Die Behauptungen, Israel setze weißen Phosphor ein ignorieren das tatsächliche Kriegsrecht

Verfasst 13. März 2026 von spotplenni
Kategorien: Die Welt und Nahost, Israel, Medieneinseitigkeit, Medienwelt, Nahost-Konflikt

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Ben M. Freeman, HonestReporting, 11. März 2026

Israel sieht sich erneut dem Vorwurf ausgesetzt, bei Militäroperationen im Südlibanon weißen Phosphor eingesetzt zu haben. Die von Human Rights Watch verbreitete und von Medien wie Reuters und anderen internationalen Sendern rasch aufgegriffene Behauptung wurde bereits in der bekannten Sprache mutmaßlicher Kriegsverbrechen formuliert. Wie so oft im Informationskrieg um Israel verbreitete sich der Vorwurf schneller, als der notwendige rechtliche oder militärische Kontext zu seinem Verständnis erforderlich war.

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Weißer Phosphor ist zu einem Begriff geworden, der sofort Empörung auslöst. Der Ausdruck ruft Bilder verbotener Waffen und unterschiedsloser Zerstörung hervor. Doch die Realität ist weit technischer. Weißer Phosphor ist laut Völkerrecht nicht verboten und wird von vielen westlichen Armeen verwendet, darunter den Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich und NATO-Streitkräften. Seine häufigste Verwendung ist nicht als Waffe gegen Menschen. Vielmehr erzeugt er dichte Rauchschwaden, die Truppenbewegungen verdecken, Ziele markieren oder während Kampfhandlungen Deckung bieten.

Der rechtliche Rahmen ist eindeutig. Weißer Phosphor wird nur dann rechtswidrig, wenn er absichtlich gegen Zivilisten eingesetzt wird. Wird er zur Rauchentwicklung während militärischer Operationen verwendet, bleibt er nach dem Kriegsrecht zulässig. Dieser rechtliche Kontext fehlte weitgehend in der Berichterstattung über die jüngsten Vorwürfe.

Human Rights Watch veröffentlichte einen Bericht, in dem behauptet wurde, Israel habe im Süden des Libanon weißen Phosphor auf eine Weise eingesetzt, die gegen das Völkerrecht verstößt. Innerhalb weniger Stunden kursierten Schlagzeilen, die nahelegten, Israel sei erneut beim Einsatz einer verbotenen oder rechtswidrigen Waffe ertappt worden.

Doch diese Darstellung überspringt die zentrale rechtliche Frage. Entscheidend ist, wie er eingesetzt wurde, gegen wen und zu welchem Zweck.

Recht, Beweise und die Realität des Schlachtfelds

Selbst die in den Anschuldigungen angeführten Belege bleiben höchst unsicher. Ein Großteil der Behauptung stützt sich auf die visuelle Interpretation von Videoaufnahmen statt auf bestätigte Gefechtsfelddaten. Die Unterscheidung von Rauchmunitionen auf Kamerabildern ist notorisch schwierig. Rauchgranaten, die weißen Phosphor enthalten, können anderen Rauchgranaten visuell ähneln, was eine Identifizierung allein anhand von Bildmaterial unzuverlässig macht.

Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte gingen in ihrer Stellungnahme direkt auf diesen Punkt ein. Die IDF erklärte, dass ihr derzeit keine Verwendung von Granaten mit weißem Phosphor im Libanon in den von Human Rights Watch genannten Vorfällen bekannt sei und sie diese nicht bestätigen könne.

Wichtiger noch: Die IDF bekräftigte IDF den rechtlichen Rahmen, der für solche Munition gilt. Wie viele westliche Streitkräfte verfügt Israel über Rauchgranaten, die eine begrenzte Menge weißen Phosphors enthalten. Diese Granaten sind nach internationalem Recht zulässig und werden in erster Linie eingesetzt, um Rauchschleier zu erzeugen, die Truppen während Kampfhandlungen schützen. Nach den Direktiven der IDF werden solche Granaten nicht eingesetzt, um Menschen zu treffen oder absichtlich Brände zu verursachen.

Das Militär wies zudem darauf hin, dass seine Verfahren den Einsatz solcher Granaten in dicht besiedelten Gebieten nur unter bestimmten Umständen erlauben – eine Politik, die nach Angaben der IDF über das hinausgeht, was das Völkerrecht selbst verlangt. Mit anderen Worten: Selbst wenn Rauchgranaten mit weißem Phosphor eingesetzt worden wären, würde dieser Umstand für sich genommen noch keinen Verstoß gegen das Völkerrecht darstellen. Die entscheidende Frage bliebe, wie sie eingesetzt wurden und ob Zivilisten absichtlich ins Visier genommen wurden.

Militärexperten haben wiederholt darauf hingewiesen, dass die öffentliche Debatte diese Unterscheidungen häufig ignoriert. Der ehemalige britische Offizier und Verteidigungsanalyst Andrew Fox reagierte deutlich auf online kursierende Anschuldigungen und stellte fest, dass Rauchgranaten mit weißem Phosphor gemäß Völkerrecht legal und in modernen Streitkräften weit verbreitet sind. Wenn der Stoff zur Erzeugung eines Rauchschleiers und nicht als Waffe gegen Zivilisten eingesetzt wurde, hält die Behauptung der Rechtswidrigkeit schlicht nicht stand.

Rechtswissenschaftler haben zudem darauf hingewiesen, dass manche Berichterstattung über diese Anschuldigungen die einschlägigen Rechtsgrundlagen vollständig falsch darstellt. Dr. Brian L. Cox, Lehrbeauftragter an der Cornell Law School und pensionierter Offizier der US-Armee mit Spezialisierung auf das Recht zu bewaffneten Konflikten, bezeichnete die jüngste Berichterstattung zu dem Thema als „journalistische Fehlleistung“. In einer Reaktion auf einen Reuters-Bericht, der sich auf Human Rights Watch berief, stellte Cox fest, dass die Behauptung, der „Einsatz von Luftdetonationen mit weißem Phosphor über besiedelten Gebieten sei rechtswidrig“, nach dem Recht bewaffneter Konflikte unzutreffend ist.

Cox erklärte, dass Journalisten den rechtlichen Status von weißem Phosphor häufig missverstehen, indem sie ihn fälschlicherweise als „Brandwaffe“ im Sinne des Protokolls III des Übereinkommens über bestimmte konventionelle Waffen (CCW) einstufen. Tatsächlich definiert Protokoll III Brandwaffen als Munition, die in erster Linie dazu bestimmt ist, Gegenstände in Brand zu setzen oder Brandverletzungen zu verursachen. Es schließt ausdrücklich Munition aus, deren Brandwirkung lediglich beiläufig ist, darunter Rauch-, Beleuchtungs-, Leuchtspur- und Signalmittel. Rauchgranaten mit weißem Phosphor fallen in diese letztere Kategorie. Ihr Hauptzweck ist die Erzeugung von Rauch, nicht das Entzünden von Bränden oder das Verbrennen von Personen.

Wie Cox feststellte, spiegelt sich diese Unterscheidung im Law of War Manual des US-Verteidigungsministeriums wider. Wie in diesem Handbuch dargelegt, machen beiläufige Brandwirkungen weißen Phosphor nicht zu einer verbotenen Waffe. Seine Rechtmäßigkeit hängt davon ab, wie er eingesetzt wird.

Ein weiterer wichtiger rechtlicher Aspekt fehlt in der Berichterstattung häufig. Israel hat Protokoll III des CCW nicht ratifiziert, was bedeutet, dass die vertragsrechtlichen Bestimmungen über luftgestützte Brandwaffen für Israel völkerrechtlich nicht gelten. Selbst wenn sie gelten würden, bezögen sich die Einschränkungen spezifisch auf Waffen, die nach den Definitionen des Vertrags als Brandwaffen eingestuft sind. Da Rauchmunition mit weißem Phosphor nicht in erster Linie als Brandwaffen konstruiert ist, fallen sie nicht in diese Kategorie.

Mit anderen Worten: Ein großer Teil der öffentlichen Debatte über weißen Phosphor beruht auf einem Missverständnis sowohl der Technologie als auch des Rechts, das ihren Einsatz regelt.

Human Rights Watch und die Erstellung von Anschuldigungen

Es lohnt sich auch, die Rolle von Human Rights Watch bei der Formung dieses Narrativs zu untersuchen. Die Organisation präsentiert sich als neutraler Beobachter von Menschenrechtsverletzungen, doch ihre Berichte fungieren oft als wirkungsvolles Framing innerhalb des internationalen Medienökosystems. Sobald eine Anschuldigung in einem Bericht von Human Rights Watch erscheint, wird sie schnell von Journalisten zitiert, in sozialen Medien wiederholt und in breitere Konfliktnarrative eingebettet. Wenn später Klarstellungen auftauchen, trägt die Anschuldigung häufig bereits das Gewicht einer allgemein akzeptierten Tatsache.

Diese Dynamik ist besonders sichtbar in Konflikten, an denen Israel beteiligt ist. Komplexe rechtliche Fragen über militärisches Verhalten werden häufig auf vereinfachte Vorwürfe von Kriegsverbrechen reduziert. Interessenorganisationen veröffentlichen Berichte, die auf mögliche Verstöße ausgerichtet sind. Medien fassen diese Berichte in Überschriften zusammen, die Fehlverhalten nahelegen. Die Anschuldigung verbreitet sich lange, bevor die Beweislage gründlich geprüft wird.

Human Rights Watch selbst sieht sich zunehmender Kritik hinsichtlich seiner Forschungs- und Berichtsprozesse ausgesetzt. Die ehemalige Mitarbeiterin Danielle Haas hat öffentlich über interne Dynamiken innerhalb der Organisation gesprochen, die ernsthafte Fragen zu ihrer Kultur und Methodik aufwerfen. Laut Haas konnten ideologische Annahmen beeinflussen, wie Themen dargestellt und untersucht wurden, wodurch ein Druck entstand Berichte zu erstellen, die in vorgegebene Narrative passten, statt Schlussfolgerungen aus den Belegen entstehen zu lassen.

Kritiker argumentieren, dass sich diese Dynamik auch in der Kontroverse um weißen Phosphor zeigt. Wie Cox in seiner Analyse der Reuters-Berichterstattung feststellte, bergen Artikel, die mit der Formulierung „Human Rights Watch sagt“ beginnen und die rechtlichen Behauptungen der Organisation nicht hinterfragen, das Risiko das Publikum über den tatsächlichen Inhalt des Völkerrechts in die Irre zu führen. Wenn Journalisten die Sprache von Advocacy-Berichten wiederholen, ohne die rechtlichen Annahmen dahinter zu prüfen, entsteht keine Berichterstattung, sondern Narrative Laundering – das Waschen von Narrativen.

Das weitere narrative Schlachtfeld

Die Kontroverse um weißen Phosphor ist daher nicht einfach eine juristische Debatte über Munition. Sie ist Teil eines umfassenderen Ringens um narrative Legitimität. Moderne Konflikte werden nicht nur mit Raketen und Drohnen geführt, sondern mit Behauptungen, Berichten und konkurrierenden Deutungen von Ereignissen.

Im Fall Israels führt dies häufig zu einem vertrauten Zyklus: Eine Menschenrechtsorganisation erhebt einen Vorwurf, Medien verstärken ihn und der rechtliche Kontext wird vereinfacht oder ausgelassen.

Weißer Phosphor zeigt exemplarisch, wie diese Dynamik funktioniert. Ein rechtmäßiges militärisches Einsatzmittel wird durch Wiederholung und Framing zu einem Symbol angeblicher Kriminalität. Die technischen Details, die seinen rechtmäßigen Einsatz regeln, verschwinden und werden durch das emotional aufgeladene Bild einer vermeintlich verbotenen Waffe ersetzt.

Die Realität ist weit weniger sensationell. Rauchgranaten mit weißem Phosphor werden von Streitkräften weltweit eingesetzt. Ihre Rechtmäßigkeit hängt vollständig davon ab, wie sie verwendet werden. Werden sie eingesetzt, um Rauchschleier zu erzeugen, die Truppen oder Zivilisten während Kampfhandlungen schützen, bewegen sie sich eindeutig im Rahmen rechtmäßigen militärischen Handelns.

Diese grundlegende Tatsache hat die Verbreitung der Anschuldigungen nicht aufgehalten. Im Informationskrieg rund um Israel tut sie das selten.

Minab nachvollziehen: Wie die Medien den Angriff auf die iranische Schule ohne unabhängigen Zugang „verifizierten“

Verfasst 12. März 2026 von spotplenni
Kategorien: Die Welt und Nahost, Medienwelt

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Vorbemerkung: In diesem Artikel wird noch nicht berücksichtigt, dass diese Mädchenschule Teil eines Militärstützpunktes der Islamischen Revolutionsgarden ist.

David Katz, HonestReporting, 9. März 2026

Von der Verifizierungslücke zum Verifizierungs-Umkehrung

Als Berichte auftauchten, dass Dutzende von Schulmädchen bei einem Angriff in der südiranischen Stadt Minab getötet worden seien, verbreitete sich die Geschichte innerhalb weniger Stunden in den globalen Medien. Schlagzeilen erschienen, bevor unabhängige Journalisten den Ort erreicht hatten. Opferzahlen kursierten weit verbreitet und stützten sich hauptsächlich auf iranische Medien, die in einem kontrollierten Umfeld operieren.

In den darauffolgenden Tagen trat die Berichterstattung in eine zweite Phase ein. Da der Zugang zum Schauplatz weiterhin eingeschränkt war, begannen große Nachrichtenorganisationen, das Ereignis aus der Ferne zu rekonstruieren – mithilfe von Satellitenbildern, zuvor verbreitetem Filmmaterial und offiziellen Stellungnahmen. Was als Verifikationslücke begann, verwandelte sich allmählich in eine Rekonstruktionsarbeit, die zeigt, wie moderne Konfliktberichterstattung zunehmend funktioniert, wenn direkte Beobachtung unmöglich ist. Die Minab-Geschichte handelt nicht nur davon, was sich möglicherweise am Ort ereignet hat, sondern auch davon, wie moderner Journalismus Gewissheit konstruiert, wenn direkte Beweise unerreichbar sind.

Während sich die Geschichte weiter verbreitete, hörte die Berichterstattung nicht auf. Stattdessen begannen große Medienhäuser, erklärende Berichte und visuelle Rekonstruktionen zu veröffentlichen, die Satellitenbilder, offizielle Stellungnahmen und kurze Videoclips nutzten, die über regionale Medienkanäle verbreitet wurden.

Was als Berichterstattungslücke begann, entwickelte sich zu einem Rekonstruktionsprozess. Das Ereignis wurde nicht mehr direkt beobachtet, sondern aus der Ferne zusammengebastelt.

Die Verifikationslücke

Unmittelbar nach dem gemeldeten Angriff war die Beweislage begrenzt.

Unabhängige Reporter hatten keinen Zugang zum Ort des Geschehens. Die Opferzahlen stammten hauptsächlich aus iranischen Quellen und die frühen Bilder, die online kursierten, wurden größtenteils über offizielle oder mit dem Staat verbundene Kanäle verbreitet.

In der modernen Konfliktberichterstattung sind solche Bedingungen nicht ungewöhnlich. Regierungen beschränken häufig den Zugang zu sensiblen Orten, insbesondere wenn militärische oder sicherheitsrelevante Einrichtungen betroffen sein könnten.

Doch wenn direkte Beobachtung nicht möglich ist, stehen Journalisten vor einer entscheidenden Frage. Sie müssen entscheiden, ob sie die Berichterstattung verlangsamen, bis Beweise unabhängig verifiziert werden können oder ob sie weiter berichten und sich dabei auf Sekundärquellen stützen.

Im Fall von Minab entwickelte sich die Geschichte schnell weiter, obwohl unabhängige visuelle Bestätigung weiterhin eingeschränkt blieb.

Die visuelle Analyse‑Reaktion

Als sich die Geschichte weiterentwickelte, begannen mehrere Medien damit ausführliche Erklärstücke zu veröffentlichen, die versuchten, zu rekonstruieren, was geschehen war.

Diese Berichte kombinierten typischerweise Satellitenbilder, zuvor verbreitetes Filmmaterial und [iranische] offizielle Stellungnahmen, um eine Zeitleiste der Ereignisse zu erstellen.

So beschrieben etwa The Times of London und BBC Verify, dass Analysten Satellitenbilder und öffentlich verfügbare Videoclips verglichen, um den Ort und die mögliche Wirkung des Angriffs zu identifizieren.

Ebenso erklärten Reuters und CNN, dass Journalisten und Ermittler Bildmaterial, Schadensmuster und Aussagen von [iranischen] Offiziellen untersuchten, um zusammenzutragen, was sich möglicherweise ereignet hatte.

In Abwesenheit unabhängiger Reporter vor Ort behandelten viele Medien Satellitenanalysen und staatlich verbreitetes Filmmaterial als Ersatz für direkte Beobachtung.

Das Ergebnis war ein Narrativ, das sich weiterentwickelte, obwohl die zugrundeliegende Beweislage weiterhin eingeschränkt blieb.

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Die Lücke visualisieren: Ein Screenshot aus der Times (veröffentlicht am 06.03.2026) wirft die entscheidende Frage auf: „Warum ist der Angriff an einer Mädchenschule im Iran so schwer zu verifizieren?“ Das Eingeständnis, dass die Zahlen „schwer zu verifizieren“ seien, hielt die globalen Medien nicht davon ab, ein Narrativ um die bereits veröffentlichten Zahlen herum zu konstruieren. Dies ist die Definition des „Verifizierungsumkehrung“.

Satellitenbelege und Analyse aus der Ferne

Satellitenbilder sind zu einem zunehmend verbreiteten Instrument in der modernen Konfliktberichterstattung geworden.

Durch den Vergleich von Bildern, die vor und nach einem gemeldeten Angriff aufgenommen wurden, können Analysten Schadensmuster, strukturelle Veränderungen oder Trümmerfelder identifizieren, die auf die Wirkung einer Waffe hinweisen könnten.

Im Fall von Minab stellten Satellitenbilder eine der wenigen Formen unabhängig zugänglicher Daten dar.

Berichte wiesen auf sichtbare Schäden an der Stelle hin und nutzten Geolokalisierungstechniken, um den Standort des Gebäudes zu bestätigen, auf das sich die frühen Meldungen bezogen.

Diese Methoden können wertvolle Einblicke bieten.

Aber sie haben auch Grenzen.

Satellitenbilder können zeigen, dass Schäden entstanden sind. Was sie jedoch nicht können: unabhängig Opferzahlen bestätigen, Opfer identifizieren und den vollständigen Ablauf der Ereignisse vor Ort rekonstruieren.

Daher wird die Satellitenanalyse oft zu einem Teil eines größeren Beweispuzzles, statt eine vollständige Darstellung dessen zu liefern, was geschehen ist.

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Die Behauptung wird hinterfragt: Ein BBC-Verify-Beitrag (veröffentlicht am 06.03.2026) verwendet Satellitenbilder als visuellen Ersatz für Beobachtungen vor Ort. Die Grafik behauptet, mehrere Angriffe hätten ein Schulgelände im Iran getroffen, doch dieser Datenpunkt – der ein Loch im Dach zeigt – bestätigt nicht die in den Schlagzeilen kursierenden Berichte über mehr als 108 Opfer.

Offizielle Untersuchungen betreten das Narrativ

Als die Berichterstattung weiterging, begannen offizielle Untersuchungen eine größere Rolle bei der Formung des Narrativs zu spielen.

Da unabhängiger Zugang zum Ort fehlte, stützten sich Journalisten zunehmend auf Aussagen von Ermittlern und Regierungsstellen, die den Angriff untersuchten.

So berichtete die New York Times, dass Ermittler die verfügbaren Beweise prüften, um die wahrscheinliche Ursache des Vorfalls zu bewerten.

Solche Untersuchungen können wichtige Einblicke liefern.

Doch wenn direkte Beobachtung eingeschränkt ist, kann institutionelle Autorität – ob von Regierungen, militärischen Ermittlern oder Geheimdiensten – zu einer zentralen Informationsquelle werden.

In solchen Situationen wird der Unterschied zwischen berichteten Beweisen und interpretierten Beweisen besonders wichtig.

Die Rolle staatlich verbreiteten Bildmaterials

In den Tagen nach dem berichteten Angriff begannen die Verbreitung von Bildern von Beerdigungen und Trauerzeremonien über regionale Medienkanäle und internationale Nachrichtenagenturen.

Einige dieser Fotos wurden über Agenturen oder Presseorganisationen verbreitet, die innerhalb des iranischen Medienumfelds operieren.

So zeigten etwa über Anadolu verbreitete Bilder Trauerversammlungen in Minab.

Solches Bildmaterial kann die menschlichen Auswirkungen eines Ereignisses dokumentieren.

Gleichzeitig bleibt das Verständnis der Herkunft dieser Bilder und der Umstände, unter denen sie aufgenommen wurden, ein wichtiger Teil der Bewertung des gesamten Beweisbildes.

In der Konfliktberichterstattung ist die Quelle visuellen Materials oft ebenso bedeutsam wie die Bilder selbst.

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Die Lieferkette: Diese Drohnenaufnahmen des Friedhofs Minab, die über Reuters (3. März 2026) verbreitet wurden, werden ausdrücklich dem „Iranischen Pressezentrum“ zugeschrieben. Dieses Bild bestätigt unsere Analyse aus den Artikeln 15 und 16: Globale Nachrichtenkonzerne sind auf staatlich kontrollierte Bildfabriken angewiesen, um „Beweise“ zu produzieren, wenn unabhängiger Zugang verweigert wird.

Asymmetrie bei Verifizierungsstandards

Die Berichterstattung über Minab wirft auch eine weitergehende Frage nach der Konsistenz im Umgang mit Beweismitteln auf.

Bei der Berichterstattung über israelische Militäroperationen betonen Nachrichtenmedien häufig die Grenzen der verfügbaren Informationen und weisen darauf hin, wenn Behauptungen nicht unabhängig verifiziert werden können oder wenn Opferzahlen aus offiziellen Quellen stammen.

Solche Hinweise spiegeln ein Bewusstsein für die Herausforderungen wider, die mit der Berichterstattung aus Konfliktzonen verbunden sind.

Im Fall von Minab verbreiteten sich Opferzahlen aus einem streng kontrollierten iranischen Medienumfeld weit, bevor eine vergleichbare Prüfung des visuellen Materials erfolgte, das diese Zahlen stützen sollte.

Das Ergebnis war eine ungewöhnliche Abfolge, in der Zahlen sich schnell verbreiteten, während unabhängige visuelle Bestätigung weiterhin eingeschränkt blieb.

