Freitag, 241018

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Gedanken, bevor es losgeht.

Am Himmel völlt der Mond und ich erhasche ein pixeliges Retrobildchen, aber immerhin. Die Luft scheint dünn heute früh, und es ist seltsam warm. Ich denke nach über dies und das, so unordentlich. Was wichtig sei im Leben. Beständigkeit finde ich gut. Mal gewohnheitsmächtig wünschend, dass die Dinge einfach bleiben, wie sie sind, bin ich doch auch durchwirkt von Neugier. Wenn sich schon dauernd irgend etwas ändern muss, kann man ja auch nach Freundschaft damit trachten.

Die Nachrichten irritieren mich einmal mehr. Da plant einer einen Sieg, er hat einen Siegesplan, so nennt er den. Der Planende hat eine Erkrankung, die ich kenne – die Selbstüberschätzung. Die öffentlichen und teils auch geheimen feuchten Träume von einem, der zum Tauschhandel mit der westlichen Hemisphäre aufruft: Blut gegen Rohstoffe. Die einen werden vergraben, das andere ausgegraben, für eine strahlende Zukunft.

Nicht in meinem Namen.

Besser, ich spüre noch ein wenig dem Retromond nach.

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Freitag, 241004

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Tagträume

Wenn alles erledigt ist, der Tagesplan weitestgehend erfüllt, dann lasse ich Ruhe einkehren. Schaue hinter den Dingen und freue mich über den weiter werdenden Raum.

Leiser werdende Gedanken, herrlich unproduktiv in die Wolken schauen. Gleich ob live oder in Erinnerung.

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Montag, 240527

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Und da war da noch – Der Typ, dem irgendwann zahlenverliebt klar wurde, dass er in etwa ein Drittel seines Lebens damit verbracht hatte, herauszufinden, wer er denn eigentlich sei, und die Antwort dennoch irgendwie fragmentiert schien. Zugleich musste er zu seinem Bedauern feststellen, dass nunmehr schon angenommene Dreiviertel dessen vorüber sein mögen. Um sich zu erheitern, dachte er sogleich an die alte mathematische Weisheit, nämlich dass ein Viertel draussen immer noch besser sei als ein Viertel drin. Spätpubertätes Kichern ist halt immer noch besser als krudes Selbstmitleid.

Komm doch näher!

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Dieser Eintrag ist Teil von Myriades Schreibeinladung für die Monate Mai-Juni 2024. Dort stehen Bilder zur Wahl, die zum schreiben animieren sollen, ebenso wie Textbausteine, die genutzt werden können, aber nicht müssen.

Ach, mein Liebster, komm doch ein wenig näher! Wenn Du etwas weniger denkst, ist deine Stirn nicht so hoch und wir haben mehr Raum, uns wirklich zu begegnen. Wie schön wäre es, würde ich deine Lippen spüren können.

Du meine Liebste, da magst Du schon recht haben. Aber allein meine Stirn ist nicht das einzige Hindernis auf dem Weg zu deinen köstlichen Lippen. Wo ich mit meiner hohen Stirn zu viel denke, misstraut deine spitze, ängstliche Nase der sinnlichen Berührung unserer Lippen.

Nachdem sie beide eine Weile so verharrten, wurden ihnen gewahr, tatsächlich nicht nur aus dem gleichen, sondern auch aus demselben Holz geschnitzt zu sein. Diese Erkenntnis macht sie beide sprachlos und sehr traurig, ihre Tränen durchweichten das Holz, aus dem sie beide gemacht wurden. Am Ende schien die Sonne derart warm auf das tränennasse Holz, das daraufhin tat, was Holz dann gerne tut – es verzog sich – auf eine Weise, die es ihren Lippen gestattete, sich ausdauernd und innig zu berühren.

Romantische Metapher, gelebte Erfahrung oder gar Kitsch?
Entscheide ein jeder für sich.

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Samstag, 231223

Schwarze, nasse Leichtigkeit

Nasse Füße hat sie, die stählerne Tausendfüßlerin. Ein wenig nachlassender Regen lässt mich eine kleine Runde drehen. Keine Einkäufe, nur so, gehen und die Gedanken leer laufen lassen. Schwarze Nacht und viel Wasser, Menschen auf dem Heimweg und ich fühle mich leicht. Geschenk von oben, denke ich und bin dankbar für mein Leben, wie es ist.

