Alternativen zu Gmail, iCloud & Co: Weg von US-Services!

Alternativen zu Gmail, iCloud & Co: Weg von US-Services!

Die USA prägten jahrzehntelang Kultur und Politik in Europa. Das hatte Auswirkungen auf das Leben jedes Einzelnen von uns. Wir sind mit amerikanischer Musik, amerikanischen Filmen und amerikanischen Produkten aufgewachsen. Die USA waren ein Teil europäischer Identität, und dementsprechend hatten die meisten von uns wenig Berührungsprobleme, als aus dem Silicon Valley coole und meist kostenlose Services in die Welt getragen wurden. Die wurden schnell Teil unseres Alltags.

Wir kommunizieren über Whatsapp oder verbringen Zeit auf Facebook oder Instagram, die allesamt Marc Zuckerbergs “Meta” gehören. Wir nutzen Gmail, Google Maps oder Google Docs. Wir sehen dabei zu, wie die KI Copilot immer tiefer in Microsoft Windows und Office integriert wird und immer mehr Dateien nach OneDrive überträgt. Wir syncen Fotos über Apples iCloud und lesen Bücher über Amazons Kindle. Aber ist das alles wirklich noch zeitgemäß?

Alle diese Dienste haben zwei Gemeinsamkeiten:
1. Sie sind in der Hand von Konzernen. Deren Daseinszweck ist Steigerung des Shareholder Value und damit per Definition: Gier.
2. die US-Regierung kann auf alle Daten dieser Unternehmen zugreifen.

Für Letzteres sorgt der Cloud Act von 2018, der besagt, dass die Behörden der USA auf alle Daten amerikanischer Unternehmen zugreifen dürfen, selbst dann, wenn deren Server in Europa stehen. Es bringt also nicht, wenn Microsoft beteuert, dass seine Cloudserver in Frankfurt stehen – wenn die US-Regierung es will, greift sie auf die dort gespeicherten Clouddaten von deutschen Nutzern zu. Dazu gehören Arbeitsdokumente genauso wie private Dateien und persönliche Fotos.

Apple behauptet aktuell noch, dass iCloud-Daten so verschlüsselt sind, dass niemand außer den Nutzer drankommt. Aber wie lange ist das noch der Fall? Die USA sind im vergangenen Jahr in eine faschistische Autokratie abgerutscht. Apple-Chef Tim Cook bringt Trump goldene Präsente und küsst gemeinsam mit den anderen Chefs von Big Tech seinen Ring.

Redefreiheit und Grundrechte sind außer Kraft gesetzt oder unterliegen der Willkür. So müssen Einreisende in die USA aktuell ihre Social Media-Konten angeben, die dann von einer KI fünf Jahre rückwirkend ausgewertet und auf Regimekonforme Einstellungen geprüft wird.

Findet sich Trump-Kritisches, wird das als Beleidigung des Führers gewertet und die Einreise kann verweigert werden. Bereits geplant ist, das auf die Konten von Angehörigen auszuweiten. Meine Schwester wird dann nie wieder in die USA reisen können, weil sie einen Bruder hat, der die Gesinnungsprüfung nicht bestehen würde. Oh wait, GENAU sowas ist ja der Grund, weshalb ich pseudonym blogge.

Aber möchte man, dass in Zukunft das rachsüchtige US-Regime auch die eigenen Clouddaten durchsucht, um zu schauen, ob man auf Linie der Faschisten liegt? Und diese Infos vielleicht sogar mit einer AFD-Landesregierung teilt?

Zum Glück gibt es starke und teils sogar bessere Alternativen zu den US-Services. Die sind in vielen Fällen nicht mal funktional schlechter oder weniger gut in Mobilgeräte oder Desktoprechner integriert. Wichtig auch: Da die meisten nicht auf Teufel komm raus Aktionäre zufriedenstallen müssen, Durchlaufen sie keine Phase der Enshittification, bei der die Services immer schlechter werden, bis keiner mehr Freude dran hat.

Die Alternativen sind oft nicht mal weniger zuverlässig. Denn wer glaubt, dass seine Daten ja vor Verlust geschützt seien, weil sie bei einem großen Konzern liegen, der irrt. Erst jüngst hat Microsoft es wieder mal geschafft, Onedrive-Inhalte von Tausenden von Nutzern zu verbaseln, und die Backups gleich mit.

Ich möchte hier kurz vorstellen, welche Alternativen ich nutze, und wo ich vielleicht doch noch nicht ganz von US-Firmen wegkomme oder weg will. Richtig fein raus ist man natürlich, wenn man Ahnung von der Materie hat und einen eigenen Server betreibt, wo man sich dann selbst etwas aus freier Open-Source-Sofware bauen kann. Leider gehöre ich nicht dazu und erschrecke mich schon, wenn ich nur eine Konsole benutzen soll.

