Wieder Zapperi, wieder die Italienische Reise.
Wieder Erstaunen über Goethes Ängstlichkeit (oder Vorsicht, oder schlicht Geschick?). Der europaweit bekannte Autor des gefeierten und vielübersetzten Werthers distanziert sich in Rom eifrig von seinem Werk. Laut Zapperi fürchtet er
von irgendwelchen eifrigen literarisch bewanderten Hütern der katholischen Moral bei der Indexkongregation denunziert zu werden. Es war allein schon sehr unangenehm, auf den Index gesetzt zu werden, aber noch unangenehmer war die Aussicht auf einen Prozeß vor der Kongregation, den eine solche Denunzierung ins Rollen gebracht hätte.
Der Grund wäre gewesen: Für die Kirche war der Selbstmord eine schwere Sünde, und der Werther galt in sehr katholischen Kreisen deswegen als unmoralisch und leicht anrüchig. Und die Kirche war damals noch (aus heutige Sicht fast unvorstellbar) mächtig. Auch ein bekannter und bestens protegierter Mann wie Goethe konnte diese Macht nicht ignorieren. Goethe war kein Spieler, er war vorsichtig, geschickt, er arrangierte sich zu seinem Vorteil. Und versuchte, den Werther aus dem römischen Spiel herauszuhalten.
Zapperi zitiert aus den Römischen Elegien:
Wäre der Werther mein Bruder gewesen, ich hätt ihn erschlagen,
Kaum verfogte mich so rächend sein trauriger Geist.
