Nostalgie und Melancholie

Jens Ramme war übrigens auch da, in Krefeld, 40 Jahre nach diesem legendären Kick zwischen Bayer Uerdingen und Dynamo Dresden. Denn der heutige Oberligist KRC hatte zur Feier in ein Autohaus geladen mit Talkrunde. Sogar Uerdingens alter Trainer Feldkamp war zugeschaltet. 91 Jahre ist er – wie die Zeit vergeht.

Und Jens Ramme? Der war die arme Sau, die als unerfahrener Keeper in der 2. Halbzeit ins Dynamo- Tor musste und sechs Gegentreffer kassierte, an denen er keine Anteile hatte. Seine Karriere war nach der Pleite damals dennoch beendet, bevor sie richtig beginnen konnte. Die von Dixie Dörner sicherlich vorzeitig beendet und das galt auch für Trainer Klaus Sammer am Saisonende anno ’86. Wie „toll“ das alles war für die Verlierer, dazu gibt es in der Tube eine Doku, nach der man sich auch fragen darf, warum sich manche Leute das alles zurückwünschen.

Zurück in die Gegenwart: da gibt es zum Auftakt des nächsten Spieltags mal wieder Betriebssport. Red Bull gegen SAP, die beide erkennen, dass Unruhe in den Kulissen nicht immer förderlich ist. Die TSG ließ zuletzt auch Punkte liegen und in Leipzig gibt es mal wieder im Hintergrund personelle Umbesetzungen im RB- Kosmos. Und was macht nun eigentlich der Klopp?

In der 2. Liga schaut man am Abend entweder sportlich auf die Fürther, die in den letzten Punkten im Abstiegskampf beeindrucken punkten konnten. Oder man blickt aufs Niedersachsenderby in Hannover und schließt Wetten ab, wer sich auf den Rängen stärker daneben benimmt. Die Geister, die die Vereine riefen…

Köln gegen Gladbach und Wolfsburg gegen Bremen – das sind für mich die beiden interessantesten Spiele der Bundesliga am Wochenende.

Das Trainer- Thema schwelt in Köln in Dauerschleife und jedes Unentschieden fügt ein weiteres Kapitel hinzu. Dabei steht der FC immer noch über dem Strich und die Auftritte sind jetzt so schlecht auch nicht. Und man ist immer noch Aufsteiger. Was manch einem aber nicht genug zu sein scheint. Ich denke, entweder sollten sie in der Länderspielpause Kwasniok ersetzen oder es mit ihm durchziehen bis zum Schluss. Und zwar völlig losgelöst vom Ergebnis des Spiels gegen Gladbach.

Die Borussia ihrerseits ist auch noch nicht aus dem Schneider und könnte bei einer Derby- Pleite von den Kölnern überholt werden. Nebenbei dürfte der Kaderumbau laufen – ob das auch etwas für die Motivation des aktuellen Personals bedeutet?

Wolfsburg empfängt Werder und spielt dabei schon fast um eine der letzten Chancen. Vier Punkte liegt der VfL hinten – kann also selbst bei einem Sieg Werder nicht einholen an diesem Wochenende. Aber der Konzern will ja alles auf den Prüfstand stellen – und hat vielleicht nach dem St. Pauli- Spiel gegen Freiburg am Sonntagabend ein wenig mehr Planungssicherheit.

Und Werder? Da betont Trainer Thioune zwar, dass man noch nicht allzu viel erreicht habe – aber ob das jeder verinnerlicht hat? Und ob Wolfsburg und Werder auch in der nächsten Saison gegeneinander spielen?

Liga 2 sieht am Samstagabend das Duell zwischen Darmstadt und Schalke – mehr Spitze geht nicht dabei. Elversberg und Paderborn haben vermeintlich leichte Heimspiele gegen Bielefeld und Dresden.

Business und Optimismus

Auch ohne die absolute Top- Besetzung bei den Bayern ist ein Spiel zwischen Leverkusen und München immer noch ein Topspiel. Man darf nur nicht ausblenden, dass es zumindestens für den Tabellenführer um nicht allzu viel geht. Und dennoch holen sie mit zwei Leuten weniger noch einen Punkt. Auch das ist ein Zeichen dafür, wie stark sie drauf sind.

