Costa Rica Tag 17 + 18 – Bye, Bye Costa Rica


Heute soll nochmal ein Strandtag werden. Der Strand ist nur ein paar Schritte entfernt, bietet so gut wie keinen Schatten, dunklen Sand und starken Wellengang. Wir entscheiden uns für einen Spaziergang – von etwa 3,5 Kilometern und zurück – trotz der Hitze. Einen Sprung ins Wasser müssen wir natürlich machen, aber es ist zu heiß, um am Strand zu bleiben.

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Wir beschließen, den Rest des Tages samt Büchern am Pool zu verbringen. Ich versuche es mit einem Mittagsschläfchen, aber die Hitze und der Gemüsewagen, der das Viertel per Lautsprecher zusammenbrüllt, machen das Unterfangen unmöglich. Ich denke kurz darüber nach, ihm die angepriesene Auswahl an reifen Avocados und schmackhaften Möhren abzukaufen, aber da wir nur noch wenige Stunden hier sind, entscheide ich mich doch dagegen.

Der Tag neigt sich dem Ende entgegen, die Koffer sind so gut wie gepackt, Jimmys Tiefen unter den Sitzen auf verlorene Gegenstände durchsucht und die Tuben mit Sonnencreme aufgebraucht. Eine letzte Nacht umgeben von Dschungel-Sounds liegt vor uns.
Ob wir das Gebrüll der Affen, das Gezirpe der Insekten und das Tirillieren der Vögel um halb 6 vermissen werden? Oh, nicht zu vergessen: der Hahn. Nun, an der Stelle bevorzuge ich eine gewisse Ruhe, die Natur hier ist abartig laut.

Natürlich wachen wir vorm Wecker auf, also beladen wir Jimmy und treten die letzte Fahrt an. Alles verläuft reibungslos und wir geben unser liebgewonnenes Gefährt bei der Vermietung ab. Er hat uns wirklich gut gefahren, wortwörtlich über Stock und Stein – und sogar durch Wasser.

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Ein Shuttle bringt uns zum Flughafen. Wir haben noch fast sechs Stunden Zeit bis zum Abflug, zum Glück können wir die Koffer bereits abgeben.
Hinter dem Security Bereich wartet ein Stand mit Kaffeeproben und Schokoladenverkostung auf uns. Naja, vielleicht werden die nächsten Stunden gar nicht so schlecht. Und tatsächlich geht die Zeit schnell rum, bis wir im Flugzeug sitzen. Eine letzte kleine Herausforderung wartet noch auf uns: Wir haben nur eine Stunde Umsteigezeit in Panama und der Flughafen ist, wie wir beim Hinflug festgestellt haben, gar nicht so klein.
Wir gehen also sehr schnellen Schrittes von Gate zu Gate und kommen genau zum Boarding rechtzeitig an. Zehn Stunden später, in Paris, trennen sich unsere Wege, der eine Flieger geht nach Hamburg, der andere nach München, und ich kann nur sagen: Costa Rica, Du warst wunderschön, Deine Straßen sind ein Abenteuer, Deine Natur ein Traum, Deine Menschen freundlich, Deine Geräuschkulisse teilweise ohrenbeteubend, Dein Essen etwas gewürzarm für meinen Geschmack, aber Du bist in jedem Fall eine Reise wert. Danke, Maxi, für Deine Freundschaft und den schönen Urlaub. Und wie viel schöner reist es sich doch ohne Pandemien.

Costa Rica Tag 16 – Das Wasser steigt


In der Nacht hat es geregnet. Nicht nur etwas, sondern so richtig. Die App zeigt 10 – 20 l/qm an. Das Gewitter hielt sich fast zwei Stunden. Fassungslos standen wir vor unserem Zimmer und starrten die Bindfäden an, die vom Himmel fielen. Ausgerechnet in dieser Nacht, wenn wir am nächsten Morgen weiterfahren wollen. Und das bedeutet, dass wir wieder durch die zwei Flußbetten fahren müssen. Es wäre schön, wenn sich deren Inhalt nicht entscheidend erhöhen würde. Wir finden auch in dieser Nacht nicht viel Ruhe.

Wir packen also am Morgen zusammen, beladen Jimmy und nehmen ein letztes Mal Reis und Bohnen zu uns. In der nächsten Unterkunft können wir uns wieder selbst verpflegen und da wird es eher Pasta statt Reis.

