Inland

Der parlamentarische Untersuchungsausschuss zur Causa Pilnacek widmet sich ab heute der Befragung weiterer Ermittler. Als letzte Auskunftsperson wird morgen dann auch die Witwe des verstorbenen Justizsektionschefs und Präsidentin des Landesgerichts für Strafsachen Graz, Caroline List, erscheinen. Fraglich ist allerdings, wie ergiebig ihre Befragung wird, hat sie doch den Ausschluss der Öffentlichkeit beantragt. Den Auftakt macht ein mit der Causa vertrauter Oberstaatsanwalt.

Dem Oberstaatsanwalt folgt am Nachmittag ein mit der Causa befasster Chefermittler als Auskunftsperson. Tags darauf ist die Befragung des damaligen Vorgesetzten des Ermittlungsleiters, des Chefs des niederösterreichischen Landeskriminalamts, Stefan Pfandler, angesetzt.

List und ein weiterer zuständiger Chefinspektor – er ist für einen der nächsten Termine geladen – hatten nach dem Tod Pilnaceks mehrmals Kontakt, geht aus U-Ausschuss-Akten hervor.

List will Auflagen für Befragung

List selbst hat zwar ihr Kommen zugesagt, allerdings versucht, Auflagen zu erreichen. Die Präsidentin des Landesgerichts für Strafsachen Graz will nämlich den Ausschluss der Öffentlichkeit. Seit dem Tod ihres Mannes wehrt sie sich gegen Spekulationen. Sollte das anwaltliche Ansuchen nicht fruchten, will List Fragen zu ihrem Privatleben sowie die Berichterstattung darüber untersagen lassen.

Mit vor Kurzem schlagend gewordenen Kürzungen spart die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) heuer 23,3 Millionen und ab 2027 jährlich 34,4 Millionen Euro. Die Zahlen gehen aus einer gestern bekanntgewordenen Anfragebeantwortung von Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) an die Grünen hervor.

Einige Kürzungen traten mit 1. Mai in Kraft. So wurde der Selbstbehalt bei unentbehrlichem Zahnersatz – etwa für Kronen und Kunststoffprothesen – von 25 auf 30 Prozent erhöht. 2026 werden dadurch 5,8 Millionen Euro eingespart, ab 2027 jährlich 8,7 Millionen Euro.

Änderungen bei Kostenübernahme von Krankentransporten

Durch Änderungen bei den Krankentransporten werden 2026 15,7 Millionen und ab 2027 jährlich 23,6 Millionen Euro eingespart. Krankentransporte werden nur mehr dann von der ÖGK bezahlt, wenn eine ärztliche Transportanweisung über die Gehunfähigkeit der Patientin bzw. des Patienten vorliegt.

Gestrichen wurde zudem die Kostenübernahme für Krankentransporte von einer Krankenanstalt in die nächste geeignete. Übernehmen sollen das die Träger der Krankenanstalten. Bereits am 1. März wurde der Familienzuschlag zum Krankengeld ab dem 43. Krankenstandstag gestrichen.

Grüne: „Keine solidarische Gesundheitspolitik“

Keine Zahlen lieferte das Ministerium zu Verschärfungen bei der Kostenübernahme von Kieferregulierungen – hier wurden zwei Diagnosen aus dem Leistungskatalog entfernt –, sowie zu einer weiteren verpflichtenden Begutachtung beim verlängerten Krankengeldbezug. Zahlen zu der Anzahl der von bestimmten Kürzungen Betroffenen wurden in der Anfragebeantwortung nicht genannt.

„Die zuständige Ministerin nickt offenkundig Kürzungen ab, ohne zu wissen oder wissen zu wollen, wie viele Menschen konkret betroffen sind. Das ist keine solidarische Gesundheitspolitik, sondern knallharte Kürzungspolitik auf dem Rücken der Versicherten“, sagte der grüne Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner, der die Anfrage gestellt hat.

Nach Abschluss des von der FPÖ erwirkten „kleinen Untersuchungsausschusses“ ist gestern der Abschlussbericht diskutiert worden. Der Unterausschuss des Rechnungshofausschusses habe keine Unregelmäßigkeiten festgestellt, so das Fazit von ÖVP, SPÖ und NEOS laut Parlamentskorrespondenz aus den Befragungen von Dutzenden Beschäftigten der Ressorts und aus den von den Ministerien übermittelten Unterlagen.

