buch „Animals in War“ (liegt nicht in deutscher Übersetzung vor) der englischen Bestsellerautorin Jilly Cooper (1937-2025). Darin schreibt sie von den unzähligen Tieren, die den britischen Truppen geholfen haben, wie zum Beispiel den Minensuchhunden und den Brieftauben, die durch die Überbringung von Nachrichten zahlreichen Soldaten das Leben gerettet haben. Acht Millionen Pferde und zahllose Maultiere und Esel starben in den Kriegen.

David Backhouse gestaltete das Denkmal aus Portland-Stein, die Tiere wurden aus Bronze gegossen. Zwei schwer beladene Maultiere sind dort zu sehen, sowie ein Pferd und ein Hund. In Form eines Flachreliefs finden sich auf der Mauer zahlreiche weitere Tiere, darunter auch ein Kamel und ein Elefant. Unter der Inschrift „Animals in War“ finden sich die Worte:

This monument is dedicated to all the animals
that served and died alongside British and allied forces
in wars and campaigns throughout time

und daneben: „They had no choice„.

Die rund zwei Millionen Pfund, die das Memorial kostete, kamen ausschließlich durch Spenden zusammen.
Über die Dickin Medal, mit der Tiere ausgezeichnet werden, die sich in Kriegseinsätzen verdient gemacht haben, berichtete ich schon einmal in einem früheren Blogeintrag.

Dieser Film zeigt das Memorial im Londoner Hyde Park.

Das Buch zum Artikel:
Juliet Gardiner: The Animals‘ War – Animals in Wartime from the First World War to the Present Day. Portrait 2006. 192 Seiten. ISBN 978-0749951030.

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Photo: Castles, Capes & Clones.
Creative Commons ND 2.0

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Photo: SNappa2006.
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Published in: on 25. Februar 2026 at 02:00  Kommentar verfassen