Freitag, 250425

Derangiert

Kaum ist der Besuch weg, werde ich krank. Nix Bewegendes, das Übliche, wenn dann. Bronchien und in der Folge Rotznase. Klassisch eben. Natürlich sozialverträglich im Urlaub, so gehört sich das. Mutter darf schauen, wie sie klar kommt, die Liebste kümmert sich, während Mothers Finest still leidet. Sei `s drum.

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Noch mehr Unbill

Alle Welt testet KI und freut sich, wenn das Sinn macht. Irgendwo tief unten macht sich bei mir die Sorge breit, künftig, wenn überhaupt noch, gegen Maschinen anschreiben zu müssen/dürfen. Die ich selbst angelernt habe (freie Texte werden still verfüttert). Es gruselt mir und ich verspüre keine Lust mehr auf `s schreiben.

Wo er gerade so fließt, der Rotz

Blogs bei wordpress.com brauchen eine Mailadresse. Diese Adresse dient nicht nur zum einloggen (alternativ zum Blognamen), sie wird auch zwingend beim Kommentieren gefordert. Missbrauch inbegriffen, so neulich wieder. Irgendwer kommentiert mit der original URL der Website eines Freundes samt dessen Anmelde-Mailadresse, die vermutlich irgendwann mal im Impressum stand – homophoben Scheiß, der niemals aus der Feder besagten Freundes stammt, dem ich schon lange folge. Ich weiß das, andere nicht und sind verständlicherweise erst einmal empört.

Merke: Es braucht hier keine Mailadresse im Impressum, das allgemeine Kontaktformular reicht völlig aus. Wer dennoch eine Adresse veröffentlichen möchte, sollte eine andere als die Anmeldeadresse nehmen.

Darüber hinaus ist für mich die Moderation aller Kommentare, also das manuelle freigeben jedes einzelnen Kommentares schon lange ein Muss.

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Zum Schluss noch was positives, damit das hier nicht ganz im Aschgrauen versinkt (hat das schöne Datum nicht verdient). Ich habe mich entschieden, wieder Rad zufahren und mir zu dem Zweck ein neues Rad geordert. Gute, mittlere Ausstattung mit allem Nötigen, aber ohne Strom. Möge die Luft noch für ein paar Jahre reichen. Bin gespannt, wie es sich fährt, wenn es dann da ist.

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Die Katzen sind mit der Gesamtsituation nicht unzufrieden …

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Donnerstag, 240822

Zweieinhalb Wochen habe ich dieses Gefühl nicht mehr gehabt – Grundmüdigkeit. 2 Werktage reichen, um es wieder zu spüren. DER Kollege verspricht mir Tags zuvor vergnügliches Quietschgummigrillkäse-essen aus dem Anlassofen (das ist Werkstatt-Dekadenz, es gibt nichts, was sich nicht auch privat nutzen lassen könnte). Und dann isser beim Doktor und ich verzehre Vorräte, Eichhörnchen, ich.

Ansonsten ist arbeitsseitig alles beim alten, stabil sozusagen. Außer, dass noch ein wenig mehr verwaltet werden soll. Die Sache ist nicht wirklich wichtig, Hauptsache, es sieht von außen betrachtet gut aus. Von weit außen. Bis die Kacke irgendwann so dampft, dass die Wolken auch in Übersee komisch riechen. Dann wird schnell gesch(l)ossen. Vorher wird gerechnet. Wann gehen die (Triggerwarnung – Schimpfwort) Boomer endlich freiwillig mehrheitlich in Rente? Was kostet es, den Rest loszuwerden? Wer macht in der Theorie dann noch die Arbeit? Ok, die letzte Frage ist nicht so wichtig, das findet sich.

Gut, dass ich schon so alt bin – diesbezüglich.

