Wupperpostille klingt nach Lokalnachrichten, manchmal geht es hier auch um regionales Klein-Klein. Sonst aber eher um geneigten Austausch mit euch, die ihr selbst bewegt seit von dem Leben, wie es nun einmal ist. Um Glaube, Vertrauen, Menschlichkeit, Mitgefühl, Philosophie, Alltagskram.
Darum, mir bei aller Breite,Tiefe und zeitweisen Schwere des Lebens das lachen zu bewahren.
Ich mag Symmetrien in vielfältigen Erscheinungsformen, bieten sie doch im Idealfall ein Bild von Gleichgewicht, Harmonie und Ebenmäßigkeit. Wie wenig ich selbst diesem Bild entspreche, wurde mir dieser Tage einmal mehr bewusst. Anfang des Jahres schon staunte ich ob der Kunst meiner Optikerin, die neuen Brillengestelle anzupassen. Als die Dinger fertig waren und auf dem Tisch lagen, sahen sie arg verbogen aus, saßen aber schön rechtwinklig zur Mittelachse meines Gesichts, das fiel mir sofort auf, beruflich habe ich recht gute Augen für alles, was vom rechten Winkel abweicht.
Tja. Offensichtlich hat mein rechtes Ohr Spaß daran, ca. einen Zentimeter höher als das Linke gewachsen zu sein, relativ zur schädeligen Mittelsenkrechten. Die Optikerin lacht, so in der Art sei das oft anzutreffen. Einzig Menschen mit Down-Syndrom hätten mehrheitlich völlig symmetrische Gesichter, ihrer Erfahrung nach. Mag sein, denke ich und freue mich über ihr handwerkliches Geschick mit dem störrischen Titandraht.
Dieser Tage wiederum bekomme ich aufgrund meiner derangierten Schulter Physiotherapie. Die nehme ich ernst und übe daheim fleißig, um eine mögliche OP zu umgehen. Diese Woche hatte mich eine junge Frau in der Mangel. Nach dem üblichen Geknete der umliegenden Muskeln forderte sie mich auf, mich mal hinzusetzen. Sie sah sofort meine schiefe Haltung, Skoliose und so, dramatische Geburt, will niemand wirklich genau wissen, was die Überlieferung ergab. Ziehen se mal die rechte Schulter Richtung linke Gesäßhälfte … auf meinen fragenden Blick wurde ergänzt, ja, nur in Richtung, nicht bis unten hin. Gelächter, und ich tue, wie mir geheißen. Jetzt sitzen se gerade, sagt sie. Fühlt sich komplett schief an, sage ich. Isso, sagt sie, weil fremd. Üben se mal, diskret, über Tag. So Hausaufgaben, aber gut, da mal an wen Fachkundigen geraten zu sein.
Gerade machen kann ich, langsam sogar wortwörtlich.
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PS: Beizeiten hatte ich mal den Tick, Portraits graphisch zu „halbieren“ und die jeweiligen Gesichtshälften zu einem neuen Bild zu spiegeln, was tatsächlich zwei „neue“ Gesichter ergab. Befremdlich, aber eben real.
100 Wörter, drei müssen mit rein, der Torsten hat`s gerichtet – Danke dafür Heute mit: Qualität – träge – Irritation
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Wo ist deine Contenance, denke ich. Gesagt habe ich doch gar nichts, beim Kaizen-Meeting an der Tafel, nur träge den Kopf geschüttelt angesichts deiner Ausführungen, was umgehend für Irritation deinerseits sorgte. Ok, vielleicht habe ich ne Fresse gezogen, das tut mir leid, ich hatte wohl das falsche Gesicht dabei auf, das war mein privates Gesicht, sorry, das Meetinggesicht war gerade aus. Brauchst mich nicht gleich so anzufahren, da sind doch noch all die anderen, die jubeln und lächeln, komm mal klar mit dem einen Arsch, der mit dem Ungesicht. Wenn es dein Ego zulässt, können wir gerne wieder sachlich reden.
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PS: Dem Beitrag fehlt die Qualität. Also das Wort. Das lass ich jetzt so, dann isses halt Kacke 🙂
Letzte Spuren eines Menschen, der fort ging. Ein wenig durften wir uns kennenlernen und ich hätte mir Wurzeln für ihn gewünscht. Aber manche müssen dem Ruf folgen, ihr Glück im Außen suchen. Mir bleibt nur, ihm Schutz und Beistand zu wünschen, von dieser einen Macht, die wir beide verschieden nannten und die doch die Eine ist.
