0:3 haben sie an unserem letzten Abend in Irland verloren, gegen die deutsche Mannschaft. Wir sahen das Spiel in der Bar des Flughafenhotels, außer uns waren kaum Interessenten. „Wer interessiert sich hier schon für eine randständige Garnisonssportart?“ fragt der geliebte Mann mit Null Fußballverständnis.
Vielleicht ist da was dran. Die irischen Sportarten Gaelic Football und Hurling scheinen sich größerer Beliebtheit zu erfreuen. Immer noch oder wieder? Am Wochenende vor unserer Ankunft fand das All Ireland – Finale in Croke Park in Dublin, dem traditionellen ‚Home of Gaelic Games‘ und Schauplatz tragischer Geschichtsereignisse, statt. Unser Taxifahrer mit Dauerkarte erzählte uns von der mehrtägigen Party rund ums Stadion und dass er seine zwei Dauerkarten für Tausende von Euros oder einen zweiwöchigen Urlaub auf Mallorca mit allem losgeworden wäre. Er hat sie aber natürlich nicht hergegeben.
Gewonnen hat übrigens Dublin, so dass unser Mitbewohner im B&B, der auf Mayo eine kleine Summe gewettet hatte, diesbezüglich leer ausgegangen war. Er erzählte uns dafür von der Hochzeit, auf die er am selben Tag gehen würde: eine 73-jährige Freundin hatte vor wenigen Wochen in Paris von ihrem 81-jährigen Freund einen Antrag bekommen. In Paris. Auf seine Frage, ob der Freund denn vor sie hingekniet sei dazu, meinte sie, ja, sei er und sie hätte es echt mit der Angst zu tun bekommen, ob er wieder hochkomme. Aber das war natürlich nur ein Scherz, der alte Herr sei so fit, der könne heute noch Football spielen. Gaelic Football, versteht sich.
Croke Park musste übrigens auf öffentlichen Druck hin während der Bauarbeiten am anderen Dubliner Stadion in der Lansdowne Road von 2007 bis 2009 auch Fußball und Rugby beherbergen, sehr zum Verdruss der GAA (Gaelic Athletic Association), dem Verband für irische Sportarten wie Gaelic Football und Hurling aber auch Irish Handball, Camogie und Rounders. Ich weiß nicht mit Sicherheit, wovon bei letzteren die Rede ist …
Eine Woche später kamen wir genau rechtzeitig zur zweiten Halbzeit der Wiederholung im All-Ireland-Finale, dieses Mal in Hurling, in Donegal an. Wiederholt wurde, weil das erste Spiel mit einem Unentschieden geendet hatte. Unser Hausherr machte extra für den geliebten Mann den Fernseher an, geschaut habe dann ich. Ich mag nicht behaupten, die Nuancen des Spiels erfasst zu haben, aber ich verstand genug um folgen zu können, und so kann ich Ihnen mitteilen, dass Clare den diesjährigen Titel geholt hat und dass es knapp und spannend war bis zur letzten Minute. Außer mir hat sich noch die kleine Tochter interessiert, die große Tochter und der Mann bevorzugen Rugby, die andere Garnisonssportart, die allerdings recht weit verbreitet zu sein scheint, wenn man von den Sportübertragungen in den Pubs ausgeht.
Fast überall wurden Rugbyspiele mit irischen Mannschaften übertragen. Es gibt vier davon in der Celtic League, und zwar entsprechend den alten Provinzen: Connaught, Leinster, Munster und Ulster. Eine Aufteilung die nicht republikanisch anmutet. Das Interesse meiner Familienmitglieder wird begründet mit „weil hier mal wirklich etwas passiert“ (Tochter) bzw. „es mal richtig zur Sache geht“ (Mann). Nun ja. Wer es mag. Und versteht… Die kleine Tochter fand auch das interessant, wenn auch bedenklich gewalttätig.
Ich hätte mich übrigens gefreut, wenn die ‚Boys in Green‘ am Freitag gewonnen hätten, die deutsche Mannschaft hätte sich sicher noch anders qualifiziert. Aber vielleicht muss man einfach akzeptieren: sie können es nicht wirklich. Pure Begeisterung, singende Fans und Kampfgeist helfen nicht viel, wenn einem der Ball vom Fuß hüpft, man keine Tore schießen kann und nur der Torwart zu wissen scheint, was er tut. So würde ich sagen: ist nicht wirklich ihr Ding.


































