Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

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Frostfreuden aller Art

Am Sonnabend war schönstes Winterwetter: -17°C und Sonne. Leider war der kleine Herr Maus ein bisschen kränklich und musste der Ähämann ein bisschen arbeiten. Es war aber eine gute Gelegenheit, endlich mal den Wollteppich zu „waschen“. Auch die Wollklamotten durften ein Bad im Schnee nehmen, obwohl sich um die normalerweise Hannelore kümmert. Ich hätte auch gern noch den Gefrierschrank abgetaut, aber das macht der ja seit 14 Jahren selber. Stattdessen sass ich den Rest des Tages wie eine Katze in der Sonne am Fenster; zum ersten Mal seit zwei Monaten schien die Sonne wieder ins Wohnzimmer.

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So eine kroatische Pergola ist auch im Winter äusserst praktisch!

Am Sonntag war immer noch schönstes Winterwetter: -14°C und Sonne. Wir gingen ins Meer baden, während daneben Menschen auf dem Meer herumliefen. Auf dem Rückweg mussten wir bei Ikea vorbeifahren, weil uns die Kerzen für unsere zahlreichen Eislichter vor der Haustür – man muss sich das ungefähr so vorstellen – ausgegangen waren.

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Montagfrüh waren -22°C und klarer Himmel. Gestern auch. In Turku promeniert man jetzt nicht mehr am, sondern auf dem Fluss.

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Ereignisse, Schatten usw.

Gestern kam der Frack für den grossen Ball nächste Woche – Wie konnte das denn jetzt so schnell gehen?! – an.

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(Der Frack samt drölfzig Zubehörteilen – und einer digitalen Schritt-für-Schritt-Anleitung, in welcher Reihenfolge und auf welche Art sie anzulegen sind – sowie passenden Schuhen kommt glücklicherweise von einem Frackverleih der Uni – dort besteht ja öfter mal Bedarf, ich sag nur: „Mama hat Schuhe an!“ – und vorher wurde eine grosse Anprobe in der Schule abgehalten hat, damit alle Teile auch wirklich gut sitzen.)

Man lernt fürs Leben in der finnischen Schule. Sogar, wie man einen Frack trägt. ♥


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Ein Traum in Weiss

Den Fotos, die der Ähämann aus Oulu geschickt hat, kann man förmlich ansehen, wie kalt es war.

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Nämlich um die -20°C.

Nur dann hat der Himmel solche Farben. Nur dann ist alles dick mit Reif überzogen. Nur dann quellen aus grossen Industrieschornsteinen solche beeindruckenden Dampfwolken.

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Eine Papierfabrik.

Sogar der Ähämann, der eher ein Wintermuffel ist, fand es schön. Und ich seufzte einmal mehr, warum wir ausgerechnet in Turku gelandet sind, wo der Winter selten mal ein richtiger Winter ist.

(Andererseits ist es schon gut so, wie es ist. Ich meine, noch eine Nacht mehr, um „nach Europa“ zu gelangen?! Lieber nicht. Aber vielleicht ist es mal wieder an der Zeit für einen Urlaub in Lappland.)


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Schnurpst so schön

Die ganze letzte Woche waren früh zwischen -11 und -19°C.

Kein Grund, nicht mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren.

(Auch kein Grund, kein Kleid anzuziehen. Wolle, Daune und Kaufmanns Haut- und Kindercreme sind meine besten Freunde.)

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Jetzt macht das Winterradfahren ja überhaupt erstmal richtig Spass, denn es gibt keine in Matschschnee gefahrenen und anschliessend steinhart gefrorenen Spurrillen mehr, sondern einfach nur glattes Eis oder festgefahrenen Schnee, und dafür gibt’s Spikereifen.

Ausserdem sind die Temperaturen so niedrig, dass es keinen Sinn mehr macht, Salz auf die Radwege zu kippen.

Nämlich. Es gibt hier seit acht Jahren einen sogenannten Winterradweg im Stadtzentrum, der gesalzt wird. Das ist aus allen erdenklichen Gründen eine Unsitte und mehr Schaden als Nutzen. Vor allem macht es das Fahrrad kaputt – so oft kann man es gar nicht putzen, dass die Zahnkränze und die Kette und die Scheibenbremsen nicht angegriffen würden. Mit meinem alten Pe-u-ge-ot habe ich das zähneknirschend hingenommen, aber mein im Frühling geklautes, drei Wochen später wiedergefundenes und jetzt zu meinem neuen Winterfahrrad umfunktioniertes blaues geflügeltes Ross ist mir zu schade dafür. Ich habe mich deshalb sehr gefreut, als ich auf der Turkuer Radwegekarte gesehen habe, dass seit diesem Jahr nicht mehr alle Radwege im Zentrum gebürstet und gesalzt werden, sondern manche auch gebürstet und gestreut, und dass ich tatsächlich meinen Arbeitsweg mit kleinen Umwegen so planen kann, dass ich die gesalzten Radwegabschnitte komplett umgehen kann.

