Donnerstag, 29. Januar 2026

Mord im Wattenmeer

Femke Janssen wäre gern wie ihr Ex-Freund Lasse, der im gehobenen Polizeivollzugsdienst als Kommissar arbeitet, Polizistin geworden. Doch eine nicht bestandene Prüfung verhinderte die Ausbildung, und deshalb studiert die 28-Jährige inzwischen - wenn auch mit wenig Begeisterung - Pädagogik und Englisch im zehnten Semester. Vielmehr möchte sie eine eigene Detektei eröffnen.

Femke ist in Dangast an der Nordsee aufgewachsen, liebt die Gegend und will nirgendwo anders leben. Schließlich kann sie in ein paar Minuten am Meer sein. Darum nimmt sie die Fahrten zu ihrem Studienort Oldenburg in Kauf und putzt nebenher zur Finanzierung ihres Lebensunterhaltes Ferienhäuser.

Als die junge Frau während jener Tätigkeit im Ferienhaus “Wattenmeer” eine Frauenleiche findet, ist nicht nur ihre Neugier geweckt. Femke sieht ihre Chance, mit der Unterstützung ihrer Nachbarin und Vermieterin Grete Flottbeek durch eigene Ermittlungen den Ursachen des Todesfalls auf die Spur zu kommen, obwohl Lasse ihr klarzumachen versucht, dass dies Aufgabe der Vareler Kriminalpolizei ist …

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Daniela Gesing lädt uns mit “Mord im Wattenmeer” ins beschauliche Nordseebad Dangast ein und präsentiert den Entwurf eines Kriminalfall, der im Ansatz durchaus solide erdacht ist, im Verlauf des Geschehens einige Spannungsmomente bereithält und mit ein paar Überraschungen und Richtungsänderungen aufwartet, allerdings auch mit unglaublichen Zufällen.

Bei der Schilderung der örtlichen Gegebenheiten beschränkt sich die Autorin größtenteils auf die bekannten Sehenswürdigkeiten, so dass es schwierig ist, der eigentlich vorhandenen Atmosphäre des Küstenortes nachzuspüren. Hier hätte ich mir weniger steife Bilder fernab der Urlaubsprospekte mit Touristenattraktionen gewünscht.

“Der erste Fall für Reinigungskraft Femke Janssen” hat mich hinsichtlich der Protagonisten enttäuscht. Zwar punkten diese zunächst und überwiegend mit sympathischen Wesenszügen. Sie sind hingegen nicht konstant entwickelt.

Im Mittelpunkt steht Femke. Auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens sind für sie bereits ein paar Träume geplatzt. Sie wird als hübsch, ein bisschen chaotisch, lebensfroh und klug beschrieben. Daneben ist sie bodenständig, mag englische Krimis und möchte ihre Ambitionen, eine eigene Detektei zu eröffnen oder ein Buch zu schreiben, verwirklichen. Hierfür würde sie ohne zu zögern ein zukünftiges Dasein als Lehrerin in einer festen Beamtenstellung opfern.

Ob ihre in Teilen überschäumende Impulsivität sowie ihr im Grunde gutgläubiges und naives Wesen die besten Voraussetzungen sind, ihr Ziel zu erreichen, mag dahingestellt bleiben. Zudem stößt ihre Erwartungshaltung gegenüber ihrem Ex-Freund Lasse, in jeder Hinsicht unterstützt und wertgeschätzt zu werden, bei mir auf Irritation.

Nach meinem Empfinden mangelt es Lasse nämlich nicht an Wertschätzung. Er sorgt sich um ihr Wohlergehen, was die 28-Jährige mit Bevormundung verwechselt, und es ist logisch, dass er sich offiziell nicht mit einer Einmischung durch Femke einverstanden erklären kann, im Gegenzug jedoch akzeptiert, dass ihre Beobachtungen die Ermittlung weiterführen und vorantreiben.

