Müllabfuhr

Junior begleitet mich heute geduldig durch den Baumarkt und durch den Sonderpostenmarkt, dafür darf er sich etwas aussuchen. Grundfehler.

Die Autos von Interesse, werden von Regalblick zu Regalblick größer und teuerer, alles wird fallengelassen, was es nicht in die nächste Wertungsrunde schaft. Möglichst viel wird festgehalten, damit der Papa nichts zurück ins Regal stellen kann. Wir kommen an bei so großen Sachen, von denen je nur eins in die Patschehändchen passt: Betonmischer, Altglascontainerabholer oder Müllabfuhr.

Es soll der Betonmischer sein. Nicht die Müllabfuhr? Damit kann man Sachen aufnehmen und hinterher abladen? Nein! Betonmischer. Gut, Betonmischer.

Auf dem Nachhauseweg kommen erste Zweifel. Was war mit der Müllabfuhr?

Müllabfuhr!

Müllabfuhr!

Ich glaube schon lange hat bei einer Ein-Mann-Müllabfuhr-Demo nicht mehr jemand so um die Müllabfuhr geweint.

Einjährigeinmonatiges

Jetzt ist Junior schon einen Monat lang ein Jahr alt. Wie ist also der status quo? Der juge Mann läuft noch nicht, steht aber gerne schon mal 5 Minuten freihändig. Er liebt Bobo Siebenschläfer, über den er gerne ablachen kann, und seinen VW Bus, auf dessen Rädern er so gerne rumkaut, dass wir die Anschaffung fast schon bereuen.

Seine Lieblingsschwester kommt inzwischen besser auf ihn klar, wenn er nicht gerade rumbrüllt. Er isst wenig Fleisch, gerne Mangobananenavocadomus und Knäckebrot. Er hat als erster in der Familie den Aus-Knopf des Fernsehers entdeckt, schläft gerne auf Papas linker Schulter ein und mag Autos zum Rumschieben aller Art.

Inzwischen ist er ein richtiger Lockenkopf und ziemlich groß für sein alter. Er quietscht wegen Essen, weniger, wenn was weh tut, sofern er weitermachen möchte. Er rudert gerne in begeisterter Extase mit seinen Ärmchen, wenn Essen oder morgens seine Schwester im Anmarsch ist.

Tja, und morgen soll er das erste Mal ohne seine Mami einschlafen. Welch ein Abenteuer!

Das schönste…

Momentan schreist Du oft vor dem Einschlafen aber das schönste ist, wenn Du auf meiner Schulter einschläfst, ich deine seidigweichen Haare auf meiner Wange spüre und deinen feuchten Atem in meinem Nacken. So ein süßes Baby.

Zwei Monate

Nun bist du schon zwei Monate, und das ist erst der dritte Eintrag. Schwer zu sagen, ob es das bittere Schicksal der Zweitgeborenen ist und für die Eltern alles nicht mehr so aufregend ist oder einem einfach die Zeit fehlt. Eins steht fest, es ist nichts so wie beim ersten Kind. Vielleicht kann ich mich auch nicht mehr an alles erinnern, aber ich merke jetzt schon grundsätzliche Unterschiede, zumindest an die ich mich noch erinnern kann. Momentan sieht der Tagesablauf wie folgt aus: David wird wach, ist wach, ist wach, ist noch länger wach, dann ist er noch ein bisschen wach, dann ist das ist wach sein anstrengend, aber man will trotzdem wach bleiben. Man hat Hunger aber eigentlich ist man sauer weil mal müde ist und brüllt wie am Spieß. Dann brüllt man sich die Seele aus dem Leib, bis Mama oder Papa einen in den schlaf schunkelt. Dann wird man wach, weil man hat ja Hunger. Trinkt was und ist anschließend wieder wach. Und dann geht wieder David wird wach, ist wach….

 

Das fängt ja gut an

Etwas, was Eltern dauernd erzählen ist, wie lasch sie gedanklich mit Zweitgeborenen umgehen, verglichen mit der Intensität, mit der sie sich anfangs beim Erstgeborenen Sorgen gemacht haben. Und hier sind wir, der erste Eintrag zu David kommt erst in der siebten Lebenswoche. Aber es sei eingeschoben, mit zwei kleinen Rackern bleibt einen wenig Zeit und Interesse, sich an den Rechner zu setzen, und was niederzuschreiben. Gerade döst David unter der rosanen Decke seiner Schwester, er hat noch nicht mal eine eigene, im Elternbett. Jetzt ist etwas Zeit.

Am Tag seiner Geburt hatte ich zu managen, dass die Erstgeborene bei der Babuschka bleibt, noch in der ungewissen Erwartung, sie am selben Tag abzuholen. Und da sie gerade etwas trotzig ist, verlässt man nur zaghaft die Wohnung der Babuschka. An der Klinik angekommen werde ich angerufen, wie lange das denn noch bei mir dauert, und ich sage, ich stehe quasi vor der Tür. Na gut, dann warte man noch etwas. Wie schön.