(Sonst wäre ich diesen Winter Bus gefahren. Echt jetzt. Ich kann nicht jeden zweiten Winter für 500 € die gesamte Schaltung ersetzen lassen.)

Also theoretisch. Praktisch waren nach den ersten nennenswerten Schneefällen auch die gebürsteten und gestreuten Radwege zusätzlich noch gesalzt. Ich tippte also eine etwas längere Nachricht in das Feedback-Formular der Stadt – das ist sehr genial: man kann da zum Beispiel melden, dass auf dem Spielplatz im Park Schrott rumliegt, und am nächsten Tag ist er weggeräumt – und bekam zur Antwort: „Danke für dein Feedback. Viele Grüsse, Destia.“ Ja, wie nun?! „Danke für dein Feedback, wir lassen das in Zukunft und weisen auch unsere Schneepflugfahrer entsprechend an“ oder „Danke für dein Feedback, aber wir salzen da trotzdem, weil es für uns einfacher ist / billiger ist / wir glauben, dass wir den Radfahrenden damit einen Gefallen tun“?! Ich schickte also genau diese Fragen nochmal durchs Feedbackformular und erhielt zur Antwort: „Prinzipiell salzen wir auf den gebürsteten und gestreuten Radwegen nicht, aber manchmal müssen wir den Sand mit Salz mischen, um den Sand aufzutauen.“ Man kann es sich nicht ausdenken.

Passenderweise schickte mir der Ähämann am Mittwochabend aus Oulu ein Foto von einem der tollen Ouluer Radwege. Sie haben da nicht nur auf den Schnee projizierte Verkehrszeichen, sondern kommen auch gänzlich ohne Salz und Sand aus. Ein Traum!

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Am Donnerstagfrüh riss mir übrigens der Bowdenzug der vorderen Schaltung, am Donnerstagabend fuhr ich nach der Arbeit schnell an der am Weg gelegenen Fahrradwerkstatt vorbei und bekam es direkt repariert, hat keine zehn Minuten gedauert. Das war schön. Ich solle demnächst mal die Bremsbacken der hinteren Scheibenbremse wechseln lassen, bekam ich noch gesagt. Apropos, sagte ich, die Federgabel funktioniert, seit das Rad drei Wochen bei Wind und Wetter in Regen und Staub draussen gestanden hat, auch nicht mehr so richtig, könntet ihr das dann bei der Gelegenheit vielleicht gleich mit angucken? Leider nein, Stossdämpferwartung machen sie gar nicht, wurde ich beschieden. Kam mir leider sehr bekannt vor. Ich bin hier auch schon mal von einer anderen Fahrradwerkstatt, als ich vor dem Heimweg im Dunkeln schnell mein kaputtes Vorderlicht reparieren lassen wollte, nach einem flüchtigen Blick auf mein Fahrrad mit den Worten „Nabendynamo mache ich nicht!“ wieder weggeschickt worden. Was fahre ich auch seit 25 Jahren mit so neumodischen Dingen an meinen Fahrrädern herum…!


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Grosse Liebe seit 2004

Der Ähämann fuhr diese Woche auf Dienstreise nach Oulu.

Ich war dezent neidisch.

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Als ich den Ähämann Dienstagabend zum Bahnhof brachte, gab er mir ein Gespräch wider, das er ein paar Stunden vorher mit seiner Turkuer Chefin geführt hatte, das aber durchaus exemplarisch zu verstehen ist:

„Nach Oulu? Das ist aber weit!“
„Ach, eigentlich nicht.“
„Da fliegst du aber, oder?“
„Nö, ich fahre Zug.“
„Zug?! Wie lange fährt der denn? Acht Stunden doch mindestens!“
„Nö, der Tagzug braucht nur sechs Stunden.“
„Das ist aber auch ewig*!“
„Eigentlich nicht. Und hinzu fahre ich sowieso Nachtzug**.“
„Nachtzug???!!!“

Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es sehr lustig.


* Fliegen würde von uns aus ebenfalls locker mindestens sechs Stunden dauern: zwei Stunden Zugfahrt nach Helsinki, eine halbe Stunde S-Bahn-Fahrt zum Flughafen, mindestens anderthalb Stunden für Einchecken, Sicherheitskontrolle und Boarding, 70 Minuten Flug, eine halbe Stunde Bustransfer vom Ouluer Flughafen in die Innenstadt, dazu Umsteigezeiten und Puffer.