An Femkes Seite agiert ihre Vermieterin Grete, deren verstorbener Ehemann einst Leiter der Spurensicherung war und einen Juwelenraub nicht restlos aufklären konnte. Ihr wird von der Autorin der Part einer “Miss Marple" zugedacht. Leider erfüllt sie das Bild der Agatha-Christie-Persönlichkeit nicht. Mir fehlen hier die Kompetenz, die Vorausschau, ja ein adäquates Denken und Handeln. Grete wirkt eher zögerlich und ängstlich und zögerlich. Ihre Versuche, Ordnung in das Leben ihrer Mieterin zu bringen, mögen amüsant gedacht sein, sind indes im Angesicht der Kuppelversuche unpassend.

Auch wenn der kauzige Fiete Pannkok Fiktion ist und für unfreiwillige Komik sorgt, gelingt mir nicht die Vorstellung, dass solcherart bequeme Kripobeamten existieren. Es sei denn, er ist als Karikatur für diejenigen gedacht, die mit Mitte vierzig versuchen, nach einer Scheidung “eine ruhige Kugel zu schieben”, aber an Erfolgen partizipieren wollen. Ihm gegenüber befindet sich sein Partner Lasse: jung, ehrgeizig, vermeintlich überkorrekt. Was für ein Klischee. 

Im Ergebnis ist “Mord im Wattenmeer” eine Geschichte, mit der Daniela Gesing meine Vorstellungen bezüglich einer unterhaltsamen und fesselnden Lektüre nur in geringem Maße erfüllt hat.

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Der Roman ist im Maximum Verlag erschienen, dem ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danke.

Donnerstag, 22. Januar 2026

Schneeflöckchen Weißpfötchen

Weihnachten ist gut einen Monat vorbei, aber sicher erinnern wir uns noch daran, dass die Zeit vor den Feiertagen für alle, die ihren Familien und Freunden Gutes tun wollen, besonders stressig sein können. Auch bei Santa Claus geht es stets turbulent zu, schließlich hat er jedes Jahr zahlreiche Wünsche zu erfüllen. Allerdings gibt es auch in der Weihnachtsmannzentrale ab und an Probleme, zum Beispiel sobald ein überdimensionaler Wunsch einen Absturz der Software verursacht und den Posteingang verstopft. Dann passiert es, dass ein Wunsch aus dem vergangenen Jahr auftaucht und unbedingt abgearbeitet werden muss.

Wichtig ist es vor allem, wenn es um die Liebe geht. Santas Frau findet zwar, dass die Wünsche nach Liebe immer am schwierigsten und gefährlichsten sind, doch davon zeigt sich der Weihnachtsmann in keiner Weise irritiert.

Der Herzenswunsch, von dem hier die Rede ist, stammt von Xander. Der Fotograf und Reiseblogger liebt Ellie. Soweit so gut. Ellie ist Xanders beste Freundin, und genauso sieht Ellie das auch. Zum Vier-Freunde-Kleeblatt gehören noch Jelena und ihr Bruder Arian, mit ihnen baut Ellie eine Beauty-Oase bestehend aus Friseursalon, Kosmetik- und Nagelstudio auf.

Von Xanders Rückkehr und seiner Ankündigung, nunmehr im Heimatort sesshaft werden zu wollen, um eine Galerie und ein Fotostudio einzurichten, sind die Freunde begeistert. Hingegen hofft Xander auch darauf, dass Ellie endlich seine Gefühle erwidert, sollte er dauerhaft in ihrer Nähe sein.

Dass Ellie im Baumarkt den sympathischen Anwalt Patrice kennenlernt, stellt sich als großes Hindernis heraus.

Jedoch wäre Santa Claus nicht er selbst, hätte er nicht ein paar Tricks auf Lager. Also sorgt er dafür, dass sich die Wege von Ellie und Xander mit denen der weißen Schäferhündin Amara kreuzen. Das Tier ist offensichtlich ausgesetzt worden und lebt seitdem auf der Straße, ständig auf der Suche nach einer Mahlzeit und einem trockenen Schlafplatz. 

