Wahr & Unwahr

Wahr ist, dass Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker Xavier Naidoo behaup­tet, eine gro­ßer Chips Her­stel­ler wür­de sei­ne Pro­duk­te mit »embryo­na­len« Gewürz­mit­teln ver­se­hen.

Unwahr ist, dass eini­ge der letz­ten Fans des Alu­hut­trä­gers, ihre Chips­tü­ten beer­digt haben sollen.

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Wahr ist, dass die Epstein – Akten für jeden frei zugäng­lich online ein­zu­se­hen sind.

Unwahr ist, dass man aus den vom US Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um frei­ge­ben­den Akten mit mehr als drei Mil­lio­nen Sei­ten an Doku­men­ten sowie Tau­sen­de Vide­os und mehr als 100.000 Fotos irgend­wel­che bri­san­ten neue Infos erfah­ren wür­de. Update: Upps, nicht ganz.

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Wahr ist, dass der Aus­schank von Alko­hol wäh­rend den Sit­zun­gen beim dies­jäh­ri­gen CDU-Par­tei­tags ver­bo­ten war.

Unwahr ist, dass das rein prag­ma­ti­sche Grün­de gehabt hät­te, da die beauf­trag­ten Gast­wir­te nur in Teil­zeit arbeiten. 

Der Bodenständige

Ich hab‘ ja schon lan­ge den Ein­druck, dass NRWs Arbeits­mi­nis­ter Karl-Josef Lau­mann in der fal­schen Par­tei ist. Auf dem 38. Bun­des­par­tei­tag der CDU in Stutt­gart hielt er eine viel­be­ach­te­te Rede, in der er eine stär­ke­re sozi­al­po­li­ti­sche Aus­rich­tung sei­ner Par­tei for­der­te. So enga­giert kämpf­te er für ein fai­res Ren­ten­kon­zept, dass man fürch­ten muss­te, ihn wür­de am Red­ner­pult plat­zen. (Das Video dazu konn­te ich nicht im Netz fin­den, für Hin­wei­se bin ich dankbar.)

Lau­mann kri­ti­sier­te die bereits heu­ti­gen Ren­ten­kür­zun­gen deut­lich und beton­te, dass jemand, der 45 Jah­re gear­bei­tet hat, im Alter nicht mit einer Almo­sen abge­speist wer­den dürfe.

Er gehört zu den weni­gen Poli­ti­kern, die wis­sen, wovon sie spre­chen. Als ehe­ma­li­ger Betriebs­rat und IG-Metall-Mit­glied hat sich Lau­mann stets für die Inter­es­sen der »Nor­mal­bür­ger« ein­ge­setzt und inner­halb der CDU immer wie­der dar­an erin­nert, die Belan­ge der Arbeit­neh­mer im Blick zu behalten.

Auch wenn er damit den wirt­schafts­li­be­ra­len Kräf­ten häu­fig auf die Ner­ven ging, hat er sich inner­halb der Uni­on eine beson­de­re Stel­lung erar­bei­tet. Als »sozia­les Gewis­sen« sei­ner Par­tei steht er für den Anspruch, dass das »C« in der CDU mehr ist als ein blo­ßes Eti­kett. Ent­spre­chend deut­lich fiel sei­ne Unter­stüt­zung aus: Bei der Wahl asl einen von sechs stell­ver­tre­ten­den Par­tei­vor­sit­zen­den erhielt er 89 Pro­zent der Stim­men und somit das bes­te Ergebnis.

Lau­mann ist kein Aka­de­mi­ker, son­dern gelern­ter Schlos­ser und hat 15 Jah­re in die­sem Beruf gear­bei­tet. »Dass ich so bin, wie ich bin, hat auch mit die­sen 15 Jah­ren zu tun«, sag­te er ein­mal in einem Inter­view mit dem Maga­zin Cor­rec­tiv. Die­se Authen­ti­zi­tät nimmt man ihm ab – lei­der sind Per­sön­lich­kei­ten wie er in den Par­la­men­ten inzwi­schen sel­ten geworden.