Vom Starnberger See gab es ob der Schiedsrichterleistung mal wieder Donnergrollen, aus Frankfurt eine schnelle Replik. Und eigentlich würde das Thema die halbe Woche lang tragen, aber am Mittwoch muss ja das CL- Rückspiel gegen Bergamo über die Bühne gebracht werden. Das dann wohl mit Keeper Nummer 4. Aber wann, wenn nicht bei einem 6:1- Vorsprung aus dem Hinspiel?

Spannender war da schon das dünne 1:0 der Stuttgarter über CL- Konkurrent Leipzig, das dem VfB eben jene drei Punkte Vorpsrung bringt. Von hinten drückt Leverkusen – man darf gespannt sein, wie sich Leipzig durch den Rest der Saison bringt.

Dem SC Freiburg könnte Europa komplett erspart bleiben nächste Saison – und umgekehrt. Wen stört es? Aber: wer soll stattdessen Trost- Platz 7 einnehmen? Frankfurt hat die besten Aussichten, aber auch die Konstanz? Oder haben Union, Augsburg noch weniger davon?

Heckings Rückkehr nach Wolfsburg brachte immerhin einen Punkt in Sinsheim, wo die TSG Hoffenheim anscheinend ein wenig Fracksausen vor der CL kriegt. Wäre schade nach der bisherigen Saison der TSG. Was aber ist der Punkt für Wolfsburg wert? Nächste Woche kommt Werder an den Mittellandkanal mit einer 0:2- Pleite gegen Mainz im Gepäck. Trainer Thioune wähnte seine Mannschaft schon weiter, welch ein Optimist.

Mainz verschafft sich ein wenig Luft, Köln mit dem Unentschieden aus Hamburg eine weitere Woche Zeit bis zum nächsten vermeintlichen Job- Endspiel für Trainer Kwasniok. Vielleicht sollte man sich mal in der Länderspielpause unter Geißböcken zusammenhocken und festlegen, was bzw. wen man will ins Saisonende.

Ein Unentschieden reicht in Liga 2 den Schalkern, um Tabellenführer zu bleiben, weil die fünf Mannschaften hinter ihnen auch nicht die volle Punktzahl eingefahren haben.

In Kiel ist unterdessen der Trainerwechsel- Effekt noch nicht in Erscheinung getreten. Auch wenn Trainer Walter nach eigener Aussage nach dem 2:3 gegen Nürnberg „optimistischer als vorher“ sein will. Die KSV Holstein läuft Gefahr, durchgereicht zu werden.

Wettbewerbsfähig

Ob das mal wieder eine ganz ernüchternde Euro- Erfahrung wird? Freiburg verliert in Genk mit 0:1 und Stittgart 1:2 gegen Porto. Das kann man natürlich jeweils im Rückspiel noch drehen, zumal ohne Auswärtstor- Regel. Aber es beinhaltet eben auch die Option, dass im Achtelfinale für die beiden deutschen EL- Teilnehmer Schluss ist. Mainz holt in Olmütz immerhin ein 0:0 in der Conference League.

Und dann kommt alle Jahre wieder im Frühjahr die Frage auf, wie es um die internationale Wettbewerbs- Fähigkeit der Bundesliga- Fünften und -Sechsten bestellt ist. Stuttgart kam ja erst durch den Pokalsieg gegen den seinerzeitigen Drittligisten Bielefeld aufs internationale Parkett. Zumindest für einen Abend sind Clubs aus Belgien oder Tschechien durchaus auf Augenhöhe.

In der Liga geht es zum Beginn des 26. Spieltags gleich in den Abstiegskampf. Gladbach empfängt St. Pauli. Doch Vorsicht: wer in Hoffeneheim punktet, kann dies durchaus auch in Gladbach. Was für die Borussen fatal wäre. Denn Pauli würde bei einem Sieg an ihnen vorbeiziehen und dann würde auch die Trainerdiskussion wieder aufflammen. Polanski hat aus zehn Spielen in diesem Jahr gerade zwei Siege geholt,gegen Union und Augsburg, Das reicht weder für Ruhe im Verein noch für den Klassenverbleib – es sei denn, die Konkurrenz verliert immer schön synchron.

Ein Sieg der Fohlen würde tabellarisch besser aussehen als in der Punktebilanz und auch nur kurzzeitig Luft verschaffen. Aber man könnte am Wochenende etwas entspannter der Konkurrenz zuschauen.