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Innere Unrast ist mir vertraut, auch wenn ich von außen betrachtet vielleicht nicht so wirke. Zur Bohème fehlte mir der Mut, meine „bürgerliche“ Existenz gründete damals auf der Erkenntnis, dass Alk & Shit Geld kosten, sowie auf dem Umstand, dass ich keine Neigung verspürte, auf der Straße zu leben. Lange her, der Rest ist Entwicklung, bis heute und darüber hinaus. Im Nachgang gut so, wie es ist. Heute weiß ich, dass innere Freiheit nur wenig mit den äußeren Umständen zu tun hat.
Wort des Tages – Schiessbude, las ich bei meiner Lieblingswortetürmerin. Und ich las die anderen, las von Jahrmarkt, Rummel, Kirmes, von zerschossenen Keramikröhrchen, fragwürdigen Gewinnen, las von Erinnerungen an die Militärzeit und von Wirkstätten der Schlagzeuger.
Schiessbudenfiguren, dachte ich. Zielscheiben und Jäger des Spotts. Die Menschen lieben sie.
Mein Zuhause ist ein altes trauriges Haus. Tags hört man Autos, Elterntaxis, Müllkutschen, schwatzende Menschen. Des Nachts ist das anders. Dann erzählen die alten Wände, die leeren Wohnungen über und unter uns. Von anderen Zeiten, die waren nicht besser, nur anders. Vom Gelächter, Gestreite, von Tränen derer, die auch mal hier zuhause waren. Irgendwann vor Jahrzehnten war das große alte traurige Haus mal bis unters Dach bewohnt, dann gab es ein großes Unglück. Nach und nach zogen die Menschen aus und dem Herrn des großen alten traurigen Hauses fehlte der Lebensmut zum erneuern der alten Mauern. Immerhin wurde verhindert, dass es hineinregnete, in das alte traurige Haus, und dass sich Teile von ihm lösen konnten, um auf die Straße zu fallen. Heute leben wir hier, mit uns die beiden Kinder des Herrn, und bleiben, solange es geht.
Ab und zu ist das Tor geöffnet, zwischen dem Jetzt und dem Damals. Dann spüre ich die Menschen, die einst hier lebten, gerade so wie der alter Kater, der mit ihnen spricht, in der Nacht, und manchmal auch am Tag. Meist bin ich dann zu müde, mir Notizen zu machen, und Wörter habe ich auch nicht, nur so Anflüge von Stimmungen. Dann drehe ich mich um, lausche den einzigen Geräuschen der Nacht, die meine beiden Mitschläferinnen verursachen und warte. Auf den nächsten Tag, um vielleicht über diese Brücke zu gehen, zwischen schreibenden Verstand und dem nächtens Gefühlten. So wie in dieser Stunde.
Schon oft erlebt: Da lese ich bei FB einen interessanten, aber auch fragwürdigen Artikel, den die Algorithmen mir vorschlagen. So Abhandlungen, die ein wenig tiefer als die Tagesnachrichten gehen. Aha, denke ich, liest sich schlüssig, aber es hat diesen Geruch, es riecht verschwörungstheoretisch. Das Fatale daran sind in sich nachvollziehbare Zusammenhänge aus bekannten Fakten, kombiniert mit unbewiesenen Überlegungen. Weil ich solche Artikel nicht mehr so schnell like, recherchiere ich, so gut es in vertretbarer Zeit möglich ist, in einem neuen Browserfenster, während FB geöffnet bleibt. Sammle Erkenntnisse, Bestätigungen, aber auch andere Sichtweisen und Widersprüche. Man könnte kommentieren, denke ich manchmal, und gehe wieder rüber zu FB.
Und – ZACK, der Artikel ist fort. Guter Trick, finde ich. Natürlich könnte man hinterhersuchen, was wiederum Zeit kostet. Na, so wichtig wars ja dann auch nicht. Oder? Welche Seele kann ich schon retten, außer vielleicht die eigene? Wer blind glauben möchte, wird es tun, auch ohne meine Einwände. Die Grinsesmilyfraktion ist sowieso allmächtig, da nützen auch die potentiell klügsten Erwägungen nichts.