Ich komme von der Anwenderseite, und habe trotzdem einige schöne Alternativen entdeckt und kann die gut nutzen. Der Wechsel hat nicht mal weh getan, im Gegenteil: Ich habe eine Freude an den guten neuen Services und meiner wiedergefundenen digitalen Souveränität!

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Reisetagebuch (8): Das Bielefeld von Italien

Reisetagebuch (8): Das Bielefeld von Italien

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Montag, 09. Juni 2026, Tropea
Die Sonne knallt vom Himmel, und schon um 08:00 Uhr ist es bereits wieder über 25 Grad warm.

Nachdem ich die Koffer zum Motorrad getragen habe, bin ich schon das erste Mal schweißgebadet und froh, als ich endlich losfahren kann.

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Natürlich sucht sich exakt diesen Moment ein Papa mit Kinderwagen aus, um in den Weg zu springen. Das Kind guckt scheel, als ob es sich nicht entscheiden kann, ob es das Motorrad vor seiner Nase nun cool oder unheimlich findet.

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Nachdem ich einmal durch die neuen Vororte von Tropea und damit um das Felsplateau mit der Altstadt drauf herumgefahren bin, schwenke ich die Morrigan auf die Küstenstraße ein. Südlicher wird diese Tour nicht mehr, jetzt geht es gen Norden.

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Eisregen 1994

Eisregen 1994

Heute: Alle Mitarbeiter der Firma im Homeoffice. Wir haben uns eingegraben, die Order ist: Nicht vor die Tür gehen, auch nicht als Fußgänger.

Das wird gerade ein wenig belächelt, weil: Ein Bißchen Niesel auf nassen Boden, wie schlimm kann das schon sein? Und tatsächlich scheint der richtige Regen gerade an Götham vorbei zu ziehen.

Trotzdem: Lieber belächelt werden als die volle Wucht eines echten Eisregens aushalten. Ich unterschätze dieses Phänomen nicht, denn ich habe schonmal einen echten Eisregen mitgemacht. Das war 1994, vermutlich im Februar.

Ich hatte am Abend noch unsere Abi-Vorbereitungsgruppe zu Gast, und als wir uns am späten Abend auflösen wollten, stellte sich raus: Es hatte geregnet. Und das nach wochenlangem, niederschlagsfreiem Frost mit einstelligen Temperaturen unter Null.

Am späten Abend war die Straße so glatt, dass meine Klassenkamerad:innen nicht mehr mit dem Auto nach Hause wollten. Ein weiser Entschluss, denn mein Elternhaus lag auf einem Berg, mit steilen Straßen nach allen Seiten. Kam man da ins rutschen, hatte man nur noch eine Möglichkeit: Den Wagen irgendwie schräg gegen die hohen Bordsteine zu lenken und so vorsichtig wie möglich daran ins Tal gleiten. Damals ging das noch, weil die Felgen stabil, nicht alles vollgeparkt und die Bordsteine frei waren. Ein Vergnügen war es trotzdem nicht.

Es regnete weiter, die ganze Nacht durch. ich hatte nun zwei Probleme: 1. Ich musste um 5:00 Uhr Zeitungen austragen, 2. Steffi.

Steffi war in mich verschossen und hatte es sich in den Kopf gesetzt, mich unbedingt beim Zeitungen austragen zu begleiten und ließ sich das auch nicht ausreden.

Ich hatte im Keller eine komische Konstruktion aus der Zeit meines Großvaters gefunden: Lederriemen, die Ketten und Metallfedern zusammenhielten. Schnallte man sich die über die Schuhe, hatte man die Federn und Ketten unter der Sohle. Wie Schneeketten für die Schuhe. Problem: Davon gab es nur ein Paar, und ihr Nutzen war beschränkt.

Als Steffi und ich mitten in der Nacht vor die Tür traten, lag sie praktisch sofort auf der Nase, ich musste mich am Zaun entlang bis zur Gartenpforte hangeln.

Alles, alles war mit einer dicken Schicht Eis überzogen. Die Straße, Treppen, Zäune, Häuser… einfach alles. Steffi zog sich noch tapfer ein paar Socken über die Schuhe, aber das brachte nichts. Es war praktisch unmöglich, sich auf der dicken Eisschicht und den abschüssigen Wegen und Straßen am Berg fortzubewegen.

Ich schaffte es gerade noch, mich mit den Schuheisen und der schweren Zeitungstasche über der Schulter von Haus zu Haus zu hangeln, hinter mir plumpste Steffi praktisch pausenlos zu Boden. Das manche Dinge voll hybsch aussahen, wie mit Eis überzogene Laternen oder in einen Eispanzer gehüllte Krokusse und Schneeglöckchen, war zwar faszinierend, die Strapazen aber nicht wert.

