Krieg

„Krieg um Energie?“ Klingt dramatisch. Ist aber fast noch zu harmlos formuliert. Was gerade passiert, ist viel perfider: Abhängigkeit wird zur Schwachstelle – und jeder, der liefern kann, weiß das ganz genau.

Ein Blick auf die Straße von Hormus reicht. Da müssen keine Bomben fallen, damit es knallt. Es reicht, wenn nichts mehr durchkommt. Keine Tanker, kein Gas, kein „wir regeln das schon“.

Und hier?

Hier wird weiter diskutiert. Als wäre Energie ein Lifestyle-Thema.

In Deutschland lebt man erstaunlich entspannt in der Illusion, dass Versorgung eine Art Naturgesetz ist. Strom kommt aus der Steckdose, Gas aus der Leitung und Probleme lösen sich irgendwie politisch weg.

Und dann kommt der unbequeme Punkt:

Man kann Russland politisch verurteilen – völlig berechtigt, spätestens seit dem Angriff auf Ukraine. Aber so zu tun, als würde russische Energie damit einfach aus der Welt verschwinden, ist keine Haltung. Es ist Selbsttäuschung.

Denn Energie folgt keiner Moral. Sie folgt Verfügbarkeit.

Was man nicht mehr aus Russland nimmt, kommt woanders her. Teurer. Umständlicher. Unsicherer. Und oft über Umwege trotzdem wieder aus denselben Quellen, nur mit Aufschlag.

Die Realität ist unromantisch.

Sie rechnet.

Weniger Angebot. Gleiche Nachfrage. Steigende Preise.

Und dann passiert das, worüber keiner gern spricht: Die Stärkeren und mit Gehirn, kaufen sich zuerst ein. Der Rest schaut zu. Wirtschaftsembargo hin oder her, es gibt schlauere Länder als Deutschland!

Das ist kein Zukunftsszenario, das läuft längst. Während hier noch darüber gestritten wird, wie man sich moralisch am saubersten fühlt, sichern sich andere Länder knallhart, was sie brauchen. Ohne Applaus. Ohne Debatte.

Und nein, das wird kein sauber deklarierter „Energiekrieg“. Es ist ein schleichender Kampf. Preise statt Panzer. Verträge statt Frontlinien.

Die ersten verlieren jetzt schon. Länder wie Bangladesch drehen den Strom runter, weil nichts anderes mehr geht. Industrie steht still, Alltag wird zum Improvisationsprojekt.

Hier merkt man davon erstmal wenig. Und genau das ist das Problem.

Zeit fühlt sich an wie Sicherheit.

Ist sie aber nicht.

Denn während man sich hier noch mit Nebensächlichkeiten beschäftigt, verschieben sich im Hintergrund die Machtverhältnisse. Energie wird teurer bleiben. Unzuverlässiger. Politischer.

Und Deutschland?

Wird nicht „plötzlich im Dunkeln sitzen“. Aber es wird sich daran gewöhnen müssen, dass Wohlstand keine Selbstverständlichkeit ist, sondern von Dingen abhängt, die man lange ignoriert hat.

Die eigentliche Krise kommt nicht mit einem Knall.

Sie kommt leise, logisch und völlig unbeeindruckt von dem, was man gerne glauben würde.

Und während viele noch schlafen, wird längst verteilt, wer morgen noch genug hat – und wer nicht.

Sturm im Deepfake-Glas

Die Welt steht in Flammen, aber wir haben endlich das wirklich Wichtige gefunden: Deepfake und virtuelle Vergewaltigung !

Es droht – gefühlt jeden zweiten Dienstag – der dritte Weltkrieg, in deutschen Städten wird gestochen, geprügelt, vergewaltigt, aber pünktlich vor der nächsten Wahl entdecken wir ein Thema, das garantiert niemandem körperlich weh tut, dafür aber maximal empört: Deepfake.

Klingt ja auch gleich nach Netflix-Doku und moralischem Höhenflug mit Gutmensch- Einsatz.

Eine Schauspielerin wirft ihrem Exmann „virtuelle sexuelle Gewalt“ vor. Ein Satz, der so modern ist, dass er wahrscheinlich noch warm aus der PR-Agentur kommt. Und irgendwo sitzt eine Redaktion, reibt sich die Hände und denkt: Endlich! Ein Skandal ohne Tatort, ohne Beweise, ohne Blut – aber mit maximaler Klickrate.

Früher, ganz früher, also in dieser dunklen Vorzeit namens 90er, da hieß das übrigens einfach Photoshop.