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Die Lieferkette: Diese Drohnenaufnahmen des Friedhofs Minab, die über Reuters (3. März 2026) verbreitet wurden, werden ausdrücklich dem „Iranischen Pressezentrum“ zugeschrieben. Dieses Bild bestätigt unsere Analyse aus den Artikeln 15 und 16: Globale Nachrichtenkonzerne sind auf staatlich kontrollierte Bildfabriken angewiesen, um „Beweise“ zu produzieren, wenn unabhängiger Zugang verweigert wird.

Ein breiterer Kontext

Der Kontrast zu anderen Ereignissen innerhalb des Iran ist ebenfalls bemerkenswert.

Anfang dieses Jahres kursierten bei unter Aktivisten und Menschenrechtsorganisationen weit verbreitete Berichte über großflächige Gewalt gegen iranische Zivilisten. Doch unabhängiges Bildmaterial aus diesen Vorfällen schien in der internationalen Berichterstattung deutlich beschränkter zu sein.

Der Angriff von Minab hingegen trotz ähnlicher Zugangsbeschränkungen erzeugte sofort weltweite Schlagzeilen.

Dieser Unterschied zeigt, wie bestimmte Ereignisse sich schnell im globalen Medienökosystem verbreiten können, obwohl die sie umgebenden Beweisbedingungen unvollständig bleiben.

Ein neues Modell der Konfliktverifikation

Der Fall Minab verdeutlicht einen breiteren Wandel darin, wie Kriege berichtet werden.

In vielen Konfliktzonen können Journalisten den Schauplatz bedeutender Ereignisse nicht erreichen. Sicherheitsbeschränkungen, staatliche Kontrolle oder Bedingungen auf dem Schlachtfeld machen unabhängigen Zugang unmöglich.

Wenn das geschieht, verlagert sich die Berichterstattung oft auf eine Kombination von Methoden:

  • Satellitenbilder
  • Open‑Source‑Geolokalisierung
  • abgeglichene Videoclips
  • offizielle Untersuchungen
  • Expertenanalysen

Zusammen bilden diese Techniken ein Modell, das manchmal als Fernverifikation bezeichnet wird.

Es ist eine Methode, die in Konflikten weltweit zunehmend Anwendung findet.

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Zahlen statt Beweise: Ein CNN-Bericht behauptet, Iran halte Beerdigungen für Opfer des Schulstreiks ab, wobei von „mehr als 150“ Toten die Rede ist. Das ist ein klassisches Beispiel für Asymmetrie. In anderen Kontexten (wie etwa einem israelischen Militärschlag) würden die Medien vermutlich eine unabhängige Überprüfung fordern, bevor sie eine so hohe Zahl in einer Schlagzeile veröffentlichen.
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Eine Szene konstruieren: Malachy Browne vom Visual Investigations Team der New York Times präsentiert eine Analyse des „Angriffs auf die iranische Schule“. Das unterstreicht die Kernthese der Serie: Wenn direkte Beweise nicht verfügbar sind, greift der Journalismus zunehmend auf Fernanalysen zurück, um ein Narrativ von „Gewissheit“ zu konstruieren, das nicht unabhängig überprüft wurde.

Quintessenz

Der berichtete Angriff in Minab zeigt, wie sich moderne Konfliktberichterstattung entwickelt, wenn Journalisten den Schauplatz nicht direkt erreichen können.

Die Geschichte entfaltete sich nicht allein durch unabhängige Beobachtung. Stattdessen wurde sie mithilfe von Satellitenbildern, offiziellen Stellungnahmen und abgeglichenem Filmmaterial rekonstruiert.

Diese Methoden können helfen Ereignisse sichtbar zu machen, die sonst unzugänglich blieben.

Doch Rekonstruktion ist nicht dasselbe wie direkte Beobachtung.

In einer Zeit, die von visuellen Beweisen geprägt ist, bleibt es für Journalisten wie für Leser entscheidend, dass sie verstehen, wie diese Beweise gesammelt werden und welche Grenzen sie haben.

Denn in modernen Konflikten werden Narrative oft nicht nur davon geprägt, was Bilder zeigen, sondern auch davon, wie diese Bilder erlangt wurden.

Und wenn eine große internationale Geschichte hauptsächlich aus Rekonstruktion statt aus direkter Berichterstattung entsteht, wird der Verifikationsprozess selbst zu einem Teil der Geschichte.

Die fehlenden Bilder: Wie die Behauptung des Iran vom Angriff auf die Schule ohne visuelle Überprüfung weltweit verbreitete

Verfasst 5. März 2026 von spotplenni
Kategorien: Die Welt und Nahost, Medienwelt

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David Katz, HonestReporting, 2. März 2026

Die Behauptung und ihre Verbreitung (Verstärkung?)

Als iranische Staatsmedien berichteten, Dutzende Schülerinnen seien bei einem angeblichen Angriff im Süden Irans getötet worden, verbreitete sich diese Meldung rasend schnell in den internationalen Nachrichtenmedien.

Große Medienhäuser führten die Information auf iranische Quellen zurück und veröffentlichten die gemeldeten Opferzahlen. Schlagzeilen machten die Runde. Soziale Medien verstärkten die Darstellung innerhalb weniger Stunden.

Das Ereignis wurde als schwere Eskalation dargestellt.

Weitaus weniger Beachtung fand jedoch die Beweislage rund um diese Behauptung.

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Eine bildgetriebene Ära

Moderne Konfliktberichterstattung ist visuell.

Bei Vorfällen mit vielen Opfern entsteht normalerweise sofort fotografische Dokumentation:

  • Krankenhausflure
     
  • Krankenwagen
     
  • Rettungseinsätze
     
  • Schadensbegutachtungen
     
  • Trauerzüge
     
  • Trauernde Familien

In Konflikten, die Israel, den Gazastreifen, die Ukraine, Syrien oder andere Regionen betreffen, erscheinen oft innerhalb weniger Stunden drastische Bilder. Satellitenaufnahmen werden ausgewertet. Geolokalisierung wird durchgeführt. Sprache zur Verifikation ist allgegenwärtig. Visuelle Beweise gelten als zentral.

Beim Vorfall an der Schule im Iran war die visuelle Dokumentation jedoch auffallend begrenzt.

Das Fehlen des Hinterher

In den Tagen nach den ersten Behauptungen gab es:

  • Keine unabhängig verifizierbaren Aufnahmen aus Krankenhäusern
     
  • Keine Fotos von Verletzten oder Toten
     
  • Keine Dokumentation von Beerdigungen
     
  • Keine Weitwinkel‑Aufnahmen eines Schadensbildes, das zu einem Angriff mit vielen Todesopfern passen würde
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Die Bilder, die im Umlauf waren, stammten größtenteils aus staatlichen Kanälen.

Es gab keine sichtbare Präsenz unabhängiger Fotojournalisten, die sich frei am Ort des Geschehens bewegen konnten.

In einer Zeit, in der selbst aus streng kontrollierten Umgebungen häufig Handyaufnahmen auftauchen, wirft das Fehlen bestätigender Bilddokumente nachvollziehbare Fragen auf.

Bei anderen jüngeren Vorfällen mit vielen Opfern sind visuelle Dokumentationen üblicherweise innerhalb weniger Stunden aufgetaucht und wurden zu einem zentralen Bestandteil der Berichterstattung. In diesem Fall trat dieses Muster nicht ein.

Diese Fragen wurden jedoch kaum gestellt.

In der heutigen Konfliktberichterstattung treten Opferzahlen und Bildmaterial normalerweise gemeinsam auf. Wenn das nicht der Fall ist, weisen Redaktionen üblicherweise auf diese Diskrepanz hin. In diesem Fall verbreitete sich die genannte Zahl jedoch ohne sichtbare Bestätigung – und die Lücke selbst fand kaum Beachtung.

Produktionsbedingungen sind wichtig

Die Schule, die in frühen Berichten genannt wurde, wurde als zu den Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) gehörig beschrieben.

Die IRGC operieren in einem streng kontrollierten Medienumfeld. Der unabhängige Pressezugang zu militärnahen Einrichtungen im Iran ist stark eingeschränkt.

Dieser Kontext ist maßgeblich.

Wenn Informationen aus einem strukturell kontrollierten Medienumfeld stammen, verlangen journalistische Standards in der Regel eine verstärkte Überprüfung.

In diesem Fall wurde die Behauptung selbst stärker hinterfragt als die Bedingungen, unter denen sie dokumentiert wurde – oder nicht dokumentiert wurde.

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Asymmetrie bei Verifikationsstandards

Die Berichterstattung über israelische Militäreinsätze enthält häufig Formulierungen wie:

  • „Die Angaben konnten nicht unabhängig verifiziert werden.“
     
  • „Israel sagt…“
     
  • „Laut dem von der Hamas geführten Gesundheitsministerium…“

Diese Vorbehalte spiegeln das Bewusstsein für kontrollierte Informationsumgebungen wider.

Im Fall Iran wurde zwar häufig auf die Herkunft aus staatlichen Medien hingewiesen, doch die fehlende visuelle Bestätigung wurde nur begrenzt hinterfragt.

In einer bildgesättigten Medienlandschaft wird das Fehlen von Bildern selbst zu einem Teil der Geschichte.

Die Anwendung von Verifikationsstandards wirkte uneinheitlich. In anderen Kontexten, die israelische Militäreinsätze betreffen, wird das Fehlen unabhängiger Bilddokumente routinemäßig als Einschränkung hervorgehoben. In diesem Fall jedoch wurde das Fehlen selbst nur selten als Teil der Beweislage thematisiert.

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Visuelle Stille als Datenpunkt

Dieser Artikel behauptet nicht, was geschehen ist oder nicht geschehen ist.

Er untersucht den medialen Prozess.

Wenn Dutzende zivile Opfer gemeldet werden, ist das erwartbare dokumentarische Muster bekannt: Bilder folgen den Zahlen.

Wenn Zahlen ohne Bilder zirkulieren – und ohne Erklärung für dieses Fehlen – wird die visuelle Stille relevant.

Der Journalismus stützt sich zunehmend auf Bildmaterial als Bestätigung. Diese Abhängigkeit bringt eine entsprechende Verantwortung mit sich: zu hinterfragen, wenn Bildmaterial nicht auftaucht.

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Von der Behauptung zur Schlagzeile

Der Ablauf war vertraut:

Staatliche Medienmeldung →  internationale Übernahme →  virale Verbreitung →  politisches Framing.

In jeder Phase gewann die genannte Zahl institutionelles Gewicht.

Das Fehlen unabhängiger fotografischer Bestätigung bremste die Verstärkung nicht.

In einem medialen Umfeld, in dem Bilder oft die Realität definieren, ist diese Umkehr bemerkenswert.

Integrität der Verifikation

Frühere Artikel dieser Reihe untersuchten:

  • synthetische Bilder, die Plausibilität erzeugen
     
  • physische Inszenierung, die Wahrnehmung formt

Dieser Fall wirft eine verwandte Frage auf:

Was passiert, wenn Bildmaterial insgesamt fehlt?

Wenn moderner Journalismus auf visuelle Dokumentation angewiesen ist, müssen die Standards, die auf Bilder angewendet werden, auch auf deren Abwesenheit angewandt werden.

Bei Verifikation geht es nicht nur um Pixel.

Es geht um Produktionsbedingungen – und Beweislücken.

Schlussfolgerung

Der Kernpunkt ist nicht, ob die ursprüngliche Behauptung wahr oder falsch war.

Entscheidend ist, ob die Verifikationsstandards konsequent angewandt wurden.

In einer Zeit, die von visueller Dokumentation geprägt ist, sollte das Fehlen unabhängiger Bildaufnahmen bei einem gemeldeten Vorfall mit vielen Opfern selbst Anlass zur Prüfung geben – besonders dann, wenn eine solche Prüfung in anderen Kontexten üblich ist.

Wenn das nicht geschieht, wird der Verifikationsprozess selbst zu einem Teil der Geschichte.

Wenn Bilder irreführen können, kann auch ihr Ausbleiben die Wahrnehmung beeinflussen.

In bildgetriebenen Konflikten tragen sowohl die Präsenz als auch die Abwesenheit von Bildern Beweisgewicht.

Der Journalismus hat die Verantwortung, beides konsequent zu hinterfragen.

Ramadan an der Al-Aqsa-Moschee: Israels Bemühungen Frieden und Sicherheit zu erhalten

Verfasst 1. März 2026 von spotplenni
Kategorien: Die Welt und Nahost, Islam+Islamisten, Israel, Medieneinseitigkeit, Nahost-Konflikt

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Sharon Levy, HonestReporting, 23. Februar 2026

In der vergangenen Woche begann der Ramadan und Israels Politik besteht – wie in jedem Jahr – darin, die größtmögliche Sicherheit für alle muslimischen Gläubigen zu gewährleisten, so dass Tausende zur Al-Aqsa-Moschee zum Gebet gelangen können. Die Zeit der Freude und des Feierns erfordert eine sorgfältige Planung durch die israelischen Sicherheitsbehörden, damit der einmonatige Festzeitraum friedlich bleibt.

Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen kommen nicht ohne Grund. In der Vergangenheit kam es während des Ramadan zu einer Zunahme der Gewalt auf dem Tempelberg und in der Al-Aqsa-Moschee, wo palästinensische Randalierer, viele davon mit Hamas-Fahnen, Steine, Feuerwerkskörper und andere Geschosse auf israelische Sicherheitskräfte und in Richtung Klagemauer warfen, was Maßnahmen zur Auflösung der Ausschreitungen zur Folge hatte. Diese Randalierer versuchten, die friedlichen Gebetszeiten zu stören, an denen die überwältigende Mehrheit der muslimischen Gläubigen teilnehmen möchte.

Trotz der bekannten Gewalt der vergangenen Jahre zeigt sich die Medienlandschaft jedes Jahr aufs Neue überrascht, wenn Israel Sicherheitsmaßnahmen ergreift, um die Sicherheit der Tausenden zu gewährleisten, die während des heiligen Monats den Tempelberg besuchen. Es handelt sich dabei nicht um Diskriminierung, sondern vielmehr um das Gegenteil, da Israel die Religionsfreiheit aller Menschen aller Glaubensrichtungen im Land zu schützen versucht.

Am ersten Freitag des Ramadan in diesem Jahr beteten 80.000 muslimische Gläubige in der Al-Aqsa-Moschee. Da viele westliche Medien Israel ausschließlich als einen Staat darstellen wollen, der religiöse Freiheit für Minderheiten einschränkt, berichteten sie nicht über diesen erfolgreichen Tag friedlicher Gebete.

Der Guardian ging jedoch noch einen Schritt weiter und veröffentlichte eine falsche Darstellung darüber, dass die „Al-Aqsa ein Zünder ist“, wobei auf Israels angebliche Zerstörung des Status quo auf dem Tempelberg angespielt wurde. Indem das Medium Israel so darstellt, als wolle es muslimische Gebetsrechte abschaffen und die Al-Aqsa-Moschee gefährden, ersetzt es beobachtbare Realität – nämlich Tausende Muslime, die ohne Zwischenfälle beten – durch alarmistische Rhetorik.

Die Absicht des Guardian, die Realität des Tempelbergs zu verzerren, beginnt mit der völligen Missachtung der Tatsache, dass er nicht nur eine heilige Stätte für Muslime ist, sondern auch die heiligste Stätte für das jüdische Volk. Dort standen einst sowohl der erste als auch der zweite Tempel und bis heute ist dieser Ort von außerordentlicher Bedeutung für Juden.

Seit Israel nach dem Sechstagekrieg die Kontrolle über ganz Jerusalem erlangte, ist der Status quo des Tempelbergs weitgehend unverändert geblieben, wobei die jordanische Waqf die Verwaltung weiterhin innehat. Bis vor Kurzem war es Juden nicht einmal erlaubt, auf dem Tempelberg mit kleinen Zetteln zu beten. Dennoch stellt der Guardian nicht die Frage, warum jüdisches Gebet überhaupt als „Provokation“ gilt. Stattdessen beschreibt er die „400 Siedler“, die zu ihrer heiligsten Stätte hinaufgingen, als provokativ und deutet damit an, dass jeder Jude – unabhängig davon, wo er in Israel lebt – ein „Siedler“ sei und somit kein legitimer Einwohner des Landes.

Da der Tempelberg während des Ramadan am Nachmittag für Nichtmuslime geschlossen ist, verlängerten die israelischen Behörden die morgendlichen Besuchszeiten um eine zusätzliche Stunde. Anstatt den Zugang für alle Gläubigen einzuschränken, wurde er damit sogar leicht erweitert, sodass Nichtmuslime etwas mehr Zeit für Besuche hatten, während der bestehende Rahmen des Status quo beibehalten wurde.

Darüber hinaus erlaubt der Status quo den israelischen Sicherheitskräften Maßnahmen zu ergreifen, die für die Verhinderung von Gewalt notwendig sind. In der Vergangenheit kam es während des Ramadan zu geplanten Ausschreitungen auf dem Tempelberg. Aus diesem Grund erklärte die israelische Polizei in den Wochen vor Beginn des heiligen Monats, dass sie „umfangreiche Vorbereitungen, Ortsbegehungen, Koordinierungstreffen und Abstimmungen mit allen relevanten Behörden und Sicherheitsdiensten durchgeführt“ und eine „gründliche Einsatzschulung der Beamten mit Schwerpunkt auf Aufgabenbewusstsein und Professionalität sichergestellt“ hat.

Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen stellen keinen Bruch des Status quo dar, sondern einen praktischen Versuch Eskalationen zu verhindern und sicherzustellen, dass während des gesamten Monats friedliche Gebete stattfinden können. Wenn Festnahmen erfolgen, beruhen sie auf nachrichtendienstlichen Einschätzungen, die darauf abzielen, geplante Gewaltausbrüche durch Personen zu verhindern, die im Verdacht stehen zu Unruhen anzustiften. Festnahmen erfolgen nicht als pauschale Einschränkung für alle Gläubigen.

Dennoch zieht der Guardian Vergleiche zum Beginn der Zweiten Intifada und zur „Al-Aqsa.-Flut“, dem Namen der Hamas für das Massaker vom 7. Oktober; und er macht Israel damit fälschlicherweise für diese Gewaltausbrüche verantwortlich. Sowohl die Zweite Intifada als auch der 7. Oktober waren geplante Terrorangriffe – keine spontanen Reaktionen auf israelische Politik auf dem Tempelberg.

Konstante Sicherheitsbewertungen erfordern von Israel zu vorbeugenden Maßnahmen zu greifen, die die Sicherheit und Freiheit aller Menschen ermöglichen. Das bedeutet nicht, dass Israel den Status quo des Tempelbergs „zerschlägt“, um gewaltsame Unruhen unter muslimischen Gläubigen zu provozieren, sondern es handelt sich um eine jährliche Sicherheitsmaßnahme, die Gewalt verhindern und sicherstellen soll, dass der Ramadan für alle friedlich und sicher bleibt.

Im Laufe des Monats werden Zehntausende muslimische Gläubige an den Gebeten in der Al-Aqsa-Moschee teilnehmen. Die von der israelischen Polizei und den Sicherheitskräften umgesetzten Maßnahmen unterstreichen lediglich Israels Verpflichtung zur Religionsfreiheit für Menschen aller Glaubensrichtungen.

Wenn das Bild kein Beweis mehr ist: KI, Propaganda und der Zusammenbruch des visuellen Vertrauens

Verfasst 26. Februar 2026 von spotplenni
Kategorien: Medienwelt

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David Katz, HonestReporting, 15. Februar 2025

Einleitung: Wenn synthetische Bilder die Schwelle überschreiten

Anfang dieses Monats begannen zwei verschiedene manipulierte Bilder über Jeffrey Epstein online zu kursieren.

Das erste war ein eindeutig synthetisches Bild, das vorgab, Epstein sei in den vergangenen Tagen in Tel Aviv gesehen worden – flankiert von Bodyguards und umgeben von israelischen Straßenschildern. Dieses Bild verbreitete sich weit in den sozialen Medien.

Es war falsch.

Das zweite Bild war eine Zusammensetzung, die den israelischen Präsidenten Isaac Herzog digital in ein bekanntes historisches Foto von Epstein und Ghislaine Maxwell aus den 1990er‑Jahren einfügte.

Dieses zusammengesetzte Bild wurde von Gabrielle Sivia Weiniger, einer Nahost‑Korrespondentin der Times of London, repostet, bevor sie später öffentlich klarstellte, dass es sich um eine KI-generierte Fälschung handelte und sich dafür entschuldigte, es ohne Überprüfung der Quelle weiterverbreitet zu haben.

Die beiden Bilder sind voneinander unabhängige Fälschungen.

Der journalistische Fehler betrifft das zweite.

Die Entschuldigung kam. Der Schaden war bereits angerichtet.

Dieser Vorfall handelt nicht von einem einzelnen Tweet. Er handelt von einer strukturellen Verwundbarkeit des modernen Journalismus: dem Zusammenbruch der visuellen Verifikation im Zeitalter synthetischer Bilder.

Visuelle Manipulation ist nichts Neues

Fotomanipulation existierte lange vor künstlicher Intelligenz.

In der Sowjetunion wurden politische Gegner aus Fotografien entfernt. Dunkelkammern waren Werkzeuge der Macht. Retuschen veränderten das historische Gedächtnis. Wie in Studien wie Inside Stalin’s Darkroom [In Stalins Dunkelkammer] dokumentiert, war Fotografie schon immer anfällig für Manipulation im Dienst der Kontrolle von Narrativen.

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Was sich verändert hat, ist nicht der Impuls zur Manipulation.

Was sich verändert hat, ist der Zugang.

Was einst staatliche Infrastruktur, chemisches Fachwissen und physische Negative erforderte, kann heute jeder mit generativer Software erzeugen. Synthetischer Realismus ist skalierbar. Er ist sofort verfügbar. Er ist global verbreitbar.

Die Eintrittsbarriere ist zusammengebrochen.

Die redaktionelle Disziplin hat nicht Schritt gehalten.

Fallstudie 1: Das Bild der „Kreuzung in Tel Aviv“-Bild (Social-Media-Fälschung)

Das Bild „Epstein überquert die Straße“ eignet sich als forensisches Lehrbeispiel.

Es zeigte Epstein, wie er vermeintlich eine Straße in Tel Aviv überquert, begleitet von einer symmetrisch angeordneten Sicherheitseskorte. Straßenschilder erschienen in Hebräisch, Arabisch und Englisch, was dokumentarische Authentizität suggerieren sollte.

Die Fehler waren sichtbar.