Ich sage, dass wir zahlen möchten. Die ältere der Frauen kommt mit einem Block, auf den sie aufgeschrieben haben, was wir gegessen und getrunken haben. Die Summe steht in Colones da. Für den Zimmerpreis hat sie einen Screenshot von der Buchung gemacht. Dort steht der Preis in Dollar. Ich sage, dass ich gerne alles in Dollar zahlen würde. OK, sagt sie. Und dann kommt nichts. Ich bin davon ausgegangen, dass sie um- und zusammenrechnet, aber sie schaut nur irgendwie an mir vorbei. Ich öffne einen Internetumrechner, gebe den Betrag ein und zeige ihr, was dabei rauskommt. Sie nickt nur und schaut weiter an mir vorbei. Ich rechne also zusammen, zähle vor ihr die Dollars und lege sie ihr hin. Sie schaut wieder nicht hin, nimmt das Geld und wünscht uns eine gute Reise. Wir sollen gut auf uns aufpassen. Machen wir. Erst später fällt mir auf, dass die Park-Tour nicht auf der Rechnung stand. Ich hoffe, dass es einfach so inoffiziell war, dass niemand dafür draufzahlen musste. Der Guide hatte auf jeden Fall ein gutes Trinkgeld von uns bekommen.

Wir sind wieder mit Jimmy auf der buckligen Piste unterwegs. Und nach zwei Kilometern erreichen wir wie erwartet den ersten Fluss. Und ja, er ist tatsächlich etwas tiefer als bei unserer Herfahrt. Trotzdem ist er schnell passiert. Der zweite Fluß hingegen ist nicht nur etwas höher, sondern fließt auch schneller. War er bei unserem Weg hierher noch sehr ruhig, hatte er jetzt eine gewisse Strömung. Würde sich das bemerkbar machen? Ich fahre los. Etwa drei Meter vorm anderen Ufer merke ich, dass es unter mir weicher und Jimmy langsamer wird. Bitte, bitte bleib nicht stehen! Ich versuche, ganz gleichmäßig weiterzufahren. Dann greifen die Räder wieder und wir erreichen das andere Ufer. Ich bin erleichtert und die jubelnde Lautstärke im Auto hätte wahrscheinlich den neugierigsten Affen vertrieben. Jetzt muss nur noch das Benzin reichen.

Die Wege sind teilweise so steil, dass aus 139 Kilometer Reichweite nach wenigen Kilometern 88 werden. Große Sorge habe ich jedoch nicht. Es geht ja nicht nur bergauf und ich beobachte die Anzeige die ganze Zeit und sehe die Schwankungen. Trotzdem fahren wir mit offenen Fenstern statt Klimaanlage. Es soll ja niemand sagen, dass wir es nicht versucht haben. Nach insgesamt 45 Kilometern und ordentlichem Durchgeschüttel sind wir endlich wieder auf einer ebenen Straße. Jetzt noch etwa 30 Kilometer bis zur nächsten Tankstelle.

Das Unwetter hat auch auf den guten Straßen seine Spuren hinterlassen; wir stoßen auf umgefallen Bäume, die einen Teil des Weges einnehmen. Der Pegel der Tankanzeige hat sich reguliert und wir erreichen die Tankstelle problemlos. Und auch die verbleibenden etwa 110 Kilometer legen wir ohne Zwischenfälle zurück. Ein letztes Mal kaufen wir im Supermarkt ein, bevor wir unsere letzte Unterkunft beziehen. Wieder ein kleines Häuschen, diesmal mit Herd und Pool im Gemeinschaftsbereich. Den erobern wir direkt. Bei 34 Grad ist jede Abkühlung willkommen.

Gegen 17 Uhr wollen wir noch etwas die Gegend erkunden. Die Unterkunft stellt kostenlos Fahrräder zur Verfügung. Klapprige Möhren ohne Gänge zwar, aber fahrtüchtig. Ich schlage vor, dass wir uns zwei schnappen und ein bisschen radeln. Als wir kurz darauf unsere Räder einen Berg hochschieben, denke ich daran, dass ich noch am selben Morgen einen vorbeifahrenden Radfahrer mit „Wie kann man nur hier Fahrrad fahren“, quittierte. Und jetzt war es auch noch mein Vorschlag. Trotzdem ist es ganz nett. Uvita, zumindest der Bereich vorm Strand, ist ein Surferort. Es gibt Surfschulen, lässige Menschen und sogar ein paar Bars. Nach der anstrengenden Fahrt ist uns aber eher nach Wein am Pool nach dem Essen.