Auch die Grünen sahen keinen großen Skandal, ganz andere Schlüsse zog die FPÖ. In dem auch als „kleiner U-Ausschuss“ bezeichneten Unterausschuss des Rechnungshofausschusses wurden in den vergangenen vier Monaten auf Antrag der Freiheitlichen Zahlungen der öffentlichen Hand an Vereine, gemeinnützige GmbHs, Stiftungen und ähnliche Organisationen unter die Lupe genommen.

Koalition: „Professionelles Vergabeverfahren“

Der Abschlussbericht wurde nun mit den Stimmen der Koalitionsparteien angenommen, in der Debatte gingen erneut die Meinungen über die Ergebnisse auseinander.

Es sei zu keiner missbräuchlichen Verwendung von Fördergeldern gekommen, es gebe „ein professionelles Vergabeverfahren und Kontrollprozesse“, urteilten die Koalitionsparteien. Verbesserungsbedarf sahen sie aber durchaus und verwiesen auf die eingesetzte Fördertaskforce.

FPÖ sieht sich in ihrer Kritik bestätigt

Die FPÖ sah sich hingegen in ihrer Kritik bestätigt. Es gebe „ein sehr intransparentes System von Geldflüssen“ an Vereine und NGOs, so die freiheitliche Abgeordnete Ricarda Berger. Nach wie vor fehle „ein Gesamtbild“, wie viel Geld wofür ausgegeben werde.

Kritisiert wurde von den Freiheitlichen zudem, dass die bereitgestellten Unterlagen teilweise „unbrauchbar“ gewesen seien und kein Minister oder Ministerin in den Ausschuss gekommen sei.

Grüne: FPÖ will NGOs „unter Generalverdacht stellen“

Letzteres kritisierten auch die Grünen, aber sonst sei man „weit weg von einer Smoking Gun oder einem großen Skandal“, stellte der grüne Mandatar Lukas Hammer klar.

Der FPÖ sei es mit dem Prüfverlangen darum gegangen, gezielt Misstrauen gegen die organisierte Zivilgesellschaft und NGOs zu schüren und diese „unter Generalverdacht zu stellen“, kritisierte er. Auch bezweifelte er, dass mit der Streichung einzelner Förderungen an NGOs wie ZARA das Budget saniert werden könne.

Ukraine-Krieg

Bei russischen Angriffen auf die Ukraine sind gestern landesweit mehr als 20 Menschen getötet worden. Allein in den frontnahen Städten Kramatorsk und Saporischschja starben nach Behördenangaben mindestens 17 Menschen.

In Kramatorsk war Präsident Wolodymyr Selenskyj zufolge mit einer noch größeren Opferzahl zu rechnen, der russische Angriff habe „mitten auf das Stadtzentrum“ gezielt. Der Angriff sei mit „drei hochexplosiven Bomben“, erfolgt, schrieb Gouverneur Wadim Filaschkin auf Telegram.

Brennende Fahrzeuge in Kramatorsk in der Region Donetsk
Reuters/Ukrainian Armed Forces

Auch aus anderen Teilen der Ukraine wurden Tote und Verletzte bei neuen russischen Angriffen gemeldet. In der zentralukrainischen Region Poltawa wurden laut örtlichen Behörden vier Menschen getötet, in der Region Charkiw wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Mensch getötet.

Mehrere Tote bei Angriff auf Dnipro

Am Abend kam ein weiterer russischer Angriff auf die ukrainische Industriestadt Dnipro hinzu, bei dem nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj mindestens vier Menschen getötet wurden. Die regionale Staatsanwaltschaft sprach von einem Beschuss mit Raketen.

Kiewer Waffenruhe in Kraft

Mittlerweile ist die von Kiew ausgerufene Waffenruhe in Kraft getreten. Unklar war zunächst, ob und wie sie die Kampfhandlungen beeinflusst. Die von Russland angekündigte Waffenruhe beginnt erst zwei Tage später.

Selenskyj warf Russland „Zynismus“ vor

Selenskyj hatte Russland zuvor „Zynismus“ vorgeworfen, weil der Kreml trotz einer angekündigten Waffenruhe rund um die Siegesparade am 9. Mai in Moskau „weiter Raketen- und Drohnenangriffe ausführt“. Russland könne schon jetzt das Feuer einstellen – „und das würde den Krieg und unsere Reaktionen beenden“, so Selenskyj. Moskau und Kiew hatten am Vortag einseitige Feuerpausen zu unterschiedlichen Daten angekündigt.