Damals wurden Promis auf Titelseiten wild zusammenmontiert, auseinandergerissen, schwanger gemacht und wieder verlassen – alles zwischen zwei Werbeanzeigen für Haarspray und Diätpulver. Bravo, Blitz-Illu und Konsorten haben ganze Lebensläufe erfunden, und das Einzige, was dabei wirklich gelitten hat, war der gesunde Menschenverstand.

Heute nennt man es Deepfake und tut so, als hätte man gerade den Teufel persönlich entdeckt.

Ein C-Promi, frisch aus dem Rebranding-Baukasten gefallen, erklärt uns jetzt also die digitale Apokalypse. Man fragt sich unweigerlich: Hat in den 90ern niemand Zeitung gelesen? Oder wurde da einfach noch weniger geheuchelt?

Natürlich, Technologie ist schneller geworden. Besser. Perfider. Geschenkt.

Aber diese plötzliche, flächendeckende Empörung wirkt ein bisschen wie ein Rauchmelder, der nur dann angeht, wenn jemand einen Toast verbrennt – während nebenan das Haus abbrennt und alle sagen: „Psst, wir diskutieren gerade die Kruste.“

Das eigentlich Beeindruckende ist nämlich nicht der Deepfake.

Es ist unsere Prioritätensetzung.

Wie elegant wir uns in virtuelle Empörung flüchten, während die Realität draußen ungebeten an die Tür klopft. Wie laut wir werden, wenn es um digitale Grenzverletzungen geht – und wie erstaunlich leise es manchmal bleibt, wenn es um echte geht.

Vielleicht, weil Pixel sich leichter aushalten lassen als Wirklichkeit.

Vielleicht, weil man einen Deepfake wegklicken kann.

Oder vielleicht, weil es einfach angenehmer ist, sich über einen künstlichen Skandal aufzuregen, als sich mit echten Problemen zu beschäftigen, die keine Filter kennen.

Aber keine Sorge.

Solange wir uns ernsthaft darüber streiten, ob ein zusammengeschnittenes Video Gefühle verletzt hat, bleibt die Welt draußen schön unscharf und unwirklich.

Und unscharf ist ja bekanntlich das neue Wegsehen.

Tja sowas…

Ehrlich gesagt hatte ich genau das meinen Kindern gesagt, als die sich über die entsprechenden Schlagzeilen aufgeregt haben. 86% des Sondervermögens veruntreut. Versuche das als normaler Mensch in der Höhe und Du sitzt bis zum Lebensende im Knast.

Vielleicht macht es ja ein halbwegs ernstzunehmder Mensch in Deutschland. Klagen gegen den Staat ?!

Hoffentlich!

https://www.bild.de/politik/inland/xxl-schuldensauerei-wer-jetzt-klingbeil-und-merz-verklagen-kann-69bab6c03f652f409296170c

Temu und mein Lieblingsdings

Temu und mein Lieblingsdings

Temu hatte ich schon länger. Ich habe mich allerdings von Plastikmist verabschiedet- aus Platzgründen. Dann kam wieder Werbung.

Zack, Ledertasche bestellt. Klein. Braun. Sah nach „läuft“ aus.

Dazu diese Stopfnadeldose. Holz. Schraubbar. Sehr korrekt. Design und Verarbeitung spitze!

Jetzt schleppe ich die Tasche überall mit hin.

Und sie ist mein ganzes System.

Drin ist alles:

Schlüssel, Kleingeld, Lieblingsstift, Taschentücher.

Kleine Schere, Lippenstift, Wimperntusche.

Und Nadeln in der tollen Dose, so tun, als hätten sie einen Plan. Braucht man eben immer als Frau. Stopfnadeln in der Tasche! Falls ich Topflappen häkel, greife ich rein und finde meistens irgendwas Brauchbares. Oder freue mich über das tolle Teil. Fühlt sich auch gut an, sieht super aus.

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Das reicht.

Und das Beste:

Die kleine Ledertasche liegt in meiner großen Designer-Tote-Bag.

Außen Chaos.

Innen Lieblingsdings.

Ich bin offiziell organisiert.

Der Hund

Er kam am Abend.

Leise, wie jemand, der lange unterwegs gewesen war und nun endlich vor der richtigen Tür stand. Als wir hinausblickten, sahen wir ihn hinter meinem Sohn. Wie ein Geist. Dort hatte er sich hingestellt, dicht bei ihm, mit einer Ruhe, die sofort den ganzen Moment veränderte.

Er blieb.

Lief meinem Sohn einfach hinterher, als gehöre er zu ihm.

Etwas an ihm wirkte zugleich fremd und vertraut. Sein Fell trug den Staub des Weges, seine Augen eine Müdigkeit, die tiefer ging als bloße Erschöpfung. Er sagte nichts, und doch lag in seiner stillen Gegenwart etwas so Eindringliches, dass wir alle sofort vorsichtiger wurden, leiser, fast ehrfürchtig.