Von einem wesentlichen Problem hat der Weihnachtsmann aber keine Ahnung: Ellie wurde als Kind durch den Biss eines Hundes schwer verletzt und hat neben Narben von diesem Ereignis enorme Angst zurückbehalten. Kann sie ihre Furcht überwinden? Und wird Xanders Wunsch erfüllt?

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Petra Schier schreibt regelmäßig einen Weihnachtsroman, in dem nicht allein ein Menschenpaar das (Liebes)Glück findet, sondern auch ein Hund. “Schneeflöckchen Weißpfötchen” ist Band zehn der Santa-Claus-Reihe und wie seine Vorgänger als Adventskalender aufgebaut. Vierundzwanzig Türchen, sprich Kapitel nebst Bonus, können wir “öffnen” und lesen.

Um es gleich vorweg zu nehmen, “Schneeflöckchen Weißpfötchen” ist in Gänze eine Wohlfühlgeschichte, die nichts vermissen lässt und ein Wiedersehen mit bekannten Figuren der bisherigen Romane bereithält. Zwar gibt es den ein oder anderen Konflikt, daneben spricht die Autorin ebenso das Thema von Ängsten nach durchaus traumatischen Erlebnissen an. Indes sind dies nur kleine Stolpersteine, die eine unbeschwerte Lektüre für den leichten Herzensmoment, den wir alle gelegentlich benötigen, nicht mindern.


Im Vordergrund geht es um Freundschaft und das Erreichen von Zielen in einer Gemeinschaft, Vertrauen und Verantwortung, Hoffnung und Willen zur Bewältigung von Ängsten und selbstverständlich um Liebe und Zuwendung.

Petra Schier ist sowohl erfahren im Schreiben von Liebesromanen mittels anschaulicher Bilder, amüsanter Szenen und gekonnt dosierter Erotik, als auch bei der nachvollziehbaren und sensiblen Schilderung von Emotionen und Eindrücken, wozu auch das Einbinden von Magie gehört. Nicht nur Weihnachtsmann & Co. unterhalten uns mit ihren Auftritten, wir dürfen auch teilhaben an der Gedankenwelt von Amara, einer an Körper und Seele beeinträchtigten Schäferhündin, die erst den Glauben an die Menschen wiederfinden und heilen muss.

Die Charaktere mit alltäglichen Freuden und Problemen sind aus dem Leben gegriffen, sie besitzen Stärken und Schwächen und wirken natürlich in ihrem Umfeld.

Familienmitglieder gehen aufmerksam und ungezwungen miteinander um, können sich auf die Unterstützung verlassen. Freundschaften und Traditionen werden gepflegt, zu denen auch der Weihnachtsmarktbesuch und das Keksebacken gehören, der passende stimmungsvolle Rahmen für einen solchen Roman.

Und darum ist "Schneeflöckchen Weißpfötchen" eine romantische Liebesgeschichte mit Weihnachtszauber, Puderzucker, Herzklopfen und glücklichen menschlichen und tierischen Protagonisten.

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Der Roman ist bei HarperCollins erschienen, ich danke für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Donnerstag, 8. Januar 2026

Winterspaziergang

Eine Erkältung dämpft den Elan, aber die Zeit für einen Winterspaziergang haben wir uns genommen, bevor der Schneesturm hier ankommt ...

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Donnerstag, 1. Januar 2026

Challenge 12 für 2026 - Start

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In diesem Jahr möchte ich meinen SUB verkleinern.
Deshalb starte ich die Challenge 12 für 2026 und
präsentiere euch heute meine ausgewählten Bücher:

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Mathijs Deen - Der Holländer
Anke Clausen - Ostseegrab
Benjamin Myers - Offene See
Kristina Hauff - In blaukalter Tiefe
Sina Beerwald - Die Muse des Teufelsgeigers
Matthias Wittekindt - Vor Gericht
René Anour - Die Totenärztin. Wiener Blut
Sia Piontek - Die Sehenden und die Toten
Anthony Ryan - Der Paria
Kiran Millwood Hargrave - Vardø. Nach dem Sturm
Melanie Raabe - Die Falle
Anna Stephens - Wächter und Wölfe. Das Erwachen der Roten Götter

Ich halte euch über den Stand auf dem Laufenden ...

