The Lincoln Sausage Festival – Hier dreht sich alles um die Wurst

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Photo © Oliver Mills (cc-by-sa/2.0)

Wodurch ist die englische Grafschaft Lincolnshire unter anderem bekannt? Durch ihre Wurst, die Lincolnshire Sausage, die hier hergestellt wird und deren hervorstechendes Merkmal neben dem Schweinefleisch Salbei ist. Einmal im Jahr, im Oktober, findet in der Grafschaftshauptstadt Lincoln ein Festival statt, bei dem die Lincolnshire Sausage im Mittelpunkt steht, und das in diesem Jahr zum zwanzigsten Mal ausgetragen wird, am 20. Oktober, wieder auf dem Gelände des Lincoln Castles. Zur Unterhaltung treten auf The Cosmic Sausages, Mr and Mrs Sausage, Juggling Jim und die bekannte und populäre Fernsehköchin Rachel Green, die selbst sehr gern die Wurst aus ihrer Heimatgrafschaft isst.

Initiator des Festivals war und ist der Lincolnshire Rotary Club. Rund 30 000 Würste werden im Schnitt am Festivaltag verspeist, heruntergespült mit massenhaft Bier von den lokalen Brauereien.

Natürlich legt man in der Grafschaft wert darauf, dass die Lincolnshire Sausage auch wirklich in Lincolnshire hergestellt wird und nicht irgendwo anders, darum ist im Jahr 2006 die Lincolnshire Sausage Association gegründet worden. Man hat versucht, wie bei der Cumberland Sausage, die Wurst zu schützen, indem man ihr den PGI-Status verleiht (Protected Geographical Indication), was aber vom zuständigen Ministerium in London abgelehnt worden ist. Beim Kauf einer Lincolnshire Sausage sollte man also darauf achten, wo sie hergestellt worden ist.

Hier ist ein Film von einem früheren Festival.

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Echte Lincolnshire Sausages.
Photo: SonnyandSandy.
Creative Commons NC-ND 2.0

Published in: on 31. Juli 2024 at 02:00  Kommentar verfassen  

Oliver Cromwells Kopf im Sidney Sussex College in Cambridge

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Eigenes Foto.

Ich habe ihn zwar nicht gesehen, aber ich stand in unmittelbarer Nähe vor ihm, vor Oliver Cromwells Kopf, der verborgen im Sidney Sussex College in Cambridge aufbewahrt wird. Nur eine an der Wand angebrachte Plakette weist darauf hin, dass an dieser Stelle der Lord Protector of the Commonwealth am 25. März 1960 beigesetzt worden ist. Warum gerade im Sidney Sussex College? Es war seine Alma mater von 1616-1617. Wo genau der Kopf nun zu finden ist, das weiß nur eine Handvoll von Führungskräften des College und die hüten das Geheimnis.

Oliver Cromwell starb im Alter von 59 Jahren am 3. September 1658, wurde aber am 30. Januar 1661 auf Anweisung von König Charles II. aus der Westminster Abbey ans Tageslicht geholt und posthum hingerichtet, indem man ihn aufhängte und anschließend seinen Kopf vom Körper trennte. Der Kopf wurde auf einer sechs Meter langen Stange aufgespießt und auf dem Dach der Westminster Hall zur Schau gestellt, vermutlich bis zum Jahr 1684. Bei einem Sturm soll der Kopf vom Dach heruntergefallen und von jemandem vom Wachpersonal mit nach Hause genommen worden sein. Und dann begann eine wahre Odyssee des Kopfes, denn er wanderte durch die Hände von mehreren Menschen, ist weitergereicht, verkauft und ausgestellt worden, bis er schließlich im Sidney Sussex College seine letzte Ruhestätte fand (mehr über diese Odyssee zeigt dieser Film). Dort wurde Oliver Cromwells Kopf in einer hölzernen Kiste in einen luftdichten Behälter platziert und in Anwesenheit einiger weniger Repräsentanten des College bei einer Zeremonie an einer geheimen Stelle verwahrt.

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Sidney Sussex College in Cambridge.
Photo © David Purchase (cc-by-sa/2.0)

Das Budleigh Salterton Literary Festival 2024

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Budleigh Salterton.
Photo © Ian Capper (cc-by-sa/2.0)

Als die Schriftstellerin und zweifache Booker Prize-Empfängerin Hilary Mantel im Alter von siebzig Jahren am 22. September 2022 in einem Krankenhaus in Exeter in Devon verstarb, war das ein besonderer Schock für die Küstenstadt Budleigh Salterton (Devon), die nur 24 Kilometer von Exeter entfernt liegt, und lange Zeit der Wohnort von Dame Hilary Mantel war. Sie war Präsidentin des Budleigh Salterton Literary Festivals, das im Jahr 2009 ins Leben gerufen worden und das größte Literaturfestival im Südwesten Englands ist. Ihr zu Ehren ist vor der Öffentlichen Bibliothek von Budleigh Salterton eine Erinnerungsbank aufgestellt worden, die den Schriftzug „So now get up“ trägt, womit ihre Romantrilogie „Wolf Hall“ beginnt. Eine große Tudorrose ziert die Lehne der Bank.

Der schön gelegene Ort an der Jurassic Coast bildet den Hintergrund für das Treffen von Schriftstellern aus dem ganzen Land, demnächst wieder vom 18. bis zum 22. September. Was dürfen die Besucher in diesem Jahr erwarten? Ich habe einmal einige Veranstaltungen herausgegriffen.
Da stellt zum Beispiel Guy Shrubsole sein neues Buch „The Lie of the Land: Who Really Cares For the Countryside?“ vor (siehe dazu meinen Buchtipp „Who owns England?“ des Autors).

Der Times-Kolumnist Hugo Rifkind wird anwesend sein und seinen aktuellen Roman „Rabbits“ vorstellen.

Der renommierte Historiker und Fernsehmoderator Jonathan Dimbleby hat ein neues Sachbuch geschrieben, das den Titel „Endgame 1944: How Stalin Won the War“ trägt, und das er in Budleigh Salterton vorstellen wird.

Richard Coles ist der Autor der Canon Clement Mysteries. Coles war selbst bis zum Jahr 2022 Priester der Church of England (und ehemaliges Mitglieder Band The Communards) und wird seinen aktuellen Band „Murder at the Monastery“ beim Festival präsentieren. Die ersten beiden Bände sind bereits auf Deutsch erschienen unter dem Serientitel „Ein Fall für Pfarrer Daniel Clement“.

Ein Highlight dürfte auch der Auftritt der Weinexpertin Rebecca Mitchell werden, die sich mit „The Booklovers‘ Wine Tasting: What to Drink With Whatever You’re Reading“ darüber auslassen wird, welcher Wein am besten zu welchem Buchgenre passt.

Veranstaltungsorte sind unter anderem die St Peter’s Church, die Temple Methodist Church und die Church on the Green.

Hier ist ein kleiner Streifzug durch Budleigh Salterton in Film.

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St Peter’s Church.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

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Church on the Green.
Photo © John Lucas (cc-by-sa/2.0)

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Temple Methodist Church.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. Juli 2024 at 02:00  Comments (1)  

„As bold as brass“ – Eine Redewendung und ihre Bedeutung

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Photo: Doyle of London.
Creative Commons 4.0

Die wörtliche Übersetzung der englischen Redewendung „As bold as brass“ bedeutet „so kühn wie Messing“, was natürlich keinen Sinn ergibt. Das Cambridge Dictionary erläutert die Redewendung so: „with extreme confidence or without the respect or politeness people usually show„. „Frech wie Oskar“ ist eine mögliche deutsche Übersetzung oder „außerordentlich mutig“.

Zurückzuführen ist „as bold as brass“ wahrscheinlich auf den englischen Rechtsanwalt, Richter und Parlamentsabgeordneten Brass Crosby (1725-1793), der auch einmal das Amt des Bürgermeisters von London ausübte. Zu seiner Zeit war es untersagt, den Inhalt von Parlamentsdebatten zu veröffentlichen. Im Jahr 1771 hatte es ein Londoner Drucker trotzdem gewagt, Auszüge aus Parlamentssitzungen an die Öffentlichkeit zu bringen, woraufhin er vor dem Gericht Brass Crosbys erscheinen musste, der ihn freisprach. Diese Entscheidung führte dazu, dass Crosby selbst verhaftet und ins Gefängnis geworfen wurde. Als es zur Anhörung kam und der Parlamentsabgeordnete vor seine Richter trat, entschieden diese, den Fall nicht zu verhandeln und ihn freizulassen, wohl auch auf Grund des Drucks der Öffentlichkeit, der immer mehr zugenommen hatte. Brass Crosby war damals also so mutig gewesen, sich für den Drucker und für die Veröffentlichung von Parlamentsdebatten einzusetzen, was letztendlich den Weg für Hansard freimachte (siehe dazu meinen Blogeintrag).