** Die Finnische Bahn hat die modernsten, komfortabelsten, preiswertesten sowie am häufigsten und mit größter Kapazität verkehrenden Nachtzüge, mit denen wir jemals gefahren sind. Wo soll man den Nachtzug dem Fliegen vorziehen, wenn nicht hier?!


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Spass auf langen Kufen

Dieser Winter ist, wie er ist.

(Immerhin ist es, im Gegensatz zum letzten, überhaupt ein Winter!)

Die ersten zehn Tage des neuen Jahres herrschte perfektes Winterwetter: es lagen 15 cm Schnee, und es war eisig kalt und sonnig. Dann, typisch Turku, kletterten die Temperaturen für vier Tage über Null, bevor es wieder zweistellig frostig wurde – mit dem Ergebnis, das sich die ehemaligen 15 cm Schnee in eine dicke Eiskruste verwandelt haben, auf der drei zarte Zentimeter Neuschnee liegen.

Skifahren fällt derzeit also eher aus. Dafür sind jetzt allmählich alle Seen zugefroren, was auch nicht schlecht ist.

Am Sonntag waren wir zum Beispiel nach fünf Jahren mal wieder auf dem, wie wir ihn nennen, „Tretschlittensee“.

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Auf dem See ist nämlich nicht nur eine 8 km lange Eisbahn für Schlittschuhlaufende freigeschippt, sondern es gibt auch mehr als 100 Tretschlitten zum (kostenlosen) Ausleihen. Sie stehen an zwei verschiedenen Punkten am Ufer, man sucht sich einen in der passenden Grösse und einer gefälligen Farbe aus, saust eine oder mehrere Runden auf dem See und stellt ihn dann zurück. Finnischer wird’s nicht.

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viisisataakaksikymmentäkahdeksan

Samstag ist Badetag.

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Heute so kalt – Luft -10°C, Wasser -1°C – dass zwischen den Saunagängen nicht nur die Wassertropfen aussen an der Thermosflasche, sondern auch Wimpern und Haarspitzen gefroren.

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Dafür war es um vier, als wir dort ankamen, noch hell. (Das war vor einer Woche (!) noch anders, und immer noch haut es mich jedes Jahr um, wie schnell das hier geht!)

Im Übrigen haben wir wohl eine neue Lieblingssauna gefunden. Der Weg dahin ist zwar ein bisschen weiter, und zwischendurch ist die kleine Sauna mit den kurzen Öffnungszeiten so voll, dass die Leute nicht nur Pops an Pops sitzen, sondern sogar kurzzeitig dicht gedrängt darin stehen, aber sie besticht vor allem durch die völlige Abwesenheit von blödem „Ich bin ein toller Hecht und werfe deswegen so viel Wasser auf den Ofen, dass ich damit nicht nur alle anderen aus der Sauna vertreibe, sondern es selbst nicht aushalte“-Gebaren, das sich leider überall sonst in den letzten Jahren rasant verbreitet hat. Und naja, ein etwas weiterer Weg hat ja auch seine Vorteile – kurz bevor wir wieder zu Hause waren, fuhr noch eine 528 für einen Kilometer vor uns her.

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viisisataakaksikymmentäseitsemän

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In die Welt hinaus.

Letzten Samstag klingelte der Wecker trotz Ferien um kurz nach fünf. Die Nacht war kurz und wenig erholsam gewesen, weil wir abends noch lange zusammengesessen und dann vor Aufregung alle nicht so richtig gut geschlafen hatten. Um sechs sassen wir im Auto, um das Fräulein Maus nach Helsinki zum Flughafen zu begleiten.

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Sie flog nach Zypern, wo sie die nächsten sieben Monate im Rahmen eines EU-Freiwilligenprojektes in einem Kindergarten arbeiten wird.

Als wir uns genügend geherzt und umarmt und zugewinkt hatten und sie hinter der Sicherheitskontrolle verschwunden war, fuhren wir – und ihr Anorak und ihre Mütze und ihre Handschuhe – weiter nach Tallinn, denn wenn man sowieso schon einmal in Helsinki ist, muss man das ja schliesslich nutzen, und ausserdem hatte ich geahnt, dass es sich ein paar Tage später nicht mehr ganz so komisch anfühlen würde, ohne das Fräulein Maus wieder zu Hause anzukommen.