Freitag, 26. Dezember 2025

Frohe Weihnachten

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Ihr Lieben,

ich wünsche euch
auch heute noch
einen wunderbaren und harmonischen Feiertag.

Dienstag, 25. November 2025

SelfPublishing Buchpreis 2025/26 - Longlist

Nun steht die Longlist für den SelfPublishing Buchpreis des Selfpublisher Verbandes endlich fest, und ich gratuliere allen, die es geschafft haben.

Auch dieses Mal war ich wie schon vor zwei Jahren Mitglied der Vorjury B und durfte einen kleinen Beitrag leisten, die Besten aus der Fülle der eingereichten Werke herauszufinden ...

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Kategorie Belletristik:
  • Das Erbe des Totenwäschers von Maria Nouria
  • Der Barbiekiller von Sandy Mercier
  • Der Tengu von Tokio von Nicolas Müller
  • Frau Appeldorn und der tote Kapitän von Vera Nentwich
  • Ich sehe dich – Mein Stern in Hallstatt von Lisa Laurin
  • In between time von May Sommer
  • Praise the wicked von Martin Gancarczyk
  • The Pussycat Poisoner von Martina Hancke
  • Vogel mit Licht von Susanne Mesterharm
  • Winterkapriolen von Katharina Mosel
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Kategorie Kinder- und Jugendbuch:
  • Bonds and Curses von Anne Oldach
  • CHAMP – Jagd auf den Trojaner von Amanda Birkenholz
  • Die magische Muschel von Jenny Blok
  • Dinobande von Elena Kressler
  • Ein Diadem aus Blut und Mondschein von Evelyne Aschwanden
  • Eine Tür für den Pomps von Judith Spörl
  • Igitt! Ich esse keine Bäumchen von Franziska Frey
  • Im Schatten des Systems – Das Erwachen von Silke Horvath
  • Kira Koralle von Alina Gries
  • Ziso und das wilde Internet-Rambazamba von Christina Bäck
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Kategorie Sachbuch/Ratgeber:
  • Bring Bewegung in deinen Alltag von Miriam Biritz-Wagenbichler
  • Camperküche – Das Campingkochbuch von Miriam Hacker und Michael Bley
  • Charisma für Seltsame von Sofia Hassiotaki
  • Chef*in im eigenen Kopf von Christine Mark
  • Das Multiversum der Menschlichkeit von Michael Maurus
  • Einfach Guad! – Steffis Saisonküche von Stefanie Gericke
  • Faszination Bosnien und Herzegowina von Melanie Thelen und Ricardo Helass
  • Februarstille – Aphasie nach Schlaganfall von Marietta Blum
  • Hilfe bei Fehlgeburt von Dr. med. Caroline Lehman
  • Schottlands Malt-Whiskys von Marc A. Hoffmann

Donnerstag, 13. November 2025

Herbst am See

 Wenn sich der Herbst so zeigt, ist er wunderschön.
 
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Dienstag, 14. Oktober 2025

HOMER Literaturpreis 2025 -Die Preisträger

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GOLDENER HOMER

Mac P. Lorne für
CAPTAIN NELSON. UNTER DER FLAGGE DES KÖNIGS

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SILBENER HOMER

Daniel Wolf für
DIE TEMPLER. ROSE UND KREUZ

und

Ralf H. Dorweiler für
DER HERZSCHLAG DER TOTEN

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BRONZENER HOMER

Beate Maly für
MORD IM BÖHMISCHEN PRATER

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Publikumspreis

Sina Beerwald für
DIE MUSE DES TEUFELSGEIGERS

und

Michael Römling für
TANKRED. ADLER UND DOLCH

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Meine herzliche Gratulation!

Samstag, 11. Oktober 2025

HOMER Literaturpreis 2025 - Leseabend

Wie schnell die Zeit vergangen ist.

Heute wird in wenigen Stunden der HOMER Literaturpreis für den besten historischen Roman des Vorjahres in Gold, Silber und Bronze vergeben.