Vor Crosbys Wohnhaus Court Lodge in der Church Road in Chelsfield im Südosten Londons ist eine blaue Plakette angebracht worden, die an ihn erinnert und auch die Redewendung zitiert. Beerdigt wurde er ebenfalls in Chelsfield, in der St Martin of Tours Church, wo ein Ehrenmal für ihn an einer der Kirchenwände zu sehen ist.

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Brass Corbys Ehrenmal in der Kirche von St Martin of Tours in Chelsfield.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

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St Martin of Tours in Chelsfield.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. Juli 2024 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Queen Mary, ein britisches Schiff, das in Long Beach in Kalifornien vor Anker liegt und auf dem es spuken soll

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Photo: w4nd3rl0st.
Creative Commons NC-ND 2.0

Bei einem meiner Aufenthalte in Los Angeles in Kalifornien fuhr ich 36 Kilometer nach Süden, um an Bord der Queen Mary, die im Hafen von Long Beach vor Anker liegt, zu Abend zu essen; es war ein besonderes Erlebnis. Seit Anfang der 1970er Jahre liegt das ehemalige Kreuzfahrtschiff, dessen Heimathafen Liverpool war und das von der Werft John Brown & Company in Clydebank in Schottland gebaut worden war (Stapellauf: 26.09.1934), im Hafen der kalifornischen Stadt als Hotel- und Restaurantschiff.

Wer dort weder übernachten noch speisen möchte, der kann an einer der Touren teilnehmen, die auf der Queen Mary angeboten werden. The Glory Days Tour führt in die Geschichte des Schiffs, vom Kreuzfahrtriesen zum Truppentransporter im Zweiten Weltkrieg. Auf der Steam and Steel Tour werden die Besucher in den Bauch der Queen Mary geführt, wo man sich zum Beispiel die Kesselräume ansehen kann.
Die Hollywood Tour zeigt das Schiff von seiner einst glamourösen Seite, als berühmte Hollywoodstars an Bord waren.

Sehr beliebt sind natürlich die Haunted Encounters Tours, denn das Schiff gilt als das unheimlichste Kreuzfahrtschiff der Welt. Da wird zum Beispiel von der gruseligen Suite B340 erzählt, in dem immer wieder unerklärliche Dinge passieren und die bis vor einigen Jahren nicht vermietet wurde, seit 2018 aber zur Verfügung steht (inklusive Ouijaboard und Tarotkarten). Auch der Ballsaal zählt zu den Gruselorten der Queen Mary.
Wem diese einstündige Tour nicht ausreicht und wer sich noch mehr gruseln möchte, der sollte am Paranormal Ship Walk oder am dreistündigen The Grey Ghost Project teilnehmen, oder aber Michael Rangels berühmte 57 Ghosts besuchen, eine „theatrical séance“; mehr darüber in diesem Film. Auch Yvette Fielding mit ihrem „Most Haunted„-Team war schon auf der Queen Mary und berichtete darüber in der 17. Episode der 6. Staffel.

Zum Abschluss ist hier noch ein Film über Hugh Lauries Auftritt auf dem Schiff mit seiner Copper Bottom Band zu sehen.

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Die Shopping Arcade auf dem Schiff.
Photo: Tips for Travellers.
Creative Commons 2.0

Published in: on 27. Juli 2024 at 02:00  Comments (2)  

Das Moyse’s Hall Museum in Bury St Edmunds und The Red Barn Murder aus dem Jahr 1827

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Moyse’s Hall Museum.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Ergänzend zu meinem Blogeintrag vom 22. August 2022, in dem ich über Polstead in Suffolk und den Mord in der roten Scheune schrieb, möchte ich heute über einige Ausstellungsstücke schreiben, die vom damaligen Mörder William Corder im Moyse’s Hall Museum in Bury St Edmunds (Suffolk) aufbewahrt werden.

Noch einmal kurz zur Erinnerung: Die 26-jährige Maria Marten wurde am 18. Mai 1827 von ihrem Liebhaber William Corder in einer roten Scheune in Polstead erschossen. Im Gerichtsverfahren gegen ihn in Bury St Edmunds sprach man ihn schuldig und verurteilte ihn zum Tode. Am 11. August 1828 wurde der Mann aus Polstead in Bury aufgehängt, ein Ereignis, das sich um die 20 000 Menschen nicht entgehen lassen wollten. Corders Leiche wurde seziert, und man nahm an ihr einige Experimente vor, dann gerbte man seine Haut und benutzte sie, um ein Buch damit zu binden, ein Buch, das den Mordfall schilderte. Dieses Buch wird im Moyse’s Hall Museum aufbewahrt; es gehörte vorher dem Chirurgen George Creed vom West Suffolk Hospital, der die Sektion und die Gerbarbeiten selbst vorgenommen hatte. Ein weiteres makabres „Andenken“ an William Corder ist seine Kopfhaut mit einem Ohr daran, alles hier im Museum zu betrachten (wer es denn mag).
Doch es gibt noch mehr von dem Red Barn Murderer zu sehen und zwar seine Büste, die nach seinem Tod angefertigt worden ist. Um ein Haar wäre sie auf einer Müllhalde gelandet, weil der damalige Kurator des Museums sie nicht haben wollte, weil er sie zu makaber empfand und sie wegwarf. Doch jemand entdeckte und rettete sie, und ein späterer Museumkurator hatte keine Probleme damit, die Büste auszustellen. Eine Kopie von Corders Totenmaske wird ebenfalls im Moyse’s Hall Museum aufbewahrt, sowie seine zwei Pistolen, eine davon die Mordwaffe.

Moyse’s Hall Museum
Cornhill, Bury St Edmunds
Suffolk, IP33 1DX

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Die Vitrine mit den Ausstellungsstücken zum Red Barn Murder Case.
Photo: Researchgate.
Creative Commons Attribution 4.0 International

Published in: on 26. Juli 2024 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Kirche St Mary in Castro in Dover (Kent) und ihr römischer Leuchtturm

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Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Die Kirche St Mary in Castro liegt hoch über der Stadt Dover in Kent auf dem Gelände des Dover Castles. Man hat von hier oben einen wunderschönen Blick auf die Hafenstadt mit all ihren kommenden und gehenden Fährschiffen in Richtung Frankreich.
St Mary in Castro heißt soviel wie St Mary in der Burg und war lange Zeit die Garnisonskirche für die hier stationierten Soldaten. Restauriert wurde sie 1862 von dem berühmten Architekten George Gilbert Scott (1811-1878). Die Kirche ist uralt und wurde wahrscheinlich Anfang des 11. Jahrhunderts erbaut.
„Das ist ja lächerlich jung“, sagt sich wahrscheinlich der neben der Kirche stehende, steinerne Turm. „Ich bin viel, viel älter, denn ich bin schon im ersten Jahrhundert nach Christi als Leuchtturm entstanden“. Tatsächlich bauten die Römer auf dem Hügel über Dover diesen Leuchtturm (und noch einen weiteren, ein Stück entfernt, der aber nicht mehr existiert), um ihre Schiffe nachts sicher an Land zu lotsen. Brennende Kohlebecken auf dem obersten Stockwerk sorgten dafür.
Der Turm war damals noch um einiges höher, nämlich 24 Meter, heute misst er noch knapp 18 Meter, und er ist stolz darauf, der letzte noch in Großbritannien verbliebene Pharos aus Römerzeit zu sein. Im Mittelalter benutzte man ihn als Glockenturm, aber sonst war und ist er ohne weitere Funktion. Durch die exponierte Lage oberhalb von Dover ist der römische Leuchtturm natürlich Wind und Wetter ausgesetzt, so dass immer mal wieder an ihm „herumgewerkelt“ wurde, damit er nicht zusammenfiel. Ich bin der Meinung, dass sich das gelohnt hat, denn der Pharos macht sich sehr gut neben St Mary in Castro und beide sind einen Besuch wert.

Dieser Film zeigt Pharos und Kirche.

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Photo © Colin Park (cc-by-sa/2.0)

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Ein Blick in die Kirche.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

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…und ein Blick in den Pharos.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. Juli 2024 at 02:00  Comments (2)  

The Crich Tramway Village – Ein Straßenbahnmuseum in Derbyshires Peak District

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Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Crich ist ein größeres Dorf im Peak District in der Grafschaft Derbyshire, das für Straßenbahnfreunde so etwas wie ein Mekka darstellt, das man unbedingt einmal gesehen haben muss. The Crich Tramway Village ist das größte Straßenbahnmuseum Großbritanniens, in dem mehr als achtzig Trams zu sehen sind, von denen einige ständig auf den im Tramway Village verlegten Schienen unterwegs sind. Sie stammen alle aus einem Zeitrahmen von 1873 bis 1982 und sind überwiegend in Großbritannien im Einsatz gewesen, bevor sie hier in Crich ihren Lebensabend verbringen dürfen.

