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kleiner tod
ich sterbe
tausend tode sagt man
dabei genügt doch einer
ein einziger kleiner
genügt
um zu zerstören
was noch im wachsen
gerade am entstehen
noch nicht am ende
ein einziger kleiner tod
mit einem lächeln
überspielt
ein winzig trauriger
schatten der sich
im spiegel deiner augen
bricht
wie vorher das licht
tausend tode sagt man
dabei genügt doch einer
ein einziger kleiner
genügt
um zu zerstören
was noch im wachsen
gerade am entstehen
noch nicht am ende
ein einziger kleiner tod
mit einem lächeln
überspielt
ein winzig trauriger
schatten der sich
im spiegel deiner augen
bricht
wie vorher das licht
e-bay
ungeweinte tränen
meistbietend zu vergeben
frisch salzig brennend
gut gelagert
aus alter vorratshaltung
luftdicht versiegelt
ohne verfalldatum
für jeden anlass
bestens geeignet
meistbietend zu vergeben
frisch salzig brennend
gut gelagert
aus alter vorratshaltung
luftdicht versiegelt
ohne verfalldatum
für jeden anlass
bestens geeignet
so rot
so rot brennst du
in meinem fleisch noch immer*
legst du mir wilde
brände in die ausgedorrten augen
zündelst im herzwald
wirfst achtlos deine kippen
in den traummüll
auf blütenlaken so rot
brennst du
* elsa rieger
in meinem fleisch noch immer*
legst du mir wilde
brände in die ausgedorrten augen
zündelst im herzwald
wirfst achtlos deine kippen
in den traummüll
auf blütenlaken so rot
brennst du
* elsa rieger
Sehnweh
und da
waren die Sehnsucht und
dann das Heimweh
Bruder und Schwester
das Heimweh war jünger
als die Sehnsucht
die Sehnsucht
älter als das Heimweh
oder war's umgekehrt?
Sehnweh Heimsucht
einander so ähnlich
Wehsucht
waren die Sehnsucht und
dann das Heimweh
Bruder und Schwester
das Heimweh war jünger
als die Sehnsucht
die Sehnsucht
älter als das Heimweh
oder war's umgekehrt?
Sehnweh Heimsucht
einander so ähnlich
Wehsucht
schattenschoß
gern wär' ich dein traum
würd' leise dich
halten
still dich
wiegen
in meinem schattenschoß
dir helle hoffnung
schenken
würd' leise dich
halten
still dich
wiegen
in meinem schattenschoß
dir helle hoffnung
schenken
fremdeln I
fremd bin ich / mir
und dir / so fremd
fremd steh ich / neben
uns / so fremd
fremd geh ich / fort
fremdeln
und dir / so fremd
fremd steh ich / neben
uns / so fremd
fremd geh ich / fort
fremdeln
erste Erinnerung
Großmutter liegt im Bett und will nicht mehr aufstehen.
Sie liegt einfach da, so bleich, so dünn, so klein und allein, ein Vögelchen im Nest. Nur ihr Kopf ist zu sehen, und ihre Hände ruhen wie zwei wohlerzogene Kinder nebeneinander auf dem Deckbett. Dicke blaue Adern schlängeln sich über die Handrücken. Die Hände sind aus durchsichtig weißem Porzellan. Ihre Haut fühlt sich an wie hauchzartes Papier. Mein Zeigefinger schiebt die weichen Hautfalten ein wenig hin und her. Hin und Her. Hin und her.
Großmutter hat die Augen geschlossen und atmet schwer. Die Härchen in den Nasenhöhlen bewegen sich sanft. Plötzlich röchelt sie und wacht auf. Ein zittrig-hoher Singsang schwebt aus ihrem Mund. Ihr milchiger Blick schaut über meinen Kopf hinweg in die Ferne. Ich tupfe mit dem feuchten Tuch über ihre rissigen Lippen. Großmutters durchscheinende Lider fallen wieder zu.
Unter den Augen liegen tiefe Himmelsschatten. Ihre Lippen bewegen sich stumm, als ob sie etwas suchten. Sie suchen und suchen. In meinem Kopf drehen sich tausend kleine Rädchen heiß. Meine Augen bleiben hängen an diesen hilflos tastenden Lippen. Meine Finger krabbeln in die Schürzentasche und holen den Schnuller heraus. Vorsichtig schieben sie ihn in den Spalt zwischen Großmutters Lippen. Gierig schnappt der Mund zu und saugt den Gummi schmatzend ein. Plopp, spuckt er den Schnuller wieder aus.
Ich gebe nicht auf. Hinein, heraus, hinein, heraus.
Plötzlich reißt eine grobe Hand den Schnuller aus Großmutters Mund. Der Mund verzieht sich zu einer weinerlichen Grimasse. Die Lippen tasten unruhig weiter.
Die Welt hält den Atem an.
Die Kuckucksuhr tickt laut.
Die Welt holt wieder Luft.
Ich lande unsanft auf dem Küchentisch, und meine Augen folgen dem Flug des Schnullers durch die offene Ofentür hinein in die lodernden Flammen.
Es zischt.
Das eiserne Herdtier verschlingt ihn.
Rasend.
Goldene Funken sprühen.
Die Ofentür kracht zu.
Der Riegel rastet ein.
Über Mutters Wangen rollen lautlos die Tränen.
Sie liegt einfach da, so bleich, so dünn, so klein und allein, ein Vögelchen im Nest. Nur ihr Kopf ist zu sehen, und ihre Hände ruhen wie zwei wohlerzogene Kinder nebeneinander auf dem Deckbett. Dicke blaue Adern schlängeln sich über die Handrücken. Die Hände sind aus durchsichtig weißem Porzellan. Ihre Haut fühlt sich an wie hauchzartes Papier. Mein Zeigefinger schiebt die weichen Hautfalten ein wenig hin und her. Hin und Her. Hin und her.