Am Hafen sammelten wir den grossen Herrn Maus und seine Freundin ein, die mit dem Zug nachgekommen waren, weil wir ja kein Auto mit sieben Sitzen mehr haben. Das Flugzeug des Fräulein Maus‘ hob ab Richtung Kopenhagen.

Auf der diesmal nur mässig belegten Fähre stand eine 527 – ein Porsche! – hinter uns. (Das passte irgendwie gut, denn eine 527 hatte ich schon in den Herbstferien in Estland gesehen, aber da fehlte mir ja noch die 526.)

Wir kamen in Tallinn an, und das Fräulein Maus bestieg in Kopenhagen ein Flugzeug nach Larnaca. Wir gingen für Abendbrot und Frühstück einkaufen, und das Fräulein Maus sass auf dem Kopenhagener Flughafen im Flugzeug. Wir sondierten mit dem kleinen Herrn Maus das Winterschuhangebot in Tallinns grösstem Einkaufszentrum, und das Fräulein Maus sass auf dem Kopenhagener Flughafen im Flugzeug. Wir fuhren zu unserer Ferienwohnung, hielten ein Schwätzchen mit unserer Lieblingsferienwohnungsvermieterin, schleppten unsere Taschen und Beutel in den ersten Stock und verstauten die Lebensmitteleinkäufe, und das Fräulein Maus sass immer noch auf dem Kopenhagener Flughafen im Flugzeug. Es schneite wie verrückt, und sie kamen mit dem Enteisen nicht hinterher. (Man sollte eigentlich meinen, dass so ein nordischer Flughafen besser vorbereitet ist, aber was weiss ich schon.)

Nachdem das arme Fräulein Maus fast drei Stunden im Flugzeug am Boden verbracht hatte, ging es endlich los.

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Dreieinhalb Stunden später landete sie in Larnaca. Kurz vor Mitternacht war sie endlich in Nikosia. Wir alle sanken todmüde in die Betten.

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Wintermärchen.

So viel Schnee haben wir in Tallinn noch nie erlebt. Es war ganz und gar märchenhaft.

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Holzhausliebe.

Am Montag war es klirrend kalt. Dafür schien die Sonne, und es war noch schöner als am Tag zuvor. Über knirschenden Schnee liefen wir nach Kalamaja, dem Tallinner Stadtviertel mit den Holzhäusern.

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Sozialistischer Grössenwahn.

Von Kalamaja liefen wir weiter Richtung Hafen und stiegen mal wieder hinauf auf die vor sich hin gammelnde Linnahall.

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Ich habe mich jahrelang gefragt, was für Allmachtsphantasien mit diesem Inkatempel aus Beton ausgedrückt werden sollten, aber seit ich weiss, dass die Architekt*innen alles getan haben, um die Halle so bombastisch wie gewünscht zu entwerfen, aber gleichzeitig zu verhindern, dass mit ihr der Blick vom Meer auf die Tallinner Altstadt verstellt wird, bin ich dem Bauwerk gegenüber gnädiger eingestellt.

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Hafenwanderung.

Tallinn hat nicht nur eine sehr schön gestaltete Hafenpromenade zur Stadt hin. Seit ein paar Jahren – aber wir waren noch nie da – kann man auf einem eigens dafür errichteten, knapp einen Kilometer langen Weg mit Bänken und sogar einem Spielplatz zwischen Hafenbecken und Kreuzfahrtschiffanlegeplätzen über die Hafenmole sapzieren. Sehr toll.

(Da müssen wir im Sommer nochmal hin, wenn man sich mit einem Buch auf eine der Bänke setzen und warten kann, bis das nächste grosse Schiff zum Greifen nah vorbeigefahren kommt.)

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Dann verschwand die Sonne hinter der Silhouette der Altstadt, wir lenkten unsere Schritte zurück nach Kalamaja, um in einem ukrainischen Restaurant ein spätes Mittagessen einzunehmen, und als wir danach wieder in der Ferienwohnung angekommen waren, zeigte der Schrittzähler 15 km an.

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Weltlage.

Der Tallinner Freiheitsplatz.

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Ich gehöre nicht zu den tatsächlich ziemlich zahlreichen unserer Landsleute, die sich schon seit 2022 nicht mehr ins Baltikum trauen. Aber. Ja. Seufz. Bitte lass es nicht das letzte Mal gewesen sein, denke ich seitdem immer.

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Verbotener Wintersport.

Die Estland-Einkaufsliste war lang wie immer. (Diesmal stand auch „2 oder 3 kleine Wäschekörbe“ drauf. Man kann es sich nicht ausdenken.) Wir verbrachten deshalb wie immer einige Zeit in Supermärkten und Einkaufszentren.

