Auflösung in Pixel oder Auflösung in Pixeln?

Frage

Seit einiger Zeit suche ich nach einer eindeutigen Antwort auf die Frage, wie man Folgendes richtig schreibt:

a) Auflösung in Pixel
b) Auflösung in Pixeln

Hierzu habe ich bereits Analogien gesucht und gefunden, z. B. „Auflösung in Bildpunkten“ scheint richtig zu sein, denn „Auflösung in Bildpunkte“ sagt man nicht. Es gibt jedoch weitere unklare Fälle wie z. B. „Länge in Metern“ bzw. „Länge in Meter“. Ich hoffe, dass Sie mir bei dieser Frage helfen können.

Antwort

Guten Tag A.,

eine eindeutige Antwort gibt es hier nur insofern, als Auflösung in Pixeln besser ist als Auflösung in Pixel. Dasselbe gilt für zum Beispiel Länge in Metern, Abstand in Kilometern, Gewicht in Zentnern. Am besten also:

Auflösung in Pixeln
Länge in Metern
Abstand in Kilometern
Gewicht in Zentnern

Nach diesem in folgt nämlich der Dativ. Siehe zum Beispiel:

Auflösung in Bildpunkten
Länge in laufenden Metern
Abstand in gerundeten Kilometern
Gewicht in halben Zentnern

Die endungslosen Formen (Auflösung in Pixel, Länge in Meter, Abstand in Kilometer, Gewicht in Zentner) kommen aber auch vor. Das hat sehr wahrscheinlich damit zu tun, dass männliche Maß- und Mengenangaben auf unbetontes -er und -el im Dativ Plural gebeugt und ungebeugt verwendet werden können, wenn sie mit einer Zahlenangabe stehen:

in zehn Meter/Metern Höhe
in 20 Kilometer/Kilometern Entfernung
die Verwendung von 10 Zentner/Zentnern Kupfer
bei zwei Drittel/Dritteln der Befragten
mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixel/Pixeln

Beides gilt in diesen Fällen auch standardsprachlich als korrekt (siehe auch hier).

Zusammenfassend: Ohne Zahlenangabe verwenden Sie am besten Auflösung in Pixeln (das ist sicher richtig), aber Auflösung in Pixel kommt auch vor.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Mit oder ohne Bindestrich:
Geisterbahn-ähnlich oder
geisterbahnähnlich?

Frage

Von zwei Korrektoren haben wir zwei verschiedene Antworten erhalten. Welche stimmt? Oder gibt es gar eine dritte Lösung?

Aufgehängt an Haken treten die Beutel eine Geisterbahn-ähnliche Fahrt an.
Aufgehängt an Haken treten die Beutel eine geisterbahnähnliche Fahrt an.

Ich nehme an, dass es sich um den gleichen Fall wie „butterweich“ oder „knochentrocken“ handelt und daher klein und zusammengeschrieben wird.

Antwort

Guten Tag Herr K.,

im Prinzip schreibt man hier tatsächlich nach § 36(1.1) der Rechtschreibregelung zusammen. Wenn das erste Glied der Zusammensetzung einer Wortgruppe entspricht, wird zusammengeschrieben:

abbruchreif = reif für den Abbruch
sauerstoffarm = arm an Sauerstoff
windgeschützt = vor dem Wind geschützt
algorithmusgesteuert = durch einen Algorithmus gesteuert

und ebenso:

geisterbahnähnlich = einer Geisterbahn ähnlich
eine geisterbahnähnliche Fahrt = eine einer Geisterbahn ähnliche Fahrt

Wie fast immer bei Zusammensetzungen kann man nach § 45(2) derselben Regelung auch einen „verdeutlichenden“ Bindestrich verwenden:

Geisterbahn-ähnlich
eine Geisterbahn-ähnliche Fahrt

Dabei ist die Großschreibung des Substantivs zu beachten, siehe § 55(2) der Rechtschreibregelung.

Beide Varianten sind also korrekt. Ich würde hier die zusammengeschriebene Variante geisterbahnähnlich empfehlen, denn ich halte diese Zusammensetzung nicht für unübersichtlich.