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Sonntag, 220807

Sepia

Draußen blendet gleißendes, helles und sehr klares Sonnenlicht, während ich den Tag beginne. Undiszipliniert, für meine Verhältnisse. Die eigene Fassade teilsaniert, die morgendlichen Übungen fürs schreiben unterbrochen, bevor sich die Worte wieder dadurch tun. Die Liebste ist in Sachen Familie und Kunst unterwegs, das ist schade, weil ich nicht mit kann und gut, weil ich so auf niemanden Rücksicht nehmen muss. Auch mal nett, allein einfach das zu tun, wonach gerade der Sinn steht. Nicht im Sinne von sich selbst finden (Hallo, hier bin ich), sondern schlicht der sein, den es im Augenblick gibt. Kommt in letzter Zeit nicht so oft vor, scheint es – aber auch das ist nicht stimmig, bin ich doch auch in meinen familiären und beruflichen Eigenschaften der, der ich bin, auch wenn jeweils andere Facetten sichtbar sind.

Gestern saßen wir zusammen und lasen vom Pfarrer Heinz Kappes, seine Ausführungen innerhalb der Gemeinschaft der anonymen Alkoholiker, die weit über das Thema Suchterkrankungen hinausgehen, hin zu universaler Liebe, die keine Religion braucht. Eine gemischte Alt-Herren-Damen-Runde in sehr überschaubarer Zahl. Ich mag dieses gemeinsame lesen und anschließendes Gedanken-teilen sehr, wohl wissend, die Zeit wird unsere kleine Runde gnadenlos biologisch zerlegen. Dann ist das so, selbst gehe ich nach solch einem Treffen immer gefüllt mit guten Gefühlen meiner Wege. Gefüllt mit einem Gefühl von Orientierung.

Orientierung ist etwas, woran es mir „von Haus aus“ mangelt. Das spiegelt sich vielleicht auch in diesen Zeilen wieder. Wo stehe ich, mit meinen fünf mal 12 Lebensjahren? Oft genug ein emotionaler und geistiger Eremit, Teilzeit-Familienmensch, der sich schwer mit der Vorstellung tut, die anderen könnten ihn tatsächlich so lieben und wertschätzen, wie er ist, jetzt und hier. Und ja, Achtung, Gegenverkehr – kriege ich das bei den anderen immer so hin? Dualitäten allerorten, wie immer.

Und nein, ich suche nicht den Sinn des Lebens. Ich lebe, das ist Sinn genug, analog zum mich-finden-wollen, was genau so müßig ist. Ich stelle mich, wenn ich es versuche, auf den Punkt zu bringen, den Herausforderungen meiner Zeit, bin da, wo ich gebraucht werde, zeitweise aus einem irgendwie gearteten Pflichtgefühl heraus, selten nur noch aus Berechnung, das eigene, arg zerzauste Karma aufzuwerten und manchmal auch aus Liebe, das fühlt sich so an, weil es warm und dicht ist.

Kappes spricht von einer „Sucht, gebraucht zu werden“. Wieder so eine Stolperfalle des eigenen Egos. Wenn dagegen die eigene Intuition (die beiden sind Geschwister, Ego und Intuition) das gefühlte oder gelebte mit ausreichend vergangener Zeit und einem positivem Körpergefühl abnickt, dann geht das in Ordnung, kann so weiter gehen, dann dient es nicht nur dem eigenen Selbstzweck, sondern dem Bedürfnis nach Entwicklung, Heilung, weiterkommen. Kann sogar Freude machen, was für manche gesegnete Frohnaturen seltsam klingen mag, für ein Nachtschattengewächs mit zunehmender Liebe zum Licht, wie ich eines bin, dagegen noch ein recht junges Pflänzchen ist.

