Samstag, 3. Januar 2026

nie gesehen


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In der Folge Nicht schießen (1985) der Fernsehreihe Schwarz-Rot-Gold ermittelt der Zollfahnder Zaluskowski (Uwe Friedrichsen) gegen einen international tätigen Kriminellen, der einen amerikanischen Hochleistungscomputer in die Sowjetunion schmuggeln will. Was ihm am Ende nicht gelingt, der Zollamtsrat Zaluskowski und seine Truppe werden den Computer in einem Container im Hamburger Hafen sicherstellen. Der Kriminelle bleibt auf der Flucht, seine beiden Helfershelfer  (Thekla Carola Wied und Peter Fitz) werden in den USA festgenommen. Peter Fitz war schon in dem ersten Film der Serie Unser Land, der wie Nicht schießen von Dieter Wedel gedreht worden war, der Bösewicht. Wedel war nach seiner Dissertation von Dieter Meichsner (der alle achtzehn Folgen von Schwarz-Rot-Gold schrieb)  als Filmregisseur für den NDR angeworben worden. Die drei Folgen (Unser LandAlles in ButterNicht schießen), die er für die Serie drehte, gehören qualitativ mit zu den besten der Serie.

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Am Anfang des Films plant der Bösewicht (gespielt von Joachim Bißmeier) in der Hamburger Kunsthalle zusammen mit einem Kompagnon den großen Coup. Sie stehen in der Kunsthalle vor einem großen Bild. Einem sehr großen Bild, es ist fünfzig Quadratmeter groß. Ich habe das Bild nie gesehen, dabei kenne ich die Hamburger Kunsthalle gut. War sogar jahrelang Mitglied im Kunstverein. Deshalb konnte ich 1974 bei der großen Caspar David Friedrich Ausstellung auch an der langen Schlange vorbei flanieren, um am Eingang meinen kleinen grünen Mitgliedsausweis zu zeigen. Das Bild, das ich nie hesehen habe, heißt Der Einzug Kaiser Karls V in Antwerpen, die Hamburger Kunsthalle hatte es 1882 für 130.000 Mark gekauft.

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Damals fand man die Bilder von Hans Makart ja chic, vor allem, wenn auf dem Bild auch noch nackte Ehrenjungfrauen unbekleidet bei hellem Sonnenschein durch die Straßen wanderten. Man kennt heute die Namen der nackten Damen der Wiener Schickeria, das Bild führte damals zu einem Skandal. Während des Zweiten Weltkriegs rollte man das Bild ein und ließ es im Keller verschwinden. Ende der siebziger Jahre hatte der Kunsthallendirektor Werner Hofmann die Idee, den Schinken wieder aus dem Keller zu holen. Die Restaurierung des Gemäldes kostete 130.000 Mark und dauerte mehr als ein Jahr. Man musste die fünfzig Quadratmeter ganz vorsichtig wieder glattbügeln.

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Als man dann die ganze kitschige Pracht des Wiener Historismus wieder in der Kunsthalle stehen hatte, war man mit dem Bild nicht so glücklich, es passte nicht so richtig ins Gesamtbild, es erschlug alle Bilder daneben. Man wollte es allerdings nicht wieder zusammenrollen, man baute einfach eine Gipswand davor. Im Jahre 2020 nahm man die Wand wieder weg, weil man eine Makart Ausstellung plante. Sie können das auf diesem Video sehen. Auf diesem Photo kann man sehen, dass man die Wand schon abgebaut hat, das Bild ist noch von einer Schutzfolie umgeben.

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Nackte Frauen soll es am 23. September 1520 in Antwerpen wirklich gegeben haben. Albrecht Dürer berichtet Melanchton in einem Brief von den allerreizendsten Jungfrauen, fast nackt, nur in einem sehr dünnen und durchsichtigen Schleier gehüllt, die er gesehen habe. Der Kaiser habe sie aber nicht beachtet. Dürer war in Antwerpen, weil er hoffte, dass der neue Kaiser die Rentenzahlungen erneuerte, die ihm Kaiser Maximilian gewährt hatte. Makart hat Dürers Bericht von seinem Aufenthalt in Antwerpen gekannt, und deshalb haben wir die nackten Frauen in der Bildmitte. Und Albrecht Dürer auch. Man muss nur genau hingucken. Wenn Sie von der grünen Girlande auf dem Balkon links ein Stück heruntergehen, dann sehen Sie Dürer im Profil.

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1938 wollte das Münchener Haus der Deutschen Kunst auf Wunsch von Herman Göring das Bild gerne kaufen. Göring (hier ein Blick in seine Kunstsammlung) hatte ja selbst mehrere →Bilder von Markart. Eins der Bilder hatte ihm Adolf Hitler geschenkt, der selbstMakart bewunderte. Aber die Kunsthalle lehnte ab. Dr Werner Kloos schrieb: Es handelt sich um eines der repräsentativsten Stücke dieses Meisters in Deutschland und bildet das Hauptwerk der erst vor wenigen Monaten neu eingerichteten 'Galerie des 19. Jahrhunderts' in unserem Haus. Zudem ist dieses Werk seit Jahrzehnten mit der hamburgischen Museums- und Kunstgeschichte eng verbunden und stellt einen der Hauptanziehungspunkte dar. Da die Kunsthalle entsprechend der wieder wachsenden Bedeutung Hamburgs als 'Tor zur Welt' mehr und mehr von Ausländern und Fremden in großer Zahl besucht wird, würde das Verschwinden dieses Bildes eine unersetzliche Lücke in unseren Bestand reißen. Kloos war ein echter Nazi, war in der NSDAP und Untersturmbannführer der SS. Wie dieser Mann nach dem Krieg Direktor des Bremer Focke-Museums werden konnte, ist mir bis heute unklar.

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Der Makart-Saal soll anregen, Sichtweisen zu hinterfragen. Der Makart-Saal, als Auftaktsaal des Rundgangs durch die Museumssammlung, soll in Zukunft das Publikum anregen, herkömmliche Sichtweisen zu hinterfragen. Was früher vielleicht richtig war, muss den heutigen Vorstellungen nicht mehr entsprechen. Das kann man auf der Seite der Hamburger Kunsthalle lesen. Sind das Plattitüden oder ist das kunsthistorische Verzweiflung? In diesem Jahr werden die USA zweihundertfünfzig Jahre alt, dies wäre doch ein schönes Geschenk. Donald Trump wird das Bild sicher gefallen, und in Mar-a-Lago würde das Bild auch einen besseren Platz haben als in der Hamburger Kunsthalle.

