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Das Brot und die Gier

Das Schöne an den menschlichen Zusammenschlüssen ist ihre Unberechenbarkeit. Was man berechnen kann, ist, dass Menschen in bestimmten Sozialsystemen unterschiedliche Präferenzen zelebrieren, die Grundbedürfnisse jedoch bleiben. Und, analog zum viel gescholtenen Wolf, es geht in erster Linie immer um Ressourcen. Wer das außen vorlässt, bewegt sich auf das Phänomen des Opferlamms zu, was aktuell in bestimmten Sphären verstärkt anzutreffen ist und als eine Art Dekadenzerscheinung eingestuft werden muss.

Sind aber erst einmal die Grundbedürfnisse befriedigt, d.h. sind die Ressourcen dafür gesichert, dann beginnt, nicht beim Wolf, aber beim Menschen, der soziale Vergleich. Er ist das Grundmuster eines zunächst erfolgreichen, später jedoch mehr und mehr ruinösen Kapitalismus. Um es verständlich auszudrücken: wer den Hals nicht vollkriegt, obwohl der Befriedigung der lebenserhaltenden und der jeweiligen Zivilisationsstufe entsprechenden Bedürfnisse nichts mehr im Wege steht, begibt sich auf den Weg, das erfolgreiche System selbst infrage zu stellen. Das klingt zwar absurd, ist aber der Schlüssel zu dem, was wir in der menschlichen Entwicklung bedauerlicherweise beobachten müssen. Um es aus den Augen des Wolfes zu kommentieren: eine Gier jenseits der Bedürfnisbefriedigung ist mir unbekannt und erschüttert mich zutiefst.

Und obwohl die Geschichte immer wieder in Kriegen kulminiert, die den Kampf um Ressourcen manifestieren, verfügt sie auch über Phasen, in denen bestimmte Exemplare der Gattung und besondere Kohorten den Versuch machen, zwischen den unterschiedlichen Organisationen der Gattung, seien es Staaten, Bündnisse oder große nicht-staatliche Zusammenschlüsse, einen Modus vivendi herzustellen, der ein gewisses, meist sogar üppiges Maß an Ressourcenzugriff den einzelnen Teilen zugesteht und dennoch den Drang nach Expansionen und Zugriff limitiert. Das sind die Perioden, die unter der schönen Überschrift „Frieden“ in die Geschichtsbücher eingeht und in denen Messer und Mord weitestgehend verbannt sind. In diesen Phasen entwickelt sich so etwas wie Zivilisation, sie ermächtigt die Menschen, ihre Energie und ihre Phantasie für etwas einzusetzen, das die Illusion nährt, das menschliche Dasein strebe nach Kultur und Verfeinerung.

Leider bringen diese Episoden zumeist die Illusion bei denen, die in ihr leben, hervor, dass es doch eine wunderbare Sache sein muss, wenn man das Modell des Friedens, des Rechts und der kulturellen Verfeinerung benutzte, um ganz klamm und heimlich die Koexistenz mit den Anderen zu durchbrechen und sich derer Lebensgrundlagen zu bemächtigen. Und sie treffen in der eigenen Entität auf viele, die im schönen Frieden die Mobilität verloren haben, die es braucht, um im eigenen Gehege die Raubtiere zu bändigen. Denn Frieden nach außen setzt Befriedung nach innen voraus. Und dass es heftig zugeht, wenn Mächte, die eine gewisse Zeit im Frieden miteinander koexistierten, jede für sich, den inneren Kampf gegen die Gier verloren haben, aufeinandertreffen, ist nur folgerichtig.

Denen, die den Krieg als etwas prinzipiell Zerstörerisches ansehen, sei gesagt, dass es ohne die Sicherung der eigenen Existenzgrundlagen einerseits und ohne den Krieg gegen die Gier im eigenen Hause andererseits keinen Frieden geben wird. Egal, wo der Homo sapiens auf diesem Planeten steht. 

Le pain est le droit du peuple, das Brot ist das Recht des Volkes, hieß es in der Französischen Revolution. Richtig. Und die Gier, die Gier ist die Feindin des Friedens.   

