Als unser Redaktionsfotograf Carl Laszlo das erste Mal in seinem Baseler Domizil portraitierte, hatte er seinen Fotografengesellenschein gerade erst seit ein paar Tagen in der Tasche. Das war 1986 während der «Art Basel». Tagsüber auf der Messe unterwegs; abends las er im Gästezimmer, umgeben von Portraitbildern verschiedener Künstler, die alle Carl Laszlo zeigten, «Ferien am Waldsee». So wurde er zum Mentor unseres Redaktionsfotografen.
Im noch recht jungen Verlag «Das vergessene Buch» (DVB) des ebenfalls noch recht jungen deutschen und in Wien lebenden Verlegers Albert C. Eibl, der es sich nach eigenem Bekunden zur Aufgabe gemacht hat, zu Unrecht vergessene Werke der deutschsprachigen Literatur dem Lesepublikum erneut zugänglich zu machen, wurde im Oktober 2020 auf Anregung des Publizisten Alexander von Schönburg Carl Laszlos «Ferien am Waldsee» mithin erneut aufgelegt und erreichte dort inzwischen die 2. Auflage – nunmehr erweitert um eine größere Bildstrecke unseres Redaktionsfotografen. Einige dieser Bilder fanden bereits in seinem Nachruf auf ihn im Jahre 2013 Verwendung.
Im Juni 2023 wurden Carl Laszlos Konzentrationslager-Erinnerungen dann auch als Paperback beim «btb Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH» veröffentlicht, diesmal auch mit einem Portraitfoto von Carl Laszlo auf dem Buchumschlag:
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Nur kurze Zeit später erschien Laszlos Werk bei «speaklow» als Hörbuch:
speaklow: Hörbuch-CD-Cover – Carl Laszlo: «Ferien am Waldsee»
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Erfreulicherweise erreichen Laszlos «Ferien am Waldsee» nun endlich jene größere Aufmerksamkeit, die sie schon längst verdient haben. So schrieb Hans Ulrich Obrist (HUO), der künstlerische Direktor der Serpentine Galleries in London, am 04.12.2020 in «Das Magazin», dem Supplement des Schweizer «Tagesanzeiger»: «Noch erschütternder ist dies: ‹Was den Titel des Buches betrifft, so gibt es diesen Waldsee in Wirklichkeit natürlich nicht. Aber bekannt war er eine Zeit lang, denn als einige Gruppen von Verhafteten damals aus Ungarn nach verschiedenen Konzentrationslagern verschleppt wurden (…), erhielten einige ihrer Familienmitglieder gelegentlich Postkarten mit vorgedrucktem Text und eigenhändiger Unterschrift der Deportierten. Dies vermochte die Angehörigen umso mehr zu beruhigen, als der Stempel der Karte lautete: ‹Am Waldsee›.›»
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Ebenfalls am 04.12.2020 schrieb Alex Rühle in der «Süddeutsche Zeitung» im letzten Absatz seiner Rezension: «Gewidmet ist das Buch dem Berliner Arzt Benno Heller, der sich in Auschwitz wo er konnte für Mitgefangene einsetzte und dabei jedes mal sein Leben aufs Spiel setzte. ‹Er sprach nie von Moral, er berief sich nie auf Gott oder die Gerechtigkeit, sondern bekämpfte den Mord, so gut er konnte, mit einer Selbstverständlichkeit, wie man beim Tennisspielen die Bälle zurückschlägt.› Tennis in Auschwitz, Ferien am Waldsee, Mengele, der an der Rampe mit seinem Zeigefinger Tote von Weiterlebenden scheidet ‹wie ein Postbeamter seine Briefe sortiert› – hier spricht tatsächlich eine sehr eigene Stimme und man kann nur hoffen, dass sie gerade in ihrer merkwürdigen Eigenartigkeit diesmal wirklich hörbar wird.»
