Wann man für die Festtage einkaufen geht, hängt davon ab, wie die verkaufsoffenen Tage liegen. Dieses Jahr hat man unmittelbar vor Weihnachten Samstag, Montag, Dienstag und zur Hälfte am Heiligen Abend Zutritt zu den Lebensmittelmärkten. Wir haben Dienstag.
Aus der Beschallung tropfen Weihnachtslieder. Unterbrochen nur vom Eigenlob der Mitarbeiter. Von der Geschäftsführung der Ladenkette in Auftrag gegeben, vom diensthabenden Werbesäusler aufgesagt:
„Wir haben alle Bemühungen gebündelt und ein erfolgreiches Jahr liegt blah blah und wir wollen im nächsten blah blah blah …“
Genau das wurde gesagt, ich schwör‘!
Ich nehme an, dass so einige aus meiner Familie und Freunde, Bekannte, genau jetzt die Weihnachtseinkäufe in den Supermärkten stemmen müssen. Viel Spaß dabei!
Das heißt, nicht mehr alles kriegen, ausverkaufte Regale und Schlange stehen von den Kassen bis in die hinterste Getränkeabteilung. Rückt man nach gefühlt zwei Stunden weiter vor, bekommt man mit, wie sich zwei mit wenig Resilienz bitter bekämpfen, ob sie an 24. oder 23. Stelle anstanden. Und wehe, man hat sich an der falschen Kasse angestellt! Bei einer wird auch für DHL und Hermes Pakete angenommen. In letzter Minute. Mit viel Arbeitsaufwand für die Kassierer. Mit dem gleichen Aufwand holt man dort auch Pakete ab … An einer der anderen Kasse ist es nicht besser. Dort hat die langsamste Angestellte des Geschäfts Dienst. Eine, die in Rente gehört, doch das gesetzliche Rentenalter wurde ja hochgeschraubt. Sie macht eigentlich einen guten Job, doch sie quasselt zu viel. Keiner will das hören … Wenn sie mit jemanden Mitleid hat, dann gibt sie aus eigener Tasche fehlende Cents in die Kasse. Macht sie auch nicht beliebter.
Die restlichen Angestellten stapeln und stopfen das in die Regale, was noch im Lager ist. Man reißt es ihnen rasch aus der Hand. Als ginge es bei der Dose mit Weinsauerkraut um „Naked Survival – Ausgezogen in die Wildnis“. Bier, Wein und weitere Spirituosen haben jetzt absolute Priorität. Weil man mit klarem Kopf die Familie nicht erträgt, vermutlich. Aber beweisen kann ich es nicht. Man sieht nur, wie Bierkästen der Lieblingsmarke in einer Art Hommage an eine Wette aus der beliebten Fernsehshow „Wetten dass…“ im Einkaufswagen hochgestapelt und aus dem Laden gerollt werden.
Irgendwann ist das Lager leergefegt. Zeit für die Auszubildenden zu kehren. Fachmännisch und fachfraulich überwacht vom Rest des Personals. Und der Filialleiter räumt noch auf dem Parkplatz auf, ein Alibi, um zwei oder drei Stresszigaretten zu rauchen. Derweil erhöht jedes „Püüt“ des Kassen-Scanners den Umsatz. Ein Geräusch, das alle auf Dauer rammdösig macht. Nur nicht das Kassenpersonal.
Niemand hat daran gedacht, früher aufzustehen. Morgens einzukaufen. Es hätte zwar auch dann Engpässe gegeben, aber man hätte mehr Auswahl gehabt. Zur fortgeschrittener Stunde nun versuchen Kunden in blanker Panik alles mitzunehmen, was nur geht. Deko, Pappkameraden, Überwachungskameras.
„Man muss doch irgendwas kaufen können!“
Kollektiver Kaufrausch und Kreditkarten. Der Wahnsinn geht morgen noch bis 13 Uhr.
„Dann kriegen wir den Rest noch! Ist doch easy!“
Allerdings könnte bei manchen der gute Vorsatz für das neue Jahr lauten: „Nie wieder so brutal das Konto überziehen, sonst gehört bald das Haus der Bank. Zum zweiten Mal.“
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