Strebergarten

Der Frühling kommt und es wird morbid. Die Krokusse blühen, Bienchen suchen Blümchen und die Welt explodiert in Licht und Duft. In den Vorgärten sind die Streber unterwegs, stechen harte Rasenkanten und weiden Unkrautnester aus. Wir sehen zu und berichten.
Herzlichst
Doro und Bianka

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Der Zirkus kommt in die Stadt, sagte er und beschloss mit ihm davonzulaufen. Seine Frau sah das anders und schlug sein Zelt unter der Magnolie auf.

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Die Augenlieder zittern. Schmerzhaft dringt die Helligkeit an ihre Augen. Sie öffnet den Mund für einen Schrei, würgt an der Erde, die in ihren Rachen fällt. Eine weitere Schippe Erde folgt. Dunkelheit umfängt sie.

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Die Sonne scheint, doch er bleibt eiskalt. Ein Relikt aus vergangener Zeit, so denkt jeder und lächelt vergnügt. Doch ahnt man nicht, dass er Mordgedanken in seiner eisigen Brust hegt.

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Gerne sitzt er auf dieser Bank, besucht sie, die darunter schweigt. Sein Geheimnis. Er kommt zu Wort. Endlich spricht er aus, was ihn beschäftigt, erzählt ausführlich, lautstark, fuchtelt mit den Armen. Die Leute wundern sich.

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Er nennt ihn seinen Garten des Friedens. Sein erstes Kaninchen liegt dort und seine Katze. Der Hund des Nachbarn verschwand eines Tages und jetzt der Nachbar. Es wird voll, denkt er und zäunt einen weiteren Bereich ein.

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Alles über die Grenze, raus aus dem Sauberbereich, keiner fragt, woher und wohin. Es wird schon jemand kommen, der Verwendung hat für Reste, auch menschlicher Natur. So entstehen eine neue Ebene und die Forscher freuen sich in hunderten von Jahren.

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Das Tor bleibt verschlossen. Hier kommt niemand rein. Will auch keiner. Und keiner will durch das hüfthohe Gras laufen, auf weiche Stellen im Boden achten und, glaubt mir, keiner will hier graben. Noch nicht mal ein bisschen.

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Das Papier zittert in ihren schweißnassen Händen. „Begebe Dich über die kleine Brücke, falle nicht in die Schlucht, sonst ist das Spiel aus und Du bist verloren.“ steht dort.

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Für manche das Ende, für andere der schönste Garten der Welt. Er denkt, sie wird sich wohlfühlen zwischen den anderen und öffnet ein gerade zugeschüttetes Grab.

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Ihr Blick fokussiert sich nicht mehr genau, alles schwindet, dabei ist sie dem Geheimnis auf die Spur gekommen. Sie greift in den Zaun und doch liegt sie schon am Boden.

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Manches vergeht, manches blüht. In der dunklen Ecke wartet die Spinne auf ihren Einsatz.

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… und übermorgen hol ich den Königs ihr Kind …

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Und der Jagdhund beobachtete die Szene, wartete auf seinen Einsatz. Als der Schuss fiel, stellten sich die Nackenhaare auf und er wartete auf die Order zum Apport. Die Beute war allerdings etwas groß.

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Keiner geht mehr rein, keiner hinaus. Nicht das es jemanden interessiert. Die Nachbarn sind froh, dass das Geschrei beendet und wieder Stille eingekehrt ist.

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Dort hat sie immer gesessen, sagt er und senkt den Blick. Nachlässig wedelt er mit der Hand und versucht das Feixen zu unterdrücken. Die ältere Dame lächelt irritiert. Das Zimmer ist also frei?, fragt sie.

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Der Tatort wird mit der Banderole abgesperrt, die Kommissare streifen sich die Gummihandschuhe über während er zeitgleich verdeckt von den Leuten am Zaun seine Gummihandschuhe auszieht.

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Frau Meise schüttelt den Kopf, Herr Meiserich plustert sich und freut sich, dass die dicke Katze des alten Schreihalses offensichtlich aktuell genug zu Fressen bekommt.

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Dunkelkammer, da wo das Licht nicht hinkommt und selbst Blumen eingehen. Es dauert vielleicht länger, aber ihre Zeit würde kommen.

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Wer rastet der rostet, sang er leise und stellte den Flamingo so hin, dass sie sich in jedem Fall verletzen würde. Die Tetanusimpfung war schon lange Geschichte.

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Die Eier, sie hängen, seit das Kind das Haus verlassen hat. Sie werden so lange hängen, bis es wieder zurückkommt, erzählt der Alte, als er ein paar Schritte vor die Tür macht. Er ist ein Freund aus Kindertagen.

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Sie munkeln und flüstern und erzählen eine Geschichte von einem seltsamen Mann, der hier einst wohnte. Eines Tages war er weg. Nur sie blieben zurück und schauten wissend.

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Ein anonymer Anruf. Die Polizei kommt mit Blaulicht, ein Rolladen nach dem anderen geht runter. Keiner will was gesehen haben.

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Hunde lieben Knochen.