Und was noch? Heute ist der letzte 10. März in meiner Erwerbstätigkeit. Oder überhaupt, so genau kann man das nie wissen. Durchhalten und überleben, in einer zarten Diclofenac-Gel-Fahne. Deo Radikal. Habe schonmal besser gerochen. Und ja, jetzt alle im Chor – DU SOLLST IM AUGENBLICK LEBEN! Geniesse jeden Moment, atme tief aus, reib die die kaputten Knochen und schreib launige Blog-Einträge.
Wir treffen uns mit Menschen aus der Gruppe zum futtern. Große Runde mit Angehörigen. Mein soziales Umfeld eben. Manche kenne ich schon Jahrzehnte, wir wissen mehr voneinander als die meisten Menschen. Vertrautheit und Dankbarkeit.
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Die Liebste ist mit dabei, ebenso das große Weitwegkind, das gerade bei uns weilt. Im Anschluss gehen wir unserer Lieblingsbeschäftigung nach, ziellos umherstreunen. Eh wir uns versehen, stehen wir auf dem Weg zum Bahnhof in einer Demo. Laut isses, und friedlich.
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Am Bahnhof steigen wir in den Bus nach Remscheid, die Stadt mit dem kurzen „e“ trotz einem „m“. Man möchte hinten sitzen, ich warne. Gelenkbus, Steigungen, Serpentinen, volle Mägen, das Kind sogar rückwärts. Voraussehbar nicht lange. Aber gut, nächtliches Sightseeing bergisches Land mit Gleichgewichtstraining ohne unkontrolliertes Essen-wegbringen. Bleichnäsig erreichen wir den frisch hergerichteten Friedrich-Ebert-Platz. Ich staune, endlich fertig geworden.
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Wir laufen zum Bahnhof, kehren ein in die Saxo-Bar, Pipi und Käffchen. Hier war ich letztmalig vor ca. 40 Jahren, die Zeit steht still, so scheint es. 9 Uhr, nix los, paar Jungs kickern. Echte Herren, gerade 18, trinkfreudig und laut, 3 von ihnen machen aus Gründen auf den uralten Kneipendielen Liegestütze um die Wette. Geballte Ladung jüngeres Ich, das sich gerade merkwürdig alt fühlt, aber zufrieden mit der Gesamtsituation. Als wir aufbrechen, wird es voll. Viel Jugend und einige von Vorgestern, die Landkartengesichtsfraktion. Ob ich will oder nicht, bin ich ein Teil davon.
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Bevor es rührend und schüttelnd wieder heimwärts geht, halte ich am Busbahnhof beim Hbf., der jetzt Willy-Brandt-Platz heißt, noch ein Zitat fest.
So Zahlen. Heute vor 26 Jahren habe ich letztmalig gesoffen.
Und die 12? Noch 12 Monate, dann gehe ich in den Ruhestand. Außer, die Politik cancelt die „Rente mit 63“, die in meinem Fall Dynamik-bedingt bei 64/9 liegt. Sollte ich die dann fälligen Strafprozente auf die letzten 24 Monate bis zu meinem regulären Renteneintrittstermin mit 66/9 auch noch hinnehmen müssen, gehe ich sofort. Ob 8% zusätzlich Abzug oder 10, das ist mir dann auch wurscht.
Wäre gut, wenn sich die rechenkünstelnden Youngsters das auch mal klar machen würden. Und unwahrscheinliche, aber immerhin mögliche Erkenntnisse an ihre politischen Vertreter weiterleiten. Wenn ihr schon die (volkswirtschaftliche) Lebensleistung von uns „Boomern“ mit Füßen tretet – rechnet einfach mal. Das beruhigt.
Nachfolger? Gibt es nicht, wird es nicht geben. Wird kein Geld für freigegeben werden. Fossil, ich. Aber weit über 30 Jahre Lohn und Brot allein in dieser Firma. Gesamt wären es in einem Jahr dann 48.5 Jahre. Fazit: Alt geworden, kaputte Knochen. Aber dankbar für mein Auskommen und für die Zähludrigkeit, die mir mein Schöpfer mitgegeben hat.
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So. Jetzt endlich isser fertig, dieser Eintrag. Ich schlafe krankheitsbedingt gerade im Wohnzimmer. Hat auch Vorteile, kann lesen, wann ich will, niesen und husten nach Herzenslust. Und Blogeinträge schreiben. Außer, die Jungkatze kommt. Das macht sie jede Nacht, vorzugsweise am frühen Morgen. Mal gucken, ob der noch lebt. Manchmal, wenn ich zu müde bin, ihr ein Eckchen freizumachen, legt sie sich auf mich drauf, milchtrittelt auf meine volle Pissblase und freut sich, dass ich noch da bin. Jedenfalls ruht sämtliche andersartige Aktivität, wenn Madame ihren Kontrollgang macht.