Am nächsten Tag würden wir nochmal den Strand erkunden, bevor es übermorgen wieder zurück geht.

Costa Rica Tag 15 – Kaum zu glauben


Die Nacht war wieder sehr unruhig. Die Hunde aus der Nachbarschaft schlugen mitten in der Nacht an und wollten sich gar nicht mehr beruhigen. Wir hörten Schritte unweit unseres Zimmers, dabei waren wir immer noch die einzigen Gäste. Alles sehr seltsam hier.

Wir stehen um halb fünf auf. Frühstück hatten wir für fünf Uhr bestellt. Kein Problem hieß es. Nur, dass sich um fünf noch nichts regte. Auch nicht kurz nach. Um Viertel nach fünf wage ich ein Rufen und bekomme eine verschlafen klingende Antwort. Dann gehen die Lichter an und es kommt Leben in die Küche. Wir kriegen Kaffee und Sandwiches. Eigentlich ist es noch zu früh für mich, um etwas zu essen, aber wer weiß, was der Tag mit sich bringt. Die Ältere wünscht uns nach dem Frühstück einen schönen Ausflug und weist uns noch darauf hin, dass wir auf dem Rückweg sagen sollen, wo wir aussteigen wollen, damit sie uns auch korrekt wieder an Land setzen.

Wir laufen also zum Strand. Es wird 6:15 Uhr, 6:20 Uhr, 6:30 Uhr … Alles nicht beunruhigend, schließlich sind wir in Südamerika. Wir beobachten ein paar andere Leute, die den Strand entlang gehen. Auch sie sehen aus, als würden sie eher wandern als schwimmen gehen. Sie gehen an uns vorbei bis ganz ans Ende des Strands. Irgendwann um 20 vor 7 kommt ein Einheimischer auf uns zu. Ob wir nach Sierpe wollen, fragt er. Nein, nach La Sirena. Ah, da müsst Ihr ganz ans Ende des Strands. Mhhh, das war das wohl mit den verschiedenen ‚Haltestellen‘. „Da kommt schon Euer Boot, beeilt Euch“, sagt er.

Schnellen Schrittes gehen wir am Strand entlang. Das Boot kommt gerade an, als wir den Abschnitt erreichen. Die anderen, die dort bereits warten, schauen uns an. Sie haben eine Einheimische dabei. „Wollt Ihr auch aufs Boot?“ Ja, wollen wir. „Wie heißt Euer Guide?“ Äh, keine Ahnung, hat uns niemand gesagt. Komisch, sie wisse nicht bescheid. Aber zum Glück weiß einer der Bootsinsassen Bescheid und bestätigt, dass ihm zwei weitere Personen gemeldet wurden, die mitfahren sollen. Immerhin.

Um ins Boot zu kommen, waten wir hüfttief ins Wasser. Endlich machen sich die Wasserschuhe nützlich, die ich schon die ganze Zeit mitschleppe. Der Mann, der von uns  wusste, fragt, über welche Company wir gebucht haben. Nun, über unsere Unterkunft. Ja, aber über welchen Anbieter. Äh, keine Ahnung, hat uns niemand gesagt. Er zuckt mit den Schultern. Hatte ich gestern gesagt, ich glaube es erst, wenn wir auf dem Boot sind, sage ich jetzt, dass ich es erst glaube, wenn wir im Park sind.

Und dann geht sie auch schon los, die wilde Fahrt. Das Boot – etwas größer als eine Nussschale – fährt in hohem Tempo über die Wellen. Der Aufprall auf das Wasser ist jedes Mal so hart, dass es im Rücken zuckt. Und dann wird es auf einmal langsamer, der Motor geht schließlich aus. Wir sind noch etwa zur Hälfte von unserem Ziel entfernt. Aber da sehen wir den Grund für unseren Stopp. Neben dem Boot tauchen auf einmal Buckelwale auf. Die riesigen Tiere schwimmen friedlich in einigen Metern entfernt. Hin und wieder blasen sie Wasser in die Luft, drehen sich, tauchen ab und wieder auf. Offenbar eine Familie, ein Weibchen, ein Männchen und ein Junges. Der Anblick lässt mir die Tränen in die Augen schießen, es ist wirklich beeindruckend. Einige Minuten verfolgen wir das Schauspiel, bis sie schließlich abtauchen und wir wieder Fahrt aufnehmen.