Wir sprechen hier wirklich von so einem Kaliber an Fuck-Up:

Irgendwie schafften wir es es die Zeitungsrunde zu Ende zu bringen, ohne uns etwas zu brechen. Dann stand nur noch eine Herausforderung an: Wieder zurück zu meinem Elternhaus zu kommen, das ganz oben auf dem Berg lag. Um dorthin zu gelangen, mussten wir uns wirklich an den Gartenzäunen hochziehen, weil fester Stand unmöglich war.

Während wir uns also Meter für Meter den Berg hochkämpften, hörten wir Knack-Laute. Das ungute Geräusch von knackenden Ästen, die dabei waren zu brechen.

Als der Tag anbrach, war die Welt ein vereistes Wunderland, Steffis Hinterteil blitzeblau, ein Apfel- und zwei alte Sauerkirschbäume in unserem Garten unter der Eislast auseinander gebrochen und ich um eine Erfahrungg reicher, die mich lehrt: Unterschätze nie, NIEMALS Eisregen. Lieber ein Mal zu oft zu Hause bleiben als noch einmal in so einen Mist hinein zu geraten.

Das Erlebnis war offensichtlich sehr prägend. Seit diesem Tag liegt unter dem Fahrersitz von jedem Auto, das ich besessen habe, ein kleines Päckchen. Darin: Spikes, die man sich über die Schuhe ziehen kann.

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Reisetagebuch (7): Tropea

Reisetagebuch (7): Tropea

Eine sommerliche Fahrt mit der Morrigan durch Süditalien. Heute mit Tartufo-Eis und Zwiebelkonfitüre.

Freitag, 07. Juni 2025
Das war leider bereits meine letzte Nacht im Colledisisto. Heute morgen hat Nadia wieder Frühschicht, und sie war schon beim Bäcker – es gibt eine Quarktasche mit FEIST Quark drin, da brauche ich heute den Rest des Tages nichts mehr zu essen.

Als Nadia nach dem Frühstück mit geübten Handgriffen die Rechnung zusammenschreibt, fragt sie nebenbei “Und, kommt Du wieder?”
“Auf jeden Fall!”, sage ich, “Aber ich weiß nicht wann – Pomarico ist nicht um die Ecke.”
“Dann sage ich jetzt “Bis zum nächsten Mal”, sagt sie.
“Bis zum nächsten Mal”, erwidere ich.

Draußen steht die V-Strom, schon fertig bepackt, im Schatten des Wirtshauses. Gott, ist es schon wieder heiß!

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Als ich das Motorrad anlasse, meine ich ein seltsames Tickern aus dem Motor zu hören. Was ist das denn jetzt? Die Ventile? Doch zu viel Öl, das irgendwo rausdrückt? Ich verdrehe die Augen über mich selbst. Nein, ich WILL MIR JETZT KEINE SORGEN MACHEN, sage ich mir und schiebe das Problem, wenn es denn eines ist, in eine staubige und dunkle Ecke meines Hinterkopfs.

Kurz darauf kurvt die Morrigan die Strecke vom Bergrücken Pomaricos hinab und in den Glutofen der Basilikata. Auf einer Landstraße geht es nach Süden, auf´s Meer zu, und dann daran entlang und nach Westen. Das hier ist die Sohle des italienischen Stiefels.

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Reisetagebuch (6): No Time to Die

Reisetagebuch (6): No Time to Die

Donnerstag, 05. Juni 2025
Heute morgen wartet Nadia persönlich am Fuß der Treppe. Wir haben recht viel Kontakt über Instagram. Sie ist die älteste der Schwestern, die das Colledisisto führen, und geht begnadet mit Social Media um. Auf ihrem Instagram-Kanal kann man immer wieder sehen, wie in der Küche tolle Dinge zubereitet werden, oder wie der Gastraum und der Außenbereich des Restaurants für Feiern dekoriert ist.

Eine frische Iris liegt auf meinem Teller, das ist ein fluffiges Gebäck gefüllt mit sämiger Vanillecreme. Zuckerschock, aber geil!

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Als ich vor das Gebäude trete, merke ich, wie heiß es schon wieder ist. 35 Grad sollen es heute werden, und weit weg davon können wir schon jetzt nicht mehr sein. Aber egal, heute oder nie – es geht nach Matera.

Ich gehe zurück ins Haus und ziehe meine Motorradsachen an. Das volle Programm, Jacke, Airbag, Stiefel, Hose. Das Bisschen Hitze ist keine Ausrede, um auf irgend etwas davon zu verzichten. Ich will nicht zu denen gehören, die man mit appem Fuß aus der Leitplanke puhlt und stammeln “Normalerweise trage ich IMMER Stiefel, nur heute war ich in Schlappen unterwegs”.