Russische Behörden melden zwei Todesopfer

Das russische Verteidigungsministerium gab derweil bekannt, in der Nacht mehr als 300 ukrainische Drohnen registriert zu haben. Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die russische Region Tschuwaschien wurden laut Behördenangaben zwei Menschen getötet und 32 verletzt.

Die Ukraine griff nach eigenen Angaben auch die russische Ölraffinerie in Kirischi in der Region Leningrad an. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete, die Anlage habe nach dem Angriff den Betrieb eingestellt. Eine Stellungnahme der Betreibergesellschaft liegt bisher nicht vor.

Ausland

Tausende Menschen sind gestern in Tschechien auf die Straße gegangen, um angesichts geplanter Kürzungen ihre Solidarität mit den öffentlichen Radio- und Fernsehsendern zu bekunden. Sie hielten Spruchbänder mit Slogans wie „Hände weg von den Medien“ und „Unabhängigkeit hat ihren Preis“ hoch. Zur Kundgebung im Zentrum von Prag hatte die Bewegung „Eine Million Augenblicke für Demokratie“ aufgerufen. Über 175.000 Menschen unterzeichneten zudem eine Onlinepetition, so die Veranstalterinnen und Veranstalter.

Tausende Demonstranten in Prag
AP/Petr David Josek

Regierung plant Finanzierung aus Budget

Die rechtspopulistische Regierung in Tschechien unter dem Ministerpräsidenten und Milliardär Andrej Babis will die bisherigen Radio- und Fernsehgebühren abschaffen.

Ab 2027 sollen die Sendeanstalten direkt aus dem Haushalt finanziert werden. Kritiker und Kritikerinnen sehen darin eine Gefahr für ihre Unabhängigkeit von politischer Einflussnahme. Sie warnen vor einer „Verstaatlichung“ der öffentlichen-rechtlichen Medien.

Das Tschechische Fernsehen (CT) und der Tschechische Rundfunk (CR) sollen nach den Plänen jährlich umgerechnet rund 320 Millionen Euro erhalten. Das sind rund 15 Prozent weniger als Rundfunk und Fernsehen in diesem Jahr an Gebührengeldern zufließen.

Seit Mitte Dezember regiert in Tschechien eine Koalition aus der rechtspopulistischen Partei ANO von Babis, der ultra-rechten Freiheit und direkte Demokratie (SPD) sowie der Autofahrerpartei Motoristen.

Die im Iran inhaftierte Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi schwebt nach Angaben ihrer Anwältin zwischen Leben und Tod. „Wir hatten nie so viel Angst um ihr Leben wie jetzt, sie kann jeden Moment sterben“, sagte ihre Anwältin Chirinne Ardakani gestern in Paris.

Die 54-jährige Aktivistin war am Freitag aus dem Gefängnis in ein Krankenhaus in Sanjan im Nordwesten des Landes gebracht worden.

Das Nobelpreiskomitee in Oslo hatte vergeblich gefordert, Mohammadi „umgehend in die Obhut ihres eigenen Ärzteteams in Teheran zu überstellen“. Mohammadis Familie ist besorgt, dass sie zu spät ins Spital gebracht wurde. Sie habe zuvor zweimal das Bewusstsein verloren und ernsthafte Herzprobleme, hatte die Familie erklärt.

Die Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi
APA/AFP/Narges Mohammadi Foundation (Archiv)

Mohammadi war in den vergangenen 25 Jahren wegen ihres Einsatzes gegen den Kopftuchzwang und die Todesstrafe im Iran wiederholt vor Gericht gestellt und inhaftiert worden. Sie verbrachte einen Großteil der vergangenen zehn Jahre im Gefängnis. Ihre beiden in Paris lebenden, erwachsenen Kinder hat sie seit 2015 nicht mehr gesehen.

Krieg in Nahost

US-Präsident Donald Trump hat eine Aussetzung des US-Militäreinsatzes zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus bekanntgegeben. Das „Projekt Freiheit“ werde „für eine kurze Zeit pausiert, um zu sehen, ob das Abkommen finalisiert und unterzeichnet werden kann oder nicht“, erklärte Trump mit Blick auf ein mögliches Friedensabkommen mit dem Iran am Dienstag (Ortszeit) in seinem Onlinedienst Truth Social. Die US-Armee hatte den Einsatz erst am Montag begonnen.