Ähnliches gilt auch für Zusammensetzungen wie diese:

eine rollstuhlgerechte Wohnung
eine hochseetaugliche Jacht
das datenbankbasierte Engineering
die algorithmusgesteuerte Nachrichtenauswahl

Man kann sie auch mit Bindestrich schreiben, aber sind diese Varianten wirklich besser lesbar?1

eine Rollstuhl-gerechte Wohnung
eine Hochsee-taugliche Jacht
das Datenbank-basierte Engineering
die Algorithmus-gesteuerte Nachrichtenauswahl

Kurzum: Meiner Meinung nach am besten eine geisterbahnähnliche Fahrt, aber eine Geisterbahn-ähnliche Fahrt geht auch. Nur *eine Geisterbahn ähnlich Fahrt ist wirklich falsch, auch wenn man solchem häufiger begegnet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

1 Der Bindestrich bei Zusammensetzungen wird häufig zu Recht für Texte in Leichter Sprache empfohlen. Zusammensetzungen wie die obenstehenden sollte man aber in solchen Texten auch dann vermeiden, wenn man sie mit Bindestrich schreibt.

Wird ein halber Tag oder einen halben Tag gespielt?

Frage

Ich hätte eine Frage zu folgendem Satz: „Gespielt wird ein halber Tag“. Ich bin ein wenig unsicher, ob es nicht eher „einen halben Tag“ heißen müsste oder ist „ein halber Tag“ hier das Subjekt?

Antwort

Guten Tag Frau T.

richtig ist hier tatsächlich einen halben Tag:

Gespielt wird einen halben Tag.

Die Wortgruppe ist nicht das Subjekt eines Passivsatzes (bzw. das Akkusativobjekt des entsprechenden Aktivsatzes). Es ist eine eine Zeitbestimmung.

  • nicht:

Wer oder was wird gespielt? – ein halber Tag
(Wen oder was spielt man? – einen halben Tag)

  • sondern:

Wie lange wird gespielt? – einen halben Tag
(Wie lange spielt man? – einen halben Tag)

Deshalb steht nicht der Nominativ, sondern der Akkusativ. Es handelt sich bei einen halben Tag um einen Adverbialakkusativ oder adverbialen Akkusativ.

Der Nominativ ein halber Tag klingt vielleicht gar nicht so falsch, weil halber Tag rein formal auch das Subjekt zu gespielt werden sein könnte. Der Nominativ ist aber nicht korrekt, weil er von der Bedeutung her nicht stimmen kann. Das sieht man zum Beispiel dann, wenn man einen anderen Adverbialakkusativ einsetzt oder ein anderes Verb wählt:

Man spielt den ganzen Tag.
Gespielt wird den ganzen Tag.

Man wartet einen halben Tag.
Gewartet wird einen halben Tag.

Noch deutlicher wird es vielleicht, wenn man ein Subjekt ergänzt:

Man spielt das Spiel einen halben Tag.
Gespielt wird das Spiel einen halben Tag.

Und wenn man immer noch unsicher ist, kann man auch einfach lang ergänzen:

Gespielt wird einen halben Tag lang.

Wenn das möglich ist, ohne dass sich die Bedeutung ändert, ist der Akkusativ richtig. Ich finde die Formulierung mit lang übrigens in diesem Satz stilistisch sowieso etwas besser.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

(Von) anderswoher und (von) woandersher

Frage

Ich denke über das Wort „woanders“ nach. Ich möchte damit ausdrücken, dass jemand von einem anderen Ort kommt. Sind die folgenden Sätze grammatisch? Würden Sie Satz 1 oder Satz 2 bevorzugen?

Satz 1: Er kommt von woanders her.
Satz 2: Er kommt woanders her.

Antwort

Guten Tag Herr M.,

hier passt am besten „woandersher“ oder „anderswoher“:

Er kommt woandersher.
Er kommt anderswoher.

(In den Wörterbüchern werden diese Adverbien zum Teil als „umgangssprachlich“ bezeichnet, aber das soll uns hier nicht weiter stören.)

Man schreibt also zusammen. Das gilt auch für zum Beispiel irgendwoher, nirgendwoher bzw. woandershin*, anderswohin*, irgendwohin*, nirgendwohin*:

Irgendwoher klang leise Musik.
Als er sie hereinkommen sah, blickte er schnell woandershin.
Wir gehen nirgendwohin.

Die Kombination mit von – also von woandersher, von anderswoher oder von woher – kommt auch vor, sie ist aber eigentlich redundant, denn woher und woandersher drücken ja schon VON einer (anderen) Stelle aus. Dennoch begegnet man dieser Kombination sehr häufig, so dass man sie kaum als falsch bezeichnen kann. Interessant ist hier, dass die entsprechende Verbindung nach woandershin bzw. nach anderswohin nur sehr selten vorkommt.

