Birkenwacht

Lange hielt ich Wacht
in dunklen Tagen
ohne nachzufragen.
Trug Deine Bilder
fort
hab sie gehalten
gelesen
verborgen.

Lange hielt ich Wacht
Du träumst
an manchen Tagen
Hoffnungsschimmer
setzt sich still daneben.
Verwegen.

Am Fluss Deines Lebens
hast Du Dich
verkühlt.
Ein Eisvogel so farbenfroh
trägt nun
das Eis hinfort.

Und irgendwo scheint Sonne
und ich halte die Wacht.
Kein Bussard
wird mich sehen
und neue Birken
sind erwacht.

TomTom

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Wir haben dich ein letztes Mal auf Reisen geschickt.
Seite an Seite mit deiner Schwester ruhst du nun, windgeschützt unter den tiefgrünen Ästen der alten Bäume.

Als der Himmel zu tanzen beginnt, winden sich wild gewordene Flocken im Tanz, nur um sich dann sanft auf dein letztes Bettchen zu legen. Die Landschaft in stillem Weiß schenkte uns die beruhigende Stille, die dein Fortgang uns eben erst entrissen hatte.

Und all deine gefiederten Freunde machten ihre Aufwartung. Ein wundervolles Bild, das wir mit uns tragen.

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San, Feb 2026

Wenn das Schnurren verstummt: Freitag der Dreizehnte ohne unsere Katzen

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Wie geht das, nach bald 20 Jahren das erste Mal ganz ohne Samtpfoten?
Gerade denke ich: „Das geht nicht, ohne unsere Antennen ins Leben.“


Vor drei Jahren, an einem ersten April, hauchte Bluna, unsere kleine schwarze Katze, ihr neuntes Leben aus. Ihr Köpfchen war tief in meiner kleinen Hand vergraben. Wir haben das Datum als Botschaft für ein Lächeln verstanden – allerdings erst eine lange Weile später. Der kleine Pirat, der zuletzt noch ein Auge verlor, um uns noch ein Weilchen länger zu begleiten, sitzt, wenn sie nicht unter den Fichten ruht, sicherlich auf einem Wölkchen mit Piratenflagge und öffnet eine Himmelspforte nach der anderen mit ihren geschickten Pfötchen.

Vier Hände und zwei Augenpaare hielten sich ab jetzt am verbliebenen Kater TomTom fest, dem bis dahin eher ängstlichen schwarzen Kater. Der schwarze Panther mit den großen, hypnotischen Augen verstand es, sich seinen Platz zu nehmen und mit seiner Liebe um sich zu werfen. Er wurde altersbedingt schwerhörig, dafür immer mutiger und ja, auch lauter. Nichts konnte ihn mehr erschrecken, und jede Tür wurde durchschritten. Dann, letztes Jahr im Sommer, zogen wir mit unserem Methusalem um. Wie froh wir waren, als wir ihn gesund und munter aus seiner Transportbox holten und kurz darauf das erste Mal ins Freie auf die große, weitläufige Terrasse spazieren sahen. Wind und Wetter trotzte er fortan und schritt sein neues Revier täglich mehrmals ab und baute so in seinem hohen Alter noch einmal richtig Muskeln auf. Die Meisen, Amseln und das Rotkehlchen blieben von ihm verschont. Ob er wie wir den neuen Gast, einen kleinen Buntspecht, noch bemerkt hat, da bin ich mir nicht sicher.

Seine weißen Stiefelchen, die seine langen Beine so elegant schreiten ließen, patschten täglich in sein eigenes Wasserbad. Manchmal ragte der Schaft der weißen Stiefelchen gerade noch aus dem Wasser, und er stand mittendrin, um dann schnell und voller Freude seine nassen Pfoten patschend im inneren Reich zu verewigen.
Jeden Morgen hörte ich ihn schon, bevor ich die Tür öffnete, dann sind wir gemeinsam durch die Wohnung und über die Terrasse geschritten. Alle Lichter an, alle Näpfe für Kater und Vögelchen gefüllt, Vogeltränken und Katertränke aufgetaut und neu befüllt und dann gemeinsam zum Katzenmann, mit dem ersten Kaffee des Tages, ans Bett getrabt. Doch immer wieder, wenn er seinen müden Arm aus dem Bett streckte, um nach dir zu angeln, bist du zwei Zentimeter vor seiner Hand abgedreht und schnurstracks zurück ins Wohnzimmer. Als wolltest du mir helfen, ihn aus dem Bett zu locken.

Der nächste Halt: die tägliche Lymphdrainage. Wie eine hypnotisierte Palastkatze hast du am zugewiesenen Platz gewartet, bis ich auf dem Sofa Platz nahm und dich einlud. Zwei Mal klopfen aufs Sofa, und schon warst du an meiner Seite für das tägliche Wohlfühlprogramm, inklusive Massage für deine wundervollen Fledermausohren. Danach auf dein Plätzchen an der Sonne mit freiem Blick auf die Terrasse und das Treiben dort. Meist endete dein Tag beim Katzenmann auf den ausgestreckten Beinen, eingekringelt ruhend, bis dein Kopf einfach hinabsank, als würdest du hinabtauchen, um die besten Träume zu fangen.

