DAS PROBLEM (eines von vielen, die den Studenten piesacken)
Ein besonderes Übel aus der überquellenden Büchse der Pandora, das die Menschheit entsetzlich quält, ist CSFL, die gefürchtete: “Chronisch Schiefe Finanz Lage”! Eine Geisel, von der jeder Mensch, ja, eine ganze Nation, befallen werden kann, die aber bevorzugt die Studentenschaft heimsucht und diese Population zu 100 Prozent infiziert – oft bis an das Ende ihres irdischen Daseins.
Was macht den Studenten so anfällig für den tückischen Pleitevirus?
Böse Zungen behaupten verleumderisch: “über die Verhältnisse lustiges (Studenten) leben”. Das ist gemein und zeugt nur von dummer, dummer Unwissenheit! Jede Küchenschabe lebt lustiger und über ihre Verhältnisse sowieso und die Schabe muss sich nicht ständig auf den Treppenstufen hoffnungslos überfüllter Hörsäle dem Geleier eines Dozenten, der tief unten auf dem Grund des Saals krampfhaft versucht, nicht von der eigenen Vorlesung eingeschläfert zu werden, aussetzen. Von Seminaren, in denen Kommilitonen ihre Referate monoton von einem Blatt vorlesen (nicht selten hemmungslos in einem Dialekt, der die Schuhsohlen und die Trommelfelle gerbt), ganz zu schweigen. Von wegen lustiges Studentendasein! Denkste!
Einzig und allein die exorbitant hohen KOPIERKOSTEN, die der Studentenschaft aufgebürdet werden, schwächen deren Budget permanent bis weit unter das Existenzminimum. Sonst nix! Um die kommt er nicht rum, da gibt es keinen Ausweg.
Prof A befiehlt das Fachbuch “was weiß ich” als Prüfungsliteratur. Die zwei Exemplare davon, die die Bibliothek besitzt, sind selbstverständlich von Dozent B für Monate in einem Semesterapparat eingefroren und deshalb nicht ausleihbar. Sollte dies nicht der Fall sein, dann sind die jetzt überlebenswichtigen Bücher sonst wie verschollen. Es gibt Psychopathen, die machen sich einen Spaß daraus, Prüfungsliteratur irgendwo in der Bücherei zu verstecken. (selbst erlebt)
Der Kauf eines Fachbuches ist kategorisch ausgeschlossen. Die sind dermaßen teuer, dass sich nicht einmal die Uni mehr als zwei davon leisten kann – also KOPIEREN! Aber wie und wo. Sollten in der Bibliothek Kopiergeräte vorhanden sein, dann sind die immer defekt oder für Stunden besetzt.
Auf zur Fachschaft! Wenn diese nun auf Zack war und noch immer ist, liegen stets bereits kopierte Ausgaben bereit, die mit in den Copy Shop genommen werden dürfen. Zwei, drei, vier, fünf… Stunden später hat der Wissbegierige endlich ein eigenes Arbeitsexemplar in Händen, aber eine leere Geldbörse und die Schnauze voll vom Ozongeruch im Copy Shop und die Ohren klingeln vom pausenlosen WISCH WUSCH der Vervielfältigungsapparate. An etwas anderes, als die Erholungssuche ist nicht mehr zu denken. Die zehrt jetzt die allerletzten Reserven auf. CSFL hat freie Bahn und wütet!
Gibt es CSFL-resistente Studenten?
NEIN! Definitiv, NEIN! Ein Student wird immer infiziert, egal wie hoch oder niedrig die monatliche Zuwendung, die er erfährt, ist. Im Gegenteil! Je höher das Ausgangsbudget, desto schiefer gerät die Ebene, auf der er in die Notlage rutscht. Der Tausender ist direkt proportional schneller pleite, als der Fünfhunderter – das liegt in der bösartigen Natur dieser geißelnden Krankheit, die keinen Studenten verschont.
Was sind die Auswirkungen der chronischen Pleitekrankheit?
MENSA ist wohl die verheerendste Folge des Befalls. Der stets aller Mittel entblößte Student muss Essen fassen, um nicht den Hungertod in zartem Alter zu sterben, und das in einer Halle, die Hölle ist. Endlich im Besitz eines Tabletts mit Speisen, macht er sich auf die Suche nach einem Sitzplatz. Irrt umher. Stolpert durch einen Raum, in dem sich nicht einmal ein startender Düsenjäger Gehör verschaffen könnte, denn der Student ist die einzige Spezies, die mit vollem Mund Grölen, Quietschen, Lachen, Labern kann und den Hintern von einem durch ihn besetzten Stuhl nicht hoch bekommt, selbst wenn er längst den Teller leer hat. Das ist nicht bösartig, sondern geschieht instinktiv. Alle Lehrveranstaltungen haben ihn gelehrt, niemals einen glücklich ergatterten Platz aufzugeben, denn dann steht er sich für den langen Rest der Stunde die Beine in den Bauch.