Die Häuser entlang der Straße im Village kommen aus allen Landesteilen und sind vor dem Abbruch gerettet worden. So stand der Dorfpub The Red Lion ursprünglich in Stoke-on-Trent; er wurde dort Stein für Stein abgetragen und ebenso Stein für Stein hier wieder zusammengesetzt. Das gleiche gilt für die Fassade der Derby Assembly Rooms, die nach einem Feuer in der Grafschaftshauptstadt hierher transportiert worden ist.

Betrieben wird das Crich Tramway Village von der Tramway Museum Society, die 1955 gegründet worden ist und die das Gelände eines ehemalige Steinbruchs verwendet hat, um dieses Freiluftmuseum zu gestalten, das auch unter dem Namen National Tramway Museum bekannt ist. Die Gesellschaft ist auch Eigentümerin der Anlage und wurde 1962 als gemeinnützige Organisation anerkannt.

Die Straßenbahnen haben ihr eigenes Depot und sind dort, von Wind und Wetter geschützt, zu besichtigen. Wenn sie im Einsatz sind, fahren sie auf einer 1600 Meter langen Strecke. Man kann beliebig oft mit ihnen fahren, denn die Benutzung ist im Eintrittspreis von £23 inbegriffen. Das Ticket ist zwölf Monate gültig. In der Sommersaison öffnet das Crich Tramway Village täglich um 10 Uhr.

Dieser Film zeigt einen Besuch im Tramway Village.

The National Tramway Museum
Crich Tramway Village, nr Matlock,
Derbyshire, DE4 5DP

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Photo © Graham Hogg (cc-by-sa/2.0)

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The Red Lion, der früher in Stoke-on-Trent Bier ausschenkte.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

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Derby Assembly Rooms.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. Juli 2024 at 02:00  Comments (4)  

The Wide House am Golden Lane in der City of London

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Zwischen dem schokoladebraunen Haus rechts und dem ehemaligen Lagerhaus links ist das Wide House zu erkennen.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Der Golden Lane im Clerkenwell-Distrikt der City of London, der die Beech Street mit dem Old Lane verbindet, und an dem das Barbican Centre liegt, hat schon schlimme Zeiten erlebt, als er noch mitten in einem Slumviertel lag; im Zweiten Weltkrieg erlitt die Straße durch den Bombenhagel der Deutschen Luftwaffe schwere Schäden.

Ich möchte heute in meinem Blog auf eine Kuriosität des Golden Lanes aufmerksam machen, an der man durchaus vorbeigehen kann, ohne sie wahr zu nehmen. Es ist The Wide House in der Hausnummer 125, ein sehr schmales, verglastes Wohnhaus, das gerade einmal 3.5 Meter breit ist und sich über fünf Stockwerke erstreckt, auf denen jeweils ein Zimmer untergebracht ist. Das auch Hagan House genannte Gebäude wurde von dem Londoner Architekten Jo Hagan entworfen und erfuhr sehr viel Aufmerksamkeit in den Medien. Es wurde im Jahr 2004 zum Best New Clerkenwell Building bei der London Architecture Biennale erklärt und erhielt den ersten Preis des Future House London Wettbewerbs des Royal Institutes of British Architects. Die Zeitung The Independent ernannte das Hagan House zu einem der Top Ten Modern Buildings. Eingequetscht zwischen zwei ehemaligen Lagerhäusern aus der viktorianischen Zeit scheint das Haus kaum Platz zum Atmen zu haben. Der Eingang wird von einer kleinen gepflanzten Birke verdeckt, ganz oben kann man eine winzige Dachterrasse erkennen auf der ebenfalls zwei Bäume in Töpfen stehen. Durch einen eingebauten Fahrstuhl können sich die Hausbewohner von Stockwerk zu Stockwerk bewegen.

Hier sind einige Bilder aus dem Inneren des Hauses zu sehen, das im vorigen Jahr zum Kaufpreis von £1,5 Millionen auf dem Immobilienmarkt angeboten wurde.

Published in: on 23. Juli 2024 at 02:00  Comments (2)  

The Royal Glen Hotel in Sidmouth (Devon) und seine Beziehung zu einem royalen Baby namens Princess Alexandrina Victoria of Kent

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Photo: JOHN K. THORNE.
This work has been marked as dedicated to the public domain.

The Royal Glen Hotel ist ein 3*-Hotel in Sidmouth an der Südküste der Grafschaft Devon; nur wenige Schritte entfernt liegt das majestätische 4*-Hotel Victoria. Beide haben eine Beziehung zu Prinzessin Alexandrina Victoria of Kent, der späteren Queen Victoria; das eine trägt ihren Namen, in dem anderen verbrachte das am 24. Mai 1819 geborene Kind seine ersten Weihnachten. Damals nannte sich das Anfang des 18. Jahrhunderts erbaute Haus noch Woolbrook Cottage. Hierhin hatten sich Victorias Eltern, der Duke und die Duchess of Kent, aus London zurückgezogen, da sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten waren, und das Leben in Devon doch kostengünstiger war als in der Hauptstadt.

Über dem Woolbrook Cottage hingen leider düstere Wolken. Zuerst wäre das Kleinkind beinahe von einem Schuss getötet worden, den ein Junge abgegeben hatte, der auf Vögel schoss. Die Kugel hatte sich versehentlich durch die Fensterscheibe des Kinderzimmers gebohrt. Noch schlimmer: Victorias Vater hatte sich eine Lungenentzündung zugezogen, an der er vier Wochen nach Weihnachten am 23. Januar 1820 im Woolbrook Cottage starb. Er wurde im Haus aufgebahrt, so dass die Bewohner von Sidmouth von ihm Abschied nehmen konnten. Obwohl er nur eine kurze Zeit hier gelebt hatte, war er doch schon sehr beliebt geworden. Die Duchess of Kent und ihre kleine Tochter verließen bald darauf Devon und zogen nach London.

Aus dem Woolbrook Cottage wurde später eine Pension und schließlich das Royal Glen Hotel. Das Gebäude wurde immer wieder umgebaut und erweitert; einige der Zimmer und Suiten haben keine Nummern, sondern Namen mit königlichem Bezug wie The Princess Room, The Kent Room, The Duchess Suite und The Elizabeth Suite.
In der BBC-Serie Timewatch zeigt die Folge „The Young Victoria“ auch einige Szenen, die im Hotel gedreht wurden.

Im Lilly’s Restaurant werden die Mahlzeiten serviert, die Kent Bar lädt zu Drinks ein. Die Preise für ein Doppelzimmer beginnen bei etwa €150.

The Royal Glen Hotel
Glen Road
Sidmouth
Devon
EX10 8RW

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Photo: nick.harrisonfli.
Creative Commons NC-SA 2.0

Village Signs – Bures Hamlet in Essex

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Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)

Bures Hamlet ist ein kleines Dorf in Essex, das durch den River Stour von seiner Schwestergemeinde Bures getrennt wird, die aber in der Grafschaft Suffolk liegt. An der Ecke Bridge Street/Colchester Road in Bures Hamlet hat man 1994 das Dorfschild aufgestellt, auf dem es eine Menge zu sehen gibt.
Den Mittelpunkt des Schildes bildet die Kirche Bures St Mary auf der anderen Seite des River Stour, die von den Bewohnern von Bures Hamlet mitbenutzt werden darf, da diese keine eigene Parish Church ihr eigen nennen können.
Das Gebäude auf der linken Seite des Dorfschilds zeigt eine der früheren Mälzereien, die die umliegenden Brauereien mit Malz versorgten. Sie gibt es alle nicht mehr. Die hier abgebildete Bures Maltings ist schon 1984 in ein Wohnhaus umgewandelt worden.
Auf der rechten Seite des Dorfschilds ist unschwer der River Stour zu erkennen, mitsamt der Brücke, die ihn überquert. Die Tierwelt der Region wird in Form von Enten, eines Eisvogels und eines Eichhörnchens dargestellt.
Die Mitte des Bildes beherrscht eine Eisenbahn, die die Gainsborough Line verkörpert, die zur Eastern Union Railway gehörte, und die im Jahr 1849 hier eine Station errichtete.

Ich finde, der Dorfschildmaler hat gute Arbeit verrichtet und die Historie des kleinen Ortes auf den Punkt gebracht.

