Hunde erfreuen sich auch in England sehr großer Beliebtheit, so liegt es auf der Hand, dass zahlreiche Pubs hundebezogene Namen führen, möglicherweise, um Zwei- und Vierbeiner gemeinsam in die Gasthäuser zu locken. Über dog-friendly pubs habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben und auch Englands hundefreundlichsten Pub in Grundisburgh in Suffolk vorgestellt, der selbstverständlich The Dog heißt. Der häufigste hundebezogene Pubname in Großbritannien ist The Greyhound, gefolgt von Fox and Hounds und Hare and Hounds, von denen es jeweils mehr als hundert gibt.
Heute habe ich einmal einige Pubschilder herausgesucht, auf denen Hunde zu sehen sind.
Am 16. November 1934 starb Alice Pleasance Hargreaves in Westerham in Kent im Alter von 82 Jahren; ihre Asche wurde auf dem Kirchhof von St Michael and All Angels in Lyndhurst (Hampshire) im New Forest beigesetzt. Wer war diese Dame? Als Kind war sie das Vorbild für die Kinderbuchfigur Alice im Wunderland, die sich der Schriftsteller und Mathematiker Charles Lutwidge Dodgson, besser bekannt als Lewis Carroll (1832-1898), in Oxford ausgedacht hatte; Alice Liddell hieß sie damals. Im Alter von 28 Jahren heiratete sie in der Londoner Westminster Abbey den Cricketspieler Reginald Hargreaves (1852-1926), der für die Grafschaft Hampshire spielte, und so zog Alice mit ihrem Mann dorthin, wo sie sich in einem großen Haus namens Cuffnells in Lyndhurst niederließen. Nach dem Tod ihres Mannes hatte Alice Hargreaves finanzielle Probleme mit dem Unterhalt des Hauses, und so verkaufte sie bei einer Auktion von Sotheby’s das Manuskript des Buches „Alice’s Adventures Under Ground“ (wie „Alice in Wonderland“ ursprünglich heißen sollte) und erhielt dafür die stolze Summe von £15 400, was damals sehr viel Geld war. Cuffnells wurde leider in den 1950er Jahren abgerissen.
Das Grab von Alice Pleasance Hargreaves ist nicht weit von ihrem früheren Haus zu finden, auf dem Kirchhof von St Michael and All Angels an der High Street von Lyndhurst. Direkt daneben liegt das Alice Memorial, eine Steinplakette mit der Inschrift:
THE GRAVE OF MRS REGINALD HARGREAVES THE „ALICE“ IN LEWIS CARROLL’S „ALICE IN WONDERLAND“
In der Kirche selbst ist eine Gedenktafel für die beiden Söhne von Alice Hargreaves angebracht, die beide 1915 respektive 1916 im Ersten Weltkrieg gefallen sind: Captains Alan Knyveton Hargreaves und Leopold Reginald Hargreaves.
Bevor der Monat Mai zu Ende ist, möchte ich noch auf das Thema Maibäume eingehen und vier der höchsten in England vorstellen. Um die Wikipedia zu zitieren: „Bei Maibäumen handelt es sich um meist große, hochstämmige, bis nahe zur Spitze entastete, verzierte Bäume, die an zentralem Platz im Ort bei einer festlichen Veranstaltung aufgerichtet werden„. In manchen Orten werden sie jedes Jahr neu errichtet, in manchen Orten bleiben sie viele Jahre stehen. Die Tradition des Maibaumaufstellens reicht weit in die Vergangenheit zurück; der Tanz um den Maibaum gehört oft dazu wie in diesem Film zu sehen ist.
Sehen wir uns einige der höchsten „maypoles“ Englands an:
The Maypole of Barwick-in-Elmet in West Yorkshire, östlich von Leeds gelegen, ist 26 Meter hoch und wird alle drei Jahre für Wartungsarbeiten umgelegt, aufgehübscht und anschließend wieder aufgestellt. Das wird natürlich mit einem Fest gefeiert, bei dem eine Maypole Queen im Mittelpunkt steht wie es hier zu sehen ist.
The Maypole of Welford-on-Avon in Warwickshire; eines meiner Lieblingsdörfer in England, in dem ich einmal für kurze Zeit gewohnt habe, vor den Toren Stratford-upon-Avons gelegen. Dieser Maibaum ist 20 Meter hoch und besteht aus Aluminium, weil der ursprüngliche Baum bei einem Blitzeinschlag „ums Leben kam“. An dieser Stelle mitten im Dorf soll schon zu Shakespeares Zeiten ein Maibaum gestanden haben. Wie der Baum in Barwick-in-Elmet ist auch dieser mit einer Wetterfahne in Form eines Fuchses verziert.
The Maypole of Nun Monkton in North Yorkshire. 27 Meter hoch ist dieser Maibaum, der auf dem Village Green errichtet worden ist. Nun Monkton liegt nordwestlich von York. Schon seit 200 Jahren gibt es in dem Dorf einen Maibaum, der immer wieder einmal ersetzt werden musste, wenn Teile des Holzes morsch geworden waren. An der Spitze des Baumes sind ein Pfeil und eine Krone angebracht.
The Paganhill Maypole in Stroud in Gloucestershire. 18 Meter hoch ist dieser Maibaum in der Stadt Stroud, der im Mai 2004 anlässlich der 700-Jahr-Feiern errichtet wurde. Bis ins 17. Jahrhundert zurück reicht die Tradition des Maibaums in Stroud. Auch dieser Baum besteht nicht mehr aus Holz sondern aus glasfaserverstärktem Kunststoff. An der Spitze ist keine Wetterfahne angebracht, hier weht die Fahne von Gloucestershire. Es gibt sogar eine Paganhill Maypole Society und eine Website nur für diesen Maibaum.
Als ich den Namen Kula Shaker zum ersten Mal hörte, dachte ich, dass es sich hier um einen englischen oder US-amerikanischer Rapper handelt, doch weit gefehlt, es ist eine 1995 in London gegründete vierköpfige Band, die sich dem psychedelischen Rock verschrieben hatte und tief in der indischen Kultur verwurzelt war. Der Name leitet sich von Kulasekhara ab, einem indischen König aus dem 9. Jahrhundert.
Am 28. Juni 2010 erschien Kula Shakers Studioalbum „Pilgrim’s Progress„, dessen erster Titel „Peter Pan R.I.P.“ heißt und dessen Cover von einem Bild Peter Pans geschmückt ist; es handelt sich dabei um den oberen Teil der Statue der Kinderbuchfigur, die im Londoner Park Kensington Gardens steht und über die ich in meinem Blog vor längerer Zeit berichtet habe. Das Musikvideo wurde passenderweise auch in dem Park gedreht, was unschwer zu erkennen ist. Der See, an dem die Geschichte des Videos spielt, ist der Round Pond, der von König George II. 1730 angelegt worden ist und der ein Mekka für Londoner Modellbootenthusiasten ist und von Schwänen heiß geliebt wird. Die Peter Pan-Statue ist in dem Video mehrfach zu sehen; was hat es aber mit den Steinen unter dem Baum auf sich, die in der ersten Hälfte des Videos auftauchen? Im Text heißt es zu Beginn „Gather ‚round this is the tombstone of Peter Pan R.I.P.„, und tatsächlich sind auf dem einen Stein die Buchstaben „PP“ eingemeißelt (auf dem anderen steht „SMW„). Natürlich ist die Kinderbuchfigur Peter Pan an dieser Stelle des Kensington Parks nicht begraben worden wie es das Video suggeriert; es handelt sich hier um sogenannte „parish stones„, die einmal die Grenze zwischen den Kirchengemeinden Paddington Parish and St Mary, Westminster bildeten. James Matthew Barrie hat die beiden Steine in seinem Roman als die Grabsteine der Kinder Phoebe Phelps und Walter Stephen Matthews verwendet.
So ganz habe ich die Geschichte des Musikvideos zwar nicht verstanden, aber ich finde, es ist sehr gut gelungen, und die Melodie des Songs ist sehr eingängig.
Die Mannschaft aus Bosley (in weiß) bei der Arbeit.