Wir suchten nach seinem Menschen.

Wir schauten die Straße hinunter, riefen, warteten, horchten in den Abend, als könnte aus der Dämmerung gleich jemand auftauchen und erleichtert seinen Namen rufen. Doch der Abend blieb bei sich. Die Häuser schwiegen. Die Straße hielt ihren Atem an. Wir sprachen mit Nachbarn, Freunden, telefonierten in drei Ländern. Nichts.

Also nahmen wir ihn mit hinein.

Wir duschten ihn, langsam und behutsam, als müssten wir erst den Staub des fremden Tages von ihm lösen. Das Wasser lief dunkel in den Abfluss, und unter unseren Händen kam nach und nach ein schöner Hund zum Vorschein. Danach kämmten wir ihn. Strähne um Strähne glitt die Bürste durch sein Fell, und mit jeder Bewegung wirkte er leichter, weicher, als dürfte er für einen kurzen Augenblick einfach ausruhen.

Er ließ alles geschehen in einer Sanftheit, die ans Herz ging.

Später legte er sich vor das Bett meines Sohnes.

Dort fand er seinen Platz, als hätte er ihn schon lange gekannt. Er lag still auf dem Boden, den Kopf zwischen den Pfoten, wach genug, um jede Bewegung mitzubekommen, und zugleich voller Frieden. Manchmal hob er den Blick zu uns, und in diesem Blick lag etwas, das ich bis heute kaum beschreiben kann: Dankbarkeit vielleicht. Erleichterung. Oder nur das tiefe Wissen eines Tieres, das für eine Nacht in Sicherheit angekommen war.

Wir wussten, dass er jemandem gehörte.

So ein Hund trägt Bindung in sich. Vertrauen. Gewohnheit. Irgendwo musste ein Mensch sein, der ihn suchte, vielleicht voller Sorge, vielleicht schon mit jener schweren Ahnung, die jeden Raum verändert.

Darum riefen wir die Polizei.

Als der Beamte kam, blieb der Hund auf seinem Platz, ruhig wie zuvor. Das kleine Gerät glitt über seinen Hals, ein kurzer Ton erfüllte das Zimmer, und in diesem Augenblick bekam seine Geschichte wieder ihren Namen, seine Spur, sein Zuhause.

Dann nahmen sie ihn mit.

Die Tür schloss sich.

Im Zimmer meines Sohnes blieb eine warme Stelle auf dem Boden zurück, als hätte seine Gegenwart sich noch einen Moment länger gehalten. Das Haus fühlte sich auf einmal größer an. Stiller auch. Fast so, als hätte der Abend selbst für ein paar Stunden einen Gast bei uns abgelegt und ihn dann wieder abgeholt.

Manche Begegnungen dauern nur eine Nacht und hinterlassen doch etwas, das bleibt.

Dieser Hund kam wie aus einem Zwischenraum – müde, sanft, voller stiller Würde. Für ein paar Stunden gehörte er zu uns. Dann kehrte er dorthin zurück, wo sein Platz war.

Er war gelaufen, drei Stunden lang scheinbar am Fluss entlang und durch den Wald. An einem schönen Tag und er lief zwischen den Ländern einen langen Weg zu uns. Einfach so.

Ich muss oft an seinen Blick denken, als er in den Polizeiwagen stieg.

Unsicher, etwas ängstlich, aber dankbar. Ein Gefühl.

Als hätte uns für einen Augenblick etwas gefunden, das wir selbst gar nicht gesucht hatten.

Croissant aus Reisblättern von TikTok

Croissant aus Reisblättern von TikTok

Croissant aus Reisblättern. Im Internet gesehen, ausprobiert, für gut befunden.

Manchmal sieht man im Internet etwas und denkt erst: kann eigentlich nichts sein. Dann probiert man es trotzdem aus und muss am Ende zugeben, dass es ziemlich gut ist.

So war es bei diesem Reisblatt-Croissant. Ich hatte die Idee irgendwo bei TikTok gesehen, fand das erst etwas dubios und dann doch interessant genug, um es selbst auszuprobieren. Mit Käse, Frühlingszwiebeln, Ei, ein bisschen Öl, etwas Milch und am Ende noch kleinen Butterflöckchen. Das Ergebnis war überraschend gut: außen richtig knusprig, innen weich, würzig und ziemlich sättigend.