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1. Text-Anomalien

Die hebräischen Buchstaben waren verzerrt und entsprachen nicht den typografischen Standards israelischer Kommunen. Der arabische Text wies strukturelle Unregelmäßigkeiten auf. Die englische Transliteration wirkte mechanisch erzeugt.

Israelische Straßenschilder folgen einer strengen Formatierungshierarchie. Platzierung der Schriften, Abstände und Schriftarten sind normiert.

KI‑Systeme erzeugen häufig textähnliche Formen, die wie Sprache aussehen, ohne deren strukturellen Regeln zu folgen.

Die Beschilderung verriet die Fälschung.

2. Übersymmetrisierte Inszenierung

Die Bodyguards waren gleichmäßig verteilt, kompositorisch ausbalanciert, filmisch arrangiert. Echte Schutzformationen in Fußgängerbereichen sind selten so geometrisch sauber.

Generative Systeme bevorzugen visuelle Symmetrie gegenüber operativem Realismus.

3. Optische Ungereimtheiten

Einheitliche Glättung in Bewegungszonen, uneinheitliche Kantenschärfe und Tiefenübergänge ohne optische Stimmigkeit waren ohne Spezialsoftware erkennbar.

Keiner dieser Hinweise erforderte fortgeschrittene forensische Werkzeuge.

Sie erforderten Aufmerksamkeit.

Dieses Bild tauchte nie in einer seriösen Publikation auf. Es zeigt, wie leicht sich künstlicher Realismus online verbreiten kann.

Fallstudie 2: Die Epstein-Herzog-Zusammenstellung (Mainstream‑Verstärkung)

Der folgenschwerere Fehler betraf ein zusammengesetztes Bild, das Isaac Herzog digital in ein historisches Foto von Epstein und Ghislaine Maxwell einfügte, das vor Jahrzehnten aufgenommen wurde.

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Das hier ist das Bild, das Gabrielle Sivia Weininger repostete.

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Die forensischen Hinweise waren ebenso deutlich.

1. Zeitliche Unmöglichkeit

Das Ausgangsbild von Epstein und Maxwell stammt aus den 1990er‑Jahren. Herzogs heutiges Erscheinungsbild passt nicht in die Epoche des Originalfotos.

Keine Kontextualisierung überbrückte diese Lücke.

Allein die Chronologie hätte eine Überprüfung auslösen müssen.

2. Kompositorischer Bruch

Herzogs Kopf und Oberkörper weisen Lichtcharakteristika auf, die nicht mit der Umgebungsbeleuchtung des Originalbildes übereinstimmen. Schärfegrad des Gesichts und Farbtemperatur passen nicht vollständig zu den übrigen Personen.

Zusammenstellungssignale sind subtil, aber vorhanden.

3. Anatomische Verzerrung

Epsteins ausgestreckter Arm, der offenbar ein Selfie macht, zeigt eine unnatürliche Verlängerung im Verhältnis zu Schulterstellung und Torso-Perspektive. Die räumliche Geometrie deutet eher auf digitale Manipulation als auf authentische Objektivverzerrung hin.

4. Tiefen- und Kantenintegration

Die Einfügung weist keine vollständige Tiefenschärfekohärenz auf. Die Kantenverschmelzung um Herzogs Kontur zeigt leichte Integrationsunregelmäßigkeiten im Vergleich zu den angrenzenden Personen.

Für all dies brauchte es keine fortgeschrittene KI‑Erkennungssoftware.

Es brauchte eine Plausibilitätsprüfung.

Das journalistische Versagen

Gabrielle Sivia Weiniger gab später zu, dass das Bild eine KI-Fälschung war und entschuldigte sich dafür, dass sie es ohne Überprüfung der Quelle veröffentlichte.

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Diese Eingeständnis ist wichtig.

Aber ebenso die Reihenfolge.

Im Journalismus verbreitet sich die erste Andeutung weiter als die spätere Korrektur. Das Publikum behält die visuelle Assoziation. Widerrufe erreichen selten dieselbe Geschwindigkeit.

Es geht nicht um Absicht.

Es geht um Standards.

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Bevor ein Bild verstärkt wird, das geopolitische Auswirkungen nahelegt, müssen grundlegende Prüfungen stattfinden:

  • Quellenverifikation
     
  • Rückwärtssuche des Bildes
     
  • Überprüfung der Metadaten
     
  • Prüfung der chronologischen Plausibilität
     
  • Analyse von Lichtführung und Komposition

Wenn diese Prüfungen nicht durchgeführt wurden – warum nicht?

Wenn sie durchgeführt wurden – wie konnte das durchgehen?

Das Problem ist nicht, dass KI existiert.

Das Problem ist, dass Verifikation nicht vor der Verstärkung stattfand.

Warum das in einem Konfliktumfeld zählt

In früheren Artikeln dieser Reihe haben wir untersucht, wie Bilder das öffentliche Verständnis prägen, lange bevor der Kontext nachzieht.

KI fügt eine zweite Verzerrungsebene hinzu.

Wenn reale Bilder bereits moralische Urteile bilden, dann kann künstliches Bildmaterial nun nahtlos in den öffentlichen Diskurs eingespeist werden.

Wenn Journalisten zusammengesetzte Bilder ohne forensische Prüfung verstärken, schwächen sie nicht nur das Vertrauen in ihre eigene Berichterstattung, sondern in visuelle Dokumentation insgesamt.

Die Gefahr ist kumulativ.

Ein praktischer Rahmen zur Erkennung

Synthetische Bilder verraten sich häufig durch:

  1. Textanomalien, besonders bei mehrsprachiger Beschilderung
  2. Übersymmetrische Anordnung von Personen
  3. Inkonsistente Lichtverläufe
  4. Unregelmäßigkeiten in der Kantenverschmelzung
  5. Chronologische Unwahrscheinlichkeiten
  6. Fehlende nachvollziehbare Quellenkette
  7. Leere Metadaten

Das sind Prüfungen der ersten Ebene.

Wenn Redaktionen sie nicht institutionalisieren, wird synthetische Desinformation die Verifikation immer wieder überholen.

Philosophische Eskalation: Vom Beweis zur Behauptung

Historisch fungierten Fotografien als vermutete Beweise.

Heute fungieren Bilder zunehmend als Behauptungen.

Verifikation muss sich vom Pixelvertrauen zur Prozessprüfung entwickeln.

Die sowjetische Dunkelkammer entfernte Menschen aus der Geschichte.

Generative KI fügt sie ein.

Beides manipuliert Erinnerung. Beides formt Narrative um. Beides nutzt die Autorität des Visuellen aus.

Schlussfolgerung

Die künstliche Epstein-Herzog-Zusammensetzung ist kein isoliertes Missgeschick.

Sie ist eine Warnung.

Wenn Journalisten manipulierte Bilder ohne grundlegende forensische Prüfung verstärken, reicht der Schaden weit über eine einzelne Korrektur hinaus. Er untergräbt das Vertrauen in visuelle Dokumentation selbst.

In einer Ära, in der Konflikte zunehmend durch Bilder vermittelt werden, muss der Journalismus rigoroser werden – nicht nachlässiger.

Wenn Bilder nicht mehr inhärent beweiskräftig sind, wird Verifikation zur letzten Verteidigungslinie des Berufs.

Andernfalls wird das nächste künstlich erzeugte Bild nicht nur in die Irre führen.

Es wird die Realität definieren, bevor irgendjemand auf die Idee kommt, es infrage zu stellen.

Was die Medien zu Israels Schritt zur Landregistrierung in der Westbank verpasst haben

Verfasst 22. Februar 2026 von spotplenni
Kategorien: Medienwelt, Nahost-Konflikt, Palästinenser

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Dr. Rinat Harash, HonestReporting, 18. Februar 2026

Das israelische Kabinett hat diese Woche einen Schritt gebilligt, der umgehend breite Kritik hervorrief. Die Palästinenser sprachen von einer faktischen Annexion. Die Vereinten Nationen warnten, dies könne die Besatzung verfestigen. In den Schlagzeilen wurde es als weiterer Schritt zur Formalisierung der israelischen Kontrolle über die Westbank dargestellt.

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Reuters: Israelisches Kabinett genehmigt Landregistrierung der Westbank, Palästinenser verurteilen „De-Facto-Annexion“

Die Politik selbst und ihre rechtliche Vorgeschichte sind jedoch komplexer, als viele der ersten Reaktionen vermuten ließen. Und all die lauten Kritiker haben diesen Aspekt außer Acht gelassen.

Die Fakten sind eindeutig: Das israelische Kabinett hat die Wiederaufnahme und Ausweitung der Landregistrierungsverfahren in den Teilen der Westbank genehmigt, die unter vollständiger israelischer Militär- und Zivilkontrolle stehen (Area C). Dieses Verfahren, bekannt als Landansiedlung, umfasst die formelle Vermessung, Kartierung und Registrierung von Landbesitz in offiziellen Registern.

Dennoch wurde in der Berichterstattung eine grundlegende Frage weitgehend ausgeklammert: Warum konnte Israel die Landregistrierung bis jetzt nicht abschließen? Die Antwort führt zurück zu einem jahrzehntealten diskriminierenden System, das unter jordanischer Herrschaft zwischen 1948 und 1967 eingeführt wurde.

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Guterres: „Ich verurteile die Entscheidung der israelischen Regierung die Landregistrierungsverfahren in der besetzten Westbank wiederaufzunehmen.“

Der ausgelassene Hintergrund

Wie in einer aktuellen juristischen Analyse dargelegt, stellte Jordanien zwischen 1948 und 1967, als es das Gebiet kontrollierte, die Grundbucheintragungen ein und verhängte Beschränkungen, die Nicht‑Araber daran hinderten, Landbesitz in dem Gebiet registrieren zu lassen. Dieses Einfrieren ließ riesige Flächen in einem rechtlichen Schwebezustand, ohne klare, aktualisierte Eigentumsnachweise zurück.

Als Israel 1967 die Kontrolle über die Westbank übernahm, wurde kein umfassendes Verfahren zur Landregelung abgeschlossen. Jahrzehntelang blieb die Registrierung teilweise oder vollständig eingefroren, was sowohl für palästinensische als auch für israelische Bewohner Unsicherheit schuf. Diese Unsicherheit hat Streitigkeiten, Gerichtsverfahren und politische Anschuldigungen von allen Seiten befeuert.

Die jordanischen Vorschriften, die Juden verboten Landbesitz im Gebiet rechtlich registrieren zu lassen, basierten auf Nationalität und Identität. Mit anderen Worten: Juden wurden kategorisch ausgeschlossen, weil sie Juden waren.

Im Gegensatz dazu können arabische Staatsbürger innerhalb Israels sehr wohl Land auf ihren Namen registrieren. Die Registrierung von Eigentum ist nicht an ethnische oder religiöse Zugehörigkeit gebunden. Und so sollte es auch sein.

Kritiker, die Israels Schritt als inhärent rassistisch bezeichnen, erwähnen selten, dass das bereits bestehende System faktisch eine Diskriminierung von Juden kodifizierte.

Die Kabinettsentscheidung, die darauf abzielt, die Grundbucheintragungen unter israelischer Verwaltung wieder aufzunehmen und zu systematisieren, korrigiert somit einen historischen diskriminierenden Fehler. Die Wiederaufnahme der Registrierung überträgt für sich genommen keine Souveränität. Sie schafft formale Eigentumsnachweise in einem Gebiet, dessen endgültiger Status weiterhin Gegenstand von Verhandlungen ist.

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AP: Israel wird umstrittene Landregistrierung in der Westbank beginnen, ein neuer Schritt die Kontroller zu verstärken

Der Kontext zählt

Ob dieser Schritt politisch klug ist, ist eine andere Frage. Aber jede Grundbucheintragung als automatische Annexion zu bezeichnen, vermischt ein juristisches Verfahren mit einem politischen Narrativ.

Die internationale Kritik konzentriert sich auf den größeren Konflikt und die Befürchtung, dass administrative Maßnahmen Fakten vor Ort verfestigen könnten. Diese Sorge ist real und weit verbreitet. Gleichzeitig hat das vor Jahrzehnten entstandene rechtliche Vakuum seine eigenen Folgen. Land auf unbestimmte Zeit unregistriert zu lassen – und das in diskriminierender Weise – prägt die Realität ebenfalls, oft auf undurchsichtige und juristisch unsichere Weise.

Es gibt einen Unterschied zwischen formeller Annexion und administrativer Landregelung. Und es gibt einen Unterschied zwischen dem Aufrechterhalten eines diskriminierenden Einfrierens und der Wiederaufnahme eines Verfahrens, das zumindest formal für alle Bewohner gilt.

Die Leser haben ein Recht darauf, sowohl die politischen Implikationen als auch die rechtliche Vorgeschichte zu verstehen. Ohne diesen Kontext reduziert sich die Geschichte auf Parolen über Annexion auf der einen Seite und Kritik auf der anderen.

Doch die Realität in der Westbank wurzelt – wie üblich – in Schichten aus Recht, Geschichte und konkurrierenden Ansprüchen, die sich nicht in eine einzige Überschrift pressen lassen.

Hinter dem humanitären Heiligenschein: Ärzte ohne Grenzen, Oxfam und World Vision öffentlich entlarvt

Verfasst 21. Februar 2026 von spotplenni
Kategorien: Die Welt und Nahost, Nahost-Konflikt, NGOs, Palästinenser

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Sharon Levy, HonestReporting, 15. Februar 2026

Was haben Ärzte ohne Grenzen (MSF), Oxfam und World Vision gemeinsam? Alle drei haben bewusst die Wahrheit über den Krieg im Gazastreifen verschleiert, indem sie den Missbrauch ziviler und humanitärer Infrastruktur durch die Hamas verdeckten oder Narrative verbreiteten, die die Taktiken der Terrororganisation verschleiern und die Realität von Israels Krieg gegen die Hamas verzerren.

Nach dem Massaker der Hamas am 7. Oktober tauchten umfangreiche Belege dafür auf, wie die Terrororganisation ihre Operationen in Krankenhäusern, zivilen Gebieten und humanitären Strukturen eingebettet hatte. Doch anstatt sich mit den Konsequenzen dieser Realität auseinanderzusetzen, haben viele internationale NGOs und Institutionen das Ausmaß der Ausnutzung durch die Hamas heruntergespielt, ignoriert oder geleugnet.

In den vergangenen Wochen haben neue Enthüllungen über Ärzte ohne Grenzen (MSF), Oxfam und World Vision gezeigt, wie weit sich gemeinnützige Organisationen von ihren eigentlichen Aufgaben entfernt haben.

Alle drei profitierten in den letzten zweieinhalb Jahren von einem starken „Heiligenschein-Effekt“, bei dem ihr Ruf als humanitäre Akteure kritische Fragen zu ihrem Verhalten, ihrer Glaubwürdigkeit und den von ihnen verbreiteten Narrativen überdeckte. Nun ist dieser vermeintliche Heiligenschein zerbrochen und es wächst die öffentliche Skepsis sowie das Misstrauen gegenüber Organisationen, die lange als neutral und unparteiisch galten.

Ärzte ohne Grenzen (MSF)

Zweieinhalb Jahre lang stand Ärzte ohne Grenzen (MSF) abseits und ignorierte bewusst die dokumentierte Nutzung von Krankenhäusern im Gazastreifen durch die Hamas. Das geschah trotz der überwältigenden Beweise, die während des Krieges veröffentlicht wurden und zeigten, dass die Hamas in denselben Krankenhäusern präsent war, in denen auch MSF tätig war.

Erst in der vergangenen Woche räumte MSF ein, dass die Hamas – wie längst bekannt – das Nasser-Krankenhaus als Terrorbasis nutzte. MSF stellte seine Arbeit in dem Krankenhaus ein und erklärte, dass Mitarbeiter und Patienten von „bewaffneten Männern, teils maskiert“, berichtet hätten, die Zivilisten im Krankenhaus einschüchterten und „willkürliche Festnahmen“ durchführten.

Doch bereits vor einigen Monaten sagten ehemalige israelische Geiseln aus, dass sie den Missbrauch von Krankenhäusern durch die Hamas selbst miterlebt hatten und viele von ihnen sind im Nasser-Krankenhaus festgehalten worden. Dort wurden Waffenlager gefunden und die Hamas nutzte es auch als Basis für Verhöre von Palästinensern. Wo war Ärzte ohne Grenzen (MSF) damals?

Yet several months ago, former Israeli hostages testified that they had witnessed Hamas’ abuse of hospitals firsthand, and many were held in Nasser. Stockpiles of weapons have been found in the hospital, and Hamas has also used it as a base to interrogate Palestinians. Where was MSF then?

Als die israelischen Streitkräfte im Nasser-Krankenhaus operierten, beschuldigten die Medien umgehend Israel und deckten die Hamas. Jetzt, nachdem Ärzte ohne Grenzen (MSF) den Missbrauch im Krankenhaus eingeräumt hat, ist von den Medien nichts mehr zu hören.

World Vision

Genauso zeigte NGO Monitor öffentlich Hamas-Dokumente, die eindeutig beweisen, dass World Visions Mitarbeiter Mohammed El-Halabi zu den Funktionären der Terrororganisation gehörte. El-Halabi wurde zuvor von internationalen Hilfsorganisationen als „preisgekrönter“ Mitarbeiter dargestellt.

2022, nachdem El-Halabi von Israel verhaftet und in mehreren Anklagepunkten – darunter Mitgliedschaft in der Hamas – für schuldig befunden worden war, hielt HonestReporting fest, dass Medienberichte das Urteil infrage stellten, allein aufgrund seiner Anstellung bei World Vision. Doch genau diese Anstellung ermöglichte es ihm die Hamas unbemerkt zu unterstützen.

Der Fall El-Halabi steht exemplarisch für eine breitere Zurückhaltung innerhalb der Medien- und NGO-Landschaft, sich mit Belegen für eine Hamas-Infiltration in angesehenen internationalen Organisationen auseinanderzusetzen. Selbst nachdem NGO Monitor neue Erkenntnisse veröffentlichte, zeigte ein Großteil der internationalen Medien kaum Interesse die Geschichte mit derselben Dringlichkeit erneut aufzugreifen, mit der man ihn zuvor verteidigt hatte.

Oxfam

Der Missbrauch von NGOs beschränkt sich nicht darauf, dass Hamas-Mitglieder sich in die Infrastruktur von Krankenhäusern oder Organisationen einschleusen. Oxfam, eine globale NGO, die sich dem Kampf gegen Armut und Ungerechtigkeit verschrieben hat, wurde ironischerweise von ihrer ehemaligen Geschäftsführerin des „Rassismus, Sexismus und Antisemitismus“ beschuldigt.

Helima Begum erklärte in einem Interview mit Channel 4 News, dass die Organisation „rund um die Krise im Gazastreifen unverhältnismäßig stark aktiv gewesen“ sei und sogar den Begriff „Genozid“ ohne jegliche Belege verwendet habe, was einen Mangel an Neutralität innerhalb der Organisation offenlege.

Der Mangel an Neutralität beschränkt sich nicht auf Oxfam, sondern ist Teil eines größeren Problems in globalen Institutionen. Die ehemalige leitende Redakteurin von Human Rights Watch (HRW), Danielle Haas, stellte kürzlich ebenfalls fest, dass die Organisation „spaltende, aggressive Taktiken belohnte – besonders, wenn sie sich gegen Israel richteten“. Als Haas das „fehlende Gleichgewicht“ innerhalb der Organisation ansprach, wurden ihre Bedenken abgetan. In einem Fall, als sie einen Bericht über Mohammed El-Halabi redigierte, bat sie darum, die konkreten Anklagepunkte gegen ihn aufzunehmen, um den notwendigen Kontext zu liefern. Ihre Bitte wurde mit der Begründung abgelehnt, die Anklagepunkte seien „abwegig“.

Das Vorhandensein tief verwurzelten Antisemitismus und politisierten Framings innerhalb solcher Organisationen wirft ernste Fragen zu ihrer moralischen Autorität und ihrer weltweiten Glaubwürdigkeit auf. Denn wenn es um Israel geht, sind sie offensichtlich nicht daran interessiert, die Neutralität zu wahren, die sie für sich beanspruchen.

Die Fälle von MSF, World Vision und Oxfam zeigen, wie humanitäre Organisationen vereinnahmt werden können, um terroristische Akteure zu schützen, während sie gleichzeitig die Glaubwürdigkeit ihres eigenen Auftrags untergraben. Diese Organisationen haben dazu beigetragen ein Narrativ aufrechtzuerhalten, das die Hamas vor Verantwortung schützt und zugleich die Glaubwürdigkeit jener humanitären Prinzipien beschädigt, die sie angeblich vertreten.

Das ist erst der Anfang. In den kommenden Monaten werden wahrscheinlich immer mehr Informationen ans Licht kommen, einschließlich einer Bestätigung der israelischen Darstellung, die so oft entweder ignoriert oder von Medien angegriffen wurde, die es vorziehen die Behauptungen der Hamas als Fakten zu behandeln.

Doch wird die Presse diese Geschichten überhaupt aufgreifen – geschweige denn etwas zurücknehmen, wenn die Beweise unumstößlich sind?

Albaneses jüngste Bemerkungen offenbaren ein Muster der UNO und die Medien dürfen das nicht länger ignorieren

Verfasst 19. Februar 2026 von spotplenni
Kategorien: Antisemitismus, Medieneinseitigkeit, Medienwelt, UNO

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Dr. Rinat Harash, HonestReporting, 16. Februar 2026

Francesca Albanese hat es wieder getan.

Die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für die Palästinenser-Gebiete sieht sich erneut Rücktrittsforderungen ausgesetzt, nachdem ihre Äußerungen bei einem Al-Jazira-Forum in der letzten Woche Antisemitismus-Vorwürfe ausgelöst haben.

Albanese behauptet, ihre Worte seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Doch wenn eine hochrangige UNO-Beamtin mit einer gut dokumentierten Vorgeschichte an aufrührerischer Rhetorik Formulierungen benutzt, die klassischen antisemitischen Sprachbildern auffallend ähneln, liegt das Problem nicht in Fehlzitaten. Es liegt im Urteilsvermögen.

Angesichts ihrer langen Vorgeschichte überrascht es kaum, dass ihre Bemerkungen beim der Al-Jazira-Event über den „gemeinsamen Feind“ der Weltgemeinschaft als Echo klassischer antisemitischer Sprachbilder über jüdische Macht und Einfluss verstanden wurden. Die vollständige Rede (zusätzlich zu einem gekürzten Clip) verbreitete sich rasch in den sozialen Medien. Anstatt klar zwischen Kritik an der Politik der israelischen Regierung und einer Rhetorik zu unterscheiden, die Juden als Kollektiv ins Visier nimmt, verwischte ihre Sprache diese Grenze — und zwar weder zufällig noch einmalig.