In Liga 2 haben Darmstadt und Elversberg in ihren Parallel- Spielen die Gelegenheit, für eine Nacht Schalke als Tabellenführer zu verdrängen. Die Lilien in Magdeburg, die Saarländer bei Greuther Fürth, das sich zuletzt als Favoritenschreck erwiesen hatte und auf den Relegationsrang vorgerückt ist.

Alles verloren?

Nun streiten sich die Experten wieder – war es nur die Höchststrafe, gar eine Demütigung oder soll Tottenhams Keeper am besten gleich die Torwart- Handschuhe in die Tonne kloppen und nie wieder welche anziehen?

0:3 lag seine Mannschaft bei Atletico nach einer Viertelstunde hinten. Zwei der drei Tore hatte er verschuldet. Es war sein Debüt im Spurs- Kasten. Und dann wurde er nach 17 Minuten ausgewechselt.

Was ich mich frage: wieso lässt man den Jungen in einem CL- Achtelfinale debütueren?

Dass er so früh ausgewechselt wurde, ist natürlich die Höchststrafe. Sehe ich auch so. – Nur: was machst Du denn als Trainer bei solch einer Qupte? Bis zur Pause warten, den Jungen einen Faserriss oder ähnliches vortäuschen lassen und ihn erst dann rausnehmen? Aber vielleicht liegst Du dann schon mit einem halben Dutzend hinten? Läßt Du ihn die 90 Minuten drin in der Hoffnung, dass er sich irgendwann fängt und auf die Gefahr hin, dass Du in die Geschichtsbücher eingehst mit einer historisch hohen Pleite?

Und sicherlich ist der Keeper erst einmal „verbrannt“, wie man so sagt. Zumindest für diese Saison und vielleicht auch für Tottenham. Aber ist gleich die ganze Karriere im Eimer?

Mir fällt da Loris Karius ein mit dem vergrützten CL- Finale für Liverpool. Um ihn war es dann wirkich lange still, bevor er sich auf seine alten Tage gefangen hat und für Schalke ein Rückhalt ist mit seinen Erfahrungen auf allen Ebenen.

Interessant fand ich die Argumentation eines früheren Keepers – war es De Gea oder Schmeichel? – man würde nach einem 0:3 sowieso nicht mehr zurück kommen, dann könne man den Torwart auch drin lassen…. Solch eine Argumentation halte ich im Leistungssport für problematisch, wenn ich nach 17 von 90 plus x Minuten mental das Handtuch werfe. Frage mich auch, was die früheren Trainer dieser Altmeister gesagt hätten…

Kann man aber in der Situation überhaupt richtig entscheiden als Trainer?

Abgedreht

Er sei eben keiner von einer Rundfunkanstalt, der den Stadionsprecher geben würde, aber mit dem Verein nichts zu tun habe. So erklärt Kölns Stadionsprecher Trippel seine beiden Ausraster vom Samstagabend. Einmal hatte er sich via Stadionmikro zu einer Schiri- Entscheidung geäußert und nach Abpfiff dem Publikum bekannt gegeben, dass da eine klare Handspielsituation vorgelegen habe und sich das niemand beim VAR angeschaut habe.

Da werrden selbst die Stadionsprecher von Regionalligisten mal zum DFB gebeten um denen zu erklären, dass und wie sie gegebenenfalls deeskalieren sollen. Und dann kommt der Kölner an und reklamiert für sich, dass er Fan des Vereins ist?

Das sind andere Sprecher mitunter auch – aber die wissen halt, wann sie am Stadionmikro die Schn… zu halten haben. Man nennt das auch Professionalität,

Den VAR auf andere Art ins Blickfeld gerückt haben indessen Münsteraner Ultras beim Spiel gegen berlin. Da wurde über einen Elfer entschieden – bzw. wurde es nur indirekt. Denn der Bildschirm des Schiedsrichters war schwarz. Mutmaßlich ein Ultra mit Sturmhaube (ist das eigentlich Deinstkleidung?) hatte am Bildschirm den Stecker gezogen.

Entschieden wurde dennoch: die VAR schilderte ihre Eindrücke und der Schiri auf dem Feld folgte ihr. Und da in der Regel die Schiedsrichter vor Ort stets den Hinweisen aus dem Keller folgen, kann man das auch gleich so belassen.

