WESTWERK.

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früher

WESTWERK. WESTWERK.

Coming of Age.

F

rüher war nicht alles besser. Die Weltlage 1986 zum Beispiel:
die Kriege in Afghanistan, Irak, Korea, Angola und Uganda.
Der erzkonservative Cowboy-Schreck Ronald Reagan und seine Bombardierung von Libyen. Die Live-Übertragung der Explosion der Space Shuttle Challenger kurz nach ihrem Start. Die Ermordung
des schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme in Stockholm.
Die nervtötenden Debatten um das rekordverdächtige Defizit im deutschen Bundeshaushalt. Das Horror-Szenario der Atomkatastrophe von Tschernobyl. Der gehypte Launch des ersten Laptops von IBM und die gleichzeitige Verbreitung seines Vernichters, des ersten PC-Virus »Brain«. Die Dauerpräsenz des Chart-Hits »Ohne dich (schlafe ich
nicht ein)« der Münchener Freiheit.

Aber es passierte auch Wunderbares: In einer dunklen Nacht am siebten Tag im Februar desselben Jahres* öffnete ein Haus in Hamburg seine Türen für eine allererste Veranstaltung. Der Abend brachte eine bunte Explosion von gemeinschaftlicher künstlerischer und musikalischer Lust und Energie, eine Party der kreativen trotzigen Selbstbestimmung. Die weitreichenden Folgen dieser Öffnung haben die damaligen Veran-
stalter:innen nicht reflektiert. Dass damit ein Ort entstand, der 40 Jahre später noch existieren wird und weiterhin unablässig veranstaltet.
Ein Ort für Kunst, Musik, Austausch und kulturelle Partizipation: Willkommen im Westwerk e.V.

ImageEs gibt auch traurige Nachrichten. Unser guter Freund Ulrich Dörrie ist
am 22. Januar verstorben. Er war schon lange ernst-
haft erkrankt, und auch wenn er seiner Krankheit mit geradezu trotzigem Optimismus entgegentrat, waren seine Kräfte am Ende erschöpft. Mit ihm verlieren wir einen lang-jährigen Mitstreiter, der sich als Liebhaber von un-
erschrockener Kunst und Literatur geradezu magnetisch von Hilka Nordhausens Buchhandlung WELT angezogen fühlte, bevor er seine erste eigene Galerie im Westwerk eröffnete.

Und das schon einige Wochen, bevor Westwerk selbst am 7. Februar 1986 seine Eröffnung feierte, worauf er mit Recht immer wieder gern hinwies. Er war ein umtriebiger Netzwerker, schon lange bevor dieser Begriff in aller Munde war. Und wir alle haben ihm viel zu verdanken. Schließlich war er es, der damals, als Westwerk zwar den Prozess gegen die Sprinkenhof AG gewonnen hatte, es aber klar war, dass die Stadt nicht lockerließ in ihren Bemühungen, die Fleetinsel zu räumen, Dr. Waitz ins Boot holte. Unvergessen die Nachtsitzungen, die wir damals mit den beiden und dem damaligen Kultursenator Dr. Ingo von Münch in der Galerie hatten, in dem Bemühen, ein für alle Seiten tragfähiges Konzept für die Straße auszuarbeiten. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

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