In einem peinlichen Versuch, sich selbst reinzuwaschen, postete Albanese später den vollständigen Clip ihrer Rede — versehen mit einer Bildunterschrift, die man nahezu wortgleich aus den Protokollen der Weisen von Zion hätte kopieren können.

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Watch my AJ Forum speech last week: the common enemy of humanity is THE SYSTEM that has enabled the genocide in Palestine, including the financial capital that funds it, the algorithms that obscure it and the weapons that enable it.

Teil eines Musters

Einige Medien — etwa France24 — verteidigten Albanese und behaupteten, ihre Äußerungen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden, wobei sie unterschlugen, dass es sich nicht um einen einmaligen Ausrutscher einer sonst sorgfältigen Beamtin handelt. Es ist Teil eines Musters.

Albaneses Vorgeschichte an aufhetzerischen Aussagen und problematischen Verbindungen ist gut dokumentiert. Wir haben bereits ausführlich dargelegt, dass das Al-Jazira-Forum nicht nur Albanese eine Bühne bot, sondern auch Terroristen wie den Hamas‑Führer Khaled Maschaal. Dieser Kontext ist entscheidend.

Ebenso entscheidend ist, dass dies nicht das erste Mal ist, dass Albanese wegen ihrer Rhetorik Konsequenzen zu spüren bekommt. Wie wir zuvor festgehalten haben, wurde sie bereits von den Vereinigten Staaten sanktioniert — wegen Äußerungen, die Regierungsvertreter als antisemitisch und terrorverharmlosend beschrieben.

Diese Sanktionen wurden nicht leichtfertig verhängt. Sie folgten auf eine dokumentierte Reihe von Aussagen und Handlungen, die als Grenzüberschreitungen wahrgenommen wurden — weg von legitimer Kritik an Israel hin zu Feindseligkeit gegenüber Juden und offener Nähe zu Akteuren, die den USA feindlich gesinnt sind.

Wenn jemand mit einem solchen Hintergrund ein einer Weise von „Macht“ oder „Kontrolle“ spricht, die historische antisemitische Narrative anklingen lässt, ist es keineswegs unvernünftig, dass das Publikum hört, was die Geschichte es gelehrt hat zu hören.

Albaneses Verteidiger argumentieren, sie habe sich lediglich auf politische Lobbyarbeit oder staatliche Politik bezogen. Doch angesichts ihrer Vorgeschichte liegt die Verantwortung mit Präzision und Klarheit zu sprechen bei ihr. Stattdessen sprach sie auf einem Forum, das dafür bekannt ist, israelfeindliche Rhetorik zu verstärken — und verwendete Formulierungen, die erwartbar Empörung auslösten.

Überall in den sozialen Medien beeilten sich viele, die Kontroverse als Missverständnis darzustellen. Schlagzeilen betonten ihre Behauptung, sie sei selektiv zitiert worden. Andere suggerierten, die Kritik an ihren Äußerungen sei politisch motiviert. Was jedoch häufig fehlte, war ein schlichtes Eingeständnis ihrer dokumentierten Vorgeschichte und der kumulativen Wirkung ihrer Rhetorik im Verlauf der Jahre.

Das Thema ist nicht, ob UN‑Beamte Israel kritisieren dürfen. Natürlich dürfen sie das. Das Thema ist, ob eine UNO-Sonderberichterstatterin wiederholt Sprache verwenden kann, die antisemitische Sprachbilder anklingen lässt, bei Foren auftreten kann, die Terroristen eine Bühne bieten — und anschließend jede legitime Kritik als böswillig abtun darf.

Die Vereinten Nationen behaupten universelle Prinzipien zu vertreten und Antisemitismus in all seinen Formen zu bekämpfen. Dieser Maßstab muss auch für ihre eigenen Funktionäre gelten. Wenn mehrere demokratische Regierungen — Frankreich, Italien und Österreich — Albaneses Rücktritt fordern, dann nicht, weil ihre Formulierungen ungeschickt waren. Sondern weil ihr Verhaltensmuster das Vertrauen in ihre Fähigkeit untergraben hat, ihr Mandat unparteiisch auszuüben.

Die Frage ist inzwischen nicht mehr, ob ihre Worte gekürzt oder falsch zitiert wurden. Sondern ob die UNO bereit ist anzuerkennen, dass die Glaubwürdigkeit einer Sonderberichterstatterin mehr erfordert als technische Verteidigungen. Sie erfordert Urteilsvermögen, Verantwortungsbewusstsein und eine unmissverständliche Ablehnung jener Rhetorik, die sich historisch gegen Juden gerichtet hat.

Solange das nicht geschieht, wird die Kontroverse nicht abklingen. Und das sollte sie auch nicht.

Die Bnei Menasche: Von verlorenem israelitischen Stamm zu Bürgern Israels

Verfasst 15. Februar 2026 von spotplenni
Kategorien: Israel

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Chaim Lax, HonestReporting, 4. Februar 2026

In einem kürzlich ausgestrahlten Beitrag auf National Public Radio (NPR) wurde die langjährige Ha’aretz-Redakteurin Judy Maltz zum kürzlich verabschiedeten Plan interviewt, nach dem in den kommenden Jahren Tausende Mitglieder der Gemeinschaft der Bnei Menasche im Nordosten Indiens nach Israel übersiedeln sollen.

Nachdem Maltz kurz erklärt hatte, wer die Bnei Menasche sind, behauptet sie, es gebe Spekulationen darüber, warum die Regierung zugestimmt habe tausende von ihnen nach Israel zu bringen. Laut Maltz lautet die Theorie, dass sie geholt würden, um „die orthodoxe jüdische Gemeinschaft in Israel zu stärken, die tendenziell ziemlich rechtsgerichtet ist“, und dass sie als potenzieller neuer Wählerblock für die Regierung betrachtet würden.

Außerdem deutet Maltz an, dass die Bnei Menasche in die galiläische Stadt Nof HaGalil (früher Nazareth Illit), eine gemischt jüdisch-arabische Stadt, gebracht würden — als Versuch, die jüdische Bevölkerung der Stadt angesichts ethnischer Spannungen zwischen arabischen und jüdischen Bewohnern (wie es in gemischten Gebieten häufig vorkommt) zu stärken.

Beide Behauptungen darüber, warum die Bnei Menasche angeblich nach Israel gebracht werden, sind nicht zu fassen.

Die erste Behauptung, dass die Bnei Menasche hergebracht würden, um das rechtsgerichtete Wählerlager in Israel zu stärken, ist absurd, wenn man bedenkt, dass die Gemeinschaft insgesamt nur etwa 10.000 Mitglieder umfasst. Das entspricht weniger als einem Viertel eines Prozents der wahlberechtigten Israelis. Selbst wenn sie alle die Regierung unterstützen würden, wäre ihr Einfluss auf das Endergebnis der Wahl vernachlässigbar.

Außerdem soll das Programm, 6.000 Mitglieder der Gemeinschaft der Bnei Menasche nach Israel zu bringen, über fünf Jahre verteilt werden und 2030 enden. Die nächste israelische Wahl findet spätestens im Oktober 2026 statt. Wenn die Regierung die Bnei Menasche nur zur Stärkung ihrer Wählerbasis holen würde, kämen diese potenziellen Wähler nicht rechtzeitig zu einer der umstrittensten Wahlen in der israelischen Geschichte an.

Was die zweite Behauptung betrifft, so handelt es sich um eine Unterstellung, die nicht durch Fakten gestützt wird. Die Bnei Menasche werden tatsächlich in das Aufnahmezentrum in Nof HaGalil gebracht (aufgrund der Verbindung des Bürgermeisters zur Gemeinschaft), aber dort ist nicht das einzige Aufnahmezentrum, das sie aufnimmt — sie können zwischen Nof HaGalil und Kiryat Yam, einem Vorort von Haifa wählen. Wenn sie nach Israel gebracht würden, um die jüdische Bevölkerung in gemischt jüdisch-arabischen Gebieten zu stärken, warum hätten sie dann die Möglichkeit, in weniger angespannte Regionen des jüdischen Staates zu ziehen?

Diese zweite Behauptung wird zusätzlich dadurch entkräftet, dass Nof HaGalil weniger ethnische Spannungen erlebt hat als andere gemischt jüdisch-arabische Gebiete. Dieses besondere Merkmal der Stadt wurde von Ha‘aretz nach einem Ausbruch jüdisch-arabischer Spannungen im Jahr 2021 hervorgehoben, als Nof HaGalil nicht die gleichen Unruhen erlebte wie andere Orte. Die Autorin dieses Artikels? Judy Maltz.

Um wirklich zu verstehen, warum die Bnei Menasche nach Israel einwandern, muss man sich die Geschichte der Gemeinschaft, ihre Beziehung zum jüdischen Staat und die Gründe ansehen, warum sie wieder in den Nachrichten ist.

Wer sind die Bnei Menasche?

Zum Verständnis der Bnei Menasche müssen wir zunächst in die Zeit der Bibel zurückgehen. Im 8. Jahrhundert v. Chr. wurde das Königreich Israel (das aus zehn der Stämme Israels bestand) vom Assyrischen Reich erobert und seine Bewohner wurden in andere Länder ins Exil geschickt. Diese Stämme gingen in den Kulturen auf, in die sie verschleppt wurden und gelten seither als „verlorene Stämme“.

Trotz der Assimilation der zehn verlorenen Stämme behaupten verschiedene Völker auf der ganzen Welt, dass sie von diesen ursprünglichen israelitischen Stämmen abstammen.

Eines dieser Völker ist die Gemeinschaft der Bnei Menasche im Nordosten Indiens, die angibt, vom verlorenen Stamm Menasche abzustammen.

Die Gemeinschaft besitzt keine schriftliche Geschichtsschreibung, aber eine starke mündliche Tradition, mit Bräuchen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Nach Angaben der Gemeinschaft stammen sie von einem Vorfahren namens „Menassia“ ab.

Nachdem christliche Missionare die Gemeinschaft mit der Bibel bekannt gemacht hatten, entdeckten sie mehrere Ähnlichkeiten zwischen ihren eigenen Traditionen und dem Judentum. Dazu gehört die Feier eines Festes, das dem Pessachfest ähnelt, sowie ein alter Begräbnischoral, der die Ahnen der Gemeinschaft aufzählt, darunter Menassia, Gelet und Ulam. Diese Namen ähneln dem Namen „Menasche“ und den Namen seiner Nachkommen gemäß der hebräischen Bibel.

Die Bnei Menasche und Israel

Erst in den 1970-er-Jahren kam die Gemeinschaft der Bnei Menasche mit anderen jüdischen Gemeinden in Indien und Israel in Kontakt. Der israelische Rabbiner Eliahu Avichail gab ihnen den hebräischen Namen „Bnei Menasche“ (Söhne Menasches).

Dieser Kontakt mit traditionellen jüdischen Gemeinden führte dazu, dass die Bnei Menasche einen stärker traditionellen jüdischen Lebensstil annahmen, einschließlich Beschneidung und dem Bau von Mikwaot (rituellen Bädern).

Mitglieder der Gemeinschaft begannen in den 1990-er-Jahren nach Israel zu ziehen, doch diese Einwanderung wurde 2003 von der israelischen Regierung vorübergehend gestoppt, bevor sie später wieder aufgenommen wurde.

Im Jahr 2005 entschied Schlomo Amar, der sephardische Oberrabbiner Israels, dass die Bnei Menasche von alten Israeliten abstammen. Dennoch besteht die Haltung des Oberrabbinats darin, dass Mitglieder der Gemeinschaft eine formelle jüdische Konversion durchlaufen müssen, um als Juden zu gelten.

Gleichzeitig ist zu beachten, dass DNA-Tests, die Anfang der 2000-er-Jahre an Mitgliedern der Gemeinschaft durchgeführt wurden, nur geringe Abstammung aus dem Nahen Osten zeigen — möglicherweise aufgrund von Generationen der Vermischung mit Bevölkerungen aus Indien und der umliegenden Himalaya-Region.

Aufgrund dieses gespaltenen Status (als Nachfahren alter Israeliten betrachtet, aber nicht als Juden anerkannt) erfordert die Einwanderung von Mitgliedern der Bnei Menasche die Zustimmung der israelischen Regierung und erfolgte bisher nur in kleinen Wellen. Vor dem aktuellen Einwanderungsplan gab es die letzte größere Einwanderungswelle im Jahr 2020.

Warum der neue Immigrationsplan?

Entgegen den Spekulationen von Judy Maltz darüber, warum die israelische Regierung einem Plan zugestimmt hat, den Großteil der Bnei‑Menasche‑Gemeinschaft nach Israel zu bringen, sind die tatsächlichen Gründe wesentlich überzeugender und unkomplizierter.

Nach Angaben der Regierung geht es bei dem Plan in erster Linie um Familienzusammenführung. Da etwa 40 % der Gemeinschaft in Israel und 60 % in Indien leben, sind viele Familien getrennt und haben sich seit vielen Jahren nicht gesehen. Dieser Plan ermöglicht es ihnen, in Israel wieder vereint zu werden.

Außerdem veranlasste der Mord an Yoel Lhengal im Jahr 2022 — einem 18-jährigen Mitglied der Bnei Menasche in Israel — die Regierung dazu, „sowohl das Ansehen als auch die Stellung der Gemeinschaft der Bnei Menasche innerhalb der israelischen Gesellschaft zu verbessern“.

Hinzu kommt, dass die Bnei Menasche in Indien seit 2023 zwischen die Fronten eines Krieges zweier lokaler Stämme geraten sind. Diese gefährliche Eskalation hat ihre Einwanderung nach Israel noch dringlicher gemacht.

Die Geschichte der Bnei Menasche ist eine faszinierende Verbindung von uralten Wurzeln und moderner Religion.

Die bevorstehende Einwanderung des Großteils der Gemeinschaft nach Israel verdient eine umfassende und differenzierte mediale Berichterstattung, die ihre historischen Ansprüche und Verbindungen zur modernen jüdischen Gemeinschaft beleuchtet und sie nicht vereinfachend als Instrument israelischer politischer Machenschaften darstellt.

Die Instrumentalisierung des Wortes „Ethnostaat“ gegen Israel

Verfasst 12. Februar 2026 von spotplenni
Kategorien: Die Welt und Nahost, Israel, Medieneinseitigkeit, Medienwelt, Nahost-Konflikt

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Sharon Levy, HonestReporting, 4. Februar 2026

Israel bezeichnet sich selbst als Ethnostaat, und etwas anderes zu behaupten wäre eine „lächerliche Lüge“. Zumindest laut Tucker Carlson in einem jüngsten Gespräch mit dem weißen Nationalisten Peter Brimelow.

Da die jüdische Identität matrilinear ist, also eine Person als jüdisch gilt, wenn ihre Mutter jüdisch ist, argumentieren Brimelow und Carlson, dass die jüdische Religion rassisch begründet sei und daher der Staat Israel von Natur aus einen „rassischen Bestandteil“ beinhalte. Da der Staat von Atheisten gegründet worden sei, die sich „rassisch als jüdisch identifizierten“, behauptet Carlson, könne man Israel nur auf diese Weise beschreiben.

Israel ist jedoch nach seiner eigenen Definition kein Ethnostaat in dem Sinne, wie Carlson und sein Gast es darstellen. Es ist keine lächerliche Lüge, dies zu sagen, sondern schlicht das Ergebnis eines grundlegenden Verständnisses der Gesetze des Staates und dessen, was ein Ethnostaat tatsächlich ist. Dennoch hat sich dieser Begriff unter israelfeindlichen Influencern und Journalisten zunehmend verbreitet, um den einzigen jüdischen Staat negativ hervorzuheben – allein deswegen, weil er ein jüdischer Staat ist.

Ein Ethnostaat ist im grundlegenden Verständnis ein Staat, der von einer bestimmten ethnischen Gruppe dominiert wird. Israelfeindliche Influencer haben diesen Begriff jedoch völlig anders ausgelegt, wenn er auf Israel angewendet wird. Denn als Staat mit jüdischer Bevölkerungsmehrheit würde Israel unter dieselbe Kategorie fallen wie andere Staaten mit ethnischer oder kultureller Mehrheit, etwa Japan oder Griechenland.

Aber wenn der Begriff speziell auf Israel angewendet wird, verändert sich seine Bedeutung vollständig und wird zu einem Vorwurf rassistischer Diskriminierung, der auf grundlegenden Fehlinterpretationen israelischer und jüdischer Gesetze beruht.

Die Gründung Israels als jüdischer Staat gewährt gemäß dem Rückkehrgesetz jedem Juden weltweit das Recht, nach Israel einzuwandern. Nach diesem Gesetz ist jeder, der mindestens einen jüdischen Großelternteil hat, berechtigt, Staatsbürger zu werden. Das ist keine rassische Hierarchie, wie Carlson und Brimelow andeuten, sondern eine Politik, die in Volkstum, Geschichte und Zuflucht wurzelt. Das Rückkehrgesetz existiert, weil Juden eine Nation mit einer gemeinsamen Identität sind, die älter ist als moderne Rassenkategorien und weil sie die Tausende Jahre überdauert hat – trotz eines Großteils dieser Zeit im Exil vom Land Israel.

Entscheidend ist, dass die israelische Staatsbürgerschaft nicht auf das jüdische Volk beschränkt ist. Arabische Israelis machen 21 % der Gesamtbevölkerung aus und genießen dieselben Rechte wie jüdische Israelis, einschließlich des Rechts auf Ämter in Regierung und Justiz.

Dennoch hält dies Journalistinnen wie Briahna Joy Gray nicht davon ab, fälschlicherweise und wiederholt immer wieder zu behaupten, Israel verweigere als ethnisch homogener Staat Arabern gleiche Rechte.

Ein grundlegendes Verständnis israelischer Rechtsgrundlagen fehlt antiisraelischen Influencern und Journalisten vollständig, was es ihnen ermöglicht, den Begriff Ethnostaat leichtfertig und in manipulativer Absicht zu verwenden. Dadurch wird das Recht auf Selbstbestimmung im jüdischen angestammten Heimatland als rassistisches Unterfangen umgedeutet – etwas, das gemäß der weithin anerkannten IHRA‑Arbeitsdefinition für Antisemitismus als antisemitisch eingestuft wird.

Durch diese Umdeutung des Begriffs Ethnostaat fühlen sich rechtsextreme Podcaster wie Nick Fuentes ermutigt, ihn auf Israel anzuwenden. Indem er jeden Begriff nutzt, der sich gegen Israel richten lässt, suggeriert Fuentes, dass ein Ethnostaat nicht nur ein Merkmal Israels sei, sondern ein inhärenter Bestandteil des jüdischen Volkes als Kollektiv. Es sei das vermeintliche „Privileg“ der Juden, das den Ethnostaat aufrechterhalte und es ermögliche, einen „Völkermord“ zu begehen und gleichzeitig Kritik auszuweichen. Das jüdische Volk wird als eine rassische Gruppe dargestellt, die in der Lage sei, globale Angelegenheiten zu kontrollieren und daher eine Gefahr für den Rest der Gesellschaft darstelle.

Daher ist es schon ironisch, dass der britische Journalist Owen Jones geschrieben hat, die „westliche extreme Rechte sieht Israel als Modell: einen Ethnostaat, der ihrer Ansicht nach einen gerechten Krieg gegen den Islam führt“, während in Wirklichkeit führende Vertreter der extremen Rechten genau das Gegenteil demonstrieren. Die rechtsextreme Bewegung betrachtet das jüdische Volk als eine Gruppe, die jede Macht, die es angeblich in den USA, in Israel oder anderswo besitzt, missbraucht. Ein jüdischer Staat mit jüdischen Merkmalen wird daher als verdächtig im Sinne eines umfassenderen jüdischen Verschwörungsnarrativs behandelt.

Der pro-palästinensische Influencer Guy Christensen hat den Begriff Ethnostaat auf Israel angewendet und dabei eine Sprache verwendet, die der von Fuentes und Carlson bemerkenswert ähnlich ist. Indem er behauptet, Israel sei ein Staat, der durch Unterdrückung seitens der zionistischen Bewegung entstanden sei, deutet Christensen die nationale Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes zu einem Projekt rassischer Dominanz um.

Die Verallgemeinerung des Begriffs Ethnostaat zeigt daher, dass er etwas völlig andere Bedeutung hat, sobald er nicht auf Israel angewendet wird. Während die politische Rechte Israel als Träger rassischer Macht darstellt, deutet die politische Linke Israel als kollektive koloniale Schuld um und rechtfertigt entsprechend ihre Rhetorik und ihr Handeln. In beiden Fällen dient das Etikett Ethnostaat dazu, die jüdische nationale Identität in ein von Grund auf unmoralisches Projekt umzudeuten.

Israel als Ethnostaat zu bezeichnen, hat weniger mit Präzision zu tun als mit Delegitimierung. Indem jüdische Selbstbestimmung als ein einzigartig illegitimes Anliegen dargestellt wird, ignorieren diejenigen, die diesen Begriff als groben Vorwurf verwenden, die vielen anderen Staaten, die auf ähnlichen ethnischen, nationalen oder kulturellen Grundlagen beruhen. Die Umdeutung des Begriffs, um Israel fälschlich der Suprematie zu bezichtigen, entzieht ihm jeden analytischen Wert und macht ihn zu einer weiteren Waffe gegen den einzigen jüdischen Staat der Welt.

Zur rechten Zeit am rechten Ort: Wie ein einzelnes Gaza-Foto innerhalb weniger Stunden weltweit zur Nachricht wurde

Verfasst 10. Februar 2026 von spotplenni
Kategorien: Medieneinseitigkeit, Medienwelt

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David Katz, HonestReporting, 2. Februar 2026

Am 31. Januar 2026 führte Israel eine Reihe gezielter Angriffe im Gazastreifen durch, nachdem es nach israelischen Angaben einen Verstoß der Hamas und des Islamischen Jihad gegen das bestehende Waffenstillstandsabkommen festgestellt hatte. Laut israelischer Armee (IDF) wurden bewaffnete Kämpfer identifiziert, die aus unterirdischen Anlagen kamen, woraufhin Kommandeure und Waffeneinrichtungen angegriffen wurden.

Innerhalb weniger Stunden kursierte weltweit ein eindrucksvolles Bild des Angriffs. Es erschien auf Fernsehbildschirmen, Zeitungs-Websites und in sozialen Medien in ganz Europa und darüber hinaus und wurde schnell zum visuellen Symbol des Ereignisses.