Das Brot und die Gier
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Profis im fundamentalen Irrtum

Ein Phänomen lässt sich bereits jetzt feststellen: Die Experten, die mit ihren Einschätzungen in der Vergangenheit bereits mehrere Male gründlich falsch lagen, sitzen in allen möglichen Medienanstalten wieder vor den Mikrophonen und werden um Rat gefragt. Sie haben sich bereits bei allem gründlich geirrt, bei den Notwendigkeiten während Corona, bei der Erklärung des Krieges in der Ukraine, bei den Prognosen hinsichtlich des militärischen Verlaufs, bei der Deutung von Sabotageakten gegen kritische Infrastruktur, bei der Einschätzung, auf welche Rüstungsgüter man setzen soll, bei der Kalkulation der Wirkung von Sanktionspaketen, bei der Beurteilung der amerikanischen Verhältnisse und bei der Spekulation wie man dem derzeitigen Präsidenten dort am besten begegnet. 

Alles falsch. Und wenn man selbst weiterhin auf der Suche nach Deutung und Wahrheit  und dieser Prozess sehr volatil und unsicher ist, bleibt eines gewiss. Die Experten, die sich permanent präsentieren irren sich immer. Dass niemand an ihrer Eignung zweifelt, ja zweifeln darf, weil das das ganze Konstrukt einer fiktiven Wahrheit zum Einsturz brächte, deshalb müssen sie uns erhalten bleiben. Mehr noch. Sie werden mit Preisen zugehängt, dass sie kaum noch aufrecht gehen können. Das jüngste Beispiel illustriert das System perfekt. Da bekommt eine Mitarbeiterin eines von der amerikanischen Kriegsfraktion und der hiesigen Bundesregierung finanzierten Instituts, das alle Einschätzungen und Notwendigkeiten der NATO-Osterweiterung am Fließband produziert und die sich ihrerseits an der Feindbildkonstruktion massiv beteiligt hat, vom Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold überreicht. Da ist alles gesagt. Über die Verdorbenheit, über den Irrsinn und über die Unbelehrbarkeit. Und wäre da ein Regisseur am Werk, dem schlüge ein seriöser Dramaturg doch heftig auf die Finger, wenn die zu ehrende Person auch noch als Namen einen militärischen Rang trägt.

Die alte Welt mit ihren Gewissheiten ist zumindest in der westlichen Hemisphäre nicht mehr existent, und dennoch sitzen Experten, die die Prognosen ihres Untergangs als böse Verschwörungstheorien in den Wind schlugen, wieder in den Sesseln ihrer korrupten Wichtigkeit. Ihre Expertise lässt sich durchaus auf das ungeheure Ausmaß ihrer Impertinenz zurückführen. Oder welcher Mensch, der noch halbwegs bei Verstand ist und durch seine Erziehung ein Maß an Redlichkeit mitbringt, käme auf die Idee, sich als außenpolitischer Experte titulieren zu lassen, der nie ein Amt in diesem Bereich hatte, der nie in anderen Ländern gelebt hätte und der internationale Organisationen nur vom Namen kennt? Genau. Niemand. Aber von dieser Sorte wimmelt es in einer weltfremden, aber gerade darin professionalisierten Medienwelt. Und dieses Phänomen ist seit Corona bestens bekannt. Auch da spielte sich so manche Schlunze als Epidemiologe auf. Und bei den „Kennern“ Russlands ist es ähnlich. Sie kennen weder die jüngere Geschichte des Landes noch dessen kulturelle Vielfalt und die aus beidem abzuleitenden Interessen.

Gut. Nun kann man klagen. Aber wir wissen alle, dass das nichts bringt. Und die Überlegungen hinsichtlich der vermeintlichen neuen Weltlage aus diesen Quellen bringen nur eine Sicherheit: sie werden in die Irre führen. Denn in einem sind diese Art von Experten tatsächlich Profis: im fundamentalen Irrtum. 

Das eigene Denken mit der in der ureigenen gesellschaftlichen Praxis erworbenen Erfahrung wird mehr Gewissheiten zeitigen, als die zur Volksbelustigung produzierte Scheinwelt hemmungsloser Komparsen.   

Profis im fundamentalen Irrtum
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Uranus

Blaues Licht
Kalte Nacht
Polizisten suchen
Verbotene Fracht.

Stille Häuser
Wache Blicke
Versteckt
Im dichten Regen.

Geheimnisse
Die keine sind
Spannung
Die Verzweiflung gleicht.

Sphärische Töne
Aus einer fernen Welt
Zersägen
Tiefe Dunkelheit.

Ozeane
Werden Boten
Senden Noten
In das ferne Grau.
Uranus