Am Freitag, dem 17. Juli 2015 erschütterten um 9:10 Uhr mehrere Explosionen den kleinen, nur 400 Einwohner zählenden Ort Bosley in der Grafschaft Cheshire, wodurch vier Menschen getötet wurden. Die Holzstaubexplosionen ereigneten sich auf dem Gelände der Firma Wood Treatment Ltd, einer holzverarbeitenden Fabrik, die dadurch in Schutt und Asche gelegt wurde. Bosley liegt an der A523, rund zehn Kilometer südlich von Macclesfield.
Doch soll es in meinem heutigen Blogeintrag nicht um diese Katastrophe gehen, sondern um eine Sportart und um ein ganz besonderes Team, das mit Bosley und der Fabrik verbunden ist beziehungsweise war. Der Name des Dorfes ist weltweit bekannt geworden durch die örtliche Tauziehmannschaft, die 1957 nach ihrem Sponsor Wood Treatment Bosley Tug of War Club benannt worden war. Die Sportart Tauziehen wurde in Bosley schon seit vielen Jahrzehnten ausgeübt, kam aber so richtig Ende der 1950er Jahre in Schwung, nachdem die britische Tug of War Association gegründet worden war, zu deren Gründungsmitgliedern die starken Männer aus Bosley zählten. Der englische Begriff „tug of war“ klingt sehr viel martialischer als das harmlose deutsche „Tauziehen“.
Die Tauziehmannschaften aus Bosley gewannen alles, was es national und international zu gewinnen gab, einschließlich zweier Weltmeisterschaften 1975 und 1976. Zwanzig Jahre hintereinander gewannen die Teams in den Kategorien „catchweight“ und „outdoor“ die nationalen Meisterschaften der Tug of War Association. Nach den internationalen Regeln werden die Wettbewerbe einmal nach „outdoor“ und „indoor“ unterschieden, nach Frauen- und nach Männerteams und nach Gewichtsklassen, das heißt, dass in den einzelnen Klassen das achtköpfige Team ein Gesamtkörpergewicht nicht überschreiten darf. Bei „catchweight“ spielt das Gesamtkörpergewicht des Teams keine Rolle.
Die Roman Road in der Stadt Taunton in der Grafschaft Somerset ist überwiegend eine Wohnstraße, es gibt nur ein paar Läden und einen Lidl-Supermarkt an der sich lang hinziehenden Straße. Die Nummer 108 beherbergt einen chinesischen Imbiss namens The Phoenix, der pekinesische und kantonesische Gerichte zum Abholen anbietet, und auch eine Fischbar hat.
Flashback zum 15. September 1967 als hier in der Nummer 108 ein Chippy, also ein Fish and Chips-Laden, untergebracht war namens Smedley’s. An diesem Herbsttag hielt plötzlich ein knallbunter Reisebus vor dem Lokal, aus dem die Insassen alle in das kleine Lokal strömten, unter ihnen vier weltberühmte Männer: John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr. Die Fischbräter und deren gerade anwesenden Kunden wollten zuerst ihren Augen nicht glauben, wer da unerwartet hereinschneite. Die Beatles, die vielen anderen Businsassen und der weiß uniformierte Busfahrer bestellten was das Zeug hielt, und als der ganze Spuk vorbei war, hatte sich die Kasse des Chippys gut gefüllt, und die Mitarbeiter von Smedley’s waren nach wie vor hin und weg von dem Besuch.
Der Grund für den Abstecher der Beatles nach Taunton? Die Fab Four waren zusammen mit zahlreichen Schauspielern und einer Filmcrew auf der Magical Mystery Tour unterwegs, deren Ergebnis in einem 52-minütigen Film mündete, der von der BBC am zweiten Weihnachtstag 1967 ausgestrahlt wurde…und in der Presse vernichtende Kritiken erhielt. Als sie in Taunton Station machten, kamen sie aus Newquay in Cornwall, wo sie im Atlantic Hotel übernachtet hatten. Dort waren sie mit einem Ehepaar aus Taunton ins Gespräch gekommen, Amy und James Smedley, die dort für einige Tage Urlaub machten. Als die Beatles hörten, dass die beiden in der Stadt in Somerset ein Fish and Chips-Lokal betrieben, meinten sie, dass sie da ja vielleicht auf der Rückfahrt nach London Station machen könnten. Amy und James dachten sich dabei nichts weiter, doch sie lagen falsch. Die Roman Road in ihrer Heimatstadt stand an jenem denkwürdigen Tag im September 1967 für eine Stunde Kopf. Übrigens wurden die in dem Chippy gedrehten Szenen im Film“Magical Mystery Tour“ nicht gezeigt.
Hier ist ein Film über den Besuch der Beatles bei Smedley’s.
Photo: Poliphilo. This work has been marked as dedicated to the public domain.
Über meinen Besuch in der Stanley Spencer Gallery an der Themse in Cookham (Berkshire) habe ich im vorigen Jahr in meinem Blog berichtet. Im Jahr 1927 erhielt der Maler Stanley Spencer (1891-1951) einen Auftrag, in dem Dorf Burghclere in Hampshire, die Sandham Memorial Chapel mit Wandmalereien auszustatten. Burghclere liegt nicht weit vom „Downton Abbey“-Schloss Highclere entfernt. Die Kapelle, die in den Besitz des National Trusts übergegangen ist, wurde von dem Architekten Lionel Pearson entworfen, dessen Schwerpunkt eigentlich der Bau von Krankenhäusern war. Die Auftraggeber für die Sandham Memorial Chapel waren das Ehepaar Mary und John Louis Behrend, die mit dem Bau der Kapelle und den Wandgemälden im Inneren an den Bruder Mary Behrends erinnern wollten, der kurz nach dem Ersten Weltkrieg ums Leben gekommen war. Lieutenant Henry Willoughby Sandham war für die Motor Transport Division of the Army Service Corps in Mazedonien im Einsatz gewesen, hatte sich dort mit Malaria angesteckt und war am 8. März 1920 zuhause in England gestorben. Sein Grab ist auf dem Kirchhof von St Mary’s in Stoke d’Abernon in Surrey zu finden.
Auch Stanley Spencer war im Ersten Weltkrieg in Mazedonien eingesetzt worden, so war es ihm sicher ein Bedürfnis, den Auftrag der Behrends anzunehmen. Für die großformatigen, eindrucksvollen Wandbilder benötigte er mehrere Jahre, und er zog dafür eine Zeit lang von Cookham nach Burghclere. Als Vorbild dienten ihm die Fresken, mit denen der Maler Giotto die Cappella degli Scrovegni in Padua ausgestattet hatte. Die siebzehn Wandgemälde Spencers basieren auf seinen eigenen Erfahrungen als Soldat im Krieg.
Dieser Film zeigt die Sandham Memorial Chapel mit ihren einzigartigen Kunstwerken, die etwas versteckt außerhalb von Burghclere am Harts Lane liegt. Sie ist in der Regel donnerstags bis sonntags von 11 Uhr bis 15 Uhr geöffnet (Eintritt: £9).
Ich glaube, es gibt nicht mehr allzu viele, die sich an einen Song erinnern können, der am 31. Januar 1981 in den UK Charts die Position sechs erreichte, einige Wochen in den Charts verblieb und dann verschwand. Die Rede ist von „The Oldest Swinger in Town“ des Folksingers Peter Frederick Wetlock (1942-2010). Es geht darin um das allmähliche Älterwerden, wenn man feststellen muss, dass der Bauch im Weg ist, wenn man den Reißverschluss seiner Hose hochzieht oder wenn man in eine Disco geht und jemand dir einen Stuhl anbietet, dann ist man der älteste Playboy in der Stadt. Fred Wedlock wurde auch in die Kult-Musikshow Top of the Pops eingeladen, wo er am 19. Februar 1981 auftrat und zwischen den miniberockten jungen Mädchen um ihn herum eine etwas peinliche Figur abgab. Hier ist der Auftritt zu sehen (Karl Dall brachte eine deutsche Version unter dem Titel „Der älteste Popper der Stadt“ heraus; ein ähnlich peinlicher Auftritt ist hier zu sehen)
Fred Wedlock wurde in Bristol geboren, und er starb in Bath in Somerset, und diese Grafschaft war auch der Dreh- und Angelpunkt seines Lebens. Er studierte in Swansea in Wales und arbeitete als Lehrer, unter anderem auch an der Castle School in Thornbury in South Gloucestershire (eine Stadt, die mir sehr am Herzen liegt und über die ich in meinem Blog mehrfach geschrieben habe, auch die Castle School ist mir bekannt). In den 1970er Jahre merkte Wedlock, dass ihn das Musik machen mehr interessierte als das Unterrichten, und so hängte er den Lehrerberuf an den Nagel und trat national wie international in Clubs und auf Festivals auf. Doch der Großraum Bristol lag ihm nach wie vor am Herzen. Er hatte sich in dem Dörfchen Timsbury bei Bath niedergelassen, wo er auch hin und wieder die Dorfbewohner mit seinen Auftritten in der Conygre Hall unterhielt.