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Sie liebt blau, deshalb hat sie sich gleich in das Haus verliebt. Die Nachbarn haben sie schon lange nicht das Haus verlassen sehen. Manchmal, munkeln sie, hören sie klopfende Geräusche. Aber dann lachen die Nachbarn und kehren lieber vor der eigenen Tür

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Mülltrennung ist ein wichtiges Thema. Ihre Haarspraydosen entsorgt er in der gelben Tonne, ihre Zeitschriften beim Papier. Ihre Kleider gibt er in den Container und ihre Topfblumen in der Biotonne. Nur wohin mit den Knochen, fragt er sich und überlegt, ob sie Sondermüll ist.

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Kleinstadtidyll, achtzehn Schritte hin, achtzehn Schritte her. Fließend Wasser, Licht für die Nacht, was will sie mehr.

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Wenn niemand etwas sah, war es auch nicht passiert. So dachte er und wusch die besudelten Gartengeräte sorgfältig mit Wasser und Bleiche.

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Der Hausherr schleifte den verblichenen Apfeldieb auf die andere Straßenseite. Er wollte die viele Fragen bezüglich seiner besonderen Apfelsorte vermeiden und erntete schnell den letzten seiner Art.

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Die Sonne wird es an den Tag bringen oder der kleine Wühlmann. In jedem Fall muss er für die Knochen einen anderen Platz finden.

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Die Ruhestätten sind in einer Reihe auf seiner geheimen Hinterhofgartenfläche angelegt. Die letzten Zwei werden nach seinem Ermessen belüftet und beschattet.

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Das sind solche Käfige, in denen Fässer sind, in denen Flüssigkeiten aufbewahrt werden können, die Dinge auflösen, die man loswerden möchte.

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Noch nicht einmal Werbung landet in ihrem Briefkasten. Sie entscheidet, sich in das Gartenhaus zurückzuziehen und Gras und Büsche über sich wachsen zu lassen.

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Es soll etwas entstehen, pfeifen die Spatzen. Der Baumeister parkt sein Klo siegessicher und ward seitdem nicht mehr gesehen. Möglicherweise hat er sich selbst abgespült.

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Die Leute erzählen sich, wer bei diesem Haus zu nah ins Fenster schaut, der bleibt an den Stacheln hängen und verschwindet. Es wird eine Nachbarin vermisst.

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Wohin mit dem Rest, dachte er, als er das Loch im Garten sorgfältig verschloss und einen Baum darauf pflanzte. Sperrmüll, antwortete ChatGPT und löste schon das zweite Problem innerhalb eines Tages.

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Er wäscht Wildkräuter unter fließendem Wasser, bereitet die Marinade mit Essig, Honig und Öl zu. Dazu zarte Blätter des Schneeglöckchens. Das märchenhaftes Dinner wird mit Schneewittchensalat bereichert, für besonders liebe Gäste.

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Die Zwiebeln wuchsen, vermehrten sich, wurden fülliger, kräftiger. Ab und an erntete er eine und braute einen Trank daraus für besondere Freunde.

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Diese Stille, nach viel Geschrei, Gebell und Gartenarbeitgewerkel, empfand sie lauter, als es die Nachbarn jemals waren. Ein Blick über den Zaun auf das neue Beet beruhigt sie nicht.

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In diesen drei Ecken wird Liebe drin stecken, sang er leise vor sich hin. Die Bauarbeiter wunderten sich über die Baustellenwanderung, die Nachbarin über den Verlust ihrer Freundin. Nur der frisch gebackene Witwer, was niemand kondolierend wusste, erfreute sich der Ruhe.

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Zufrieden liest sie die Eigenschaften im Gartenbuch für Anfänger . Der gemeine Efeu überwuchert ausdauernd und flächendeckend den Boden und verbirgt alles darunter liegende. Zwei Fliegen mit einer Klappe, kein Rasenmäher und … alles grün.

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Beim Feierabendbier betrachtet er voll Stolz seine preisgekrönten Petunien. Die Nachbarin mit dem zweiten Platz beobachtet ihn genüsslich beim Trinken und überlegt, ob die Dosis ausreicht.

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Es ist immer gut,vorbereitet zu sein, dachte sie, als sie das harmlos wirkende Schäufelchen beim Nachbarn entdeckte.

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Am Ende rächte sich der tote Garten und zog ihn mit hinunter. Der Nachbar harkte weiterhin den grauweißen Kies.

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Das Bad in Kräuter bekam ihr nicht, nun nicht mehr von duftenden Schaum sondern deren Wurzeln bedeckt.

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Er baute eine Mauer um sein Haus, setzte Steine, zog Stacheldraht und dachte, nun sei er sicher. Er irrte sich.

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Das noch soviel Gutes in ihm steckt, hätte sie nicht vermutet und schiebt die Gedanken an seine Bösartigkeiten, die ihn genau an dieser Stelle unter die Erde brachten, beiseite.

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„Immer Schritt für Schritt, eins nach dem anderen“, sagte er sich und ergänzte mit fröhlichem Lächeln, „die Hand unter die Stiefmütterchen, der Kopf unter die Erika.“