Wir sind gerade zurück aus dem ersten Teil unseres Urlaubes: Zelten in Südlimburg, einer Provinz der Niederlande. Wir waren in Vijlen, einem kleinen Ort in direkter Nähe zum Dreiländerpunkt zwischen Belgien, den Niederlanden und Deutschland.
Wie gesagt, wir waren zelten, mein erstes mal … Ich war zwar schon mal zelten als Kind und einmal mit einer Freundin als ich ca. 24 war, aber das war es dann auch. Meine Idee von Urlaub war bis dato, dass man in ein Hotel oder einen Bungalow geht und sich um nichts mehr kümmern muss (und vor allem: In einem normalen Bett schläft!). Abstriche habe ich lernen zu machen, als ich Kinder bekam. Da war auch ein Mobilheim eine würdige Unterkunft für mich und meinen Anhang.
Aber mit Familie und Hund zelten, das gehörte für mich bis vor einer Woche zu den Erfahrungen, die ich lieber nicht machen wollte.
Da es für Kinder aber natürlich ein riesen Abenteuer ist und Ferry ein alter Campinghase, habe ich mich dazu entschlossen, der Sache mal ne Chance zu geben.
In den letzten Monaten waren wir also viel beschäftigt mit dem Kaufen von Campingutensilien.
Und dann war es dann soweit! Der Wetterbericht prognostizierte gute Aussichten (sehr spärlich in diesem Sommer) und so beschlossen wir am Sonntag Abend, dass es Zeit für eine neue Familienerfahrung würde.
Am Montag morgen hatte ich noch eben einen Termin im Krankenhaus und musste einen CT- Scan machen lassen zur Positionierung der Bestrahlung und als ich nach hause kam, war Ferry schon eifrig mit Einpacken beschäftigt.
Er hatte verschiedene Zeltplätze angerufen und tatsächlich noch einen gefunden, der unserer ersten Campingerfahrung nicht im Weg stehen wollte!
Angesichts unser Combi leider noch immer zu wenig Stauraum für uns vier, einen Hund und alle Utensilien zu haben schien, war mein Auftrag dann auch, so wenig wie möglich Kleidung ein zu packen! Und das mir! Ich will immer auf alle Wetterlagen vorbereitet sein und packe genüsslich ein und ein. Nun gut, das ging dann nicht, das back-to-basic-Gefühl stellte sich dann auch direkt ein.
Nachdem ich also in zwei Taschen Kleidung für drei Personen verstaut hatte und die dann glücklicherweise auch noch in den Kofferraum passten, samt den hohen Sandalen, die man auf dem Zeltplatz dann übrigens doch nie anzieht, war ich geschafft aber gespannt darauf, was folgen sollte.
Mein erster Eindruck war dann auch erstmal: He? Sitzen wir zwischen den Wohnwagen? Warum denn das? Sind wir die einzigen mit nem Zelt hier?
Nee, das ist eben so auf diesem Zeltplatz. Und letztendlich war das auch ganz gut. Da hört man dann nämlich glücklicherweise nachts auch nicht das Geschnarche des Nachbars, bei dem ich mir ganz sicher bin, dass das ein Vorteil ist!
Was man schon hört: Den nächtlichen Streit besagten Nachbars mit seiner pubertierenden Tochter, die ganz offensichtlich nicht nach Wunsch gehorchte, ihr Kommentar: Fucking ashole! Ja, so ist das eben „op de Camping“, he?
Was mir mehr Kopfschmerzen bereitete, war das „Dagmar- Problem“: Wie sollte ich morgens und abends ohne Haar mich selbst wieder fit und ausgehfertig bekommen ohne, dass der ganze Zeltplatz mich anschaut mit diesen mitleidigen Augen, die sagen: schau mal, die hat sicher Krebs oder sowas. Im Urlaub wollte ich einfach Tanja sein, Punkt.
Zudem war ich die Einzige, die Ansteckungsgefahr auf der Toilette erwartete und ganz sicher die Einzige, die sich ordnungsgemäss nach dem Toilettengang die Hände mit Seife zu waschen schien. Warum ich das weiss? Ich hatte meine hygienischen Tücher und eine Flasche flüssiger Seife bei mir. Und der Rest: Ja, genau!
Nun gut, bei mir war das ja auch notwendig, schliesslich kann jede Ansteckung auch ein bischen gefährlich für mich werden.
Ich hatte aber dennoch irgendwie das Gefühl, damit schon auf zu fallen.
Nun zu meinem Dagmar- Problem: Ich wollte nicht unbedingt mit Tuch über den Platz, weil das für mich ein Zeichen von Chemopatientin ist.
Glücklicherweise hatte ich passend zum Tuch einen Art Haarkranz angeschafft. Damit sehe ich ohne was dazu aus wie ein Mönch (nur so zur Verbildlichung), ich habe schon köstlich drüber gelacht.
Der Haarkranz unter dem Tuch sorgt dafür, dass man Haare sieht und es eben nicht so auffällt. Auf dem Platz selbst habe ich dann noch ein Cappie angeschafft, mit dem ich rum gelaufen bin. Morgens blieb dann noch das Problem der abwesenden Augenbrauen über. Die habe ich abends versucht, nicht weg zu wischen, sodass ich morgens eher müde als haarlos aussah.
Zumindest mein Gefühl sagt mir, dass es gelungen war. Und das ist die Hauptsache. Und eigentlich sollte es mich nichts kümmern, was andere denken.
Aber manchmal ist es eben für mich als Krebs-und Chemopatientin ganz schön, um inkognito zu sein. Und das ist mir gelungen.
Der Platz hatte zudem einzelne Kabinen mit Waschbecken und gutes Schminklicht. Damit hatte ich morgens meine Ruhe und Privatsphäre, um mich zu Tanja um zu gestalten. Herrlich!
Damit war also mein erste Zelterlebnis ein Erfolg.
Auch der Regen, der ab und zu einsetze, machte mir wenig aus. Das Schlafen ging prima ab der zweiten Nacht. Schade nur, dass ich in der dritten Nacht meine „Nachtmütze“ vergessen hatte, auf zu setzen und es mir darum ganz schön kalt wurde. Die Kinder waren relaxed, genossen und ich genoss vom Zusammensein. TV gab s nicht und nach kurzer Zeit war auch kein Saft mehr im DS. Da wir die Auflader vergessen hatten, mit zu nehmen, gab s auch keine Spiele mehr darauf. Das machte aber nichts, denn Gesellschaftsspiele zu viert haben auch ihren Reiz.
Die Jungens sind viel zu spät uns Bett gegangen und haben herrlich ausgeschlafen.
Und ich freue mich schon auf unser nächstes Abenteuer… wann auch immer das sein wird. Zelten ist für mich jedenfalls kein „Nee, das mache ich nie“ mehr…