Mittwoch, 31. Dezember 2025

das Jahr geht zuende


Als ich fünf Jahre im Netz war, schrieb ich zur Feier ein kleines Gedicht, das Theatrum Mundum hieß. Ich stelle es heute noch einmal hier her;

Aus der Dunkelheit kommend
betrat er die Bühne
die Scheinwerfer
strahlten noch nicht
unten saßen nur wenige
wartend was kommt
war das die Stimme
die man hören wollte?

Und er begann zu erzählen
vom kleinen Pip
der über Bord gefallen
die Füße Gottes gesehen hat
Von Däninnen die in der Nacht
von stillen Wäldern singen
von Meerjungfrauen die
das Schiff begleiten

Von Igeln und Rasenmähern
französischen Filmen und
amerikanischen Dandies
Fontanes Balladen
und Eichendorffs Wäldern
vom Erhabenen und den Engländern
von Kriegen und Schlachten
von Regenschirmen und Schuhen

Von Grafen die contessa
perdono singen
von dem Wiegenlied des Baches
und dem Himmel so weit
und den blauen Augen von
einem Schatz die einen in
die Welt hinaus treiben
es gibt kein Zurück

So vergingen die Monde
es kamen jetzt jeden Tag mehr
ihn zu hören
Tag für Tag war er da
Monat für Monat
schnell wird man gelobt
aber schneller vergessen
alles ist schöner Schein

Er blieb nicht lange allein
man brachte Dekorationen
ein Wäldchen
aus dem Wälder wurden
und man machte endlich
die Scheinwerfer an
es fehlte nur noch
Musik der Liebe Nahrung

Man ist einsam hier oben
doch immer dankbar
für den Applaus
man sieht die harte Arbeit nicht
man soll sie nicht sehen
alles ist schöner Schein
wir alle spielen Theater
irgendwo

Ich hier

Dieses Jahr ist das fünfzehnte Jahr, das ich diesen Blog schreibe. Die KI von Google sagt inzwischen über mich: Der Autor ist für seine tiefgründigen Analysen bekannt, die oft wissenschaftliche Expertise mit persönlichem Stil verbinden. Ich weiß nicht, woher die KI so etwas weiß.

Ich wünsche all meinen Lesern ein gutes neues Jahr.

Dienstag, 30. Dezember 2025

immer wieder Opern


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Heute vor hundertneunzig Jahren wurde im Teatro alla Scala in Mailand Gaetano Donizettis Oper Maria Stuarda nach dem Drama →Maria Stuart von Friedrich Schiller aufgeführt. Die Sängerin Maria Malibran (die hier schon den Post La Malibran hat) war indisponiert, die Oper wurde abgesetzt und vergessen. Ein Jahr später wird die Malibran in Manchester sterben, sie war nach ihrem schweren Reitunfall im Hyde Park nie mehr die alte gewesen, hatte aber schwerkrank keinen Auftritt versäumt. Fünfzigtausend Menschen werden die Straßenränder von Manchester säumen, als der Sarg vorbeigetragen wird. Ich habe als kleines Schmankerl für Sie hier noch den Film *Der Tod der Maria Malibran von Werner Schroeter.

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Heute haben ja beinahe alle CDs den Text der Oper, in den fünfziger Jahren ist es schwer, an Texte oder ein Libretto zu kommen. Knaurs Opernführer bot viel, hatte aber nicht die Texte der Arien. Ich wollte ja wissen, was die Soprane und Tenöre sangen, aber ich konnte kein Italienisch. Als ich einmal bei einer Abendeinladung bei unserem Hausarzt eine Langspielplatte von Le nozze de Figaro mit Texten finde, nehme ich an der Unterhaltung nicht mehr teil. Ich schreibe die Hälfte der Arien ab. Auf kleine Zettel in einem Taschenkalender, der von einer Medizinfirma kommt. Und so steht die Ermahnung von Figaro an Cherubino Non piu andrai farfallone amoroso auf einem Blättchen, auf dem Bei spastischer Bronchitis Felsolyn Kinderzäpfchen steht. Und Susannas Deh vieni, non tardar o gioia bella steht auf einem Blatt, das Bei Schmerzen Alaidol Pulver beschriftet ist. Ich kann das so genau sagen, weil ich diese kleinen Blätter nach mehr als einem halben Jahrhundert immer noch habe, so was wirft man nicht weg.

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Mozart ist Wiener Klassik, sagte der Musiklehrer des Gymnasiums. Die Klasse schrieb mit: Mozart ist Wiener Klassik. War das alles, was es zu Mozart zu sagen gab? Bei diesem Musiklehrer war das alles. Ich meldete mich und sagte, dass man bei Mozart aber auch romantische Elemente entdecken könne. Das Ergebnis dieser Meinung war, dass ich am Ende des Schuljahres statt meiner üblichen Note gut die Note befriedigend bekam. Der Lehrer war eine pädagogische Niete, aber er war berühmt, weil er den Schulchor aufgebaut hatte. Als *Paul Hindemith seine Oper *Die Harmonie der Welt 1958 in Bremen mit Liselotte Thomamüller und Caspar Bröcheler (die beide in →Bremen sehr bekannt waren) aufführte, brauchte er den Schulchor. Dafür gab er manchmal bei uns Musikunterricht. Und stellte seinen weißen amerikanischen Straßenkreuzer zum Ärger des Hausmeister Kalle Klemm auf dem Schulhof ab. Wir bekamen auch Freikarten für die Oper, aber von der mehr als dreistündigen Oper weiß ich nichts mehr. Die Freikarte für den 3. Juni 1958 habe ich noch aufgehoben.