Es geht von Pomaricos Bergrücken hinunter und Richtung Nordosten, durch die verbrannten Felder und auf die inoffizielle Hauptstadt der Basilikata zu: Matera.

Schnell kommt man hier nicht voran, dazu sind zu viele Autos unterwegs. Viele mit ausländischem Kennzeichen, vermutlich Touristen. Matera ist schon seit Jahren eine Sehenswürdigkeit, aber seit dem der letzte Bondfilm dort spielte, ist die Stadt völlig überlaufen.

Die Fahrt zieht sich, und als die Blase drückt, suche ich mir einen Straßenrand mit einem schönen Busch.

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Als ich nach der Erleichterung zum Motorrad zurückkomme, ist das von einer Wolke eingehüllt. Kriebelmücken! Tausende davon!

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Reinheitsgebot

Reinheitsgebot

Was man halt zwischen den Tagen im Büro so macht.

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Das ist der Grind von zwei Jahren. Ich bin Nichtraucher, sonst sähe die noch ganz anders aus.
Die Tastatur ist übrigens eine Logitech MX5000 und fast 25 Jahre alt.

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Ah, fühlt sich wieder an wie frisch aus der Verpackung.

Momentaufnahme: Dezember 2025

Momentaufnahme: Dezember 2025

Herr Silencer im Dezember 2025

Wetter: Monatsanfang bei -1 bis 6 Grad, dann wirds wieder mild und dümpelt zwei Wochen bei 7 bis 10 Grad rum. Zu Weihnachten dann Frost und bis zu -9 Grad, dann Eisregen und weiterhin -5 bis -2.


Lesen:
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Andy Wilman: Mr. Wilman’s Motoring Adventure: Top Gear, Grand Tour and Twenty Years of Magic and Mayhem
Andy Wilman ist der vierte Mann des Trios Clarkson/Hammond/May. Er ging mit Clarkson zur Schule, war später der Miterfinder des neuen “Top Gear” und hob dann “Grand Tour” aus der Taufe, heute produziert er “Clarksons Farm”.

Das hier sind seine Memoiren. Die sind etwas umständlich geschrieben, stellenweise zu weit ausgeholt und sprachlich gespickt mit echt komplizierten britischen Idiomen und lokalem Slang, aber trotzdem unterhaltsam für alle, die Anekdoten um Top Gear und Grand Tour ihre Entstehung schätzen. Was aber nicht aufgeklärt wird: Was Clarkson seinerzeit mit dem Producer angestellt hat, weswegen er dann bei der BBC gefeuert wurde.


Sehen:

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King Arthur [BluRay, 2017]
Der junge Arthur wird in einem Hurenhaus großgezogen. Zum kampferprobten Dieb aufgewachsen, zieht er versehentlich ein Schwert aus dem Stein und gerät so in den Fokus des bösen Jude Law. Gut, das Arthur eine Rebellengrupppe hat, mit der er Heists auf Camelot verübt.

Hä? Berghohe Kampfelefanten, Jude Law als Sauron, Magiertürme, gigantische Heere Riesenschlangen? Das sieht hier alles eher nach “Herr der Ringe” aus als nach der klassischen Artussage! Und dann ist das ganze auch noch von Guy Ritchie und im Stile seiner London-Gangster-Movies geschnitten? Was ist das denn?

Nun, in erster Linie bricht “Arthur” jegliche Erwartungshaltung und ist 2017 an den Kinokassen völlig baden gegangen. Ich fand´s aber extrem unterhaltsam, einen Verschnitt aus “Herr der Ringe” und Guy-Ritchie-Gangsterfilm zu sehen. Der Film ist gut geschrieben, schön gespielt und alles ist hier bis auf Anschlag hochgedreht: Camelot ist monströs groß, das mittelalterliche London mittelalterlicher als Mittelalterlich und die Kampfszenen sind episch. Nice!

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Superman [2025, Bluray]
Der langweiligste Superheld aller Zeiten kämpft gegen Elon Musk und Social Media und es ist – unterhaltsam?

Ich war nie Team Strahlemann, ich war schon immer Team düster-dunkel-Batman. Von einem Superman-Film erwartete ich genau gar nichts, und diesen hier schaute ich nur, weil ich James Gunns Arbeit mag. Dessen Handschrift ist auch hier deutlich erkennbar: Vorbei sind die Zeiten des unsympathischen und grüblerischen Jack-Snyder-Superman, DIESER Superman hier ist wieder grundgut und leicht naiv, bunt und schließt direkt an die alten 70er-Jahre-Filme mit Christopher Reeve an.