Fred Wedlock starb am 4. März 2010 in einem Krankenhaus in Bath, die Trauerfeier fand in Bristols größter Kirche St Mary Redcliffe statt, die bis auf den letzten Platz besetzt war. Seine enge Verbundenheit zu Somerset wurde auch noch nach seinem Tod deutlich.
Der 1946 in Nottingham geborene Harold Shipman studierte an der Universität von Leeds Medizin und nahm seine erste Stelle 1970 an der Pontefract General Infirmary in West Yorkshire an. Vier Jahre später zog es ihn nach Todmorden, in derselben Grafschaft, wo er als Arzt für Allgemeinmedizin am Abraham Omerod Medical Centre in der Burnley Road arbeitete. Dort wurde Shipman bald auffällig, als er eine Abhängigkeit von dem Schmerzmittel Pethidin entwickelte und Rezepte fälschte. Sowohl in Pontefract als auch hier in Todmorden soll er seine ersten Morde an Patientinnen und Patienten begangen haben. Wie viele es gewesen sein mögen, ließ sich nicht mehr genau feststellen.
Nachdem er Todmorden verlassen hatte, war seine nächste Station als Arzt 1977 das Donneybrook Medical Centre in der Stadt Hyde, elf Kilometer östlich von Manchester gelegen. Schließlich gründete er seine eigene Praxis in der Market Street Nummer 21. In dieser Zeit bis zu seiner Festnahme im Jahr 1998 soll Harold Shipman mindestens 250 seiner Patienten ermordet haben, möglicherweise waren es auch weit mehr, das ganze Ausmaß seiner schier endlosen Mordserie ist nie bekannt geworden. Da er die Totenscheine alle selbst ausgestellt und als Todesursache oft „old age“ angegeben hatte, fielen die vielen Todesfälle nicht weiter auf, bis eine Bestatterin es merkwürdig fand, dass immer wieder ehemalige Patienten aus der Shipman-Praxis bei ihr eingeliefert wurden. Sie wandte sich an eine Ärztin in der Stadt, die wiederum die Polizei informierte, die aber keine Ansatzpunkte für eine strafrechtliche Verfolgung Shipmans sah. Als schließlich eine frühere Bürgermeisterin starb, die ihr gesamtes Vermögen an Shipman überschrieben hatte, ergriff deren Tochter die Initiative und wandte sich ebenfalls an die Polizei, die dieses Mal gründlicher recherchierte und schließlich den Arzt am 7. September 1998 festnahm. Er hatte seinen Opfern meist eine tödliche Dosis von Diamorphin gespritzt wie man bei der Exhumierung und Obduktion verstorbener Patienten feststellen konnte.
Harold Shipman wurde vor Gericht gestellt und zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Am 13. Januar 2004 nahm sich Dr Death, wie Shipman in den Medien genannt wurde, im Gefängnis von Wakefield (West Yorkshire) das Leben.
Zu den ehemaligen Wirkungsstätten Harold Shipmans: Die Pontefract General Infirmary wurde im Jahr 2007 durch das neu erbaute Pontefract Hospital ersetzt.
Das Abraham Omerod Medical Centre in Todmorden schloss 2016 und wurde abgerissen. Nachdem das Grundstück an der Burnley Road lange brach lag, eröffnete darauf 2021 eine neue Aldi-Filiale.
Das Donneybrook Medical Centre in Hyde steht noch immer an der Clarendon Street.
Die ehemalige Praxis Harold Shipmans in der Market Street Nummer 21 ging im Laufe der Jahre durch verschiedene Hände. Zuerst zog ein neuer praktischer Arzt ein, der es sicherlich nicht ganz leicht hatte, sich dort einzugewöhnen, was natürlich auch für seine Patienten galt. Dann wurde ein indisches Restaurant in den Räumen eingerichtet; aktuell findet man in dem Haus ein vegetarisches Restaurant namens Vedic.
Für die vielen ermordeten Opfer wurde in Hyde der Garden of Tranquility im Hyde Park errichtet.
Hier sind zwei Dokumentationen über den Fall Shipman: Eine in englischer Sprache und eine auf Deutsch, die auf ZDFinfo gezeigt worden ist.
Ich knüpfe heute noch einmal an meinen gestrigen Blogeintrag über das Belvoir Castle in Leicestershire an, dem Familiensitz der Dukes of Rutland. Der aktuelle Duke, der elfte, ist David Charles Robert Manners, geboren 1959, der 1992 Emma Watkins heiratete, die Tochter eines Farmers, die an der Grenze zwischen England und Wales aufwuchs. Sie lernte zufällig in London einen gewissen David Manners kennen und verliebte sich in ihn, ohne zu wissen, dass er der Sohn des zehnten Dukes of Rutland war. Sie heirateten und zogen in ein Haus auf dem Gelände des Belvoir Castles.
Emma Manners wurde zur Duchess of Rutland als ihr Schwiegervater starb und ihr Mann den Titel des elften Dukes übernahm. In ihrer Autobiografie „Accidental Duchess – From Farmer’s Daughter to Belvoir Castle“ schreibt sie über ihr Leben auf der Märchenburg. Sie bekam fünf Kinder, trennte sich von ihrem Mann, obwohl beide weiterhin im Castle leben, und sie kümmert sich um das Wohlergehen der Burg. Wir erfahren so manche Details über Belvoir Castle und seine Gäste, dass zum Beispiel der Schauspieler Hugh Grant sich bei einem Besuch vor den Geistern des Hauses fürchtete und dass seine damalige Partnerin, die Schauspielerin Elizabeth Hurley, wunderbar singen konnte.
Die Duchess beschäftigt sich intensiv mit der Geschichte der Burg und veröffentlichte Bücher darüber. Begeistert war sie, als sie in den Archiven Originalpläne von Lancelot „Capability“ Brown über die Anlage der Parklandschaft vom Belvoir Castle fand und die sie zu Ende führen will.
Das Buch gibt einen sehr interessanten Einblick in das tägliche Leben hinter den Burgmauern, das der normale Besucher natürlich nicht zu sehen bekommt. Dieser Film zeigt einen kleinen Ausschnitt davon.
Die Duchess betreibt auch einen Podcast, in dem sie unter anderem ihre „Kolleginnen“ in anderen Burgen und Herrenhäusern porträtiert.
The Duchess of Rutland: Accidental Duchess – From Farmer’s Daughter to Belvoir Castle. Macmillan 2022. 339 Seiten. ISBN 978-1-0350-0207-8.
Viele Englandbesucher aus den USA sind besonders an alten Burgen und Schlössern interessiert. Mehrere US-Universitäten haben alte englische Herrenhäuser gekauft und setzen sie als Zweit-Campus für ihre Studenten ein (siehe dazu meinen Blogeintrag). In den USA gibt es sogar eine Gesellschaft, die eine dieser Burgen finanziell unterstützt: Die American Friends of Belvoir Castle. Diese wunderschöne Burg in der Grafschaft Leicestershire, Stammsitz der Dukes of Rutland seit vielen hundert Jahren, ist so manchem durch populäre Filme bekannt wie „Little Lord Fauntleroy“ (dt. „Der kleine Lord“) oder „The Da Vinci Code“ (dt. „The Da Vinci Code – Sakrileg“).
