Zum Inhalt springen

TrueType

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Image
Gegenüberstellung TrueType- und Rastergrafik-Schriftart

TrueType ist ein Standard für Fonts zur Schriftdarstellung auf Bildschirmen und Druckern (engl. true type: wörtlich „echte Schrift“ oder „echter Buchstabe“). Er ist in die Betriebssysteme Windows und Mac OS integriert und unter unixähnlichen Betriebssystemen mit FreeType verfügbar.

TrueType-Schriften gehören zu den Outline-Schriften. Sie werden im Gegensatz zu Bitmap-Schriften nicht aus einzelnen Pixeln aufgebaut, sondern nach dem Prinzip einer Vektorgrafik aus Konturen. Speziell handelt es sich hier um quadratische B-Splines. Der Vorteil der Vektordarstellung ist die verlustfreie Skalierbarkeit, d. h. die Größe der Schrift ist beliebig veränderbar. Erst bei der Ausgabe auf unterschiedlichen Geräten, meist Bildschirm und Drucker, werden die Konturen mit Pixeln gefüllt. Die konkurrierende, ältere PostScript-Fonttechnologie von Adobe verwendet Bézierkurven dritten Grades (kubisch).

Die Dateierweiterung für TrueType-Fonts ist .ttf oder .ttc, wobei Letzteres für TrueType Collection steht. TTCs sind Containerdateien, die mehrere Schriften enthalten; sie teilen sich viele TrueType-Tabellen und brauchen so weniger Speicherplatz.

Adobes Patentpolitik in Zusammenhang mit seinen PostScript-Fontformaten führte zur Entwicklung des TrueType-Formats. Apple-Entwickler arbeiteten schon während der späten 1980er Jahre an verschiedenen Vektorschriftartentechniken. Der leitende Ingenieur Sampo Kaasila stellte das spätere TrueType vor – zunächst unter dem Namen Bass (englisch für Barsch), der zwischenzeitlich nochmals zu Royal (englisch für königlich) geändert wurde. Der Standard wurde im Mai 1991 von der Firma Apple mit System 7 (klassisches Mac OS) veröffentlicht, später von Microsoft lizenziert und Anfang 1992 in Windows 3.1 integriert.[1]

Weiterentwicklungen sind sogenannte „Smartfont“-Techniken wie das 1994 veröffentlichte TrueType GX (aus QuickDraw GX), das heute als Apple Advanced Typography (AAT) weiterlebt, oder auch das 1995 angekündigte und mit Windows 95 teilweise veröffentlichte TrueType Open, das mit Adobe zu OpenType weiterentwickelt wurde und Microsofts konkurrierende Alternative zu AAT darstellt.[2] Eine freie, weitere „Smartfont“-Technik in der Nachfolge von TrueType stellt Graphite dar, die TrueType abwärtskompatibel erweitert.

Einordnung der systemischen Tragweite der Einführung von TrueType

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung von TrueType war von außerordentlicher Tragweite, weil sie die Vorherrschaft von Adobe im Bereich digitaler Schriftsysteme beendete und anspruchsvolle Typographie erstmals auch auf gewöhnlichen Personalcomputern zuverlässig verfügbar machte.

Vor TrueType befand sich die digitale Schrifttechnologie in einem grundlegenden Dilemma. Entweder verwendete man Pixelschriften, die zwar auf dem Bildschirm scharf erschienen, sich jedoch nicht flexibel vergrößern oder verkleinern ließen, oder man griff auf skalierbare Schriftsysteme wie Adobes PostScript Type 1 zurück, dessen Nutzung aber an teure Lizenzmodelle gebunden war und eine technische Abhängigkeit von Adobes Rastersoftware mit sich brachte. Hochwertige digitale Typographie war dadurch de facto ein von diesem Softwarehersteller dominiertes Spezialgebiet.

TrueType brach diesen Umstand auf einen Schlag in drei entscheidenden Punkten auf.

Erstens entstand ein neues Schriftformat, in dem sämtliche für die Darstellung notwendigen Informationen unmittelbar in einer einzigen Datei enthalten waren. Die Beschreibung der Buchstabenformen, die Metriken und die Regeln für ihre Bildschirmdarstellung bildeten nun eine geschlossene Einheit. Die Kontrolle über den Standard lag bei Apple und später auch bei Microsoft. Zusätzliche proprietäre Zwischensysteme wurden damit überflüssig.

Zweitens führte TrueType ein außergewöhnlich präzises Verfahren zur Bildschirmoptimierung ein. Jede einzelne Glyphe konnte mit detaillierten Anweisungen versehen werden, die während der Darstellung dafür sorgten, dass Linien, Rundungen und Proportionen exakt an das grobe Raster damaliger Monitore angepasst wurden. Gerade auf den niedrigen Bildschirmauflösungen der frühen Computerzeit bedeutete dies einen enormen Qualitätssprung, weil kleine Schriftgrößen nun deutlich schärfer und lesbarer erschienen.

Drittens veränderte TrueType das Kräfteverhältnis innerhalb der Softwarebranche. Weil das Format frei verfügbar gemacht und unmittelbar in verbreitete Betriebssysteme integriert wurde, verloren proprietäre Schranken ihren wirtschaftlichen Wert. Skalierbare Schriftarten wurden von einer spezialisierten Profitechnologie zu einem allgemein verfügbaren Standard. Adobes bisherige Sonderstellung begann damit rasch zu erodieren.

Einen wesentlichen Anteil an der technischen Eleganz und Folglich der Dominanz des Formates hat dabei die flexible Erweiterbarkeit des SFNT-Containerformates, das später über OpenType selbst von Adobe für seine PostScipt-basierten Schriftarten übernommen wurde und die Grundlage aller modernen Schriftdateiformate (TTF, TTC, OTF, WOFF) bildet.

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. prepressure.com
  2. truetype-typography.com