Der eigentliche Trick liegt weniger in der Füllung als in der Anordnung der Reisblätter. Nicht einfach vier irgendwie übereinanderlegen, sondern zwei unten nebeneinander, leicht überlappend, und zwei weitere versetzt darüber. So entsteht in der Mitte eine stabile Fläche, auf die die Füllung kommt, und außen bleibt genug Rand, um alles einzuschlagen und zu drehen. Genau dadurch bekommt das Ganze später diese fast croissantartige Form.

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Ich habe die Reisblätter kurz durchs Ei gezogen, die restliche Mischung mit dem zweiten Ei, etwas Öl, etwas Milch und 2 Esslöffeln Mehl verrührt. Wer es glutenfrei braucht, nimmt einfach glutenfreies Mehl. Dazu kamen noch die Gewürze, und diese Mischung habe ich dann in die Mitte gegeben. Darauf kamen Käse, Frühlingszwiebeln und ein paar kleine Butterflöckchen. Dann eindrehen, ab in die Heißluftfritteuse und bei 200 Grad ungefähr 20 Minuten backen.

Was dabei herauskommt, ist natürlich kein echtes Croissant. Aber es hat etwas von dieser goldbraunen, knusprigen, leicht blättrigen Idee — nur eben auf Reisblatt-Art. Und ehrlich: für etwas, das man zuerst auf TikTok sieht und innerlich ein bisschen belächelt, war das erstaunlich überzeugend.

Reisblatt-Croissant aus der Heißluftfritteuse

Zutaten für 2 große Stücke

8 Reisblätter

2 Eier

2 EL Öl

1–2 EL Milch

2 EL Mehl oder glutenfreies Mehl

geriebener Käse

2–3 Frühlingszwiebeln in Ringen

optional etwas Schinken

kleine Butterflöckchen

Salz, Pfeffer, Paprikapulver

optional Muskat oder Chili

So geht’s

Ein Ei verquirlen und die Reisblätter einzeln kurz darin wenden, damit sie weich werden.

Für jedes Stück vier Reisblätter auslegen: zwei unten nebeneinander, zwei versetzt darüber. Die Füllung kommt mittig auf die Überlappung.

Das restliche Ei mit dem zweiten Ei, Öl, Milch, Mehl und Gewürzen verrühren. Davon 2 bis 3 Esslöffel in die Mitte geben. Käse, Frühlingszwiebeln und nach Wunsch etwas Schinken darauf verteilen. Zum Schluss ein paar kleine Butterflöckchen dazugeben.

Dann die Seiten einklappen, alles von unten her aufrollen oder leicht eindrehen und in die Heißluftfritteuse legen.

Bei 200 Grad etwa 20 Minuten backen. Falls nötig, nach der Hälfte der Zeit vorsichtig wenden.

Am Ende ist das Ganze außen knusprig und innen weich und würzig. Also eine dieser Internet-Ideen, die ausnahmsweise nicht nur gut aussehen, sondern tatsächlich funktionieren.

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Moralexport aus dem Korruptionskeller

Es ist schon bemerkenswert, wie leicht heute Haltungsnoten verteilt werden, sobald die richtige Flagge im Hintergrund steht. Ausgerechnet die Ukraine wird inzwischen oft behandelt, als sei sie seit Jahren ein Musterstaat in Sachen politische Sauberkeit. Das war sie nicht. Sie galt über lange Zeit als eines der korruptesten Länder Europas. Im Korruptionsindex von Transparency International lag sie 2021 bei 32 von 100 Punkten auf Platz 122 von 180. 2024 waren es 35 Punkte, 2025 36 Punkte und Platz 104 von 182. Das ist keine Erfolgsgeschichte mit Heiligenschein. Das ist eher der langsame Weg aus dem Sumpf.

Natürlich gab es Reformen. Natürlich gab es Fortschritte. Aber Fortschritt ist nicht dasselbe wie Läuterung. Die OECD schrieb 2025 selbst, dass die Ukraine weiter an Integrität, Kontrolle, Rechtsrahmen und institutioneller Stabilität arbeiten muss. Anders gesagt: Das Problem ist nicht weg. Es hat nur bessere Presse bekommen.

Besonders entlarvend war der Vorgang im Juli 2025. Damals beschloss das ukrainische Parlament ein Gesetz, das die Unabhängigkeit der Anti-Korruptionsbehörden NABU und SAPO einschränkte. Nach Protesten im Land und deutlicher Kritik aus der EU musste Selenskyj wieder zurückrudern und eine neue Vorlage einbringen. Wer mitten im EU-Beitrittsprozess an den eigenen Anti-Korruptionsorganen herumsägt, sollte bei moralischer Überlegenheit besser etwas leiser auftreten.