Alex Rühle: «Wo man nicht schweigen darf»
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Bereits am 26.11.2020 schrieb Margarete Affenzeller in «Der Standard» im ersten Absatz: «Wie über den Holocaust schreiben? Die Beantwortung dieser Frage hat insbesondere einer nicht abgewartet, der selbst mehrere Konzentrationslager überlebt und bereits 1955 seine Erinnerungen publiziert hat: Carl Laszlo (1923–2013), ungarischer Jude aus der Nähe von Pécs, aus dessen Familie 53 Personen in Auschwitz ermordet wurden und der nach dem Krieg im Furor des Überlebens ein schillerndes Leben als Kunsthändler und Psychoanalytiker in der Schweiz begonnen hat. Das Echo auf sein bescheiden schmales Bändchen war damals, zehn Jahre nach dem Kriegsende, gleich null. 1955 blickte man lieber nicht zurück auf eine traumatisierende Vergangenheit. Auch ein zweiter Publikationsanlauf 1998 (im Doppelpack mit dem Memoirenband Der Weg nach Auschwitz) blieb resonanzlos. Jetzt aber will der Wiener DVB-Verlag den fiktionalisierten Erlebnisbericht dem Vergessen entreißen. Völlig zu Recht.»
Margarete Affenzeller: «Das Überleben ein Leben lang feiern»
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Am 31.03.2021 schrieb Roman Bucheli in der «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ) im ersten Absatz: «Er war ein begnadeter Exzentriker. Keiner der eitlen, dünkelhaften Sorte. Vielmehr ein Gaukler – und ein Seiltänzer, wie er sich manchmal nannte, einer, den das Leben das Fürchten gelehrt hatte bis zu dem Punkt, wo er nichts mehr zu fürchten brauchte. Carl Laszlo war ein Gezeichneter, und er wollte, dass jeder es sah. Aber er allein bestimmte, wie man ihn sehen sollte. Sein einstiger Lehrer, der grosse Leopold Szondi, Begründer der Schicksalsanalyse, fragte ihn einmal, warum er sich so auffällig kleide. Er glaube, gab Laszlo zur Antwort, er wolle in erster Linie sagen: ‹Ich bin da, sie haben mich nicht kaputtgemacht.›»
Roman Bucheli: «Ich habe Hitler besiegt»
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Ebenfalls am 31.03.2021 reagierte Alexander von Schönburg in seiner BILD-Kolumne unter der Überschrift «Ruhm mit Verspätung» u.a. auch auf die Rezension von Roman Bucheli in der NZZ vom selben Tag:
Alexander von Schönburg: «Ruhm mit Verspätung»
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Einige Tage zuvor, nämlich am 21.03.2021, publizierte Wolfgang Paterno im österreichischen «profil» seine Rezension unter der Überschrift «Asche atmen» über drei Seiten. An das Telefonat mit dem Autoren kann sich unser Redaktionsfotograf noch lebhaft erinnern:
Wolfgang Paterno: «Asche atmen»
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Im März 2021 wurde «Ferien am Waldsee» auch im ORF, in 3sat sowie im ZDF in der Sendung «kulturzeit» ausführlich besprochen:
3sat: «Ferien am Waldsee»
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In der Ausgabe 2/2021 des Magazins «Lesart» veröffentlichte Michael Rohrwasser seine Rezension unter der Überschrift «Aus der Hölle in die Bohème» auf einer Doppelseite:
«Aus der Hölle in die Bohème»
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Auf «Holocaustliteratur.de» schreibt Charlotte Kitzinger von der «Arbeitsstelle Holocaustliteratur» (JLU Gießen) im zweiten Absatz:
«Laszlo erzählt in zehn Kapiteln episodenhaft einzelne Begebenheiten oder Begegnungen in den Lagern. (…) In einem weiteren Kapitel erinnert sich der Ich-Erzähler an ein junges deutsches ‹Zigeunermädchen› in Auschwitz-Birkenau, das ihn, als er krank und geschwächt im Krankenbau liegt, mit zusätzlichen kleinen Brotrationen versorgt – sie arbeitet in der Küche des Krankenbaus – und ihm so das Leben rettet. Sie wird zusammen mit den übrigen Gefangenen des ‹Zigeunerlagers› in Auschwitz-Birkenau eines Tages vergast.»
