Inhalt
- Feedback transparent machen: Unser Analysetool
- Politische Bedeutung und Wertebasis
- Die aktuelle Lage und Herausforderungen
- Drei technische Grundlagen
- Governance, Beteiligung und föderale Verantwortung
- Open Source als Motor für Vertrauen
- Blick nach vorn – Was wir jetzt brauchen
- Aktiv Werden
„Noch ein Stack?“, mag mancher denken. Ja, aber diesmal geht’s ums Ganze. Der Deutschland-Stack soll die technische Grundlage für die digitale Verwaltung von Bund, Ländern und Kommunen schaffen. Eine gemeinsame Basis für Register, Kommunikation, Zahlungen, Identitäten; kurz: Das Rückgrat eines modernen digitalen Staates.
Klingt gut, oder? Nur leider steht die Verwaltungsdigitalisierung hierzulande noch allzu oft auf Sand: Zu viele inkompatible Systeme, föderale Brüche, teure Insellösungen und ein Übermaß an PowerPoint statt Plattform. Deshalb engagiert sich D64 – Zentrum für Digitalen Fortschritt: Wir wollen digitale Infrastruktur im öffentlichen Interesse gestalten: Offen, nachvollziehbar und mit echter Beteiligung.
Feedback transparent machen: Unser Analysetool zum Deutschland-Stack
Dass Beteiligung bereits stattfindet, ist ein wichtiges Signal: Im November 2025 endete die erste Konsultationsphase zum Deutschland-Stack. Mit knapp 500 eingereichten Feedback-Beiträgen ist das Interesse groß, die Auswertung für Einzelne jedoch kaum zu bewältigen. Um hier Abhilfe zu schaffen, haben D64-Mitglieder eine Analyse-Web-App entwickelt. Das Tool ist kostenfrei verfügbar und ermöglicht es, das Feedback komfortabel zu filtern, Stimmungen zu erfassen und Themen nachzuvollziehen. Wir finden: Öffentliche Infrastruktur braucht genau diese Art von Transparenz, damit der Prozess nicht hinter verschlossenen Türen verharrt.
Politische Bedeutung und Wertebasis
Digitale Souveränität ist kein Buzzword. Sie bedeutet, dass der Staat Kontrolle über seine digitale Infrastruktur behält, unabhängig von einzelnen Anbietern bleibt und nachvollziehbar entscheidet, wie Daten, Prozesse und Software gestaltet werden. Wir teilen das Grundprinzip „Public Money – Public Code“. Was mit öffentlichen Mitteln finanziert wird, soll auch öffentlich zugänglich, nachnutzbar und überprüfbar sein. D64 steht für eine Digitalpolitik, die Offenheit, Teilhabe, Innovationsförderung und Nachhaltigkeit ins Zentrum stellt und sich nicht hinter Schlagworten versteckt. Gleichzeitig ist klar: Deutschland baut diesen Stack nicht im luftleeren Raum. Europäische Initiativen wie die EUDI-Wallet, die Digital Public Infrastructure Frameworks oder Projekte wie GovStack zeigen, dass offene, interoperable Architekturen längst grenzüberschreitend gedacht werden. Governance, Sicherheit und Interoperabilität müssen daher von Beginn an europäisch anschlussfähig konzipiert werden; nicht als nationale Sonderlösung, sondern als Beitrag zu einem souveränen, vernetzten Europa.
Die aktuelle Lage und Herausforderungen
Das Bundes-Digitalministerium hat mit dem Deutschland-Stack ein ambitioniertes Projekt auf den Weg gebracht – und gleichzeitig viele Fragezeichen produziert. Wer betreibt, finanziert und verantwortet den Stack? Wie wird er föderal gesteuert? Und was genau ist eigentlich drin? Die größten Risiken: ein technokratisches Mammutprojekt ohne klare Governance, ohne Transparenz und ohne Vertrauen. Was als offenes Fundament gedacht ist, darf nicht zu einem zentralistischen Monolithen werden, der alte Probleme in neuer Verpackung wiederholt.
Der Deutschland-Stack ist ein vielversprechendes Projekt, aber nicht der erste Versuch, den großen Wurf bei der Digitalisierung des Staates zu landen. Um die Versäumnisse vergangener Initiativen dieser Art nicht zu wiederholen, sollten wir aus ihnen lernen. Das bedeutet in erster Linie ein schlüssiges Gesamtkonzept zur Vorgehensweise und Aufgabenteilung, das auf realistischen Annahmen zu den Fähigkeiten und Interessen der beteiligten Akteure fußt. Der Deutschland-Stack ist mit der Vision angetreten, die Grundlage für eine erfolgreiche Digitalisierung herzustellen und Synergien zu nutzen.
Das geht nur, wenn das bestehende Ökosystem von digitalen Lösungen in der öffentlichen Verwaltung integriert wird. Deshalb gilt es, die bereits im Betrieb befindlichen Komponenten oder noch in der Entwicklung steckenden IT-Großprojekte und –Strategien zu überprüfen. Es muss darüber entschieden werden, inwiefern sie in den Deutschland-Stack integriert werden sollen, ob sie daran angepasst werden müssen oder ob man diese womöglich einstellen sollte.
