Öffentlicher Brief an Klaus

Lieber Klaus,

ich habe soeben Deinen Kommentar entdeckt, indem Du mich fragst, ob es mir gut geht, weil ich länger nichts mehr gepostet habe. Weißt Du was? Das rührt mich. Ich finde das total lieb und antworte deshalb nun etwas ausführlicher und öffentlich.

Vorhin bin ich aus der Uniklinik zurückgekommen, in der meine Oma seit fünf Wochen liegt. Ihr Kardiologe hatte ihr zu einer Herzklappen-Operation geraten. Der Eingriff hat nicht so „geklappt“ wie gehofft, und nun geht es ihr richtig schlecht. Nächste Woche kommt sie voraussichtlich auf Reha. Anfang Juli ist außerdem mein Opa verstorben.

Seit Oktober arbeite ich nun auch mehr (auf eigenen Wunsch) und muss mich erst noch richtig daran gewöhnen. Mit Kindern, Familie, Hund, Haushalt, Garten ist außerdem viel zu planen und zu organisieren.

Zum Bloggen fehlt mir seit einiger Zeit die Leidenschaft. Ich weiß nicht mehr, was ich Euch erzählen oder zeigen soll. Ganz stilllegen möchte ich den Blog aber auch nicht, weil ich auch gerne ab und zu noch bei Euch lese und hereinschaue.

Ich hoffe, es geht Dir und allen, die diesen Text lesen, gut.

Für Dich und alle, die sonst noch kucken, meine neueste Teebeutel-Kunst. Im Herbst sieht man die Eichhörnchen wieder sehr häufig mit ihren Nüssen auf Hochspannungsleitungen sitzen:

collage-eichh

Ich wünsche Dir und allen eine gute Zeit und einen sonnigen Herbst.

Herzlichst

Andrea

Ich mal mir einen Pinguin

Ich mal mir einen Pinguin

weil unser Haus plötzlich einen künstlichen Ausgang bekommen hat

weil zwei Frauen sich streiten wie vor 20, 30 Jahren

zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten

die eine beharrt, die andere möchte endlich nicht mehr nachgeben

und ich? versuche mich einigermaßen herauszuhalten und

mal mir einen Pinguin…

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(kleines Aquarell digital gerahmt)

Die Laubkönige gibt es nicht mehr

Verschwunden sind die Laubkönige

die auf kurzen Beinen

ihr Königreich regierten

das Laub rascheln ließen

durcheinanderwirbelten

dass die Blätter nur so himmelwärts flogen

buntes nimmermüdes Treiben

Laubhaufen erklimmend

stolz Schubkarrenkutsche lenkend

gezogen von eifrigen, bald atemlosen Rössern

mit bebenden Nüstern

Laubkönige vor Vergnügen kreischend

Rösser anfeuerend

wangengerötet

einst Könige in ihrem Reich

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(Foto: Die verlassene Festung der Laubkönige)

Schnaps oder Lolli

Als meine Freundin am Wochenende mit ihrer Familie beim Griechen Essen war, gab es zum Abschluss den üblichen Uozo aufs Haus. Die Kellnerin fragte den hochgewachsenen 14-jährigen Sohn, ob er denn auch einen Schnaps trinken dürfe, worauf dieser glatt nochmal einen halben Meter wuchs. Die 16-jährige Tochter fragte sie nicht, die war hinterher stinksauer. Schnaps gab es allerdings keinen für die beiden Kids, dafür zwei Lutscher.

Fazit: Die Jugend – eine Zeit zwischen Schnaps und Lolli

Er war Musiker

Er war ein leidenschaftlicher Musiker und Musiklehrer, spielte und lehrte in erster Linie Gitarre und Klarinette.

Als junger Mann hatte er mit seiner Musikkapelle den Sommer über immer für ein paar Monate Engagements in der Schweiz. Die Herren trugen beim Auftritt Anzug und Hemd („Nehmen Sie grün, das hebt“, erzählt er noch heute gerne von der Empfehlung des damaligen Verkäufers mit jiddischem Akzent). Ein schöner Mann, den die Freundinnen seiner Tochter später anhimmeln sollten (was sie ziemlich eifersüchtig machte). Witze erzählt er auch heute noch leidenschaftlich gern, auch wenn wir sie alle schon viele, viele Male gehört haben.

Später war er sehr beliebt bei seinen Schülern an der städtischen Musikschule, von denen ihm einige selbst zum 75. Geburtstag noch ein Ständchen darbrachten, als er längst im Ruhestand war.

Sein Musiktalent hat er mir nicht vererbt, dafür ein bisschen Talent zum Zeichnen und Malen, das er wiederum von seinem Vater mit in die Wiege gelegt bekommen hatte. „Stell dir vor, den Vater haben sie in den letzten Kriegstagen ’45 noch erschossen“, sagt der Opa, der wie so viele Buben ohne Vater aufwachsen musste. Die Mutter war sehr dominant, als ich klein war hatte ich immer ein bisschen Angst vor ihr, gemocht habe ich sie nie.

Wenn es in seinem Leben an etwas mangelte, dann am ehesten an Durchsetzungskraft, gerne ging er den Weg des geringsten Widerstands.

Heute ist er alt und gebrechlich und seine Instrumente nimmt er schon lange nicht mehr in die Hand.

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