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Bazon Brock bespricht auf seiner Website die Wiederholung des Radiobeitrags «Der Kunstsammler Carl Laszlo» mit Bezug auf «Ferien am Waldsee» am 21.06.2022 im ORF: «Der studierte Mediziner flüchtet sich nach der Befreiung nach Basel zu seiner Schwester, schreibt psychiatrische Aufsätze, Theaterstücke, verlegt eine Zeitschrift – verschuldet sich. Hans Arp hilft ihm aus der Patsche, überlässt ihm Bilder zum Verkauf und entzündet damit eine Besessenheit für die Kunst. Carl Laszlo erfindet sich neu, beginnt frühe Expressionisten, Jugendstil und Art Déco zu sammeln, gründet eine Galerie. Plötzlich Kunsthändler nutzt er das Trauma von Auschwitz zur eigenen Wiedergeburt. Er feiert rauschende Feste in seiner Villa am Sonnenweg. Stets eine Havanna zwischen den Fingern füttert Laszlo Generationen angehender Künstler mit Kaviar und Kokain. Er entdeckt die Beatniks und die Popart in New York, verliert sich im Rausch und kommt dafür, sechzigjährig, in Haft. Der gebürtige Ungar betrachtet alles mit jüdischem Humor, ist religiös, gebildet – Weltbürger. Nie ist die Kunst Investment, sondern stets reine Neugier. Weil die Villa vor Werken bald aus den Nähten platzt, mitbegründet er die «Art Basel» und gibt damit der Stadt, die ihn einst nur geduldet hat, etwas zurück. Doch bis zum Schluss bleibt diese ‹undurchdringbare Wand›, die ihn vom Rest der Menschen seit seiner Jugend trennte.»
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Auktionskatalog Hampel Fine Arts Auctions: «Sammlung Carl Laszlo»
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Im Zuge seiner Recherchen über die inzwischen erfolgten Rezensionen mußte unser Redaktionsfotograf bedauerlicherweise auch feststellen, daß eines seiner Carl-Laszlo-Portraits vom Münchner «Auktionshaus Hampel» ungenehmigt, ohne Namensnennung, beschnitten, in schlechter Druckqualität und zudem ohne jegliche Honorarzahlung nicht nur im Auktionskatalog selbst, sondern auch über Jahre hinweg illegal im Internet genutzt wurde. Eine jeden Nutzer urheberrechtlich geschützter Werke verbindlich verpflichtende Recherche über den Rechteinhaber, die in diesem Falle auch für das besagte Auktionshaus noch recht bequem verlaufen wäre, weil zum Zeitpunkt der unerlaubten Bilderstnutzung im Jahre 2016 die Carl-Laszlo-Portraits unseres Redaktionsfotografen bei der Google-Suche auf den vordersten Plätzen gelistet waren, erfolgte offenbar nicht. Auf die nach Kenntnisnahme dieser widerrechtlichen Bildnutzung an das Auktionshaus gerichtete Aufforderung, ein entsprechendes markt- und branchenübliche Honorar zu entrichten, beauftragte es überraschenderweise einen seltsamen Rechtsanwalt, der sich zum einen im Rahmen eines unangekündigten Adhoc-Anrufes zu nachmittäglicher Zeit in mutmaßlich stark übermüdetem Zustand für eine Artikulationsmethode entschied, die zu der eines zur Hysterie neigenden Nachtclub-Türstehers durchaus gewisse Parallelen aufwies; und zum anderen kurze Zeit danach per Mail einen «Schriftsatz» übersandte, den selbst eine noch so unvollkommen arbeitende KI in puncto Rechtschreibung, Grammatik und inhaltlicher Bewertung des Sachverhaltes unter juristischen Gesichtspunkten sicherlich wesentlich professioneller auf die Beine gestellt hätte.
