Samstag, 250712

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Vormittagssauseschritt – klassischer Weblog-Eintrag

Um 6 wache ich auf, ausschlafen geht bis 6, am Samstag. Sonntags bis halb acht, immerhin, aber das ist erst morgen. Morgenroutine mit Fassadenrestauration, viel Tee sowie geistig-körperlicher Ertüchtigung. Frühstück nicht, das mit dem verdauen kostet Zeit, zu viel Zeit, lieber später.

In meinem Ganznahdranumfeld gibt es drei Frauen und einen alten Mann. Einer Dame wachsen Fellpuschel aus den spitzen Ohren, die anderen beiden tragen ihr Haar altersgerecht. Dem alten Mann ist das alles Hupe, der verschläft mindestens 18 von 24 Stunden und der Rest der Welt kann ihn mal.

Mutters Einkaufszettel – klein, aber eng beschrieben. Die Liebste hat dieses besorgt, ich jenes und beides liegt in der Wohnung an 4 verschiedenen Orten, wobei die Hälfte immer noch fehlt. Alles Fresskram, außer ein dickes Buch, das auch oben herein geht, aber andere Wege nimmt als der Rest. Mutters Stoffwechsel ist legendär, beinahe gottbegnadet. Was auch auf geistige Nahrung zutrifft.

Zudem ist heute eben Samstag, da gibt es im Heim pipidünnes gesichtverziehenlassendes Wassersüppchen. Bring mir was leckeres mit, sagt sie. Mach ich. Zuerst bringe ich Ordnung auf einem großen Zettel, was ist hier und was noch nicht. Mit dem Autochen zum Wocheneinkauf, das ist mir sonst zu viel. Mittagessen, ja was denn jetzt? Was warmes aus der Stadt holen ist Umstand, also nehme ich ein Stück Pute und reichlich Brokkoli mit, das geht schneller zuzubereiten als was zu holen.

Und so wanke ich ungefrühstückt mit 10Kg-Rucksack einschließlich Kühltasche auf dem Buckel herüber zu Muttern, an der einen Hand den Beutel mit dem Warmzeug. Gnädige Frau verweilt im Garten, äugelt freudig erregt auf die voluminösen Mitbringsel. Die erlebte Glückseligkeit bei der Verkostung entschädigt für den Vormittag. Gut will ich sein, schlechte Laune inbegriffen.

Um 12 nehme ich den Bus, erleichtert im wahrsten Wortsinn. Es fehlt noch allerlei, was ich nur im Städtchen bekomme. Zur Belohnung leiste ich mir rattenscharfe Spaghetti Arrabiata mit fett Käse sowie einen großen Pott Kaffee. Ich weiß, wie ich meinen Magen zärtlich erwecke.

Wieder zuhause dringt Knochenbrecherei an mein Ohr. Die Liebste frühstückt und schaut dabei die üblichen Fressepolierserien. Psychohygiene derer in helfenden Berufen, denke ich. Hat man denn davon, die ganze Woche zugewandt und freundlich sein zu müssen. Da fliegen am Wochenende die Fetzen, meist Gott sei Dank nur beim streamen, so bleibe ich weitestgehend unversehrt.

Ich habe dir Eier gekocht und Obst geschnitten, sagt sie. Du bist lieb, antworte ich, während nebenan die Gary-Knochensplitter-Band spielt. Ich weiß, sagt sie. Wochenende kann beginnen.

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Sonntag, 250413

Der letzte Blogeintrag entstand in einem zentralen Eiscafe an exponierter Stelle mit feinem Blick auf die vorbeilaufenden Menschen in der Fußgängerzone. Ich lasse den Blick schweifen und fühle mich für eine Zeit eins mit all denen, ohne ihnen zu nahe zu sein. Oder besser, sie mir.

V. Wg. Blicke – Männergedanken

Mensch neigt dazu, gerade wenn es wärmer wird, T-Shirts, gerne auch mit subtilen, profanen, wahlweise sinnigen oder sinnfreien Botschaften in Bild- und/oder Schriftform zu tragen. Das ist auch mir nicht fremd, Namen von Tanzkapellen zieren manchmal meinen Leib, oder Konterfeis längst verstorbener Genossen ihrer Zeit, selbst ein Bibelzitat findet sich.