Die anderen Seiten des Lebens gibt es ebenso und die sind weniger kommödienhaftes Laientheater. Mutter lässt in letzter Zeit die ernsthafte Absicht erkennen, in ein Heim umsiedeln zu wollen. Hände und Gelenke wollen nicht mehr, Alltägliches dauert ewig oder geht ohne Hilfe nicht mehr. Degeneration, es wird nicht mehr besser. Und so schauen wir uns um, in Monte Petrols Umgebung, nach Möglichkeit fußläufig erreichbar. Wenn ich einen Wunsch frei habe, dann möge ihr das Ende, wie mein Vater es erleben musste, erspart bleiben.

Mittwoch, 240807

Ruhiger wird es, und die Müdigkeit nimmt zu. Typisch irgendwie für die ersten arbeitsfreien Tage. Königsklasse ist krank werden, wenn man mal auskömmlich Zeit dazu hat, kenne ich auch, ist jetzt Gott sei Dank kein Thema.

Viel Zeit verbringe ich mit Innenschau, meine momentane Lebenssituation im ausgehenden 9ten Jahrsiebt betreffend. Zufrieden? In Frieden, alles in allem. Vom Außen mal weg, was zählt wirklich – ich folge meiner inneren Stimme. Es gibt keinen Entwurf, keinen Plan, nur das Vertrauen auf Führung. Im Multiversum soll ja vieles möglich sein, mir hat es immer schon an Vorstellungsgabe gemangelt, was mein eigenes Leben angeht. Es findet sich.

Online bin ich die nächste Zeit eher sporadisch, möge man mir das nachsehen.

Grundmüdigkeit + Blutspende + Hitze = Gesicht.
Einfache Gleichung.

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Sonntag, 240804

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Ruhe kehrt ein, gut zwei arbeitsfreie Wochen liegen vor mir, vor uns. Die Zeit scheint sich zu dehnen, alles geht entspannter zu. Von ein paar Tagen Reise in Sachen Familie abgesehen sind wir meist zuhause. Ich bin nicht gerne unterwegs, merke ich in letzter Zeit vermehrt. Die Katzen allein zu lassen, auch wenn sie versorgt sind, tut mir mehr weh als denen. Alte Narben. Dazu kommt der Umstand, dass sich mein Leben seit gut vier Jahren in großen Teilen zunächst um die Eltern, jetzt nur noch um Mutter dreht.

Gutes Karma? Nein eher die Hoffnung auf einen eigenen Gnadentod. So G*tt will eben. Bis dahin tägliches Dasein mit allem, was mich als Mensch ausmacht. Klar im Kopf, so souverän wie möglich im Umgang mit den eigenen Dämonen und darüber hinaus das Leben nicht ernster nehmen, als es ist.

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Schönheit im Alltag, früh morgens auf dem Werkstatthof.

Manchmal habe ich Fragen, beim hören der Nachrichten. Fragen zum Sprachgebrauch im Umgang mit „Freund“ und „Feind“, der offiziellen staatlichen Sichtweise nach, nicht meiner persönlichen. Was ist zum Beispiel der Unterschied zwischen einem staatlichen Auftragsmord  und einer gezielten Tötung, auch ausschalten genannt (was für ein Euphemismus)? Wer verbiegt sich da wem zuliebe und warum?

Du sollst nicht töten. Punkt. So Scheiße einfach kann das sein.

Meine Lektüre für die kommenden Tage. Ein Buch über den einsamen Tod, im Japanischen auch Kodokushi genannt, und eines über den lebenden Beweis, dass Herkunft nicht alles ist.

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Bis dahin lese ich die Mitternachtsbibliothek zu Ende, ein Buch über die vermeintlich surreale Vorstellung von Möglichkeiten im Leben. Die Geschichte eines Menschen, der beschließt, zu sterben und in der Zwischenwelt langsam, aber sicher eines besseren gelehrt wird.

Mittwoch, 240724

Urlaubszeit

In einem wenig bekannten Land fernab von jedem Massentourismus liege ich am Strand. Eine offene Zeltbahn schützt mich vor der prallen Sonne – das Meer so blau, die Luft so lau, ein bunter Wimpel weht in der leichten Brise. Es hat zu trinken, zu essen, zu lesen und – keine weiteren Menschen. Der Geist darf sich in unendliche Weiten ergehen oder mal eine Weile gleich ganz Pause machen. Das Leben ist schön!