Meine Empfehlung: statt von woher/von woandersher/von anderswoher besser einfach woher/woandersher/anderswoher und am besten nie nach woandershin/nach anderswohin, sondern nur woandershin/anderswohin.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Hier ist manchmal je nach Bedeutung auch eine andere Schreibung möglich:

Wollen wir uns anderswohin setzen? (an einen anderen Ort setzen)
Wollen wir uns anderswo hinsetzen? (an einem anderen Ort hinsetzen)

etwas achtlos irgendwohin legen (an irgendeinen Ort legen)
etwas achtlos irgendwo hinlegen (an irgendeinem Ort hinlegen)

Verständnis einer Sache, Verständnis von einer Sache, Verständnis für eine Sache

Frage

Ich stolpere ständig über Sätze, in denen der Begriff „Verständnis“ vorkommt. Klar ist mir eigentlich, dass mit „Verständnis für etwas“ eher ein Einfühlungsvermögen gemeint ist.

Nun scheint es aber gemäß meiner wiederholten Recherche keinen Unterschied zwischen „Verständnis von etwas“ und „Verständnis + Genitivattribut“ zu geben. Angeblich ist die Genitivkonstruktion üblicher und zu bevorzugen, womit ich jedoch oft ein Problem habe.

Meines Erachtens wird es schlimm, wenn sowohl eine Person als auch ein Gegenstand genannt werden, z. B. „Verständnis des Dichters der mittelalterlichen Literatur“.

Auch die folgende Formulierung klingt für mich komisch: „Wir sollten das Verständnis der Menschen der Chancen und Gefahren künstlicher Intelligenz fördern.“ […]

Antwort

Guten Trag Frau B.,

mit Verständnis für jemanden/etwas wird gesagt, dass man sich in eine Person oder eine Sache hineinversetzen kann. Mit Verständnis einer Sache wird gesagt, dass man etwas versteht, begreift.

Mit der zweiten Bedeutung von Verständnis steht das Objekt (dasjenige, was verstanden wird) im Prinzip im Genitiv:

Viele Fremdwörter erschweren das Verständnis des Textes.
Das Verständnis seiner Motive ist wichtig.

Auch das Subjekt des Verstehens (die Person, die versteht) steht im Prinzip im Genitiv:

das Verständnis des Dichters (der Dichter versteht)
das Verständnis der Schüler fördern (die Schüler verstehen)

Ob der Genitiv das Objekt oder das Subjekt bezeichnet, ergibt sich aus dem Zusammenhang. In der Regel sind bei Verständnis mit dieser Bedeutung Personen Subjekt und Nichtpersonen Objekt. Deshalb ist in Fällen wie den folgenden (mehr oder weniger) klar, was gemeint ist:

das Verständnis des Richters der Motive des Täters
das Verständnis des Dichters der mittelalterlichen Literatur

Ebenso zum Beispiel:

die Beurteilung des Richters der Motive des Täters
die Kenntnis des Dichters der mittelalterlichen Literatur

Formulierungen dieser Art werden dennoch häufiger vermieden, das heißt, man weicht auf andere Formulierungen aus. Manchmal wird mit für formuliert. Das ist aber nicht zu empfehlen, da Verständnis für eine andere Bedeutung hat (siehe oben):

das Verständnis des Richters für die Motive des Täters (andere Bedeutung)
das Verständnis des Dichters für die mittelalterliche Literatur (andere Bedeutung)

Es ist ebenfalls nicht zu empfehlen auf eine Formulierung mit von auszuweichen. Wenn die Wortgruppe wie hier einen Artikel enthält, gilt dies als umgangssprachlich:

das Verständnis des Richters von den Motiven des Täters (umgangssprachlich)
das Verständnis der Dichters von der mittelalterlichen Literatur (umgangssprachlich)

(Mehr dazu, wann man auch standardsprachlich von statt des Genitiv verwenden kann oder muss, siehe hier.)

Weder für noch von bieten hier also eine gute Lösung. Es ist deshalb standardsprachlich besser, a) den doppelten Genitiv stehen zu lassen oder b) ganz anders zu formulieren, wenn man ihn vermeiden will. Zum Beispiel:

  1. Das Verständnis des Richters der Motive des Täters ist wichtig.
  2. Es ist wichtig, dass der Richter die Motive des Täters versteht.
  1. Darin zeigt sich das große Verständnis des Dichters der mittelalterlichen Literatur.
  2. Darin zeigt sich, dass der Dichter ein großes Verständnis der mittelalterlichen Literatur hat.
    Darin zeigt sich das große Verständnis des Dichters im Bereich der mittelalterlichen Literatur.
  1. Wir sollten das Verständnis der Menschen der Chancen und Gefahren künstlicher Intelligenz fördern.
  2. Wir sollten den Menschen die Chancen und Gefahren künstlicher Intelligenz besser verständlich machen.