Genau das macht diese ganze Inszenierung so unerquicklich. Außen großes Pathos, innen alte Probleme. Außen Anspruch, innen weiter ein Staat, der das Thema Korruption längst nicht hinter sich gelassen hat. Und trotzdem wird jede Kritik sofort so behandelt, als sei sie unanständig. Dabei ist der Satz ganz einfach: Man kann die Ukraine unterstützen und trotzdem feststellen, dass sie kein politisches Kloster ist.

Die ehrliche Fassung lautet deshalb: Die Ukraine war jahrelang kein Vorbild an sauberer Staatsführung, sondern ein Land mit massiven Korruptionsproblemen. Daran ändern Kriegsrhetorik, moralische Belehrungen und westliche Verklärung nichts. Ein paar Punkte mehr im Index sind ein Fortschritt. Mehr aber auch nicht.

Jetzt droht Selenskyj also Orban? Ich weiß nicht, ob ich das persönlich als dumm und dreist bezeichne oder einfach als … mir fallen die passenden Worte leider nicht ein!

From a distance

Der Song „From a Distance“ von Bette Midler ist einer dieser Titel, die man lange für ein bisschen pathetisch hält – bis man merkt, dass er wehtut.

„From a distance the world looks blue and green…“

Aus der Distanz wirkt alles friedlich. Geordnet. Fast harmonisch.

Und dann zoomt man rein – nach Deutschland.

Und denkt: Was ist hier eigentlich passiert?

Nähe verzerrt

Je näher man an politische Debatten heranrückt, desto schriller wird es. Jeder moralische Zwischenruf klingt wie ein Alarmsignal. Jeder Einwand wird zur Gesinnungsfrage. Jede Unsicherheit wird etikettiert.

Man bekommt das Gefühl, alle reden gleichzeitig – aber niemand tritt einen Schritt zurück.

„From a distance there is harmony.“

Aus der Nähe? Eher Dauerempörung.

Der moralische Hochsitz

Es ist diese deutsche Spezialdisziplin: moralische Überlegenheit als Volkssport.

Wer am lautesten „Haltung!“ ruft, gewinnt. Wer zweifelt, verliert.

Aber vielleicht wäre es klug, einmal nicht sofort zu reagieren.

Nicht sofort zu markieren, wer gut ist und wer böse.

Nicht sofort in Lager zu denken.

Sondern Abstand zu schaffen.

Nicht aus Gleichgültigkeit.

Sondern aus Klarheit.

Liebe Gutmenschen,

jetzt ist gut genug.

Nicht jede politische Maßnahme wird besser, nur weil sie gut gemeint ist.

Nicht jede moralische Pose ist automatisch ein Fortschritt.

Und nicht jede Kritik ist ein Angriff auf die Menschlichkeit.

Manchmal wirkt das Land wie ein Theaterstück, das sich selbst zu ernst nimmt.

Jeder spielt seine Rolle mit maximaler Lautstärke.

Und keiner schaut mehr von oben ins Parkett.

Was man von weiter weg sieht

Von außen betrachtet – und das ist der unbequeme Teil – wirkt Deutschland oft wie ein Land, das sich selbst im Spiegel moralischer Selbstvergewisserung verliert.

Andere Länder diskutieren Interessen.

Hier diskutiert man Gesinnung.

Andere wägen ab.

Hier etikettiert man.

Und dann wundert man sich, wenn Menschen innerlich aussteigen.

Der Abstand als Rettung

„From a distance we are instruments…“

Vielleicht stimmt das.

Vielleicht sind wir gerade zu sehr Instrumente unserer eigenen Echokammern.

Abstand bedeutet nicht Flucht.

Abstand bedeutet Überblick.

Ein Schritt zurück.

Ein tiefer Atemzug.

Die Bereitschaft, das eigene Werk einmal von außen zu betrachten.

Und dann ehrlich zu fragen:

Ist das wirklich so klug, wie wir glauben?

Oder sind wir nur sehr überzeugt von uns selbst?

Vielleicht sollten wir öfter diesen Song hören.

Nicht als Weltfriedenshymne.

Sondern als Erinnerung daran, dass Perspektive alles verändert.

Und dass man ein Land nicht repariert, indem man sich permanent gegenseitig moralisch vermisst.

Man repariert es, indem man den Mut hat, Abstand zu nehmen –

und dann neu hinzusehen.

