Archive for 3. April 2013

Propaganda der Opferzahlen

April 3, 2013

Casualty counts during modern wars have become a highly politicised business. On one hand, they can help alert the outside world to the scale of violence and suffering, and the risks of conflict spreading both within a country’s borders and beyond them. On the other, as in Syria, Iraq, Darfur, the Democratic Republic of Congo and elsewhere, death tolls have routinely been manipulated, inflated or downplayed – a tool for the advancement of political interests.

(2013 – Sharmine Narwani im Guardian)

Die Dame weiß, wovon sie redet.

Der die Lancet-Studie widerlegende Bericht von Iraq Body Count, mit dem sie ihren aktuellen Beitrag verlinkt hat, war zum Zeitpunkt als sie in einem Anti-Bush-Artikel von mehreren Hunderttausend toten Irakern und Afghanen schrieb, auch schon längst bekannt:

by the time US troops begin their promised 2011 withdrawal, and several hundred thousand innocent Afghani and Iraqi men, women and children have been killed in wars that have become increasingly difficult to justify to a skeptical American public.

(2010 – Sharmine Narwani auf Mideast Shuffle)

Auch wenn ihre Aussage zum Propaganda-Missbrauch von Opferzahlen grundsätzlich richtig ist, braucht es schon eine gehörige Portion Frechheit, um für die Relativierung der Opferzahlen in Syrien ausgerechnet auf die eigenen Übertreibungen beim Irak-Krieg zu verweisen.

Rationale Erpressung

April 3, 2013

Der Spiegel lässt einen “Experten” dozieren, warum sich Kim “rational” verhalte:

Frank: Ich sehe überhaupt keinen Grund, ihm die Rationalität abzusprechen. Zumindest hat er sich bislang noch nicht besonders irrational verhalten – er hat möglicherweise einige Fehler gemacht, aber er verfolgt offenbar ein klares Ziel: Es geht ihm um die Verbesserung des Lebensstandards der nordkoreanischen Bevölkerung.

Frank: Nein, Nordkorea ist auf diesem Weg wohl kaum mehr aufzuhalten. Das Land weiß, dass es konventionell einer Militärmacht wie den USA nichts entgegenzusetzen hätte. Pjöngjang ist deshalb davon überzeugt, Atomwaffen als Sicherheitsgarantie zu benötigen. Diese Idee wird bereits seit den fünfziger Jahren verfolgt. Der Rest der Welt sollte sich also an ein nukleares Nordkorea gewöhnen.

Frank: Er muss jetzt also demonstrieren, dass er die Kontrolle über das Land hat. Gleichzeitig will er auch dem Ausland Stärke demonstrieren und deutlich machen, dass Pjöngjang nur dann dialogbereit ist, wenn dies auf Augenhöhe geschieht.

(Spiegel)

Aus Sicht eines Erpressers mag sein Verhalten tatsächlich “rational” sein.

Ich halte es jedoch für vollkommen irrational, sich der Ratio eines miesen Kriminellen zu beugen.

Nach dem Angriffskrieg Nordkoreas war der Süden völlig devastiert, während der Norden noch ziemlich viel Industrie hatte.

Mittlerweile hat jedoch der Süden etwa das 20fache BIP/Kopf:

Bruttoinlandsprodukt pro Kopf/ Nordkorea

Bruttoinlandsprodukt pro Kopf/ Südkorea

“Rational” wäre es daher, das eigene System in Frage zu stellen, statt das eigene Scheitern durch Erpressungen künstlich aufrecht zu erhalten.

Aber für den Spiegel-Experten hat sich wahrscheinlich auch Gorbatschow irrational verhalten, während Breschnew “rational” das marode Sowjet-Imperium verteidigte.


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