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Nach weiteren etwa 20 Minuten haben wir unser Ziel erreicht. Wir steigen mit den anderen aus. Einer der Männer auf dem Boot stellt sich vor, sein Name sei Greiping (oder so ähnlich) und wir könnten mit ihm gehen. Das klingt doch schonmal gut. Am Eingang werden alle auf Plastikflaschen und Essen untersucht. Man darf nichts mit hineinnehmen, weil die Touristen leider die Angewohnheit haben, die Tiere mit Essen anlocken zu wollen. Am Eingang wird auch eine Liste abgehakt mit denen, die registriert sind für den Tag. Wir stehen nicht drauf. Ooops. Wird es wohl doch bei einer Waltour bleiben? „Naja“, sagt der nette Herr mit der Liste zu Greiping. „Wenn Du sie auf Deiner Liste hast, dann sag mir die Namen.“ Und dann dürfen wir tatsächlich rein.

Wir folgen Greiping und sehen schon nach kurzer Zeit ein Faultier, kurz darauf Tapire, die entspannt im Schlamm liegen. Ein Jungtier stapft – überrascht von unserer Anwesenheit – um seine Mutter herum. Vor uns laufen Wildschweine über den Weg und wieder einmal sehen wir eine Lanzenotter, eingerollt an einem Baum. Ohne Greiping hätten wir sie nie im Leben entdeckt. Mit ihm können wir stellenweise auch abseits der Wege gehen und es bleibt Zeit, die Tiere zu beobachten. Zeit, die Natur an sich zu bewundern, bleibt allerdings wenig. Wir richten uns nach seinem Tempo. Zwischendurch gibt es an einer Station Essen. Dann marschieren wir weiter. Um halb eins sitzen wir schon wieder auf dem Boot und sind um halb zwei zurück.

Was die Menge der Tiere angeht, die wir gesehen haben, punktet Corcovado eindeutig. Andere Parks haben uns deutlich besser gefallen, wenn es darum geht, die Natur wirklich zu bestaunen. Bleibt noch eine Frage: Bei wem zahlen wir eigentlich? In der Unterkunft hieß es, beim Guide, jetzt heißt es, in der Unterkunft. Naja, wird wohl morgen auf der Rechnung stehen.

Wir bleiben noch eine Weile am Strand, aber es ist einfach zu heiß und es gibt kaum Schatten. So lassen wir den Abend mit Blick vom Restaurant aus auf das Meer ausklingen. Am nächsten Tag geht es zu unserer letzten Unterkunft.

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Costa Rica Tag 14 – Underneath the Mandel Tree


So unruhig die Nacht auch war, so gut sind der Kaffee und das Pinto, also Reis, Bohnen und Kochbananen. Was ein paar Frühlingszwiebeln im Essen ausmachen können …

Wir freuen uns auf einen entspannten Strandtag. Nach dem Essen melden wir aber erstmal, dass das Licht in unserem Zimmer nicht funktioniert. „Ernsthaft?“, fragt die ältere Frau und rollt mit den Augen. Irgendwie scheint es so, als habe hier irgendjemand an einigen Ecken und Enden seinen Job nicht gemacht. Kurze Zeit später kommt sie mit dem jüngeren Mann zu uns und sie tauschen die Birne aus. In dem Zuge frage ich sie, wo am Strand wir denn nun am nächsten Tag abgeholt werden. Naja, wie sie gesagt habe, einfach am Strand eben. Aber war nicht die Rede von zwei verschiedenen Stellen, an denen das Boot halten könnte? „Einfach am Strand. Heute Abend telefoniere ich nochmal und dann bestätige ich Dir alles. Ob, wann und wo.“ Wie bitte? Ich dachte, das sei nun alles klar! Ich werde einfach nicht schlau aus der Sache.

Naja, immerhin führt uns der Tipp des jungen Mannes an eine schöne Bucht, die etwa 45 Minuten zu Fuß erreichbar ist. Das Meer ist hier etwas tiefer, so dass man gut baden kann, und gleichzeitig gibt es keine großen Wellen. Am Strand stehen einige Mandelbäume, unter denen wir ein schattiges Plätzchen finden.
Wir sind nicht die einzigen. Unter dem Mandelbaum neben uns liegt ein Pärchen. Über ihnen im Baum lässt sich ein Ara-Paar nieder. Wir wissen ja bereits aus der vorherigen Unterkunft, das die hübschen Vögel für ganz schön viel Dreck sorgen können. Das Pärchen beobachtet die Papageien begeistert, bis der Mann plötzlich zuckt und die Frau laut lacht. Einer der Vögel hatte ihm auf die Sonnenbrille gekackt. Naja, es lohnt sich hier immer, einen gewissen Sicherheitsabstand zur Natur einzuhalten.