Ziel des Einsatzes war es Trump zufolge, wegen der iranischen Blockade festsitzende Schiffe aus der für den Öl- und Gashandel immens wichtigen Meerenge hinaus zu „geleiten“. Die US-Armee erklärte am ersten Einsatztag, dass mindestens sechs iranische Kleinboote angegriffen und zahlreiche Drohnen und Raketenangriffe abgewehrt worden seien, was Teheran dementierte. Iranische Medien hatten zuvor Raketenangriffe auf ein US-Militärschiff sowie Warnschüsse in der Nähe von US-Zerstörern gemeldet – was wiederum Washington zurückwies.

Die für den weltweiten Handel mit Rohöl und Flüssiggas immens wichtige Straße von Hormus war zu Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar von den iranischen Streitkräften weitgehend gesperrt worden. In der Folge waren die Energiepreise weltweit in die Höhe geschossen. Derzeit gilt in der Region eine Waffenruhe – die durch den sich wieder verschärfenden Konflikt um die Straße von Hormus bedroht ist.

Der israelische Außenminister Gideon Saar hat gestern betont, der Militäreinsatz im Libanon sei befristet angelegt. „Israel hat keine territorialen Ambitionen im Libanon“, sagte Saar bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem deutschen Außenminister Johann Wadephul in Berlin.

Einziges Ziel der militärischen Präsenz sei der Schutz der Bevölkerung Israels. Daher sei es erforderlich, die radikalislamische Hisbollah zu zerschlagen.

Wadephul: Libanon darf nicht Kriegsschauplatz werden

Wadephul warnte Israel davor, den Konflikt mit der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz auf Kosten der Zivilbevölkerung im Libanon auszutragen. Der Libanon dürfe „nicht zu einem Kriegsschauplatz werden“, forderte Wadephul. Es dürfe nicht sein, dass die junge Generation in Israels Nachbarland „in Ruinen ihrer Elternhäuser“ aufwachse, so Wadephul. „Da wird auch Israels Nachbarschaft nicht sicherer.“

Er verurteilte zugleich die Angriffe der Hisbollah auf Israel „auf das Schärfste“ und forderte die libanesische Regierung, die selbst keine Partei in dem Konflikt ist, dazu auf, entschieden gegen die Miliz vorzugehen.

Für Vereinbarung zum Schutz der Zivilbevölkerung

„Es ist unsere Überzeugung, dass der Schlüssel zu einer Stabilisierung des Libanon in einer Stärkung des libanesischen Staates liegt.“ Nur so könne dieser sein Gewaltmonopol auch wirklich ausfüllen.

Es brauche eine Vereinbarung zum Schutz der Zivilbevölkerung in beiden Staaten, sagte Wadephul weiter. „Die ersten libanesisch-israelischen Direktgespräche seit Jahrzehnten geben Grund zur Hoffnung“, betonte er.

EU

Österreich darf energieintensiven Unternehmen Förderungen für höhere Strompreise auszahlen, die diese wegen Emissionskosten im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems (ETS) haben.

Die Europäische Kommission genehmigte gestern im Rahmen der EU-Beihilfevorschriften entsprechende österreichische und spanische Regelungen. Ziel ist es, Unternehmensverlagerungen in Länder außerhalb der EU mit weniger ambitionierter Klimapolitik zu verringern.

In besonders energieintensiven Branchen

Für Österreich hat die Kommission ein Förderprogramm mit einem Budget von bis zu 900 Millionen Euro genehmigt. Dieses Programm steht Unternehmen in besonders energieintensiven und international ausgerichteten Branchen offen, wie der Eisen-, Stahl- oder Aluminiumindustrie, der Papierindustrie und der chemischen Industrie.

Die Förderung übernimmt bis zu 75 Prozent der im Vorjahr angefallenen indirekten Emissionskosten. Die Höhe der Förderung wird anhand von Energieeffizienz-Benchmarks berechnet, die die Begünstigten zum Energiesparen anregen sollen.

IV fordert rasche Umsetzung

Die Industriellenvereinigung (IV) begrüßte die Genehmigung der Förderungen. Wichtig sei nun, dass die genehmigten Beträge auch zur Gänze unbürokratisch fließen, so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer in einer Aussendung. Zugleich fordert er als „nächsten dringenden Schritt“ die Einführung eines Industriestrompreises.