Hühnersuppe

Gegen Weltschmerz, Kummer und Grippe, mein Erkältungsmittel nach Oma:
Hühnersuppe!
Man nehme: 1 Suppenhuhn, Suppengrün- also Sellerie, Karotte, Lauch, 1 Zwiebel mit Schale, Liebstöckel und Peterle. Oder tiefgefrorenes Gemüse aber dann darauf achten, dass es Suppengrün heißt und nicht Suppengemüse.
Halbierte Zwiebel am Topfboden dunkel werden lassen, das gewaschene Huhn mit Wasser bedecken und mit dem Gemüse ca. 2,5 h kochen. Salz, Pfefferkörner, Lorbeerblatt und 2 Nelken nicht vergessen! Senfkörner sind auch wichtig. Einen Esslöffel voll.
Das Fleisch dann ablösen und in die Suppe mit Reis, oder Perlgraupen geben…
Meine Oma rührte noch in jeden Teller ein rohes Ei. Wenn diese nicht zu heiß war, ist es nicht gestockt. Hhmmmm…

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Unpassend

Wir hatten einen Trauerfall in der Familie. Der Tod der alten Dame wurde in Spa festgestellt. Spa, die Stadt ist für Autorennen und Heilwasser bekannt. Die Sterbeurkunde kam dann mit dem lustigen Briefkopf der Stadt. Lustig, sprudelnd leicht… Ja, aber für eine Sterbeurkunde sehr unpassend, oder?

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Die Turnstunde

Manchmal prägt dich Literatur nicht mit großen Sätzen über das Leben, sondern mit einem Detail, das sich wie ein Splitter festsetzt und Jahre später immer noch piekst, wenn du barfuß durchs Denken läufst.

Bei mir war das nicht „der Tod“ an sich. Es war ein Bild.

Ich hab das jahrelang Kafka zugeschrieben, weil es sich genauso anfühlt: kalt, absurd, unerbittlich. Aber es war Rilke. Und trotzdem ist es diese eine Szene, die mich als Teenager richtig erwischt hat.

Turnstunde. Turnhalle. Pflicht. Dieses Licht, das alles flach macht. Der Geruch nach Gummi, Schweiß, Deo – und dieses leise Wissen: Hier geht es nicht um Sport. Hier geht es um Bewertung. Um Ordnung. Um „funktionieren“.

Dann kippt es. Ein Junge ist tot. Kein großes Drama, kein Kino. Man trägt ihn weg, der Unterricht läuft weiter, irgendwo pfeift es fast schon automatisch, und am Ende kommt dieser Satz, halb geflüstert, als würde man eine Wahrheit verstecken müssen:

Ganz nackt … und an den Fußsohlen ist er versiegelt.

Versiegelt. Nicht zugedeckt. Nicht verbunden. Versiegelt, als wäre er ein Paket. Als wäre er ein Beweisstück. Als müsste man ihn abschließen, damit nichts mehr „entweicht“. Damit alles ordentlich bleibt.

Mich hat nicht nur der Tod verstört. Mich hat die Technik drumherum verstört. Diese Kälte. Diese Selbstverständlichkeit. Dieses „so ist das“. Und ausgerechnet die Fußsohlen – das Unheroische, das Menschliche, das, was dich trägt, was weggehen könnte – werden zum Ort des Siegels. Da ist keine Flucht mehr, nicht mal theoretisch.

Als Teenager habe ich das gelesen und plötzlich verstanden, ohne es erklären zu können: Man kann mitten im Alltag aus dem Leben fallen. Und die Welt macht trotzdem weiter. Pfeife. Reihe. Ordnung. Nächstes Gerät.

Dieses Bild ist hängen geblieben, weil es nicht schreit. Es stempelt.

Und genau das ist das Verstörende: Der Tod als Verwaltungsakt. Als kurzer Handgriff. Wachs auf den Fußsohlen.

Ein bisschen Stolz

Bin ich schon – auf Platz 7 in „psychologischer Belletristik“ … für „Dreizehnter März“ – zur Zeit kostenlos bei Amazon Kindle. Die Printausgabe ist Platz 6 in „Romanzen und Theaterstücke“ ( da lief was schief, denn die Kategorie heißt eigentlich irgendwas mit „romantischer Belletristik“. Naja, nehme ich auch, wenn man bedenkt dass der Deutsche Buchpreis bei Amazon Platz 1 innehatte in der Kategorie: „Astronomie“!! (Die Holländerinnen von Dorothee Elmiger)

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Mister Sachte

Er ist schüchtern. Nicht dieses „ich tu so“-schüchtern, sondern die echte Sorte: leise, konzentriert, unaufgeregt. Einer, der nicht mit Worten um sich wirft, als wären sie Konfetti. Und gerade deshalb bleibt alles, was er doch sagt – oder nicht sagt – irgendwo hängen. Tiefer, als es höflich wäre.

Ich bewundere ihn. Und ich meine nicht dieses oberflächliche Bewundern, das man Menschen schenkt, die gut aussehen, gut riechen und im richtigen Licht stehen. Ich meine das stille, fast altmodische Verehren, bei dem man sich ertappt, wie man plötzlich aufmerksamer wird, sobald der Raum ein kleines bisschen anders klingt. Als hätte jemand die Welt kurz auf „klar“ gestellt.