Maske aufsetzen, es ist ja Pandemiezeit, Hände desinfizieren, dem Pförtner zubrüllen, wie die Mutter heißt, Telefonat, ja, okay, der darf nach oben und schwupps lande ich in einem Kreißsaal, in dem die Ma ein Bad nimmt in Begleitung der Hebamme. So relaxt hatte ich mir das nicht vorgestellt. Wie beim ersten Mal dauert alles etwas länger, als man es sich im günstigsten Fall schönvorschwärmt, aber da alles gut geht, ist man zufrieden, abends tatsächlich heil zu Hause anzukommen. Man könnte das detailreicher beschreiben, aber nichts war irgendwie eine Komplikation. Wiegen, erste Checks, Reflexe sind da, alles okay. Bei der Vorgängerin war ja noch eine Hängepartie angesagt, da fängt’s also schon an, dass man sich weniger Sorgen macht. Bei David wundert man sich, wie fertiggestylt er da liegt.

Wundersamer kleiner Mensch. Willkommen.

Wie alles begann

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Ich lief um halb acht vom Kölner Hauptbahnhof am Dom entlang und hatte auf einmal ein kosmisches Bauchgefühl, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich wusste, dass es ein David wird. Zwei Wochen später hatte ich die Gewissheit in Form von einem Schwangerschaftstest. Es folgten Monate von Übelkeit, Launenhaftigkeit, schlechtes Gewissen gegenüber der Großen und vor allem Einsamkeit. Schwangerschaft während einer Pandemie ist alles andere als lustig. Es ist nicht nur die Angst sich anzustecken, sondern alles, was man in der ersten Schwangerschaft gemacht hat, fällt weg. Schwimmen, Freunde treffen, Konzerte, Reisen. So ergab sich, dass tatsächlich nur die wenigstens überhaupt von dem freudigen Zustand wussten.

Dabei war mein Zustande nicht zu übersehen. Bereits Ende des zweiten Trimesters, war der Bauch so groß, dass ich ständig gefragt wurde, ob es denn schon bald soweit sei, woraufchin ich immer genervter NEIN antwortete. Dazu kam auch noch, dass das Baby falschrum lag, ich zu viel Fruchtwasser hatte und das Baby als sehr groß prognostiziert wurde, was die allgemeine Stimmung nicht unbedingt hebte.

Ein Tag nach Oster, drei Wochen vor dem Errechnetem Termin gab es die erste Hoffnung. Da das Baby falsch lag, zu groß war etc. hat man mir vorgeschlagen eine sogenannte äußer Wendung vorzunehmen und die Geburt dann einzuleiten. Also stand ich pünktlich wie die Feuerwehr mit meinem Köfferchen vor dem Kreißsaal, kaum abwartend den dicken Bauch los zu werden. Nach ca. 3 Stunden Wartezeit, offenbarte mir eine Assistenzärztin fröhlich, dass es wegen der äußeren Wendung eine 24 Stunden Aufklärungspflicht gibt, das Baby zwar immer noch falschrum liegt, aber in einer äußerst ungünstigen Lage ist und die Nabelschbur um den Hals hat, aber die Wendung kann vorgenommen werden. Den Rest des Tages verbrachte ich wie versteinert von den frohen Botschaften. Am nächsten Tag stand ich wieder mit meinem Köfferchen vor dem Kraißsaal. Kam fix dran. Der Oberarzt beruhigte mich, dass das Baby keine Nabelschnur sich um den Hals gehängt hat, und mit ein paar mal Ruckeln und Schütteln war mein kleiner in der richtigen Position. Da er sich ohne geringsten Widerstand bewegen ließ, entschied man sich gegen die Einleitung, ich soll lediglich nächste Woche zur Kontrolle kommen, falls sich der Racker wieder gedreht hat. Also wieder aufs neue. Die ganze Woche habe ich mich verrückt gemacht, ob er noch richtig liegt. Eine Woche später stand ich wieder mit meinem Köfferchen vor dem Kreißsaal. Diesmal durfte ich 6 Stunden warten. Bis eine doofe Assistenzärztin, die nicht mal die Akte richtig gelesen hat, mir sagte, das Baby liegt richtig, wir könnten die Geburt einleiten. Das wollte ich wiederum nicht, also wieder zurück nach Hause. Die kommenden zwei Wochen waren nur noch nervig. Ich wurde immer schwerer aber von Wehen keine Spur, ich hab getanzt, ich hab gelacht, ich hab scharf gegessen, Kräuter Tee getrunken, einfach nichts half. Das Baby war entschlossen die vollen 40 Wochen drin zu bleiben. Dann war es soweit, ein Tag nach ET ergab ich mich meinem Schicksal und ging ins Krankenhaus zur Einleitung. Die Pandemie hat mal wieder ihren Höhepunkt erreicht. Also musste ich alleine hin. Vorher noch das Wattestäbchen in die Nase gerammt, um sicher zu stellen, dass ich nix habe. Es ging los, naja eben nicht, 24 Stunden Einleitung und immer noch keine Wehen. Laut einer Statistik, sind die Geburten im März/April 2021 um 20% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Und die haben gefühlt alle in meinem Krankenhaus entbunden. Es war unfassbar voll, alle 15 Minuten wurde eine Frau mit einem Baby an mir vorbei gebracht. Nur ich saß da immer noch rum und frass meine Kekse. Irgendwann bei der erneuten Einleitung, war ich so sauer und hatte den Lande so dermaßen satt, und siehe da, Blasensprung. Es folgte eine schnelle, wenn auch etwas schmerzhafte Geburt. Und zwei Stunden später lag ein kleines, sichtlich wütendes Wesen in meinem Arm und ich könnte nicht glücklicher sein.