Die anstrengende, fast vergebliche Suche nach einer Sitzgelegenheit lässt die ohnehin nur lauwarm ausgelieferte Mahlzeit vollends erkalten. Das schwächt den studentischen Organismus und erklärt die andauernd mit Getöse und Schreckeffekt zu Boden krachenden Geschirrtabletts. Magengeschwüre und Bluthochdruck sind vorprogrammiert.
Da die Mensaköche mit allem geizen, nur nicht mit Salz, spült der brennende Durst nach dem Kampf im Speisesaal den letzten Fünfer aus den Taschen. Prompt ist die CSFL AKUT!
DEPRIVATION von harmlosen, ablenkenden Freizeitvergnügungen ist die zweite, vernichtende Konsequenz der Infektion mit “Chronisch schiefer Finanzlage”. Kino, Theater, der dringend empfohlene, neu eröffnete Inder… das ist nur in der ersten Monatswoche drin. Der Rest ist Hängen im Schacht und Fastenzeit. Schwere Depressionen sind die bitteren Konsequenzen des Entzugs. Depressiv, magenkrank und arm wie die Kirchenmaus – das ist die Wahrheit, das ist die studentische Wirklichkeit. Schonungslos aufgedeckt von der “Bäuerlichen Studentenberatung”, die tagtäglich schwere Fälle ans Grab begleiten muss.
Gibt es ein Heilmittel?
NEIN! Definitiv, NEIN! Geld verschlimmbessert nur kurzfristig. Wie bereits weiter oben ausgeführt, ist der Fall in die Pleite umso tiefer und beschleunigter, je mehr Kohle dem Studenten zur Verfügung steht. Geld lindert nur die Symptome – heilt aber nicht!
Welche Selbsthilfemöglichkeiten hat der Erkrankte?
Die Selbsthilfe kann sich nur auf die Linderung der Symptome durch die Beschaffung von Mitteln beschränken. Tut uns Leid! Arbeiten in den Ferien bringt gerade genug ein, um die im Lauf des Semesters angehäuften Schulden zu tilgen. Da bleibt dann nur noch etwas für das Kopiergerät im Shop übrig.
Außerdem sind viele Jobs fatal. Wer sich z.B. auf die Maloche am Sortierband einer Krankenhauswäscherei einlässt, weil diese nicht umsonst gut bezahlt wird, riskiert den Erschöpfungstod. Also Obacht bei der Wahl der Tätigkeit, sonst geht ein ganzes Semester flöten, weil ihr krankenhausreif seid.
Kommilitonen anpumpen ist praktisch unmöglich. Der einen Hälfte schuldet ihr Geld, die andere Hälfte schuldet euch Geld. Nix zu machen!
HIWI-Posten sind rar, begehrt zwar, aber die pure Ausbeutung. Der 15-Wochenstunden-Vertrag lastet in der Praxis 60 Wochenstunden auf. Gut, die studentische Hilfskraft lernt dabei nebenher eine Menge. Zugegeben! Ein eigenes Büro in der Uni bietet ebenfalls Vorteile, doch trotzdem wird zu Vorsicht und genauer Abwägung eurer Ziele und Interessen mit denen des akademischen Arbeitgebers geraten.
Alles in allem, liebe Studentinnen und Studenten, müsst ihr euch mit der “Chronisch schiefen Finanzlage” abfinden und stoisch gelassen damit umgehen. Die “Bäuerliche Studentenberatung” hat einen Experten, der mehr als eine Dekade lang dieser Geisel trotzte, beauftragt, ein Erste-Hilfe-Konzept zu entwickeln, das auf seinen unendlichen Erfahrungen und bewährten Methoden, die der CSFL Paroli bieten, tönern steht.
Das Licht am Ende des Tunnels, ihr Leidenden, kommt in Sicht. Nur ist nicht absehbar, wann der faule Sack damit in die Pötte kommt. Der weiß zwar, wie man selbst dem hartherzigsten Sparkassen-Filialleiter, trotz überzogenen Kontos und Oberkante/Unterlippe in der Misere steckend noch im letzten Augenblick vor dem Untergang, einen Tausender aus dem Kreuz leiert, doch er hat noch keinen Bock, seinen wertvollen Kenntnisschatz zu teilen. Da arbeiten wir aber dran – in eurem Interesse, woll !!
Anmerkung: Diesmal ist das Thema des Blogs: “Dorfgeschichten aus dem Sauerland” total verfehlt. Hat aber Spaß gemacht, den Beitrag zu schreiben. UNGENÜGEND! Setzen! (die „Pandora mit der Büchse“ ist der Wiki geklaut, die anderen Bilder sind auch raubkopiert – keine Ahnung von wem. Ehrlich!))
Schlagwörter: büchse der pandora, budget, pleite, population, sein, studentenleben