Soweit, so gut. Unter Männern ist das unkompliziert, man beschaut sich direkt, manchmal reicht es für ein Grinsen oder gar ein anerkennendes Kopfnicken, bis hin zu anerkennenden, angemessen kurzen Bemerkungen.

Kommt mir dagegen manch derart gezierte Frau entgegen, werde ich leicht unsicher. Wie schaffe ich es, vorangetragene, wie auch immer geartete Botschaften und/oder geheime Zeichen zu lesen, ohne in den eher peinlichen Verdacht zu geraten, im Grunde doch nur ausgeprägte körperliche Reize begutachten zu wollen? Liegen diese Dinge doch so nah beieinander.

Des Rätsels Lösung scheint der so genannte Cowboy- oder auch Fernfahrerblick zu sein. Alles umfassend fern schweifend und doch das Nahe nicht aus den Augen verlierend. Wohlwollend, ohne zu mustern oder gar zu starren. Pure Übung irgendwie. Kann ja nicht die Lösung sein, nur noch rückwärtig Bedrucktes zu tragen, derweil Mensch sich in der Regel doch eher vorwärts laufend begegnet.

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Samstag, 210911

Und gestern war Freitag, obgleich im Titel Donnerstag stand. Hat wahrscheinlich keiner gemerkt, mich selbst eingeschlossen, oder es wollte netterweise keiner klugscheißen, wie auch immer. Danke dann dafür 😀

Wenn ich mich hier so umschaue, staune ich immer wieder, ob der vielen Talente, die hier präsent sind. Joachim zum Beispiel kann toll zeichnen und hat darüber hinaus ein paar grundlegend gute Ansichten, die ich teile. Ähnlich verhält es sich bei Ines, deren Präsens hier ich seit Anbeginn an begleite. Uns verbindet darüber hinaus der Wille zu überleben, trotz oder gerade wegen einer ähnlichen Grunderkrankung. Xeniana ist eine Weltgewandte und Reisefreudige, Alice kann Bilder und Geschichten – Vier Beispiele von so vielen, die Liste ließe sich endlos verlängern.

Und ich? Kann Worte, mittlerweile habe ich welche. Kann plaudern, Kleines groß machen, umherphilosophieren, Stichworte zu ganzen Sätzen aufplustern und manchmal heiße Luft zum stinken bringen, das geht unter anderen auch mit Worten. Darüber hinaus sagt man mir ein gewisses Maß an Mitgefühl nach, kann schon sein, dass es sich so verhält. Heute ist das ja ein Thema, Hochsensibilität nennt es sich. Darüber reden und schreiben in erster Linie Frauen, Männer haben es damit nicht so oder besser, sie verpacken es gut, damit es keiner so schnell mitbekommt. Bloß niemanden eine Angriffsfläche bieten, ganz wichtig. Oder sie machen eine Menge Getöse, unter anderen auch mit Worten (!) Da ist schreiben ein echter Vorteil, lässt sich dabei doch ein wenig mehr Zeit zum nachdenken finden, bevor sie final an die Öffentlichkeit geraten. Wobei ich dem alten Motto nicht mehr folge, von wegen woher soll ich wissen, was ich denke, wenn ich nicht höre, was ich sage. Kann in Gesellschaft ziemlich einsilbig sein oder werden, das hat mehrere mögliche Gründe. Manchmal bin ich derart damit beschäftigt, die Lage zu sondieren und zu verstehen erfassen, was um mich herum gerade geschieht – und manchmal ist dieser Prozess gerade abgeschlossen und ich langweile mich enorm. Mal bin ich auch stumm vor Glück, wie man so sagt, Ergriffenheit pur. So kann mein Schweigen durchaus mehrfach die Motivation wechseln und manchmal kann man das sogar meinem Gesicht ansehen. Sei`s drum.

Sonst so? Gibt naturgemäß auch einiges, was ich überhaupt mal gar nicht kann.
Tanzen zum Beispiel.

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