Lifestyle-Teilzeit

Die Debat­te um einen Rechts­an­spruch auf Teil­zeit, die aktu­ell auf dem CDU-Par­tei­tag geführt wird, ist lan­ge schon von der Rea­li­tät ad absur­dum geführt. Zur Erin­ne­rung: Der CDU-Wirt­schafts­rat hat – mit Unter­stüt­zung eini­ger CDU/C­SU-Poli­ti­ker – das Recht auf Teil­zeit­ar­beit grund­sätz­lich infra­ge gestellt. Mit dem Begriff der »Lifestyle«-Teilzeit soll­ten dabei jene dis­kre­di­tiert wer­den, die sich bewusst für ein Teil­zeit­mo­dell ent­schie­den haben. Bun­des­kanz­ler Merz unter­stütz­te die­se Argu­men­ta­ti­on im Vor­feld mit dem Hin­weis, dass sich mit „Work-Life-Balan­ce und Vier-Tage-Woche“ der Wohl­stand in Deutsch­land nicht sichern lasse.

Gleich­zei­tig sol­len Mini­jobs nach dem Wil­len der CDU wei­ter­hin weit­ge­hend unan­ge­tas­tet blei­ben. Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se bis zu der­zeit 603 Euro, die in der Regel steu­er- und sozi­al­ab­ga­ben­frei sind, füh­ren jedoch, zumin­dest als allei­ni­ge Erwerbs­tä­tig­keit, direkt in die Alters­ar­mut. Die Pro­ble­ma­tik: Gera­de Teil­zeit­be­schäf­tig­te grei­fen häu­fig zusätz­lich auf Mini­jobs zurück, um ihr Net­to-Ein­kom­men auf­zu­bes­sern. Die Arbeit­ge­ber unter­stüt­zen das: In Klein­be­trie­ben wird laut einer Stu­die des Insti­tuts für Arbeits­markt- und Berufs­for­schung über­wie­gend auf Mini­jobs gesetzt – sie sind dort längst nicht mehr die Aus­nah­me, son­dern viel­fach die Regel. Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Voll­zeit-Beschäf­ti­gung wird dadurch zuneh­mend ver­drängt. Das ist seit Jah­ren bekannt.

Auch der OECD-Wirt­schafts­be­richt Deutsch­land 2025 weist aus­drück­lich auf die­ses Pro­blem hin und emp­fiehlt eine deut­li­che Rück­füh­rung der Mini­jobs. Die OECD stellt fest, dass 6 Mil­lio­nen Mini­job­ber in Haupt- oder Neben­be­schäf­ti­gung beschäf­tigt sind, in denen kei­ne eige­nen Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge anfal­len. Mini­job­ber ver­fü­gen ent­spre­chend über eine schwa­che sozia­le Absi­che­rung sowie gerin­ge Wei­ter­bil­dungs- und Auf­stiegs­mög­lich­kei­ten. Die Emp­feh­lung ist klar: Mini­jobs soll­ten künf­tig auf Schü­le­rin­nen und Schü­ler sowie Stu­die­ren­de beschränkt werden.

Die­se For­de­rung fin­det sich im Übri­gen in ähn­li­cher Form in den Pro­gram­men fast aller Par­tei­en. Selbst der Arbeit­neh­mer­flü­gel der CDU, die CDA, spricht sich dafür aus, Mini­jobs deut­lich einzuschränken.

Bun­des­kanz­ler Merz lässt das jedoch offen­bar unbe­ein­druckt. Statt sich mit den struk­tu­rel­len Pro­ble­men des Arbeits­mark­tes aus­ein­an­der­zu­set­zen, rich­tet sich die Kri­tik wei­ter­hin gegen die Beschäf­tig­ten. Offen­sicht­lich ist es leich­ter Arbeit­neh­mer zu dif­fa­mie­ren, als Unter­neh­men in die Pflicht zu neh­men, die haupt­säch­lich auf Mini­jobs setzen.

Smarte Bügelbretter

ImageMrs. L sucht ein neu­es Bügel­brett. Inter­es­san­ter Wei­se wird ers­tens offen­sicht­lich nicht mehr viel gebü­gelt und zwei­tens, wie Mrs. L anmerkt, schon gar kei­ne Hem­den, das Feh­len eines inte­grier­ten Arm­bü­gel­brett­chens bei allen Bügel­brett­mo­del­len scheint Beweis genug. »Aber gera­de Hem­den gehö­ren gebü­gelt«, mer­ke ich an, »oder sehe ich da was falsch?« 

Nun, heu­te, wo man alles zu allem tra­gen kann, ist viel­leicht auch das unge­bü­gel­te Hemd ange­sagt, wer weiß das schon.
Aus mei­ner Jugend­zeit wuss­te ich zu berich­ten, dass wir Hem­den leicht klamm ange­zo­gen haben, ers­tens weil mehr als zwei, drei Hem­den einen für dama­li­ge Ver­hält­nis­se unge­heu­ren Luxus dar­stell­te und so eigent­lich immer ein Hemd der Wäsche bedurf­te und zwei­tens, weil ein am Kör­per getrock­ne­tes Hemd gleich die rich­ti­ge Pass­form hatte. 

