Archive for Dezember 2012

Das Gängeviertel Hamburg

30/12/2012

2–4 Minuten

Vom Armenviertel zum selbst verwaltetem Leben

Als Gängeviertel wurden in Hamburg die besonders eng bebauten Wohnquartiere in einigen Teilen der Altstadt und Neustadt bezeichnet.
Die Gängeviertel waren größtenteils mit Fachwerkhäusern bebaut, deren Wohnungen zumeist nur durch schmale Straßen, zum Teil verwinkelte oder labyrinthartige Hinterhöfe, Torwege und die namensgebenden Gänge zwischen den Häusern zu erreichen waren.
Die innerhalb der Wallanlagen in ihren Grundzügen noch mittelalterlich kleinteilig strukturierte Stadt war aufgrund der wachsenden Bevölkerung zunehmend stark verdichtet worden, so dass die Gängeviertel bei hoher Einwohnerdichte im 19. Jahrhundert ihre größte Ausdehnung erreichten.

Das Gängeviertel Hamburg

In den Vierteln wohnten meist mittlere und ärmere Bevölkerungsschichten, ebenso war kleinteiliges Gewerbe ansässig. Aufgrund der schlechten hygienischen Zustände, aber auch aus sozialen und politischen Bestrebungen begannen bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Sanierungsmaßnahmen durch Abriss.
Das letzte größere Gängeviertel wurde in den 1960er Jahren abgerissen. Wenige vereinzelte Bauten dieser Viertel sind bis heute erhalten.

Minimale Reste des einst ausgedehnten Viertels sind mit den Fachwerk-Traufenhäusern auf der Westseite des Bäckerbreitengangs und dem Eckhaus Dragonerstall (Zweite Hälfte des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts) noch erhalten. Diese sowie die in unmittelbarer Nähe gelegenen Gebäude zwischen Valentinskamp, Caffamacherreihe und Speckstraße stehen seit 1953 unter Denkmalschutz.

Eine letzte geschlossene Hofbebauung mit Fachwerkbauten aus dem 17. Jahrhundert ist mit den Krameramtsstuben in der Nähe der Hauptkirche Sankt Michaelis erhalten geblieben, siehe Fotos und Blogbeitrag: hier!

Zwischen Valentinskamp, Caffamacherreihe und Speckstraße 

Den Gebäudekomplex zwischen Valentinskamp, Caffamacherreihe und Speckstraße wollte im Jahre 2008 der niederländische Investor Hanzevast Capital n.v. von der Stadt Hamburg erwerben. Etwa zwölf Häuser mit wertvoller, weitgehend originaler Altbausubstanz sollten laut Planungen (2009) zu 80 % abgerissen; der Rest sollte saniert und aufgestockt werden.

Zu dem Gebäudekomplex zählen auch folgende zwischen 1987 und 2001 unter Denkmalschutz gestellte Gebäude: Valentinskamp 34 und 34a, als Fachwerkgebäude vermutlich aus dem 18. Jahrhundert, und ein spätgründerzeitliches Fabrikgebäude, Schier’s Passage (Valentinskamp 35, 36, 37, 38, 38 a–f, 39) als Gesamtanlage aus Vorderhaus mit Hofbebauung und Gewerbebau aus der Zeit von 1846 bis 1865 und die spätgründerzeitlichen Etagenhäuser Caffamacherreihe 37–39/43–49 des Architekten Carl Feindt.

Eine Volksinitiative setzt sich für den Erhalt und eine sinnvolle Nutzung, unter anderem durch künstlerische und kreative Aktivitäten, ein.
Seit dem 22. August 2009 besetzen unter der Schirmherrschaft von Daniel Richter etwa 200 Künstler das Gängeviertel und fordern sowohl Raum für Kreative als auch den kompletten Erhalt der historischen Gebäude.
Im November 2009 wurde das Manifest „Not In Our Name, Marke Hamburg“ ausgerufen. Die Initiative namens „Komm in die Gänge“ will „ein selbstverwaltetes, öffentliches und lebendiges Quartier mit kulturellen und sozialen Nutzungen“ schaffen.
Am 15. Dezember 2009 teilte der Hamburger Senat mit, dass der Verkauf an Hanzevast einvernehmlich rückabgewickelt werde, um „eine Projektkonzeption mit breiterem öffentlichen Konsens“ zu ermöglichen. Die bereits geleisteten Zahlungen von knapp 2,8 Millionen Euro wurden dem niederländischen Investor zurückerstattet.

Nicht in den Besitz von Hanzevast gelangte hingegen das denkmalgeschützte Gebäude Valentinskamp 40–42, bestehend aus Vorderhaus, Zwischenbau und Saaltrakt.
In dem Gebäude wurde seit 1809 ein Theater betrieben, das später als „Tütge’s Etablissement“ auch über Hamburg hinaus bekannt wurde. Nach Nutzungen als Festsaal wurde es in den 1920er Jahren Druckerei für die Hamburger Volkszeitung und 2005 als Theater Hamburger Engelsaal wiederbelebt.