Auf den Parkplätzen rissen wir uns weisungsgemäss zusammen.

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Begeistertes Quietschen.

Überhaupt. Niedlichste Sprache der Welt.

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(Wenn man Finnisch und Deutsch kann, jedenfalls.)

Der grosse Herr Maus und seine Freundin gingen an einem Abend ins Kino. Ein Hoch auf Länder, in denen Filme grundsätzlich in der Originalsprache gezeigt werden! Statt mit finnischen und schwedischen Untertiteln lief der Film mit estnischen und russischen. Ich hätte gar nicht gewusst, wo ich hingucken soll.

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Erschwerte Bedingungen.

Die letzten 150 Kilometer am Dienstagabend hatten zwar an dem Tag schon mehrere kräftige Schneeschauer gesehen, aber noch keinen Schneepflug.

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Zum Glück ist auf finnischen Autobahnen nicht viel los, und alle beherrschen ihr Fahrzeug auch unter solchen Bedingungen einigermassen. Mit maximal 80 km/h rollten wir akkuschonend nach Hause und waren trotzdem noch vor Mitternacht zu Hause.

Anstrengend waren nur die 70 km, die wir hinter einem LKW festhingen, weil die linke Spur quasi unbenutzbar war, und während denen wir ununterbrochen durch von ihm aufgewirbelten Schnee fahren mussten. Erst in den Tunneln kurz vor Muurla ergab sich eine Gelegenheit zum Überholen.

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Ferienende.

Am Mittwoch fing die Schule wieder an. Das Aufstehen war hart. Aber immerhin im obersten Kühlschrankfach sah es noch wie Urlaub aus.

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Familiendynamik.

Der kleine Herr Maus vermisst von uns allen das Fräulein Maus am meisten.

Gleich am Sonntag führte er ein Videotelefonat mit ihr. Er hat ein paar Tage getrauert, getrotzt und gewütet, und jetzt ist er so anhänglich wie das letzte Mal vor schätzungsweise fünf Jahren.

Warum eigentlich redet alle Welt immer davon, wie schwierig es für die Geschwister ist, wenn ein neues Baby in die Familie kommt, aber nie jemand davon, was es für die Geschwister bedeutet, wenn eins von ihnen auszieht?!

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Willkommen, 2026!

Das neue Jahr begann mit -15°C, Puderzuckerschnee und Glitzerraureif.

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Das war schön, denn am Silvesternachmittag war ich mit dem Fräulein Maus in der tiefstehenden Nachmittagssonne noch ein paar Runden auf der Kunsteisbahn im Park schlittschuhlaufen gewesen, und zum traditionellen 20-Uhr-Feuerwerk im Nachbarstadtteil liefen wir diesmal mit dem Schlitten durch den Wald.

(Der grosse Herr Maus traf sich später noch mit seiner Freundin zum öffentlichen Feuerwerk der Stadt Turku im Stadtzentrum, meinte aber hinterher, das Feuerwerk im Nachbarstadtteil sei schöner gewesen. Ausserdem konnte er berichten, dass sich an das Böllerverbot im Stadtzentrum, das seit ein paar Jahren gilt, durchaus gehalten wurde. Apropos. Mir war bis vor einem Jahr oder so, seit ich wieder verstärkt die Süddeutsche lese, gar nicht klar, was in Deutschland zu Silvester abgeht. Ich wäre auch einfach aus Empathie mit Kleinkindern, vor Kriegen Geflüchteten sowie Tieren und weil ich es schwer erträglich finde, Geld zu verbrennen, während Menschen verhungern, für ein Böllerverbot, aber holla die Waldfee, offensichtlich wohnen wir hier wirklich hinterm Mond.)

Am Neujahrstag schleppten wir uns vom Bett aufs Sofa und guckten seit langem – weil wir die letzten Jahre immer auf Reisen waren – mal wieder Neujahrskonzert. (Schon ich habe als Kind begeistert die Balletttänzerinnen angeguckt, und das Fräulein Maus hat sich eventuell schon als Baby in die Harfe verliebt.) Danach fuhren wir in die Eisbadesauna.

Als wir heute früh aufwachten, hatte es 15 cm geschneit. Das Fräulein Maus und der kleine Herr Maus zogen gleich nach dem Frühstück am frühen Nachmittag mit Skiern und Schlitten auf die stadtteileigene Loipe und den stadtteileigenen Schlittenberg, und ich freu‘ mich so, dass das Fräulein Maus in allerletzter Minute noch ein bisschen richtigen finnischen Winter geniessen kann.