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~ wo sind sie hin?

Kategorien-Archiv: Sprachmüll

die Wahrscheinlichkeit einer Möglichkeit

11 Donnerstag Mai 2023

Posted by dorotheawagner in hier hat die Konkurrenz lektoriert, Journalistensprache, Logik, mißverständlich, Politik, Sprachmüll

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Drohnenanschlag, Experten, Gleitbombe, könnte, Kreml, möglich, Moskau, Ukraine, wahrscheinlich

Am 3. Mai hat der Kreml über einen versuchten Drohnenanschlag berichtet, der dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gegolten haben soll. Moskau hat die Ukraine dafür verantwortlich gemacht; die Ukraine wies diese Anschuldigung zurück. In fast sämtlichen Printmedien war in diesem Zusammenhang der Satz zu lesen:

„Auch internationale Militärexperten halten es für wahrscheinlich, dass der Vorfall vom Kreml selbst inszeniert worden sein könnte.“

Könnte? Die Experten haben sicher gesagt, daß sie es für möglich oder gar wahrscheinlich halten, dass der Vorfall vom Kreml inszeniert worden ist. Der zitierte Satz ist sprachlicher Unsinn, den wahrscheinlich die Presseagentur verzapft hat (nicht: haben könnte). Merkwürdig, daß das in den Zeitungsredaktionen niemandem aufgefallen ist.

Ein paar Tage später, am 8. Mai, wurde gemeldet, daß Russland seit kurzem eine neue Waffe einsetzt: die Gleitbombe, von der die Ukraine glaube, daß sie eine ernsthafte Bedrohung darstellt. Wiederum haben sich Experten geäußert, und wieder hat eine Nachrichtenagentur Sprachmüll produziert, der unkorrigiert und unkommentiert durch die Presse gegangen ist:

„Experten gehen sogar davon aus, dass die Waffe den Kurs der ukrainischen Gegenoffensive beeinflussen könnte.“

Da stehen mir die Haare zu Berge. Sprache kann Sachverhalte klar ausdrücken und dabei das Mögliche vom Wahrscheinlichen und vom Tatsächlichen säuberlich trennen. Schade, daß einige Medien damit so leichtfertig umgehen (z. B. auch hier).

so salopp reden

10 Donnerstag Sept 2020

Posted by dorotheawagner in alltäglicher Wahnsinn, Logik, mißverständlich, Politik, Sprachmüll, Verblendung, Zahlenmystik

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Afrikanische Schweinegrippe, Brandenburg, Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Henrik Wendorff, Inforadio, Landesbauernverband, Landwirtschaft, Massentierhaltung, Proplanta, Schweine, Schweinehaltung, Ställe, Tiere, Tierhaltung, Wildschweine

Nachdem im Südosten Brandenburgs bei einem toten Wildschwein die Afrikanische Schweinepest nachgewiesen wurde, beruhigte der Brandenburger Landesbauernpräsident Henrik Wendorff in einem Interview im Inforadio, für Hausschweine bestehe keine Gefahr.

Bei 1:49 sagt der Interviewer: „In Brandenburg gibt es Massentierhaltung. Sind diese sehr eng stehenden Bestände besonders gefährdet?“

Darauf Wendorff: „Also ich tu mich immer ’n bißchen schwer, wenn man hier von Massentierhaltung so salopp redet. Es sind mehrere Tiere und … auf einer Stelle, das ist richtig, aber manchmal auch auf vielen Stellen (Ställen?) verteilt.“

Was soll denn das heißen? Und was hat man sich unter „mehrere Tiere“ vorzustellen? 5? 10? 20?

Auf der Website von Proplanta („Das Informationszentrum für die Landwirtschaft“) habe ich nachgelesen, daß es in Brandenburg 160 schweinehaltende Betriebe und rund 780.000 Schweine gibt. Das sind durchschnittlich 4.879 Schweine pro Betrieb. Nicht 5, nicht 10, und auch nicht 20.