Am späten Nachmittag marschieren wir zurück. Wir haben Hunger und sind gespannt auf unseren morgigen Ausflug. Natürlich begegnen wir der älteren Dame. „Also wegen morgen …“ Ich halte schon die Luft an. „Ist alles perfekt. Aber Ihr startet um 6:15 Uhr. Am Strand. Ihr müsst pünktlich sein, weil das Boot spätestens um 6:30 Uhr weg sein wird.“ Dass wir pünktlich sind, darauf kann sie Gift nehmen – oder meinetwegen Wasser aus dem Hahn trinken. Was sich an einem Sonntag, an dem man ja auch keine Tickets mehr kaufen kann, schon wieder geändert haben soll, frage ich erst gar nicht.
Ich glaube erst, dass diese Tour stattfindet, wenn wir auf diesem Boot sitzen.

Costa Rica Tag 13 – We cross the bridge, when we get there (if there is one)


Wir verabschieden uns von Jorge und Pamela. Heute haben wir eine lange Fahrt vor uns. Nicht unbedingt in Kilometern, sondern in Stunden – und das sagt einiges über die voraussichtlichen Straßenzustände aus. Jorge sprach uns noch Mut zu: „Ihr fahrt nach Drake Bay? Ach, das sollte gehen. Nur die letzten 20 Kilometer sind etwas holprig.“

Wir fahren nach Drake Bay, weil uns der Nationalpark Corcovado empfohlen wurde. Einer der größten und angeblich schönsten, aber auch einer der unzugänglichsten. Eintritt ist nur mit Guide möglich, es gibt verschiedene Sektoren, die man betreten kann und eine vorherige Reservierung ist unabdingbar.

Schon zu Beginn unserer Reise fragte ich deshalb in unserer Unterkunft bei Corcovado nach, ob sie uns eine Tour organisieren könnten. Entsprechende Angebote fanden sich in ihrer Beschreibung bei booking. Die Kommunikation war, gelinde gesagt, eine Katastrophe. Ich bekam auf jede Frage ausweichende und seltsame Antworten, voller Rechtschreibfehler und ohne jegliches Satzzeichen. Normalerweise reicht mein Spanisch gut für eine schriftliche Konversation aus, aber hier zog ich einen Übersetzer aus dem Internet zu Rate – was nur bestätigte, was ich selbst verstand: Kauderwelsch.

Immerhin waren wir nach einigen Tagen so weit, dass mir ein konkretes Datum für eine Tour für einen bestimmten Sektor für 100 Dollar pro Person bestätigt wurde. Ich fragte, ob ich selbst etwas tun müsse, zum Beispiel die Reservierung beim Park beantragen. Nein, das mache dann alles der Guide. Wir müssen nur zahlen. OK. Ob das mal klappen würde? Mehr konnte ich jedenfalls nicht tun, denn zum Eingang von Corcovado fährt man mit dem Boot und die Unterkunft lag irgendwo im Nichts. Ich hätte nicht mal gewusst, was ich einem Guide hätte sagen sollen, wo wir einsteigen, wenn ich es selbst irgendwo gebucht hätte.

Nun, erstmal müssen wir die Unterkunft auch erreichen. Corcovado liegt auf der Halbinsel Osa. Dort gibt es keine Tankstellen, es wird also geraten, vorher noch einmal vollzutanken. Wir verpassen die letzte mögliche Tankstelle. Kein Schild wies darauf hin, dass der Tank für die nächsten 75 Kilometer – und natürlich auch wieder zurück – reichen muss. Naja, wird schon klappen.

Etwa 40 Kilometer vor unserem Ziel beginnt die Schotterpiste. Ein Schlagloch jagt das andere, es geht teilweise so steil bergauf, dass Jimmy die Luft auszugehen scheint. Dann wieder genauso steil bergab. Schweißgebadet und komplett durchgeschüttelt zuckeln wir voran. Die Straßen sind um einiges schlimmer als um Monteverde, die Kulen und Löcher nicht nur zahlreicher, sondern auch tiefer. Für die letzten 22 Kilometer veranschlagt Waze ca. eine Stunde 45. Wir sind übrigens schon lange offline. Zum Glück funktioniert das Navi trotzdem.

