Die letzte Bibliothek (5) – Frau Burmester

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ImageMit klopfendem Herzen horchte John auf den Rufton. Es wurde prompt abgenommen.
„Naturhistorische Gesellschaft, Guten Tag! Sie sprechen mit Frau Burmester.“
„Guten Tag, Frau Burmester! Ich habe Sie gestern getroffen und Sie gaben mir Ihre Nummer“, sagte John.
„Sie haben mich gestern getroffen? Wo soll das gewesen sein?“
„Auf dem Hof der Naturhistorischen Gesellschaft. Sie kamen mir mit dem Auto entgegen, hielten an und sprachen mit mir.“
„Warum hätte ich das tun sollen?“
„Ich hatte Ihnen gewinkt. Sie bremsten und gaben mir ein Visitenkärtchen. Oder waren Sie das etwa nicht?“
„Glauben Sie, man muss mir nur winken und schon rücke ich mit meinen Daten heraus? Für wen oder was halten Sie mich?“
„Entschuldigen Sie bitte. Ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten. Mein Interesse gilt ja auch nicht Ihnen persönlich. Ich würde nur zu gern die Bibliothek in der Fössestraße besuchen.“
„Ich bin aber nicht in der Fössestraße.“
„Dann sind Sie nicht die Bibliothekarin, wie ich annahm?“
Sie schwieg einen Moment. Dann sagte sie: „Ich bin wohl gestern ein wenig zu vertrauensselig gewesen. Ich kenne Sie nicht. Man muss heutzutage vorsichtig sein, angesichts der Bücherverbrennungen in Portugal.“
„Sie glauben doch nicht, dass brave Hannoveraner ihre Bibliothek stürmen und verwüsten würden.“
„Sie klingen nicht nach einem Hannoveraner.“
„Sondern?“
„Eher wie ein Kölner.“
„Kölner toben sich Rosenmontag aus. Sonst sind sie brav.“
Frau Burmester lachte: „Das Heißblütige geht Ihnen also ab.“
„Was denken Sie, wenn sich einer für Bücher und Bibliotheken interessiert.“
„Na gut. Ich werde Sie einlassen. Wie schnell können Sie hier sein?“
„In fünfzehn Minuten.“
„Dann kommen Sie zur Sicherheitstür und klingeln Sie an, wenn Sie da sind.“
„Ich habe dort keine Klingel gesehen.“
„Sie haben doch ein Smartphone?“

In der Fortsetzung führt Herr Godefrot ein Fachgespräch mit der Bibliothekarin.