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Die Parish Church St Mary’s.
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)

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Die Brücke über den River Stour, die die Grenze zwischen Essex und Suffolk bildet.
Photo © Geographer (cc-by-sa/2.0)
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Bures Maltings wie es heute aussieht.
Photo © Geographer (cc-by-sa/2.0)

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Bures Railway Station.
Photo © Nigel Thompson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 21. Juli 2024 at 02:00  Kommentar verfassen  

Pubnamen – The Rising Sun…im Bild

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In Clanfield in Hampshire.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Die aufgehende Sonne wird oft als Symbol für den Beginn von etwas Neuem verwendet, die untergehende Sonne dagegen als das Ende, als etwas eher Negatives. So ist es nicht verwunderlich, dass es wesentlich mehr Pubs mit dem Namen The Rising Sun gibt als The Setting Sun (da kenne ich nur einen in Brighton). Einige frühere englische Monarchen wie Edward III. verwendeten die aufgehende Sonne gern in ihren Wappen. Auch die Londoner Worshipful Company of Distillers zeigt eine Sonne in ihrem Wappen. Irgendwo in diesem Dunstkreis ist es möglicherweise zu erklären wie die The Rising Sun-Pubs zu ihrem Namen gekommen sind. Sehen wir uns einmal an wie die Schildermaler den Pubnamen umgesetzt haben.

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In Bewdley in Worcestershire.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

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In Milland in West Sussex.
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

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In Hampton im London Borough of Richmond upon Thames.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)

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Bei Eden Park im London Borough of Bromley.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

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In Bury St Edmunds in Suffolk.
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)

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In Wimborne Minster in Dorset.
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 20. Juli 2024 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Porträts britischer Persönlichkeiten an Flugzeugen einer norwegischen Fluggesellschaft

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Freddie Laker und „seine“ Boeing 737.
Photo © Albert Bridge (cc-by-sa/2.0)

Norwegian Air Shuttle ist eine 1993 gegründete Billigfluggesellschaft, im Englischen auch als „no frills airline“ bezeichnet, deren Flugpreis lediglich die Beförderung von A nach B beinhaltet, die „frills“, also alles weitere wie Getränke, Essen, Gepäck, muss extra bezahlt werden. Die Flugzeuge der norwegischen Fluggesellschaft sind an ihrer roten Nase zu erkennen und an den Porträts prominenter Personen am Seitenleitwerk. Ursprünglich hatte die Airline nur skandinavische Persönlichkeiten auf diese Weise geehrt, später kamen auch „Promis“ anderer Länder dazu wie auch Großbritannien.
Zu den sogenannten „Tail Fin Heroes“ britischer Provenienz zählen sechs Männer und drei Frauen, die auf unterschiedliche Weise bekannt geworden sind. Da ist zum Beispiel Freddie Laker (1922-2006), der mit seiner 1966 gegründeten Laker Airways einer der Pioniere der Billigfluggesellschaften war. Er bot damals Flüge zwischen London und New York zu einem Spottpreis an und wurde dadurch berühmt, passt also thematisch sehr gut auf das Seitenleitwerk einer Boeing 737 MAX 8 und einer Boeing 787 Dreamliner. Siehe hierzu diesen Film.
Das Konterfei eines anderen Freddie, des Queen-Sängers Freddie Mercury, ziert eine Boeing 737-800 der norwegischen Fluggesellschaft. Neben dem schottischen Nationaldichter Robert Burns, dem Schriftsteller Roald Dahl und dem Polarforscher Ernest Shackleton hat es auch ein englischer Fußballspieler an das Seitenleitwerk einer Boeing der Norwegian Air Shuttle gebracht, nämlich der 1993 verstorbene Bobby Moore.

Zu den drei Frauen gehören die Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst, die 1941 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommene Pilotin Amy Johnson und die Schriftstellerin Jane Austen.

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Photo: Nabil Molinari Photography.
Creative Commons NC-SA 2.0

Published in: on 19. Juli 2024 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das Theakston Old Peculier Crime Writing Festival 2024 in Harrogate (North Yorkshire)

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Photo: TheCreativePenn.
Creative Commons NC 2.0

Vor fast genau vierzehn Jahren, am 10. Juli 2010, beschäftigte ich mich in meinem Blog schon einmal mit dem Theakston Old Peculier Crime Writing Festival, das jährlich in Harrogate in North Yorkshire stattfindet, vom 18. bis zum 21. Juli in diesem Jahr. Sponsor ist die Brauerei Theakston in Masham, ebenfalls in North Yorkshire gelegen (siehe dazu diesen Blogeintrag), deren berühmte Biermarke Old Peculier dem Festival seinen Namen gab.

Die Stadt Harrogate verbinden deutsche Schlagerfreunde sicher noch mit dem Austragungsort des Eurovision Song Contest 1982 als Nicole mit „Ein bisschen Frieden“ als Siegerin hervor ging. Krimifreunde dagegen denken da eher an Agatha Christie, die im Dezember 1926 von der Bildfläche verschwand, ihr Haus in Sunningdale in Berkshire verließ und elf Tage später im The Old Swan Hotel, das damals noch Swan Hydropathic Hotel hieß, in Harrogate aufgefunden wurde. Dieses Hotel spielt beim Crime Writing Festival als Veranstaltungsort immer eine Rolle.

Organisatorin des Festivals ist in diesem Jahr die englische Schriftstellerin Ruth Ware, deren Krimis in deutscher Übersetzung bei dtv erschienen sind. Die diesjährigen Gäste sind beispielsweise der Erfolgsautor Richard Osman, „Author of the Year“ des Jahres 2021, Peter James, CWA Diamond Dagger-Empfänger 2016, Elly Griffiths, deren Ruth Galloway-Serie auf Deutsch bei rororo vorliegt, und die irische Schriftstellerin Liz Nugent, deren „Strange Sally Diamond“ (dt. „Seltsame Sally Diamond“) als Crime Novel of the Year bei den Irish Book Awards ausgezeichnet worden ist.

„The Best Crime Festival in the world and I should know I’ve done them all“, meint Thrillerautor Lee Child.

Dieser Film zeigt Bilder vom Theakston Old Peculier Crime Writing Festival 2023.

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The Old Swan Hotel in Harrogate.
Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. Juli 2024 at 02:00  Comments (3)  

The Contrarian Prize und „The Three Politicians“

Der 1974 in London geborene Ali Minaj, ein Mann mit pakistanischen Wurzeln, Politiker, Wirtschaftsprüfer, der in seiner Freizeit gern als Disc Jockey arbeitet, stiftete im Jahr 2013 den Contrarian Prize, der jährlich, manchmal auch alle zwei Jahre vergeben wird.

Independence – Courage – Sacrifice“ sind Begriffe, die auf den Webseiten des Contrarian Prize zu lesen sind, und so wird der Preis an Männer und Frauen vergeben, die sich in den Feldern Unabhängigkeit, Mut und Aufopferung besonders hervor getan haben. Jeder kann Vorschläge einreichen, die dann von einer Jury unter dem Vorsitz von Ali Minaj geprüft werden. Wenn die Jury dann einen Entschluss gefasst hat, erhält der Preisträger eine Skulptur aus Urethanharz, die den Namen „The Three Politicians“ trägt, die drei Politiker in Form der drei weisen Affen zeigt, einer, der nicht sieht, einer, der nicht spricht, und einer, der nicht hört. Geschaffen hat die Skulptur der italienische Popart-Künstler Mauro Perucchetti, 1949 in Mailand geboren, der sich erst der Schauspielerei widmete, dann aber umsattelte und Künstler wurde. Seine Werke wurden/werden in vielen Galerien in London ausgestellt.

Der erste Träger des Contrarian Prize war Michael Christopher Woodford, ein hochrangiger Geschäftsmann und ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Olympus Corporation, die optische Geräte produziert. Er deckte einen der größten Finanzskandale in seiner Firma auf und galt als Whistleblower, der daraufhin entlassen worden ist. Michael Woodford sitzt, nachdem er den Contrarian Prize erhalten hat, auch in der Jury.

Der bisher letzte Preisträger ist Toby Young, ein Journalist, Schriftsteller und Generalsekretär der Free Speech Union, einer überparteilichen, gemeinnützigen Organisation, die sich für die Redefreiheit ihrer Mitglieder einsetzt.

Der nächste Contrarian Prize soll in diesem Jahr vergeben werden.

Hier sind Bilder von der Preisvergabe aus dem Jahr 2021.

Published in: on 17. Juli 2024 at 02:00  Comments (2)  

„Bob’s your uncle“ – Eine Redewendung und ihre Bedeutung

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„Bob“, der dritte Marquess of Salisbury.
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Dreimal war Robert Arthur Talbot Gascoyne-Cecil, 3rd Marquess of Salisbury (1830-1903) Premierminister Großbritanniens, insgesamt dreizehn Jahre lang. Sein Neffe Arthur James Balfour (1848-1930) sollte auch einmal Premierminister werden, doch bevor es soweit war, ernannte sein Onkel ihn 1887 zum Chief Secretary for Ireland, was damals, und auch noch heute, als offensichtlicher Akt von Vetternwirtschaft angesehen wurde. Wenn man einen Onkel („Bob“ wie Robert Gascoyne-Cecil) hat, der sich in höheren Sphären bewegt, so braucht man sich um seine Zukunft, egal welche Qualifikationen man hat, keine Sorgen mehr machen, und so nistete sich der Spruch „Bob’s your uncle“ in die Umgangssprache ein. Die deutsche Übersetzung dafür könnte lauten „und fertig ist die Kiste“ oder „schon erledigt„. Es gibt noch ein erweiterte Fassung der Redewendung: „Bob’s your uncle and Fanny is your aunt„, die aber dieselbe Bedeutung hat. Dieser Film zeigt noch einmal den Ursprung der Redewendung auf.