Ob aber der DFB den VAR deshalb wieder abschafft? Nach der Aktion in Münster scheint das noch unwahrscheinlicher zu sein als zuvor. Mal sehen, ob demnächst einer den Mumm hat und während des Spiels den Monitor klaut.

Retro oder Relegation?

Da war ja mal richtig was los am Wochenende… Drei Elfer in Wolfsburg, der HSV verwandelt zwei und gewinnt. VfL- Trainer Bauer, erst im Dezember zur Dauerlösung erkoren, wird freigestellt. Was heißt schon Dauerlösung? Vor allem in Wolfsburg?

VW greift nun in die Retro- Kiste, holt mit Hecking den alten Pokalsieger auf die Bank und fängt an zu hoffen. Die ähnliche Mission war ihm im Vorjahr in Bochum missglückt, im Herbst wurde er dann dort gefeuert. Nun steigt Hecking schneller auf als sein alter Verein – doch wer weiß, für wie lange?

Vier Punkte sind es bis zum Relegationsrang. Den hat gerade St. Pauli, obwohl es in den letzten Spielen gepunktet hat. Mainz ist punktgleich mit denen. Ebenso Köln, dass ordentlich gekämpft hat gegen den BVB – am Ende aber kam der ersehnte VAR- Anruf aus dem Keller nicht beim Handspiel eines Dortmunders. Was die Situation für Trainer Kwasniok nicht leichter macht.

Werder hat sich mit dem zweiten Sieg in Folge zumindest Luft verschafft auf die direkten Abstiegsplätze. Relegation droht so natürlich immer noch.

Die Top 6 der Tabelle kapselt sich ein wenig ab und dürfte die internationalen Plätze unter sich aufteilen. Wer also muss in die Conference League? Wer in die EL, deren Vorgänger- Wettbewerb der Franz ja als Cup der Verlierer bezeichnet hatte?

Schalke, Darmstadt und Elversberg führen in der 2. Liga die Tabelle an. Hannover hat es gegen Fürth versemmelt und holt die Franken wieder zurück in den Wettbewerb. Kaiserslautern dürfte sich nach der Niederlage in Bochum nun endgültig von Aufstiegsträumen verabschieden. Trainer Lieberknecht vielleicht sogar vom Verein.

Holstein Kiel wartet noch auf den Effekt des Trainerwechsels, da droht nach wie vor die Durchreiche in Liga 3. Und Magdeburg wird sicherlich auch nochmals darüber nachdenken, mit welchen personellen Veränderungen sich der worst case verhindern ließe.

Umbruchsphantasien

Dann ist es wohl offenbar noch nicht eng genug in der Meinung der Bosse in Wolfsburg. Trainer Bauer darf weitermachen. Ob es wirklich noch keine Kontakte zu den Altmeistern Hecking und Magath gegeben hat? Das Spiel gegen den HSV kriegt der Trainer in jedem Fall noch. Wenn sie ihn aber bis zur Länderspielpause weiterrödeln lassen, könnte es gefährlich werden. Andererseits weiß sein derzeitiger Fürsprecher und Manager, dass es auch für ihn selbst eng werden könnte. Und sollte wirklich der Magath nochmals auflaufen, dürfte er die Doppelfunktion für sich beanspruchen.

Unterdessen laufen beim Vizemeister- Kandidaten aus Dortmund ganz andere Planungen.Emre Can (Gute Besserung!) kann oder wird möglicherweise nicht mehr im BVB- Trikot aufs Feld zurückkehren nach seinem Kreuzbandriss. Nochmals ein neuer Vertrag? Oder war es das für ihn in Dortmund – oder sogar mit der Karriere?

Das Problem ist trotz der sicher scheinenden Quali für die nächste CL- Saison das Ausscheiden in den Playoffs letzte Woche. Wer geht im Sommer oder muss gehen um einzusparen? Die Adhoc- Mitteilung für die Börsenfreunde haben sie natürlich sofort rausgehauen, rechnen mit Verlusten in zweistelliger Mio.- Höhe.