Mein zweiter Musiklehrer hieß Hanns Eckerle, ihm verdanke ich viel. Eckerle war eigentlich Korrepetitor an der Oper in Bremen und leitete den Instrumentalverein in Bremen (heute Bremer Orchestergemeinschaft). Er hatte in den fünfziger Jahren auch einige Opern in Bremen dirigiert. Unter anderem Gian Carlo Menottis Oper *Der Konsul, die war damals ganz neu. Er war zwar auch kein begnadeter Pädagoge, aber er war ein guter Mensch. Wo unser Chorleiter, der eines Tages auch ein Bundesverdienstkreuz bekam, sich als Herrenmensch inszenierte, blieb Hanns Eckerle still und bescheiden. Aber er hatte diese Liebe zur Musik, besonders zur Oper, die ansteckend wirkte. Er spielte ganze Opern auf dem Klavier durch, sang alle Rollen. Man brauchte bei ihm auch nicht auf den fürchterlichen Aulastühlen zu sitzen, man durfte um das Klavier herumstehen. Man konnte ihm jederzeit Fragen stellen, die er geduldig beantwortete, mit Musikbeispielen. Hanns Eckerle hätte alles dirigieren können, was Karajan dirigierte, er hatte seit den vierziger Jahren gute Kritiken als Dirigent bekommen. Aber er war irgendwie ein Verlierer im Musikgeschäft, weil er so sanftmütig war; und so war er froh, dass er diesen Teilzeitjob an unserem Gymnasium hatte. Die Öffentlichkeit will die Karajans haben, mit dem Kamelhaarmantel, dem Porsche, dem Flugzeug und dem französischen Dior Model als Frau. Wie lange hat Günter Wand dirigieren müssen, bis die Öffentlichkeit gemerkt hat, dass er ein hervorragender Dirigent war? Ich hätte mir Hanns Eckerle auch niemals im Porsche vorstellen können. Sowas fuhr damals auch niemand in Bremen, wo der Gipfel des hansestädtischen Understatements ein schwarzer Volkswagen war.

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Opern und Opernsängerinnen und Opernsänger haben in diesem Blog immer eine Rolle gespielt. In meinem Leben auch, wie Sie in dem Post zwei Opern in Berlin lesen können. Meine Heimatstadt Bremen hatte unter Kurt Hübner ein großartiges Theater, aber die Oper war nicht unbedingt großartig. Auch nicht 1966, als Götz Friedrich mit dem Bühnenbild von Josef Svoboda einen Don Giovanni bot. Da war der kleine Mann, der bei uns 1960 in der Aula mit dem heruntergekippten Flügel, so, dass alle ihn sehen konnten, die ganze Dreischgroschenoper mit allen Partien sang, schon eindrucksvoller gewesen. Ich habe ihn in den Post Die Seeräuber Jenny hinein geschrieben. Das steht am Ende: Ich sehne mich noch immer nach dem kleinen Mann, der am Abend des 20. Januar 1960 in unserer Aula die Dreigroschenoper an dem gekippten Flügel spielte.

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Das spektakulärste Bremer Opernerlebnis für mich war eine Aufführung von Mozarts Zauberflöte. Was ja eine reine Freimaurer Oper ist, Librettist und Komponist sind Freimaurer, und die Oper wimmelt nur so vor edlen Gedanken. Es ist die eine Oper von Mozart, die ich überhaupt nicht mag, aber das Bühnenbild von Karl Friedrich Schinkel, das ich mal im Original gesehen habe, finde ich toll. Ich kann voller Enthusiasmus über Figaros Hochzeit, Don Giovanni oder Cosi fan Tutte schreiben, aber ich würde nie über die Zauberflöte schreiben. Die habe ich auch nur einmal gesehen. Allerdings in einer sehr speziellen Vorstellung. Es war eine geschlossene Gesellschaft, das Theater am Goetheplatz war von den Bremer Freimaurerlogen gemietet worden. Alle Herren (außer mir) im Frack, alle Damen im Abendkleid. So sahen Opern im 19. Jahrhundert aus, große Roben und Fräcke. Ich trug meinen guten blauen englischen Anzug von Charlie Hespen, in dem ich noch Abitur machte und zehn Jahre später meine Doktorprüfung bestand. Anzüge hielten damals lange.

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Ich trug den dunkelblauen Anzug auch häufig statt der Uniform, als ich an der Heeresoffziersschule Hannover war. Der General, der die Schule leitete, wünschte sich zwar, dass die angehenden Offiziere die Bundeswehr mit ihrer Uniform auch in der Öffentlichkeit und besonders bei kulturellen Veranstaltungen repräsentierten, aber das war nichts für mich. Ich war einmal mit der Uniform im Theater, das war ein Fehler, es gab Hochhuths Stellvertreter.  Ich war das lebende Beispiel dafür, dass die Bundeswehr von der Bevölkerung noch nicht akzeptiert wurde. Also deshalb wieder der englische Anzug. Hannover hatte damals eine sehr gute Oper (und auch im Ballhof gab es manchmal Musik), die Carmen habe ich schon in den Nikolaus Post hinein geschrieben, Tosca habe ich damals dreimal gesehen. War besser, als in der HOS zu sitzen und Taktikbücher zu studieren.

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Mein erstes Proseminar in Hamburg war in den sechziger Jahren Das europäische Drama und Theater des Barock bei dem Hamburger Theaterwissenschaftler Dr Diedrich Diederichsen. Der war auch der Leiter der 1940 gegründeten Theatersammlung, die zu dem Lehrstuhl für Germanistik in Hamburg gehörte. Es hatten sich in dem Sommer nur wenige Studenten (es waren höchstens zwanzig) in sein Seminar verirrt, was sicher ein Fehler war, denn es war ein hervorragendes Seminar. Die Opern von Reinhard Keiser spielten in dem Seminar eine große Rolle. Von meinem Hamburger Verwandten bekam ich seine Abo-Karte für die Hamburgische Staatsoper. Um diese Karte zu bekommen, was in Hamburg so gut wie unmöglich war, fuhr er jedes Jahr einmal nach Jork im Alten Land, denn da gab es immer Karten. Als ich zur Uni Kiel wechselte, hatte ich ein Studentenabo für die Oper und sah noch Peter Ronnefelds Inszenierung von Der Fliegende Holländer. Kurz danach war Ronnefeld, der Karajans Assistent gewesen war, tot. Er war dreißig Jahre alt. Thomas Bernhard hat ihn einen genialen Hund genannt, und das war er wohl wirklich. Seine Oper *Die Ameise kann man noch bei YouTube hören, bewegte Bilder gibt es leider nicht.