Hin und wieder findet man „Bob’s your uncle“ auch als Produktnamen wieder wie zum Beispiel als Cider der Firma Diskin in Nashville in Tennessee oder als Wein vom Western Cape in Südafrika.

Die Rockband Happy Mondays hat 1990 einmal einen (nicht ganz jugendfreien) Song mit dem Titel „Bob’s yer uncle“ aufgenommen, in dem der Satz im Text zwar nicht vorkommt, dessen Sinn sich nach einigem Nachdenken aber ergibt…

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Ein Coffeeshop im London Borough of Croydon.
Photo: Kake.
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Published in: on 16. Juli 2024 at 02:00  Comments (2)  

Die British Parking Awards und andere Auszeichnungen rund um das Thema „Parken“

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Lytton Way Multi-Storey Car Park in Stevenage (Hertfordshire).
Photo © Andy Steele (cc-by-sa/2.0)

Die monatlich erscheinende Zeitschrift Parking Reviewhas been the definitive source of news and intelligence on the UK and international public and private parking sectors since 1989„. Sie befasst sich mit allem, was mit dem Thema „Parkplätze“ zu tun hat; die Suche nach ihnen nimmt einen relativ großen Zeitraum ein, was sicher jeder bestätigen kann, der schon einmal Großbritannien bereist hat, und das gilt nicht nur für große Städte, auch in Kleinstädten und Dörfern ist es oft schwierig, sein Fahrzeug irgendwo abzustellen.

Einmal im Jahr vergibt die Parking Review die British Parking Awards (in diesem Jahr am 13. September in London). Die Auszeichnungen würdigen die besten Beispiele für Parkplatzmanagement, -überwachung, -gestaltung und Teamarbeit. 

Da wird beispielsweise der beste neue Parkplatz ausgezeichnet, das kann ein Parkhaus, eine Tiefgarage oder ein Platz im Freien sein. Im Jahr 2023 teilten sich den Preis der Lytton Way Multi-Storey Car Park in Stevenage (Hertfordshire), New Market Parking in Chester (Cheshire) und der Riverside Multi-Storey Car Park in Sunderland (Tyne and Wear).

Der Best New Hospital Car Park 2023 war der Dorset County Hospital MSCP in Dorchester (Dorset).

Den Car Park Renovation Award erhielt Bath Podium Parking im Podium Shopping Centre der Stadt in Somerset. Darüber hinaus gibt es noch mehr als ein Dutzend weitere Auszeichnungen der Parking Review.

Doch das war es noch nicht mit Preisen, die in Zusammenhang mit Parkplätzen vergeben werden. Es gibt da auch noch den Ernest Davies Award for Advancing Parking Knowledge, der von der British Parking Association (BPA) verliehen wird. Ernest Davies (1902-1991) war Gründungsmitglied der BPA. Mit dem Preis werden Menschen ausgezeichnet, die sich in irgendeiner Weise mit der Förderung des Wissens über das Parken beschäftigt und darüber geschrieben haben. Im Jahr 2023 erhielt David Peach den Preis für seinen Artikel „Time off travellers„, in dem er einen Blick in die Zukunft des Reisens mit autonomen Fahrzeugen wirft, hier nachzulesen).

Mit den People in Parking Awards der BPA werden weitere Preise für Menschen vergeben, die sich rund um das Thema Parkplätze besonders ausgezeichnet haben; da gibt es zum Beispiel den Team Leader Award und den Inspirational Woman in Parking Award.

Wer sich jetzt angeregt fühlen sollte, sich mit dem Thema weiter zu beschäftigen, dem kann ich meine Blogeinträge empfehlen über die Car Park Appreciation Society, die National Car Parks und das Buch „Car Park Life: A Portrait of Britain’s Unexplored Urban Wilderness“ von Gareth E. Rees.

Published in: on 15. Juli 2024 at 02:00  Comments (3)  

Der Beefsteak Club in der Londoner Irving Street

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Die Irving Street. Auf der rechten Seite, hinter dem Bella Italia, ist der Eingang zum Beefsteak Club.
Photo: flierfy.
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Der Theaterschauspieler Sir Henry Irving (1838-1905), der erste Schauspieler, der zum Ritter geschlagen worden ist, gab der Irving Street im Londoner West End seinen Namen. In der Straße liegen viele italienische Restaurants und zwei Steakhäuser, das Little Italy und Steak and Company. Steakfans kommen hier also auf ihre Kosten. Zwischen dem Little Italy und dem Vespa Italian Resturant, in der Irving Street Nummer 9, führt eine schmale, unscheinbare Tür zum Beefsteak Club, zu dem hungrige „Normalbürger“ aber keinen Zutritt haben, denn hier befindet sich einer der exklusivsten Gentlemen’s Clubs der Stadt. Serviert wird für die elitäre Klientel nur an 24 Plätzen, und selbstverständlich steht Beefsteak immer auf der Speisekarte. Die Ober werden seit eh und je alle mit Charles angeredet, ein Name, den sich alle gut merken konnten, und so ist es auch heute noch.

1735 gründeten der damalige Manager des Theatre Royal, Covent Garden John Rich, zusammen mit dem Bühnenbildner John Lambert, die Sublime Society of Beef Steaks, deren Mitglieder anfangs auf 24 beschränkt war, heute sind es deutlich mehr. Der Standort in der Irving Street wurde erst in den 1980er Jahren bezogen. Ich möchte nicht näher auf die Geschichte des Beefsteak Clubs, wie er später genannt wurde, eingehen, weil das zu weit führen würde, aber einige der Mitglieder nennen, die zu diesem exklusiven Zirkel gehörten beziehungsweise gehören.

Der Schauspieler Stephen Fry und der Ex-Premierminister Boris Johnson sind Clubmitglieder und reihen sich in eine illustre Schar von Adeligen, Politikern, Schriftstellern ein, zu denen einmal Rudyard Kipling, Thomas Hardy und John Betjeman und die Dukes of Beaufort und Devonshire gehörten. König Georg IV. musste, als er noch Prince of Wales war, eine ganze Weile warten, bis ein Platz im Club frei und er zugelassen wurde. Die Mitgliederliste wimmelte nur so von Lords, Earls und Viscounts.

In den frühen Tagen des Beefsteak Clubs soll die Polizei ein argwöhnisches Auge auf das Haus geworfen haben, in das ständig Männer hinein gingen und später wieder herauskamen. Handelte es sich dabei vielleicht um ein Bordell? Bei einer Razzia wurden einige Männer nach ihren Namen gefragt. „Ich bin der Premierminister“ antwortete der eine. „Ach ja, und dann sind Sie wahrscheinlich der Erzbischof von Canterbury“, spottete der Polizeibeamte. „Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber das bin ich“ antwortete der andere.

Braintree in Essex, die Firma Courtauld und die Produktion von Trauerkleidung

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Braintree District Museum.
Photo © Brenda Howard (cc-by-sa/2.0)

Queen Victoria war dafür bekannt, dass sie nach dem Tod ihres Mannes Prince Albert im Jahr 1861 fast nur noch schwarze Trauerkleidung trug, was auf die Bevölkerung Großbritanniens „abfärbte“. Es wurde erwartet, dass Frauen ihre Trauer nach dem Ableben des Ehemannes auf diese Weise zeigten; ein Jahr war das Minimum, oft auch mehrere Jahre. Es gab in London zum Beispiel Geschäfte, die sich auf Trauerkleidung spezialisierten wie Jay’s in der Regent Street; auch das Kaufhaus Debenham’s hatte eine eigene spezielle Abteilung dafür.

Die Nachfrage nach Trauerkleidung stieg also stark an; produziert wurde sie überwiegend von der Firma Courtauld in Braintree, Halstead und Bocking in Essex. Sie ist 1794 von George Courtauld gegründet worden und hatte sich auf die Herstellung von Seide spezialisiert. Crêpe war damals die beliebteste Wahl für Trauerkleidung. Die Firma stellte „Courtauld’s Crape“ in großem Stil her und entwickelte sich zum größten Arbeitgeber der Region. Die Familie Courtauld wurde sehr reich und stiftete einen Teil ihres Vermögens, indem sie in Braintree und Umgebung Parks und Gärten anlegen ließ, ein Krankenhaus und die Manor Street School erbaute, in der heute das Braintree District Museum untergebracht ist. Dort gibt es eine Sammlung von Trauerkleidern aus Krepp und Gegenstände zu sehen, die mit der Herstellung von Krepp in Zusammenhang stehen.

