Weiterleben ohne dich - als Eltern und Geschwister plötzlich verwaistDas war das Thema unserer gestrigen Fortbildung in der Notfallseelsorge. Eingeladen waren Notfallseelsorgende, Feuerwehrleute, Notärzte, Rettungsassistenten, Polizisten, Bestatter, natürlich alle auch in der weiblichen Version.
Es war ein bewegender Abend. Drei Elternpaare aus der Selbsthilfegruppe "Leben ohne dich" berichteten von ihren Erfahrungen mit den oben genannten Menschen. Und sie berichteten auch darüber, was sie gebraucht hätten.
Das Elternpaar, das von der Polizei erfuhr, dass ihr Sohn tödlich verunglückt war, im Auto verbrannt. Die Geschwister, die das auch erfuhren.
Das Elternpaar, dessen Tochter am Tag der Geburt des Enkels Stunden nach der Geburt plötzlich verstarb.
Das Elternpaar, das seine 12-jährige Tochter tot im Bett fand. Die Geschwister erlebten die verzweifelten Wiederbelebungsversuche.
Überall überbrachte die Polizei mit einem Notfallseelsorger die Nachricht. Bei der 12-jährigen wurde die Kripo eingeschaltet, auch wenn sich hinterher herausstellte, dass sie einer "natürlichen Todes" gestorben ist. So ist das Vorgehen immer bei ungeklärter Todesursache. doch wie schrecklich für die Eltern, der Sterbeort wird erst einmal zum Tatort.
Alle drei Familien haben Schlimmes erlebt.
Einige Sätze gehen mir noch sehr nach:
"Wenn deine Eltern sterben, stirbt deine Vergangenheit. Wenn dein Partner stirbt, stirbt deine Gegenwart. Wenn dein Kind stirbt, stirbt deine Zukunft."
"Die anderen Kinder verlieren nicht nur ihr Geschwister sondern auch ihre Eltern, wie sie einmal waren."
"Ich musste eine neue Beziehung zu meinem verstorbenen Kind aufbauen."
"Wir wollen nicht, dass unser Kind zweimal stirbt, einmal am Todestag und einmal wenn es tot geschwiegen wird."
"Das Begreifen des Todes (anfassen, sehen) ist gerade besonders wichtig."
"Ich als betroffene Mutter ziehe den Hut vor jedem, der mich ertragen hat im ersten Jahr, der den Mut hatte, mich auszuhalten."
Ich habe viel gelernt und hoffentlich auch verstanden. Manches ist mir wieder bewusst geworden. Ich kann den Inhalt der Fobi nicht in Worte fassen. Dankbar bin ich, dass ich in keine dieser Situationen alleine hinein gehe. "Wir geh'n an unser's Meisters Hand und unser Herr geht mit." So erbitte ich mir für die nächste Notfallwoche Gottes Weisheit, Kraft,Hilfe und seinen Segen. Für das andere "Rüstzeug" muss ich selber sorgen.