Bis 2011 hat sich das Gängeviertel und dessen Umgebung bis hin zum Großneumarkt durch den Zuzug verschiedener Galerien, wie Feinkunst Krüger oder der Galerie Heliumcowboy und der Nutzung vormals leerstehender Ladenräume als Ateliers durch Hamburger Künstler, u. a. Pittjes Hitschfeld (ehem. Galerie Abriss), zu einem lebendigen Kultur- und Kunstzentrum Hamburgs entwickelt.

Im Herbst 2013 wurde eine umfangreiche Grundsanierung des Gängeviertels eingeleitet, beginnend mit dem Ensemble in der Caffamacherreihe 43–49. Die Sanierungsarbeiten sollen acht Jahre andauern und rund 20 Millionen Euro kosten.
Geplant ist die Errichtung von 80 preisgünstigen Wohnungen, Künstlerateliers und Gewerberäumen. Eine von den örtlichen Künstlern gegründete Genossenschaft soll die Häuser nach der Sanierung verwalten.

Alle Fotos sind in 2011 und 2012 entstanden. 

Die Krameramtsstuben in Hamburg

28/12/2012

1–2 Minuten

Die Kramer-Witwen-Wohnung ist eines der letzten erhaltenen Beispiele für eine typisch hamburgische Wohnhofsanlage aus dem 17. Jahrhundert. Ehemals als Wohnungen für Witwen vom Krameramt genutzt, bilden die um 1620 bis 1700 errichteten Fachwerkhäuser heute die letzte geschlossene Hofbebauung des 17. Jahrhunderts in Hamburg. Sie liegen am Krayenkamp in der Neustadt unterhalb des „Michels“.

Die 1676 gebauten Reihenhäuser haben alle den gleichen Zuschnitt: Je zwei Wohnungen stehen spiegelgleich nebeneinander. Der Wohnbereich für eine Witwe verteilte sich auf zwei Ebenen.
Im Erdgeschoss befanden sich neben dem Eingangsflur mit schmaler Treppe nach oben ein „kleines Wohnzimmer“ und eine enge Küche, die nur durch das zum Zimmer führende Innenfenster Tageslicht erhielt.
Das erste Obergeschoss bestand aus der „guten Stube“ mit einer, von einem Alkoven umschlossenen, Bettstatt. Eine weitere Treppe führt ins Dachgeschoss, das zum Hof hin eine befensterte Luke hat, durch die der Brennstoff wie Holz und Torf befördert wurde. Eine Gemeinschaftstoilette befand sich am Ende des Hofes.

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Bis zur Installation von Wasserleitungen Ende des 19. Jahrhunderts wurden zwei Wasserpumpen genutzt. Die beiden Häuserzeilen mit dem schmalen Gang dienten bis zur Restaurierung im Jahre 1968 als Altenwohnungen.
1974 übernahm das Museum für Hamburgische Geschichte eine Wohnung und stattete sie mit Inventar im Stile des 19. Jahrhunderts aus. Sämtliche Einrichtungsgegenstände stammen nicht ursprünglich aus der Wohnung, illustrieren aber den Wohngeschmack einer nicht armen Mittelschicht.
Die Gestaltung der Wände mit Schablonenmalerei entspricht alter Handwerkstechnik und wurde mit freundlicher Unterstützung des Deutschen Maler- und Lackierermuseums ausgeführt.

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Heute von kleinen Läden, Galerien, Restaurants und einer als Museum erhaltenen Wohnung genutzt, veranschaulicht das Ensemble aus den beiden Vorderhäusern, mit den beidseitig entlang eines schmalen Ganges errichteten Häusern der Hofbebauung, am besten das Aussehen der bis ins 20. Jahrhundert weite Teile der Hamburger Alt- und Neustadt prägenden Gängeviertel.

Die ältesten Häuser der Anlage am Krayenkamp 10/11 (Haus a und n/m) sind zugleich die ältesten erhaltenen Wohngebäude der aus Alt- und Neustadt bestehenden Hamburger Innenstadt.

Wälderhaus Wilhelmsburg

27/12/2012

1–2 Minuten

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Emma und ich hatten seit 2011 Hamburg nicht nur mit der Kamera für uns entdeckt, sondern dabei war auch ein szeneorientierter Stadtteilführer von Luups, der mit Gutscheinen (Essen, Trinken, Freizeit, Kultur) ausgestattet war. Und das wurde am 26. Dezember im Waldhaus eingelöst!

Das Wälderhaus der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald im sozialen und von hoher Armut betroffenen Stadtteilvorort Hamburg-Wilhelmsburg beherbergt das „Science Center Wald“, eine 650 m² große interaktive und dauerhafte Walderlebnisausstellung zum Thema „Ökosystem Wald“ und zur Stadtnatur.
Die oberen drei Stockwerke des Gebäudes sind Hotel. Des Weiteren ist ein Veranstaltungsforum untergebracht.
Zielsetzung ist die Veranschaulichung der Zusammenhänge zwischen Wald, Umwelt und Nachhaltigkeit und die Darstellung des Themas Stadtnatur.

Darüber hinaus beherbergt das fünfgeschossige Gebäude das Restaurant „Wilhelms im Wälderhaus“ und in den oberen drei Etagen das „Raphael Hotel Wälderhaus“.
Hat mir sehr gut dort gefallen. Das Ambiente ist chic, innen war es wohlig angenehm mit warmer Atmosphäre. Die Gastronomie sehr gut! Empfehlung!


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