Sonntag, 250518

Mal was Bildhaftes

Sehr grün und ganz in der Nähe  – der Toelleturm und der angrenzende Vorwerkpark, dem Bachlauf folgend dann das Murmelbachtal.

Feine Aussicht über Stadt und Land sowie weiter unten eine Märchenwelt, die Phantasie beflügelnd.

Der Vorwerkpark, einst Privatbesitz, heute der Allgemeinheit zugänglich. Als Kinder fuhren wir mit den Rädern hin, krochen verbotenerweise durch Zaunlöcher und fingen kleine Frösche, um sie gleich darauf wieder freizulassen.

Auch heute ist es für mich immer noch ein magischer Ort, der mich die Welt für eine Zeit vergessen lässt. Gerade jetzt um diese Blütezeit.

Wohnen im Park eher die Elfen, so hausen weiter unten eher die Kobolde und Zwerge. Waldgeister eben 💚

Hat mehr als gut getan 🙏

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Montag, 250317

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Erwischt

Das war ja klar, ich wußte, dass du stehen bleiben wirst und deine Kamera zückst. Jetzt stehst du da und machst dir deine Gedanken, wer wohl diese ausgelatschten Dinger getragen hat. Frauenschuhe offensichtlich oder zumindest sehr wahrscheinlich. Du fragst dich, wie ich wohl aussehe, bei Schuhgröße 38, schaust die Weite der seitlichen Ausbuchtungen und stellst vielleicht Mutmaßungen über meine Statur und mein Gewicht an. Vergiss es, das bleibt im Dunklen.

Klar weiß ich um deine kleine Schwäche für Füße. Na nun hab dich mal nicht, brauchst nicht röter werden als meine alten Latschen, so selten ist das auch wieder nicht. Bliebe noch zu klären, warum ich die Dinger ausgerechnet hier endgeparkt habe und nicht feierlich in die Tonne versenkte, wie es die meisten anderen tun würden. Ok, so offen möchte ich gerne sein, dafür gab es mehrere Gründe.

Erstens waren die Teile überfällig und zweitens schien die Sonne, drittens sehnten sich meine Füße nach Befreiung, viertens wusste ich doch, du kommst und verweilst. Aber der Hauptgrund war, diese unglaubliche Farbabstimmung mit dem Abdecknetz des Hängers, wo sonst sollten sie ihre letzte Ruhe finden. So, viel Freude noch beim weiteren mutmaßen über meine Person!

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Mittwoch, 240724

Urlaubszeit

In einem wenig bekannten Land fernab von jedem Massentourismus liege ich am Strand. Eine offene Zeltbahn schützt mich vor der prallen Sonne – das Meer so blau, die Luft so lau, ein bunter Wimpel weht in der leichten Brise. Es hat zu trinken, zu essen, zu lesen und – keine weiteren Menschen. Der Geist darf sich in unendliche Weiten ergehen oder mal eine Weile gleich ganz Pause machen. Das Leben ist schön!

Wenig bekannt ist leicht übertrieben, genau genommen ist dieses Land nur mir bekannt. Blau ist hier nur der Bürocontainer, der bunte Wimpel entstand aus dem unteren Teil einer Warnweste, ist mit Kabelbinder gegen seitliches Verrutschen an der Stange gesichert. Das ganze Konstrukt hat den einzigen Zweck, mich visuell an den Betrieb des Miefquirls auf dem Dach der Hütte zu erinnern. Nicht gut, wenn der des Nachts anbliebe. Da isses ja gerne windstill, am Strand …

Donnerstag, 240718

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Phantasie geht wandern

Im Grunde war es total einfach. Die kleine Blase mit dem Theaterblut hinterm Ohr, die Schüsse fielen wie verabredet. Wegducken und mit gereckter Faust blutig aufstehen. Kämpft! Mein Wahlkampf jedenfalls war ab nun gelaufen, ich habe einen Mordanschlag überlebt und gelte nun als von Gott gesandt, wie einst der Kerl aus dem Land meiner Väter, nach dem diletantischen Akt in der Wolfsschanze. Der behandlende Arzt wird mich nicht verraten, zu fest ist meine Hand an seinen Eiern respektive an seinen steuerlichen Verfehlungen und leben möchte er ja auch noch ein wenig. Der Typ auf dem Dach? Der glaubte wirklich, davonkommen zu können. Jeden Tag stehen irgendwo in meiner Nähe 3 Idioten auf und einer davon klettert bestimmt für mich aufs Dach, mit der passenden Geschichte im Gepäck.

Natürlich ist dies reine Fiktion, die Wahrheitswahrscheinlichkeit tendiert gegen Null, auch wenn man gewissen Charakteren einiges zutrauen darf.

Mittwoch, 240313

Ein bewegendes Buch geht zu Ende. Eine Geschichte von entwurzelten Geschwistern, speziell dem Jüngsten der Dreien. Wie Menschen im Laufe ihres Lebens zu ihrer Bestimmung finden. Sicher nicht nur, aber auch mein Thema.

Lesenswert

Wir sind von Geburt an auf der Titanic….Was ich sagen will: Wir gehen unter, wir werden das hier nicht überleben, das ist bereits entschieden. Nichts kann das ändern. Aber wir können wählen, ob wir schreiend und panisch umherlaufen oder ob wir wie die Musiker sind, die tapfer und in Würde weiterspielen, obwohl das Schiff versinkt, …“

Benedict Wells
Vom Ende der Einsamkeit

Präsent sein schließt Verinnerlichung nicht aus, ebenso wenig die Traumwelten, ohne die es nicht nur nichts zu schreiben gäbe, auch das Gewicht mancher Wirklichkeit wäre nur schwer zu ertragen.

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Allmacht und Gewissen

Manchen Menschen das Leben zu lassen, ist kein ausgesprochener Akt der Gnade, der Freundschaft oder gar der christlichen Nächstenliebe. Vielmehr ist es ein Resultat aus recht nüchternen Abwägungen, mit der Erkenntnis verbunden, dass zum einen die Dinge nicht unbedingt besser werden, im Anschluss. Anders, ja. Andererseits kann ich sie nicht alle meucheln. Das wird schwierig, weil Namen und Gesichter austauschbar sind, die Prinzipien und Muster dahinter jedoch immer gleich bleiben. Schlussendlich gibt es auch noch so etwas wie ein Gewissen, das ich nicht über Gebühr strapazieren möchte. Stichworte Selbstachtung und Würde.

Natürlich habe ich nicht die Absicht, irgendwem den Hals herumzudrehen. Also jedenfalls nicht besonders vielen Menschen 😉 Das ist mehr im metaphorischem Sinn gemeint und, so scheint es, charakteristisch für Menschen mit einer Suchtstruktur, wie ich sie habe, obgleich ich schon sehr lange abstinent lebe. Was mir die Möglichkeit eröffnet, nicht nur in meine eigenen Abgründe zu schauen, sondern beizeiten dem Geschauten auch etwas entgegen zu setzen. Auf diese Weise wird aus so manchem Abgrund ein vielleicht etwas tieferer Graben, über den man springen kann.

Oder zumindest Brücken herüber bauen kann.
Leben bleibt spannend
Es grüßt Bob der (Brücken-)Baumeister

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