Über Schweinehaltung in Deutschland schreibt die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, eine weitere unverdächtige Quelle: „Die meisten Schweine werden in geschlossenen Ställen auf Spaltenböden gehalten. Aus Gründen der Kostenreduktion und der Arbeitseffizienz werden neue Sauenställe heute in der Regel für mindestens 300 bis 400 Tiere und Mastställe für mindestens 2.000 bis 3.000 Tiere geplant.“

Aber der Brandenburger Landesbauernpräsident tut sich ein bißchen schwer damit, von Massentierhaltung zu reden.

Garnelen jetzt aus Pflanzen?

29 Mittwoch Jan 2020

Posted by dorotheawagner in alltäglicher Wahnsinn, beliebte Fehler, hier hat die Konkurrenz lektoriert, Logik, mißverständlich, Sprachmüll, Verblendung, was bleibt, Wunder der Natur

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Bowl, Edeka, Garmisch-Partenkirchen, Garnelen, Kurpark-Pavillon, Lachsgratin, Pflanzen, vegan, vegetarisch

Edeka verlinkt im heutigen Newsletter Kulinarischer Touchdown: Super Bowl-Rezepte auf eine vegetarische Avocado-Spinat-Bowl. Die enthält aber Garnelen.

Ich sare daderdsu nüschd.

Außer, daß das Restaurant Kurpark-Pavillon in Garmisch-Partenkirchen ein Lachsgratin als eines von drei vegetarischen Gerichten auf der Speisekarte führt (die beiden anderen sind Käsespätzle und Kaiserschmarrn).

Da ist noch viel zu tun!

nicht spezialisiert

16 Sonntag Sept 2018

Posted by dorotheawagner in alltäglicher Wahnsinn, mißverständlich, Satzzeichen, Sprachmüll, Verblendung

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Schlagwörter

Abiturtreffen, Brückenstraße, Eier, Euphemismus, Feta, Käsespätzle, Ravioli, Sahne, Salat, spezialisiert, Trier, vegan, vegetarisch, Weinhaus

Nächsten Samstag haben wir Abiturtreffen in Trier; zum Mittagessen werden wir ins Weinhaus in der Brückenstraße gehen. Da ich mich seit einiger Zeit vegan ernähre, dachte ich, es sei vielleicht schlau, mal im Internet nachzusehen, was es denn da so gibt. Von 27 Gerichten sind immerhin vier vegetarisch: ein gemischter Salat mit Feta, das „Erbsen-Minz Süppchen“ (Eigenschreibung), die Käsespätzle und die Pilz-Ravioli. Da ein gemischter Salat mit Feta ohne Feta und Käsespätzle ohne Käse nicht gerade verlockend klingen (zumal für 12,80 €), rief ich heute nachmittag an, um mich nach pflanzlichen Optionen zu erkundigen. „Sie meinen vegan?“, fragte die nette Dame am anderen Ende der Leitung. Hoffnung keimte auf. Ja, ich wüßte gern, ob vielleicht die Suppe oder die Ravioli … Nein, die Suppe ist natürlich mit Sahne, und die Ravioli sind mit Eiern. War zu erwarten. Ich schreibe es auch nur aus sprachkritischen Gründen. Weil nämlich die nette Dame auf mein Résumée, dann wäre wohl außer dem Beilagensalat nichts rein Pflanzliches dabei, scheinbar bedauernd zusammenfaßte: „Nein, da sind wir leider nicht spezialisiert drauf“. „nicht spezialisiert drauf“ – diesen sicher ganz unbeabsichtigten Euphemismus lasse ich mir seitdem auf meiner geistigen Zunge zergehen.

Winemaker

19 Donnerstag Jul 2018

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Aldi, Bernkastel, Mosel, neudeutsch, QBA, R. Prüm, Riesling, Trier, Weißwein, Weinbauer, Winemaker, Winzer

Als ich kürzlich in Trier war, habe ich bei Aldi einen Riesling Mosel QBA trocken der Marke R. Prüm (aus Bernkastel) entdeckt und gekauft. Das Schildchen, das um die Flasche hing, sah von vorne ganz ok aus:

Prüm recte

Der Kulturschock kam beim Lesen des Textes auf der Rückseite:

Prüm verso

Bernkastel war lange Zeit römisch; später sprach man dort neben Deutsch auch die Sprache der französischen Besatzer. Angelsächsisch war Bernkastel nie.