Superman steht und fällt mit seinen Gegnern, und der hier ist extrem gut: Ein größenwahnsinniger Tech-Milliardär manipuliert Medien, Politiker, um Superman fertig zu machen. Warum? Weil er denkt, er sei der einzige, der die Wahrheit kennt und jemand den Job tun muss, um die Welt zu retten. Ein echter Wichser vom Schlage eines Musk, Thiels oder Bezos, der in Szenarien herumrührt, die sogar recht deutlich den Krieg Israels gegen die Palästinenser spiegeln oder ihn unverhohlen rassistisch zeigen, ICE-Analogien inklusive. Der Film geht diese Themen frontal an und hat dazu eine Meinung, was dazu führt, das dieser Superman in den USA nun als woke gilt – dabei hat Superman schon immer Nazis verkloppt und Schwache beschützt.

Ein unterhaltsamer und, im Trumpzeitalter sogar mutiger und Hoffnung machender Film. Können wir ja alle brauchen.
Und angeblich steht das “S” auf Supermans Brust ja für Hoffnung. (Fragen sie nicht.)


Spielen:

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Dispatch [2025, PS5]
Los Angeles, 20 Minuten in der Zukunft: Superhelden gehören zum Alltag. Einer von ihnen ist Robert Robertson, der als “Mecha Man” in einer Rüstung für Gerechtigkeit sorgt. Dummerweise bekommt diese Rüstung einen Totalschaden ab, und Robert muss sich aus dem Superheldendasein zurückziehen. Unerwartet erhält er ein Angebot vom SDN, dem “Superhero Dispatch Network”. Robert soll als Mentor eine Gruppe Superbösewichte anleiten und sie rehabilitieren, in dem er sie als Dispatcher zu Notfalleinsätzen schickt.

Ein Schreibtischjob, und das dirigieren der Ex(?)-Bösewichter ist wie ein Sack Flöhe hüten: Zusammenarbeit Null, versiebte Aufträge am laufenden Meter, Alleingänge sind Alltag und ab und an blitzt das Böse halt doch noch durch. Als ein echter Superbösewicht die Stadt angreift, muss die Rehab-Chaotentruppe überlegen, was ihnen wichtig ist.

“Dispatch” ist ein “Unter-dem-Radar”-Spiel, das durch Mundpropaganda langsam Fahrt aufnimmt. Da mache ich doch gerne mit!

Also:

“Dispatch” ist SO gut, dass ich es gleich zwei Mal hintereinander gespielt habe!

Das gab´s noch nie!

Das Game kommt von ehemaligen TellTale-Mitarbeitern. Telltale, das war das Studio, dass in den 2010er Jahren von sich reden gemacht hat, weil Games wie “The Walking Dead” oder die Fables-Adaption “The Wolf among Us” gemacht haben, genau wie die sehr guten Games zu “Game of Thrones”, “Back to the Future IV” oder “Tales from the Borderlands”.

Diese Spiele rückten immer die Story in den Vordergrund und glänzten durch deren filmische Inszenierung. Spielerisch gab es wenig zu tun, außer sich für Option A, B oder C zu entscheiden. Diese Entscheidungen hatten immer den Anschein von gravierenden Auswirkungen: Rette ich meine alte Freundin aus Kindheitstagen oder meine Lieblingsnachbarin? Beides geht nicht.

Genau so funktioniert auch “Dispatch”. Feuert man das Invisigal aus der Truppe, weil sie bei einem Alleingang Dinge geklaut hat und alle auf sie sauer sind? Oder belässt man sie im Team, weil man eine Romanze mit ihr starten möchte, zieht sich aber den Ärger aller anderen zu?

Am Ende des Tages haben die Entscheidungen nur Auswirkungen auf das Ende des Spiels, aber wenig Auswirkungen auf den Fortgang der Geschichte. Sie fühlen sich aber stets wichtig an, und da die Story extrem gut geschrieben und inszeniert ist, sind einem die Charaktere und was mit ihnen geschieht auch nie egal.

Im Gegenteil, im Laufe der acht, rund einstündigen Episoden, wächst einem die Chaotentruppe ans Herz, auch wenn sie sich benehmen wie die letzten Arschlöcher. Das spiegelt sich auch in der Umsetzung wieder: Hier wird geflucht, gesoffen, geprügelt, geblutet, nackte Haut und Sexszenen gezeigt, dass es eigentlich ein Wunder ist, das “Dispatch” eine Jugendfreigabe hat – das ist definitiv ein Spiel für Erwachsene.


“ARGH, she temporarily blinded me!!” “What do you mean temporarily? Bitch, u gonna be blind forevaaaaaa!”