Wie so oft in diesem Krieg erreichte das Bild die Öffentlichkeit, bevor die meisten Menschen die Hintergründe verstanden hatten. Es prägte die Wahrnehmung unmittelbar und wiederholte sich dann.

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Dasselbe Bild, derselbe Augenblick, überall

Innerhalb eines kurzen Zeitfensters am 31. Januar tauchte derselbe oder nahezu identische Bildausschnitt des Angriffs im Gazastreifen in mehreren großen Medien auf, darunter CNN, Sky News, The Guardian und The Irish Times. Die Fotos wurden derselben kleinen Gruppe von Fotografen aus dem Gazastreifen zugeschrieben und über große Nachrichtenagenturen verbreitet. Blickwinkel, Bildaufbau und Zeitpunkt waren praktisch identisch: eine entfernte, erhöhte Perspektive, die den Moment des Einschlags festhielt — visuell eindrucksvoll und sofort verständlich. Es handelte sich nicht um ähnliche Bilder, die unabhängig voneinander über ein großes Gebiet hinweg aufgenommen wurden. Es war ein einziger visueller Moment, der auf verschiedenen Plattformen kopiert und fast gleichzeitig zu einem globalen Leitmotiv wurde.

Die Fotografen, denen diese Bilder zugeschrieben wurden, sind Abid Rahim Khatib und Bashar Taleb. Khatib arbeitet für Anadolu, die staatliche türkische Nachrichtenagentur und wurde zuvor dabei dokumentiert, wie er am 7. Oktober 2023 gemeinsam mit Hamas-Kämpfern nach Israel eindrang. Taleb arbeitet für Agence France-Presse, eine der größten internationalen Nachrichtenagenturen der Welt. Diese Verbindungen stellen keine Anschuldigung dar, aber sie sind relevanter Kontext. Wenn dieselben Personen, die in einem abgeschlossenen Gebiet arbeiten, wiederholt die Bilder liefern, die die weltweite Berichterstattung prägen, ist es wichtig zu wissen, wer sie sind und welche Organisationen ihre Arbeit verbreiten — um zu verstehen, wie visuelle Narrative entstehen.

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Worauf es wirklich ankommt.

In der Berichterstattung über Konflikte bedeutet Wiederholung Macht.

Wenn dasselbe Bild innerhalb kurzer Zeit in mehreren Medien erscheint, tut es mehr, als einen Artikel zu illustrieren. Es definiert ihn. Für viele Zuschauer wird dieses Bild zum Ereignis. Alles andere – Erklärungen, Stellungnahmen oder Kontext – steht im Schatten dieses visuellen Eindrucks.

Genau das ist hier geschehen.

Schlagzeilen konzentrierten sich auf Opferzahlen. Bildunterschriften betonten die Zahl der Toten. Das Bild, spektakulär, gewaltsam und emotional eindringlich, dominierte die Bildschirme. Die Erklärung der IDF zum Angriff – einschließlich der Behauptung, es habe sich um eine Reaktion auf einen Waffenstillstandsbruch gehandelt und man habe bestimmte Terror-Kommandeure und Infrastruktur ins Visier genommen – war zwar vorhanden, wurde aber selten mit vergleichbarem visuellem Gewicht hervorgehoben.

Das ist nicht ungewöhnlich. Aber Wiederholung macht es folgenreich.

Die Frage der Positionierung

Die technische Unwahrscheinlichkeit spielt eine Rolle. Ein Bild dieser Art aufzunehmen, erfordert weit mehr als bloße Nähe. Ein Teleobjektiv muss bereits montiert und ausgerichtet sein. Die Reaktionszeit wird in Sekunden gemessen, nicht in Minuten. Der Fotograf braucht eine freie Sichtlinie, ausreichende Höhe und genügend Sicherheitsabstand, um sehen zu können, ohne selbst gefährdet zu sein – ein enges und instabiles Zeitfenster in einer aktiven Kampfzone.

Diese Bedingungen machen spontane Aufnahmen unwahrscheinlich. Wenn dieselben Fotografen wiederholt genau solche Perspektiven in entscheidenden Momenten einnehmen können, lässt sich das nicht einfach dem Zufall zuschreiben. Es geht nicht darum, wie das Bild aufgenommen wurde, sondern darum, dass die Bedingungen dafür offenbar regelmäßig bereits gegeben sind.

Solche Bilder sind nicht leicht zu machen.

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Sie erfordern erhöhten Zugang, eine freie Sichtlinie, präzises Timing und Nähe zu Bereichen, die oft gefährlich, eingeschränkt oder streng kontrolliert sind. Dass dieselben Fotografen wiederholt genau diese Positionen in entscheidenden Momenten einnehmen, ist für sich genommen kein Vorwurf. Aber es ist ein Fakt, der Aufmerksamkeit verdient.

Es gab keine öffentliche Warnung, keine Evakuierungsmitteilung und keinen Hinweis vor dem Angriff, der es zivilen Fotografen normalerweise ermöglichen würde, sich an einem solchen Aussichtspunkt zu positionieren.

Der Gazastreifen ist kein offenes Umfeld für Berichterstattung. Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt. Zugang wird kontrolliert. Fotografen bewegen sich nicht einfach frei zwischen Aussichtspunkten, während Ereignisse geschehen.

Die Frage lautet daher nicht: Woher wussten sie, dass ein Angriff stattfinden würde? Sondern: Wie kommt es, dass das visuelle Ökosystem im Gazastreifen dieselben Fotografen immer wieder in optimale Positionen bringt, wenn global prägende Momente stattfinden?

Das ist eine strukturelle Frage über Zugang, Genehmigungen, Beziehungen und die Mechanismen der Bildproduktion in einem abgeschlossenen Gebiet.

Dieser Artikel erhebt keinen Vorwurf der Koordination. Er dokumentiert Wiederholung.

Bildunterschriften, Kontext und das Tempo des Narrativs

Sobald das Bild in Umlauf ist, beschleunigt sich seine Deutung.

Redaktionen brauchen Tempo. Fernsehsender brauchen Bilder. Soziale Plattformen belohnen Unmittelbarkeit. In diesem Umfeld leistet das Bild die Hauptarbeit und der Text kommt kaum hinterher.

Hier erzählte das Bild eine Geschichte der Verwüstung, noch bevor die Leser Erklärungen dazu erhielten, warum der Angriff stattfand, was ihm vorausging oder wer das Ziel war. Selbst wenn solcher Kontext vorkam, war er oft zweitrangig, weiter unten in den Artikeln platziert oder als israelische Behauptung formuliert statt als operative Erklärung.

Das Ergebnis ist nicht unbedingt falsche Berichterstattung. Es ist unausgewogene Berichterstattung, die von der Dominanz der Bilder bestimmt wird.

Ein Muster, kein isolierte Augenblick

Das war nicht das erste Mal, dass ein Bild aus dem Gazastreifen innerhalb weniger Stunden weltweit durch die Medien ging und es wird nicht das letzte Mal sein. Bemerkenswert an diesem Moment ist, wie klar er das dahinterliegende System zeigt: ein kleiner Kreis von Fotografen, ein einziges prägendes Bild, schnelle Verbreitung über Nachrichtenagenturen und nahezu gleichzeitige Übernahme durch zahlreiche Medien.

Wenn sich dieses Muster oft genug wiederholt, ist es kein Zufall mehr. Es wird zur Standardweise, wie der Krieg visuell verstanden wird.

Das Bild vom 31. Januar aus dem Gazastreifen führte nicht in die Irre, weil es gefälscht oder gestellt war. Es führte in die Irre, weil es die Geschichte dominierte, bevor sich die Geschichte überhaupt vollständig formen konnte. Als der Kontext schließlich erschien, hatte das Bild seine Wirkung bereits entfaltet.

Das ist die Macht – und die Gefahr – visueller Konvergenz in einer geschlossenen Konfliktzone. Wenn der Zugang begrenzt ist und Bilder selten sind, tragen die wenigen, die entstehen, ein unverhältnismäßig großes Gewicht. Sie prägen Schlagzeilen, Emotionen und Annahmen, lange bevor die Leser in der Lage sind sie einzuordnen.

Die Frage, die sich daraus ergibt, betrifft nicht die Absicht, sondern die Verantwortung.

Wer entscheidet, welche Bilder einen Krieg definieren und warum sind es so oft dieselben Fotografen, dieselben Blickwinkel und dieselben Momente, die für Millionen sprechen?

Wenn Terroristen zugeben, dass ihre Raketen Gazaner töten und Medien die Story nicht erzählen wollen

Verfasst 9. Februar 2026 von spotplenni
Kategorien: Die Welt und Nahost, Medieneinseitigkeit, Medienwelt, Nahost-Konflikt, Palästinenser

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Dr. Rinat Harash, HonestReporting, 28. Januar 2026

Ein im Gazastreifen beschlagnahmtes Dokument, über das der israelische öffentlich-rechtliche Sender Kan berichtete, legt eine Realität offen, die stark im Widerspruch zu einem großen Teil der weltweiten Berichterstattung über den Krieg steht: Palästinensische Zivilisten wurden seit Langem durch palästinensische Raketen getötet, und die Terrorführer wussten es, sprachen darüber und nahmen es hin.

Das Dokument hält ein Treffen zwischen Funktionären der Hamas und des Palästinensischen Islamischen Jihad fest, das vor dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 und dem darauf folgenden Krieg stattfand. Darin konfrontieren Vertreter der Hamas die Führung des Islamischen Jihad mit einem tödlichen und wiederkehrenden Problem: Raketen, die fehlgehen und im Gazastreifen einschlagen und Zivilisten töten.

„Eure Raketen fallen auf die Häuser der Menschen und das ist ein wiederkehrendes Problem“, wird ein Hamas-Funktionär zitiert.

Die Antwort des Islamischen Jihad ist noch belastender. „Wir befinden uns im Krieg“, erwidert ein ranghoher Vertreter der Terrorgruppe. „Selbst wenn tausend Menschen durch eigenes Feuer getötet werden, das ist der Preis des Krieges.“

Das ist kein Missgeschick auf dem Schlachtfeld, das im Nachhinein eingeräumt wird. Es ist ein ausdrückliches Eingeständnis vor dem Krieg, dass palästinensische Terrororganisattionen wussten, dass ihre Waffen regelmäßig Zivilisten töteten — und dass sie diese Todesfälle als akzeptabel betrachteten.

Das Dokument hält außerdem fest, dass Vertreter des Islamischen Jihad zugaben, dass sie wussten, dass ihre Raketen fehlerhaft waren. Laut dem Bericht wurden die Waffen anhand von Bauplänen hergestellt, die von den Islamischen Revolutionsgarden des Iran geliefert wurden. Mit anderen Worten: Es wurden bewusst unzuverlässige Raketen produziert, aus dicht besiedelten Gebieten abgefeuert und man rechnete damit, dass sie zu kurz fliegen würden.

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Bild des beschlagnahmten Dokuments, wie es vom Sender Kan gezeigt wurde.

Medien-Annahmen

Das ist wichtig, denn es untergräbt eine zentrale Annahme, die die Berichterstattung über den Gazastreifen seit Jahren dominiert und sich nach dem 7. Oktober noch verstärkt hat: dass zivile Opfer fast ausschließlich das Ergebnis israelischen Feuers seien.

Der Bericht von Kan beziffert nicht, wie viele Menschen im Gazastreifen durch palästinensische Raketen getötet wurden. Aber er zeigt etwas auf, dem sich Journalisten konsequent verweigert haben: Die Terrororganisationen selbst geben zu, dass ihr eigenes Feuer Zivilisten tötet — und dass dies seit Jahren geschieht.

Diese Realität wurde zehn Tage nach Beginn des Krieges kurz sichtbar, als eine PIJ‑Rakete im Hof eines Krankenhauses im Gazastreifen explodierte und [angeblich] hunderte Palästinenser tötete. Israel wurde sofort von großen Teilen der internationalen Medien die Schuld gegeben. Erst später tauchten Beweise auf, dass die Explosion durch eine fehlgeleitete palästinensische Rakete verursacht worden war.

Das nun veröffentlichte Dokument zeigt, dass dieser Vorfall keine Ausnahme war. Es war ein bekanntes Risiko, das intern lange vor dem 7. Oktober diskutiert wurde.

Warum hat diese Enthüllung außerhalb Israels also kaum Beachtung gefunden?

Journalisten rechtfertigen sich oft damit, dass sie sich auf Opferzahlen verlassen und mit den Nebel des Kriegs. Aber hier gibt es keinerlei Unklarheit. Das ist ein Primärdokument, das interne Gespräche zwischen Terrororganisationen beschreibt, in denen sie sich gegenseitig für Waffenversagen kritisieren und zivile Todesfälle ausdrücklich als hinnehmbar bezeichnen.

Wenn ein solches Dokument auftauchen würde, in dem israelische Beamte zivile Todesfälle als „Preis des Krieges“ abtun, würde es weltweit die Schlagzeilen dominieren. Wenn Terrororganisationen es untereinander sagen, wird dem mit Schweigen begegnet.

Diese selektive Aufmerksamkeit hat Folgen. Medien berichten routinemäßig über Opferzahlen im Gazastreifen, ohne zu fragen, wie viele durch palästinensisches Feuer verursacht wurden. Sie überdenken selten frühere Behauptungen, wenn neue Beweise auftauchen. Und sie prüfen das Verhalten der Terrororganisationen fast nie mit derselben Intensität, die sie auf Israel anwenden.

Der Bericht von Kan deckt nicht nur die Rücksichtslosigkeit palästinensischer Terrororganisationen auf, sondern auch die mangelnde Bereitschaft der Medien sich damit auseinanderzusetzen. Indem sie Beweise ignorieren, die ein vereinfachtes Narrativ infrage stellen, berauben Journalisten ihr Publikum wesentlichen Kontextes und der Möglichkeit, Verantwortlichkeiten zu erkennen.

Dieses Dokument entbindet Israel nicht von kritischer Betrachtung. Aber es verlangt, dass Journalisten aufhören, palästinensische bewaffnete Gruppen wie passive Akteure zu behandeln, deren Handlungen für zivile Opfer keine Rolle spielen.

Dass Terroristen ihre eigenen Zivilisten töten, ist keine Randnotiz. Es ist ein zentraler Fakt dieses Konflikts. Die Frage ist nicht mehr, ob es die Beweise gibt.

Sondern warum so viele Medien sich entscheiden, nicht darüber zu berichten.

Dass Ran Gvili auf einem muslimischen Friedhof vergraben wurde, ist nur das jüngste Beispiel der Ausnutzung heiliger Stätten durch die Terroristen

Verfasst 6. Februar 2026 von spotplenni
Kategorien: Islam+Islamisten, Israel, Nahost-Konflikt, Palästinenser

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Chaim Lax, HonestReporting, 28. Januar 2026

Mitten in der bittersüßen Freude über die Bergung des Leichnams von Ran Gvili, der letzten israelischen Geisel im Gazastreifen, wurde von vielen kaum erwähnt, dass die Terrororganisation Islamischer Jihad ihn auf einem muslimischen Friedhof im Gazastreifen begraben hatte. Andere wiederum haben genau dies als ein besonders deutliches Beispiel für die zynische Ausnutzung muslimischer Heiligtümer durch die Hamas und andere palästinensische Terrororganisationen hervorgehoben.

Die zwei palästinensischen Analysten Hamza Howidy und Ahmed Fouad Alkhatib wiesen beide in den sozialen Medien darauf hin, dass die zynische Nutzung eines muslimischen Friedhofs für terroristische Zwecke eine Entweihung des heiligen Ortes darstellt und ein finsteres Manöver ist, das Terroristen in ihrem Krieg gegen Israel einsetzen.

Hamza kommentierte, dass „die Tatsache, dass der Leichnam auf einem Friedhof in Gaza versteckt wurde – ohne Respekt für den Toten noch für die Heiligkeit der dort Begrabenen – zeigt, auf welches Niveau diese Milizen gesunken sind: Sie instrumentalisieren selbst den Tod für politische und militärische Zwecke.“

Alkhatib äußerte sich ähnlich und schrieb auf X, dass die Hamas und verbündete Terrororganisationen durch das Verstecken der Leichen von Gvili und anderen Geiseln auf muslimischen Friedhöfen nicht nur das heilige Gelände entweihten (es sei angemerkt, dass Nichtmuslime traditionell nicht auf muslimischen Friedhöfen bestattet werden dürfen), sondern auch die dort Begrabenen als Figuren in ihrem krankhaften Propagandaspiel missbrauchten.

Mit der Beerdigung von Geiseln auf Friedhöfen begruben, wussten sie die palästinensischen Terrororganisationen, dass israelische Kräfte Gräber öffnen würden, in der Hoffnung, ihre entführten Landsleute zu finden. Das störte nicht nur die letzte Ruhestätte Tausender verstorbener Palästinenser, sondern lieferte der Hamas zugleich einen propagandistischen Vorwand: Israelische Streitkräfte schänden palästinensische Friedhöfe.

Wie zu erwarten, fielen mehrere Medienorganisationen (darunter CNN, Le Monde und die Associated Press) auf dieses Manöver herein und veröffentlichten Berichte über angeblich mutwillige Zerstörung von Friedhöfen im Gazastreifen durch Israel.

Auch jetzt, bei der Rückführung von Gvilis Leichnam, haben verschiedene Online-Persönlichkeiten und Organisationen Israel für die Schändung eines Friedhofs im Gazastreifen verantwortlich gemacht – ganz im Sinne der Propagandamaschine der Hamas.

Die Beisetzung von Gvilis Leichnam auf einem muslimischen Friedhof in Gaza mag dreist sein, aber sie war nicht überraschend. Sowohl Hamas als auch der Islamische Jihad haben eine lange Geschichte der Ausnutzung muslimischer heiliger Stätten für ihre terroristischen Zwecke.

Im gesamten Krieg nach dem 7. Oktober gegen die Hamas (und auch in früheren Israel‑Hamas‑Konflikten) gab es zahlreiche Fälle, in denen entdeckt wurde, dass die Hamas und andere Terrororganisationen muslimische heilige Orte für Terroraktivitäten missbrauchten.

Zu diesen Vorfällen gehören:

  • Die Verwendung des „alten Friedhofs“ in Khan Junes durch ein bewaffnetes Terrorkommando, das mit Gewehren, RPGs und Granaten ausgerüstet war (2025).
     
  • Die Entdeckung eines Raketenwerfers auf einem Friedhof im Gebiet Daraj Tuffah (2025).
     
  • Die Entdeckung eines Tunnelsystems unter einer Moschee in Rafah (2024).
  • Die Entdeckung eines Tunnelschachts und von Waffen in einer Moschee in Khan Junes (2024).
     
  • Die Aufdeckung eines Tunnels sowie von Terroristen, Waffen und eines Kommandopostens unter dem Friedhof von Bani Suheila (2024).
     
  • Die Zerstörung einer Hamas-Führungs- und Kontrollzentrale, die sich in einer Moschee in Gaza-Stadt befand (2024).
     
  •  Der Abschuss von Raketen durch den Islamischen Jihad von einem Friedhof im Gazastreifen, von denen eine fehlgeleitet wurde und den Bereich vor dem Al-Ahli‑Krankenhaus traf (2023).
     
  • Die Verwendung einer Moschee in Jabaliya für RPG‑Training und zur Lagerung von Waffen (2023).
     
  • Die Verwendung der Al-Farouq-Moschee im Flüchtlingslager Nuseirat zur Lagerung von Waffen und Raketen sowie als Hamas‑Kommandoposten (2014).
     
  • Die Verwendung der Al-Khulafaa-Moschee in Jabaliya und anderer Moscheen im Gazastreifen zur Lagerung von Waffen und Raketen sowie für Waffentraining (2009).

Es ist offensichtlich, dass die Hamas und der Islamische Jihad keinerlei Skrupel haben muslimische heilige Stätten im Gazastreifen für ihre terroristischen Zwecke auszunutzen und zu missbrauchen. Die Beerdigung von Ran Gvili auf einem muslimischen Friedhof ist nur das jüngste Beispiel dafür.

Am Holocaust-Gedenktag entlarvt der Leitfaden der Hamas für eine „saubere“ Rhetorik die Lüge im Kern ihrer PR-Strategie

Verfasst 5. Februar 2026 von spotplenni
Kategorien: Antisemitismus, Die Welt und Nahost, Nahost-Konflikt, Palästinenser

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Dr. Rinat Harash, HonestReporting, 27. Januar 2026

Während die Welt an diesem Internationalen Holocaust-Gedenktag innehält, um sich daran zu erinnern, was geschieht, wenn Hass offen ausgesprochen, öffentlich umgesetzt und zu lange ignoriert wird, soll dieser Tag moralische Klarheit schärfen. Genau deshalb ist ein neu aufgetauchtes Hamas-Dokument jetzt von Bedeutung.

Denn es zeigt, dass die Hamas den Holocaust sehr gut versteht. Nicht als Verbrechen, sondern als Kommunikationsproblem.

Ein internes Hamas-Dokument aus dem Jahr 2022, das während des Israel-Hamas-Krieges von der IDF im Gazastreifen beschlagnahmt und vor kurzem veröffentlicht wurde, legt eine ausgefeilte Strategie dar, wie westliche Zielgruppen manipuliert werden können, indem antisemitische Inhalte aus der externen Kommunikation entfernt, intern jedoch beibehalten werden. Das Ziel ist keine Mäßigung, sondern Verschleierung.

Das Heft mit dem Titel „Leitfaden für den Palästinenser-Sprecher in der Welt“ liest sich weniger wie Ideologie und mehr wie ein Handbuch für Öffentlichkeitsarbeit. Sein Zweck, so erklärt die Hamas, sei es, Sprecher dabei zu unterstützen, „positive mediale Aufmerksamkeit zu erzielen“ und Sympathie in westlichen Medienumgebungen zu gewinnen.

Die Methode ist bewusst doppeldeutig.

Auf Seite 7 weist der Leitfaden Hamas-Vertreter ausdrücklich an Begriffe zu vermeiden, die westliche Sensibilitäten auslösen, darunter Nationalsozialismus und Holocaust. „Man muss sich der großen Sensibilität und der schweren historischen Belastung bestimmter Begriffe in der westlichen Welt bewusst sein“, heißt es in dem Dokument, das davor warnt, bei nicht-muslimischen Zielgruppen von „Nazi-Praktiken“ oder „dem Holocaust“ zu sprechen.