So, und nun habe ich genug vermeintlich oder tatsächlich Gehaltvolles von mir gegeben und darf auch mal ganz unverdächtig ein leicht frivoles Bild von mir zeigen, nicht Sepia, wie eingangs geschrieben, sondern Drei-Farben-farbreduziert. Mit Fünf mal Zwölf geht das in Ordnung, ohne die Absicht, noch irgendwelche Preise gewinnen zu wollen 😉

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Der frühe Vogel

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Den höre ich gerade, mit Sommerzeit hat der nichts zu tun, im Gegensatz zu mir, mit meinem dumpfen Druck im Schädel, als Zeichen der Umgewöhnung.  Nur ab und an wird der gefiederte Sänger da draußen von einem Auto gestört, irgendwie ist jetzt jeden Tag mindestens Samstag auf der Straße.

Und so sitze ich, lasse Gedanken strömen. Eltern, Kind, Frau, Arbeit, Freunde – alles bunt gemischt und durcheinander. Beherrschend ist derzeit die tiefe Bewegtheit über den Zustand meines Vaters. Bei alledem geht das so genannte Tagesgeschäft weiter, wie lange man mich noch werkeln lässt, ist unsicher, wie so vieles in diesen Zeiten. Irgendwie gewöhne ich mich daran, „auf Sicht“ zu leben, zumal sich dieser Zustand, auch wenn er mir nicht sonderlich gefällt, doch mit meiner Grundüberzeugung deckt, dass die stete Veränderung die einzige Konstante im Leben ist. Zeit, all dies aus mir heraus fließen zu lassen, bei meinen morgendlichen Ritualen. Allein bin ich dabei auch nicht, der Große liegt da, wo er immer liegt und Baby liegt unter mir und kuschelt während den Übungen.  Na dann.

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Schlaflos

Am frühen Samstag werde ich bereits um kurz vor Fünf wach. Kreisende Gedanken und eine verkuschelte Katze lassen mich das Licht anmachen und kurz darauf aufstehen. Was da so kreist? Immer das Gleiche, Familie & Arbeit. Reihenfolge austauschbar. Jetzt im Moment kann ich nichts lösen, also lasse ich es gut sein. Sein lassen kann ich gut, im Sinne von nichts tun, wenn mir nichts anderes übrig bleibt. GUT sein lassen ist die Königsklasse in dieser Disziplin.

Schlaflosigkeit, engl. Insomniac, Moment mal, da war doch noch was …richtig, einer zum wach werden, ein kleines Highlight der ansonsten eher trüben 90er, mein Jahrzehnt der Irrtümer, der Illusionen, meines ganz persönlichen Armageddons.

Na dann, Weckruf an 🙂

Fundstücke am Rande – Schattenwürfe…

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Jeden Tag drei Fragen, Tag 18

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  • Was ist dir immer schon leicht gefallen ? (Wie können andere davon profitieren?)

Immer schon konnte ich eigentlich relativ gut rechnen, alles, was mit analytischem Denken zu tun hat. Viel gelesen habe ich auch immer schon, dazu kam in den letzten Jahren auch das schreiben. Der zweite Teil der Frage ist schwieriger zu beantworten. Wenn ich andere an diesen meinen Segnungen teilhaben lassen möchte, ist der damit verbundene Ton oftmals, zumindest aus der Sicht des jeweiligen Gegenübers, nicht angemessen, Stichwort „Oberlehrer“. Es fällt mir dem Vernehmen nach manchmal schwer, Wissen zu vermitteln, ohne arrogant zu wirken. Auch Geduld ist in dem Zusammenhang nicht meine Stärke. Lernfelder …

  • Welcher Gedanke geht dir nicht aus dem Kopf ?

Dass das Leben nicht nur breit, sondern auch endlos tief sein kann, unabhängig von der Länge. Dass es keine Grenzen gibt, was menschliche Neigungen angeht, weder „nach oben“ noch „nach unten“. Zwei Gedanken, die schon zusammen gehören …

  • Welchen Ausdruck in deinem Wortschatz könntest Du dir abgewöhnen ?

Ooch, da gäbe es mehrere 🙂 Als ehemaliges Plattenbaukind mit zumindest fragwürdigen soziologischen Hintergrund verfüge ich in manchen aufgeregten Momenten über durchaus kräftige, aber wenig gesellschaftsfähige Ausdrücke. Anders formuliert kann ich in emotional aufgeladenen Augenblicken fluchen wie ein Bierkutscher, auch nach all den Jahren …