Fast alle Besitzer von Häusern dieser Art in England sind dankbar, wenn sie Nebeneinnahmen haben, sind doch die Unterhaltskosten sehr hoch. Auch im Belvoir Castle freute man sich, als sich die American Friends of Belvoir Castle in Florida gegründet hatte, um den Besitzern der Burg finanziell unter die Arme zu greifen. Die Organisation hat einige Projekte ins Leben gerufen wie zum Beispiel die Restaurierung des Teppichs in der Regents Gallery, der an einigen Stellen fadenscheinig geworden ist (der Raum ist in der Netflix-Serie „The Crown“ und in dem Film „A Hazard of Hearts“ (dt. „Wagnis der Liebe“) zu sehen).
Auch die wertvollen chinesischen Seidentapeten mit denen fünf Räume in der Burg ausgestattet sind, benötigen dringend Hilfe, da sie durch Feuchtigkeit und Schimmel in Mitleidenschaft gezogen sind. Mehr als $70,000 sind für die Restaurierung erforderlich, und die Friends unterstützen diese Arbeiten durch Spenden ihrer Mitglieder.
Ein weiteres Projekt der American Friends of Belvoir Castle wird in den Parkanlagen der Burg durchgeführt, die von dem berühmten Landschaftsarchitekten Lancelot „Capability“ Brown angelegt worden sind. Drei Teiche gehören dazu, die Memorial Lakes, und die sollen miteinander verbunden und ihre Ufer befestigt werden.
Dieser Film zeigt die wunderschönen Räumlichkeiten des Belvoir Castles.
Die Stadt Farnborough in der Grafschaft Hampshire ist weltweit bekannt als Austragungsort der alle zwei Jahre stattfindenden Luftfahrtshow und durch das Farnborough Air Sciences Trust Museum (FAST), in dem Flugzeuge, Satelliten, Simulatoren und andere Geräte ausgestellt sind, die mit der Luftfahrt zusammenhängen.
Mitten in einem Wohngebiet von Farnborough, am Centrifuge Way, steht ein weißes Gebäude, das man für eine Fabrik-oder Lagerhalle halten könnte, das aber ebenfalls ein mit der Luftfahrt verbundenes Gerät enthält, die Farnborough Centrifuge. Das Royal Air Force Institute of Aviation Medicine (1945-1994)hat hier Mitte der 1950er Jahre ein Instrument entwickelt mit dessen Hilfe man die Belastung des menschlichen Körpers bei Überschallflügen von Piloten simulieren kann. Die Zentrifuge, die aussieht wie der Ausleger eines Krans, ist etwa zwanzig Meter lang und in der Mitte drehbar. An den Enden befinden sich Gondeln, in denen die Menschen sitzen, die sich den Belastungen aussetzen müssen, die bis zu 10 G betragen. Das Gesamtdrehgewicht der Zentrifuge ist vierzig Tonnen, angetrieben wird sie von einem Motor mit 1.350 PS. Fast alle Teile des Gerätes sind seit der Inbetriebnahme im Jahr 1950 unverändert geblieben, und es gilt so als das älteste Exemplar der Welt, das heute noch einsetzbar ist.
The Farnborough Centrifuge bietet Führungen an, bei denen in 2¼ Stunden alles detailliert erläutert wird, eine Probefahrt ist allerdings nicht mit inbegriffen. Wie die Zentrifuge arbeitet, zeigt dieser Film.
Jeremy Clarkson, der in der TV-Serie „Top Gear“ schon so alles getestet hat, was in irgendeiner Form mit Verkehrsmitteln zu tun hat, wagte sich einmal zu einer Probefahrt in die Zentrifuge hinein; das Resultat kann man in diesem Film sehen.
The Farnborough Centrifuge Centrifuge Way Farnborough GU14 6FW
Stachelbeeren standen schon zweimal im Mittelpunkt meiner Blogartikel; einmal war es dieEgton Bridge Old Gooseberry Societyin North Yorkshire und einmal die Galmpton Gooseberry Pie Fair in Devon. Das Zentrum des englischen Stachelbeeranbaus liegt jedoch in der Grafschaft Cheshire. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in England 171 Gooseberry Shows, jetzt sind es nur noch 11, davon 10 in Cheshire und eine in Egton in North Yorkshire. Die bekannteste dürfte wohl die Goostrey Gooseberry Show sein, die bereits 1864 ins Leben gerufen wurde. Zusammengefasst sind die Stachelbeer-Fans in der Mid Cheshire Gooseberry Association, sozusagen das Dach von acht örtlichen Gesellschaften.
Bleiben wir in dem kleinen Dorf Goostrey (Wohnort des Fußballspielers Raheem Sterling, als er noch bei Manchester City spielte), das ganz in der Nähe des berühmten Jodrell Bank Observatoriums liegt. Bei der jährlich stattfindenden Show werden die größten und schwersten Stachelbeeren zur Schau gestellt und der Sieger ermittelt. Im örtlichen Pub The Crown hängt eine Tafel, auf der alle Sieger seit 1990 angezeigt werden, wobei auffällt, dass der am häufigsten genannte Name Terry Price ist, der bereits achtmal seit 1990 die größte Stachelbeere gezüchtet hat. Das Preisgeld in Höhe von £20 fällt recht bescheiden aus. Hier sind Bilder von einer der Shows in Goostrey.
Langjähriger Weltrekordhalter war Kelvin Archer, der Chefgärtner von Rode Hall and Gardens in dem Dörfchen Odd Rode, dessen Monsterbeere 61.04 Gramm wog, der aber im Jahr 2019 ausgebootet wurde von Graeme Watson, der bei der Egton Bridge Show mit seiner 64,83 Gramm schweren Beere einen neuen Weltrekord aufstellte. Ich kann mir vorstellen, dass man in Cheshire hart daran arbeitet, den Rekord wieder in die Grafschaft zurückzuholen.
Es gibt viele Sorten von Stachelbeeren mit Namen wie Prince Charles (die jetzt eigentlich in King Charles umbenannt werden müsste), Jodrell Bank, Edith Cavell (nach der Krankenschwester im Ersten Weltkrieg benannt), Just Betty oder Mr Chairman. Die National Collection of Gooseberries befindet sich nicht in Cheshire, sondern auf der Brogdale Farm bei Faversham in Kent (siehe dazu meinen Blogeintrag).
Es gibt auch Biere in Großbritannien mit Stachelbeergeschmack wie zum Beispiel Gooseberry Gose von Stewart Brewing im schottischen Loanhead oder das Gooseberry Pale Ale der Weldon Brewery in Weldon in Northamptonshire.
König Charles III. sorgte vor vielen Jahren für Heiterkeit, als er davon sprach, dass er mit den Pflanzen auf seinem Landsitz Highgrove in Gloucestershire redet. Aber ist das wirklich nur lächerlich und schrullig? Haben Pflanzen möglicherweise doch ein eigenes Gefühlsleben? Es sind viele Bücher darüber geschrieben worden.
Obstbäume in England, vornehmlich Apfelbäume, freuen sich immer schon auf die ersten Januartage des Jahres, vor allem auf die Twelfth Night, das ist der fünfte oder der sechste Januar. Dann findet nämlich in einigen Teilen des Landes das sogenannte Wassailing statt, was soviel wie „Sei guter Gesundheit“ heißt. Dann werden die Apfelbäume in den Obstplantagen nach Strich und Faden verwöhnt, denn man möchte ja, dass sie eine gute Ernte erbringen. Was kann man ihnen Gutes tun? Zum Beispiel Cider über ihre Wurzeln gießen, was sie sehr zu schätzen wissen, oder Gewehre neben ihnen abschießen, um die bösen Geister zu vertreiben oder in Cider getränkte Toastscheiben an ihren Ästen anbringen, um die guten Geister anzulocken und natürlich Lieder singen, die die Bäume in eine gute Stimmung versetzen wie:
Here’s to thee, old apple tree, That blooms well, bears well. Hats full, caps full, Three bushel bags full, An‘ all under one tree. Hurrah! Hurrah!
Natürlich trinken die häufig verkleideten Männer und Frauen auch so etliche Pints Cider und oft sind die unvermeidlichen Morris Men auch nicht weit. In Somerset, einer der Hochburgen der englischen Cidergewinnung, wird beispielsweise in Carhampton der alte Brauch des Wassailing jedes Jahr ausgeübt wie dieser Film zeigt.
