ein frühchen voll zu stillen ist nicht einfach. die kleinen sind am anfang recht schwach, haben wenig ausdauer und einfach nicht genug kraft, um lange genug an der brust zu saugen und ausreichend milch zu trinken. schon das trinken von der flasche ist harte arbeit und muss oft lange trainiert werden. von der brust zu trinken ist nochmal anstrengender.
anfang letzter woche haben wir ein kind entlassen, dessen mutter unbedingt voll stillen wollte. schon während der schwangerschaft war das für sie ganz klar. leider kam ihr kind dann fast 10 wochen zu früh auf die welt und hatte, wie (fast) alle frühchen, so seine probleme mit dem trinken. von anfang an wurde der kleine täglich an die brust angelegt, hat nach 1-2 wochen sogar schon wenige milliliter erwischt.
von woche zu woche wurde er stärker, hat immer besser von der flasche und auch von der brust getrunken. nach ein paar wochen ist ihm dann endlich der knopf aufgegangen, er hat jede flasche selbst getrunken.
das hat die mutter so motiviert, dass sie dachte ihn nun endgültig zum stillbaby machen zu können. und zwar auf der stelle. deshalb wurden die stillmahlzeiten länger und länger. wäre auch kein problem gewesen, wenn er junge mann seine menge von der brust getrunken hätte. hat er aber nicht. nach dem ewig langen stillen war er so kaputt, dass er den rest nicht mehr von der flasche trinken konnte und somit nachsondiert werden musste.
ich weiß nicht wie oft meine kolleginnen und ich mit der mutter darüber gesprochen haben, dass es nicht sinnvoll ist, ihren sohn eine stunde lang an der brust zu lassen, wenn er doch von der flasche schon super trinkt. unser vorschlag war 20-30 minuten stillen, dann die flasche nachgeben. bei einem einmaligen versuch hatte das nämlich wunderbar funktioniert. und so hätte man dem kleinen auch die magensonde entfernen und ihn nach hause schicken können. aber die mutter war irgendwie nicht einsichtig.
also haben wir mehrmals (!) unsere stillberaterin kommen lassen. sie hat sich jedesmal eine stillmahlzeit angesehen und ist zu dem gleichen schluss gekommen wie wir. er hat einfach nicht genug ausdauer, um alles von der brust zu trinken. deshalb ist es sinnvoll ihn kürzer zu stillen und dann die flasche (in der übrigens ausnahmslos abgepumpte muttermilch war!) nachzugeben. aber auch das hat die mutter nicht beeindruckt.
es lief immer so ab: die mutter hat das kind angelegt. 20 minuten hat er kleine wunderbar getrunken. dann:
ich: „sie stillen jetzt seit 20 minuten. saugt er denn noch gut oder nuckelt er nur mehr?“
mutter: „neiiin, er trinkt noch total suuuper, er macht jetzt nur grad eine pause…“
naja. auf mich macht das kind einen tief schlafenden eindruck. auch die ruhige herzfrequenz sagt mir eindeutig, dass der kleine gerade gut schläft. aber hey, ich lass ja mit mir reden.
ich: „ok. 10 minuten noch. aber dann müssen wir ihm wirklich die flasche geben, sonst muss er wieder sondiert werden.“
10 minuten später.
ich: „so, jetzt ist es zeit. legen wir ihn doch mal auf die waage um zu sehen, wieviel er schon getrunken hat.“ (wir machen trinkwiegungen wenn die kleinen gestillt werden)
mutter: „neiiiin, er macht doch nur grad eine pause. vor einer minute hat er noch kräftig gesaugt!“
die mutter fummelt dem kind im gesicht herum, um ihn wieder zum saugen zu bringen. ich bleibe 3 minuten neben der mutter stehen, während sie versucht das schlafende kind aufzuwecken. der kleine nuckelt 2mal zaghaft und das wars. der schläft tief und fest.
ich: „ich glaub er schläft schon sehr gut. ich werde ihn mal abwiegen.“
gesagt, getan. beim abwiegen wird der kleine wieder wach. er hat 30ml getrunken. 60 muss er.
ich: „na super! 30 hat er schon geschafft. ich bringe ihnen die flasche, die schafft er sicher noch. dann können wir die sonde bald entfernen.“ drehe mich um und gehe.
keine minute später komme ich mit der flasche in der hand zurück. was sehe ich? die mutter hat ihn wieder angelegt.
ich: „ähm, hier ist die flasche. es ist besser, wenn sie ihm die jetzt noch anbieten, sonst schläft er gleich wieder ein und ich muss ihn sondieren.“
mutter: „neiiiiiin, er hat gerade wieder total fest gesaugt!“
ich: „ja, das ist gut so. aber sie wissen doch, er schafft noch nicht die ganze mahlzeit von der brust…“
mutter: „doch, doch! ich glaube diesmal wirds gehen. ich lass ihn noch ein bisschen.“
tja. was soll ich tun? ich kann ihr ja schlecht das kind von der brust wegreißen. also hat sie ihn eben gestillt bis er am ende war. und ich hab ihn nachsondiert. was besseres ist mir nicht eingefallen.
dieses spielchen hat sich knapp 2 wochen mehrmals täglich wiederholt. war die mutter nicht da um ihn zu stillen, hat er jede muttermilch-flasche in rekordtempo geleert. auch wenn der vater ihn gefüttert hat. der kleine hatte die magensonde wirklich nur mehr wegen seiner uneinsichtigen mutter.
bis eine kollegin beschlossen hat, dass das so nicht weitergehen kann. sie hat ihn von 4stündlich auf ad libitum umgestellt. das heißt, anstatt der fixen essenszeiten (alle 4 stunden), darf sich der junge mann nun melden, wenn er hunger hat und muss dann auch keine fixe menge trinken. er hat nur eine mindestemenge, die er in 24 stunden schaffen muss. spätestens nach 5 stunden müssen wir ihn aber immer wecken (ist bei uns standard bei frühgeborenen, die ad lib trinken).
eigentlich stellen wir die kinder erst auf ad lib um, wenn sie sich auch wirklich zu den mahlzeiten (oder schon vorher) melden. dieser junge mann hat das zwar nie getan, aber so konnten wir ihm in der nacht schon mehr füttern (hat er problemlos getrunken), sodass er tagsüber keine zusätzliche flasche gebraucht hat.
das war des rätsels lösung. 5 tage nach dieser umstellung wurde der kleine endlich entlassen. wie die eltern das zu hause gelöst haben würde mich echt sehr interessieren. wahrscheinlich muss der kleine den ganzen tag an der brust hängen… hihi.