Gameplaytechnisch ist mehr zu tun als bei den TellTale-Games, denn pro Episode muss man zwei Schichten als Dispatcher schieben und seine Antihelden zu Notfall-Einsätzen schicken. Deren Fähigkeiten müssen mit den Anforderungen des Jobs zusammenpassen, und man, das ist gar nicht mal einfach. Bis ich das System und seine störrische Steuerung verstanden hatte, waren schon drei Episoden rum und ich war einfach richtig, richtig schlecht darin.

Spielt aber auch kaum eine Rolle, irgendwann ist die Schicht rum, und das Spiel geht trotzdem weiter. Man sieht aber am Ende jeder Episode, wie man im Vergleich zu anderen Spielern abgeschnitten oder sich entschieden hat, und es sticht schon ein wenig, zu den schlechtesten 2 Prozent aller Spieler zu gehören.

Egal – “Dispatch” erzählt eine tolle Geschichte um Liebe, Verrat und Familie, bietet grandiose Charaktere und exzellentes Writing, gepaart mit einer sehr coolen und filmischen Präsentation und Dialogen, die im Gedächtnis bleiben. Hier sind absolute Könner am Werk gewesen. Das Game ist spannend, lustig und stellenweise rührt es zu Tränen. Alle der acht Episoden gibt es nun gesammelt für PC und PS5 für rund 30 Euro, und sie sind jeden davon wert.

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Like a Dragon: Pirate Yakuza in Hawaii [2025, PS5]
Ein Mann wacht an einem Strand auf. Ohne jegliche Erinnerung daran, wer er ist oder wie er hier hergekommen ist. Als Spieler der “Like a Dragon”-Reihe weiß man: Das ist Goro Majima, der legendär zwielichtige und meist völlig durchgeknallte Yakuza, der einem in der Vergangenheit immer wieder das Leben schwer machte.

Nun kommt Majima aus Gründen an ein unerklärtes Piratenschiff, und zack: Ein Yakuza-Pirat. Auf Schatzsuche. Auf den Inseln und Atollen um Hawaii.

Als ich vor einem Jahr in Japan die Ankündigungsposter zu “Pirate Yakuza in Hawaii” sah, war mein erster Gedanke: Jetzt sind die Leute bei Ryu Ga Gotoku völlig durchgeknallt. Das Game kam dann im Februar raus, gespielt habe ich es jetzt erst. Und, was soll ich sagen – es IST durchgeknallt, aber ich hatte eine Menge Spaß damit!

Natürlich ist die Story rund um den Yakuza-Piraten völlig kuckuck und wird im Verlauf auch immer nur noch irrer bis zu dem Punkt, dass ich erwartetet habe, dass Majima als nächstes auf einem Dinosaurier reitet oder am Ende alles nur ein Traum des kleinen Arschlochkinds ist, das Goro im Schlepptau hat. Auf jeden Fall ist das hier weit entfernt von den düsteren Hardboiled-Thrillern der alten Hauptreihe.

Aber das ist halt das Konzept: Zwischen den riesigen und meist ernsten Hauptspielen bringt das Entwicklungsstudio kleinere und etwas spinnerte Ableger heraus, wie vor zwei Jahren “The Man who Erased his Name”, bei dem Yakuza Katsuma plötzlich vom Geheimdienst rekrutiert wurde und in der Folge mit James-Bond-Gadgets rumlief. Oder halt jetzt dieses Piratending.

Anywho, anfangs war ich etwas genervt, weil “Pirate Yakuza” in ausgelutschten Szenarien der Vorgänger spielt und wieder recht lange braucht, um in den Schweiß zu kommen. Hier steckt wieder zu viel Nebenkram drin: Pflanzen ziehen, kochen, Dinge sammeln und verkaufen, schlafen, essen, Kampftechniken, Dutzende Nebenmissionen, Sammelaufgaben – dauernd wird man hier mit was neuem zugeballert. Zum Glück ist der meiste Kram optional, nichts davon muss man wirklich tun, um die Hauptgeschichte zu erleben. Nach einigen Stunden kommt das Ganze dann in einen schönen Flow, und besonders wenn es aus dem bekannten Honolulu-Szenario weg geht, wird “Pirate” richtig gut.

Gameplaytechnisch haben die Japaner hier Ubisoft den Finger gezeigt. Die Franzosen werkelten ja 10 Jahre an ihrer Piratensimulation “Skull & Bones” rum, und das Ergebnis war eine mittlere Katastrophe. Ryu Ga Gotoku hingegen hat hier einfach mal “Assassins Creed: Black Flag” in der Dragon-Engine nachprogrammiert, inklusive epischer Seeschlachten, Massenkloppereien und schlimmer Unwetter – und das macht auch noch Spaß! Dabei hat man sich als Hauptfigur eine ausgesucht, die genauso irre ist wie Captain Jack Sparrow, dabei aber viel gewalttätiger – und wer wollte nicht schon immer mal Captain Jack spielen!