Der Genitiv ist schön, man sollte es aber innerhalb eines Satzes nicht damit übertreiben. Das Verständnis der Lesenden des Inhaltes des Textes könnte darunter leiden – wie dieser letzte Satz zeigt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Reagiert man über oder überreagiert man?

Frage

Ich schicke Ihnen eine kleinere Frage zum Verb „überreagieren“. Nach der Betonungsregel parallel zu „einen Mantel überziehen“ klar auf der ersten Silbe betont, also trennbar. Mir ist aber bei „er reagiert über“ sehr unwohl. Kann das stimmen? Und wie ist dann die Form im Perfekt? Ich finde „er hat überreagiert“ richtig.

Antwort

Guten Tag Frau D.,

problemlos ist hier das Perfekt. Richtig ist:

er hat überreagiert

Anders sieht es bei gebeugten (finiten) Formen im Hauptsatz aus. Die beste Lösung ist hier wieder einmal, auf eine andere Formulierung auszuweichen. Wenn es doch sein soll, dann am besten ungetrennt:

er überreagiert

Verben mit betontem über mit der Bedeutung zu sehr/stark sind im Deutschen dann problematisch, wenn sie als finite (gebeugte) Form im Hauptsatz stehen. Sind sie dann trennbar oder nicht? Sie müssten eigentlich trennbar sein, denn betonte Vorsilben werden im Hauptsatz abgetrennt:

einen Mantel überziehen – du ziehst den Mantel über
jemanden aufs Festland übersetzen – er setzt uns aufs Festland über
zu einem anderen Thema überwechseln – wir wechseln zu einem anderen Thema über

Bei den Verben dieser Gruppe (über = zu sehr/stark) ist dies aber nicht der Fall. Meist werden sie nur im Infinitiv und als Partizip gebraucht1:

Man sollte nicht überreagieren.
Sie haben überreagiert.

Seltener kommen finite Formen im Nebensatz vor:

Denkst du, dass ich überreagiere?
Ich finde, dass ihr überreagiert.

Im Hauptsatz kommen Verben dieser Art nur selten vor. Nach den Angaben in den Wörterbüchern, wenn sich überhaupt etwas dazu finden lässt, bleiben die Verbformen dann (meist) ungetrennt:

In diesem Fall überreagierst du.
Kleine Kinder überreagieren nicht, sie reagieren einfach ehrlich.

Im DWDS findet sich aber neben [er] überreagiert auch [er] reagiert über. Ich halte die getrennten Formen reagiert über für ungebräuchlich, aber es zeigt sich sowieso, dass hier eine relativ große Unsicherheit herrscht2. Am besten vermeiden Sie bei Unsicherheit solche Formen.

Dasselbe gilt auch für u.a.:

überbelasten, überbelegen, überbelichten, überbetonen, überbewerten, überbezahlen, übererfüllen, überversichern, überversorgen; überdosieren, überinterpretieren, überkompensieren, überregulieren, überstrapazieren, übertrainieren

sowie deren Gegenteil auf unter-, sofern vorhanden. Bei den meisten dieser Verben werden, wenn überhaupt, ungetrennte finite Hauptsatzformen angezeigt (du überbelastest, du überbelichtest, du überbetonst usw.).

Doch wie gesagt: Die Unsicherheit ist bei diesen Formen groß und ihre Häufigkeit (entsprechend?) gering.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

1 Gemäß den Angaben im Online-Duden gibt es sogar gar keine finiten Verbformen von überreagieren. Nach einem kurzen Blick ins Internet und andere Wörterbücher halte ich das für nicht zutreffend.

2 Die Unsicherheit hat vielleicht damit zu tun, dass diese Verben häufig weniger direkte Ableitungen von einem Verb sind als eher Rückbildungen aus Substantiven wie Überreaktion, Überdosierung bzw. aus adjektivischen Partizipien wie überbelastet, überbelichtet usw. Zum Substantiv Überreaktion wird das Verb überreagieren gebildet, zum adjektivichen Partizip überbelichtet das Verb überbelichten usw.