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Deckblatt des Hamas-Führers’ „Guide for the Palestinian Spokesman in the World“
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Eine Seite aus dem Hamas-Führer „Guide for the Palestinian Spokesman in the World“
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Dank an das Meir Amit Intelligence and Terrorism Information Center

Antisemitismus vs. Außenwirkung

Das Problem, so erklärt die Hamas, ist nicht der Antisemitismus. Das Problem ist die Außenwirkung.

Der Leitfaden geht aber weiter. Er warnt Sprecher davor, von „den Juden“ oder „der jüdischen Lobby“ zu sprechen – nicht, weil solche Behauptungen falsch wären, sondern weil sie „dem palästinensischen Diskurs schaden“, indem sie ihn rassistisch und extrem erscheinen lassen.

Er warnt ausdrücklich davor klassische antisemitische Verschwörungstheorien wie „jüdische Kontrolle der Medien“ zu verwenden oder auf die Protokolle der Weisen von Zion zu verweisen – nicht, weil sie Lügen wären, sondern weil sie dem Image der Hamas schaden und Israels „Propaganda“ helfen.

Mit anderen Worten: Hör nicht auf es zu denken. Sag es nur nicht laut.

Einer der aufschlussreichsten Abschnitte des Dokuments identifiziert das historische jüdische Leid offen als Hindernis für die weltweite Kampagne der Hamas. Der Leitfaden beklagt „den Einfluss des historischen Leidens der Juden in Europa“, besonders in Deutschland, wo Hinweise auf eine „historische Verpflichtung gegenüber Juden“ heute angeblich eine „unfaire Voreingenommenheit zugunsten der zionistischen Entität“ rechtfertigen.

Das ist keine Ablehnung von Antisemitismus. Es ist das Eingeständnis, dass Antisemitismus lästig ist.

Genehmigtes Glossar

Um damit umzugehen, liefert die Hamas sogar ein Glossar „falscher“ Begriffe und ihrer genehmigten Ersatzformulierungen. „Juden töten“ darf niemals gesagt werden. Der bevorzugte Ausdruck lautet „den zionistischen Besatzer töten“. Die Unterscheidung ist taktisch, nicht moralisch.

Daraus entsteht ein klares Bild davon, wie die Hamas ihre Sprache an westliche Ohren anpasst, während sie intern eine völkermörderische Weltanschauung beibehält. Es ist das rhetorische Äquivalent dazu Blutspuren aus einer Uniform zu waschen, bevor man vor eine Kamera tritt.

Das ist wichtig, weil es funktioniert.

Westliche Medien geben regelmäßig Personen mit Hamas-Bezug eine Plattform, die fließend in der bereinigten Sprache sprechen, die dieser Leitfaden vorgibt. Begriffe wie „koloniales Projekt“, „Widerstand“ und „Völkerrecht“ ersetzen offene Aufrufe zur Auslöschung von Juden. Das Ergebnis ist eine Bewegung, die sich als menschenrechtsorientiert präsentiert, während sie Massenmord praktiziert.

HonestReporting hat wiederholt dokumentiert, wie die Hamas globale Mediennarrative manipuliert, Journalisten im Gazastreifen unter Druck setzt und Berichterstattung durch Angst und disziplinierte Botschaften steuert. Der Leitfaden bestätigt, dass dies nicht zufällig geschieht. Es ist Politik.

Am Holocaust-Gedenktag sollte dieses Dokument als Warnung dienen.

Hass kündigt sich nicht immer mit Hakenkreuzen an. Manchmal kommt er in der Sprache der Menschenrechte daher, sorgfältig für westliche Ohren bearbeitet, während seine Sprecher angewiesen werden, über den Völkermord zu schweigen, den sie bewundern oder zu wiederholen hoffen.

Des Holocausts zu gedenken bedeutet nicht nur die Toten zu betrauern. Es bedeutet, die Verkleidungen zu erkennen, die das Böse zu tragen lernt.

Und die Hamas hat das Handbuch dazu geschrieben.

Nein, die IDF hat die Opferzahlen der Hamas nicht anerkannt

Verfasst 4. Februar 2026 von spotplenni
Kategorien: Israel, Nahost-Konflikt, Palästinenser

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Rachel O’Donoghue, HonestReporting, 1. Februar 2026

„Israelisches Militär räumt angeblich 70.000 Tote in Gaza ein, nachdem es zuvor die Angaben des Gesundheitsministeriums angezweifelt hatte“, titelte CNN. Die israelischen Streitkräfte hätten in einem Briefing für israelische Journalisten „eingestanden, dass im Gaza-Krieg etwa 70.000 Palästinenser getötet wurden und die Zahlen des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen weitgehend korrekt sind.“

Ähnliche Meldungen, die jeweils behaupteten, das israelische Militär habe nun die Opferzahlen der Hamas akzeptiert, erschienen schnell in großen Medien wie Reuters, BBC, The Guardian und The Times.

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Die Behauptung verbreitete sich ebenso schnell in den sozialen Medien. Altbekannte israelfeindliche Kritiker griffen die Schlagzeilen auf und präsentierten sie als angeblichen Beweis dafür, dass Israel während des gesamten Krieges über zivile Opferzahlen gelogen habe. Mehdi Hasan etwa behandelte die Zahl als Bestätigung – wobei er praktischerweise übersah, dass er Israel zuvor beschuldigt hatte, mehr als 100.000 Menschen im Gazastreifen getötet zu haben, also eine weit höhere Zahl als jene, die er nun akzeptiert.

Auch Piers Morgan verstärkte die Behauptung, indem er einen Link zum Bericht von Haaretz weiterverbreitete und erklärte: „Seit über zwei Jahren haben die meisten meiner pro-israelischen Gäste wütend die Opferzahlen des Gesundheitsministeriums in Gaza bestritten und gesagt, sie seien völlig übertrieben. Jetzt hat die IDF akzeptiert, dass sie korrekt sind.“

Kurz darauf veröffentlichte das israelische Militär eine Art Klarstellung. In einer direkten Antwort an Morgan schrieb IDF‑Sprecher Nadav Shoshani auf X, dass „die veröffentlichten Details keine offiziellen Daten der IDF widerspiegeln. Jede Veröffentlichung oder jeder Bericht zu diesem Thema wird über offizielle und geordnete Kanäle erfolgen.“

Die Erklärung deutete darauf hin, dass das israelische Militär die Opferzahlen der Hamas nicht als offizielle Daten betrachtete.

Die gesamte Geschichte, die israelische Armee unterstütze die Hamas-Zahlen, geht auf Äußerungen einer ungenannten Quelle in einer Hintergrundbesprechung zurück, nicht auf die eines autorisierten Sprechers oder Experten für Opferzahlen und sollte nicht als offizielle Bestätigung der Hamas-Zahlen verstanden werden.

Doch selbst als diese Falschbehauptung die Schlagzeilen beherrschte, verschleierte sie das weitaus wichtigere Problem. Es ging nie darum, ob die Hamas-Zahlen „akzeptiert“ wurden. Das wurden sie nicht. Die Frage ist vielmehr, was diese Zahlen tatsächlich beinhalten – wer von wem und unter welchen Umständen getötet wurde.

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Hinter den Zahlen

Die umfassendste forensische Untersuchung der Opferzahlen aus dem Gazastreifen wurde von Salo Aizenberg, Vorstandsmitglied von HonestReporting, durchgeführt. Er analysierte die vom Gesundheitsministerium in Gaza während des gesamten Krieges veröffentlichten Todeslisten. Seine neueste detaillierte Aufschlüsselung der Behauptung von 70.000 Toten finden Sie hier:

Um Aizenbergs Befunden zusammenzufassen: Das Gesundheitsministerium der Hamas meldet 70.125 Tote, doch seine Listen unterscheiden weder zwischen Zivilisten und Kombattanten noch zwischen Kriegsopfern und natürlichen Todesfällen oder zwischen durch die IDF verursachten Todesfällen und solchen, die auf Hamas oder andere interne Akteure zurückgehen. Während das Fehlen einer Kennzeichnung von Kombattanten in der Medienberichterstattung gelegentlich erwähnt wird, werden die übrigen Kategorien weitgehend ignoriert – als hätten natürliche Todesfälle und interne Gewalt während zwei Jahren Krieg im Gazastreifen einfach aufgehört zu existieren.

Natürliche Todesfälle sind daher in der Gesamtzahl enthalten. Vor dem Krieg verzeichnete der Gazastreifen im Durchschnitt etwa 6.800 natürliche und Säuglingstodesfälle pro Jahr. Im Jahr 2025 räumte die Hamas ein, dass einige der aufgeführten Todesfälle natürliche Tode seien, doch sie hat diese nie herausgerechnet. Eine konservative Schätzung veranschlagt rund 11.000 natürliche Todesfälle innerhalb der genannten Gesamtzahl.

Auch Fehler und Unstimmigkeiten bestehen weiterhin, darunter Fehlidentifizierungen, Personen, die in früheren Konflikten getötet wurden, sowie Patienten, die den Gazastreifen für medizinische Behandlung verlassen hatten, später aber als tot geführt wurden. Diese machen schätzungsweise 1.000 Fälle aus.

Nach Abzug natürlicher Todesfälle und verbleibender Fehler bleiben rund 58.000 Tote übrig, die plausibel kriegsbedingt sind.

Nicht alle diese Todesfälle wurden von Israel verursacht. Dokumentierte Hinrichtungen durch Hamas, interne Gewalt, Schüsse bei Hilfsgüter-Unruhen und fehlgeleitete Raketen verursachten schätzungsweise 4.000 Todesfälle, die routinemäßig der IDF zugeschrieben werden.

Die von der Hamas selbst veröffentlichten Daten zeigen zudem ein auffälliges Verhältnis von 3:1 zwischen Männern im kampffähigen Alter und Frauen unter den Toten – ein starkes demografisches Indiz für umfangreiche Kombattantenverluste statt wahlloser Tötung von Zivilisten.

Die IDF schätzt, dass etwa 25.000 Hamas- und verbündete Kämpfer getötet wurden – eine Zahl, die mit den Gefechtsverläufen und der dokumentierten Notfallrekrutierung der Hamas übereinstimmt. Tausende Kombattanten tauchten in den Listen der Hamas überhaupt nicht auf.

Die Rekonstruktion der Daten ergibt rund 61.000 Todesfälle, die auf Handlungen der IDF zurückzuführen sind: etwa 25.000 Kombattanten und 36.000 Zivilisten – eine Aufschlüsselung, die in deutlichem Gegensatz zu Behauptungen steht, Israel betreibe wahllose oder überwältigende Tötung von Zivilisten.

Warum 70.000 so vertraut klingt

Es liegt eine bittere Ironie darin, dass die Medien nun plötzlich darauf bestehen, die Opferzahlen der Hamas müssten „von Anfang an zuverlässig“ gewesen sein – zumal dieselben Medien etwas mehr als ein Jahr zuvor, im Januar 2025, bereits Behauptungen verbreiteten, wonach im Gazastreifen 70.000 oder mehr Menschen getötet worden seien.

Diese früheren Behauptungen stammten nicht von der Hamas selbst, sondern von modellbasierten „Übersterblichkeits“-Schätzungen, die in The Lancet veröffentlicht wurden – einer Zeitschrift, die im Verlauf des Krieges wiederholt extrem spekulative Opfermodellierungen zum Gazastreifen publiziert hat. Eine dieser Studien schätzte 64.260 „Todesfälle durch traumatische Verletzungen“ zwischen dem 7. Oktober 2023 und dem 30. Juni 2024. Zu diesem Zeitpunkt meldete das Hamas-geführte Gesundheitsministerium in Gaza etwas mehr als 37.000 Tote.

CNN, das nun suggeriert, Israel habe seine Kritik an den Hamas-Daten irgendwie zurückgenommen, griff diese Schätzungen im Januar 2025 auf und berichtete, die Zahl der Toten im Gazastreifen könne „deutlich höher“ liegen als die Angaben des Ministeriums – basierend auf einer angeblichen Untererfassung von 41 %. Reuters meldete das. Ebenso The New York Times und NBC News. [Anmerkung: Deutsche Medien, allen voran der SPIEGEL, haben das genauso gemacht.]

Der Punkt ist nicht, dass dieselbe Zahl wieder auftaucht, sondern dass das zugrunde liegende Narrativ konstant geblieben ist, obwohl ihre Quelle wechselte – ohne jede Prüfung dessen, was die Zahlen tatsächlich messen, voraussetzen oder ausklammern.

Die Zahl wurde nicht erst in diesem Jahr bedeutsam oder außergewöhnlich hoch. Bereits mehr als ein Jahr zuvor wurde sie – aus einer anderen Quelle – herangezogen, um dieselbe Schlussfolgerung zu stützen: dass Israel überwältigend viele zivile Opfer verursacht habe.

Das ist die durchgehende Linie. Während des gesamten Krieges wurden von der Hamas gelieferte Zahlen und darauf basierende Schätzungen als grundsätzlich glaubwürdig behandelt, ohne ernsthafte Bemühungen, sie kritisch zu hinterfragen.

Drei Dinge, die man im Kopf behalten sollte

  1. Die von der Hamas genannte Gesamtzahl wirft alle Todesfälle in einen Topf – Kombattanten, Zivilisten, natürliche Todesfälle und interne Tötungen – und schreibt sie alle Israel zu.
     
  2. Rund 25.000 der Getöteten waren Kämpfer, und Tausende weitere Todesfälle wurden überhaupt nicht von Israel verursacht.
     
  3. Das Verhältnis von zivilen zu kämpfenden Toten liegt bei etwa 1,5:1, was bedeutet, dass auf jeden Kombattanten ungefähr eineinhalb Zivilisten kommen – ein Wert, der erhebliche Kombattantenverluste widerspiegelt und nach Maßstäben moderner urbaner Kriegsführung niedrig ist.

Das – nicht die verzerrten Schlagzeilen – ist es, was die Zahl „70.000“ tatsächlich aussagt.

Am Holocaust-Gedenktag vergaß die Welt, dass Juden das Ziel waren

Verfasst 2. Februar 2026 von spotplenni
Kategorien: Geschichte, UNO, USA

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Sharon Levy, HonestReporting, 28. Januar 2026

Nach den Schrecken des Holocaust wählten die Vereinten Nationen den 27. Januar – den Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau – um der sechs Millionen von den Nazis ermordeten Juden zu gedenken.

Bemerkenswerterweise vergaß ein großer Teil der internationalen Gemeinschaft am vergangenen Holocaust-Gedenktag genau jene Menschen, die an diesem Tag befreit wurden – die Juden. Anstatt das industrialisierte Ausmaß des Völkermords anzuerkennen, der gezielt darauf abzielte, das jüdische Volk auszulöschen, verallgemeinerte die internationale Gemeinschaft ihre Stellungnahmen und verwendete vage Formulierungen, die den Holocaust zu einem beliebigen historischen Ereignis herabstuften.

Heutzutage ist die UNO nicht unbedingt ein großer Freund des jüdischen Volkes. Dennoch ist es schockierend, dass die Erklärung der Weltorganisation zum Holocaust-Gedenken es versäumte, die sechs Millionen ermordeten Juden zu erwähnen.

Die Erklärung verzerrte das Gedenken an den Holocaust, indem sie behauptete, er habe mit „Apathie und Schweigen angesichts von Ungerechtigkeit“ sowie der „Entmenschlichung des Anderen“ begonnen. Doch der Holocaust begann damit, dass das jüdische Volk exklusiv zum Sündenbock der Gesellschaft gemacht wurde, was der Gesellschaft erlaubte in jeder Richte von einem tiefen Hass durchdrungen zu werden. Es war mehr als Entmenschlichung, sondern eine gezielte Strategie, die Juden als eine andere Art von Menschen darzustellen und sie damit der brutalen Erniedrigung jüdischen Lebens in der europäischen Gesellschaft auszusetzen. Diese Lügen ermöglichten es dem Durchschnittsbürger wirklich zu glauben, dass die Verbrechen am jüdischen Volk zum Wohle der Gesellschaft begangen würden.

Der Moderator der Sendung „Today“ von BBC Radio 4 merkte an, dass Gebäude beleuchtet würden, um der „sechs Millionen Menschen zu gedenken, die vom NS-Regime ermordet wurden“. Nicht Juden, nur „Menschen“.

Die BBC hat sich inzwischen entschuldigt. Dass es überhaupt dazu kam, weist jedoch auf einen beunruhigenden Verfall historischer Bildung hin. Auch wenn der Fehler möglicherweise ohne böswillige Absicht gemacht wurde, nehmen Holocaust-Bildung und -Bewusstsein ab. Solche Aussagen können die Fehlinformationen weiter verstärken, die zum Rückgang korrekten Wissens über den Holocaust und zur Normalisierung der Auslöschung jüdischer Identität beitragen.

Der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani erkannte das Leben von sechs Millionen Juden an. Allerdings fügte er hinzu: Die Millionen anderer, die sinnlos vom NS‑Regime ermordet wurden“. Damit höhlte er bewusst die eigentliche Bedeutung des Holocaust aus – die gezielte Vernichtungskampagne gegen das jüdische Volk – und verwässerte sie, indem er sie mit Millionen anderer Opfer der Nazis vermischte. Er verwandelte den Holocaust damit faktisch von einem spezifisch jüdischen Ereignis in ein universelles.

Mandanis Handlungen im Kampf gegen Antisemitismus bleiben bislang hinter seinen Worten zurück. Die jüdische Gemeinschaft in New York bleibt weiterhin das größte Ziel von Hasskriminalität und der Bürgermeister hat durch seine frühere Sprache aktiv dazu beigetragen, unter anderem durch seine Weigerung, die Parole „Globalize the intifada“ zu verurteilen, sowie durch seine offene Unterstützung der Bewegung Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen (BDS). Das verschafft Antisemiten eine bequeme Grundlage für ihre Überzeugungen und signalisiert, dass die sich gegen Juden gerichtete eine Rhetorik normalisiert oder entschuldigt werden kann, solange man gelobt, „alle Formen von Hass abzulehnen“, wie es Mamdani machte.

Der Ruf „Nie wieder!“ soll das Andenken an die sechs Millionen Juden bewahren und sicherstellen, dass sich ein solcher Völkermord nie wiederholt. Er appelliert an die Nationen, moralische Passivität abzulehnen, der Normalisierung von Antisemitismus entgegenzuwirken und einzugreifen, bevor die Rhetorik in Vernichtung umschlägt. Dennoch hat der kanadische Senator Yuen Pau Woo den Holocaust ins Gegenteil verkehrt, um einen beleidigenden und unzutreffenden Vergleich zwischen Israel und dem Naziregime anzustellen, obwohl im Gazastreifen kein Völkermord verübt wurde.

War dem Senator bewusst, dass die Gleichsetzung israelischer Handlungen mit denen der Nazis in der international anerkannten IHRA-Arbeitsdefinition von Antisemitismus ausdrücklich angeprangert wird? Traurigerweise scheint „Nie wieder!“ genau das Gegenteil zu bedeuten.

Der Papst stellte klar, dass „die Kirche jede Form von Diskriminierung und Belästigung ablehnt“. Auch wenn der Holocaust auf diese Weise begonnen haben mag, endete er sicherlich nicht mit bloßer Diskriminierung oder Schikane.

US-Vizepräsident JD Vance äußerte sich ähnlich, ohne die Juden auch nur ein einziges Mal zu erwähnen. Indem man das jüdische Volk aus dem Kontext seines eigenen Völkermords streicht, wird der Holocaust zu einem allgemeinen historischen Ereignis umgedeutet, das zwar erschütternd ist, aber so dargestellt wird, als hätte es jedem passieren können. Dem war aber nicht so. Es handelte sich um eine gezielte, systematische Form des Massenmords zur Auslöschung der jüdischen Weltbevölkerung. Der Mord an sechs Millionen Juden hätte nicht das sein dürfen, was der Menschheit eine „dauerhafte Lehre“ über das Mitläufertum und den systemischen Hass erteilt, die diesen Völkermord ermöglichten.

Der Holocaust war nicht als moralische Fabel gedacht, an die man sich einmal jährlich am 27. Januar erinnert, um der Menschheit Lektionen über Toleranz und Hass im Allgemeinen zu erteilen. Um der Katastrophe, die das jüdische Volk erlitt, gerecht zu werden, muss die Welt den systematischen Hass anerkennen, der sich gezielt gegen das jüdische Volk richtete und in dessen Völkermord gipfelte. Die sechs Millionen jüdischen Opfer verdienen es, dass ihre Würde bewahrt und nicht zu einer abstrakten Erinnerung verwässert wird.

Eisenbahnunglücke, Waldbrände und ICE-Razzien: Gibt einfach Israel die Schuld

Verfasst 31. Januar 2026 von spotplenni
Kategorien: Die Welt und Nahost

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Chaim Lax, HonestReporting, 26. Januar 2026

In den sozialen Medien scheint eine besondere Regel zu gelten: Alles Schlechte wird Israel angelastet.
Ob nationale Tragödie, Naturkatastrophe oder einfach nur ein persönliches Missgeschick – es gibt immer einen Schuldigen: den jüdischen Staat.

Dieses Phänomen hat sich in letzter Zeit verstärkt, da sowohl Israel als auch Israelis für so unterschiedliche Ereignisse wie Waldbrände in Südamerika, entgleiste Züge in Spanien und Gewalt bei Razzien gegen Einwanderer in den Vereinigten Staaten verantwortlich gemacht werden.

Israelis legen Waldbrände

Die Region Patagonien, die in Argentinien sowie Chile liegt, hat in jüngster Zeit schwere Waldbrände erlitten.
Und selbstverständlich bedeutet das für Kommentatoren in den sozialen Medien nur eines: Israel ist schuld!

Laut dem pro-israelischen Blog Elder of Ziyon gibt es eine seit Langem kursierende Verschwörungstheorie, wonach Juden angeblich planen, Teile Argentiniens und Chiles zu übernehmen, um dort einen eigenen Staat zu gründen. Jedes Jahr, so wird gesagt, taucht, wenn es in der Region brennt, diese Theorie wieder auf – begleitet von neuen Anschuldigungen, Juden / Zionisten / Israelis seien verantwortlich.

Dieses Jahr scheint keine Ausnahme zu sein: In den sozialen Medien kursiert eine breite Palette an Verschwörungen (alle mit Israel als Schuldigem) rund um die Brände, die in Südamerika wüten.

Mit zusammen fast 1,5 Millionen Aufrufen haben bekannte israelfeindliche Fake-News-Konten wie „Adam“ und „Sulaiman Ahmed“ die abwegige Verleumdung verbreitet, Israelis hätten die Brände gelegt.