Donizettis Oper war nach der Uraufführung mit der Malibran schnell in Vergessenheit geraten. Man hat sie aber wieder entdeckt. In diesem Jahr konnte man die Oper in Hamburg und in Salzburg sehen. Wenn Sie Donizettis *Maria Stuarda sehen möchten, brauchen Sie die Oper nur anzuklicken. Ich habe sie hier auch noch eine neuere Version bei *arte aus dem Jahre 2024. 

In diesem Jahr gab es mit Zu Straßburg auf der Schanzdie vergessene Oper und tenore di grazia drei Posts zur Oper, aber es gibt noch mehr als fünfzig Opernposts in diesem Blog. Die liste ich hier mal auf. Damit Sie sehen können, dass dies eigentlich auch ein Opernblog ist. 

Primadonna assoluta, Diven, Henriette SontagNachtigallenGrande OpéraLa MalibranMarie FajtováDietrich Fischer-DieskauPeter Schreier ✝Rudolf SchockRudolf Schock (*4.9.1915)Ferruccio TagliaviniHans Peter BlochwitzFritz BuschCharles MackerrasJacques OffenbachBenjamin BrittenRichard WagnerVincenzo BelliniOthmar SchoeckGiuseppe VerdiHamburger OperZar und ZimmermannLa clemenza di TitoGänsemarktdie Seeräuber JennyDie Harmonie der Weltder bestrafte Wüstling, La Péricholetenore di graziaMio caro Händel, Marilyn MonroeUntertitelHochzeitsmarschThe Beggar's OperaEuropaDie tote StadtVioletta in Strapsen oder der Tod im BahnhofGod Save the KingGreensleevesGeier-WallyDon Giovanni in SalzburgLa TraviataContessa, perdono, la ci darem la mano, The marriage of Figaro, Arkadien, Cosi fan Tutte, Don Giovanni, Theaterschlacht. Opernhaus Hannover, Glyndebourne, Semperoper, L'amico Fritz, die richtigen MännerKuhreigen, Wunderteam, Che farò senza Euridice, Last night of the proms, contessa, perdono (per la seconda volta), die Stimme im Hintergrund, Flimm ist schlimm, Die Liebesschule, Premiere, Rheinnixen, Champagnerarie, Wolfsschlucht, bêtes noires, Bayreuth, Wagner,Wacken und La PéricholeDie Liebe vom Zigeuner stammtDiva, Kontratenor, Der Siegeskranz, Komische Oper, Berlin, Opernsänger

Montag, 29. Dezember 2025

Brigitte Bardot ✝

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Die französische Schauspielerin Brigitte Bardot ist gestern in ihrem Wohnort Saint-Tropez im Alter von einundneunzig Jahren gestorben. Wie behalten wir sie in unserem Kopf? Die junge Bardot oder die verbitterte alte Frau, die lieber die Marianne eines rechtsradikalen Frankreichs gewesen wäre? Emmanuel Macron hat auf der Plattform X geschrieben: Ses films, sa voix, sa gloire éblouissante, ses initiales, ses chagrins, sa passion généreuse pour les animaux, son visage devenu Marianne, Brigitte Bardot incarnait une vie de liberté. Existence française, éclat universel. Elle nous touchait. Nous pleurons une légende du siècle. Der Brigitte Bardot Fan Club bei Facebook hat sicher auch etwas dazu zu sagen. 

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Diejenigen, die mit ihren Filmen aufgewachsen sind, sind heute Rentner wie ich. Gibt es für die einen Brigitte Bardot Film, den man unbedingt sehen möchte, sehen solte? Einen wirklich guten Film? ✺Wollen Sie mit mir tanzen? ist das ganz bestimmt nicht. Im Jahr danach drehte sie ✺Die Wahrheit (La Vérité), einen Film, der sie zur großen Schauspielerin machen sollte. Ich fand den Film furchtbar. Hat sie wirklich gute Filme gedreht? Zum inneren Kreis von Truffaut hat sie nie gehört. Sie wollte Truffaut einmal verklagen, als die Deneuve die Hauptrolle von Waltz into Darkness bekam. Er hätte sie ihr versprochen gehabt. Sie bekam die Rolle nicht. Trauffaut, der in Geldschwrierigkeiten war, bekam seinen Film von Jeanne Moreau vorfinanziert.

Ich habe der Bardot im letzten Jahr zum neunzigsten Geburtstag gratuliert, ich stelle das heute noch einmal wieder hier hin. Ich habe es ein wenig überarbeitet und verloren gegangene Links wieder hergestellt. Und Links zu allen Filmen gemacht, damit Sie die anschauen können. Und viel mehr kann ich zu ihr nicht sagen.

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Brigitte Bardot, Bardot, Brigitte Bardot, bravo! Aucune fille au monde N’est aussi sympa que toi Brigitte Bardot, Bardot Brigitte Bardot, bravo! Pour toi, toutes les secondes Chaque homme a le cœur qui bat, sang 1961 ein gewisser Dario Moreno. Ich habe den Song noch in den Ohren. Sie können das hier hören. Brigitte Bardot ist in diesem Blog keine Unbekannte. Ich habe das Suchfeld bemüht und war überrascht, wie oft sie hier im Blog auftaucht. Einmal hätte ich beinahe an ihrem Geburtstag über sie geschrieben, aber dann schrieb ich doch über Angie Dickinson. Wo ich auch erwähnte, dass mein Freund Keith Kernspecht einen Morgan besitzt, der einmal Brigitte Bardot gehört hat. Habe ich mal drin gesessen, da wo Brigittes Po war. Näher bin ich ihr nicht gekommen. Sie hatte ja auch einmal eine Renault Floride, und sie war ja genau wie Renault ein Exportartikel für Frankreich. Hat de Gaulle so gesagt. 