Auf welcher Basis haben die eigentlich den Etat ermittelt? Ist in Dortmund die CL- Halbfinalteilnahme Pflicht, damit man keine roten Zahlen schreibt? Oder genügt das Viertelfinale? Das muss dann aber alles tierusch auf Kante genäht sein und man hatte ja schon während der Pandemie den Eindruck, dass manche Pommesbude seriöser wirtschaftet als die Bundesliga- Unternahmen. Vom Erfolgsdruck hat man nur eine vage Ahnung.

Das Gehalt von Emre Can übernimmt in absehbarer Zeit die Berufsgenossenschaft. Kollege Adeyemi ist kein Verkaufsschlager, ihn musst Du aber loswerden so lange das noch einigermaßen geht. Schlotterbeck dürfte schwerlich zu halten sein und was ist mit Keeper Kobel?

Das hört sich alles nach Umbruch im Sommer an. Was aber ist mit der Führungsetage? Wird da demnächst auf der VIP- Tribüne ein Plätzchen frei? Sammer, Ricken, Kehl… ist da einer zuviel dabei? Die mittelfristige Planung beim BVB klingt spannender als so macnhes Spiel…

Hec- King als As?

Endlich war es mal wieder ein Spitzenspiel, das diese Titel wert war. Ich hatte ja wirklich überlegt, ob ich mir Dortmund / Bayern geben sollte, nachdem es zuletzt ja schon fast Tradition hatte, dass der BVB in diesen Duellen stets früh hinten lag und Bayern das dann runterspielte.

Doch beim 3:2- Auswärtssieg der Münchener trat Dortmund endlich mal mutig auf, forderte den Tabellenführer nach Kräften und hatte so auch seinen Anteil daran, bei der weltweiten Übertragung in zig Länder Werbung für die Bundesliga gemacht zu haben.

Bei 11 Punkten Vorsprung zehn Spiele vor Saisonende ist allerdings auch klar, dass die Meisterschaft nun wirklich durch sein dürfte.

Schauen wir also nach unten – wo Werder gegen Heidenheim gewann, die nicht geschossenen Tore waren allerdings noch spektakulärer als die geschossenen. Und im Nachhinein war der Sieg bitter nötig, denn Gladbach und St. Pauli gewannen ihre Spiele ebenfalls, Augsburg hatte ja am Freitag schon vorgelegt.

Lediglich Wolfsburg schmierte erwartungsgemäß ab und steht nach dem 0:4 in Stuttgart offensichtlich vor dem nächsten Trainerwechsel. Denn die Zustandsbeschreibung von Trainer Bauer , dass „Atmosphäre und Kultur (…) nicht bundesligatauglich“ seien, wäre in der freien Wirtschaft einer Bitte um Entlassung gleichzusetzen. Vielleicht sollte man als moderner Trainer auch weniger von „Mindset“ und angeschobenen Prozessen fabulieren, sondern intern mal Fraktur sprechen?

Und so könnte Wolfsburgs prekäre Lage ihren früheren Erfolgstrainer Dieter Hecking nochmal in die erste Liga spülen – vielleicht für zehn Spiele. Oder etwa doch mehr? Man erinnert sich halt gern an Dinge, die mal funktioniert haben. Zuletzt kreiste ja auch der Name Magath durch die VW- Fußballabteilung. Drei Punkte beträgt der Rückstand auf den 15. Platz.

In der 2. Liga stehen die Vereine mit Ausnahme von Berlin, Kaiserslautern und Karlsruhe entweder im Auf- oder Abstiegskampf. Die ersten fünf Mannschaften trennen gerade einmal zwei Punkte. Nur deren fünf sind es zwischen den Plätzen neun und sechzehn.

End- und Topspiele

Welch ein feines Hackentor, das den FC Augsburg gegen Köln auf die Siegesstraße brachte! Das zweite in der Nachspielzeit war dann lediglich eines ins verwaiste Tor der Kölner, die zu spät Druck machten und nun das Wochenende über abwarten müssen, wie nah sie dem Relegationsplatz kommen werden. Dass unterschwellig die nächsten Diskussionen um den Trainer starten werden, ist eingepreist.

Sowas wird in Bremen nicht passieren drei Wochen nach dem Amtsantritt von Daniel Thioune. so früh schon eine Jobgarantie abzugeben, ist indes auch außergewöhnlich. Nun geht es gegen Heidenheim. Vorletzter gegen Letzter. Für wen ist es mehr ein Endspiel? Wer hätte selbst nach einer Niederlage noch Aussichten auf ein weiteres Jahr Bundesliga?