Die Firma produziert in der Region keine Textilien mehr, doch die Familie Courtauld hat Braintree und Umgebung nachhaltig ihren Stempel aufgedrückt.

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Der ehemalige Familiensitz der Courtaulds in der heutigen Courtauld Road in Braintree.
Photo © Brenda Howard (cc-by-sa/2.0)

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Ein ehemaliges Fabrikgebäude der Firma Courtauld in Bocking, einem Vorort von Braintree.
Photo: mark’s vintage topographical postcards.
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Published in: on 13. Juli 2024 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Guildhall in Thaxted (Essex) – Das schönste Gebäude der Stadt

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Photo © John Myers (cc-by-sa/2.0)

Die 1954er Ausgabe des Essex-Bandes von Nikolaus Pevsners „Architectural Guides: Buildings of England“ ziert ein Umschlagbild, das ein ganz besonderes Gebäude zeigt: Die Guildhall der Stadt Thaxted.
Zur Orientierung: Thaxted ist eine Kleinstadt südlich von Cambridge und westlich von Colchester. Dort, an der Ecke Town Street/Fishmarket Street, ist die Guildhall zu finden, ein wunderschönes Gebäude, dessen Ursprünge bis in das 15. Jahrhundert zurückreichen. Geplant war es wohl als Haus der Messerschmiedegilde des Ortes, später wurde es als Versammlungsort genutzt und in den Arkaden siedelten sich Marktstände an; auch ein kleines Gefängnis gab es hier einmal für die Bösewichter der Stadt. Bis 1878 wurde die Guildhall als Schule genutzt, die Thaxted Grammar School war in den Räumen untergebracht. Heute informiert hier ein kleines Museum über die Geschichte der Stadt, und es gibt eine permanente Ausstellung mit alten Fotografien. Besichtigen kann man die Thaxted Guildhall sonntags von 14 Uhr bis 18 Uhr.

Direkt hinter der Guildhall führt der schmale Stoney Lane zur Kirche St John the Baptist. Die Nummer 3 nennt sich Dick Turpin’s Cottage; ob der berühmte Straßenräuber aus dem 18. Jahrhundert aber jemals in dem Haus gewohnt hat, geschweige denn jemals in Thaxted war, ist unklar. Geboren wurde Dick Turpin in Hempstead, das nur ein paar Kilometer nördlich von Thaxted liegt.

Dieser Film zeigt einen Rundgang durch Thaxted, der auch an der Guildhall und Dick Turpin’s Cottage vorbeiführt.

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Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

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Hier war einmal das Gefängnis untergebracht.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

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Dick Turpin’s Cottage hinter der Guildhall.
Photo © Robert Lamb (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 12. Juli 2024 at 02:00  Kommentar verfassen  

London Taxi Drivers’ Charity for Children – Taxifahrer aus London, die sich Kindern aus bedürftigen Familien annehmen

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Hier entstand die Idee zu der Charity, in dieser „cabmen’s shelter“, die jetzt am Russell Square in London steht.
Photo © Jim Osley (cc-by-sa/2.0)

Mick Cohen war ein Taxifahrer in London, der in einem Waisenhaus aufgewachsen war und der dem Haus etwas Gutes tun wollte. Er trommelte im Jahr 1928 zwölf Kollegen zusammen und organisierte für die Norwood Orphanage eine Busfahrt, die die Kinder und ihre Lehrer rund um London führte. An der Endstation im Zoo von London wurden alle zum Tee eingeladen. Mit dieser Aktion hatte die Geburtsstunde der London Taxi Drivers’ Charity for Underprivileged Children geschlagen, einer Wohltätigkeitsorganisation, die bis heute Bestand hat, nur das Wort „underprivileged“ ist seit dem Jahr 2018 aus dem Namen entfernt worden.

Der Geburtsort der Charity war eine der sogenannten „cabmen’s shelter“ am Leicester Square, die später an den Russell Square versetzt wurde (siehe dazu diesen Blogeintrag). Drei Jahre später wurde die Bustour durch eine Fahrt mit vierzig Londoner Taxis ersetzt, die die Kinder nach Southend-on-Sea in Essex fuhren und die dort einen schönen Tag verbringen konnten. Weitere Ziele waren in den Folgejahren zum Beispiel Brighton in East Sussex und Margate in Kent. Längst waren es nicht nur die Waisenkinder der Norwood Orphanage, die an den Taxifahrten teilnehmen durften, auch Kinder aus bedürftigen Familien wurden dazu eingeladen.

Zum sechzigjährigen Bestehen der Organisation 1988 lud sogar die Queen 350 Kinder aus dem Londoner East End zu sich in den Buckingham Palace ein, und 1992 fuhren 120 Taxis mit der Fähre nach Frankreich, wo in Calais ein Tag für die Kinder organisiert wurde. Ein jährliches Event ist die Mad Hatter’s Tea Party im Grosvenor House Hotel in London, wo mehrere hundert Kinder von namhaften Stars unterhalten werden. Es würde hier zu weit führen, alle Aktionen und Aktivitäten der London Taxi Drivers’ Charity for Children aufzuführen. Mick Cohen hätte sich damals bestimmt nicht träumen lassen, was sich aus seiner ursprünglichen Bustour damals einmal entwickeln sollte.

Hier ist ein Film über eine Ausfahrt nach Southend-on-Sea und dieser Film zeigt den Taxikonvoi wie er die Stadt wieder verlässt.

„To get something in the bag“ – Eine Redewendung und ihre Bedeutung

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Der gerade wiedergewählte Speaker, Sir Lindsay Hoyle, auf seinem speziellen Sitz.
Photo: UK Parliament.
Creative Commons NC 2.0

Wenn man im Englischen von „to get something in the bag“ spricht, dann bedeutet das so viel wie „etwas unter Dach und Fach bringen“ beziehungsweise „etwas zu einem guten Ergebnis bringen„. Was ist nun unter diesem „bag“ zu verstehen?

Die Redewendung leitet sich ab von einer Tradition, die im britischen Unterhaus ihren Ursprung hat. Dort hat der Speaker einen thronähnlichen Platz, der aus australischem Castanospermum, besser bekannt unter der Bezeichnung „beanwood“, gefertigt worden ist, ein Geschenk Australiens, nachdem der ursprüngliche Speaker’s Chair bei einem Bombenangriff auf London im Jahr 1941 zerstört worden war. Hinter dem Stuhl hängt ein Sack aus grünem Samt, der Petition Bag. Seit dem Bestehen des britischen Parlaments wurden alle vor dem House of Commons vorgebrachten Petitionen, die von den Parlamentariern abgenickt worden sind, in diesen Sack gesteckt. Was also „in the bag“ war, das war eine erfolgreiche Sache gewesen.

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Der Petition Bag.
© 2007 Armchair Travel Co. Ltd. – This photo may be used for non-commercial purposes ONLY!

Published in: on 10. Juli 2024 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Goathland Plough Stots in den North York Moors in North Yorkshire

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Photo: Simon Caunt.
Creative Commons NC-ND 2.0

Wie kann man sich die Zeit vertreiben, wenn man relativ einsam in einem kleinen Dorf hoch oben in den North York Moors in der Grafschaft North Yorkshire wohnt? Man tanzt, macht Musik und singt, so jedenfalls sieht es für einige Dorfbewohner in Goathland aus, einem kleinen Ort, den man durchquert, wenn man über die Hochmoore zur Küstenstadt Whitby fährt. Im Sommerhalbjahr ist es allerdings nicht so ruhig, denn viele Touristen kommen nach Goathland, weil die populäre TV-Serie „Heartbeat“ hier gedreht worden ist (siehe dazu meinen Blogeintrag). Kürzlich kam ich mal wieder hierher, leider bei schlechtem Wetter.

Im Winter kann es in Goathland schon mal recht ungemütlich werden. An einem Tag im Januar, in diesem Jahr war es am 13. Januar, kommen die Goathland Plough Stots zum Zuge, eine Tanzgruppe, die einen alten Schwertertanz aufführt und die ein wenig an die Morris Men erinnert. Die Schwertertänzer gibt es schon seit mehreren hundert Jahren, doch irgendwann fiel die alte Tradition in Vergessenheit, bis sie wieder ins Leben zurückgerufen wurde. Plough Stots waren Ochsen, die vor einen Pflug gespannt wurden, und am Plough Monday, dem Montag, der dem 6. Januar folgte, pflegten die Männer des Dorfes mit Ochsen und Pflügen um Goathland zu kreisen und Kerzen und Geschenke zur Kirche St Mary’s zu bringen und sie dort am Altar abzuliefern. Daraus entwickelte sich nach und nach die alte Tradition, in der Langschwerter eine Rolle spielen.
Im Reading Room, einem kleinen Haus, in dem früher die gebildeten Einwohner den nicht ganz so gebildeten Männern und Frauen des Dorfes vorlasen, ist ein kleines Museum eingerichtet worden, das über die Geschichte der Goathland Plough Stots informiert.

