Bundespräsident Alexander Van der Bellen glaubt nicht an einen baldigen Abschied Österreichs von der Neutralität. „Ich persönlich werde es wahrscheinlich nicht erleben, dass die Neutralität Österreichs in militärischer Hinsicht – dass das Gesetz geändert wird“, sagte Van der Bellen am Donnerstag nach einem Treffen mit seinem Schweizer Amtskollegen Guy Parmelin in Wien.
Der langjährige frühere grüne Parlamentarier Van der Bellen sagte, das Neutralitätsgesetz sei „das kürzeste Gesetz, das ich je gesehen habe“. Es bestehe aus drei Sätzen: dem Verbot, einem Militärpakt beizutreten, dem Verbot der Stationierung fremder Truppen und dem Gebot, für die eigene Sicherheit zu sorgen.
„Ansonsten hindert uns die Neutralität nicht an der Politik“, verwies er auf die Beteiligung Österreichs an der EU-Politik gegen den russischen Aggressionskrieg in der Ukraine.
Parmelin verweist auf Vorteile
„Die Neutralität ist sehr einfach in Friedenszeiten, aber viel schwieriger, wenn es Konflikte gibt“, sagte Parmelin. Auch wenn es in der Schweiz eine Debatte über die Neutralität gebe, sei er überzeugt, dass sie mittelfristig Vorteile habe. Diesbezüglich hob er die Vermittlerrolle des Landes hervor, etwa auch zwischen Washington und Teheran. „Der Kommunikationskanal ist offen und wird genutzt.“
Die Teilnahme an der NATO-Partnerschaft für den Frieden und auch gemeinsame Übungen mit NATO-Staaten seien mit der Schweizer Neutralität vereinbar, so Parmelin. Die Schweizer Regierung habe zudem Sondierungsgespräche über den Abschluss einer „Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft“ mit der EU beschlossen, fügte der Westschweizer Politiker hinzu.
Zurückhaltung beim Thema Grönland
Bedeckt äußerten sich Van der Bellen und Parmelin indes auf Fragen zu einem Vorgehen gegen die USA in Sachen Grönland. Parmelin bezeichnete eine Frage nach einer Beteiligung der Schweiz an EU-Sanktionen gegen den Aggressor als „Fiktionspolitik“, wies aber zugleich darauf hin, dass sich Bern an fast allen Maßnahmen der Europäischen Union gegen Russland beteiligt habe.
Van der Bellen wich ebenfalls der Frage aus, wie weit die Europäer gehen sollten, um Grönland zu verteidigen. Grönland ist autonomes Territorium innerhalb Dänemarks, das wiederum EU- und NATO-Mitglied ist. „Wenn ein NATO-Staat einen anderen NATO-Staat angreift, dann ist das das Ende der NATO, wie wir sie kennen.“ Die Zukunft der Insel soll „den Grönländerinnen und Grönländern überlassen“ bleiben, wie Van der Bellen dazu anmerkte.