Wenig bekannt ist leicht übertrieben, genau genommen ist dieses Land nur mir bekannt. Blau ist hier nur der Bürocontainer, der bunte Wimpel entstand aus dem unteren Teil einer Warnweste, ist mit Kabelbinder gegen seitliches Verrutschen an der Stange gesichert. Das ganze Konstrukt hat den einzigen Zweck, mich visuell an den Betrieb des Miefquirls auf dem Dach der Hütte zu erinnern. Nicht gut, wenn der des Nachts anbliebe. Da isses ja gerne windstill, am Strand …

Montag, 230724

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Verdorrtes Braun ist die vorherrschende Farbe. Andernorts brennen derzeit ganze Paradiese ab. Klimawandel, der nicht zuletzt von unserer Reiselust befeuert wird. Fliegen wollen und Asche beweinen passt nicht, flügellos reisen macht es auch nicht besser. Ein Dilemma, derweil daheim bleiben der Neugier, der Sehnsucht und der Unruhe zuwider läuft.

Ein besonderer Ort.

Donnerstag, 230511

Wir sind dankbar für die gute Fahrt wieder im Tal der Wupper, ich plage mich mit einer heftigen Bronchitis herum. Wenn nicht im Urlaub, wann auch dann. Kein Grund zum klagen, vielleicht eher einer, das Rauchen endgültig und vollständig einzustellen.

Heute werde ich nicht rauchen.
Und morgen entscheide ich neu.

Sonst so? Ein Geschichte schlummerte lange in mir, strampelte zuletzt zunehmend herum und wollte heraus. Es ist nichts Erbauliches und es geht auch nicht direkt um mich.

HIER beim Wassertiger.

Freitag, 221216

Feiner Jahresabschluss.

Als hätte es nicht gereicht, dieses Jahr, Hält zum krönenden Ende noch Corona hier Einzug. Die Liebste saß gestern elendshäufchenmäßig hier herum, hustig und schnupfig positiv getestet. Und so bestand mein erster freier Tag in einem sportlichen Hopping von Bürgertest zu PCR-Test. Zwar gibt es auch Stationen, die beides können, die sind aber nur fußläufig erreichbar, also nix für akut kranke Menschen.

Dann muss auch noch eine Krankmeldung her. Sie hat keinen Hausarzt, dafür aber eine ebenso robuste wie ignorante Statur. Selbst habe ich seit kurzem einen Neuen und weil der Alte unvergleichbar war, blieben wohl schon Menschen fort. Wir kommen klar, er und ich, seine neue Mit-Ärztin ist auch in Ordnung. Also kurz vor Praxenschluss dahin, die Liebste frierend draußen lassen müssend. Alles ging gut, sie wird dort aufgenommen und bekam die Krankmeldung.

Selbst bin ich (noch) negativ, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit nicht gering, mir auch etwas davon abzubeißen. Alle Pläne sind also erstmal Makulatur, bis auf weiteres. Tut mir mehr für meine Mutter leid als für mich. Mal abwarten und Abstand halten.

Kalte Füße und nicht mehr als 17 Grad tun ihr übriges …

Cold feelings in the night
You know, this feeling just ain’t right
And though I try I just can’t hide
Cold feelings in the night

Sonntag, 220710

Vater im Krankenhaus

Freitag, 220708

Einige Telefonate, keine Neuigkeiten. Der Pflegedienst wurde über den Stand der Dinge informiert, lange Gespräche mit Mutter, es geht um ihre ebenso überschaubare Lebenszeit, aber auch um Zwiespalt und schlechtes Gewissen. Alles in allem wirkt sie trotz alledem erleichtert, nun ihre Ruhe zu haben, was ich gut verstehen kann. Ihre Haltung ist Gott sei Dank unverändert.