Wie der Schwertertanz funktioniert, zeigt dieser Film.

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Photo: Simon Caunt.
Creative Commons 2.0.

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Zwei Schafe auf dem Weg zum Reading Room, in dem jetzt das Museum untergebracht ist.
Photo © Pauline E (cc-by-sa/2.0)

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St Mary’s in Goathland.
Photo © Bill Henderson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. Juli 2024 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Festmahle König Georgs IV. im Royal Pavilion in Brighton

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Karikatur Georgs IV. von James Gillray.
This work is in the public domain.

Die Herrschaft Georgs IV. August Friedrich (1762-1830) war von Exzentrik und Verschwendungssucht geprägt und er war wohl einer der unbeliebtesten Könige, die England jemals hatte. In seinem pompösen Royal Pavilion in Brighton genoss er es, gewaltige Festmahle abzuhalten und sich stundenlang vollzustopfen mit allen Köstlichkeiten, die seine Küche aufzubieten hatte.
Als er einmal von Großherzog Nikolaus von Russland besucht wurde, lud er den damals besten Koch der Welt, Marie-Antoine Carême, nach Brighton ein, um dort ein Festmahl zu bereiten wie man es vorher wohl selten gesehen hat. Es bestand aus 127 einzelnen Gerichten, darunter eine ein Meter hohe türkische Marzipan-Moschee.

Aber auch wenn Georg IV keine hohen Besuche empfing, forderte er seinen Köchen alles ab, sowohl qualitativ als auch quantitativ. Das konnte zum Beispiel so aussehen:
Nach dem Genuss mehrerer Suppen wurden Fische serviert wie Lachs, Karpfen oder Schellfisch. Es folgte ein Dutzend Vorgerichte, bestehend unter anderem aus Fleisch, Geflügel und Pasteten. Und jetzt ging es erst richtig los: Mehrere Braten wurden aufgetragen: Kaninchen, Hühnchen, Rebhuhn, Wildente; zwischendurch reichte man kleine süße Köstlichkeiten. Dann kam man (schon) zum Dessert und da verlustierte man sich mit Früchtetorten, Eiscrème, Pudding und Baisers. Georg IV trank dazu schon einmal drei Flaschen Wein (ganz allein, versteht sich) und der abschließende Käse wurde mit Bier heruntergespült. Dass diese Völlerei auf die Figur des Königs durchschlug, verwundert nicht!

Das Buch zum Artikel:
Saul David: The Prince of Pleasure. Abacus 2009. 496 Seiten. ISBN 978-0349110875.

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Photo © Peter Tarleton (cc-by-sa/2.0)

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Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Mein Buchtipp – Gillian Darley: Excellent Essex

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Foto meines Exemplares.

Über die Grafschaft Essex sind schon so einige Bücher geschrieben worden; ich stellte in meinem Blog zuletzt vor „The Invention of Essex: The Making of an English County“ von Tim Burrows und „Low Country: Brexit on the Essex Coast“ von Tom Bolton. Heute möchte ich an dieser Stelle auf das Buch „Excellent Essex: In Praise of England’s Most Misunderstood County“ von Gillian Darley eingehen. Die Autorin ist Historikerin mit dem Schwerpunkt Architekturgeschichte und Präsidentin der Twentieth Century Society, einer britischen Wohltätigkeitsorganisation, die sich für den Erhalt des architektonischen Erbes ab 1914 einsetzt.

Warum „England’s most misunderstood county“? Wahrscheinlich weil der Name der Grafschaft durch einige Fernsehserien und durch Meinungsäußerungen in den Medien eher negativ belegt ist. Ich denke da vor allem an TOWIE und den Begriff Essex Girl, der sich als Stereotyp für vergnügungssüchtige, sexuell aufgeschlossene junge Frauen etabliert hat.

Essex hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr gegen den aus allen Nähten platzenden Moloch London stemmen müssen, der sich auch nach Osten ausweitete und Teile der Grafschaft schluckte. Die Strände von Essex sind die Badewanne Londons und schnell über die oft stark befahrene A13 erreichbar. Entlang der Themsemündung hat sich sehr viel Industrie angesiedelt und rund um Tilbury und Grays Thurrock sieht es nicht besonders schön aus. Einen ersten Eindruck gewinnt man, wenn man auf der M25 die Queen Elizabeth II. Bridge in Richtung Süden überquert.

Doch hat Essex auch ganz andere Seiten, die Gillian Darley in ihrem Buch aufzeigt; landschaftlich schöne wie das Constable Country rund um Dedham oder die Mündung des River Blackwater mit Osea Island und Northey Island. Da die Autorin Architekturhistorikerin ist, stellt sie interessante Gebäude vor wie Audley End, sie nimmt uns mit nach Canvey Island, in die Städte Colchester und Chelmsford und in den Epping Forest.

In der Mitte des Buches stellt Gillian Darley mit „Darley’s Days Out“ auf sechzehn Seiten Wandervorschläge vor, die durch besonders reizvolle Regionen der Grafschaft führen.

Nach der Lektüre des Buches dürfte Essex bei vielen Leserinnen und Lesern kein „misunderstood county“ mehr sein.

Gillian Darley: Excellent Essex: In Praise of England’s Most Misunderstood County. Old Street Publishing 2021. 314 Seiten. ISBN 978-1-913083-02-1.

Published in: on 7. Juli 2024 at 02:00  Comments (2)  

Die Clifton Suspension Bridge in Bristol – Das Wahrzeichen der Stadt am River Avon

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Photo © Kevin Pearson (cc-by-sa/2.0)

Die Großstadt Bristol im Südwesten Englands hat seit dem 8. Dezember 1864 ein Wahrzeichen, die Clifton Suspension Bridge, eine Hängebrücke, die den Fluss Avon überquert. Schon im 18. Jahrhundert spielte man mit der Idee, eine Brücke über die Avon-Schlucht zu bauen, aber erst 1836 begann man mit den Arbeiten, die sich lange hinzogen und  immer wieder unterbrochen worden.

Die Pläne für die Hängebrücke stammten von dem berühmten Ingenieur Isambard Kingdom Brunel, der aber leider die Eröffnung nicht mehr erlebte. Er starb 1859. William Henry Barlow und Sir John Hawkshaw veränderten das ursprüngliche Brunelsche Design etwas und übernahmen die Hängeketten von der, ebenfalls von Brunel gebauten, Londoner Hungerford Bridge, die abgerissen wurde.

Die Clifton Suspension Bridge ist 412 m lang, etwas über 9 m breit und ist 75 m hoch. Die Mautgebühren für Kraftfahrzeuge betragen zurzeit £1.

Wie die Golden Gate Bridge in San Francisco ist auch die Brücke in Bristol bei Selbstmördern sehr „beliebt“, so sprangen allein in der Zeit von 1974 bis 1993 127 Menschen von dort in den Tod. Nachdem man Sicherheitsmaßnahmen auf der Brücke installiert hatte, nahm die Zahl der Selbstmorde zwar ab, aber immer noch finden sich Menschen, die diese Barrieren überwinden und ihrem Leben ein Ende setzen.

Wie stabil die Brücke gebaut wurde, zeigt, dass sie immer noch in der Lage ist, täglich 11 000 bis 12 000 Fahrzeuge zu bewältigen.
Wer sich für die Brücke interessiert, kann an geführten Touren teilnehmen, die am Wochenende auch kostenlos angeboten werden.

Am 1. April 1979 wurde hier von der Clifton Suspension Bridge der erste Bungee Jump durchgeführt, von Mitgliedern des Dangerous Sports Clubs.

Hier ist ein Film über die berühmte Brücke.

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Photo © Doug Lee (cc-by-sa/2.0)

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Photo © David Robinson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. Juli 2024 at 02:00  Comments (6)  

Die Heckington Windmill in Lincolnshire – Eine der letzten achtflügeligen Windmühlen Englands

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Photo © J.Hannan-Briggs (cc-by-sa/2.0)

Ich habe im Laufe der Jahre in meinem Blog schon mehrere Windmühlen vorgestellt, die Heckington Windmill, die heute an der Reihe ist, gehört zu den schönsten im ganzen Land. Sie liegt in der Grafschaft Lincolnshire, etwa auf halbem Weg zwischen Boston und Sleaford, und rühmt sich, die einzige achtflügelige Windmühle der Welt zu sein, die noch in vollem Betrieb ist. Sie gehörte nicht immer in die „premier league“ der englischen Windmühlen, denn erbaut wurde sie im Jahr 1830 mit nur fünf Flügeln; doch als sechzig Jahre später ein Sturm über das flache Lincolnshire brauste, wurde die Heckington Windmill stark beschädigt und bei der späteren Reparatur verpasste man ihr drei weitere Flügel.

