Eichen sollst du weichen,
Kuchen sollst du suchen,
lernte ich als Kind. Hier wird mancher stutzen und denken, das Kind hätte sich wohl verhört. Es könnte aber auch ein Scherz sein, um dem Mythos das Gefährliche zu nehmen. Denn wer K durch B ersetzt und sich nach dieser Empfehlung richtet, könnte unter der vermeintlich sicheren Buche vom Blitz erschlagen werden. Wer stattdessen Kuchen sucht, begibt sich nach drinnen, in eine Bäckerei oder nach Hause, vorausgesetzt, dort gibt es Kuchen. Andere Mythen sind weniger gefährlich als der Rat, sich bei Gewitter unter eine Buche zu stellen.
So habe ich hier im Blog behauptet, dass Fingernägel und Barthaare nach dem Tod des Menschen weiterwüchsen, was man von Graböffnungen wisse. Dabei wusste ich nur von einer. Als nämlich in der Klosterkirche Knechtsteden eine Fußbodenheizung eingebaut wurde, öffnete man eine vergessene Gruft, worin ein mumifizierter Abt lag mit langen roten Haaren, einem wild gewachsenen Bart und langen Fingernägeln. Doch wären weder Haare noch Nägel nach dessen Tod weitergewachsen, ließ ich mich bei einer Recherche belehren. Bei der Mumifizierung schrumpele der Mensch zusammen, wodurch die nicht schrumpelnden Haare und Nägel stärker hervorträten. Man entschuldige die Distanzform, aber selbst weiß ich das nicht. Diese Erklärung entnahm ich der Zeitschrift Geo, und man hat dort gewiss nicht die Knechstedener Mumie untersucht. Könnte ja auch ein Wunder sein. Derlei tritt im Dunstkreis der katholischen Kirche gelegentlich auf.
Es könnte aber auch sein, dass ich die Knechtstedener Mumie komplett halluziniert habe, dass sie ein Traumbild ist, das jetzt als Erinnerung hervortritt. Das alles gebe ich zu bedenken, denn im Teestübchen Trithemius soll nichts Falsches stehen. Was aber nach wie vor gilt, derweil es draußen gewittert: Kuchen sollst du suchen!