Inseln von bösen Piratendudes befreien, Schätze finden, das eigene Schiff aufrüsten bis es alles platt macht, was da so rumschwimmt, dazu bei Lust und Laune durch Honolulu ziehen und Nebenaufgaben erledigen oder Crew rekrutieren – das macht einfach einen Heidenspaß. Die Hauptstory ist wirr, aber unterhaltsam und führt zu einem sehr schönen Ende.

Wer den Assassinenpiraten mochte und vermisst, wird mit dem Piratenyakuza sehr glücklich!


Hören:

Bershy: Radio

Aus dem “Dispatched”-Soundtrack, macht gute Laune. Und ich mag den Text:

I wake up exhausted, even in the morning
Like I’m made out of decaf, I’m barely running
Oh, and I hate parties
It’s just too many bodies
I don’t like small talk, I’m always leaving early

Das offizielle Video ist bestenfalls seltsam und ziemlich lame. Deshalb ist es kaum erstaunlich, das jeden Tag neue Fan-Videos auftauchen, geschnitten auf Szenen aus “Dispatch”. Und die sind richtig gut:


Machen:

  • Arrrrrrbeiten

Neues Spielzeug:


Ding des Monats:

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Eine richtig geile Trattoria-Pfanne von Tefal! Ich krebse hier ja immer noch mit dem IKEA-Starterset an Kochgeschirr herum (kleiner topf, mittlerer Topf, dünne Pfanne). Dank dieses Weihnachtsgeschenks habe ich nun eine richtig tolle Pfanne für Spaghettata Mezzanotte und anderen Schweinkram!


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Das war das Jahr, das war (2025, Teil 2): Ich Ich Ich

Das war das Jahr, das war (2025, Teil 2): Ich Ich Ich

Was bleibt von 2025? Ein persönlicher Rückblick.

Ich Ich Ich
Vor einem Jahr an dieser Stelle schrieb ich: “Zum Jahresende stelle ich fest: Mir geht es gut. Ich fühle mich gut. Mir ist heitere Gelassenheit nicht in die Wiege gelegt, aber aktuell ruhe ich in mir.
Ja, ich bin resilient AF.”

Ich hatte so eine Vorahnung, dass ich diese Resilienz noch dringend brauchen würde. Wie heftig es dann wirklich kam, hätte ich mir aber nie träumen lassen.

Im Januar und Februar lebte ich auf einer Baustelle. Die Wasserschäden in dem Mietshaus, in dem ich wohne, wurden behoben. Monatelang in Lärm und Staub und Unordnung, das war nicht schön.

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Gesundheitlich lernte ich im Februar was eine Analvenentrombose ist, und ich sag mal so: Angenehm ist anders. Immerhin ist die Gesundheit ansonsten Okay. Gut, das linke Knie zwickt bei Belastung, aber zumindest ist ansonsten laut ärztlichem Check alles bongo.

Freudig überrascht war ich, dass die Morrigan und ich es auf den Titel der Februarausgabe des Kradblatts geschafft haben. Wir sind jetzt berühmt!

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Das war das Jahr, das war (2025, Teil 1)

Das war das Jahr, das war (2025, Teil 1)

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Jahresende. Zeit für die Rückschau. Was bleibt von 2025?
Plus: Beste Bilder.

Meine Güte. 2025 ist schon wieder vorbei?
Das Jahr ist scheinbar schnell durchgerauscht, dabei ist so endlos viel passiert.

Lage der USA und der Welt:
Noch bevor Trumps zweite Präsidentschaft beginnt fühlt es sich so an, als ob die schon seit Jahren liefe, so medial omnipräsent ist der orangefarbene Drecksack.

Dann beginnt es: Bereits in den ersten Tagen im Januar werden in den USA Deportationen verfügt, das Gesundheitssystem sabotiert, das Umweltministerium mit Vertretern der fossilen Industrie besetzt, Windkraft verboten, Verbraucherschutzgesetze gekippt, die Ölförderung in Nationalparks erlaubt, aus WHO und Pariser Klimaabkommen ausgetreten und verkündet, man werde Grönland und den Panamakanal annektieren.
Die USA liebäugeln mit dem Gedanken, Grönland zu überfallen?

Musk, der sich die Rolle des Vizepräsidenten für 286 Millionen Wahlkampfunterstützung günstig gekauft hat, spricht bei der Vereidigung im Kapitol und macht dabei den Hitlergruß, dann fällt er mit “X”-Entwicklern in der US-Schatzbehörde ein und übernimmt deren Systeme. Auf einen Schlag erhält der Oligarch so Zugriff auf Millionen von personenbezogenen und Finanzdaten.