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Brigitte Bardot wird heute neunzig, da sollte ein Post über die französische Darstellerin nicht fehlen. Den Film hier kennen Sie vielleicht nicht, es ist nicht der typische Bardot Film. Der Film, der BB und Dirk Bogarde vereinte, hieß Doctor at Sea. Das war einer ihrer ersten Filme, bevor sie im nächsten Jahr mit  … und immer lockt das Weib (Et Dieu créa la femme) weltweit bekannt wurde. 

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Es war eine dieser liebenswert harmlosen Komödien, die die Engländer mit leichter Hand produzierten. Dirk Bogarde (der hier einen langen Post hat) hat in der Hälfte dieser Doktorfilme mitgespielt, er hätte wohl gerne etwas anderes gespielt als den Dr Simon Sparrow, aber er hatte diesen Vertrag mit Rank, aus dem er nicht herauskam. Wenn Sie eine Szene aus diesem Film (mit Mondlicht, aber ohne Mandolinen) sehen wollen, klicken Sie dies an. Wenn Sie den ganzen Film sehen wollen, dann klicken Sie oben den Filmtitel an. Dies Bild ist aus der letzten Szene des Films. Es gibt ein happy ending, sie kriegen sich. Im wirklichen Leben nicht.

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Den Schauspieler James Robertson Justice, der wohl die erstaunlichste Lebensgeschichte von allen englischen Filmschauspielern hat (und den wir aus Captain Horatio Hornblower und Moby-Dick kennen), wird Brigitte Bardot in dem Film Le Repos du Guerrier wiedertreffen. Ich musste die Platte mit der Filmmusik hier mal abbilden, ich habe sie nämlich noch immer. Habe ich in Paris gekauft, als ich diese schlimme Exi Phase mit französischen Philosophen, französischen Filmen und französischen Chansons hatte. Da habe ich damals auch den Film gesehehen. Die Filmmusik ist von Michel Magne, der auch Lieder für Juliette Gréco geschrieben hat.

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Den Komponisten der Filmusik von Doctor at Sea sollte ich auch erwähnen. Es ist ein gewisser Robert Bruce Montgomery. Krimifreunde kennen ihn unter dem Namen Edmund Crispin. Ich weiß nicht so recht, warum ich noch nie über meinen Lieblingsautor geschrieben habe. Irgendwann schreibe ich mal über ihn, bis dahin  müssen Sie sich damit begnügen, das zu lesen, was in den Posts Inspector Lewis und Michael Innes steht.

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Für diese Szene hinter dem Duschvorhang hatte man in den Pinewood Studios ein fleischfarbenes Trikot für Mlle Bardot vorgesehen. Sie hat es einmal anprobiert. Und duschte dann nackt. Zur Begeisterung aller Beteiligten im Studio. Only one character has been brought foreward [from Doctor in the HouseDr Simon Sparrow, again played by Dirk Bogarde, whose comedy touch gets more and more assured with every film... And for sheer enchantment there is little Brigitte Bardot the prettiest and sauciest girl the French have sent British Studios since Odile Versois, schrieb das Magazin Picturegoer. Und Brigitte Bardot, die nur ein einziges Wort Englisch konnte (und das war No!), sagte selbstironisch über den Film, dass er ihr conquête d'Angleterre gewesen sei.

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Auf diesem Bild tanzt sie zwischen zwei Männern: Curd Jürgens, der seit dem Film Et Dieu… créa la femme (... und immer lockt das Weib) den Beinamen normannischer Kleiderschrank hat und Jean-Louis Trintignant. Der trägt ein hervorragend geschneidertes Tweedjackett, aber man merkt auch, dass er ziemlich klein ist.

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Curd Jürgens ist natürlich viel größer. Er hat auch einen guten Schneider, aber die Bardot wird mit dem kleinen Jean-Louis eine Liebesaffäre haben. Das steht schon ausführlich in dem Post Jean-Louis TrintignantMan konnte vor einem halben Jahrhundert den Eindruck haben, dass französische Filme nur deshalb gedreht wurden, um die Schneiderkunst zu demonstrieren, von der die Hauptdarsteller umhüllt wurden. Frauen waren dabei nur ein zusätzliches dekoratives Element. Wir werden nur einen Augenblick von den Beinen von BB abgelenkt, aber unser Blick fällt auf Jean Gabin, der die Szene in Mit den Waffen einer Frau beherrscht. Die nur mit einem Pelz bekleidete Bardot (1958 trug sie so etwas noch) hat hier eher den Charakter eines Möbelstücks..

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Designer rissen sich um sie. Daniel Hechter hat einmal die Kleider für Brigitte Bardot entworfen. Was wohl keine so große Leistung ist, an Brigitte Bardot hätte in den fünfziger und sechziger Jahren auch ein Müllsack gut ausgesehen. Ja, Daniel Hechter war mal berühmt. Zuerst war er ein Couturier, dann erfand er das Prêt-à-porter (angeblich de luxe). Lizenzen bringen viel Geld. Machte ja beinahe jeder in Paris, Lagerfeld und Pierre Cardin auch. Ich hatte mal ein grünes Samtjackett von Hechter, dessen Revers und Taschen mit einem dünnen Lederrand paspeliert waren, sah toll aus. War aber schon etwas zu klein, als ich es in Paris kaufte. Wurde auch später leider nicht größer.

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Sie ist (und dies ist natürlich ein Filmphoto aus Et Dieu… créa la femme) als Sexsymbol vermarktet worden - und sie hat sich als Sexsymbol vermarkten lassen. Das Heyne Filmlexikon urteilte über den Film: Geiler Groschenroman, in dem sich BB gekonnt in Szene setztWenn man sich dieses Interview aus dem Jahre 1956 anschaut, dann sagt man unwillkürlich: Gott, ist die niedlich. Damals ist die Tochter eines reichen Industriellen zweiundzwanzig, wie eine erwachsene Frau wirkt sie nicht.

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1956 ist das Jahr, in dem sie mit Roger Vadim als Regisseur Et Dieu… créa la femme dreht, da war sie noch mit Vadim verheiratet. Aber sie verlässt ihn und lebt zwei Jahre mit Trintignant zusammen (was dessen Ehefrau Stéphane Audran nicht so gerne gesehen hat). Den Ruf von ... und immer lockt das Weib wird sie jetzt nicht mehr los. Im gleichen Jahr dreht sie einen Film, der Das Gänseblümchen wird entblättert heißt.