Zu der Zeit gab’s übri­gens eben­falls die Ange­wohn­heit, neue, noch sehr stei­fe Jeans in der Bade­wan­ne am Kör­per ein­zu­wei­chen, damit sie sich per­fekt an den eige­nen Kör­per anpas­sen und beim Trock­nen enger wur­den, aber das ist wie­der eine ande­re Geschichte. 

Jeden­falls ist Mrs. L bei der Suche nach einem Bügel­brett im Netz fün­dig gewor­den. Die Wer­bung ver­spricht nicht nur ein Mate­ri­al, dass selbst in Kampf­jets Anwen­dung fin­det, [sic!] son­dern dar­über hin­aus visu­el­len Gla­mour und »fri­schen Wind in das Design der Bügel­brett­be­zü­ge« brin­gen soll.

Selbst eine Smart­phone­hal­te­rung ist an Bord, bzw. am Brett. Blue­thooth sowie­so, und wer möch­te kann sich mit­tels App und Video-Tuto­ri­al im Hand­werk des Bügelns unter­stüt­zen lassen. 

Allein – die Prei­se las­sen Mrs. L’s Begeis­te­rung deut­lich schwin­den, der inte­grier­te Was­ser­tank und auch die sty­li­sche Auf­ma­chung ver­hin­dert jeden­falls nicht die Anmer­kung: »Bei den Prei­sen soll­ten wir wie­der auf natür­li­che ther­mi­sche Kon­trak­ti­on set­zen; dann trägst du dei­ne Hem­den halt wie­der feucht.«

Die infantile Gesellschaft

Kinder der sieb­zi­ger und acht­zi­ger Jah­re wer­den es ken­nen: Der Plump­sack geht rum. Im Stuhl­kreis zog ein Kind sei­ne Run­den, ließ unbe­merkt einen Gegen­stand fal­len – und wer ihn hin­ter sich ent­deck­te, muss­te auf­sprin­gen und den Übel­tä­ter fan­gen. Ein harm­lo­ses Spiel. 

Im Kin­der­gar­ten.

Neu­lich erzähl­te mir eine Bekann­te von einer Team­buil­ding-Maß­nah­me. Erwach­se­ne Men­schen gin­gen um Steh­ti­sche her­um, bis ein Signal ertön­te. Dann soll­ten sie mit dem nächst­ste­hen­den Kol­le­gen Rücken an Rücken ein­ha­ken – und sich gegen­sei­tig Kom­pli­men­te machen.

Firlefanz statt Professionalität

Stuhl­krei­se, die Sit­zun­gen erset­zen, Spiel­chen und Albern­hei­ten, wo frü­her Ver­ant­wor­tung und Ent­schei­dung stan­den. Hüt­chen auf und Tra­la­la scheint zum neu­en Zeit­geist in der Unter­neh­mens­phi­lo­so­phie und in wei­ten Tei­len der Gesell­schaft auf­ge­rückt zu sein. Bloß nicht anecken. Bloß nicht ent­schei­den. Bloß kei­ne Zumu­tung durch Ernsthaftigkeit.

Das hat Fol­gen: Erwach­se­ne gerie­ren sich wie Kin­der – mit erstaun­li­cher Kon­se­quenz. Attri­bu­te wie Selbst­dis­zi­plin, Urteils­fä­hig­keit oder Ver­ant­wor­tungs­be­reit­schaft wir­ken bis­wei­len wie Relik­te aus einer ver­gan­gen Zeit.

Der Publi­zist Alex­an­der Kiss­ler defi­niert in sei­nem Buch »Die infan­ti­le Gesell­schaft« Erwach­sen­sein als Über­win­dung kind­li­cher Unrei­fe durch Mün­dig­keit und Ver­nunft. Erwach­sen ist dem­nach, wer Gren­zen aner­kennt, Argu­men­te über Gefüh­le stellt und Eigen­ver­ant­wor­tung übernimmt.