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Gestern Abend präsentierten sich die Autorinnen und und Autoren der Shortlist mit ihren Werken in ganz unterschiedlicher Art und Weise.

Daniel Wolf - Die Templer. Rose & Kreuz 
Beate Maly - Mord im Böhmischen Prater
Mac P. Lorne - Captain Nelson. Unter der Flagge des Königs
 Alex Beer - Die weiße Stunde
 Michael Römling - TANKRED Adler und Dolch
Sina Beerwald - Die Muse des Teufelsgeigers
Sabine Trinkaus - Henriette. Ärztin gegen alle Widerstände
 Ralf H. Dorweiler - Der Herzschlag der Toten

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Mittwoch, 8. Oktober 2025

Blogger für HOMER 2025 - TANKRED. Adler und Dolch

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Im Herbst 884 wäre Tankred mehr als froh, wenn er mit seiner Familie auf seinem Anwesen bei Maastricht mehr gemeinsame Zeit verbringen könnte. Nach zahlreichen Auseinandersetzungen ist er nämlich nicht nur rehabilitiert, sondern hat auch sein Erbe zurückerhalten. Halbbruder Gerold sowie dessen Mutter Uta vergällen ihm nicht mehr das Leben, derweil sie ihres verloren haben.

Doch das Schicksal will es anders. Erneut sind es die Dänen, mit denen sich Tankred beschäftigen muss.

Dabei hatte vor zwei Jahren der Kaiser einen kostspieligen Frieden mit den ihnen geschlossen und die dänischen Anführer Siegfried und Gottfried mit Geld überschüttet. Letzterer wurde von der Krone zudem großzügig mit friesischem Land und Ehefrau aus königlichem Geblüt bedacht. Die Hoffnung, ihn auf diese Weise an die Leine legen zu können, erwies sich schnell als Illusion.

Anstatt seine Leute von Einfällen und Plünderungen abzuhalten, verhält sich Gottfried äußerst großzügig und duldet es wohlwollend, dass weitere dänische Banden sich nicht nur die Bäuche vollschlagen und in friesischen Häfen mit Waffen und Vorräten eindecken. Nein, er sieht auch darüber hinweg, dass sie brandschatzend zwischen Maas und Rhein ins Binnenland einfallen, während Siegfrieds Leute sich zwischen Schelde, Somme und Seine herumtollen, die Menschen massakrieren und sich die Uneinigkeit bezüglich der Herrschaft im westfränkischen Reich zunutze machen.

Als das Anwesen von Tankred überfallen wird, zeigt sich, dass jemand ein ganz persönliches Hühnchen mit ihm zu rupfen hat. Wer ist bloß dieser Ragnar, dessen Rachegelüste die Zwillinge ebenfalls in Gefahr bringen?
 
Auf der Suche nach dem ominösen Dänen kommt Tankred einer Verschwörung gegen den Kaiser auf die Spur. Ein weiteres Mal ist es an ihm, für den Herrscher in die Bresche zu springen und ihn zu schützen. Nebenbei muss er auch sein eigenes Leben retten ...

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Nach den Ereignissen in den ersten drei Bänden der TANKRED-Reihe, "Weihrauch und Schwert", "Hammer und Kreuz" und "Krone und Kelch" gestattet Michael Römling seinem Helden lediglich eine kurze Atempause und stürzt ihn in "Adler und Dolch" erneut mitten hinein in ein Geschehen aus Kämpfen, Intrigen und Verrat, List und Tücke, in dem er nicht nur den Kopf für andere hinhält, sondern auch persönlich involviert ist, hat es doch jemand auf ihn und seine Familie abgesehen ...
 
Wer bisher noch keinen TANKRED-Band gelesen hat, ist gut beraten, dies nachzuholen. Obwohl jeder Roman dank einiger erklärender Rückblicke für sich allein gelesen werden kann, verpasst die Leserschar neben dem Spaß bei der Lektüre auch die Entwicklung des ehemaligen Mönches und Bibliothekars zum angesehenen Kämpfer.