Es ist diese Zärtlichkeit, die nicht gemacht wirkt. Nicht geschniegelt, nicht einstudiert, nicht „ich habe mal gelesen, Frauen mögen…“. Sondern diese kleine, feine Aufmerksamkeit, die man nicht kaufen kann: ein Blick, der nicht über dich hinweggeht. Eine Stimme, die nicht drängelt. Eine Ruhe, die sich nicht wichtig macht. Und plötzlich denkt man: Ach. So fühlt sich Respekt an, wenn er nicht nach Business aussieht.

Ich habe es ihm nie gesagt. Natürlich nicht. Weil ich ja nicht komplett den Verstand verloren habe. (Nur so ein bisschen, an den Stellen, wo man wieder menschlich wird.) Man sagt nicht einfach: „Du berührst mich im Innersten.“ Man sagt: „Danke, dass Sie sich Zeit genommen haben.“ Man nickt, man hält sich an Regeln, man spielt Erwachsensein.

Aber innerlich läuft ein zweites Gespräch. Ein zärtliches, ein heimliches.

In dem zweiten Gespräch würde ich sagen:

Dass ich mich sicher fühle, wenn er da ist.

Dass seine Schüchternheit nicht Abstand schafft, sondern Nähe – weil sie ehrlich ist.

Dass seine Hände nicht nur „fähig“ sind, sondern behutsam.

Dass er dieses seltene Talent hat, einen Menschen zu behandeln, ohne ihn zu verkleinern.

Und dann würde ich wieder leiser werden. Nicht aus Feigheit. Eher aus Ehrfurcht. Weil manche Gefühle zu schön sind, um sie sofort in die Welt zu stellen wie ein Schild.

Vielleicht ist es genau das: Man begegnet manchmal Menschen, die einen nicht mit großen Gesten beeindrucken, sondern mit der Art, wie sie in kleinen Momenten bleiben. Wie sie nicht eilen, wenn du innerlich noch nicht nachkommst. Wie sie nicht übertönen, was in dir leise ist.

Und dann passiert etwas Seltsames: Du erwischst dich dabei, wie du dir wünschst, die Zeit würde kurz langsamer laufen. Nur ein bisschen. Dass es noch einen Satz mehr gäbe. Noch einen Blick. Noch diese eine Sekunde, in der die Welt nicht laut ist, sondern sanft.

Denn es ist nicht nur Bewunderung. Es ist dieses warme Ziehen, das nicht nach Drama schmeckt, sondern nach Ruhe. Nach: Da ist jemand, der mit dir umgehen kann, ohne dich zu zerreden. Da ist jemand, bei dem du nicht besser sein musst, um ernst genommen zu werden. Da ist jemand, der dir – ohne ein einziges großes Wort – das Gefühl gibt, dass du genau so, wie du gerade bist, richtig bist.

Ich verehre ihn, ohne es ihm je gesagt zu haben. Und vielleicht ist das sogar gut so. Manche Dinge bleiben schöner, wenn sie nicht gleich in Sprache gepresst werden. Wenn sie erst mal nur im Herzen wohnen dürfen, wie ein Licht in einem Fenster, das man nicht ausschalten will.

Und wenn ich mir am Ende erlaube, einen einzigen romantischen Gedanken zu denken, dann ist es dieser:

Vielleicht sind es nicht die lauten Geschichten, die uns verändern, sondern die leisen. Die, in denen jemand nichts verspricht – und trotzdem etwas in dir heilt, das du gar nicht als Wunde erkannt hattest.

Und vielleicht ist das die zärtlichste Form von Nähe:

Wenn jemand dich ansieht, als wärst du nicht „ein Fall“, nicht „ein Termin“, nicht „die Nächste“, sondern einfach… ein Mensch.

Einer, den man behutsam behandelt.

Einer, bei dem man unwillkürlich weicher wird.

Und jetzt kommt der Teil, der das Ganze endgültig absurd macht:

Er ist mein Chirurg. 🙂

Die deutsche Mediale Sorgfaltspflicht

Ich sitze hier in Ostbelgien, schaue rüber nach Deutschland – und denke mir bei den jüngsten KI-Fake-News-Nummern rund um den Öffentlich-Rechtlichen: wundert mich nicht. Nicht, weil da jemand im Keller an der großen Lügenmaschine kurbelt, sondern weil das System inzwischen so gebaut ist, dass so ein Ding irgendwann passieren musste.