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Die französische Marianne (1968 von Bardot) verkörpert, knöpft sich jetzt - symbolisch gesprochen - das Mieder auf. Das musste kommen, hatte doch schon Delacroix die Freiheit mit nacktem Busen gemalt (eine Pose, die Caroline de Bendern 1968 bekleidet wiederholte). Jetzt muss im französischen Film aux seins nus sein, man wollte das nicht den Schweden und Ingmar Bergmans Das Schweigen überlassen. Und was BB kann, dass kann MM (Bild) schon lange. Michèle Mercier wird in den sechziger Jahren als Angélique berühmt werden. Und dann hätten wir da noch die Blondinen Mylène Demongeot und Mireille Darc (die hier einen viel gelesenen Post hat). Mireille Darc hat es geschafft, dass die Presse ihr Privatleben respektierte. Was Brigitte Bardot nicht hingekriegt hat. Oder auch gar nicht wollte.

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Vielleicht war der Film Vie privée von Louis Malle ein Stück Autobiographie. Ich habe nie wirklich gelebt. Ich konnte nie in ein Bistro gehen oder einkaufen. Nicht ein einziges Mal, seit ich im Kino gearbeitet habe, hat sie vor Tagen in einem Interview gesagt. Auf jeden Fall war es zum ersten Mal nach La Vérité (1960) ein guter Film mit einem guten Regisseur. Der Film kommt schon in dem Post vor, der Gregor von Rezzori heißt, deshalb lasse ich den jetzt mal weg. Mit Louis Malle (und wieder mit Rezzori) wird sie auch Viva Maria! drehen. An der Seite von Jeanne Moreau, die keinen Schmollmund, aber eine ganz andere Karriere hat. Weil sie eine richtige Schauspielerin und kein bloßes Sexsymbol war. Sie kommt hier in dem Post Fahrstuhl zum Schafott vor und hatte hier 2017 einen langen Nachruf.

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Brigitte Bardot hat dann noch einen Film mit Godard gedreht. Habe ich damals gesehen, weil man ✺Godard sehen musste, die Nouvelle Vague war angesagt. Aber ich habe Godard nie wirklich gemocht (À bout de souffle und Alphaville ausgenommen), was man auch daran sieht, dass ich eine Vielzahl von Posts über das französische Kino geschrieben habe, ohne ihn jemals ausführlich zu behandeln. Ich fand den Film banal, der einzige Lichtblick war Jack Palance (hier am Lenkrad des roten Alfa Romeo). Für Godard Fans gibt es hier eine Analyse des Films.

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Der spanische Drehbuchautor und Regisseur Jose Luis Guarner hat über den Film gesagt: Conscious of Brigitte Bardot’s limitations, he [Godard] has avoided adapting the character of Camille to the personal legend of B.B. and has tried the opposite course, starting from the fact that it is B.B. who plays Camille… During the course of Le Mépris, we never forget that we are seeing B.B. and not Camille, but we soon grow accustomed to it: we accept her acting just as we accept that Palance “is” Prokosch and Lang “is” Lang”.

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Und um die limitations der Bardot wettzumachen, hat Godard neben der Badewannenszene mit Michel Piccoli noch eine ✺Szene gedreht, die nicht im Drehbuch stand. Wo BB das tun konnte, was sie am besten konnte: sich nackt auf dem Bett räkeln. Es war nicht seine Idee, es war die Idee der amerikanischen Geldgeber. Wenn jemand sagt Non, non, ça ne va pas, je veux voir le cul de Bardot, dann muss das gedreht werden. 

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Der Text zu den Bildern ist aber wahrscheinlich sehr ironisch, vielleicht sind die Fragen der Bardot gar nicht an Michel Piccoli gerichtet, sondern richten sich an die amerikanischen Geldgeber: Tu les trouves jolies mes fesses? Et mes seins, tu les aimes ? Qu’est-ce que tu préfères: mes seins ou la pointe de mes seins?» «Alors, tu les as bien réclamées, tu les aimes mes fesses? Hein? Dis? On les voit assez, ça va?»

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Der Blondschopf da rechts in dem Alfa gehört ihr. Das ist das Ende von Le Mépris, Brigitte Bardot stirbt (wie schon in Vie privée) den Filmtod. Vielleicht hätte sie jetzt aufhören sollen. Aber sie musste ja weiter Filme drehen. Zumeist belangloses Zeug. Wie zum Beispiel Petroleum Miezen. Den Film A Coeur Joi (Zwei Wochen im September) fand ich nett (aber harmlos), da war James Robertson Justice wieder dabei. 

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Er spielte (diesmal im Kilt) sozusagen sich selbst. Denn wenn er hier einen Ornithologen spielt, dann versteht er etwas davon. Das Multitalent James Robertson Justice, der einen Doktortitel von der Universität Bonn besaß, war Gründungsmitglied des Wildfowl Trust und hatte Prince Charles in der Kunst der Falkenjagd unterrichtet (die er selbst in den fünfziger Jahren von Phillip Glasier erlernt hatte). 

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Brigitte Bardot hat in ihren Memoiren über James Robertson Justice gesagt, dass er ein wahrer Gentleman sei. Sie fand Gregor von Rezzori très sympa, aber er fand sie ein wenig doof (lesen Sie hier unbedingt Bonjour, Gricha! Gregor von Rezzori über seine Dreharbeiten mit BB). Viel mehr als der Schmollmund und der Po war da wohl nicht. Aber Schönheit ist vergänglich, das sagen uns schon die Barockdichter. Die Bardot mochte diese älteren Männer wie Curd Jürgens, James Robertson Justice und Gregor von Rezzori. Vielleicht waren sie ein Ersatz für den Vater, der sie nur verprügelt hat und ihre jüngere Schwester mehr liebte als sie.

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Wirklich gute Rollen, also diese Rollen, die Jeanne Moreau und Catherine Deneuve bekommen, erhält die Blondine nicht mehr. Sie hat Jahre nachdem Truffauts La Sirène du Mississipi in die Kinos  kam, behauptet, dass François Truffaut ihr die Rolle versprochen hätte, die Catherine Deneuve bekommen hatte. Je suis ravie que ce soit un tel bide, parce que c'est bien fait. On me l'a piqué d'une manière tellement ignoble. J'étais folle de rage, hat sie auch noch gesagt. Truffaut hat ihr die Rolle nie versprochen. Sie können in dem Post Waltz into Darkness (der auch gleichzeitig eine Einführung in die französische Herrenmode ist) alles dazu lesen.

