Ob draußen die Blätter goldener werden oder die Schwimmbadsaison eröffnet wird, dem Schuhmädchen in mir gelüstet es quasi permanent nach neuer Fußbekleidung. Es ist schon fast egal, ob es Sandaletten oder Pumps sind, nur Stiefel sind noch schöner. Und die brauche ich hin und wieder wie manch einer einen schönen, fetten BigMac.
So begab ich mich kürzlich in die hiesigen Schuhgeschäfte, um meiner Sammlung einen hoffentlich erstklassigen Neuzugang zu gewähren. Das Geld saß theoretisch locker, die Krallen waren gewetzt und das Fleisch sowas von willig, aber es kam, wie ich es befürchtet hatte, denn: Schwarze Reitstiefel sind jetzt wieder immer noch in. Ich weiß ja nicht, ob es sich um ein provinzielles Problem handelt oder ob man in richtigen Großstädten mit >15 Schuhgeschäften eine bessere Auswahl hat, aber bei uns ist es so, wenn schwarze Reitstiefel in sind, sind schwarze Reitstiefel in. Kaum Braun, kein Rot, kein Blau, kein Grün, kein Beige, kein Garnix. Es ist ein bißchen schade, daß ich in meiner Schockstarre kein Foto gemacht habe, denn angesichts der 2m x 1,50m großen Schuhwand und der angepriesenen 50 Paar schwarzen Stiefel entfuhr mir ein hysterisches Kichern.

So oder so ähnlich darf man sich die Auswahl im Schuhgeschäft meines Vertrauens vorstellen
Auch die Rückseite des Regals war bis auf eine Handvoll bunter (dunkelbrauner und grauer) Stiefel ganz in Schwarz gehalten. Ich war SO (hier bitte Daumen und Zeigefinger einer Hand auf Staubkorngröße zusammenführen) kurz davor, der Verkäuferin dramatisch zuzuhauchen: „Ich kann mich bei DER Auswahl aber auch GAR nicht entscheiden!“. Bevor ich randalieren konnte, schob mich mein Gatte Richtung Ausgang. Der Schock saß tief, denn auch in den anderen Geschäften unserer kleinen Großstadt sah es ähnlich aus. Selbst für ein Vermögen gab es keinen einzigen „bunten“ Stiefel. Nicht einmal Beige und Hellgrau waren aufzuspüren.
Während ich mich auf der einen Seite glücklich wähnte, daß ich die endlosen Weiten des Internets noch vor mir hatte und einem dort theoretisch jederzeit alles vor die Füße fallen konnte, wuchs andererseits das Fragezeichen in meinem Kopf: Wenn jedes Schuhgeschäft fast ausschließlich schwarze Reiterstiefel anbietet, dann besitzt fast jede Frau, sofern sie dies nicht sowieso schon tut, ein paar schwarze Reitstiefel.Und vielleicht noch aus der letzten Saison ein paar schwarze Stiefel mit Absatz, die mal nicht aussehen wie Bibi auf dem Reiterhof. Und dann, wird sie dann ein drittes Paar schwarze Stiefel kaufen? Ich glaube nicht, Tim. Warum gibt es dann keine größere Farbauswahl? Wird farbiges Schuhwerk nicht gekauft (bei den Pumps sah es übrigens auch ziemlich mau aus) oder kauft die Kundschaft einfach das, was es gibt und beschwert sich nicht? Bin ich denn die einzige Irre, die findet, daß farbige Schuhe großartige Kombinationsteile sind?
Obwohl es nun nicht so ist, als würde es mir an farbigen Stiefeln extrem mangeln, so gibt es dennoch ein paar Farben, die ich sehr gerne seit geraumer Zeit in meine Sammlung aufnehmen würde. Am liebsten als kniehoher oder Overknee-Stiefel. Ich lechze nach: Hellbeige, Taupe, Olivgrün, Blau, Türkis und Sonnengelb oder Curry. Gerne mit 4-8 Zentimeter Absatz, flach oder highheelhoch muß es nun nicht sein. Gerne aus Leder/ Wildleder. Für kräftige Waden aber mit Reißverschluß zumindest im Knöchelbereich, denn sonst schlappe ich ganz unelegant herum. Was soll ich sagen? Es ist fast unmöglich sowas zu finden. Bei uns in der Provinz sowieso und anscheinend auch im Internet. Ich erinnere mich noch gut an meine jahrelangen Versuche, bei eBay rote Stiefel in Größe 41 aufzutreiben. Das Fazit: Es gibt ein deutlich größeres Angebot für Transvestiten auf der Suche nach geilen roten Lacklederoverknees als harmlose, alltagstaugliche Stiefel für Frauen mit Schuhfimmel. Es gibt sogar eine Webseite, auf der man sich Schuhe nach Wunsch designen lassen kann (http://www.selve.net), und wer sich ein Paar Stiefel für Minimum 750 Euro leisten kann, wird hier vermutlich gut bedient…
Wenn ich mir die kommende (und auch vergangene!) Wintermode ansehe, sollte mich die spartanische Auswahl an auffälligeren Schuhen eigentlich nicht mehr wundern. Sobald Herbst und Winter einkehren, wird es wahrlich düster in der deutschen Modelandschaft. Es gibt überhaupt keinen plausiblen Grund, warum man sich ausgerechnet dann, wenn es dunkel, kalt und naß wird, in grauschwarze Kleidung hüllen sollte. Im August war es schließlich auch kalt und naß, und wir konnten trotzdem neonfarbene Hotpants und quietschbunte Spaghettitops ergattern und im September ausführen, während wir Marzipankartoffeln und Lebkuchen von WALDI aßen. Die gab es da nämlich schon. Aber das ist ein völlig anderes Thema.
Hach ja, wenn wir nichts mehr zum Wünschen hätten, wären wir vermutlich sehr traurige Menschen. Oder buddhistische Mönche.
UPDATE: Onkel Z. sei dank –ich besitze taupefarbene Overknee-Stiefel! Mein Konto weint, die anderen Stiefel stänkern den Neuzugang an, und ich muß wieder eine Lücke für den Karton suchen, aber hey! Hier bitte das Gesicht einer glückselig-verklärt strahlenden Mittdreißigerin (knapp) vorstellen.