Tim Gertz’s review published on Letterboxd:
Hooptober Se7en
6 decades: 2010s
THE DEAD CENTER ist ein Schaf im Wolfsfell. Eigentlich geht das Sprichwort umgekehrt, allerdings passt es in dieser Form so schön. Wenn man die Durchschnittsbewertung außen vor lässt, könnte man meinen, dass man es hier mit einem Indie-Horrorfilm sondergleichen zu tun hat, allerdings entpuppt sich THE DEAD CENTER schnell als doch wesentlich konventioneller als gedacht und gehofft. Glücklicherweise ist das Bonusmaterial auf der Arrow-Blu-ray ziemlich aufschlussreich, insbesondere das Making-Of und der Booklet-Text. Dass das Drehbuch entstand, als Autorenfilmer Billy Senese den Selbstmord eines Freundes durch eine Überdosis verarbeitete, macht ihn ein gutes Stück persönlicher, was allerdings das Endresultat nur bedingt besser erscheinen lässt.
Die Darstellung mentaler Erkrankungen ist meines Empfindens nach ziemlich authentisch geraten, was gerade daran liegen mag, dass keine allzu erfahrenen Schauspieler die Rolle der Patienten in diesem Hospiz übernahmen. Allgemein ist die Metapher der übernatürlichen Aspekte des Films für die Abwärtsspirale, die mental Erkrankte und ihre Angehörigen heimsucht, sehr gelungen und effektiv. Was ein wenig schade ist, ist die Tatsache, dass die Verknüpfung der zwei Handlungsstränge am Ende eher enttäuschend und nicht sonderlich effektiv ist. Leider baut der Film auch zu oft auf Schockmomente durch laute Geräusche, was nicht heißen soll, dass es keine gut und spannend inszenierte Szenen gibt. Gerade die Dialoge zwischen Daniel und Sarah sind wirklich stark geschrieben und alle Figuren bringen eine gewisse Präsenz mit sich. Daniel ist hier zweifelsohne der charismatischste Charakter, mit dem wir auch dann mitfiebern, wenn wir es, ganz objektiv und realistisch betrachtet, keinesfalls mehr sollten. Schauspielerisch ist Shane Carruth entsprechend das Highlight, aber der ganze Cast liefert mindestens solide Leistungen und Billy Feehely sei ebenfalls positiv erwähnt.
Abseits der Tatsache, dass der Film zu oft auf auditive Schockmomente setzt, ist das Sounddesign, vor allem in Kombination mit dem Score, sehr gelungen und stimmig. Auch die Kamera ist wirklich gut und bringt einige sehr starke Bilder hervor, die neben den meisten anderen, eher durchschnittlichen, Shots mehr als erfrischend wirken.
THE DEAD CENTER ist ziemlich gut und mit etwas Hintergrundwissen holt der Film auch noch ein paar Symphathie-Punkte, der große Wurf ist Billy Senese allerdings leider nicht gelungen, dafür ist der Film die meiste Zeit über schlichtweg zu konventionell und vorhersehbar. Daran ändert auch die explizite Gewaltdarstellung mitsamt tollen praktischen Effekten nicht allzuviel. Wer allerdings wie meine Wenigkeit auf Horrorfilme steht, der bekommt einen mindestens leicht überdurchschnittlich guten dieser Art geliefert, zu dem es auch noch einige tolle Extras gibt.
6.5/10
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