Dortmund gegen Bayern ist das Topspiel am Abend. Einmal mehr. Wird es auch eines oder tritt der BVB allzu zaghaft auf, wenn es gegen den Dauer- Meister geht? Einmal mehr?

Verliert der BVB, dann wird intern sicherlich schon einmal ein fiktiver Kassensturz stattfinden. Schließlich fehlt nach dem Ausscheiden in der CL einiges an Kohle, um den Kader auch nächste Saison noch finanzieren zu können. Die Adhoc- Mitteilung an die Aktionäre ging sofort raus.

Frankfurt und Freiburg duellieren sich um den Trost- Platz 7, beide übrigens mit negativem Torverhältnis wie insgesamt zwei Drittel der Vereine in der Liga.

Leverkusen muss mal langsam in Fahrt kommen gegen Mainz, Hoffenheim hat mit St. Pauli eine trügerische Pflichtaufgabe auf dem Plan. Leipzig ist im Hamburger Volkspark gefordert, die großen Ziele sind gefährdet, und Stuttgart kann Wolfsburg weiter in Richtung Abstieg schießen. Kraft gespart haben sie gegen Celtic ganz offensichtlich. Gladbach empfängt Union.

Liga 2 hat Darmstadts Niederlage in Dresden gesehen, Düsseldorf hat sich ebenso Luft verschafft am unteren Ende der Tabelle. Schalke kann also mit einem Sieg beim Letzten in Fürth die Tabellenführung ausbauen. Elversberg muss nach Kiel und zu deren Trainer- Rückkehrer Walter. Paderborn spielt in Kaiserslautern und kann mit einem Sieg dort die Gastgeber wohl endgültig aus dem Aufstiegsrennen kicken. Hannover kann eventuell Nutznießer sein, einen eigenen Sieg in Bielefeld vorausgesetzt.

Luft nach unten

Hat das jemand gemerkt, dass Augsburg den 1.FC Köln um vier Punkte überholt hat? Von den fünf Punkten Rückstand auf Platz 7 will ich gar nicht anfangen, das hätten weder Augsburg noch Europa verdient.

Na, jedenfalls eröffnen der FC und der FCA heute den nächsten BL- Spieltag. Und vor allem bei den Kölnern hat man das Gefühl, deren Trainer Kwasniok steht im Zwei- Wochen- Rhythmus zur Disposition. Sie sind zwar nur vier Punkte vor dem Relegationsrang, aber die Mannschaften ganz unten in der Tabelle machen nicht den Eindruck, dass ihnen der Befreiungsschlag gelänge. Zudem: Köln ist Aufsteiger. Da ist Überlebenskampf etwas ganz Normales. Und dass die offene Art des Traiiners, im August noch bejubelt, jetzt plötzlich falsch sein soll? Seltsam.

Augsburg hat sich nach dem Retro- Wechsel zum Baum auf der Bank stabilisiert. Spielt zwar nicht immer schön, aber sie haben sich ein wenig Luft nach unten verschafft – auch durch die Siege gegen Leverkusen und bei den Bayern. Und darum geht es für beide Clubs: um Luft in der Tabelle, an den Platzierungen wird sich am Abend kaum etwas ändern.

Die 2. Liga sieht den West-Klassiker zwischen Düsseldorf und Bochum, vor ein paar Jahren ein Relegations- Duell. Jetzt geht es vor allem für die Fortuna um die Vermeidung der Relegation oder Schlimmerem.

Bochum kommt mit Ex- Trainer Rösler, dessen VfL zu viele Unentschieden einfährt um wirklich noch einmal an eine sofortige Bundesliga- Rückkehr denken zu können. So wird es schon jetzt darauf hinaus laufen, dass man die Saison souverän zu ende spielt. Das war im Herbst noch ein großes Ziel, sie sollten das nicth vergessen an der Castroper Straße.

Zeitgleich spielt Darmstadt um die Tabellenführung. Auswärts in Dresden, wo Dynamo mit einem Sieg Druck auf die Konkurrenz im Keller ausüben könnte und eventuell sogar an Düsseldorf vorbeiziehen würde.