In den 1920er und 1930er Jahren standen Mumien aus Ägypten in Großbritannien hoch im Kurs, das heißt, es gab jede Menge Mumien-Fans, die sich die toten Ägypter nach Haus holten (wo sie eigentlich nichts zu suchen hatten). Einer dieser Fans war Reverend William MacGregor aus Tamworth in Staffordshire, der in seinem Wohnhaus Bolehall Manor ägyptische Artefakten zur Schau stellte, die er von seinen Reisen mitgebracht hatte. Bolehall Manor ist seit 1939 ein Privatclub, in dem Hochzeiten und Feiern stattfinden.
MacGregor, dessen Gemeinde St Editha’s war, beherbergte vier Mumien unter seinem Dach, die im Laufe der Zeit begannen, streng zu riechen, so streng, dass er sich von ihnen wohl oder übel trennen musste. Zwei beerdigte er am Ufer des River Anker, der am Bolehall Manor vorbei fließt. Wohin mit den beiden anderen? Da hatte der Geistliche eine pfiffige Idee. 1935 wurde in Tamworth das alte Palace Theatre-Kino aufgegeben und ein neues erbaut. Da fragte er kurzerhand bei den Bauherren nach, der Tamworth Theatres Ltd, ob er die beiden Ägypter wohl im Fundament des neuen Kinos ablegen dürfte, das dann, mit Zement aufgefüllt, ein dauerhaftes Grab darstellen würde. Die Genehmigung wurde MacGregor erteilt und das neue Palace Cinema am 10. Juni 1935 eröffnet. Ideal als Eröffnungsfilm wäre sicherlich „Die Mumie“ mit Boris Karloff in der Hauptrolle gewesen, der drei Jahre vorher gedreht worden war. Auch das New Palace Cinema wurde einmal geschlossen und an seiner Stelle eröffnete ein McDonald’s, das meines Wissens keine Mummyburger im Angebot hatte. Wer sich auf die Suche nach den einzementierten Mumien machen möchte, der sollte das Ankerside Shopping Centre in Tamworth aufsuchen, denn dort, wo das Palace Cinema einmal stand, sind sie irgendwo zu finden.
Ein behauener Steinklotz steht dort, wo der Sharow Lane auf die Dishforth Road trifft, östlich der Stadt Ripon in North Yorkshire, in dem Dörfchen Sharow, das nur durch den River Ure von der Kathedralenstadt getrennt ist. Dieser unter Denkmalschutz stehende Stein ist mit einem Marker des National Trusts versehen, der auf die Geschichte des sogenannten Sharow Cross hinweist, das wahrscheinlich mit 80 cm x 60 cm der kleinste Besitz des Trusts ist. Ursprünglich zierte den Stein ein Kreuz, das schon lange verlorengegangen ist. Mit sieben weiteren gleichen Steinkreuzen wurde im 13. Jahrhundert ein Ring um die heutige Kathedrale markiert, der eine Zufluchtsstätte bildete für von der Justiz verfolgte Menschen, die sich irgendeiner Straftat schuldig gemacht hatten, und denen innerhalb des Ringes ein Jahr lang von der Kirche Schutz vor dem Zugriff der Behörden gewährt wurde.
TheCathedral Church of St Peter and St Wilfrid, so der offizielle Name der Kathedrale von Ripon, steht auf einem Gelände, das früher einmal eine Abtei beherbergte, und wurde zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert errichtet. Im Jahr 1836 erhielt sie den Status einer Kathedrale.
Ein absolutes Highlight für Käseliebhaber und Käseproduzenten ist jedes Jahr die Vergabe der International Cheese and Dairy Awards (ICDA), die auch in diesem Jahr in Bingley Hall auf dem Staffordshire County Showground stattfinden wird, vom 29. Juni bis zum 1. Juli. Es sind die ältesten „Käse-Preise“ weltweit; sie werden 2023 zum 127sten Mal vergeben. Teilnehmen können Käseproduzenten aus aller Welt, im letzten Jahr waren es 4500, also ein ganz großes Ereignis.
Seit dem Jahr 2021 werden zusätzlich noch die Cheese Board Awards vergeben, dabei handelt es sich um die Accessoires beim Käsegenuss wie Chutneys, Kekse, Biere und Weine.
Sehen wir uns die Preisträger vom vergangenen Jahr an: Da war der Champion UK die Long Clawson Dairy aus Leicestershire, die ich in meinem Blog schon vor neun Jahren vorgestellt habe. Die Käserei wurde für ihren Shropshire Blue ausgezeichnet, einen Käse, den ich persönlich sehr gern mag und den mein Lieblings-Käsehändler glücklicherweise stets anbietet. Als Reservesieger wurde die Belton Farm in Whitchurch (Shropshire) für ihren Coloured Cheshire gekürt.
The Champion Overseas war 2022 die in den Niederlanden beheimatete und global agierende Firma Friesland Campina; ihr Siegerprodukt war der gereifte Ziegenkäse Arina. Reserve Champion wurde die im französischen Baskenland ansässige Firma Onetik; sie war mit ihrem Ziegenkäse Tomme Brebis Chèvre erfolgreich.
Dieser Film zeigt einen kurzen Einblick in die ICDA 2021.
Über die ehrwürdige Kathedrale von Gloucester im Westen Englands gibt es im Internet unzählige Informationen, die ich hier nicht wiederholen möchte, dafür will ich hier einige andere interessante Randnotizen über die Kirche geben.
Wer die Harry Potter-Filme gesehen hat, weiß vielleicht auch, dass die ersten drei Filme in der Kathedrale gedreht wurden, dabei dienten die Kreuzgänge als Korridore der Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei. Die Schüler der benachbarten King’s School erfreuten sich der Ehre, als Statisten dabei sein zu dürfen. Eigentlich hatten die Produzenten des Films die Kathedrale von Canterbury als Drehort vorgesehen, aber dort lehnte man (trotz eines großzügigen finanziellen Angebots) ab. NicholasBury dagegen, der Dekan der Kirche, gab sich als Harry-Potter-Fan zu erkennen und hieß die Filmcrew in Gloucester willkommen. Natürlich ist seitdem die Gloucester Cathedral zu einem Wallfahrtsort vieler HP-Fans aus der ganzen Welt geworden. Dieser Film zeigt die Drehorte in der Kathedrale.
Eng verbunden mit der Kirche ist der Name John Stafford Smith, der 1760 in Gloucester geboren wurde und in der Kirche begraben ist. Smith war wie sein Vater Organist und ist heute eigentlich nur noch bekannt als Komponist der amerikanischen Nationalhymne „The Spar-Spangled Banner„.
Wenig bekannt dürfte sein, dass hinter den Kulissen der Kathedrale viele Menschen wirken. 50 Festangestellte gibt es hier, darunter Steinmetze, Musiker und Verwaltungspersonal. Darüber hinaus gehen etwa 400ehrenamtliche Helfer ihren unterschiedlichen Aufgaben nach, zum Beispiel als Führer, Blumenarrangeure oder Bellringer.
Allein die Flower Guild, die für den Blumenschmuck verantwortlich ist, hat 60 Mitglieder und arrangiert täglich die Blumen in der Kathedrale neu.
Am Sonntag sind die Bellringer mit ihrer schweißtreibenden Arbeit an der Reihe;hier sind die Glocken der Kathedrale zu hören.
Vom 21. bis zum 25. Juni diesen Jahres findet wieder das weltberühmte Glastonbury Festival zu Füßen des Glastonbury Tors in Somerset statt. Es gehört zu den größten Musikfestivals weltweit und zog in den letzten Jahren über 200 000 Zuschauer an. Hoffen wir, dass das Wetter in diesem Jahr mitspielt und das Field of Avalon auf der Worthy Farm bei Pilton nicht wieder im Matsch versinkt wie es schon mehrere Male passiert ist, zum Beispiel in den Jahren 1997 und 2005. Einige clevere Besucher haben den berühmten und berüchtigten Schlamm sogar schon einmal verkauft.