Jetzt gerade schnürchelt sie leise neben mir, die Welt ist in Ordnung. Ich mag diese liebevolle, nervensystemische Kommunikation zwischen uns. Sehr.
Dieser Tage stehe ich morgens wie immer um kurz vor 4 Uhr im Bad und restauriere meine Fassade. Das Radio läuft, die Live-Übertragung zur Lage der Nation des amerikanischen Präsidenten, simultan übersetzt von einem bemühten Sprecher. Eine geballte Ladung Rassismus, Bösartigkeit und Lügen, Goebbels wäre stolz auf den gewesen.
Und hier? Machen sie nen „Faktencheck„. Wenn man einen üblen Hetzer, notorischen Lügner und Demagogen aus Gründen der Staatsräson schon nicht so nennen darf, dann wenigstens sehr deutsch inhaltlich analysieren. Einmal mehr bin ich froh, kein Diplomat oder überhaupt Politiker zu sein, nicht umgehen zu müssen mit solchen Abschaum.
Und da ich schon mal dabei bin, abzurotzen. Das tue ich gerade wörtlich, der verstopfte Rüssel konkuriert mit der derangierten Schulter um den scheiß ersten Platz der persönlichen Plagen. Männerschnupfen, ganz schlimm, man kennt das. Mutter hat es gerade hinter sich, ist unternehmungslustig und nörgelt, dass keiner Zeit für sie hat. Einmal mehr möchte ich darauf verweisen, wer denn hier und warum unterlassen hat, noch ein paar Geschwisterchen zu zeugen, die sich jetzt kümmern könnten. Mache ich nicht, aus Gründen der Räson (tolles Wort).
Oft frage ich mich, woher dieses zähe Geschöpf die Kraft nimmt, so alt zu werden. Sie hat alle möglichen Erkrankungen durch, Geschwüre, Tumore, Bandscheibenvorfälle und und und. Sie ist ein Genussmensch, sagt die Liebste, das hebt, wie man sieht. Immerhin dreht sich bei ihr nicht alles ums fressen, sie interagiert viel mit ihren Mitbewohnern und liest auch viel.
Und ich? Denke manchmal, gar nicht schlimm, jetzt zu gehen. Das sind so Momente, die sich verdammt echt anfühlen. Warum auch immer. Vielleicht Veranlagung, vielleicht die nur lose zugeschütteten neuronalen Suchtgräben in meinem Kopf, vielleicht Müdigkeit, wahrscheinlich ein Mix aus allem.
So. Genug schlechte Luft verbreitet. Mir zur Erleichterung und euch zur Unterhaltung. Und irgendwo dahinten ist auch noch mein Schöpfer, der bestimmt, wann die Zeit gekommen ist. Könnte mich mal wieder mehr hinwenden, zu ihm. Oder wenigsten zu seinem Sohn.
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Blume Nr. 1
Bonbonhimmel mit Gevögel. Wenn das kein Zeichen ist.
Alle reden von künstlicher Intelligenz, testen und spielen damit, kreieren Bilder, Texte, sonstwas. Naja, dachte ich so, mach auch mal. Ganz einfach anfangen, mal sehen, was Chatgpt zu „Wupperpostille“ sagt. Das Ergebnis zeugt eher von künstlicher Dummheit (wer nach „wupperpostille“ sucht, wird sofort hier her geleitet), aber seht selbst. Irgendwie erinnert mich die Antwort an gewisse Mitmenschen, die auf jede Frage eine Antwort glauben haben zu müssen.
Na jedenfalls wißt ihr jetzt über unser einzigartiges Verkehrsmittel Bescheid.
Und weiter dachte ich. Vielleicht bin ich zu unpräzise, mal mit „wupperpostille blog“ versuchen. Und siehe, es folgt eine, wie ich finde, recht gelungene Charakterisierung des Geschreibe hier. Und das in einer affenartigen Geschwindigkeit.
Königsklasse: Die detaillierte Bitte um Analyse des (eigenen) Blogs – siehe meine Antwort auf Wortman.
Das elementar poetische Subjekt staunt jedenfalls, und solange es das noch kann, ist es der KI allemal überlegen.