Offene Räume

 
Was erlaubst du dir –
und was verbietest du dir?
Sind die zwei Fragen
 
auf die es ankommt –
wenn du weiter schreiben willst.
Ich erlaube mir
 
Räume zu öffnen
und Räume zu betreten,
die ich eine Zeit
 
lang bewohnen kann –
Räume des Schweigens, Räume
zwischen den Welten –
 
Räume an Flüssen
und Räume in den Wäldern,
Räume, in denen
 
der Wind zu Wort kommt
und das Flüstern der Blätter,
Räume in denen
 
nichts verboten ist,
nichts vorgeschrieben, alle
Räume sind offen –
 
für alle Stimmen
und alle Zeiten offen –
und was fällt dir ein
 
in diesen Räumen
ist nicht die Frage, sondern:
Was vernimmst du hier –
 
und: Was fällt dir zu –
in den offenen Räumen
in denen die Zeit
 
immerzu still steht
während sie sich weiter dreht –
und die du bewohnst
 
wie warme Häuser –
immer auf der Suche nach
einem Wort, das passt –
 
in die unendlich
weiten und nach oben hin
offnenen Räume –
 
durch die der Wind weht
und in die der Regen fällt –
mal sanft, mal stürmisch –
 
Räume der Liebe
und Räume des Vergessens
und Sicherinnerns –
 
an die, die du warst –
ehe dich der Flügelschlag
der Zeit berührte –
 
und die Stille sprach:
Ziehe in die offenen
Räume der Worte –
 
wärmere Häuser
wirst du nirgendwo finden,
hellere Räume
 
existieren nicht
für dich, die du den Himmel
als Raum betrachtest –
 
aus dem die Worte
leise und sanft und so hell
fallen wie Flocken
 
dir ins Wort fallen –
bis dein Wort mit der Stille
verschmilzt – wie der Schnee.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Hannah

Februar 2026

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Wäre ich ein Wald –

 
Könnte ich den Wind
in meine Worte fassen,
das Rauschen des Bachs –
 
die Regenwolken –
weiße und dunkle, die sich
im Wasser spiegeln –
 
und all die Vögel
und das Glitzern des Wassers
zwischen den Bäumen –
 
wäre ich ein Wald,
der bald zu blühen beginnt!
Ich bin nur ein Mensch.
 
Ich bin eine Frau,
die einen Augenblick lang
mit dem Wald verschmilzt –
 
bis seine Farben
in meiner Seele leuchten –
und seine Lieder
 
in mir nachhallen –
und das genügt fürs erste.
Im nächsten Leben
 
werde ich vielleicht
ein Wald sein, der dir zuruft:
Alles darf da sein –
 
dunkles und helles,
junges, frisches, leuchtendes
Moos, Gras und Blattwerk –
 
und weiße Wolken
im Blau des Himmels zwischen
den Regenwolken.
 
Alles darf da sein –
die bittersüßen Tränen
der Melancholie
 
über diese Welt –
doch auch die helle Freude,
am Leben zu sein –
 
inmitten des Grüns –
inmitten dieses Rauschens
der Bäume im Wind –
 
oder des Baches!
Alles darf da sein, alles,
jeder Gedanke –
 
und jedes Gefühl –
ist mir willkommen! würde
ich euch zurufen –
 
wäre ich ein Wald –
und einen Augenblick lang
scheint es, als hörte
 
ich seine Stimme –
oder als hallte seine –
des Waldes – Stimme –
 
in mir nach und nach –
und alles leuchtet wieder:
die Regentropfen –
 
nach dem Wolkenbruch –
die schweren, dunklen Wolken,
die weiter ziehen –
 
über dem dunklen,
schlammigen Grün des Flüsschens –
das zwischen alten
 
und jungen Bäumen
so unbeirrt dahin fliesst –
rauschend und glitzernd –
 
und Worte murmelnd –
während die Bäume leuchtend
im Regen stehen –
 
unbewegt und doch
mitten im Leben stehend –
still und doch bewegt –
 
und er weiter schweigt
und doch weiter spricht, der Wald
dessen Worte in
 
mir weiter wachsen –
und rauschen wie der Regen –
bis die Welt still steht –
 
für einen Moment –
der Klarheit und der reinen,
leuchtenden Freude –
 
lebendig zu sein –
mitten im Grünen, mitten
im Leben stehend!