Warum nennt sich ein Winzer (Weinbauer) auf einem ansonsten deutschsprachigen Etikett „Winemaker“? Ich weigere mich, solche Wörter als neudeutsch zu bezeichnen (und damit als Teil der deutschen Sprache anzuerkennen); für mich fällt das unter die Kategorien Sprachmüll und transatlantisches Kauderwelsch ohne Sinn und Verstand.

Bruderhahn

18 Samstag Nov 2017

Posted by dorotheawagner in alltäglicher Wahnsinn, Christentum, hier hat die Konkurrenz lektoriert, Logik, mißverständlich, Sprachmüll, Verblendung

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Schlagwörter

Öko, Braten, Bruderhahn, Demeter, Eier, Hahn, Henne, Huhn, Legehennen, PETA

bruderhahn1

Es regt mich furchtbar auf, wenn selbsternannte Ökos (hier: demeter Journal 04/2017, S. 30) ihren Fleischkonsum schönreden, sich ein gutes Gewissen verschaffen und dabei noch den Anschein erwecken, sie würden den Tieren, die sie essen, einen Gefallen tun. Diese Ökos essen am Sonntag natürlich kein Hähnchen, nicht irgendein Hähnchen jedenfalls, nein: sie essen Bruderhahn-Braten. Die Begründung:

bruderhahn2

Ich finde, daß der Satz „Henne, Hahn und Ei gehören zusammen“ dann und nur dann sinnvoll ist, wenn man an eine Familie von Fasanenartigen denkt, in der Männlein und Weiblein sich paaren und die Henne aus den Eiern Küken ausbrütet, die ihrerseits zu Hähnen oder Hennen heranwachsen.

Hier aber geht es um Hühner, die gehalten werden, um Eier zu legen bzw. um Hühner auszubrüten, die ihrerseits Eier legen. Mittlerweile hat sich herumgesprochen, daß Hühner auch männliche Küken ausbrüten, und weil diese in der Eierindustrie nicht rentabel sind und sie sich auch nicht zur Masthähnchenzucht eignen, werden sie in der Regel direkt nach der Geburt vergast oder geschreddert. Auf ein neues Legehuhn kommt im Schnitt ein getötetes Hähnchen. Allein in Deutschland sind das rund 40 Millionen Babyhähnchen pro Jahr.

Statt nun zu sagen, wir machen das nicht mehr mit, drehen die oben erwähnten Ökos die Argumentation um, indem sie erklären: Wenn der Mensch Legehühner ausbeutet, um Eier zu verzehren, soll er auch die männlichen Küken ausbeuten, indem er sie zunächst am Leben läßt und erst dann tötet, wenn sie ein paar Monate alt sind und sich zum Verzehr eignen. Aus dem nutzlosen Töten wird so ein nutzbringendes Töten. Weil diese Hähnchen etwas dünner sind als ihre gemästeten Artgenossen und außerdem etwas mehr kosten als Hähnchen aus Massentierhaltung, soll das dann moralisch nicht nur vertretbar, sondern ausgesprochen gut sein. Versprochen werden „Genuß ohne Reue“ und „echtes Tierwohl“.

bruderhahn3

Eine dem Tierwohl verpflichtete, tierfreundliche Fleischproduktion ist aber ein Widerspruch in sich; tierfreundlich, artgerecht oder human produziertes Fleisch gibt es nicht, und artgerecht ist nur die Freiheit.