Wo so viele Menschen zusammen sind, braucht man natürlich eine große Zahl von Toiletten; rund 5000 sind auf dem Gelände aufgestellt, das so groß wie 500 Fußballfelder ist. Da die Festivalbesucher hungrig und durstig sind, gab es in den letzten Jahren mehr als 500 Buden mit Essen und Getränken, sowie rund 900 Stände, die alles Mögliche andere anboten.
Mindestens drei Babies erblickten während des Festivals das Licht der Welt; Heidi Wesson und ihr Partner Sean Crothers erhielten sogar für ihr „Glastonbury baby“ ein Überraschungspaket von den Rolling Stones zugeschickt, die hier im Jahr 2013 auftraten. Allerdings gab es auch mehrere Todesfälle, die meist mit Drogenkonsum und medizinischen Notfällen in Zusammenhang standen.
Im Jahr 2002 wurde um das Gelände ein riesiger Zaun errichtet, um die vielen Menschen fernzuhalten, die sich immer illegal ohne Eintrittskarte unter die Besucher mischten, die sogenannten „gatecrasher“.
Die Hauptbühne, eine von mehr als einhundert weiteren Bühnen, ist pyramidenförmig gestaltet. Wir wissen, dass Glastonbury die Hauptstadt der Esoteriker Englands ist, und da ist es nicht verwunderlich, dass die Pyramidenbühne dort aufgestellt ist, wo sich angeblich zwei Ley-Linien kreuzen, die außergewöhnliche Eigenschaften haben und mächtige Energie erzeugen sollen. Beliebt bei den esoterisch angehauchten Besuchern ist das Healing Field, die Chillout-Zone des Festivals.
Dieser Film gibt einen kleinen Eindruck von der Atmosphäre des letztjährigen Festivals, das nicht nur Musikfans anzieht und anspricht, sondern noch viel mehr zu bieten hat.
Der Marquis of Granby nach einem Gemälde von Joshua Reynolds. This work is in the public domain
John Manners, the Marquis of Granby, lebte von 1721 bis 1770. Er war Oberbefehlshaber der britischen Truppen während des Siebenjährigen Kriegs und erfreute sich bei seinen Truppen großer Beliebtheit. Er hatte keine Probleme damit, Kavallerieattacken auf die Gegner an vorderster Front selbst anzuführen, und das kam bei seinen Soldaten gut an. Warum aber wurden so viele Pubs in England nach ihm benannt? Ganz einfach, er verhalf vielen seiner Soldaten, wenn sie die Armee verlassen hatten, Gastwirte zu werden, und diese wiederum bedankten sich dafür, indem sie ihre Gasthöfe nach ihrem früheren Befehlshaber benannten. Hier sind einige typische Pubschilder zu sehen.
Heute werden überall in der Grafschaft Somerset die Fahnen des Counties im Wind flattern, die einen roten Drachen auf gelbem Hintergrund zeigen, denn heute ist der Somerset Day. Der Tag wird seit 2015 jedes Jahr gefeiert und soll an ein Ereignis erinnern, das Jahrhunderte zurückliegt. König Alfred der Große hatte die Bürger von ganz Somerset zu den Waffen gerufen, um gegen die einfallende dänische Wikingerarmee zu marschieren. Bei Edington in Wiltshire kam es im Jahr 878 zu einer Schlacht, bei der Alfred die Dänen besiegen konnte und die sich daraufhin aus der Region zurückzogen.
Am Somerset Day selbst, und auch noch an den folgenden Tagen, wird so einiges in der Grafschaft geboten. BBC Radio Somerset kündigte diesen besonderen Tag im vorigen Jahr auf diese Weise an. Im Bridgwater & Taunton College werden die diesjährigen Pride of Somerset Youth Awards verliehen, an Jugendliche, die in den letzten zwölf Monaten besondere Leistungen erbracht haben, wobei es keine Rolle spielt in welchen Bereichen. Die Auszeichnungen erhielten bisher beispielsweise die Trampolinspringerin Laura Gallagher aus Taunton und der ebenfalls aus Taunton stammende Rennrollstuhlfahrer Jamie Edwards.
In Shepton Mallet findet das Endspiel des Somerset FA Mens Intermediate Cups statt, das regionale Fußballereignis des Jahres. Über die ganze Grafschaft hinweg gibt es Einzelveranstaltungen wie das größte Quiz, das es jemals in Somerset gegeben hat und das im Dorfgemeinschaftshaus von Edington ausgetragen wird (nicht zu verwechseln mit dem oben erwähnten Edington).
Somerset Day ist aber in erster Linie dazu da, um das Erbe, die Vergangenheit und die Gegenwart dieser großartigen Grafschaft zu ehren. Hier ist ein Film über die Grafschaft.
Unter Alfred dem Großen, der von 848 bis 899 lebte und Herrscher Britanniens war, war Winchester die Hauptstadt des Königreichs. Da lag es auf der Hand, ihm in der Stadt anlässlich der tausendsten Wiederkehr seines Sterbejahres ein imposantes Denkmal zu setzen. Dabei kamen die Stadtväter von Winchester aber irgendwie mit dem Datum durcheinander, denn King Alfreds Ehrenmal wurde erst im Jahr 1901 eingeweiht. Egal, Alfred the Great blickt auch noch heute stolz die Straße The Broadway hinunter und bleibt von dem um ihn herum brausenden Autoverkehr unbeeindruckt.
Geschaffen hat die über fünf Meter hohe Bronzestatue der Bildhauer Sir William Hamo Thornycroft (1850-1925), der unter anderem auch zwei Jahre zuvor die Oliver Cromwell-Statue vor dem Palace of Westminster in London errichtet hatte. Gegossen wurde Alfred von der Firma Singer and Co. in Frome (Somerset). Der noch sehr junge Bürgermeister von Winchester, John Bowker, er war damals erst 27 Jahre alt, hatte sich sehr dafür eingesetzt, dass der alte König auf diese Weise in seiner Stadt geehrt werden sollte, und als Dank erhielt er eine Replika von Thornycofts Werk in Silber, die heute im Winchester City Museum aufbewahrt wird.
Die Errichtung der Bronzestatue stand anfangs unter keinem guten Stern. Die enorm schweren Granitblöcke mussten aus einem Steinbruch in Penryn in Cornwall hierher transportiert werden; sie wogen 54 respektive 48 Tonnen. Nachdem sie in Position gebracht worden waren, kam eine Winde zum Einsatz, die King Alfred in die luftige Höhe bringen sollte. Durch das hohe Gewicht der Statue gaben einige der Streben der Winde nach, wobei zwei Arbeiter verletzt wurden und die Enthüllung Alfreds um sechs Wochen verschoben werden musste. Bevor der obere Granitstein auf den unteren gesetzt werden konnte, hatte man zwischen beide Zucker gestreut, der als eine Art Schmiermittel dienen und den dabei entstehenden Druck etwas verringern sollte. Als die Temperaturen in Winchester anstiegen, begann der Zucker zu schmelzen, was hässliche Spuren an der unteren Plinthe hinterließ und außerdem Scharen von Wespen anzog, die sich daran gütlich tun wollten. Also musste die Feuerwehr anrücken und mit Hochdruck die Spuren beseitigen, bevor es zur feierlichen Enthüllung von Alfred the Great kommen konnte.
Am Freitag, dem 20. September 1901 war es dann soweit, der Earl of Rosebery enthüllte Thornycrofts Werk und hielt eine Rede, die Nationalhymne wurde gespielt, die Glocken aller Kirchen Westminsters läuteten, und die Royal Field Artillery gab Kanonenschüsse ab. Sollte Alfred the Great vom Himmel aus das Spektakel in Winchester verfolgt haben, wäre er sicher mächtig stolz gewesen.
In den 1720er Jahren wurde das gegenwärtige Hursley Park House von dem Parlamentsabgeordneten Sir William Heathcote (1693-1751) erbaut und es blieb im Familienbesitz bis 1881, danach wechselte das Haus mehrfach den Besitzer. Im Ersten Weltkrieg war Hursley Park Sammelplatz für 18 000 Soldaten, bevor diese sich im November 1914 auf den Weg über den Ärmelkanal nach Flandern machten. Viele von ihnen kamen als Verletzte wieder zurück und wurden in zwei auf dem Gelände installierten Krankenhäusern behandelt.