Larry Ellison, Chef von Oracle, spricht gleichzeitig darüber, wie zukünftig das Verhalten der US-Bürger von KI und Drohnen überwacht werden müssen. Auch Bezos, Zuckerberg und Tim Cook küssen allesamt den Trump-Ring.

Es ist faszinierend: Es wirkt, als hätten Musk, Ellison und Co Dystopien wie “1984” oder “Cyberpunk” gelesen und denken nun: Ja! In so einer Welt wollen wir leben!
Alles, was falsch und evil ist, tun diese Leute in den autoritären Oligarchie, die die USA nun sind.

Die Welt verfällt ob dieser offenen Gräuel in Schockstarre, mal wieder. Warum eigentlich? Trump tut lediglich, was er vorher angekündigt hat. Dazu gehört: Die transatlantische Freundschaft aufkündigen und die westliche Weltordnung niederbrennen.

Das geht gleich weiter:
Februar: Der amerikanische Staat wird von Musk demontiert, “mit der Kettensäge”, wie der irre Ketaminjunkie stolz verkündet.

März: Trump und Vance demütigen Zelensky vor laufenden Kameras. Er hätte sich nicht genug bei Trump bedankt und seine Kleiderwahl sei unangmenessen.

April: Es zeigt sich, das Trump schlicht zu dumm ist zu verstehen, wie Volkswirtschaft funktioniert. Er verhängt Strafzölle für die ganze Welt, die nach wenigen Tagen und einem Börsencrash wieder zurückgenommen werden.

Image(Quelle: Internet)

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Reisetagebuch (5): Braking Bad

Reisetagebuch (5): Braking Bad

Mittwoch, 04. Juni 2025
Als ich um kurz nach acht die Stufen von meinem Zimmer zum Gastraum hinuntersteige, sehe ich eine junge Frau auf dem Sofa gegenüber der Rezeption sitzen. Dem Aussehen nach gehört sie definitiv zur Familie, die den Gasthof betreibt. Sie guckt in ein Handy.

“´Giorno” nuschele ich und sie grüßt freundlich zurück, macht aber keine Anstalten sich zu erheben.

Ich gehe hinüber in den Gastraum, wo ein Tisch für mich gedeckt ist. Saft und ein Cornetto, daneben ein Joghurt. Fein, es braucht wenig mehr. Ich stecke den Kopf durch den Türrahmen und frage “È possibile un caffé?” Besteht die Möglichkeit einen Kaffee zu kriegen? “Certo”, sagt die junge Frau und erhebt sich von der Couch, ohne den Blick vom Handy zu nehmen.

Den Kaffee brauche ich auch. Ich bin wieder (oder immer noch) sehr, sehr müde.
Erschöpft, geradezu.
Das Abendessen gestern war einfach ZU gut, aber leider auch zu spät. Mein Magen fühlte sich an, als hätte ich eine Bowlingkugel verschluckt. So überfressen kann niemand gut schlafen.

Außerdem war es eine heiße Nacht, im wahrste Sinne des Wortes. Draußen hat es sich kaum abgekühlt, und dementsprechend war es auch im Zimmer sehr heiß, und die Klimaanlage wollte auch nicht. Irgendwann fingen draußen Hunde mit einem Bellduell an, und ab 6 Uhr morgens stimmte eine Motorsäge in die Kakophonie ein. Irgendwann laserte die Sonne ins Zimmer. Immerhin war ich im Vorfeld dieser Tour schlau und hatte eine Schlafbrille eingepackt, ohne die wäre ich vermutlich heute morgen erblindet.

Ich schlürfe meinen Kaffee, dann stehe ich auf und bitte die junge Frau die Klimaanlage zu checken. Es ist nicht mal halb neun und schon wieder knalleheiß, das wird doch heute wieder so ein 38-Grad-im-Schatten-Tag.

Was mache ich nun, müde wie ich bin? Eigentlich wollte ich nahegelegene Städte besuchen, aber bei der Hitze gehste ja tot.
“Nichts” wäre wieder eine verlockende Option. Oder einfach faul am Meer rumliegen, das wäre auch nett. Dummerweise liegt Pomarico auf einem Felsen mitten in der Basilikata, der nächste Strand ist… wie weit entfernt? Fünfzig Kilometer?
Ach, warum nicht.

Pomarico ist ein winziges Kaff, aber um kurz nach Neun bereits erstaunlich belebt. Lieferfahrzeuge blockieren die engen Gassen, alte Herren schauen halten auf dem Bürgersteig Schwätzchen, alte Damen zuckeln gebeugt und mit Einkaufstaschen in der Hand an ihnen vorbei.

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