Heute ist die Windmühlen-Schönheit ein beliebtes Ausflugsziel in dem Dörfchen Heckington an der Hale Road, der B1394, gegenüber vom Bahnhof. Man kann hier im Shop frisch gemahlenes Mehl und noch weitere Spezialitäten der Region kaufen, sich im Museum über die Geschichte der Mühle informieren und sich im Miller’s House Tea Room erfrischen. Was man auf dem Gelände einer Windmühle nicht unbedingt erwarten dürfte, ist eine Brauerei, die im Jahr 2010 eröffnet wurde und die man passenderweise 8 Sail Brewery genannt hat. Fenman Bitter, Millwright und John Barleycorn lauten die Namen einige der Biere, die im Schatten der sich drehenden acht Windmühlenflügel gebraut werden.

Geöffnet ist die Heckington Windmill in der Regel freitags bis sonntags; manchmal, wie in der Ferienzeit oder an den Bankfeiertagen, auch in der Woche.

Dieser sehr interessante Film zeigt die Mühle und gibt noch mehr Informationen über ihre Geschichte und ihre Arbeitsweise.

Heckington Windmill
Hale Road
Heckington | NG34 9JW

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Photo © Ashley Dace (cc-by-sa/2.0)

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Photo © Ashley Dace (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Juli 2024 at 02:00  Kommentar verfassen  

Astoria – Ein Hausboot und ein Aufnahmestudio mitten auf der Themse


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Photo: The Tarletons.
Creative Commons NC 2.0

Taggs Island ist eine kleine Insel auf der Themse, nicht weit von Hampton Court entfernt, zugänglich nur über eine Brücke. Hier liegen eine Menge Hausboote am Ufer, darunter das berühmte „Astoria„. Das Boot wurde vor exakt 100 Jahren gebaut und der Auftraggeber war ein gewisser Fred Karno, ein Impresario, für den damals unter anderen Charlie Chaplin und Stan Laurel arbeiteten und der der Erfinder des so beliebten „Torten-ins-Gesicht-werfen“-Slapsticks gewesen sein soll.

Karno hatte sich mit der „Astoria“ einen Traum erfüllt. Es war das luxuriöseste Boot auf der Themse und kostete seinerzeit 20 000 Pfund, was etwa 900 000 Pfund heute entspricht. Das 29m lange Themseschiff besaß zum Beispiel ein Badezimmer aus Marmor, und das Oberdeck war so groß, dass darauf ein Orchester mit 90 Personen spielen konnte.

1986 erwarb David Gilmour von der Rockgruppe Pink Floyd das Boot und baute es als Aufnahmestudio um. Zahlreiche Alben wurden auf der „Astoria“ aufgenommen wie Pink Floyds „A Momentary Lapse of Reason“ und „The Division Bell“, David Gilmours „On an Island“ und „Abattoir Blues/The Lyre Of Orpheus“ von Nick Cave and the Bad Seeds.

Dieser Film zeigt David Gilmours Hausboot und hier ist der Meister an Bord bei Probearbeiten zu sehen und zu hören.

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Taggs Island.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Juli 2024 at 02:00  Comments (2)  

Mein Buchtipp – Jamie King: Paranormal Stories

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Foto meines Exemplares.

Mein heutiger Buchtipp handelt von mysteriösen und geheimnisvollen Geschichten, die nicht nur England betreffen, sondern die ganze Welt. „Paranormal Stories: Supernatural Tales and Unexplained Mysteries from Across the World„, so lautet der Titel, zusammengestellt von Jamie King. Wer sich für diese Thematik interessiert, findet in diesem Buch jede Menge Beispiele für Geistererscheinungen, Okkultismus, Aliens, und viele weitere unheimliche Geschichten, meist nur auf ein bis zwei Seiten erzählt.

Sehen wir uns einige dieser Geschichten an, die sich in England abgespielt haben sollen:
Dass es in dem Schloss Hampton Court in Richmond upon Thames spuken soll, ist hinlänglich bekannt. Catherine Howard, eine der Frauen Heinrichs des Achten, die er hinrichten ließ, soll dort durch die Gänge laufen und lauthals in der Haunted Gallery um Gnade rufen.

Über das mysteriöse Zimmer 333 im Londoner The Langham Hotel habe ich mich in meinem Blog schon einmal ausgelassen.

In Woolpit, einer Kleinstadt in der Grafschaft Suffolk, tauchten im Mittelalter plötzlich zwei Kinder auf, die eine grüne Hautfarbe hatten, und von deren Herkunft niemand etwas herausfinden konnte. Noch heute sind das Mädchen und der Junge, „the green children of Woolpit„, auf dem Ortsschild von Woolpit verewigt.

Der Rendlesham Forest, ebenfalls in Suffolk gelegen, ist ein Ort, der eng mit UFOs verbunden wird, denn um die Weihnachtszeit des Jahres 1980 herum, will US-amerikanisches Sicherheitspersonal des Luftwaffenstützpunkts RAF Bentwaters-Woodbridge ein außerirdisches Fahrzeug in dem Waldgebiet ausgemacht haben. Heute ist hier ein UFO Trail angelegt worden.

Auch dem Okkultisten Aleister Crowley, dem „Master of Darkness“, widmet Jamie King zwei Seiten in seinem Buch.

Jamie King: Paranormal Stories: Supernatural Tales and Unexplained Mysteries from Across the World. Summersdale 2022. 319 Seiten. ISBN 978-1-80007-189-6.

Famous Graves – Das geheimnisvolle Mausoleum der Hannah Courtoy auf dem Londoner Brompton Cemetery, das eine Zeitmaschine beherbergen soll

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Photo: Matt From London.
Creative Commons 2.0

Eine der größten Grabstätten auf dem Londoner Brompton Cemetery, der zu den sogenannten „Magnificent Seven“ gehört, die im 19. Jahrhundert angelegt worden sind, ist ein abweisend wirkendes Gebäude, das Time Travel Tomb genannt wird. Es ist ein Mausoleum, das 1854 für Hannah Courtoy (1784-1849) gebaut worden ist, und das sowohl ihre sterblichen Überreste als auch die ihrer beiden Töchter Elizabeth und Mary Ann enthält. Hannah Courtoy war eine sehr wohlhabende Dame, die das gesamte Vermögen ihres früheren Arbeitgebers John Courtois geerbt hatte, seinen Namen annahm und sich in den höheren Londoner Gesellschaftskreisen aufhielt. Sie hatte eine ausgeprägte Vorliebe für alles, was mit dem alten Ägypten zu tun hatte, und so sollte auch ihre letzte Ruhestätte entsprechend gestaltet sein.

Zwei gute Freunde von ihr, Joseph Bonomi und Samuel Alfred Warner, entwarfen das Mausoleum. Bonomi war ein renommierter Ägyptologe, Warner hatte durch eine Reihe von Erfindungen auf sich aufmerksam gemacht. Samuel Warner starb unter ungeklärten Umständen, da war von Mord die Rede (es wurde behauptet, dass Bonomi der Mörder war), aber auch höchst merkwürdige andere Theorien über sein Lebensende gingen damals um. Im Inneren des Mausoleums soll eine Zeitmaschine sein, deren Wirkungsweise der Ägyptologe durch Entzifferung ägyptischer Hieroglyphen herausgefunden haben will, und da behaupteten einige, dass Warner gar nicht gestorben, sondern durch die Zeitmaschine in eine andere zeitliche Dimension verfrachtet worden ist…
Da gucken wir doch einfach einmal nach, was sich da Geheimnisvolles in dem Grabmal befindet, könnte man sagen, doch der Schlüssel zur Eingangstür ist schon seit langer Zeit verschwunden, das heißt, seit etwa 150 Jahren war niemand mehr im Inneren des Mausoleums. Im Gegensatz zu den anderen Gräbern auf dem Brompton Cemetery existieren für das Grabmal keinerlei Baupläne, was das Gebäude noch mysteriöser macht.
Das Grab von Joseph Bonomi, das auch mit ägyptischen Symbolen verziert ist, liegt nur ein paar Schritte vom Mausoleum entfernt.
Hier ist ein Film über den Brompton Cemetery und das geheimnisvolle Grabmal.

Wer jetzt neugierig geworden ist und das Grabmal besuchen möchte: Der Brompton Cemetery liegt zwischen den beiden Londoner Stadtteilen Chelsea und Fulham, gleich neben dem Fußballstadion Stamford Bridge, das vom  FC Chelsea genutzt wird.

Siehe auch meine weiteren Blogeinträge über den Brompton Cemetery.

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Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)
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Photo: Edwardx.
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Das Grab Joseph Bonomis.
Photo: MrsEllacott.
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