Langsam reduziert sich die restliche Kilometerangabe, wir nähern uns dem Ziel. Aber war da nicht noch was mit einem Flußbett? Im Internet habe ich gelesen, dass vor einigen Jahren eine Brücke über den leidigen Fluß gebaut wurde, so dass alle sicherer ankommen. Aber warum hatte ich von der Unterkunft die Info erhalten, dass das Flußbett passierbar sei? Vielleicht ist die Brücke ab und zu überschwemmt? Hoffentlich ist es nur das.

Und tatsächlich: wir passieren einige Brücken, von denen man sich durchaus vorstellen kann, dass sie je nach Wetter nicht befahrbar sind. Wir wollen schon aufatmen, denn es sind nur noch wenige Kilometer, da trete ich nach der nächsten Kurve auf die Bremse. Da ist es. Ruhig fließt das Wasser vor sich hin, aber es ist eindeutig ein Fluß und es gibt keine Brücke. Wir steigen erstmal aus, um die Sache zu begutachten. Der Fluß ist etwa 12 bis 15 Meter breit und das Wasser ist an den meisten Stellen etwa 30 bis 40 Zentimeter tief, würde ich schätzen. Fast überall sieht man den Grund, bis auf an der anderen Seite.
Ich bin noch nie durch Wasser gefahren, weder stehend noch fließend, und habe keine Ahnung, ob man dabei etwas beachten muss. Auf unserer Seite des Flusses ist ein Häuschen auf einer kleinen Anhöhe. Wir beschließen, dort zu fragen. Wir gehen den unebenen Weg entlang und werden auf einmal von mehreren Hunden angebellt, die gefühlt aus dem Nichts kommen. Glücklicherweise folgt direkt die Besitzerin, die die Hunde zurück pfeift. Ich entschuldige mich für unser Eindringen und sage ihr, dass wir den Fluß passieren müssen, aber nicht wissen, wie. „Fahrt einfach durch“, lächelt sie achselzuckend. „Der ist doch trocken.“ Einfach so? Ja, einfach durch. Gibt es etwas zu beachten? Nein, fahrt einfach durch.
Puh, na gut. Was soll’s. Wir können hier eh keine Wurzeln schlagen, und wenn sie es so sagt …

Ich stelle mir einfach vor, es wäre nur eine weitere der unebenen Straßen und gebe Gas. Jimmy fährt ins Wasser und ich versuche, möglichst gleichmäßig das Tempo zu halten und möglichst direkt auf das andere Ufer zuzusteuern. Mit etwa 15 km/h schieben wir uns vorwärts. Ein bisschen rutschig fühlt es sich an, aber dann ist Jimmy auch schon auf der anderen Seite. Wir atmen auf. Geschafft!

Jetzt kann nichts mehr schief gehen. Siegessicher treten wir die letzten zwei Kilometer an. Und dann: ein weiterer Fluß. War davon vorher die Rede? Zwei? Dieser Fluß ist schmaler, aber das Wasser etwas tiefer.

Hier sehe ich nicht auf den Grund. Wir haben es einmal geschafft, es muss eben nochmal klappen. Wieder trete ich aufs Gas und nach wenigen Sekunden erreichen wir das andere Ufer. Einen dritten Fluß gibt es erfreulicherweise nicht. Wir sind heilfroh, als wir endlich an der Unterkunft ankommen.

Ich parke Jimmy unter einem Mandelbaum, so hat er wenigstens ein bisschen Schatten. Unsere Tankanzeige zeigt noch eine Reichweite von 139 Kilometern. Das sollte eigentlich für den Rückweg reichen, allerdings ist der Verbrauch auf den Buckelpisten sehr hoch und der Rückweg wird steiler. Naja, erstmal sind wir hier.
Ein junger Mann nimmt uns in Empfang und führt uns zum Restaurant der Unterkunft. Dort warten eine junge und eine etwas ältere Frau. Mutter und Tochter? Wir erfahren es nicht. Sie sind sehr zurückhaltend, vor allem die ältere Dame. Sie scheint die Besitzerin zu sein. Keiner hier spricht auch nur ein Wort Englisch. Sie reichen uns erstmal ein Wasser, es ist brüllend heiß. Was wir so vorhaben in den nächsten Tagen, fragen sie. Naja, wir haben ja die Tour in den Corcovado Nationalpark gebucht.