Heute fangen wir deine Träume, nehmen Abschied und erinnern uns an jede Bewegung von dir. Und morgen wirst du deinen Platz bei Bluna finden.
Unsere Tränen, aber auch ein letztes warmes Blinzeln, hast du mit auf die Reise genommen. Auch dein Kopf ruhte bis zuletzt in meiner kleinen Hand. So voll Vertrauen, als wolltest du uns den Abschied erleichtern.

Uns gehen heute die Taschentücher aus, denn es ist so furchtbar still hier ohne dich. Wie soll ich morgen aus dem Bett kommen, ohne dein freudig forderndes Rufen und deine stolze Begleitung? Wie sollen wir die Stille füllen und in welches Fell beruhigend unsere Hände vergraben?

Wie geht das, nach bald 20 Jahren das erste Mal ganz ohne Samtpfoten, möchten wir dir noch hinterherrufen, doch stattdessen lauschen wir der Stille und hoffen, sie findet eine Antwort für uns und einen guten Weg, weg vom Schmerz hin zum Erinnern mit einem Schmunzeln. Doch dafür ist es heute zu früh.

Bluna, TomTom möchte ich ein letztes Mal lockend rufen und mir wünschen, noch einmal euer Schnurren, das durch den ganzen Körper geht, zu hören. Ihr fehlt.

 A.Corelli – Largo affettuoso
 Gnossienne n°1 (Satie) – Decostruttori Postmodernisti

Lieben Dank an meinen Freund Farsin auch von dem Katzenmann für seine einfühlsamen
in mir klingelnden Worte auf seinem Blog, die ich gerne mit herlegen mag, während meine Hände glühen
und mein Herz strahlt.

San, 13. Februar 2026 

Gewinner für immer – Kleine Rituale, großes „Wir“

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Wer braucht schon Partnerlook, wenn man einen Kater hat, der jeden Morgen prüft, ob das Ritual des Kaffee-am-Bett-Servierens eingehalten wird? Bei uns gibt es keine Uniformen, dafür aber jede Menge kleine Rituale, die unser „Wir“ einzigartig machen.

Unser „Wir“ hat im Laufe der Jahre immer wieder neue Rituale für sich entdeckt. Sie sind etwas Schönes, vertraute Eckpfeiler unserer Beziehung und kleine, warme Heizöfchen auf dem Weg, den wir gemeinsam gehen möchten. Sie schenken Zeit, gemeinsam zu schmunzeln und die Welt für eine kurze Weile sonniger zu empfinden, als sie an manchen Tagen ist. 
Wir sind richtig gut darin, einfach durch den Versuch, den anderen zum Schmunzeln zu bringen, uns schnell wieder in den Arm zu nehmen – lange bevor Grenzen verhärten. Na gut, manchmal ist es auch nur ein Ellenbogen-Stupser, bis einer von uns nachgibt und schmunzeln muss. Glaubt es oder nicht: So manche kleine Streiterei endet genau hier, denn nachtragend sind wir beide nicht. Und oft genug haben wir schon gemeinsam gelacht, wenn wir festgestellt haben, dass wir uns einfach nicht erinnern können, was denn der Auslöser zum Grummeln war. Was auch gut funktioniert bei uns, ist der patentiert langsame Augenaufschlag, den uns unsere Katzen gelehrt haben. Dann muss man nur zurückblinzeln und ganz ohne Worte sieht man, wie der Weg zueinander sich wieder öffnet.

Warum ich gerade heute über Rituale schreibe? Ganz einfach: Seit gestern bin ich der aktuelle Gewinner für immer bei uns. Denn ein neues Ritual hat am heutigen Tag Einzug gehalten, und so freue ich mich ab heute für den Rest unserer gemeinsamen Zeit auf die Samstage. Denn ab jetzt möchte mein Vorleser mir jeden Samstag einen Grund mitbringen, warum er mich mag oder liebt. Nicht wundern, bei uns geht das fließend ineinander über.

Wenn ich jemandem die Kreativität zutraue, das nicht langweilig werden zu lassen, dann ihm. Heute begann es mit: „Weil du so bist, wie du bist.“ Er grinste breit dazu und meinte: „Ich muss ja noch Luft nach oben lassen, wenn sich das jetzt über die Jahre noch steigern soll.“ Recht hat er, aber dass er von sich aus damit heute um die Ecke kam, hat mich – unabhängig vom Inhalt seiner Worte – einfach glücklich gemacht. Ein bisschen habe ich mir das aber vielleicht auch verdient, denn was lebenslange, bei mir sogar täglich auszuführende Rituale angeht, habe ich ja schon das Kaffee-am-Bett-Servieren gefangen und seitdem empfindet er sich als Gewinner für immer. 
Heute aber gehört der Thron mir und ich breite mich genüsslich darauf aus. 

Jetzt aber kehre ich zurück zu Kater und Mann und werde beide mal ohne augenscheinlichen Grund anblinzeln. Mal sehen, welche Dynamik das in Bewegung setzt. 

Und meine Giraffe vor dem Fenster legt sich gelassen in den Schnee und träumt vom Leben. 

 Jovanotti – Ricordati Di Vivere (il primo battito)

San, Februar 2026