Ein weitere Account mit fast einer halben Million Aufrufen postete, israelische Soldaten hätten das Gebiet kartiert, um Ausländern zu helfen, das Land nach dem Löschen der Brände billig aufzukaufen.

Sogar Desinformationsmotoren wie Press TV aus dem Iran und The Grayzone mischten mit und verbreiteten die Lüge, die Brände seien aus finsteren Motiven absichtlich von Israelis gelegt worden.

Der amerikanische Aktivist Shaun King benutzte auf geradezu lächerliche Weise einen Nachrichtenbericht über einen Israeli, der in einem chilenischen Park (wo es verboten ist) beim Zigarettenanzünden festgenommen wurde, als „Beweis“ dafür, dass Israelis die Brände gelegt hätten, die die Region verheeren.

Eine der absurdesten Behauptungen lautete, die Brände seien durch eine israelische Militärgranate ausgelöst worden. Natürlich ist es völlig logisch, dass jemand in der Lage ist eine Granate einmal um die halbe Welt und durch mehrere Grenzkontrollen zu schmuggeln ohne entdeckt zu werden. Logisch oder völlig grotesk – ein Beitrag mit dieser Behauptung erzielte auf X über fünf Millionen Aufrufe.

So absurd die Verschwörungstheorie auch sein mag: Solange sie Juden oder Israel beinhaltet, scheint es immer ein Publikum dafür zu geben.

Entgleiste Züge in Spanien: Veraltete Eisenbahnen oder zionistische Sabotage?

In der vergangenen Woche kam es in Spanien zu vier Eisenbahnunglücken. Eine teilweise Entgleisung führte zu einer Kollision zweier Züge, bei der 45 Menschen starben. Es folgten eine weitere Entgleisung, bei der ein Lokführer-Azubi ums Leben kam, ein Zug, der beschädigt wurde, nachdem er gegen einen Felsen prallte und ein entgleister Waggon, der mit einem Kran in Kontakt geraten war.

Diese Serie von Eisenbahn-Vorfällen in so kurzer Zeit hat die Aufmerksamkeit auf Spaniens veraltete Bahninfrastruktur, auf den seit 2020 gestiegenen Druck auf das System und auf die Frage gelenkt, wie Spaniens Investitionen in sein Schienennetz im Vergleich zu anderen europäischen Ländern dastehen.

Aber warum sich mit einer so tiefgehenden Analyse beschäftigen, was diese schreckliche Woche in der spanischen Eisenbahngeschichte verursacht haben könnte, wenn die Antwort doch offensichtlich ist: Die Juden waren’s.

Während ernsthafte Menschen versuchen herauszufinden, wie sich das nächste Zugunglück in Spanien verhindern lässt, sind die weniger ernsthaften Beobachter auf X zu der unanfechtbaren Schlussfolgerung gelangt, dass all diese Vorfälle von Israel verursacht worden seien.

Warum sollte Israel so etwas tun?

Natürlich, weil Spanien seit dem 7. Oktober 2023 ein lautstarker Kritiker der israelischen Kriegsführung gegen die Hamas im Gazastreifen ist.

Die Theorie besagt, dass Israel — während die Spannungen mit dem Iran zunehmen, die Hisbollah sich neu aufstellt und die Hamas sich wieder als Regierungsorgan etabliert — Zeit und Energie darauf verwendet habe, Agenten zu entsenden, die Gleise zu sabotieren, um Spanien für seine öffentliche anti-israelische Haltung zu bestrafen.

Natürlich ergibt das Sinn … solange man jeden Versuch kritischen Denkens konsequent vermeidet.

Diese Verschwörung begann klein, hat aber inzwischen auf X deutlich an Fahrt aufgenommen.

Ein Beitrag, in dem behauptet wurde, „die Israelis haben angefangen, als Vergeltung für Spaniens Haltung zu ihrem Völkermord im Gazastreifen Züge entgleisen zu lassen und Menschen in Spanien zu töten“, erhielt über 800.000 Aufrufe und mehr als 41.000 Likes.

Ein anderer Account postete: „Ich sag ja nichts, aber ich würde das bis ins Letzte untersuchen, denn Israelis feiern die Zugunglücke ununterbrochen“ — und erreichte unglaubliche 2,5 Millionen Aufrufe sowie 132.000 Likes. Diese Reichweite übersteigt offenbar deutlich die üblichen Zahlen des Accounts.

Auch der Post der berüchtigten Hetzerin Susan Abulhawa, der eine israelische Schuld an dem Zugunglück insinuierte, erzielte beträchtliche Aufmerksamkeit – Hunderttausende Aufrufen und Tausende Likes.

Heutzutage scheint so, dass nichts so gut ist um hohe Reichweiten in sozialen Medien zu erzeugen wie eine gute alte antisemitische Verschwörungstheorie.

„Die Vereinigten Staaten von ICE-rael“

Die Tour der Verschwörungstheorien von Südamerika über Spanien endet in den Vereinigten Staaten, wo öffentliche Empörung über die Härte bestimmter Razzien der Behörde ICE (Immigration and Customs Enforcement) gegen [illegale] Migranten und sogar damit verbundene Gewalt zu der weitverbreiteten Verschwörungstheorie geführt hat, Israel sei der treibende Faktor hinter der Brutalität dieser Einsätze.

Diese Verschwörungstheorie hat besonders an Fahrt gewonnen, nachdem ICE-Beamte im Januar 2026 in Minneapolis (Minnesota) bei separaten Vorfällen auf zwei US‑Amerikaner geschossen hatten.

Die Theorie lautet, dass ICE-Agenten aufgrund früherer gemeinsamer Trainingsprogramme von israelischem und amerikanischem Sicherheitspersonal ihre aggressiven Methoden von den Israelis gelernt hätten.

Die Verschwörung geht noch weiter und behauptet, die Existenz von ICE‑Außenstellen in Israel belege, dass ICE direkte Anweisungen vom jüdischen Staat erhalte. Folglich sei Israel — so die Theorie — verantwortlich für die jüngste Gewalt im Zusammenhang mit ICE-Razzien gegen Migranten.

Doch hier liegt der Haken: Ja, es stimmt, dass ICE in der Vergangenheit Trainings mit israelischen Kräften durchgeführt hat, aber die große Mehrheit der ICE-Agenten (einschließlich der vielen, die erst kürzlich zur Behörde gestoßen sind) hat keinerlei israelische Ausbildung erhalten. Ebenso gibt es keinerlei Belege dafür, dass die bei den Razzien angewandten Taktiken in Israel erlernt wurden. Es handelt sich um reine Spekulation, die sich an dem Körnchen Wahrheit festklammert, dass einige ICE-Agenten früher mit Israelis trainiert haben.

Und ja, ICE hat tatsächlich Außenstellen in Israel. Offensichtlich ein Zeichen für etwas Düsteres und Geheimnisvolles … das zufällig völlig offen auf der ICE-Website einsehbar ist. Und wissen Sie, wo ICE sonst noch Außenstellen hat? In 53 weiteren Ländern! Darunter Jordanien, Australien, Belgien, Kanada, Saudi‑Arabien, China und Dutzenden anderen weltweit. Und dennoch beschuldigt niemand ICE, Teil einer belgischen Verschwörung zu sein. Komisch, nicht wahr.

Doch ganz im Sinne des klassischen Mottos „Lass einer guten Geschichte nicht die Wahrheit im Weg stehen“ gibt es auf X reichlich Verschwörungstheoretiker und Akteure in böser Absicht, die bereitwillig die Verleumdung verbreiten, Israel orchestriere die Gewalt rund um die ICE‑Razzien.

Zu diesen Akteuren gehören einige große Namen in den sozialen Medien, darunter der Medienliebling und Terror-Apologet Hasan Piker (mit seinem superwitzigen „United States of ICE‑rael“-Post), der antisemitische Karikaturist Carlos Latuff und der berüchtigte britische Verschwörungstheoretiker David Icke.

Die falsche Verknüpfung von ICE-Razzien mit dem Nahen Osten ist leider nicht auf die dunklen Ecken der sozialen Medien beschränkt geblieben, sondern hat sich mittlerweile auch in den Mainstream-Medien verbreitet.

In einem kürzlich erschienenen Op-Ed für die New York Times versuchte der langjährige Kolumnist Thomas Friedman, ICE auf ungewöhnliche Weise sowohl mit der israelischen Armee als auch mit der Hamas zu vergleichen (letztere, weil sowohl ICE-Beamte als auch Hamas-Mitglieder in der Öffentlichkeit ihre Gesichter verhüllen). Zum Spaß fügte er noch seine übliche, klischeehafte Kritik an dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und US-Präsident Donald Trump hinzu.

Eine Erinnerung für Thomas Friedman, Hasan Piker, Carlos Latuff und unzählige andere Aktivisten beider politischer Lager: Nicht alles, was in den Vereinigten Staaten geschieht, steht in Zusammenhang mit Israel und dem Nahen Osten.

Geburt eines Genres: Die Oscars, Hind Rajab und der Aufstieg des palästinensischen „Holocaust“-Films

Verfasst 29. Januar 2026 von spotplenni
Kategorien: Die Welt und Nahost, Medieneinseitigkeit, Medienwelt, Nahost-Konflikt, Palästinenser

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Rachel O’Donoghe, HonestReporting, 22. Januar 2026

Der für den Oscar nominierte Film The Voice of Hind Rajab, inszeniert von Kaouther Ben Hania, ist aus Gründen bedeutsam, die weit über das Prestige der Award-Season hinausgehen.

Er markiert das Entstehen eines neuen filmischen Genres – eines, das palästinensische Kriegsnarrative neben der Holocaust‑Filmkunst positionieren und moralisch mit ihr gleichsetzen will. Wenn das übertrieben klingt, erklärt der Film selbst, warum es das nicht ist.

Das ist nicht einfach die Dramatisierung eines tragischen Todes. Es ist eine Blaupause. Und wenn sie funktioniert, wird sie kein Einzelfall bleiben.

Die Tragödie steht nicht zur Debatte. Die Ausbeutung schon.

Bevor man sich dem Film selbst zuwendet, muss eines klar ausgesprochen werden: Der Tod der sechsjährigen Hind Rajab war eine Tragödie. Keine politische Position, keine militärische Analyse, keine Kritik an medialen Deutungsrahmen negiert diese grundlegende menschliche Tatsache.

Doch Tragödie verleiht keine unbegrenzte künstlerische Lizenz.

Wenn ein Film mit dem Anspruch beginnt, „auf wahren Ereignissen zu beruhen“, übernimmt er eine ethische Verpflichtung, diese Ereignisse mit Sorgfalt zu behandeln – insbesondere dann, wenn sein offenkundiger Zweck moralische Anklage ist und nicht privates Gedenken. Emotionale Wucht entbindet nicht von faktischer Verantwortung. Im Gegenteil: Sie verschärft sie.

Genau an dieser Verpflichtung scheitert The Voice of Hind Rajab.

Ein Krieg ohne Schlachtfeld

Nach seinem einleitenden Hinweis versetzt der Film die Zuschauer nicht in den Gazastreifen, sondern nach Ramallah im Westjordanland — und bleibt während seiner gesamten Laufzeit dort.

Die Handlung spielt sich fast ausschließlich in den Büros des Palästinensischen Roten Halbmonds ab. Wir sehen Callcenter-Mitarbeiter, die verzweifelte Anrufe entgegennehmen, eine Rettung koordinieren (oder nicht koordinieren), mit Vorgesetzten streiten, zusammenbrechen, wütend werden, verzweifeln. Der emotionale Bogen ist eng, eindringlich und bewusst klaustrophobisch.

Was wir nie sehen, ist der Gazastreifen.

Wir sehen nicht die Bedingungen auf dem Schlachtfeld. Wir sehen nicht das Viertel, aus dem Hinds Familie floh. Wir sehen keine israelischen Kräfte, keine Hamas-Kämpfer, keine Tunnel, kein Kreuzfeuer, keine Evakuierungen, keine Warnungen. Uns werden nicht die Umstände gezeigt, die eine zivile Flucht in eine tödliche Begegnung verwandelten.

Dieses Fehlen ist kein Zufall. Es ist die leitende Entscheidung des Films.

Indem die Geschichte vollständig aus dem physischen und militärischen Kontext herausgelöst wird, in dem sie stattfand, erreicht der Film narrative Reinheit auf Kosten der Realität. Der Krieg wird zur Abstraktion. Gewalt wird zur Absicht. Und Verantwortung wird zu etwas Singulärem.

Strittige Fakten, festgelegte Schlussfolgerungen

Diese Kritik versucht nicht, jedes Detail des Rajab-Falls neu aufzurollen. Doch es ist unmöglich zu übersehen, dass zentrale Aspekte des Vorfalls weiterhin strittig sind – und dass diese Streitpunkte von Aktivisten, NGOs und nun auch vom Kino systematisch zu Gewissheiten geglättet wurden.

Der unabhängige Analyst Mark Zlochin hat mehrere ungelöste Widersprüche in den sich wandelnden Darstellungen des Vorfalls dokumentiert, darunter:

  • Sichtverhältnisse und Bedingungen auf dem Schlachtfeld: Rekonstruktionen ignorieren routinemäßig die kombinierten Effekte von schlechter Sicht, Plastikabdeckungen über den Autofenstern und der Bewegung des Fahrzeugs nach Norden – entgegen israelischen Evakuierungsanweisungen. Diese Faktoren beeinflussen maßgeblich, ob die Insassen des Autos eindeutig als Zivilisten erkennbar waren.
     
  • Sich ändernde Beschreibungen des Ereignisses: Frühe Berichte schilderten ein fahrendes Fahrzeug unter Beschuss – ein Szenario, das zu Fehlidentifikation unter Gefechtsbedingungen passt. Spätere Versionen stellten die Szene stillschweigend als stehendes Auto dar, beseitigten damit jede Mehrdeutigkeit und stellten den Vorfall als gezielten Angriff dar.
     
  • Ausgelassene Kommunikation: Arabische WhatsApp-Screenshots, die in englischsprachigen Untersuchungen erwähnt werden, enthalten Nachrichten, wonach Familienmitglieder das Fahrzeug verließen und später vom Tod eines weiteren Kindes berichteten – Nachrichten, die in der englischen Darstellung und der späteren Berichterstattung fehlen.
     
  • Umstrittene Analyse von Forensic Architecture: Die Modellierung stützte sich vollständig auf eine umstrittene Tonaufnahme, die – selbst wörtlich genommen – auf mehrere Waffentypen und widersprüchliche Geräuschsignaturen hindeutet, was eher auf Kreuzfeuer als auf eine einzige, gezielte Salve schließen lässt.
     
  • Unerklärte Lücken im Zeitablauf: Spätere Rekonstruktionen führen eine Lücke von mehr als sechs Stunden zwischen dem angeblichen Beginn des Vorfalls und dem ersten dokumentierten Kontakt mit Rettungsdiensten ein – eine Lücke, die keine Untersuchung zufriedenstellend erklärt hat.

In ihrer Gesamtheit deuten diese Unstimmigkeiten nicht auf ein eindeutig geklärtes Verbrechen hin, sondern auf eine chaotische Gefechtssituation, geprägt von schlechter Sicht, Unsicherheit und Kampfstress. Diese Komplexität anzuerkennen mindert nicht den menschlichen Verlust. Sie stellt die faktische Integrität eines Ereignisses wieder her, das zunehmend in eine moralische Parabel verwandelt wurde.

Wie Entmenschlichung auf der Leinwand funktioniert

Ein Wort taucht in der gesamten Dramatisierung immer wieder auf: sie.
„Sie haben sie getötet.“
„Sie werden sie töten.“
„Wir können uns ohne sie nicht bewegen.“

Israelis werden nie benannt. Israelische Soldaten werden nie gezeigt. Israel existiert nur als gesichtslose, stimmlose Präsenz – eine unsichtbare Kraft des reinen Bösen.

Im Gegensatz dazu werden die Mitarbeiter des Palästinensischen Roten Halbmonds mit feinster emotionaler Detailtreue dargestellt. Auf ihrer Angst, ihrer Wut und ihrer Erschöpfung verweilt die Kamera in langen Nahaufnahmen. Ihre Menschlichkeit ist unbestreitbar; eine Menschlichkeit, die in direktem Gegensatz zur Auslöschung israelischer Personalität konstruiert wird.

Das ist nicht subtil. Es ist grundlegend für die moralische Architektur des Films.

Die Wirkung besteht nicht nur darin, Palästinenser zu vermenschlichen – etwas, gegen das kein ehrlicher Zuschauer Einwände hätte –, sondern darin, Israelis als Kategorie zu entmenschlichen, ihnen Motiv, Kontext oder innere Begrenzung zu nehmen. Das Publikum wird nicht eingeladen zu verstehen, was geschieht. Es wird angewiesen, wem es die Schuld zu geben hat.

Ein Krieg, aus dem eine Seite entfernt wurde

Hamas wird in dem Film nie erwähnt. Kein einziges Mal. Und dieses Weglassen ist keine neutrale Entscheidung, sondern eine erzählerische Notwendigkeit.

Die Geschichte kann keine moralische Klarheit aufrechterhalten, wenn die Zuschauer daran erinnert werden, dass der Krieg m Gazastreifen mit der Invasion Israels durch Hamas begann, mit der Ermordung von Zivilisten und der Entführung von Geiseln – von denen viele zum Zeitpunkt des Vorfalls noch festgehalten wurden. Sie kann keine Hinweise darauf ertragen, dass die Hamas sich in ziviler Infrastruktur verschanzt und aus dicht besiedelten Stadtgebieten operiert, von denen die Organisation weiß, dass sie zu Schlachtfeldern werden.

An einer Stelle erklärt ein Vorgesetzter des Roten Halbmonds, dass sich Krankenwagen nicht frei bewegen könnten, weil sie Gefahr liefen, beschossen zu werden. Die Implikation ist eindeutig: Der Feind ist so grausam, dass er Rettungsfahrzeuge ins Visier nimmt.

Was den Zuschauern nicht gesagt wird, ist der Grund für solche Koordinationsprotokolle – nämlich die dokumentierte Praxis der Hamas, Einsatzfahrzeuge für terroristische Zwecke zu nutzen. Entfernt man diese Tatsache, wird aus Verfahren Grausamkeit. Aus Kontext wird Gräuel.

Der Zweck des Rahmens

Warum spielt der gesamte Film in Ramallah?

Weil Ramallah nicht der Gazastreifen ist.

Weil man sich von Ramallah aus Krieg ohne Kombattanten vorstellen kann. Gewalt kann ohne Ursachen dargestellt werden. Tragödie kann von den Ereignissen abgetrennt werden, die sie ausgelöst haben.

Das Ergebnis ist eine filmisch eindrucksvolle, moralisch gestraffte Erzählung: ein gesichtsloser Aggressor, der Krieg gegen die wehrlosesten Opfer führt, losgelöst von den Realitäten des 7. Oktobers, von zwei Jahren urbaner Kriegsführung oder von der Terrororganisation, die den Konflikt begonnen und aufrechterhalten hat.

Das ist kein dokumentarisches Filmemachen. Es ist Mythenbildung. Und genau so entsteht ein Genre.

Den Boden für den Ruhm der Preisverleihungen bereiten

Dass der Film auf der Shortlist der Academy Awards für den besten internationalen Spielfilm landete, überraschte kaum. Und in einer Shortlist von nur fünf Titeln verstärkt seine Aufnahme den Punkt noch: In zwei der Filme geht es um Palästinenser. Der andere ist Palestine 36 von Annemarie Jacir — ein weit ausgreifendes Historiendrama über den arabischen Aufstand der 1930er Jahre, das weithin wegen historischer Verzerrung kritisiert wurde, unter anderem in einer ausführlichen Analyse, die von The Free Press veröffentlicht wurde.

„Künstlerische Freiheit“ scheint sich bequem über Jahrzehnte zu erstrecken.

Dass The Voice of Hind Rajab in der Award-Season ausgezeichnet würde, war vorhersehbar — nicht wegen seiner künstlerischen Kühnheit, sondern wegen der Maschinerie, die um ihn herum aufgebaut wurde. Für einen Film, der in keiner Hauptkategorie antritt, hat er eine unverhältnismäßig große mediale Aufmerksamkeit erhalten: begeisterte Kritiken, wohlwollende Interviews mit der Regisseurin und wiederholte Festivalpräsentationen. Das ist Publicity, die man nicht kaufen kann — und auch nicht musste.

Auffällig ist nicht das Lob selbst, sondern das Fehlen von Prüfung.

Kritik um Kritik preist die emotionale Wucht des Films — insbesondere seine Verwendung der echten Tonaufnahmen von Hind Rajabs letzten Anrufen — während sie es vermeidet, die faktischen Streitpunkte des Falls zu hinterfragen, einschließlich der dokumentierten Unstimmigkeiten, die unabhängige Analysten aufgezeigt haben. Ebenso setzen sich die Kritiker kaum damit auseinander, wie der Film einen komplexen Krieg auf eine einzige moralische Dimension reduziert: ein gesichtsloser Feind, der mit eindeutiger Absicht gegen hilflose Zivilisten handelt.

Den Krieg zum Mythos verflachen

Der schwierigere Film – der mutigere – wäre derjenige gewesen, der sich dieser Verflachung widersetzt hätte. Er hätte den Tod von Hind Rajab in den vollen Schrecken des vorausgegangenen Krieges eingebettet: einen Konflikt, der durch das Massaker der Hamas an israelischen Zivilisten ausgelöst wurde; einen langwierigen Feldzug gegen eine Terrororganisation, die ich in dicht besiedelten Stadtgebieten eingebettet hat; ein Schlachtfeld, auf dem Zivilisten, darunter Kinder, in Bedingungen gefangen waren, die kein Filmemacher darstellen könnte, ohne sich unbequemen Wahrheiten zu stellen.

Ein solcher Film würde niemanden von der Tragödie freisprechen. Er würde sie vertiefen.

Doch das ist nicht der Film, der dem Publikum präsentiert wird.

Stattdessen verstärken die Kritiker genau den moralischen Rahmen, den der Film konstruiert. Sky News beschrieb den Film als Darstellung einer „vermeidbaren Tragödie“ und erklärte, er ermögliche es dem Publikum, „die komplexen israelischen Protokolle zu erleben, mit denen Palästinenser leben müssen“. Die Folge ist eindeutig: Bürokratie, nicht Krieg; Böswilligkeit, nicht Umstände.