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Mit achtunddreißig hört sie mit der Schauspielerei auf. Marilyn Monroe ist keine achtunddreißig geworden, die war schon vorher tot. Selbstmordversuche hat es genügend in BBs Leben gegeben. Männer auch. Ich habe viel und leidenschaftlich geliebt. Das liegt in meiner Natur, hat sie einmal gesagt. Sie kam aus der französischen Bourgeoisie, jener Gesellschaftsschicht, die Claude Chabrol so gnadenlos seziert hat. Jetzt ist sie wieder in die Bourgeoisie zurückgekehrt. Sie ist mit einem Rechtsradikalen verheiratet, aber sie sagt, dass er nicht zur Front National gehört: Mon mari, il a le droit de penser ce qu'il veut. Il a le droit de faire ce qu'il veut. Je ne vais pas commencer à régenter ses opinions. Moi, j'ai les miennes qui sont pas du tout les mêmes que lui. Je suis de droite, ça on le sait. Je ne suis pas du Front national. Alors après on me traite de fasciste, de nazi, de chemise brune. Wenn Sie das sagt, dann wird das stimmen. Aber Aucune fille au monde N’est aussi sympa que toi Brigitte Bardot, wie das Dario Moreno sagt, das wird nicht stimmen. Das Wort sympa wird man wohl nicht mehr für sie gebrauchen.

Noch meher Brigitte Bardot in den Posts: Bon anniversaire, Jean-Louis, Doktorspiele, Waltz into Darkness, Jeanne Moreau, Gregor von Rezzori, Mireille Darc, Michel Piccoli ✝, François Truffaut, la reine Catherine, Alain Delon ✝, Reste, Bikini, Louis Malle , Jane Birkin ✝

Sonntag, 28. Dezember 2025

doublet


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Heute vor hundertsechzig Jahren wurde der Maler Félix Edouard Vallotton geboren. Er war ein einziges Mal mit einem Bild in dem Post Peepshow, das Bild stelle ich noch einmal ein. Ich mag seine Malerei überhaupt nicht, und er käme kein zweites Mal in meinem Blog vor, wenn ich nicht ein wirklich witziges Bild gefunden hätte, das ich an seinem Geburtstag gerne hier zeigen möchte. Es hat mich gewundert, dass Valloton sich immer wieder in der Aktmalerei versuchte, obgleich das eigentlich nicht seine Sache ist. Ich habe hier den Aufsatz Der nackte Akt : Félix Vallotton (1865-1925) zu dem Thema. Falls Sie das interessiert.

Julian Barnes fand Valltons Aktbilder scheußlich: Als ich zum ersten Mal seine Akte sah, schienen sie das Vallotton’sche Gesetz zu beweisen: Je weniger Kleider eine Frau auf einem seiner Gemälde trägt, desto schlechter ist es. Aber trotzdem hat er einen langen Artikel über Valloton geschrieben und vor zehn Jahren eine Valloton Ausstellung kuratiert. Mir ist der Julian Barnes, der über rote Morgenmäntel und Flauberts Papagei schreibt, lieber als der Barnes, der Valloton mag. Ich finde die Aktgemälde von Valloton auch scheußlich, am scheußlichsten ist sicher das Bild von 1921, das das Städelsches Kunstinstitut besitzt.

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In meinem Bild heute ist Valloton nur Nebensache. Es ist ein Farbphoto von Albert Theodor Schaefer. Es hat den Titel Félix Vallotton: Madame Vallotton im Morgenrock II. Madame Valloton Nummer eins ist auf dem Photo auch zu sehen, links auf dem Gemälde an der Wand. Auf dem im Hintergrund noch ein Aktgemälde zu sehen ist. Das Photo gehört, wie das Gemälde, der Staatsgalerie Stuttgart. Das 50 mal 65 Zentimeter große Photo ist ein Bild aus der Serie BilderEchos des Photographen, der sich auf Theater- und Opernphotographien spezialisiert hat, aber auch viele andere interessante Dinge macht. Irgendwie ist es ein perfektes Bild, auf dem wir drei mehr oder weniger bekleidete Frauen sehen können. Leider werden wir wahrscheinlich nie erfahren, wer diese sexy Brünette mit dem weißen Badetuch ist, die durch die leere Staatsgalerie tänzelt. Immer, wenn ich in Kunsthallen bin, laufen mir solche Frauen nicht über den Weg.

Freitag, 26. Dezember 2025

Dekabristen

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Heute vor zweihundert Jahren begann in Sankt Petersburg der Aufstand der Dekabristen. Es waren adelige Offiziere, die der Sklaverei der Mehrheit der Russen, grausame Behandlung der Untergebenen durch ihre Vorgesetzten, alle Arten von Missbrauch seitens der Regierung und allgemeine Tyrannei ein Ende machen wollten. Aber der Aufstand mißlingt, die Aufständischen werden hingerichtet oder wandern nach Sibirien, wenn sie nicht rechtzeitig emigrierten. Leo Tolstoi hat einen Roman mit dem Titel Die Dekabristen begonnen, hat ihn dann aber liegen lassen, weil er Krieg und Frieden schrieb.

Auch in diesem Blog waren die Dekabristen schon ein Thema. Lesen Sie auch Maria Wolkonskaja, Sibirien, der heilige Doktor und russischer Adel. Alle Arten von Missbrauch seitens der Regierung und allgemeine Tyrannei gibt es nach zweihundert Jahren in Russland immer noch.

Mittwoch, 24. Dezember 2025

eine alte Weihnachtsgeschichte


ES be­gab ſich aber zu der zeit / Das ein Ge­bot von dem Kei­ſer Au­gu­ſto aus­gieng / Das al­le Welt ge­ſchetzt wür­de. Vnd die­ſe Scha­tzung war die al­ler­er­ſte / vnd ge­ſchach zur zeit / da Ky­re­ni­us Land­pfle­ger in Sy­ri­en war. Vnd je­der­man gieng / das er ſich ſche­tzen lieſ­ſe / ein jg­li­cher in ſei­ne Stad.