Nebenordnendes „weil“ – vielleicht etwas verwirrend, weil eher selten

NB: Es geht hier nicht um das eher umgangssprachliche weil zwischen Hauptsätzen (Ich komme nicht, weil ich habe keine Zeit), sondern um standardsprachliches weil zwischen Adjektiven.

Frage

Vor kurzem habe ich Folgendes auf der Zeitung gelesen:

Sie bemühen sich weiterhin, ein missratenes, weil der Zukunft abgewandtes Rentenpaket zu retten.

Was für eine Funktion erfüllt „weil“ in diesem Satz? Warum steht es zusammen mit einer Infinitivkonstruktion?

Antwort

Guten Tag N.,

in diesem Satz hat weil eine Funktion, die es eher selten hat. In der Regel leitet weil unterordnend einen Nebensatz ein.

Das Rentenpaket ist missraten, weil es der Zukunft abgewandt ist.

Seltener kann weil nebenordnend zwischen zwei Adjektiven oder adjektivisch verwendeten Partizipien stehen. Es verbindet dann zwei Attribute (nähere Bestimmungen) miteinander, von denen das zweite das erste begründet:

ein missratenes, weil der Zukunft abgewandtes Rentenpaket

In Ihrem Satz fügt weil das Attribut der Zukunft abgewandtes an, und zwar als Begründung für missratenes. Etwas ist missraten, weil es der Zukunft abgewandt ist. Dieses weil leitet also nicht einen Begründungssatz ein, sondern es verbindet begründend zwei Adjektive miteinander.

Diese Verwendung von weil wird nicht in allen Wörterbüchern und Grammatiken angegeben und kann insbesondere bei Deutschlernenden für Verwirrung sorgen.

Weitere Beispiele:

eine schlechte, weil lückenhafte Darstellung
uninteressante, weil irrelevante Informationen
die empfehlenswerte, weil sehr abwechslungsreiche Wanderung

Auch begründendes da kann so verwendet werden:

ein missratenes, da der Zukunft abgewandtes Rentenpaket
eine schlechte, da lückenhafte Darstellung
uninteressante, da irrelevante Informationen

So viel zu diesem anfangs vielleicht etwas verwirrenden, weil eher selten vorkommenden nebenordnenden weil. (Den vorhergehenden schwer verständlichen, weil komplizierten Satz formuliert man besser anders, wenn man auf Anhieb verstanden werden möchte – und diesen auch.)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Massenhaft Dokumente?

Frage

Könnten Sie mir bitte sagen, ob der folgende Satz so stimmt?

Massenhaft Dokumente belegen das.

Antwort

Guten Tag Frau F.,

rein umgangssprachlich ist der Satz gebräuchlich. Das Wort massenhaft hat dabei die Bedeutung sehr viel, zahlreich.

Massenhaft Dokumente belegen das.

Man kann dies mit der ebenfalls umgangssprachlichen Wendung jede Menge vergleichen:

Jede Menge Dokumente belegen das.

ABER: Standardsprachlich gilt diese Verwendung von massenhaft nicht als korrekt. Anders als viel kann massenhaft nämlich nicht ungebeugt vor einem Substantiv stehen und es näher bestimmen. Das Adjektiv muss dann gebeugt werden:

massenhafte Arbeitslosigkeit
massenhafter Ansturm auf die Geschäfte
massenhaftes Auftreten von Problemen

Die ungebeugte Form kann u. a. adverbial verwendet werden (Bedeutung: in Massen, in großen Mengen):

Die Probleme treten massenhaft auf.
Massenhaft treten Probleme auf.
Es treten massenhaft Probleme auf (massenhaft = in Massen)

Die Dokumente wurden massenhaft gefälscht.
Massenhaft wurden Dokumente gefälscht.
Es wurden massenhaft Dokumente gefälscht (massenhaft = in großen Mengen)

Aber nicht bzw. nur umgangssprachlich:

Massenhaft Probleme treten auf.
Massenhaft Dokumente wurden gefälscht.
Massenhaft Dokumente belegen das.

Standardsprachlich sagt man dann besser zum Beispiel:

Zahlreiche Probleme treten auf.
Sehr viele Dokumente wurden gefälscht.
Zahlreiche Dokumente belegen das.

Zusammenfassend: Der Satz in Ihrer Frage stimmt, aber nur umgangssprachlich. Standardsprachlich sollte anders formuliert werden. Dort kann ungebeugtes massenhaft grob gesagt nur dann vor einem Substantiv stehen, wenn es durch in Massen oder in großen Mengen ersetzt werden kann (siehe Beispiele oben).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp