Ich lief um halb acht vom Kölner Hauptbahnhof am Dom entlang und hatte auf einmal ein kosmisches Bauchgefühl, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich wusste, dass es ein David wird. Zwei Wochen später hatte ich die Gewissheit in Form von einem Schwangerschaftstest. Es folgten Monate von Übelkeit, Launenhaftigkeit, schlechtes Gewissen gegenüber der Großen und vor allem Einsamkeit. Schwangerschaft während einer Pandemie ist alles andere als lustig. Es ist nicht nur die Angst sich anzustecken, sondern alles, was man in der ersten Schwangerschaft gemacht hat, fällt weg. Schwimmen, Freunde treffen, Konzerte, Reisen. So ergab sich, dass tatsächlich nur die wenigstens überhaupt von dem freudigen Zustand wussten.
Dabei war mein Zustande nicht zu übersehen. Bereits Ende des zweiten Trimesters, war der Bauch so groß, dass ich ständig gefragt wurde, ob es denn schon bald soweit sei, woraufchin ich immer genervter NEIN antwortete. Dazu kam auch noch, dass das Baby falschrum lag, ich zu viel Fruchtwasser hatte und das Baby als sehr groß prognostiziert wurde, was die allgemeine Stimmung nicht unbedingt hebte.
Ein Tag nach Oster, drei Wochen vor dem Errechnetem Termin gab es die erste Hoffnung. Da das Baby falsch lag, zu groß war etc. hat man mir vorgeschlagen eine sogenannte äußer Wendung vorzunehmen und die Geburt dann einzuleiten. Also stand ich pünktlich wie die Feuerwehr mit meinem Köfferchen vor dem Kreißsaal, kaum abwartend den dicken Bauch los zu werden. Nach ca. 3 Stunden Wartezeit, offenbarte mir eine Assistenzärztin fröhlich, dass es wegen der äußeren Wendung eine 24 Stunden Aufklärungspflicht gibt, das Baby zwar immer noch falschrum liegt, aber in einer äußerst ungünstigen Lage ist und die Nabelschbur um den Hals hat, aber die Wendung kann vorgenommen werden. Den Rest des Tages verbrachte ich wie versteinert von den frohen Botschaften. Am nächsten Tag stand ich wieder mit meinem Köfferchen vor dem Kraißsaal. Kam fix dran. Der Oberarzt beruhigte mich, dass das Baby keine Nabelschnur sich um den Hals gehängt hat, und mit ein paar mal Ruckeln und Schütteln war mein kleiner in der richtigen Position. Da er sich ohne geringsten Widerstand bewegen ließ, entschied man sich gegen die Einleitung, ich soll lediglich nächste Woche zur Kontrolle kommen, falls sich der Racker wieder gedreht hat. Also wieder aufs neue. Die ganze Woche habe ich mich verrückt gemacht, ob er noch richtig liegt. Eine Woche später stand ich wieder mit meinem Köfferchen vor dem Kreißsaal. Diesmal durfte ich 6 Stunden warten. Bis eine doofe Assistenzärztin, die nicht mal die Akte richtig gelesen hat, mir sagte, das Baby liegt richtig, wir könnten die Geburt einleiten. Das wollte ich wiederum nicht, also wieder zurück nach Hause. Die kommenden zwei Wochen waren nur noch nervig. Ich wurde immer schwerer aber von Wehen keine Spur, ich hab getanzt, ich hab gelacht, ich hab scharf gegessen, Kräuter Tee getrunken, einfach nichts half. Das Baby war entschlossen die vollen 40 Wochen drin zu bleiben. Dann war es soweit, ein Tag nach ET ergab ich mich meinem Schicksal und ging ins Krankenhaus zur Einleitung. Die Pandemie hat mal wieder ihren Höhepunkt erreicht. Also musste ich alleine hin. Vorher noch das Wattestäbchen in die Nase gerammt, um sicher zu stellen, dass ich nix habe. Es ging los, naja eben nicht, 24 Stunden Einleitung und immer noch keine Wehen. Laut einer Statistik, sind die Geburten im März/April 2021 um 20% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Und die haben gefühlt alle in meinem Krankenhaus entbunden. Es war unfassbar voll, alle 15 Minuten wurde eine Frau mit einem Baby an mir vorbei gebracht. Nur ich saß da immer noch rum und frass meine Kekse. Irgendwann bei der erneuten Einleitung, war ich so sauer und hatte den Lande so dermaßen satt, und siehe da, Blasensprung. Es folgte eine schnelle, wenn auch etwas schmerzhafte Geburt. Und zwei Stunden später lag ein kleines, sichtlich wütendes Wesen in meinem Arm und ich könnte nicht glücklicher sein.