Der 18. eines Monats – wieder und wieder gilt dieser Tag als ein Moment der Besinnung, des Innehaltens, um eine kurze Rückschau zu generieren und mir der Besonderheit meines Täglichlaufens bewußt zu werden. Zu sehr ist dieser Stil mit mir verbunden, verwachsen – um das noch groß im Fokus zu haben – wer denkt denn schon über das Atmen nach? Und genau das ist es für mich; um so essentieller jene Rückschauen, die im März ihren natürlichen Höhepunkt erreichen. Der heutige Tag ist selbstredend DER bedeutendste Moment in meinem Täglichläuferleben; demungeachtet sind allzu viele Worte unnötig und wie ich damals beim Vollzug der ersten Dekade konstatierte: „Mein Körper und Geist bekommen das, wofür sie konstruiert sind, tägliche Bewegung. Wo ist die Besonderheit? Es gibt keine. Pure Natürlichkeit. Mein Körper ist nicht mehr der, der er einmal war, doch wird auch der „Antisportler“ weiterhin seinen festen Platz in meinem Gehirn einnehmen. Auch bemühe ich mich von Herzen mit jedweder Hingabe, meine Intention auch in der Zukunft zu leben. Natürlich, wie könnte es anders sein? Ich laufe weiter. Täglich. Wie könnte ich auch nicht?“.
Wie trivial. Und bemerkenswert. Es ist mir dies gelungen – bis heute. Und der Antisportler lebt nach wie vor und in der Tat durfte ich jeden Tag seit damals mit einem Lauf wertschätzen oder mich selbst, je nach Sichtweise. Bei aller Banalität – was für ein Geschenk!!! So strahlt nun heute der 18.03.2026 hernieder und damit erhebe ich mein Gelebtes Täglichlaufen auf 25 Jahre in Serie. Ausnahmslos. Ohne Pause, ohne Unterbrechung. Freilich, in den vergangenen 15 Jahren gab es zahlreiche Augenblicke, in denen ich mich gedanklich bereits davon verabschiedete und dennoch ging es irgendwie weiter; ich frage mich, woher ich die Energie, die Kraft in diesen ausgewählten Sekunden nahm. Verrückt! Das heutige Jubiläum nehme ich mit einem nachhaltigen Stolz und in tiefer Demut an und auch ein wenig mit Freude. Meine Freude ist leider verhalten und nicht im Ansatz vergleichbar mit dem gewichtigen Tag der ersten Dekade. Vor bereits drei Jahren trübte das Himmelsgewölbe finster ein und generierte 2023 schon kein angenehmes Jubiläum, um mich hernach endgültig dunkel einzuhüllen, was bis heute anhält. Aber so ist das Leben, eine begrenzte Phase, an der man partizipieren darf. Täglichlaufen und Gesundheit – welch Symbiose! Positiv wie negativ.
Ich wiederhole meine damaligen Worte: „So vergehen die Tage, die Zeit, die Läufe und das Leben. Ich laufe in die Zukunft und was bleibt? Die Erinnerung an die Vergangenheit; manche Ereignisse ragen leuchtend in diesem grauen Nebelreich auf und strahlen unablässig weiter, während andere mehr und mehr verblassen. Irgendwann wird mein Stil enden, muß enden – dann war es das, mit dem „Gelebten Täglichlaufen“ – die Vergänglichkeit wird dereinst obsiegen. Ich selbst werde irgendwann folgen, ebenso im nebulösen Nichts verblassen – wie Staub im Wind. Für immer und immer. Temporäre Existenz. Aber bis es soweit ist, werde ich so viele Läufe und Tage wie möglich genießen, wenn auch nicht jeden einzelnen. Ich möchte nicht einen Tag aus der vergangenen Dekade missen. Selbst die unangenehmsten nicht, auch sie sind Bestandteil des Erlebten, meines Lebens und machen mich zu dem, was ich bin. Ich würde jeden einzelnen Schritt wieder so gehen.“ – – Auf mein Täglichlaufen bezogen, unterschreibe ich das weiterhin gerne. Ansonsten würde ich auf viele Tage allzu gerne verzichten, aber wie dem auch sei – heute werde ich angesichts der 25 Jahre doch mal lächeln, kurz. Morgen werde ich natürlich den nächsten Lauf beginnen, ich bin viel zu stur, um damit aufzuhören. Nur die Gesundheit, bzw. das Fehlen derselben kann und wird mich früher oder später daran hindern. Gelebtes Täglichlaufen! 25 Jahre!
Der Jubiläumslauf. Angenehm frisch bei -05 °C, hinein in den Sonnenaufgang in der Einsamkeit, 12 Kilometer, begleitet von zahlreichen Wildgänsen. Nur ein Kommentator: „Ist das nicht zu kalt, mit kurzen Hosen!?“ – manche lernen es nimmermehr. Totale Abgeschiedenheit, 25 Jahre, so viel Zeit, so viele Läufe, so viele Erinnerungen, so viele Erlebnisse, Begebenheiten, so viele Menschen, so viele Abschiede, zu viele.
Vor drei Jahren. „Ich habe daran gedacht, ich habe es nicht vergessen“. Ach ja.