Die Auktion bei Hampel erfolgte im April 2016. Seinen viel beachteten Vortrag hielt unser Redaktionsfotograf auf der «QVED 2016» (Quo Vadis Editorial Design?) zum Thema «Corporate Photography Means Executives Look Good» nur zwei Monate zuvor im Februar 2016 in der «Alten Kongresshalle» in München. Es hätte sich mithin angeboten, für alle Beteiligten weiterführende Synergien zu schaffen. Aber wie das eben so ist: Mit Kulturgütern zu handeln, bedeutet eben nicht notwendigerweise selbst über Kultur zu verfügen. Die Sache ist erst Anfang nächsten Jahres verjährt. Bis dahin wird die Klage längst anhängig sein. Darauf zu verzichten, würde auch bedeuten, von Carl Laszlo nichts gelernt zu haben – und dieses Bild möchte ihm unser Redaktionsfotograf nun wirklich nicht zumuten müssen. Auch nicht postum.
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Pinguine mögen weder Klimawandel, Eisbären noch Kommentarmöglichkeiten. Deshalb – bis auf die Pinguine – alles deaktiviert.
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Kolumne Hans Ulrich Obrist: «Was niemals vergessen werden darf» – Die Erinnerungen des KZ-Überlebenden Carl Laszlo verdienen eine große Leserschaft.
Andreas Baier hält auf der «QVED 2016» einen Vortrag über sein Projekt «Unternehmensfotografie bedeutet, daß Entscheidungsträger gut aussehen».
Blitzlichtportrait von Dschingis Khan mit dem Titel «Mißhandelte Frühstückswürstchen mit Sahnehammer»
Andreas Baier portraitierte Sir Peter Ustinov für das Magazin «max» als dieser mit seinem Programm «An Evening With Peter Ustinov» in der Bundesrepublik auf Tournee war.
Vier Doppelseiten im chinesischen «People»-Magazine
Sotheby’s Katalog einer Auktion
Cover IPO-Brochure «Das Werk AG»
Internationale Werbekooperation mit den Metz-Werken
«Hommage an die Hommage» –
Portraits von Kursteilnehmern der «Berlin School of Creative Leadership».
Kunstsammler auf der Art Basel 2015.
Bill Gates im Auftrag des «stern».
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Gibt es Parallelen zwischen den wirtschaftspolitischen Ansichten Marcel Fratzschers und dem damaligen «Wirtschaftsförderprogramm» des Dritten Reichs?
KI-Version I
KI-Version II
Die Heiligen Drei Könige auf dem Weg nach Bethlehem.
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Diese Illustration gehört eigentlich zum Treatment Das Klima bin ich! (mit Chuck Norris in der Hauptrolle sowie der von Mr. Spock zur Klimarettung empfohlenen decarbonisierten Fuß-Selbstverspeisung), aber als Sneak Preview (und überhaupt) erscheint uns diese kleine Zweckentfremdung dann doch passend – zumindest vorläufig.


Gemini-KI’s notice: «Here’s the image of the cake with photographs of the Vietnam War and a copy of the German newspaper BILD with its original logo, placed in a room in Louis XIV style, with Paul Ronzheimer depicted as the French king: (see above)»
Canva-KI gewinnt dem Wirken Max Liebermanns gänzlich neue Seiten ab: Ein Produkt der «Leichte Sprache» in der Kunstvermittlung? Restlos ausschließen läßt sich in Sachen KI leider nichts.
König Alba von Spanien verspeist während seines Feldzuges gegen Napoleon auf dem Rücken seines Pferdes eine frisch gegrillte Katze.

Jacques Wraques: «Züge sind ein Kreuz»
Martha Krippenreuther: «Im Sturme fliegende Herzöge»
Dr. Ruth Westheimer: «Nuts, Fruits & Cakes»
Simone Hack: «Fisch gleich Siebenbach plus null»
Hamlet Hamster: «Die nette Dame mit dem Diamantenhut»
Claire Baudelaire: «Das leichte Band der losen Liebe»
Alexander Senfkorn: «Der Klimawandel im Wandel der Zeit»
Clara Seidenfaden: «Vögeldichfrischparcours»
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