Die zuneh­men­de Kin­der­gar­ten­men­ta­li­tät bewirkt das Gegen­teil. Wer sich dau­er­haft kin­di­schen Ritua­len hin­gibt, darf sich nicht wun­dern, wenn er nicht mehr ernst genom­men wird. Wo Emo­tio­nen plötz­lich als Garant für „Authen­ti­zi­tät“ gel­ten und ver­ba­les Kuscheln, Tan­zen oder Klet­ter­gär­ten den pro­fes­sio­nel­len Dis­kurs erset­zen, sinkt die Schwel­le zur Manipulierbarkeit.

Infan­ti­le Milieus bevor­zu­gen ein­fa­che Paro­len statt ratio­na­ler Debat­ten. Kom­pro­miss­fä­hig­keit schwin­det. Selbst­ent­mün­di­gung wächst – und mit ihr die Bereit­schaft, Staat oder Medi­en in eine elter­li­che Rol­le zu drän­gen. Kri­ti­sches Den­ken verkümmert.

Auch öko­no­misch sind die Fol­gen spür­bar: Sin­ken­de Eigen­ver­ant­wor­tung hemmt Inno­va­ti­on und Pro­duk­ti­vi­tät. Sozi­al begüns­tigt sie Nar­ziss­mus, Ego­zen­trik und Konfliktvermeidung.

Die Unver­nunft regiert. Wer mit Albern­hei­ten ver­sucht, sei­ne Jugend­lich­keit zu bewah­ren, wird schei­tern. Blie­be die kind­li­che Rück­ent­wick­lung ein indi­vi­du­el­les Phä­no­men, wäre sie hin­nehm­bar. Doch ihre gesell­schaft­li­che Auf­wer­tung – im Beruf wie im öffent­li­chen Dis­kurs – ent­fal­tet Breitenwirkung.
Kri­sen ver­lan­gen Urteils­kraft, Logik, Abwä­gung. Wenn Refle­xi­ons­ver­mö­gen – die intel­lek­tu­el­le Vor­aus­set­zung für bewuss­tes Ent­schei­den und ziel­ge­rich­te­tes Han­deln – ver­lo­ren geht, ver­lie­ren Gesell­schaft und Unter­neh­men ihre Handlungsfähigkeit.

Unter­neh­men, Medi­en und Poli­tik, die die­sen Trend durch „Spiel-und-Spaß“-Kommunikation noch ver­stär­ken, ver­tie­fen Bil­dungs­de­fi­zi­te und ver­län­gern Unrei­fe. Erwach­se­ne blei­ben „ewig kin­disch“ – emp­fäng­lich für Stim­mun­gen statt für Argumente.

Was ist zu tun?

Poli­tik, Bil­dung und Kul­tur sol­len Mün­dig­keit stär­ken – nicht Bequem­lich­keit. Ratio­na­li­tät und Kom­pro­miss­fä­hig­keit ver­die­nen Vor­rang vor Dau­er­be­spa­ßung. Bür­ger brau­chen Ermu­ti­gung zur Selbst­stän­dig­keit, nicht Dauerbehütung.

Logik, kri­ti­sches Den­ken und die Fähig­keit, Kri­tik und Viel­schich­tig­keit aus­zu­hal­ten, sind kein Luxus. Sie sind Vor­aus­set­zung einer funk­tio­nie­ren­den Gesell­schaft. Ver­nunft statt früh­kind­li­cher Ideologisierung. 

Erwach­sen­wer­den heißt: Ver­ant­wor­tung über­neh­men, Ent­schei­dun­gen tref­fen. Ohne die­se Rück­be­sin­nung auf Logik, Ver­nunft, strin­gen­tes Han­deln und Eigen­ver­ant­wor­tung wird das nicht gelingen. 

