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Musikliebe ist…?

Die Liebe zur Musik, so scheint zumindest die vorherrschende Meinung unter so genannten Musikliebhabern, äußert sich darin, dass man sich auskennt, ständig auf der Suche nach Neuem ist, Tonträger sammelt, einordnet und archiviert – sprich: Musik in Besitz nimmt. Nicht zuletzt, damit sie bei passender Gelegenheit vorführt werden kann, möglichst durch Fakten bereichert: Wann wurde das Stück aufgenommen? Wer hat es komponiert? Woher kommt die Band? Solche Dinge.

Im Bewusstsein so genannter Musikliebhaber kann jemand, der über Vergangenes, Aktuelles und Hintergründe nicht wenigstens halbwegs informiert ist, es nicht Ernst meinen mit der Musik. Verdächtig sind vor allem diejenigen, die keinerlei Vorliebe für ein bestimmtes Genre erkennen lassen. Wer sich nicht einmal auf eine grobe Richtung festlegen kann, am Ende sogar Songs gut findet, die in den Charts gespielt werden, gilt in den Augen so genannter Musikliebhaber als rückradloser Musikkonsument ohne die geringste Chance auf eine tiefe, ernsthafte Beziehung.

Ich frage mich oft, ob es nicht genau umgekehrt ist: Ob die permanente Jagd nach Musik und das zwanghafte Besitzenwollen von Platten, CDs, MP3 im Grunde nicht viel mehr eine Konsumhaltung darstellt, als der Erwerb einzelner Tonträger aus einem ideologiefreien Impuls des Gernemögens heraus. Und ich neige dazu, die Frage mit Ja zu beantworten.

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