Das verklärende und verschleiernde Wort Bruderhahn wurde von PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) nicht ohne Grund zum Unwort des Jahres 2016 gekürt. In der Begründung heißt es unter anderem:

Der Begriff „Bruderhahn“ erweckt den Eindruck von Fürsorge und trauter Familienidylle, dabei werden die Brüder der Hennen schon nach wenigen Monaten getötet, während der Verbraucher glaubt, dem „Bruderhahn“ das Leben zu schenken – eine perfide Art der Verbrauchertäuschung. Es existieren sogar Berichte, laut denen die „Bruderhähne“ bereits nach neun Wochen ins Schlachthaus gekarrt werden. Dort werden sie bei vollem Bewusstsein an ihren empfindlichen Füßen aufgehängt und anschließend kopfüber in ein Wasserbad, durch das Strom fließt, getaucht. Die Lebenserwartung eines Huhns liegt normalerweise bei etwa fünf bis neun Jahren.

 

 

zweisprachig

24 Dienstag Okt 2017

Posted by dorotheawagner in alltäglicher Wahnsinn, Blick über die Grenze(n), hier hat die Konkurrenz lektoriert, Redundanz, Sprachmüll, transatlantisches Kauderwelsch, Verblendung, Wortbildung

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Übersetzung, Education, Englisch, Genootschap Onze Taal, niederländisch, Stenden Hogeschool Emmen, Universität Maastricht, Zweisprachigkeit

Ein Freund hat mich wieder zum Lachen gebracht, indem er mir das Photo einer Hinweistafel an der Universität Maastricht geschickt hat. „Glücklicherweise steht eine Übersetzung dabei“, hatte der Einsender des Photos an die Genootschap Onze Taal (eine niederländischen Vereinigung für Sprachliebhaber) geschrieben. Ein Kommentator hat ein noch besseres Fundstück in der Stenden Hogeschool Emmen photographiert und treffend auf die Schwierigkeiten mit der niederländischen Variante von Education hingewiesen.

lapidarisieren

23 Freitag Jun 2017

Posted by dorotheawagner in alltäglicher Wahnsinn, beliebte Fehler, dummdeutsch, hier hat die Konkurrenz lektoriert, Journalistensprache, mißverständlich, Politik, Sprachmüll, Verblendung, was bleibt

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Schlagwörter

Andreas Krüger, Bagatelle, bagatellisieren, Burnout-Watcher, Carsten Müller, Erin McAuliffe, Jena, Jenakultur, Jungen, lapidar, lapidarisieren, lapis, Lappalie, Masannek, Matthias H. W. Braun, Neon, Sandard, sexueller Mißbrauch, Stein, Stern, Thüringen, Trauma, verharmlosen

In einem Bericht über die amerikanische Lehrerin Erin McAuliffe, die angeklagt ist, drei minderjährige Schüler sexuell mißbraucht zu haben, konnte man bei Stern/Neon vorgestern ein Interview mit dem Kinder- und Jugend-Psychiater und Traumaexperten Dr. Andreas Krüger lesen. In der Überschrift wird er mit dem Satz zitiert: „Bei Jungen wird sexueller Missbrauch oft lapidarisiert“.

Lapidarisiert? Was soll denn das bedeuten? Lapidar heißt „kurz und knapp“; es kommt von lat. lapis, der Stein (enthalten in Lapislazuli und Lapidarium), und hat etymologisch mit den knappen und präzisen Inschriften auf Steinen zu tun. Meinen tut der Psychiater aber, daß der sexuelle Mißbrauch bei Jungs verharmlost, bagatellisiert wird. Dagegen wollte er wohl behaupten, dies sei gerade keine Lappalie. Zu dem Wort Lappalie (einer spöttischen, latinisierenden Bezeichnung für eine belanglose Angelegenheit, abgeleitet von Lappen im Sinne von Lumpen) gibt es aber kein Verb, da bot es sich an, es mit „bagatellisieren“ zu vermischen.

Ich habe ein bißchen recherchiert; das Wort taucht selten, aber immer wieder mal auf; der bisher erste von mir im Netz gefundene Eintrag ist von Herp de Graaf und datiert vom 27. Juli 2004, 1:28 Uhr:

„kann falsch sein, vorher schon zu „lapidarisieren“,
aber wer weiß das schon, was tatsächlich geschehen wird,
Schrödingers Katze vielleicht…“

Zunächst findet man den Begriff nur in der Privatsprache von Blogs und Kommentaren, in der ja prinzipiell alles erlaubt ist, aber jetzt trifft man zunehmend in Zeitungsartikeln und Büchern darauf.