Drei technische Grundlagen
Für erfolgreiche Verwaltungsdigitalisierung werden insbesondere drei Basiskomponenten benötigt, auf die fast alle Dienste aufbauen: Identitätsmanagement, Kommunikation und Zahlungen. Fast alle anderen Dienste bauen darauf auf.
- Identitätsmanagement: Nur wenn Bürger:innen, Behördenmitarbeitende, Unternehmen und andere sich authentifizieren (identifizieren) können, ist der Zugriff (Autorisierung) auf bestimmte Inhalte und Vorgänge möglich. Dazu sind sichere Signaturen notwendig. Die Einbettung in bestehende Projekte (EUID-Wallet, BundID, u.a.) ist sicherzustellen.
- Kommunikation: Digitale Identitäten ermöglichen vertrauenswürdige Kommunikation. Diese Grundlage wird für fast alle Vorgänge benötigt, vom Austausch von Dokumenten bis zu Fragen von/an die Verwaltung.
- Zahlung: Viele Verwaltungsvorgänge bedürfen einer Zahlung. Deswegen wird eine Zahlungskomponente benötigt, die verschiedene Zahlungsmethoden unterstützt.
Diese drei Komponenten dienen als Grundlage für viele weitere Anwendungen des Deutschland-Stack und müssen mit hoher Priorität entwickelt werden. Alle Dienste sind sicher und interoperabel über offene Schnittstellen (APIs) zu bauen.
Governance, Beteiligung und föderale Verantwortung
Ein souveräner Stack braucht föderale Mitgestaltung, nicht nur föderale Nutzung. Bund, Länder und Kommunen müssen gleichberechtigt eingebunden sein, ebenso wie kommunale Rechenzentren, Open-Source-Communities und die Fachöffentlichkeit. Wir fordern: offene Roadmaps, dokumentierte Entscheidungen und echte Mitwirkungskanäle, von Git-Issues bis zu Beteiligungsforen. Beteiligung darf kein PR-Instrument bleiben, sondern muss integraler Teil der Entwicklung werden. Dabei sollte auch die europäische Governance-Perspektive mitgedacht werden: Wo entstehen Synergien mit EU-Standards, wo bestehen Abhängigkeiten bei Ressourcen, Zertifizierungen oder Beschaffungsmodellen? Der Stack kann hier als Brücke wirken zwischen nationaler Verwaltungsmodernisierung und europäischer digitaler Integration.
Open Source als Motor für Vertrauen und Innovation
Offene Lizenzen sind kein Idealismus, sondern gute Verwaltungspraxis. Open Source sorgt für Sicherheit, Nachvollziehbarkeit und Wiederverwendung. Andere Länder zeigen längst, wie das geht: Estland mit X-Road, Dänemark mit DKAN, die UN mit GovStack. Ein öffentlich entwickelter Stack stärkt nicht nur die Verwaltung, sondern auch die heimische Entwicklerlandschaft und schafft Raum für Innovationen, die nicht im Ministerium enden, sondern im Alltag der Bürger:innen ankommen.
Blick nach vorn – Was wir jetzt brauchen
Damit der Deutschland-Stack gelingt, braucht es mehr als Code:
- Förderlogiken, die Offenheit und Nachnutzung belohnen.
- Messbare Indikatoren für Fortschritt, z.B. Open-Source-Anteil, Nachnutzungsquoten, Beteiligungsgrad.
- Politischen Mut, zentrale Entscheidungen offen und nachvollziehbar zu treffen.
- Europäische Anschlussfähigkeit, um gemeinsame Ressourcen, Standards und Sicherheitsarchitekturen sinnvoll zu nutzen.
Aktiv Werden
Werde aktiv: Gestalte den Stack mit! Der Deutschland-Stack braucht kritische Begleitung aus der Zivilgesellschaft. Bei D64 arbeitet eine eigene Gruppe innerhalb der AG Digitale Verwaltung intensiv am Thema Deutschland-Stack. Wir freuen uns über alle Interessierten, die ihre Expertise einbringen und mit uns für eine offene digitale Infrastruktur kämpfen wollen. Melde dich einfach bei uns oder schau als Mitglied im D64-Vereinsheim vorbei.
Du kannst auch direkt an der zweiten Konsultationsrunde zum Deutschland-Stack teilnehmen: Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) hat am 16. Januar 2026 die zweite Beteiligungsphase gestartet. Bis zum 15. Februar 2026 können Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft direktes Feedback zu den überarbeiteten Technologiefeldern und Standards geben. Nutze die Chance, um kritische Themen wie Open-Source-Verbindlichkeit und europäische Interoperabilität einzufordern.
Fazit
Der Deutschland-Stack kann zum Rückgrat einer modernen, souveränen und demokratischen Verwaltung werden, wenn er als Gemeinschaftsprojekt verstanden wird. D64 begleitet diesen Prozess kritisch und konstruktiv. Wir sehen große Chancen, aber auch klare Aufgaben: Offenheit darf kein Randthema sein, sondern muss zur Grundlage jeder Codezeile werden. Oder kurz gesagt: Wenn der Deutschland-Stack hält, was sein Name verspricht, kann daraus mehr entstehen als nur ein weiterer IT-Baukasten – nämlich das Fundament einer digitalen Verwaltung im Dienste des Gemeinwohls und Europas.