Wir können nicht wissen, ob Vater nochmal aufnahmefähig sein wird, akustisch und/oder geistig. Und falls, wie wird er reagieren? Einsicht war nie seine Stärke, ich befürchte, dass er sich verraten und verkauft vorkommt, wenn dann. Vielleicht ist unser Schöpfer auch so gnädig und holt ihn sich zeitnah. Gespräch mit einer Mitarbeiterin des Patientenservice der Klinik. Wir sprechen nochmal über Fixierung, ich erfahre, dass dies nur sparsam eingesetzt wird und es für länger einen richterlichen Beschluss erfordert. Ich dränge nochmals auf Sedierung, um ihm dies zu ersparen, äußere meine Befürchtung, sie könnten ihn einfach irgendwann bei Mutter vor die Tür stellen – das sei ausgeschlossen, dafür seien sie ja involviert. Gott sei Dank. Bleibt abzuwarten, wann er von der Intensivstation verlegt wird und wohin. Wichtig ist der Besuch meiner Mutter dort morgen, vielleicht nimmt er sie wahr.

Selbst bin ich heute nicht in der Klinik. Den Tag heute widme ich der Hausarbeit und einem Spaziergang, später. Gott sei Danke habe ich noch ein paar Tage frei.

Samstag, 220709

Seit gestern Mittag liegt Vater auf Station. Selbst bin ich nicht bei ihm gewesen, habe Mutter dorthin gefahren. Knapp 2 Stunden Fahrt alles in allem und eine gute Stunde sitze ich vor der Station auf einem Absatz im Treppenhaus, wenigstens hat es ein paar Stühle dort für Begleitpersonen, die nicht mit rein dürfen. Es ist ok, dass sie allein bei ihm ist, über die Regelwerke hinaus. Sie soll ihn sehen, wie er ist, ohne weiter Ablenkung von außen.

Der bringt sich selbst um – das waren Mutters erste Worte, als sie wieder heraus kam. Sein Zustand ist wohl weitestgehend unverändert, hinzugekommen ist eine entzündete Hand samt Unterarm, ein Überbleibsel des vorletzten Klinikaufenthaltes. Katheder, diverse Ports, die er mit schöner Regelmäßigkeit versucht, zu entfernen. Fast taub und nicht bei Sinnen. Unruhig nennen sie das in der Klinik. Ich finde das zurückhaltend formuliert. Da ist Wut, die gleiche alte Scheißwut, die er immer hatte, wenn es nicht seinen Willen nachging. Sein Verhalten jetzt in dieser erbärmlichen Hilflosigkeit entspricht genau seinem Charakter, wie er eigentlich immer schon war. Er ist ein Mensch, der nie gelernt hat, loszulassen. Die Frau an seiner Seite ist geblieben, mittlerweile fast 70 Jahre. Ausnahmslos alles ging nach seinen Willen, und wo das mal nicht der Fall war, da wurde er ungerecht behandelt. Mindestens.

Es ginge so vieles auch zuhause, wenn Mensch Einsicht in seine Lage hätte und sich dem fügen könnte. Es gibt Krankenbetten und mobilen Pflegedienst, vielfache Hilfe. Aber nicht für einen Menschen, der in seiner Hilflosigkeit sich selbst gefährdet, immer noch kommandieren möchte und damit den letzten verbliebenden Menschen an seiner Seite zugrunde richtet. Und natürlich denke ich an mich, was einst sein wird. Zwar habe ich einen guten Teil des Charakters meines Vaters in mir, aber mein Leben ist voller Brüche und Abschiede. Vielleicht fällt mir der finale Abschied von mir selbst einst etwas leichter, ich hoffe das. Auch habe ich schon lange verinnerlicht, dass mein Ego nicht das Maß der Dinge ist. Einer der wenigen positiven Aspekte einer zum Stillstand gebrachten Suchterkrankung. An mir ist es jetzt, dafür zu sorgen, dass Vater gut versorgt wird, wo auch immer, unter welchen Umständen auch immer und gleich, was er davon hält. Nachhause geht es für ihn nicht mehr, so traurig wie das ist, Stand heute und sehr wahrscheinlich endgültig.

Für Montag habe ich mich angemeldet, ihn zu besuchen. Es findet sich.

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Und – zwischendurch gibt es so etwas wie Ferien.
Bilder dazu HIER beim Wassertiger

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