Trotz seiner rund 1700-jährigen Geschichte war das Judentum in Deutschland fast vollständig durch die Verbrechen der Nationalsozialisten vernichtet – nur wenige überlebten nach 1945. Erst mit dem Zuzug jüdischer Flüchtlinge aus den Ländern der Sowjetunion kam es zu einem Wiederaufleben. Heute gibt es wieder eine lebendige jüdische Gemeinschaft. Doch diese Blüte ist durch den wachsenden Antisemitismus, besonders seit dem 7. Oktober 2023, gefährdet.
Ausgerechnet Jürgen Habermas hat die Theologie wenige Monate vor seinem Tod an ihren Gottesbezug und an Adornos Aperçu einer „Theologie oben ohne“ erinnert – und damit eine Religiosität kritisiert, die sich in Ethik aufzulösen droht. Im Kielwasser Adornos und Habermas‘ plädiert der Nürnberger Theologe Ralf Frisch für einen Glauben, der Transzendenz nicht preisgibt und vielleicht gerade so zukunftsfähig bleibt.
Zwei Landtagswahlen zeigen: Wer bei der Diskussion über die AfD noch immer vor allem auf den Osten schaut, verkennt die eigentliche Dynamik. Die liegt nämlich in den Brüchen und Verletzungen als Folge von wirtschaftlicher Transformation. Und das ist eine gesamtdeutsche Erfahrung, meint zeitzeichen-Redakteur Stephan Kosch. Aber was folgt daraus für Politik und Kirche?
Der Karsamstag steht für eine Erfahrung, die viele Menschen heute teilen: Zwischenzeiten, in denen Gewissheiten zerbrechen und neue Perspektiven fehlen. Die Theologen Gabriele und Peter Scherle zeigen, warum gerade das Aushalten des Ungeklärten theologisch fruchtbar ist – und erklären, weshalb darin eine zentrale Aufgabe der Kirche liegt.
Wenn Krieg Menschen zur Flucht zwingt, beginnt am Flughafen oft ein stiller, entscheidender Moment: ankommen, durchatmen, sicher sein. Unsere Onlinekolumnistin Angela Rinn erzählt von der Arbeit der Flughafenseelsorge – und davon, wie viel ein Lächeln, ein Teddy oder ein Satz bewirken können.
Die Kritik am Liberalismus erlebt in den USA neuen Auftrieb – auch im Umfeld von Donald Trump. Der amerikanische Philosoph Patrick Deneen liefert dafür die ideologischen Stichworte. Der Theologe Horst Gorski zeigt in seinem Text auf zeitzeichen.net, warum diese konservative Sehnsucht nach religiöser Ordnung zugleich verständlich und gefährlich ist – und was sie für die Zukunft der Demokratie bedeutet.
Der Göttinger Staatsrechtler Hans Michael Heinig, Professor für Öffentliches Recht und Leiter des Kirchenrechtlichen Instituts der EKD, analysiert im zeitzeichen-Gespräch die kirchenpolitischen Pläne der AfD in Sachsen-Anhalt. Er erklärt unter anderem, warum eine sofortige Einstellung der Staatsleistungen rechtswidrig wäre, wo die Verfassung schützt – und an welchen Stellen Kirchen und Universitäten verwundbar sind.
Donald Trumps Aufstieg ins Weiße Haus ist ohne das evangelikal-fundamentalistische Christentum kaum zu verstehen. Ein Blick in die Religionsgeschichte der USA zeigt, wie apokalyptische Deutungsmuster, religiöses Sendungsbewusstsein und politische Machtansprüche seit Langem ineinandergreifen.
Der Journalist Arnd Henze analysiert in seinem neuen Buch "Mit Gott gegen die Demokratie" vor allem den christlichen Nationalismus und seine Verbindungen zur MAGA-Bewegung. Aber er beschreibt auch den wachsenden Widerstand, der sich an Martin Luther King und Dietrich Bonhoeffer orientiert.
Im vergangenen Sommer hat eine Berliner Pfarrerin vier Männer im Rahmen eines „Pop-up-Hochzeitsfestivals“ gesegnet. Friedhelm Meier, Privatdozent am Lehrstuhl für Systematische Theologie in Tübingen, analysiert die Schwierigkeit polyamorer Beziehungen.