Hier ein paar Beispiele:

2005, Der Standard:
„Auch darüber erzählt Masannek gern: dass Fußball eine gute Schule (fürs Leben) sei, in der man lernt, ‚unter Druck und ohne Ausreden zu wachsen‘. Viel zu viel werde heute bei Kindern unter dem Motto ‚Macht doch nichts‘ lapidarisiert. ‚Den Kindern macht es schon was aus. Und sie entwickeln, wenn man sie lässt, auch einen gewissen Einfallsreichtum.’“

2011, Matthias H. W. Braun, Burnout-Watcher:
„Eine weit verbreitete Verhaltensweise ist das sogenannte ‚Lapidarisieren‘. Gerade sehr leistungsbereite und leistungsorientierte Menschen tendieren dazu, bereits Erreichtes im nachhinein gedanklich abzuwerten.“

2012, Naika Foroutan, „Wie geht die deutsche Gesellschaft mit Vielfalt um? Das Beispiel Muslime“

Es geht um Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ und darum, daß kritische Reaktionen auf dieses Buch „im Rückblick zu häufig in die Richtung tendierten, dieses Buch nicht als Stimmungsbild einer Gesellschaft zu deuten, sondern als Werk eines sich profilierenden Ex-Politikers zu lapidarisieren.“

Ein großer Fan des Wortes ist Carsten Müller von Jenakultur:
29.12.2015, Thüringische Landeszeitung
„Kultur darf nicht lapidarisiert werden“

In einem Gespräch mit Jenakultur-Chef Carsten Müller über Pläne für die Ernst-Abbe-Bibliothek, eine touristische Neuorientierung Jenas und über Geld heißt es:

„Was mich manchmal zornig macht, ist, wenn Kultur lapidarisiert wird. Kultur ist harte und wichtige Arbeit. Kultur ist ein harter Standortfaktor.“

11.1.2017, Thüringer Allgemeine
„‚Sexismus hat weder im Berufsleben noch in der Freizeit etwas zu suchen‘, sagt Carsten Müller. ‚Bei dem Treffen soll es darum gehen, wie Veranstalter auf dieses Problem noch besser reagieren können. Wir bei Jenakultur als Veranstalter neigen jedenfalls nicht dazu, das Thema Sexismus zu lapidarisieren.'“
Ich habe bisher keinen einzigen sprachkritischen Kommentar zu „lapidarisieren“ gefunden, und es ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis der neue, unsinnige Gebrauch des Wortes Allgemeingut geworden ist und kein Mensch mehr nach dem Stein fragt.

KunstKochen

03 Samstag Jun 2017

Posted by dorotheawagner in alltäglicher Wahnsinn, Blick über die Grenze(n), hier hat die Konkurrenz lektoriert, mißverständlich, Redundanz, Sprachmüll, Verblendung, was bleibt

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Alnatura, Édouard Manet, Binnenmajuskel, Frankfurt, Idylle, kochen, Krocket, Krocketpartie, Kulturindustrie, Kunst, KunstKochen, Lebensmittel, Malerei, Museum, Städel, Trugbild

Gewiß, Kochen hat manches mit Kunst zu tun: die phantasievolle Komposition der Gerichte, das malerisch-kunstvolle Arrangement der Speisen auf dem Teller. Rossini hat bekanntlich zuerst Opern geschrieben und sich dann aufs Kochen verlegt, und auch unter den bildenden Künstlern gab und gibt es überproportional viele Feinschmecker. Das ist alles geschenkt.

Doch sollte man dieses Verhältnis auch nicht überstrapazieren und Malerei und Kochen auf Teufel komm raus zusammenzwingen, wie es das Frankfurter Städel (man möchte meinen: eine Kulturinstitution) gerade tut, indem es sich dem Kommerz in Gestalt von Alnatura allerunterthänigst an den Hals wirft. Entstanden ist ein kulturindustrielles Projekt namens KunstKochen (schon wieder die Binnenmajuskel; sie erhöht die Bedeutsamkeit) – zwölf Kunstwerke aus dem Städel sollen die Klientel von Alnatura dabei zu „außergewöhnlichen Rezeptideen“ anregen.