150 Jahre Telefon

Als Gra­ham Bell am 14. Febru­ar 1876 den Paten­ein­trag für das Tele­fon ein­reich­te, konn­te er nicht wis­sen, was aus sei­ner Erfin­dung wird. Obschon – bis vor vier­zig Jah­ren unter­schied sich das Tele­fon wohl kaum von dem, was Bell erfand. In mei­ner Kind­heit waren häus­li­che Tele­fo­ne Eigen­tum der Deut­schen Bun­des­post. Man konn­te sich eines mie­ten, das an einer Schnur an der Tele­fon­do­se im Flur oder im Wohn­zim­mer hing. Die Farb­aus­wahl war eben­so beschei­den wie ein­fach. Es gab die Plas­tik­tei­le in grau, oran­ge oder grün. 

Wer etwas Beson­de­res woll­te, stülp­te dem Teil ein Bro­kat­män­tel­chen über.
Bei uns zu Hau­se war das Tele­fon außer­dem mit einem Schloss an der Wähl­schei­be ver­se­hen, schließ­lich kos­te­tet der Anruf 23 Pfen­nig.

Aller­dings konn­te man durch geziel­tes Tip­pen auf der Gabel die Sper­re umgehen. 

Es gab fes­te Zei­ten des Tele­fo­nie­rens. Mor­gens ab 8.00 Uhr bis 12.00 Uhr war ok. In der Mit­tags­pau­se war tabu, dann wie­der ab 15.00 Uhr bis zur Tages­schau lau­te­te das unge­schrie­be­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­setz. Auf dem Dorf war es bis in die spä­ten sieb­zi­ger nor­mal, dass nur einer in der Stra­ße ein Tele­fon besaß. Meis­tens war das der Orts­bür­ger­meis­ter und der muss­te dann von Haus zu Haus ren­nen, um den frem­den Anruf wei­ter­zu­lei­ten, oder den Betref­fen­den ans eige­ne Tele­fon zu holen. 

Die berühm­te Sau­er­län­de­rin Frie­da Braun (Karin Berken­kopf) fasst die Ent­wick­lung des Tele­fons übri­gens sehr schön zusammen. 😃

Närrische Zeiten

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Leo Putz — Kar­ne­val in Rio (1931)
Beim Ein­schal­ten des Radi­os heu­te Mor­gen wird schnell klar: Die Hoch­pha­se när­ri­schen Trei­bens hat begon­nen. Alt­wei­ber­fast­nacht – eine Tra­di­ti­on aus dem Mit­tel­al­ter, an dem die Frau­en sym­bo­lisch die Macht über­neh­men, wäh­rend die Män­ner den Haus­halt füh­ren. Also in etwa so wie ganz­jäh­rig im Sauerland.

Hier bei uns aller­dings beschränkt sich der Kar­ne­val auf eini­ge weni­ge Ver­an­stal­tun­gen. Büt­ten­red­ner rin­gen mit Rück­kopp­lun­gen – im Mikro­fon wie im Kor­tex – nicht sel­ten beför­dert durch alko­ho­li­sche Unter­stüt­zung. Mit Inbrunst wird das Sau­er­land besun­gen und am Rosen­mon­tag zie­hen alko­ho­li­sier­te Men­schen über Land, das war’s auch schon. Die Tra­di­ti­on mün­det im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes am Don­ners­tag vor Rosen­mon­tag im Absin­gen von Kar­ne­vals­lie­dern. Jeden­falls fol­gen die Kin­der im Anschluss dem Brauch­tum kilo­wei­se erbet­tel­te Süßig­kei­ten zu ver­schlin­gen, mit im Anschluss spä­tes­tens am Abend erheb­li­chem Unwohl­sein auf­grund hef­ti­ger Überzuckerung. 

Bemer­kens­wert ist zudem eine neue­re Ent­wick­lung: Erzie­hungs­be­rech­tig­te zie­hen als Begleit­per­so­nal von Haus­tür zu Haus­tür, um ihre Kin­der bei was auch immer zu unter­stüt­zen. Mit­sin­gen möch­ten die Beglei­ten­den — meist Müt­ter — jeden­falls nicht, den Ver­such habe ich an der Haus­tür bereits im letz­ten Jahr ergeb­nis­los diskutiert.

Auch dem Aus­schank von Schnaps ste­hen die Damen mit Blick auf ihre Spröss­lin­ge und ihrer Vor­bild­funk­ti­on gegen­über der sin­gen­den Brut skep­tisch gegenüber. 

Das jüngs­te Netz­kind ist dem Kar­ne­vals­sin­gen inzwi­schen entwachsen.

Wobei – ein paar Äpfel hät­te ich noch im Angebot.