Auch im Zweiten Weltkrieg spielte Hursley Park eine Rolle. Die Produktion der Spitfire-Jagdflugzeuge durch die Firma Supermarine fand in den 1930er Jahren in Woolston in Hampshire statt. Im September 1940 wurde das Fabrikgelände in Woolston von deutschen Bomben getroffen und zerstört; 110 Menschen verloren dabei ihr Leben. Es wurde ein neuer Standort für die Produktion dieses für die Kriegsführung so wichtigen Flugzeugs gesucht, und da kam man auf Hursley Park, das nicht weit entfernt war. Die Supermarine-Konstrukteure ließen sich im Hursley House nieder, Hangars wurden unter dem schützenden Laub der Parkbäume erbaut, und auch in diesem Krieg wurden auf dem Gelände wieder Truppen zusammengezogen, die sich für den bevorstehenden D-Day vorbereiteten.
Bis zum Jahr 1958 blieb Supermarine hier in Hursley, dann räumte die Firma das Haus und das Gelände, und eine andere Firma zog hier ein, der US-amerikanische Konzern IBM, der hier Forschungslabore errichtete. Um die wachsende Zahl der Angestellten unterbringen zu können, baute der Konzern Bürogebäude für über 1500 Menschen. Das Haupthaus wird auch heute noch genutzt, als Executive Briefing Centre, und für das IBM Hursley Museum, in dem man sich über die Ursprünge der Computerproduktion informieren kann. Das Museum ist nur für angemeldete Gruppen zu besichtigen.
Hursley Park liegt am Rand des Dorfes Hursley, etwa auf halber Strecke zwischen Winchester und Southampton.
Robert Dover (1575/82–1652) war ein englischer Rechtsanwalt, der im Jahr 1612 die Idee hatte, in den Cotswolds, wo er seinen Wohnsitz aufgeschlagen hatte, eigene olympische Spiele zu veranstalten. Die Disziplinen waren unter anderem Stockfechten, Lanzenstechen, Ringen…und Schienbeintreten. Letzteres hat sich bis heute als Sportart bei den Cotswold Olympick Games erhalten, denn sie werden immer noch ausgetragen, demnächst wieder am 2. Juni 2023. Schauplatz der Spiele ist der nach dem Erfinder der Games benannte Dover’s Hill bei Chipping Camden in Gloucestershire, der heute dem National Trust gehört.
Zurück zum Schienbeintreten. Das Shin-Kicking ist eine Art Freistilringen bei dem jeder seinem Gegner so lange vor das Schienbein tritt, bis einer von beiden umfällt. Zur Linderung der Schmerzen ist es erlaubt, sich Stroh in die Hosenbeine zu stopfen. Natürlich darf man nur Schuhe mit weichen Sohlen tragen; wird jemand erwischt, der seine Schuhspitzen mit Metall verstärkt hat, wird er sofort disqualifiziert und für immer von den Spielen ausgeschlossen. Es ist nicht erlaubt, Körperregionen zu treffen, die über oder unter dem Schienbein liegen. Wer in drei Runden die meisten Würfe erzielt, wird zum Sieger erklärt. Der Gewinner der Finalrunde wird zum Cotswold Olimpicks World Shin-Kicking Champion ernannt. Beobachtet werden die Kämpfe von einem Schiedsrichter, dem Stickler.
In Japan heißen sie die Tiger, in Deutschland die Löwen und in Großbritannien die Drachen, das sind mehr oder weniger sympathische Geschäftsleute, die vor der Fernsehkamera Investitionen tätigen wollen, um Geschäftsideen anderer zu unterstützen und diese am Markt zu etablieren, natürlich nicht ohne selbst dabei kräftig zu verdienen.
Die Idee zu dieser Fernsehshow entstand in Japan und hieß übersetzt „Money Tigers„. Sie wurde in der ganzen Welt verbreitet und in Ländern wie Nepal, Saudi Arabien und Pakistan, um nur einige wenige zu nennen, umgesetzt. Der deutsche Sender Vox zeigt die Show unter dem Namen „Die Höhle der Löwen„, in Großbritannien wird sie unter dem Titel „Dragon’s Den“ gezeigt.
Schon seit 2005 sendet die BBC die Drachenhöhle und das bisher in rund 200 Folgen, präsentiert von dem Oxford- und Harvardabsolventen Evan Davis, Journalist und Wirtschaftsfachmann. In den vielen Episoden der Sendung gab es eine ganze Reihe von Erfolgen, aber auch Flops. Zu den Erfolgen zählt unter anderem die Erfindung einer Barbecuesauce namens Reggae Reggae Sauce, die sich der aus Jamaika stammende Levi Roots ausgedacht hatte. Zwei Drachen investierten £50 000 und die Sauce wurde landesweit mit Erfolg, auch in den großen Supermarktketten, verkauft. Hier ist ein Werbespot und hier ist die Episode zu sehen.
Eine weitere Idee, die durch die Investitionen der Drachen zu einem Erfolg wurde, war der Craft Gin Club. Man wird Mitglied in dem Club und erhält regelmäßig ein Paket mit einem jeweils neuen Gin aus allen Teilen der Welt, Mixzutaten für einen perfekten Gin and Tonic und Zutaten für einen Cocktail des Monats. In desem Jahr enthielten die Überraschungspakete Gins aus Brasilien, Kalifornien, Yorkshire und Neuseeland. Hier ist die „Dragon’s Den“-Folge zu sehen. Zum Schluss noch eine Parodie auf die Sendung.
Die Brauerei Theakston in Masham in North Yorkshire (siehe dazu meinen früheren Blogeintrag) bringt gern zu besonderen royalen Anlässen besondere Biere auf den Markt. Das war so 1977, als das Celebration Ale zum Silbernen Thronjubiläum von Elisabeth II gebraut wurde. Diese Tradition setzte sich fort zum Diamantenen und zum Platin-Thronjubiläum, als man in Masham das Royal Salute konzipierte. Theakston hat sich auch in diesem Jahr zur Krönung Charles III am 6. Mai etwas einfallen lassen: Das Crowning Glory. Ich übernehme hier einmal die Beschreibung des Bieres von den Webseiten der Brauerei: „Crowning Glory is brewed with a grist of Britain’s finest Pale and Crystal malt to give a gloriously robust character. A honeyed, blackcurrant sweetness is perfectly balanced by lashings of premium English hops delivering subtle citrussy spiced cedar overtones„. Das Bier ist nicht nur in North Yorkshires Pubs erhältlich, sondern im ganzen Land, in Pubs, die Biere der Firma Theakston ausschenken. Im Besucherzentrum der Brauerei und auch online kann man Crowning Glory auch in Flaschen kaufen. Der Alkoholgehalt des Bieres beträgt 4,2% und es ist eine Limited Edition, das heißt, irgendwann wird das Bier vom Markt verschwunden sein.
Ich glaube zwar nicht, dass Charles III an seinem Krönungstag das Crowning Glory zum Probieren bekommt, aber vielleicht sind ein paar Tage später noch einige Flaschen erhältlich oder Theakston hat ihm eine Palette in den Buckingham Palast geschickt.
Kommt man über den Madeira Drive von Osten in das Seebad Brighton in East Sussex hinein, so sieht man auf der linken Seite den Strand und auf der rechten Seite ein gusseisernes Gebilde, das aus 151 Bögen besteht und 865 Meter lang ist, die Madeira Terrace. Von 1890 bis 1897 wurden die Madeira Terrace und der Madeira Walk zum Zwecke des Flanierens angelegt. Die Pläne dafür entwarf Philip Lockwood (1821-1908), der in Brighton als Borough Surveyor arbeitete, das heißt er war Stadtplaner, Architekt, Ingenieur und Designer in einer Person. Durch seine Arbeiten hat die Stadt am Meer viel an Profil gewonnen. Westlich von der Palace Pier ziehen sich weitere Bogengänge hin, in denen kleinere Geschäfte und Lokale untergebracht sind.