Großmutter hat die Augen geschlossen und atmet schwer. Die Härchen in den Nasenhöhlen bewegen sich sanft. Plötzlich röchelt sie und wacht auf. Ein zittrig-hoher Singsang schwebt aus ihrem Mund. Ihr milchiger Blick schaut über meinen Kopf hinweg in die Ferne. Ich tupfe mit dem feuchten Tuch über ihre rissigen Lippen. Großmutters durchscheinende Lider fallen wieder zu.
Unter den Augen liegen tiefe Himmelsschatten. Ihre Lippen bewegen sich stumm, als ob sie etwas suchten. Sie suchen und suchen. In meinem Kopf drehen sich tausend kleine Rädchen heiß. Meine Augen bleiben hängen an diesen hilflos tastenden Lippen. Meine Finger krabbeln in die Schürzentasche und holen den Schnuller heraus. Vorsichtig schieben sie ihn in den Spalt zwischen Großmutters Lippen. Gierig schnappt der Mund zu und saugt den Gummi schmatzend ein. Plopp, spuckt er den Schnuller wieder aus.
Ich gebe nicht auf. Hinein, heraus, hinein, heraus.
Plötzlich reißt eine grobe Hand den Schnuller aus Großmutters Mund. Der Mund verzieht sich zu einer weinerlichen Grimasse. Die Lippen tasten unruhig weiter.
Die Welt hält den Atem an.
Die Kuckucksuhr tickt laut.
Die Welt holt wieder Luft.
Ich lande unsanft auf dem Küchentisch, und meine Augen folgen dem Flug des Schnullers durch die offene Ofentür hinein in die lodernden Flammen.
Es zischt.
Das eiserne Herdtier verschlingt ihn.
Rasend.
Goldene Funken sprühen.
Die Ofentür kracht zu.
Der Riegel rastet ein.
Über Mutters Wangen rollen lautlos die Tränen.
![]() |
| Jeannette Frei, Lebenstuch 2012 www.jeannettefrei.de |
Vater
fern ruhst du
in der alten Erde
dein Grab besetzt
bewacht von einer
die es hütet
vorgeblich aus Liebe
ich hab sie aufgegeben
die kalte Erde
als Herzstein rollst du
bis die Zeit
kampflos mir überlässt
der Alten Ort
in der alten Erde
dein Grab besetzt
bewacht von einer
die es hütet
vorgeblich aus Liebe
ich hab sie aufgegeben
die kalte Erde
als Herzstein rollst du
bis die Zeit
kampflos mir überlässt
der Alten Ort
Schwarzer Vogel Tod
Pickt das Herzstück heraus
Zartes Rot zergeht ihm auf der Zunge
Wie ein Gedicht
Mit verzückt geschlossenen Augen
Den Kopf genüßlich zurückgelegt
Lässt er Leben
Durch die Kehle rinnen
Zartes Rot zergeht ihm auf der Zunge
Wie ein Gedicht
Mit verzückt geschlossenen Augen
Den Kopf genüßlich zurückgelegt
Lässt er Leben
Durch die Kehle rinnen
![]() |
| Foto: (c) Katrin Schäflein www.picturepilot.de monochrom |
so alt
Augen voll Raureif
der Winter zeichnet sich
in deinem weißen Haar
die Zartheit deiner Haut
erinnert
so alt
dein Vogel
endlich frei
Foto: Katrin Schäflein www.picturepilot.de
am ende
. . . hütet dich
ein unsichtbarer zaun /
noli me tangere -
rühr mich nicht an /
das hier und jetzt
und alle zeit der welt
ziehn als lautlose schatten
an deinem weißen bett
vorbei
am ende sind wir alle
gleich /allein
für H.
ein unsichtbarer zaun /
noli me tangere -
rühr mich nicht an /
das hier und jetzt
und alle zeit der welt
ziehn als lautlose schatten
an deinem weißen bett
vorbei
am ende sind wir alle
gleich /allein
für H.
Schattentanz
die Gestalt deiner Schatten
ist kaum mehr zu fassen
sie zu fangen ist ein stiller Tanz
sie zu halten ein wortloses Ringen
sie zu befragen ein tonloses Singen
hier mitten im Frühling
nach so langer Zeit
Diese Zeilen sind für meine Mutter. Als sie starb,
war sie so alt, wie ich jetzt bin.
Es war der 21. März, Frühlingsanfang.
Foto: Katrin Schäflein www.picturepilot.de
Nachruf
Warum liegst du so still?
Kannst du die Augen nicht mehr öffnen?
Ist deine Zeit vorbei?
So viele Bilder ziehn mir durch den Kopf.
Dein schwarzes Fahrrad, viel zu groß für mich.
Abendgebete unterm Engelsbild.
Du und dein Moped auf dem Weg ins Holz.
Dein Purzelbaum am Friedhofshang.
Und immer wieder stehst du auf!
Wenn ich laut lache, hör ich dich, und
wenn ich singe, singst du mit,
wenn meine Augen tränen, sind es deine.
Du bist die Letzte, die nun geht,
ein Stück Geschichte geht mit dir.
ein Stück Geschichte geht mit dir.
Lass hinter dir die Türen offen sein!
Foto: Katrin Schäflein www.picturepilot.de
Foto: Katrin Schäflein www.picturepilot.de
Abendgebet
steiniger Strand
fahles Licht und
lauernde Schwärze
tintiges Wasser umspült
zähe Schlieren ziehend
ölig fetzend
die Krallen der Möwe
an den Felsen
wetzt sie ihren Schrei
Foto: Katrin Schäflein www.picturepilot.de
Foto: Katrin Schäflein www.picturepilot.de
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