Betretene Gesichter. Ob wir reserviert haben, will die ältere wissen. Nun, die Person, mit der ich geschrieben habe – wer auch immer das von euch war – hat gesagt, dass das der Guide erledige. Mit wem habe ich denn geschrieben? „Mit einer anderen Person“, antwortet der junge Mann entschieden. Wir erfahren es nicht.
Nun ja, man müsse einen Monat vorher reservieren, sonst werde es schwierig. Ich habe aber extra gefragt und zu dem Zeitpunkt hätte ich es noch selbst machen können. Also, sie ruft mal an, sagt die ältere Frau. Ich höre das Gespräch mit. Der Mann am anderen Ende des Telefons brauche die Namen und Passnummern. Kein Problem. Wir geben ihr beides und sie schickt es per WhatsApp. Gut, das sollte klappen, sagt sie uns. Es sei auch auf den letzten Drücker, weil am kommenden Tag Sonntag ist und man da keine Tickets kaufen kann. Dann umso besser, dass wir jetzt drüber sprechen.

Wir beziehen erstmal unser Zimmer. Wieder eine Art Hütte, allerdings sehr spartanisch. Wir füllen unsere Trinkflaschen auf und setzen uns auf die Bank vorm Zimmer in den Schatten. Da kommt kurz darauf die ältere Frau. Also, der Park sei voll. Wie bitte? Ja, wir können in den Sektor San Pedrillo nicht hinein. Das ist wohl ein schlechter Scherz! Naja, sie könne mal wegen des anderen Sektors, La Sirena, fragen, meint sie. Ja, dann bitte! Park ist Park und ich kenne mich mit den Sektoren sowieso nicht aus. Sie ruft also wieder den Mann von vorhin an. Wieder höre ich das Gespräch mit.

Ursprünglich wollten wir erst am übernächsten Tag in den Park gehen. Für das Datum hatten wir gebucht. Nun höre ich den Mann ‚mañana‘ sagen. OK, morgen ist auch gut! Hauptsache, es klappt. Wozu sind wir schließlich durch zwei Flußbetten gefahren?
Ok, morgen um 8 sollen wir am Strand sein. Dort wird uns ein Boot abholen. An welcher Stelle genau wird sie uns nachher noch sagen, es gebe nämlich zwei mögliche ‚Haltestellen‘. Ich glaube es noch nicht, aber wir lassen uns überraschen. Ach, und übrigens, wir sollen das Wasser aus dem Hahn nicht trinken. Wenn wir wollen, füllt sie uns unsere Flaschen mit gefiltertem Wasser auf. Wie im Film spucken wir das Wasser weg und schütten die Flaschen aus. Wo sind wir hier nur?

Heute wollen wir an den Strand für den Rest des Tages. Der Pazifik bietet kaum Abkühlung, aber Wasser ist trotzdem schön. Als wir zurückkommen, läuft die Besitzerin mir entgegen. Also, doch nicht morgen, sondern übermorgen machen wir die Tour. Was hat sich denn jetzt in den letzten Stunden geändert? Also gut. Übermorgen um 8. Ich sage ihr nochmal ausdrücklich, dass der Park der einzige Grund ist, warum wir da sind. Sie weiß das und wolle ja auch, dass ihre Gäste zufrieden sind. Sie wirkt angespannt und ernst. Bisher haben wir sie noch kein einziges Mal lächeln sehen und das soll auch so bleiben.
Der Blick vom Restaurant ist traumhaft, der Sonnenuntergang hat Postkarten-Kitsch-Niveau. Die jüngere Frau, die uns das Essen bringt, ist deutlich herzlicher als die ältere. Eben mehr so, wie wir die Leute hier kennengelernt haben, wenn auch schüchterner.

Schlaf finden wir in dieser Nacht nicht viel. Die Abgeschiedenheit, das seltsame Hin und Her, selbst das Wasser bieten den Gedanken zu viel Spielraum. Wir bleiben irgendwie in Hab Acht Stellung. Naja, und vereinzelte Fahrzeuge, die mitten in der Nacht über den Schotterweg vorm Haus pesen sowie der Hahn, der sich ab 3 Uhr morgens die Seele aus dem Leib kräht, tun ihr Übriges. Das Licht im Zimmer funktioniert auch nicht. Wir sind gespannt, was der kommende Tag bringt.