 

 

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Hannah

10.,11.,12.2.2026

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Präsenz

 
Manchmal umhüllt mich
ein Nebel aus Geschichten,
die ihr mir erzählt –
 
oder die ich mir
zuweilen selbst erzähle.
Weißt du noch, damals –
 
beginnen viele
dieser Geschichten – oder:
Damals, als ich noch…
 
Der Morgennebel,
der Regen, der See und der Fluss
erzählen mir nichts –
 
kein Wort – von früher.
Sie sind einfach, was sie sind –
ohne Geschichte –
 
ohne Geschichten,
die sich erzählen lassen.
Und doch erzählen
 
sie mir einiges.
Dies ist deine Welt, schien mir
der Morgennebel
 
gestern zu sagen –
als die Sonne ihn durchbrach
und er leuchtete –
 
in ihrer Präsenz –
zeitlos und bereits dabei,
sich aufzulösen –
 
zart und durchlässig –
ein transparenter Schleier
zwischen den Schichten
 
all der Geschichten,
die wir uns so erzählten.
Doch das war gestern.
 
Heute fällt Regen.
Dies ist deine Welt! scheint er,
auch er, zu sagen –
 
klar und erfrischend –
die Grenzen zwischen allen
Schleiern verwischend.
 
Dies und dies und dies –
scheint jeder Regentropfen
mir zuzuflüstern –
 
und zu bedeuteten –
ist Teil deiner Geschichte,
ein winziger Teil –
 
der sich ins Ganze
fügt wie ein noch fehlendes
Wort, eine Silbe –
 
ein Komma, ein Punkt –
zwischen dir und den Schleiern
alter Geschichten –
 
die du zuende
denkst, erzählst und schreiben musst –
doch vielleicht auch nicht –
 
wenn dir bewusst wird,
dass zwischen den Geschichten
stets das Leben spricht –
 
von diesem einen,
einzigartigen Moment –
in dem das Leben
 
still steht und atmet –
in einem Regentropfen,
einem Sonnenstrahl –
 
oder im Nebel –
den die Sonne durchleuchtet,
auflöst – und durchbricht!

 
 

 

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Hannah

9.2.2026

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Von ferne

 
Wie gelingt es euch,
diese Erde zu lieben?
frage ich den Wind –
 
frage ich den Mond
und frage ich die Sterne.
Wie gelingt es dir –
 
weiter zu scheinen –
rufe ich der Sonne zu.
Wie gelingt es dir
 
so ruhig zu bleiben?
frage ich den stillen See.
Wie gelingt es dir –
 
so klar, rein und hell
zu sein und einen kühlen
Kopf zu bewahren?
 
frage ich den Schnee.
Woher nimmst du deine Kraft?
frage ich den Fluss –
 
und woher nehmt ihr
eure Stärke zu wachsen –
in dieser Kälte –
 
aus dem Schnee heraus?
frage ich die Schneeglöckchen.
Wir alle kommen
 
von weit, sehr weit her!
scheint der Mond zu entgegnen
und Sterne scheinen
 
ihm zuzustimmen
und ein milder Winterwind
stimmt leise mit ein
 
und der See leuchtet
im hellen, milchigen Licht
des Mondes – und dies
 
ist seine Antwort –
ehe die Sonne erscheint
und sich die ganze
 
Welt in ihm spiegelt –
Berge, Bäume und Wolken –
und von irgendwo
 
tief aus der Erde
speisen die Flüsse den See
und auf den Gipfeln
 
der Berge leuchtet
weiterhin – reinweiß – der Schnee –
der weiter unten –
 
am Seeufer schmilzt –
und alle sind im Einklang
mit sich und der Welt
 
die sich nun langsam
im Licht des Morgens erhellt
und kleine Blüten
 
sprießen aus dem Schnee –
zart und fragil – doch leuchtend –
gespeist aus der Kraft –
 
die Mond und Sterne,
Sonne und Wind hervorbringt
und Berge erschafft –
 
und Flüsse erschafft –
und Wolken, die den Segen
des Regens bringen.
 