Gespräch mit Sabena Donath, Direktorin der derzeit in Frankfurt am Main entstehenden Jüdischen Akademie des Zentralrats der Juden in Deutschland, über Identität, Antisemitismus und Israel.
Sexualisierte Gewalt ist auch in der evangelischen Kirche Realität – und ihre Aufarbeitung stößt noch immer auf Abwehr, Wie können Gemeinden lernen, Betroffenen wirklich zuzuhören?
Die EKD hat mit ihrem Maßnahmenplan viel erreicht. Aber die bleibende Schwäche des Systems ist und bleibt die fehlende flächendeckende Verbindlichkeit.
Das Gebetshaus Augsburg macht derzeit Schlagzeilen. Es zieht vor allem viele junge Menschen an, die sich unter anderem von „Lobpreis und Anbetung“ bewegen lassen. Doch die als eingetragener Verein organisierte Institution ist auch umstritten.
Am 25. März wird das Fest Mariä Verkündigung begangen. In der Bibel reagiert Maria auf die Botschaft ihrer unverhofften Schwangerschaft mit einem Lobgesang, dem berühmten Magnificat. Davon ausgehend, zeichnet Ines Bauschke ein neues Bild von Maria.
Wir sind nicht zuletzt Hüterinnen und Hüter der Werte, die den Schutz des Mitmenschen in seiner Verletzlichkeit in den Mittelpunkt stellen. Zedakah, Nächstenliebe, Solidarität.
Tiefe Frömmigkeit, ein großes Herz und eine Prise Rebellion machen die irische Seele aus. Die Stadt Cork, im Südwesten der Insel, hat offenbar besonders spannende Charaktere hervorgebracht, wie der Arzt und Journalist Martin Glauert bei einem Besuch entdeckte.
Glaube soll sich lohnen. Er soll tragen, stärken, verändern. Ausgerechnet der „religiös unmusikalische“ Philosoph Jürgen Habermas mahnte hier zur begrifflichen Klarheit. Das veranlasst Thies Gundlach zu fragen, worin die eigentliche Relevanz des Glaubens liegt.
Die schrecklichen Bilder von dem von der russischen Armee verübten Massenmord an Zivilisten in Butscha haben gewaltfreien Widerstand als sinnlos erscheinen lassen. Doch aus dem Ukrainekrieg sind nicht wenige Aktionen sozialer Verteidigung bekannt geworden. Wir sollten davon lernen.
Seit rund 1 700 Jahren gibt es jüdisches Leben auf deutschem Boden. Über Jahrhunderte waren die deutschen Juden zu einer Existenz in latenter Bedrohung gezwungen – bis zum schrecklichen Tiefpunkt des Holocausts. Doch auch nach 1945 blieb ein vorurteilsfreier Umgang mit Juden Wunschdenken. Das Wohl und Wehe des Judentums in Deutschland beschreibt der Autor Rafael Seligmann.
Juden werden hierzulande vor allem in drei Rollen wahrgenommen: als Maskottchen im interkulturellen Dialog, als Hassobjekt im Kontext Israels oder als Opfer des Holocaust. Dadurch bleibt das deutsch-jüdische Verhältnis verkrampft.
Der Antisemitismus ist in den vergangenen Jahren vor allem in bestimmten Milieus salonfähiger und anerkannter geworden. Oder er gehört sogar zum „Auf-der-richtigen-Seite-Stehen“. Der Judenhass erfüllt zudem weiterhin die Funktion der Selbstidealisierung.
Die AfD gibt sich öffentlich meist juden- und israelfreundlich. Das aber ist nur Fassade. So wie sie sich im Ganzen seit Jahren in einer stetigen Radikalisierungsdynamik befindet, so verstärkt sich auch die antisemitische Schlagseite der Partei, analysiert Lars Rensmann, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Passau.
Was für eine Kindheit! Wer Betty Taubes Erinnerungen liest, kann dies nicht tun, ohne Mitgefühl zu entwickeln. Erschüttert, betroffen, ja bisweilen auch empört bleibt man nach der Lektüre zurück.
Trotz der Schwere des Themas ist dieses Buch ein zauberhaftes Plädoyer für unverstelltes Sehen und umfassende Wahrnehmung, wie es in der Literatur nur alle Jahre einmal derart eindrücklich aufscheint.
Insgesamt ist dieses Buch ein Bildungsereignis gerade für diejenigen, die sich nicht fortlaufend in der nationalen und internationalen Presse informieren können.