Das Problem ist nicht „KI“. Das Problem ist Tempo, Eitelkeit und Bilderhunger. Alles muss sofort raus, am besten mit Wumms, am besten mit Belegvideo, am besten so, dass es sich anfühlt wie Wahrheit. Und genau da wird’s gefährlich: Bilder sind inzwischen keine Belege mehr, sondern Requisiten. Wenn’s ins Narrativ passt, wird’s genommen. Wenn die Kennzeichnung fehlt oder irgendwo klein im Eck verschwindet – tja, dann hast du den Salat. Und beim ÖRR ist die Fallhöhe eben nicht „ups“, sondern „ihr wollt Qualitätsinstanz sein – dann benehmt euch auch so“. Fehler passieren. Aber wer sich vom Publikum bezahlen lässt, weil er angeblich genauer arbeitet als alle anderen, kann sich nicht gleichzeitig leisten, bei der Grundlage zu schludern: Ist das echt oder ist das Theaterkulisse?

Was mich dabei viel mehr irritiert: Während Deutschland sich an solchen Themen festbeißt, hörst du in Belgien und Luxemburg im Alltagsrauschen vergleichsweise wenig über einzelne ICE-Zwischenfälle, Auffälligkeiten, Eskalationen – zumindest nicht in dieser Dauerbeschallung. Dabei gibt es in den USA genug Stoff, der objektiv Nachrichtenwert hat. Aber hier drüben kommt oft nur der grobe Rahmen an: „Trump fährt harte Linie“, Ende der Durchsage. Und dann geht’s weiter mit EU-Themen, Pendler-Realität, Energie, Kaufkraft, Innenpolitik. Punkt.

Und dann scrollst du weiter und Luxemburg so: „Wie gefährlich sind die Eifelvulkane vor Luxemburgs Haustür?“

Haustür. Nicht Europa. Nicht „Region“. Nicht „wir sitzen alle auf demselben Basalt“. Nein: Haustür.

Ich meine das nicht mal böse – ich finde es eher entlarvend ehrlich. Luxemburg ist klein, reich, geschniegelt, und es hat diese Mentalität von: Erst mal gucken, was das für uns konkret bedeutet. Für unser Grundstück. Für unseren Alltag. Für unsere Versicherungen. Das ist nicht Angst, das ist Ordnungssinn mit Maßband. Und irgendwo auch Nationalstolz – nur nicht der große Fahnen-Stolz, eher so der stille: Wir haben hier was aufgebaut, das bleibt bitte heil. Punkt.

In Deutschland dagegen wird oft schon beim Lesen der Überschrift ein Grundsatzkrieg draus. Da ist selbst ein Vulkan sofort Symbol, Systemfrage, Haltungstest. Erst wird die Empörung warmgelaufen, dann kommt die Einordnung – wenn überhaupt. Luxemburg macht’s anders: erst die Haustür, dann der Rest der Welt. Andere Denkweise, andere Prioritäten. Und Belgien? Belgien wirkt oft wie: Wir schauen mal, was die Nachbarn machen, und wenn’s wirklich wichtig wird, reden wir drüber – bis dahin gibt’s Fritten und Verwaltung.

Und genau deshalb wundert mich dieses KI-Fake-News-Durcheinander beim deutschen Öffentlich-Rechtlichen nicht. Weil hier alles gern groß, wichtig und „wir ordnen ein“ klingt – während die Basis, nämlich stimmen die Bilder überhaupt, manchmal behandelt wird wie Fußnote. Luxemburg würde da wahrscheinlich sehr luxemburgisch sagen: „Moment. Ist das echt? Und wenn ja: betrifft’s uns?“ Und ehrlich – manchmal wäre das die gesündere Reihenfolge.

Am Ende ist es vielleicht gar kein „Skandal“, sondern schlicht ein Symptom: Deutschland redet gern im Weltformat, Luxemburg misst erst mal die Haustür aus, Belgien zuckt mit den Schultern – und irgendwo dazwischen hat der ÖRR vergessen, dass Vertrauen nicht aus Haltung entsteht, sondern aus Sorgfalt.

Nicht gut

Ich werde längere Zeit nicht laufen können und finde sämtliche Stricknadeln nicht. Wolle auch weg.

Katastrophe.

Ein ganzes Set von Prym aus schönem Holz. Einfach verloren beim Umzug. Die Wolle hat jmd Unwissender entsorgt, dass habe ich nun rausgefunden. So ein Schitt. Ich war so wütend.

Ich versuche mich abzulenken, um nicht durchzudrehen. Stricken ist da immer eine gute Sache. Nur ohne Nadeln …

Mein Fuß muss operiert werden.

Ich habe Angst, denn das Spiel kenne ich von meinem Arm. Einfach nicht gut.