Ein kleines Türmchen im Pagodenstil ziert die Madeira Terrace und darunter befindet sich der Madeira Lift, ein viktorianischer Aufzug, der 1890 erstmals seinen Betrieb aufnahm, bis heute mehrmals wegen Baufälligkeit geschlossen und immer wieder restauriert wurde. In der Madeira Shelter Hall, auch Concorde 2 genannt, waren unterschiedliche Etablissements untergebracht wie Teestuben, Cafés und Spielhallen, zuletzt wird das Gebäude als Veranstaltungsort für Musikaufführungen genutzt.
Leider hat der Zahn der Zeit an den eisernen Terrassen genagt, so dass umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen erforderlich sind. In einer ersten Phase sollen unter anderem vierzig der gusseisernen Bögen in Angriff genommen werden, wobei man sehr behutsam vorgehen und möglichst viel von der Originalstruktur erhalten will (hier ist ein Film). Durch Crowdfunding ist schon einiges an Geld zusammengekommen, gespendet von Bewohnern und Geschäftsleuten aus Brighton, unterstützt durch Prominente, die eine besondere Beziehung zu der Stadt haben, wie die Schauspieler und Komiker Eddie Izzard und Steve Coogan, der Automobilrennfahrer Damon Hill und der Rocksänger und DJ FatBoy Slim. Es braucht aber noch viel mehr Geld, denn nach Schätzungen soll die Komplettsanierung der Madeira Terrace rund £24 Millionen kosten. Wenn das eines Tages alles fertiggestellt sein wird, verfügt Brighton erneut über eine sehenswerte Attraktion am Strand. Vielleicht macht man sich ja irgendwann auch über einen Wiederaufbau der zerstörten West Pier her…
The Clink war einmal eines der verrufensten Gefängnisse in ganz England. Es lag im Londoner Stadtteil Southwark und existierte vom 12. Jahrhundert bis zum Jahr 1780 als es im Zuge der Gordon Riots niedergebrannt und alle Gefangenen befreit wurden. Der Name des Gefängnisses, The Clink = Der Knast, ist später auf alle Gefängnisse Englands übertragen worden. Was noch von dem ursprünglichen Knast übriggeblieben ist, sind der Straßenname Clink Street und die Reste einer alten Mauer, die in das heutige Clink Prison Museum integriert ist.
Das Museum in Southwark ist nichts für Zartbesaitete; es versucht die Verhältnisse, die früher in dem Gefängnis herrschten, darzustellen und die waren alles andere als angenehm. Da sind aufgespießte Köpfe zu sehen, die Instrumente einer Folterkammer, deren Verwendung man sich lieber nicht vorstellen möchte, ein Enthauptungsklotz, eine Streckbank und alle möglichen weiteren Gegenstände mit denen man seine Mitmenschen quälen konnte. Dieser Film gibt einen Einblick in das Clink Prison Museum. Kleinere Kinder sollte man besser nicht mitbringen. Es werden geführte Touren angeboten, man kann das Museum aber auch auf eigene Faust durchforschen. Meine Frau und ich haben einmal ein ähnliches Museum in York aufgesucht und seitdem macht sie einen großen Bogen im derartige Etablissements.
The Clink Prison Museum ist ganzjährig an jedem Tag der Woche von 10 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet £8.
Da sich in einem Gefängnis dieser Art schreckliche Dinge zugetragen haben, liegt es auf der Hand, dass man hier auch Geister gesehen haben will. Haunted Happenings, eine „paranormal events company“, bietet hin und wieder nächtliche Geisterjagden im Museum an, „A very strange and eerie place to spend the night“. Hier ist ein kleiner Vorgeschmack im Film.
The Clink Prison Museum 1 Clink Street London SE1 9DG
Das Jahr 1888 ist in die Annalen der britischen Kriminalgeschichte eingegangen als das Jahr, in dem in wenigen Monaten die spektakulärste Mordserie aller Zeiten stattgefunden hat und der Täter nie gefasst wurde. Den Namen Jack the Ripper kennt auch heute, nach 135 Jahren, noch jeder in der ganzen Welt. Die Namen der fünf Opfer hingegen, die alle aus ärmlichen Verhältnissen stammten, sind nur noch denjenigen geläufig, die sich näher mit den Taten beschäftigen.
Anhand von Bildern möchte ich heute die Tatorte in London zeigen, wo die fünf zu Tode gekommen sind und wo sie ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.
Mary Ann „Polly“ Nichols wurde am 31. August 1888 in den frühen Morgenstunden in der Straße Bucks Row im East End ermordet. Diese Straße existiert nicht mehr, hier verläuft jetzt die Durward Street. Beerdigt wurde sie auf dem GreatIlford Cemetery, auch Buckingham Road Cemetery genannt, im Osten Londons in Grab Nummer 49 500.
Das nächste Opfer Jack the Rippers war Annie Chapman, auch Dark Annie genannt. Sie starb am 8. September 1888 im Hinterhof des Hauses 29 Hanbury Street. Ihre Grabstelle liegt im Manor Park Cemetery im Osten Londons; sie wurde mit einem Schild gekennzeichnet, auf dem zu lesen steht, dass sie ein Opfer Jack the Rippers geworden ist.
Zeitgenössisches Foto vom Tatort. This work is in the public domain
Jack the Rippers Opfer Nummer 3 wurde Elizabeth „Long Liz“ Stride am 30. September 1888. Gefunden wurde ihre Leiche in der Berner Street Nummer 40, der heutigen Henriques Street in Whitechapel. Ihre Grabstelle: East London Cemetery an der Grange Road im Ortsteil Plaistow.
Der Tatort in der Berner Street. This work is in the public domain
Catherine Eddowes fiel ebenfalls am 30. September 1888 Jack the Ripper zum Opfer. Ihren leblosen Körper fand ein Polizist am Mitre Square. Wie auch Annie Chapman wurde sie auf dem Manor Park Cemetery beigesetzt. Ihre Grabstelle erhielt 1996 eine Erinnerungsplakette.
Am 9. November 1888 schließlich starb Mary Jane Kelly durch die Hände des Rippers im Miller’s Court an der Dorset Street; dort steht heute ein Parkhaus. Ihre letzte Ruhestätte ist der St Patrick’s Roman Catholic Cemetery an der Langthorne Road. Hier ist ein Film darüber.
Als Bernadette Soubirous im Jahr 1858 in dem Ort Lourdes am Fuße der Pyrenäen mehrere Marienerscheinungen hatte, wurde dort in der Nähe die Kirche Basilique Notre-Dame-du-Rosaire errichtet (von 1883 bis 1889). Zu ihr, den anderen Kirchen und zu der Grotte mit dem angeblichen Heilwasser strömen jedes Jahr Millionen von Menschen aus der ganzen Welt, die sich in dem südfranzösischen Ort Hilfe erhoffen. Ich bin selbst einmal dort gewesen und war erschlagen von dem Kommerz, der in Lourdes vorherrschte.
Dr Patrick Boyle (1870-1921) war ein Priester der römisch-katholischen Kirche, der eine starke Verbindung nach Lourdes hatte und viele Male auf Pilgerreise dorthin ging. Von 1911 bis 1921 war er Priester in der Marktstadt Hednesford in der Grafschaft Staffordshire, und da viele seiner Gemeindemitglieder niemals die lange Reise in die Pyrenäenstadt hätten machen können, kam er auf die Idee, eine Kirche im Stil der Basilika samt Grotte als Replika in Hednesford errichten zu lassen. Die Idee wurde auch verwirklicht, allerdings erst einige Zeit nach seinem Tod im Jahr 1921, von Boyles Nachfolger Joseph Patrick Healy. Von 1927 bis 1933 dauerte es, bis die Pläne des Architekten George Bernard Cox (1886-1978) umgesetzt werden konnten und Our Lady of Lourdes fertiggestellt war.
Mittlerweile sind auch die Basilka und der Schrein in Hednesford zu einem Wallfahrtsort geworden. Jeden ersten Sonntag im Juli findet hier eine „pilgrimage“ statt, zu der viele tausend Gläubige erscheinen. Dieser Film zeigt Bilder vom Schrein und von der Kirche.
Our Lady of Lourdes Catholic Church Uxbridge Street Hednesford Staffordshire WS12 1DB