DA ma­chet ſich auff auch Jo­ſeph / aus Ga­li­lea / aus der ſtad Na­za­reth / in das Jü­di­ſche­land / zur ſtad Da­uid / die da heiſſt Beth­le­hem / Da­rumb das er von dem Hau­ſe vnd ge­ſchlech­te Da­uid war / Auff das er ſich ſche­tzen lieſ­ſe mit Ma­ria ſei­nem ver­traw­e­ten Wei­be / die war ſchwan­ger. Vnd als ſie da­ſelbſt wa­ren / kam die zeit / das ſie ge­be­ren ſol­te. Vnd ſie ge­bar jren er­ſten Son / vnd wi­ckelt jn in Win­deln / vnd le­get jn in ei­ne Krip­pen / Denn ſie hat­ten ſonſt kei­nen raum in der Her­ber­ge.

VND es waren Hir­ten in der ſel­bi­gen ge­gend auff dem fel­de / bey den Hür­ten / die hü­te­ten des nachts jrer Her­de. Vnd ſi­he / des HER­RN En­gel trat zu jnen / vnd die Klar­heit des HER­RN leuch­tet vmb ſie / Vnd ſie furch­ten ſich ſeer. Vnd der En­gel ſprach zu jnen. Fürch­tet euch nicht / Si­he / Ich ver­kün­di­ge euch groſ­ſe Freu­de / die al­lem Volck wi­der­fa­ren wird / Denn Euch iſt heu­te der Hei­land ge­börn / wel­cher iſt Chri­ſtus der HErr / in der ſtad Da­uid. Vnd das habt zum Zei­chen / Ir wer­det fin­den das Kind in win­deln ge­wi­ckelt / vnd in ei­ner Krip­pen li­gen. Vnd als bald ward da bey dem En­gel die men­ge der hi­me­li­ſchen Herr­ſcha­ren / die lob­ten Gott / vnd ſpra­chen / Ehre ſey Gott in der Hö­he / Vnd Frie­de auff Er­den / Vnd den Men­ſchen ein wol­ge­fal­len. 

VND da die En­gel von jnen gen Hi­mel fu­ren / ſpra­chen die Hir­ten vn­ter­nan­der / Laſſt vns nu ge­hen gen Beth­le­hem / vnd die Ge­ſchicht ſe­hen / die da ge­ſche­hen iſt / die vns der HERR kund ge­than hat. Vnd ſie ka­men ei­lend / vnd fun­den bei­de Ma­ri­am vnd Jo­ſeph / da­zu das Kind in der krip­pen li­gen. Da ſie es aber ge­ſe­hen hat­ten / brei­te­ten ſie das wort aus / welchs zu jnen von die­ſem Kind ge­ſagt war. Vnd al­le / fur die es kam / wun­der­ten ſich der Re­de / die jnen die Hir­ten ge­ſagt hat­ten. Ma­ria aber be­hielt al­le die­ſe wort / vnd be­we­get ſie in jrem her­tzen. Vnd die Hir­ten ke­re­ten wi­der­umb / prei­ſe­ten vnd lob­ten Gott vmb al­les / das ſie ge­hö­ret vnd ge­ſe­hen hat­ten / wie denn zu jnen ge­ſagt war.

Wir, liebe Leser, feiern heute zum fünfzehnten Mal Weihnachten zusammen. Heute gibt es die Weihnachtsgeschichte in der Version Luthers. 2010 stand hier der Engländer William Tyndale, der die Bibel hundert Jahre vor der Kings James Version ins Englische übersetzt hatte.

Als ich klein war, wusste ich nicht, was ein Landpfleger ist. Aber wenn in der Weihnachtspredigt nicht Kyrenius Landpfleger in Syrien war vorkam, dann wäre es kein Weihnachten gewesen. Wenn man einen Text nicht gleich versteht, weil er nicht in der Form eines easy readers daherkommt, dann erwächst der Wunsch, ihn verstehen zu wollen. Das Was ist das? Was ist das? bleibt die große Frage - auch wenn ihr nicht Je, den Düwel ook, c’est la question, ma tres chère demoiselle! nachgesetzt wird wie in Thomas Manns Buddenbrooks. Und deshalb gibt es heute, weil es so schön klingt, die Weihnachtsgeschichte in der Übersetzung von William Tyndale:

It followed in those days: that there went out a commandment from August the Emperor, that all the world should be valued. This taxing was first executed when Syrenus was leftenant in Syria. And every man went into his own shire town, there to be taxed. And Ioseph also ascended from Galilee, out of a city called Nazareth, into jewry: into the city of David, which is called Bethlehem, because he was of the house and lineage of David to be taxed with Mary his wedded wife, which was with child. And it fortuned while they were there, her time was come that she should be delivered. And she brought forth her first begotten son. And wrapped him in swaddling clothes, and laid him in a manger, because there was no room for them within, in the ynne. And there were in the same region shepherds abiding in the field, and watching their flock by night. And lo: the angel of the Lord stood hard by them, and the brightness of the Lord shone round about them, and they were sore afraid. And the angel said unto them: Be not afraid: Behold I bring you tidings of great joy, that shall come to all the people: for unto you is born this day in the city of David a saviour, which is Christ the Lord. And take this for a sign: ye shall find the child swaddled, and laid in a manger. And straight way there was with the angel a multitude of heavenly soldiers, lauding God, and saying: Glory to God on high, and peace on the earth: and unto men rejoicing. And it fortuned, as soon as the angels were gone away into heaven, the shepherds said one to another: let us go even unto Bethlehem, and see this thing that is happened, which the Lord hath shewed unto us. And they came with haste, and found Mary and Ioseph, and the babe laid in a manger. And when they had seen it, they published abroad the saying, which was told them of that child. And all that heard it wondered, at those things which were told them of the shepherds. But Mary kept all those sayings, and pondered them in her heart. And the shepherds returned, praising and lauding God for all that they had heard and seen, even as it was told unto them.


Ich wünsche meinen Lesern ein schönes Weihnachtsfest.