Dabei gelingt es Michael Römling einmal mehr, die historischen Gegebenheiten präzise zu beleuchten und die politischen Verhältnisse und Machenschaften im frühen Mittelalter in ein für die Leser erhellendes Licht zu rücken.

Eine frische und mit fröhlichen Szenen und amüsanten Akzenten gespickte Schilderung trägt ebenso zur Unterhaltung bei wie die aktionsreiche, in verschiedenen Einzelheiten ausgestattete Darstellung der Erlebnisse und Abenteuer von Tankred, seinen Freunden und Gefährten.

Hervorzuheben sind auf jeden Fall zahlreiche Gimmicks, Anachronismen und Anspielungen, die der Geschichte in "Adler und Dolch" den aus den bisherigen TANKRED-Bänden bekannten modernen Hauch geben und die Historie entstauben. Ich mag den klassischen historischen Roman, schätze es nichtsdestoweniger, mit welcher Begeisterung Michael Römling schreibt, Absurditäten einfügt und dabei das Genre nicht zu bierernst nimmt. 

"Gib uns als deine Gefangenen aus", schlug Gauzbert vor.
"Die machen keine Gefangenen", sagte Harald. "Die würden mich fragen, warum ich euch nicht umgebracht habe, und dann müsste ich euch vor ihrer Nase erschlagen, um meine Haut zu retten, wollt ihr das?"
Nein, das wollten wir natürlich nicht. (Seite 17)

Möglicherweise ist es für einige ab und an verwirrend, sich im Dickicht der Personen zu orientieren und die oft namensähnlichen und zahlreichen historischen und fiktiven Figuren, die im Übrigen eine überzeugend ehrliche Beschreibung erfahren, durchzusortieren und einem Lager zuzuordnen.

Langeweile entsteht bei Michael Römling jedenfalls nicht, wenngleich die raumgreifenden Beratungen zu Strategien und Vorgehensweisen im Verlauf des Geschehens in etwas reduzierter Form der Handlung gut getan hätten. Es wird vielfach den Frauen nachgesagt, zu schwatzhaft zu sein. Wenn Männer allerdings unter sich sind und es um Kampf und Taktik geht, vergessen sie alles um sich herum, werden ausschweifend und verlieren sich in Diskussionen.

Die Wahl des Autors, seinen Protagonisten selbst erzählen zu lassen, erweist sich wieder als gelungenes Stilmittel, was eine mittelbare Nähe zu Tankred, seinen Gedanken und Gefühlen erlaubt.

Der ehemalige Mönch und Bibliothekar sehnt sich nach Ruhe. Er ist älter und reifer geworden, dazu Vater und Grundherr und trägt nicht mehr nur Verantwortung für sich alleine. Außerdem ist er zielstrebig, klug, mutig, wachsam und offenherzig. Manchmal sind seine Neugier und der Trotz, sich von widrigen Umständen nicht abhalten zu lassen, stärker als jede Vorsicht. Wie schon bei früheren Gelegenheiten, spürt Tankred die eine unbändige Versuchung, den Dänen auf der Nase herumzutanzen. Und findet sich so herein in seine Rolle als Spion, der auf zwei Hochzeiten tanzt.
 
Dabei soll nicht unerwähnt bleiben, dass es auch tiefsinnige Momente gibt, wenn Tankred bestimmte Dinge hinterfragt, was für die enorme Authentizität spricht, die mich für ihn einnimmt.

An seiner Seite stehen Gauzbert und Lupus, Freunde, die im Grunde längst zur Familie gehören und ohne deren gelegentliche Unverfrorenheit im Umgang, indes ebenso dauerhaft beständige Loyalität die Handlung nicht funktionieren würde. 

Die Klappeninnenseite des Buches zeigt eine Gebietsübersichtszeichnung, Landstrich-veranschaulichkeitsdarstellung oder Geländeverdeutlichungsskizze mit den Reisewegen von Tankred. Die Namen konnten sich aber nicht durchsetzen. Noch heute verwenden wir deshalb den von Tankred erfundenen Begriff Landkarte. Oder gibt es da etwa Widerspruch?