Quelle: EU Member States obstruct ban on harmful Endocrine-Disrupting Pesticides, Commission fails to enforce the law, Pesticide Action Network (PAN) Europe 7.7.25
Trotz eindeutiger rechtlicher Verpflichtungen im Rahmen des EU-Rechts verzögern und behindern mehrere Mitgliedstaaten weiterhin das Verbot schädlicher endokrin wirkender Pestizide. Diese Stoffe können für die menschliche Gesundheit gefährlich sein und haben das Potenzial, die Fortpflanzung, die Kognition und die Entwicklung, insbesondere bei Kindern, zu beeinträchtigen. Während einige dieser Pestizide in den letzten Jahren verboten wurden, sind viele noch auf dem Markt. Anstatt sich an das Gesetz zu halten, beugt sich die Europäische Kommission dem politischen Druck und versäumt es, ein Verbot für vier Stoffe vorzuschlagen, die von der EFSA als schädlich für die Fortpflanzung und Entwicklung über unser Hormonsystem eingestuft wurden. PAN Europe schreibt: Dies ist inakzeptabel, illegal und gefährdet sowohl die öffentliche Gesundheit als auch die Umwelt ernsthaft.
Gemäss der EU-Pestizidverordnung (Verordnung Nr. 1107/2009) können endokrin wirksame Pestizide nur dann zugelassen werden, wenn die Exposition von Mensch und Umwelt vernachlässigbar ist. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat bestätigt, dass Buprofezin, Cyprodinil, Fludioxonil und Fenoxaprop-P-ethyl das Hormonsystem des Menschen stören können. Buprofezin wirkt sich auf die Schilddrüsenhormone aus, während die drei anderen Wirkstoffe mit den Sexualhormonen interagieren. Keiner dieser Stoffe erfüllt die Anforderung der „vernachlässigbaren Exposition“, so dass sie im Einklang mit dem Gesetz verboten werden müssen.
Zulassungen Schweiz
Heidi hat im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen nachgeschlagen. Zahlreiche Produkte mit diesen Wirkstoffen sind in der Schweiz zugelassen: 3 mit Buprofezin, 28 mit Cyprodinil, 38 mit Fludioxonil und 11 mit Fenoxaprop-P-ethyl.
Verlängerung statt Verbote
Bei der Fertigstellung der Risikobewertung dieser endokrin wirksamen Stoffe ist es bereits zu erheblichen Verzögerungen gekommen. Ihre Zulassungen sollten ursprünglich 2017 (Cyprodinil), 2018 (Fludioxonil und Fenoxaprop-P-ethyl) und 2021 (Buprofezin) auslaufen, wurden aber mehrfach verlängert.
Anstatt ihre längst überfälligen Verbote voranzutreiben, drängen einige Mitgliedstaaten aktiv auf eine Verlängerung der Zulassungen und verstossen damit direkt gegen das Gesetz. Sie berufen sich auf Artikel 4 Absatz 7 der Pestizidverordnung, der eine fünfjährige Zulassung eines Schadstoffs nur in Ausnahmefällen erlaubt. Dies ist dann der Fall, wenn der Stoff zur Bekämpfung einer schwerwiegenden Gefahr für die Pflanzengesundheit, die nicht durch andere verfügbare Mittel, einschliesslich nicht-chemischer Methoden, eingedämmt werden kann, für unerlässlich gehalten wird.
Die Kommission hat jedoch selbst eingeräumt, dass eine Erneuerung unter dieser Bedingung nicht machbar ist. Dennoch lässt sie die Stoffe in Gebrauch bleiben, während die Mitgliedstaaten förmliche Entscheidungen hinauszögern. In der Tat hat die Kommission in den letzten Monaten für keinen dieser vier Wirkstoffe einen Vorschlag zur Nichtverlängerung vorgelegt. Stattdessen schlägt die Kommission auf der kommenden Sitzung des Ständigen Ausschusses der Mitgliedstaaten (SCoPAFF) am 9. und 10. Juli vor, den Zulassungszeitraum für Buprofezin bis Dezember 2026 zu verlängern.
Fludioxonil, der endokrinschädliche PFAS in Obst und Gemüse
Der Stoff, gegen dessen Verbot sich die Mitgliedstaaten am stärksten wehren, ist Fludioxonil, das seit Dezember 2024 im SCoPAFF diskutiert wird. Fludioxonil ist nicht nur ein endokrin wirksamer Stoff, der die sexuelle Entwicklung und die Fortpflanzung beeinträchtigt, sondern auch ein PFAS. Wie im PAN-Bericht „Verbotene Früchte“ dargelegt, gehört Fludioxonil zu den am häufigsten nachgewiesenen Wirkstoffen in Obst und Gemüse in der EU, die für eine Substitution in Frage kommen. Fludioxonil ist ein in allen Mitgliedstaaten zugelassenes Fungizid, das für eine breite Palette von Obst, Gemüse, Bohnen, Zierpflanzen und Getreide verwendet wird.
Neun Mitgliedstaaten blockieren derzeit die Bemühungen um ein Verbot dieses Wirkstoffs und setzen sich unter Berufung auf die EU-Vision für Landwirtschaft und Ernährung für eine Verlängerung der Zulassung ein. Sie behaupten, es gäbe keine Alternativen. Dieses Argument spiegelt eine von der Industrie geprägte Sichtweise wider, die wissenschaftliche Beweise für die Verfügbarkeit und Rentabilität von Alternativen ignoriert. Eurostat-Daten zeigen, dass die Ernteerträge trotz des Verbots schädlicher Pestizide im Laufe der Zeit stabil geblieben sind. Darüber hinaus haben zahlreiche von der EU finanzierte Projekte gezeigt, dass der Integrierte Pflanzenschutz (IPM) den Pestizideinsatz um 50-80 Prozent reduzieren kann, ohne die Ernteerträge zu beeinträchtigen.
Cyprodinil, ein endokrin wirkendes Fungizid
Kurz nach Fludioxonil stand auch Cyprodinil auf der Tagesordnung. Dieses Fungizid wurde von der EFSA ebenfalls als endokrinschädlich für die menschliche Gesundheit eingestuft, mit ähnlich schädlichen Auswirkungen auf die Fortpflanzungsfähigkeit. Einige Mitgliedstaaten haben erneut argumentiert, dass ein Verbot sowohl von Fludioxonil als auch von Cyprodinil den Pflanzenschutz beeinträchtigen könnte, da sie eine ähnliche Wirkungsweise haben. Produkte, die beide Stoffe enthalten, sind in den Mitgliedstaaten für den Einsatz bei Obst und Gemüse zugelassen.
Druck der Mitgliedstaaten
PAN Europe hat die Kommission mehrfach schriftlich aufgefordert, ihrer rechtlichen Verpflichtung nachzukommen, die Nichtverlängerung dieser vier Stoffe vorzuschlagen und dem Druck der Mitgliedstaaten zu widerstehen, sie auf dem Markt zu belassen. Die Koalition EDC-Free Europe, die mehr als 70 öffentliche Interessengruppen vertritt, die über endokrin wirksame Chemikalien und deren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Tierwelt besorgt sind, hat ebenfalls ernsthafte Bedenken geäussert.
PAN Europe fordert
Die Kommission und die Mitgliedstaaten müssen im Einklang mit dem EU-Recht und der Wissenschaft handeln und das öffentliche Interesse und künftige Generationen über den kurzfristigen privaten Profit stellen.
Weiterführende Literatur siehe EU Member States obstruct ban on harmful Endocrine-Disrupting Pesticides, Commission fails to enforce the law, Pesticide Action Network (PAN) Europe 7.7.25
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