Im Guardian ordnete ein Interview mit Regisseurin Ben Hania Rajabs Tod in das ein, was als „die globale Teilnahmslosigkeit gegenüber zwei Jahren Abschlachten im Gazastreifen“ bezeichnet wurde. Teilnahmslosigkeit? Israel wurde des Völkermords beschuldigt, diplomatischen Isolationskampagnen ausgesetzt, sah Universitäten durch Proteste lahmgelegt und erlebte pro-terroristische Märsche in europäischen Hauptstädten. Das als „Teilnahmslosigkeit“ zu bezeichnen, ist keine ernsthafte Analyse.

In der Washington Post verstärkte eine Rezension mit dem Titel „How a Gazan child’s desperate phone call inspired a must-see movie“ unkritisch die Behauptung der Regisseurin, Rajabs Tod sei ein „Wendepunkt“ in einem Völkermord gewesen – eine Behauptung, die als emotionale Wahrheit präsentiert wurde, nicht als Aussage, die Belege erfordert. Der Artikel hob zustimmend hervor, dass der Film bei den Vereinten Nationen und vor Mitgliedern des Kongresses gezeigt wurde, als ob institutionelle Anerkennung ein Beweis historischer Genauigkeit wäre.

Der Vorwurf des Völkermords ist in der Berichterstattung über den Tod von Hind Rajab zu einer feststehenden Tatsache geworden – nicht, weil er bewiesen wurde, sondern weil er wiederholt wurde.

Vom Kino zu falscher Erinnerung

Der Film wurde als eines der „erschütterndsten Kinoerlebnisse des Jahres“ gefeiert, für seine angebliche „ideologische Neutralität“ gelobt und – von Christiane Amanpour – als „Geschichte“ präsentiert.

Dieser letzte Anspruch ist der wichtigste.

Es sind nicht nur Filmemacher, die diesen neuen Kanon schaffen. Journalisten ebnen den Weg dafür. Im Telegraph vergleicht der Kritiker Robbie Collin The Voice of Hind Rajab mit The Zone of Interest und bezeichnet Jonathan Glazers Auschwitz-Film als „Meisterwerk“, während er andeutet, Ben Hanias Werk sei von derselben „ruhigen künstlerischen Strenge getragen, die über bloßen Schockeffekt hinausgeht“. Der Vergleich vermeidet zwar eine direkte Gleichsetzung, stellt aber dennoch ein Gaza-Kriegsdrama in Dialog mit Holocaust-Kino.

So wird falsche Erinnerung gebildet.

Film ist eines der mächtigsten Mittel zur Prägung historischen Bewusstseins. Filmemacher können sich immer auf künstlerische Freiheit zurückziehen. Wenn die IDF als sadistisch und gleichgültig dargestellt wird, kann man das als Interpretation abtun. Wenn Israelis gesichtslos erscheinen, wird das als Symbolik verteidigt.

Doch wenn der Journalismus solche Filme als „Geschichte“ adelt, geschieht etwas Dauerhafteres: Er schreibt eine Version des Krieges ins kulturelle Gedächtnis ein, die zukünftige Zuschauer für Wahrheit halten werden.

Es wird mehr Filme wie The Voice of Hind Rajab geben. Mehr Werke wie Palestine 36. Nicht nur der Gazastreifen, sondern Israels gesamte Vergangenheit wird durch diese Linse neu ausgemalt werden – ein Prozess, der nicht nur einen Staat kritisiert, sondern seine Existenz delegitimiert.

Und sobald diese Mythen auf der großen Leinwand verankert sind, werden sie weit schwerer zu widerlegen sein.

Ein Krieg ohne Schlagzeilen: Israels Terrorwelle von 2025

Verfasst 26. Januar 2026 von spotplenni
Kategorien: Die Welt und Nahost, Israel, Nahost-Konflikt, Palästinenser

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Sharon Levy, HonestReporting, 21. Januar 2026

Die letzten zweieinhalb Jahre hat Israel einen anhaltenden Verteidigungskrieg an mehreren Fronten geführt. Während die Schlachtfelder und der regionale Konflikt die Schlagzeilen beherrschen, gibt es parallel dazu eine oft vernachlässigte Front innerhalb Israels: der unabhlässige Terrorismus, der sich gegen alle Israelis richtet.

Obwohl die IDF für 2025 einen deutlichen Rückgang der Terroranschläge in der Westbank meldete, ist die Terrorismusgefahr nicht gebannt. Laut dem israelischen Inlandsgeheimdienst Schin Bet wurden von Januar bis Dezember 4.744 terroristische Vorfälle registriert. Diese Angriffe forderten unzählige Verletzte und viele Tote unter der Zivilbevölkerung.

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Daten des Schin Bet: Statistische Aufschlüsselung der Terroranschläge (Steinwürfe, Molotowcocktails, Brandstiftung, Sprengsätze u.a.)

Im Folgenden werden die Terroranschläge aufgeschlüsselt, die sich im Jahr 2025 in Israel ereignet haben. Es ist eine ernüchternde Erinnerung daran, dass der Krieg für die Israelis nie auf die Frontlinien beschränkt war.

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Daten des Schin Bet: Steinwürfe, Molotowcocktails, Sprengsätze, Brandstiftung, u.a.

Januar 2025

Im Januar 2025 gab es insgsamt 553 Vorfälle, darunter:

  • 38 Vorfälle mit improvisierten Sprengsätzen (IEDs)
     
  • 402 Vorfälle mit Steinwürfen
     
  • 60 Vorfälle mit Molotowcocktails
     
  • 25 Brandstiftungen oder brennende Reifen
     
  • 3 Anschläge mit Schusswaffen
     
  • 3 Anschläge mit Stichwaffen
     
  • 2 Rammanschläge mit Fahrzeugen

Im Januar 2025 wurden bei größeren Anschlägen fünf Menschen getötet und 19 verletzt, darunter:

  • Bei einem Anschlag mit Schusswaffen in Al-Funduq wurden am 6. Januar drei Menschen getötet und sechs weitere verletzt.
     
  • Bei einer Operation der israelischen Streitkräfte explodierte am 20. Januar in Tamun ein Sprengsatz. Dabei wurde ein Mensch getötet und drei weitere verletzt.
     
  • Bei einem Anschlag mit Stichwaffen in Tel Aviv wurden am 21. Januar vier Menschen verletzt.
     
  • Bei einem Terrorbekämpfungseinsatz in Jenin wurde am 29. Januar ein Soldat getötet und sechs weitere verwundet.

Februar 2025

Im Februar 2025 gab es insgesamt 416 Vorfälle, darunter:

  • 32 Vorfälle mit improvisierten Sprengsätzen (IEDs).
     
  • 322 Vorfälle mit Steinwürfen
     
  • 35 Vorfälle mit Molotowcocktails
     
  • 20 Brandstiftungen bzw. brennende Reifen
     
  • 2 Anschläge mit Schusswaffen
     
  • 1 Anschläge mit Stichwaffen
     
  • 4 Rammanschläge mit Fahrzeug

Im Februar 2025 wurden bei größeren Anschlägen 3 Menschen getötet und 24 verletzt, darunter:

  • Bei einem Anschlag mit Schusswaffen in Tayasir am 4. Februar wurden zwei Sicherheitskräfte getötet und sechs weitere verletzt.
     
  • Ein Mann in seinen Sechzigern wurde am 14. Februar in Gan Ner bei einem Anschlag mit einem Beil verletzt.
     
  • Bei einem Anschlag mit einem Fahrzeug in Karkur am 27. Februar kam ein Mensch ums Leben und 13 wurden verletzt.

März 2025

Im März 2025 gab es insgesamt 441 Vorfälle, darunter:

  • 17 Anschläge mit improvisierten Sprengsätzen (IEDs)
     
  • 345 Anschläge mit Steinwürfen
     
  • 50 Anschläge mit Molotowcocktails
     
  • 24 Brandstiftungen oder brennende Reifen
     
  • 1 Anschlag mit Schusswaffen
     
  • 2 Anschläge mit Stichwaffen
     
  • 1 Rammanschlag mit einem Fahrzeug
     
  • 1 Anschlag mit mehreren Methoden.

Im März 2025 wurden bei größeren Anschlägen 3 Menschen getötet und 24 verletzt, darunter:

  • Bei einem Messerangriff in Haifa kam am 3. März eine Person ums Leben, vier weitere wurden verletzt.
     
  • Bei einem Terroranschlag an der Tischbi-Kreuzung am 24. März, einer Kombination aus Auto-Rammanschlag, Schusswaffeneinsatz und Stichwaffeneinsatz, wurde eine Person getötet, eine weitere wurde verletzt.

April 2025

Im April 2025 gab es insgesamt 441 Vorfälle, darunter:

  • 24 Anschläge mit improvisierten Sprengsätzen (IEDs)
     
  • 356 Anschläge mit Steinwürfen
     
  • 46 Anschläge mit Molotowcocktails
     
  • 23 Fälle von Brandstiftung oder brennenden Reifen
     
  • 1 Anschlag mit Schusswaffen
     
  • 2 Anschläge mit Stichwaffen

Im April 2025 wurden sieben Personen bei größeren Angriffen verletzt, darunter:

  • Zwei Personen wurden am 1. April in Al-Auja bei einem Steinwurf-Anschlag verletzt.
     
  • Zwei Sicherheitskräfte wurden am 30. April in Beita durch einen Sprengsatz verletzt.

Mai 2025

Im Mai 2025 gab es insgesamt 426 Vorfälle, darunter:

  • 20 Anschläge mit improvisierten Sprengsätzen (IEDs)
     
  • 297 Anschläge mit Steinwürfen
     
  • 42 Anschläge mit Molotowcocktails
     
  • 60 Brandstiftungen oder brennende Reifen
     
  • 3 Anschläge mit Schusswaffen
     
  • 3 Anschläge mit Stichwaffen
     
  • 1 Rammanschlag mit einem Fahrzeug

Im Mai 2025 wurden bei größeren Angriffen zwei Menschen getötet und 13 weitere verletzt, darunter:

  • Ein Sicherheitsbeamter wurde am 7. Mai bei einem Auto-Rammanschlag an der Hebron-Kreuzung verletzt.
     
  • Eine schwangere Frau und ihr ungeborenes Kind wurden am 14. Mai in Brukhin auf dem Weg ins Krankenhaus zur Entbindung erschossen; ihr Ehemann wurde verletzt.
     
  • Zwei Personen wurden am 24. Mai in Mitzpe Dani bei einem Steinwurfanschlag verletzt.

Juni 2025

Im Juni 2025 gab es insgesamt 370 Vorfälle, darunter:

  • 37 Anschläge mit improvisierten Sprengsätzen (IEDs)
     
  • 280 Anschläge mit Steinwürfen
     
  • 34 Anschläge mit Molotowcocktails
     
  • 17 Brandstiftungen bzw. brennende Reifen
     
  • 1 Anschläge mit Stichwaffen
     
  • 1 Rammanschlag mit einem Fahrzeug

Im Juni 2025 wurden sieben Personen bei größeren Angriffen verletzt, darunter:

  • Sicherheitskräfte wurden am 15. Juni in Qalqilya durch einen Sprengsatz verletzt.
     
  • Eine Person wurde am 15. Juni in Nablus bei einem Rammangriff verletzt. 27.
Tzeela Gez war in den Wehen, als sie von einem palästinensischen Terroristen ermordet wurde.
Die Hamas pries den Anschlag als „heldenhaft“.
Und die Washington Post? Sie brachte einen Artikel über mögliche „Siedler-Rache“.
Wenn eine Schwangere ermordet wird, ist die Story nicht „was könnten die Israelis als nächstes tun“.

July 2025

Im Juli 2025 gab es insgesamt 370 Vorfälle, darunter:

  • 25 Anschläge mit improvisierten Sprengsätzen (IEDs)
     
  • 310 Anschläge mit Steinwürfen
     
  • 47 Anschläge mit Molotowcocktails
     
  • 36 Fälle von Brandstiftung oder brennenden Reifen
     
  • 3 Anschläge mit Stichwaffen
     
  • 2 Anschläge mit Schusswaffen
     
  • 1 Rammanschlag mit einem Fahrzeug

Im Juli 2025 wurde eine Person getötet und 19 weitere bei größeren Angriffen verletzt, darunter:

  • Drei Personen, darunter ein Sicherheitsbeamter, wurden am 9. Juli bei einem Steinwurf-Anschlag in der Beka‘ot-Ebene verletzt.
     
  • Eine Person wurde am 10. Juli bei einem Anschlag mit Schusswaffen in Gusch Etzion getötet.
     
  • Ein Sicherheitsbeamter wurde am 10. Juli in Jenin bei einem Stichwaffen-Anschlag verletzt.
     
  • Zehn Personen, darunter neun Sicherheitsbeamte, wurden am 24. Juli bei einem Rammanschlag mit einem Fahrzeug in Kfar Jona verletzt.

August 2025

Im August 2025 gab es insgesamt 287 Vorfälle, darunter:

  • 13 Anschläge mit improvisierten Sprengsätzen (IEDs).
     
  • 221 Anschläge mit Steinwürfen.
     
  • 30 Anschläge mit Molotowcocktails.
     
  • 20 Brandstiftungen bzw. brennende Reifen
     
  • 2 Anschläge mit Stichwaffen
     
  • 1 Anschlag mit Schusswaffen.

Im August 2025 wurden 15 Personen bei größeren Angriffen verletzt, darunter:

  • Sechs Personen wurden am 7. August bei einem Steinwurfanschlag in Binyamin verletzt.
     
  • Zwei Personen wurden am 13. August bei einem Steinwurfangriff in Beka’ot verletzt.
Warum sind Steinwürfe Verbrechen? Das ist nicht nur eine Frage. Es ist der Beginn eines größeren Gesprächs darüber, wie die Medien Gewalt darstellen Lassen Sie uns das auspacken.

September 2025

Im September 2025 ereigneten sich insgesamt 319 Vorfälle, darunter:

  • 32 Anschläge mit improvisierten Sprengsätzen (IEDs)
     
  • 228 Anschläge mit Steinwürfen
     
  • 28 Anschläge mit Molotowcocktails
     
  • 22 Fälle von Brandstiftung oder brennenden Reifen.
     
  • 1 Stichwaffen-Anschlag
     
  • 5 Anschläge mit Schusswaffen
     
  • 2 Rammanschläge mit Fahrzeugen
     
  • 1 Raketenangriff.

Im September 2025 wurden bei größeren Anschlägen neun Menschen getötet und 24 verletzt, darunter:

  • Sechs Menschen wurden getötet und elf weitere wurden bei einem Schusswaffenangriff an einer Bushaltestelle in Jerusalem am 8. September verletzt.
  • Drei Sicherheitskräfte wurden am 11. September in Tulkarm durch einen Sprengsatz verletzt.
     
  • Bei einem Schusswaffen-Anschlag am Grenzübergang Allenby-Brücke wurden am 18. September zwei Sicherheitskräfte getötet und eine weitere verletzt.
     
  • Ein Mitglied der Sicherheitskräfte wurde am 28. September bei einem Fahrzeug-Rammanschlag an der Git-Kreuzung getötet.
Die Kreuzung liegt „nicht allzu weit von der Siedlung Neve Yaniv in Ostjerusalem entfernt“.
Sie meinen das Viertel Neve Yaakov im nördlichen Jerusalem, Yolande Knell. Und hören sie auf einen Terroranschlag zu rechtfertigen, weil er so nahe an einer Stelle liegt, die Sie als „Siedlung“ bezeichnen.

Oktober 2025

Im Oktober 2025 gab es insgesamt 400 Vorfälle, darunter:

  • 24 Anschläge mit improvisierten Sprengsätzen (IEDs)
     
  • 306 Anschläge mit Steinwürfen
     
  • 41 Anschläge mit Molotowcocktails
     
  • 26 Fälle von Brandstiftung oder brennenden Reifen
     
  • 1 Anschlag mit Schusswaffen
     
  • 2 Rammaschläge mit Fahrzeugen

Im Oktober 2025 wurden 19 Personen bei größeren Angriffen verletzt, darunter:

  • Zwei Personen wurden am 4. Oktober bei einem Steinwurfanschlag in Mitzpe Jericho verletzt.
     
  • Vier Personen wurden am 4. Oktober bei einem Steinwurfanschlag in Carmel verletzt.
     
  • Ein Sicherheitsbeamter wurde am 13. Oktober in Isawiya durch einen Molotowcocktail verletzt.

November 2025

Im November 2025 gab es insgesamt 326 Vorfälle, darunter:

  • 24 Anschläge mit improvisierten Sprengsätzen (IEDs)
     
  • 232 Anschläge mit Steinwürfen
     
  • 45 Vorfälle mit Molotowcocktails
     
  • 23 Fälle von Brandstiftung oder brennenden Reifen
     
  • 2 Rammanschläge mit Fahrzeugen.

Im November 2025 wurde eine Person getötet und elf weitere bei größeren Anschlägen verletzt, darunter:

  • Ein Mensch wurde getötet und vier weitere wurden bei einem kombinierten Anschlag mit einem Fahrzeug und Stichwaffen an der Gusch-Etzion-Kreuzung am 18. November verletzt.
     
  • Sicherheitskräfte wurden am 20. November in Nablus bei einem Anschlag mit Schusswaffen verletzt.
Reuters hat kein Problem jüdische Siedler zu identifizieren.
Aber die palästinensischen Täter hinter diesem Terroranschlag? Nicht identifizierbar.
Und ihre Opfer? Reuters will sie nicht einmal als Israelis identifizieren.

Dezember 2025

Im November 2025 gab es insgesamt 350 Vorfälle, darunter:

  • 18 Anschläge mit improvisierten Sprengsätzen (IEDs)
     
  • 261 Anschläge mit Steinwürfen
     
  • 37 Anschläge mit Molotowcocktails
     
  • 26 Brandstiftungen bzw. brennende Reifen
     
  • 4 Rammanschläge mit Fahrzeugen
     
  • 2 Anschläge mit Schusswaffen
     
  • 2 Anschläge mit Stichwaffen

Im Dezember 2025 wurden zwei Menschen getötet und sieben weitere bei größeren Anschlägen verletzt, darunter:

  • Zwei Menschen wurden am 2. Dezember bei einem Stichwaffen-Anschlag in Ateret verletzt.
     
  • Bei einem wurden bei einem kombinierten Auto-Ramm- und Stichwaffenanschlag in Beit Shaan und Afula am 26. Dezember getötet und drei weitere verletzt.
Die Anführungszeichen reichten UPI nicht aus. sie musste es als einen „sogenannten“ Terroranschlag bezeichnen.
Und könnte UPI damit, dass der Täter „angeblich“ das israelische Opfer tötete, Terror noch reiner waschen?

Warum Israel das UNRWA-Hauptquartier in Jerusalem abgerissen hat

Verfasst 24. Januar 2026 von spotplenni
Kategorien: Israel, Nahost-Konflikt, UNO

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Ben M. Freeman, HonestReporting, 22. Januar 2026

Israels Kampfansage an die Immunität der UNRWA

Am 21. Januar begann Israel mit der (physischen) Demontage der UNRWA, der United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East. Durch den Abriss der Ostjerusalemer Büros der UNRWA unternahm Israel einen weiteren Schritt nach seiner Entscheidung vom Oktober 2024, der Organisation die Tätigkeit innerhalb der israelischen Staatsgrenzen zu untersagen. Das Gelände soll Berichten zufolge nun für öffentliche Zwecke neu entwickelt werden, darunter dem Bau von rund 1.400 Wohnungen.

Kurz gesagt markiert dies einen deutlichen Übergang von diplomatischem und gesetzgeberischem Widerstand hin zu einer direkten Kampfansage gegen die physische und institutionelle Präsenz der UNRWA in Jerusalem.

Die internationalen Medien reagierten erwartbar auf den Schritt und warfen Israel in ihrer Berichterstattung, die mit farbigen Schilderungen von sich sammelnden Bulldozern am Standort in Ostjerusalem begann, Verstöße gegen das Völkerrecht vor. Jonathan Fowler, ein Sprecher der UNRWA, bezeichnete den Schritt als „beispiellosen Angriff auf die UNRWA und ihre Einrichtungen“ und behauptete, er stelle „einen schwerwiegenden Verstoß gegen das Völkerrecht sowie gegen die Vorrechte und Immunitäten der Vereinten Nationen“ dar. In dieser Berichterstattung fehlte jedoch jede vertiefte Auseinandersetzung mit der grundlegenden Frage, ob das Verhalten der UNRWA überhaupt Immunität vor staatlichem Handeln rechtfertigt.

Die 1949 gegründete UNRWA präsentiert sich als humanitäre Organisation, die palästinensischen Flüchtlingen Hilfe und Unterstützung bietet. In der Praxis jedoch hat sie einen dauerhaften Flüchtlingsstatus verfestigt, der im Völkerrecht einzigartig ist und von den Nachkommen geerbt wird, anstatt gelöst zu werden. Keine andere Flüchtlingsbevölkerung wird von einer eigenen UNO-Organisation verwaltet, deren Mandat ausdrücklich die Bewahrung des Flüchtlingsstatus über Generationen hinweg vorsieht. Anstelle von Umsiedlung, Rehabilitation oder Integration hat die UNRWA eine eingefrorene politische und nationale Identität institutionalisiert, die in den Ereignissen von 1948 wurzelt.

Die Journalistin Nicole Lampert interviewte Dr. E. J. Brearley, einen Hilfe-Profi mit direkter Arbeitserfahrung an der Seite der UNRWA, der ein Bildungssystem beschrieb, das nicht darauf ausgelegt sei, Kinder auf ein ziviles Leben vorzubereiten, sondern auf einen dauerhaften Konflikt. Er charakterisierte die Indoktrinierung als so ausgefeilt, dass sie selbst die Propaganda des ruandischen Senders Radio Mille Collines übertrifft und stellte fest, dass Whistleblower innerhalb des Gazastreifens, die vor der Zusammenarbeit der UNRWA mit der Hamas warnten, ignoriert wurden, weil die Hilfsindustrie finanziell daran interessiert war, den Status quo aufrechtzuerhalten.

Die Realität ist, dass die UNRWA Frieden behindert, indem sie den Palästinensern eine Zukunft jenseits der Opferrolle verweigert. Sie konditioniert Kinder darauf, Märtyrertum als Bestimmung zu betrachten, und verankert Judenhass im Kern ihrer institutionellen Kultur. Ihre Mitarbeiter haben Gewalt nicht nur toleriert, sondern in dokumentierten Fällen aktiv gefördert oder daran teilgenommen. Als Reaktion auf die zunehmende Kritik erklärte US‑Außenminister Marco Rubio unverblümt: „Die UNRWA ist eine Unterorganisation der Hamas.“ Sowohl in ihren Zielen als auch in ihren Praktiken stützt die Beweislage diese Schlussfolgerung in hohem Maß.


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