
Mercedes Lauenstein hat letztes Jahr diesen schönen Fragmente-Roman veröffentlicht. Man kann ihn in wenigen Tagen durchlesen, und es sind viele nachhallende Sätze, Gedanken und Gefühle drin. Zum Beispiel die Beobachtung einer Frau, die im Supermarkt heimlich aus einem Gurkenglas nascht, und wie schrecklich es wäre, dabei erwischt zu werden:
Das Risiko, dem möglichen Beobachter in die Augen blicken zu müssen, käme schon der Strafe gleich. Wenn Konsequenzen folgen, erfährt man es früh genug. Wenn nicht, lebt man besser in dem Glauben, es habe einen niemand gesehen.
Oder hier, über Albträume und Angst und wie man ihnen entflieht (ein immer währendes Thema für mich):
Ich muss es schaffen, einen Finger zu bewegen. Einen Zeh. Als ich es schließlich schaffe, mich aufzusetzen, lässt der Spuk nach. Die Wohnungstür ist geschlossen, niemand ist da. Ich selbst bin das Geisterschloss, immer gewesen.«
Und auch wiedergefunden habe ich mich hier auf Seite 61, als über die Gesellschaft einer Katze sinniert wird. Die Anwesenheit eines Haustieres ist schön, aber die Verantwortung kommt für die Erzählerin nicht in Frage:
Es gibt nichts Schöneres als die Vorstellung einer Sache und nichts Enttäuschenderes, als wenn man sie bekommt. In der Sehnsucht nach dem, was nicht da ist, liegt das eigentlich Lebendige.
Das Buch ist nachdenklich und melancholisch und dennoch gemütlich, wie ein Regentag in München. Wer Fragmenten und schönen Sätzen etwas abgewinnen kann, ist damit gut beraten. Mercedes Lauenstein, Zuschauen und Winken, Blumenbar 2025.