Medien

Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt gegen die „Kurier“-Journalisten Kid Möchel und Dominik Schreiber, zuvor war eine anonyme Anzeige bei der Direktion Staatsschutz- und Nachrichtendienst (DSN) eingegangen. Das berichtete die Zeitung am Montag selbst. Anlass seien Artikel der beiden Redakteure über mutmaßliche Missstände der im Verkehrsministerium angesiedelten Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes (SUB).

Konkret gehe es um Artikel über den „Hagelflug“ der AUA sowie über die Notlandung einer Swiss-Maschine in Graz, bei der ein Flugbegleiter zu Tode kam. In beiden Fällen hätten Insider und externe Beobachter im „Kurier“ die Arbeitsweise der SUB hinterfragt. Ermittelt wird nun wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch und Verletzung des Amtsgeheimnisses bei der SUB.

Vorwürfe laut Zeitung „bizarr“

Laut „Kurier“ sind die beiden Journalisten verdächtig, als Anstifter bzw. Gehilfen die amtliche Geheimhaltungspflicht verletzt zu haben. Der Verdacht der Justiz sei, dass Möchel und Schreiber ihr Insiderwissen direkt aus der Behörde hätten, von einem Mitarbeiter der SUB, der nun als Beschuldigter geführt wird.

Die anonyme Sachverhaltsdarstellung sei zudem in vielerlei Hinsicht bizarr, so der „Kurier“. Den beiden Journalisten würde darin vorgeworfen, als Teil eines „staatsschädigenden Netzwerks“ die öffentliche Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität der Republik zu gefährden. Es solle außerdem geprüft werden, ob sie „terroristische Straftaten“ begangen hätten, zitierte die Zeitung.

Verdächtig, nicht beschuldigt

Nina Bussek, Sprecherin der Staatsanwaltsanwaltschaft, wehrte sich gegenüber dem „Standard“ gegen Vorwürfe, die Behörde kriminalisiere die beiden Journalisten. „Wir müssen Sachverhalten, die angezeigt, werden, nachgehen und sie aufklären“, so Bussek. Die Staatsanwaltschaft Wien ermittle weder wegen des Verdachts einer kriminellen Organisation noch des Terrorismus.

Die beiden Journalisten würden als „Verdächtige, nicht als Beschuldigte“ geführt, so Bussek gestern zur APA. Es bestehe ein Anfangsverdacht, der aber „noch nicht so konkret und intensiv“ wie bei einem Beschuldigten sei.

Gewerkschaft alarmiert

Die Journalist:innengewerkschaft in der GPA aber warnte „vor einem gefährlichen Signal für den Aufdeckerjournalismus in Österreich“. Wer Missstände recherchiere, „wer Behördenhandeln kritisch hinterfragt und wer im öffentlichen Interesse berichtet, darf nicht selbst zum Verdächtigen gemacht werden“, so die Vorsitzende Ute Groß, die einen „Angriff auf die Kontrollfunktion freier Medien“ sah. Sie kritisierte zudem die weiterhin offene Umsetzung der Anti-SLAPP-Richtlinie der EU, die sich gegen Einschüchterungsklagen stelle. Die Frist für die Umsetzung laufe am Donnerstag ab, doch Österreich sei säumig, so die Gewerkschaft gegenüber ORF.at.

Chronik

Nach der „Amokfahrt“ in der Leipziger Innenstadt hat das Amtsgericht gestern angeordnet, den Lenker vorerst in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen. Dem 33-jährigen Deutschen werden zweifacher Mord sowie versuchter Mord in vier Fällen vorgeworfen, wie die Staatsanwaltschaft Leipzig weiter mitteilte.

Es gebe nach bisherigen Ermittlungen dringende Gründe dafür, dass der Beschuldigte die Tat „im Zustand der zumindest erheblich verminderten Schuldfähigkeit“ begangen habe, hieß es in der Mitteilung.

Für öffentliche Sicherheit erforderlich

Dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgend habe das Amtsgericht seine einstweilige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus als für die öffentliche Sicherheit erforderlich angesehen.

Nach bisherigen Erkenntnissen sei es wahrscheinlich, „dass der Beschuldigte aufgrund seines Zustandes weitere erhebliche rechtswidrige Taten vergleichbarer Schwere begehen wird“.

Durch die „Amokfahrt“ starben zwei Menschen – eine 63-jährige Frau und ein 77-jähriger Mann. Zwei Personen wurden schwer verletzt.

Mann vor wenigen Tagen noch in psychiatrischer Klinik

Den Ermittlern zufolge wohnt der 33 Jahre alte Fahrer in der Region Leipzig und war wenige Tage zuvor in stationärer Behandlung in einer psychiatrischen Einrichtung. Wie das Sozialministerium in Dresden bestätigte, hatte er sich auf eigenen Wunsch freiwillig in der Klinik aufgehalten und war Ende April entlassen worden.

Er war auch schon polizeilich aufgefallen, unter anderem wegen Bedrohung und ehrverletzender Delikte im sozialen Umfeld. Dabei handelt es sich um Vorfälle ohne körperliche Gewalt, etwa Beleidigungen oder Herabwürdigungen.

Zu den Hintergründen der Tat gibt es weiterhin keine gesicherten Erkenntnisse. Hinweise auf ein politisches oder religiöses Motiv liegen nach Angaben der Ermittler nicht vor.

IT

Tech-Milliardär Elon Musk wollte laut einer Aussage vor Gericht mit OpenAI die Besiedlung des Mars finanzieren. Der Präsident des KI-Start-ups, Greg Brockman, sagte dazu gestern im Zeugenstand im Prozess zwischen seiner Firma und dem Gründer von Tesla und SpaceX aus.

Bei einem Treffen im Jahr 2017 habe Musk die Führung von OpenAI beansprucht und argumentiert, er benötige 80 Milliarden Dollar (68,38 Mrd. Euro) für den Aufbau einer Stadt auf dem Mars, sagte Brockman. Als es bei dem Treffen zu Unstimmigkeiten über die Eigentümerstruktur gekommen sei, sei Musk wütend geworden. Er habe ein Gemälde an sich genommen, das ihm als Dankeschön überreicht werden sollte, und sei davongestürmt.

Aussage im Prozess Musk gegen OpenAI

Musk hatte OpenAI mitgegründet. Er wirft Firmenchef Sam Altman vor, ihn um 38 Millionen Dollar betrogen zu haben. Das Unternehmen habe seine ursprünglichen gemeinnützigen Ziele aufgegeben, damit dieser sich selbst bereichern könne. Musk fordert deswegen in dem Verfahren auch 150 Milliarden Dollar Schadenersatz.

Aus seiner Sicht sei aus dem Start-up inzwischen ein gewinnorientierter Betrieb geworden. Ziel seiner Klage ist auch die Absetzung von Altman und Brockman. OpenAI erklärte dagegen, Musk sei verbittert, weil er den Verwaltungsrat vor den großen Erfolgen des Unternehmens verlassen habe. Er wolle nun die Kontrolle erlangen und sein eigenes KI-Unternehmen xAI stärken.

OpenAI hatte sich 2019 umstrukturiert, um Geld von externen Investoren annehmen zu können. Seitdem hat das Unternehmen über 100 Milliarden Dollar eingesammelt und steuert in diesem Jahr auf einen möglichen Börsengang mit einer Bewertung von einer Billion Dollar zu.

Kultur

Country-Legende Dolly Parton hat eine Reihe von Konzerten in Las Vegas abgesagt und damit für neue Spekulationen über ihren Gesundheitszustand gesorgt.

Ihre Behandlung wegen einer nicht näher genannten Erkrankung gehe zwar „wirklich gut“, sagte die 80-Jährige in einem gestern (Ortszeit) veröffentlichten Video. „Es wird aber noch eine Weile dauern, bis ich wieder fit genug für große Bühnenauftritte bin.“

US-Country-Legende Dolly Parton
AP/Charlie Riedel (Archivbild)

Ihre Medikamente machten sie „benommen“, schilderte Parton. Solange das so sei, könne sie nicht „mit Banjos, Gitarren und dergleichen auf zwölf Zentimeter hohen Absätzen auftreten“ – „ganz zu schweigen von all diesen schweren Strass-Outfits, meinen wilden Haaren und meiner großen Persönlichkeit“, scherzte sie.

Parton hatte die geplante Auftrittsserie in Las Vegas bereits im Oktober wegen Gesundheitsproblemen verschoben und dadurch bei ihren Fans große Besorgnis ausgelöst. Ein öffentlicher Aufruf ihrer Schwester, für die Sängerin zu beten, veranlasste Parton schließlich zur Veröffentlichung eines Videos mit dem Titel „Ich bin noch nicht tot!“