Betrachte die Welt
mit Staunen und mit Ehrfurcht
und mit Mitgefühl –
 
scheinen sie alle
zu flüstern und zu singen.
Liebe diese Welt –
 
denn du bist ein Teil
ihrer ungeheuren Kraft –
die Leben erschafft –
 
und doch bist du zart –
und fragil wie wir Blumen –
fügen die kleinen
 
Schneeglöckchen hinzu –
und was uns zum Wachsen bringt
sind Wärme und Licht –
 
und in ihnen schwingt
immerzu das Mitgefühl
mit der Schöpfung mit –
 
die ohne Wärme
kläglich zugrunde ginge
und ohne Liebe
 
nicht existierte –
und nicht bestehen könnte
noch sich erneuern –
 
scheint mir die Sonne
mit mütterlicher Liebe
sanft zu beteuern –
 
und alles scheint klar
zu sein in diesem Moment
in dem die Sonne
 
von der Liebe spricht
und von ihrem Mitgefühl
mit der ganzen Welt –
 
während sie aufsteigt –
und See und Berge erhellt –
und mir noch zuruft:
 
Mit etwas Abstand –
von weither kommend – fällt es
leichter, zu lieben –
 
und Mond und Sterne
und der Wind stimmen mit ein –
und ich denke: Ja –
 
ja, so ist es wohl –
genauso wird es wohl sein –
und so halte ich
 
genügend Abstand –
zur Welt, um sie zu lieben –
und so spreche ich
 
morgens mit dem Mond,
den Sternen, dem Wind, dem Licht
der Sonne – allein –
 
und mit den Bäumen,
den Vögeln und mit dem Fluss
und dem stillen See –
 
und mit den Glöckchen,
die hell und klar erklingen –
im und aus dem Schnee.

 

 

 

 

 

 
Hannah

7.2.2026

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Manchmal – im Zenit / Manchmal am Boden –

 
Manchmal – im Zenit
meiner Fassungslosigkeit
über uns Menschen
 
spricht der Wind zu mir –
oder ich schmiege mich tief
in die Flussbiegung –
 
und dort – am Boden
dringt etwas durch die Erde
und es fühlt sich an
 
wie reine Liebe!
Vielleicht ist es die Liebe,
die das Gras wachsen
 
die Blumen wachsen
und die Bäume wachsen läßt.
Und vielleicht ist es
 
dieselbe Liebe –
die die Wolken regnen läßt
und machmal schneien –
 
und den Wind wehen –
und im Wörtchen Wehen schwingt
leise Wehmut mit –
 
doch sie trösten mich –
der Wind, der Fluss, die Erde
und alle Bäume –
 
die weiter wachsen –
dem Sonnenlicht entgegen –
wie jeder Grashalm
 
und alle Blumen
immer dem Licht der Sonne
entgegen wachsen –
 
und jeder Grashalm
lehrt mich etwas Einfaches
und doch Komplexes –
 
und scheint zu sagen:
Nimm dir ein Beispiel an mir!
Ich wachse einfach –
 
dem Licht entgegen –
und jeder Baum stimmt mit ein,
so scheint es manchmal –
 
angesichtes seines
Vertrauens in die Erde
und ins Sonnenlicht
 
und in den Regen.
Und was ruft der Fluss mir zu –
an dessen Ufer
 
in dessen Biegung –
ich sitze oder manchmal –
im Frühling – liege?
 
Der Fluss ruft: gar nichts.
Der Fluss scheint nicht zu sprechen,
sondern zu singen –
 
und wenn du hinhörst,
wenn du ganz genau hinhörst,
singt die ganze Welt –
 
hier draußen im Wald –
jeder Grashalm, jeder Baum
und jede Blume
 
singt, wenn der Wind weht
seine, ihre eigene
stille Melodie –
 
ganz offensichtlich
singen nicht nur die Vögel –
doch sie, die Vögel –
 
singen besonders
hoch und klar und rein und hell –
denn in den Liedern
 
der Vögel erklingt
zugleich das Lied der Sonne
und das des Regens
 
und das des Mondes
und die Lieder der Sterne
und die der Wolken
 
und die des Windes –
und sie alle trösten mich
in dieser kalten
 
schaurig-schönen Welt –
die sich doch ihre Schönheit
bewahrt und erhält –
 
wie auch die Liebe –
aus der heraus wir wachsen
wie Gras und Bäume
 
Wurzeln und Blumen –
und wenn du der Erde lauschst
singt auch die Erde –
 
und selbst die Steine
jeder Kiesel im Flussbett
und in der Biegung –
 
in der ich liege –
geborgen und getröstet,
gehalten, gewiegt –
 
vom Lied der Erde –
selbst im und auf dem Zenit,
dem Gipfel meiner
 
Fassungslosigkeit
über das, was wir Menschen
anrichten können –
 
wenn wir vergessen,
dass wir alle nichts weiter
als ein kleiner Teil
 
dieser Erde sind –
die trotz allem weiter liebt –
und weiterhin – singt!

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Hannah

5.2.2026

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