Wie schief diese Idee ist, kann man schon an den verqueren sprachlichen Beschreibungen des Projekts festmachen. So steht auf der Webseite des Städels der mysteriöse Satz: „Das enge Verhältnis zwischen diesen beiden Disziplinen wird deutlich durch Stillleben, die gemalte Lebensmittel opulent in Szene setzen oder umgekehrt durch Künstler, die essbare Lebensmittel in ihre Kunst integrieren“ [Hervorhebungen von mir]. Was soll man dazu sagen?

Das erste Bild im Mai war Édouard Manets Krocketpartie, auf dem keine Lebensmittel zu sehen sind: 

Manet 1

Im Alnatura-Magazin (Mai) steht dazu ein recht schwachsinniger Text, der am Wesen der Malerei vollkommen vorbeigeht. Darin heißt es u. a., Manet gebe die Krocketspieler „in scheinbar ungekünstelten Posen wieder“. Ja, was ist denn Malerei? Welcher Maler hat seine Modelle in actu überrascht und ruckizucki abgemalt, als sie gerade ganz authentisch und ungekünstelt irgendwo nackt auf einer Decke lagen oder auf einem Pferd zum Kampfe zogen? Anders gefragt: Warum sollte ein Maler seine Modelle in ganz offensichtlich gekünstelten Posen darstellen?

Es wird noch schlimmer, nämlich moralisch: „Auch sind die beiden Paare keine Eheleute, sondern Manets Malerkollege Alfred Stevens, sein Freund Paul Roudier und zwei Modelle – die dargestellte bürgerliche Idylle erweist sich als Trugbild“.

Manet 2Trugbild wovon? Trugbild für wen? Das ist doch alles Quatsch! Das Bild heißt nicht ohne Grund „Krocketpartie“ und eben nicht „Ehe“ oder „bürgerliche Idylle“. Als ob der Betrachter dieses Kunstwerks eine real existierende, ungekünstelte bürgerliche Idylle sehen will und nicht vielmehr die künstlerisch gelungene Darstellung einer Krocketpartie.

immer der Nase nach

02 Freitag Jun 2017

Posted by dorotheawagner in alltäglicher Wahnsinn, hier hat die Konkurrenz lektoriert, mißverständlich, Sprachmüll, was bleibt, Werbung

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Chor, Datenvolumen, Einsingen, Gigadepot, m, n, Nasale, Nasallaut, Nase, ng, Resonanz, Vodafone

„Ein Nasal (auch Nasallaut, deutsch Nasenlaut) ist ein nach seiner Artikulationsart benannter Konsonant. Bei den oralen Lauten legt sich der hintere, weiche Teil des Gaumens (das Velum) an die Rachenrückwand und verschließt so den Nasenraum. Bei den Nasalen wird ein oraler Verschluss erzeugt und das Velum senkt sich, so dass die Luft größtenteils durch die Nase ausströmt. Der Nasenraum und der von hinten bis zur Verschlussstelle reichende Teil der Mundhöhle dienen dabei als Resonanzraum. Nasale sind meist stimmhaft. … Das Deutsche kennt die (stimmhaften) Nasale ​[⁠m⁠]​, ​[⁠n⁠]​ und ​[⁠ŋ⁠]​.“ So steht es bei Wikipedia.

Im Chor werden Nasale beim Einsingen gesungen, um die Konzentration, das Aufeinanderhören und die Resonanzbildung zu trainieren.

Warum ich das hier schreibe? Ich weiß es auch nicht! Mir ist nur aufgefallen, daß Vodafone in seiner Werbung für das GigaDepot (Binnenmajuskel in der Eigenschreibung) nur Nasale – allerdings sehr inkonsequent – durcheinanderbringt.

gigadepot

Der Sinn hat sich mir nicht erschlossen. Irgendwer eine Idee?

 

 

 

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